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3.10.1904 Zweites Blatt
 
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Nr. 38» Zweites Blatt.

Erscheint täglich mit Ausnahme deS Sonntags.

DieGiehener §amll!enb!atter" werden dem »Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der Hesflfche Landwirt" erscheint monatlich einmal.

Redaktion, Expedition «.Druckerei: Schulstr.7.

Tel. Nr. 51. Telegr.-Adr.: Anzeiger Gieße«.

Montag 3. Oktober 1904

Rotationsdruck und Verlag der BrÜhl'schen Universttätsdruckerei. R. Lange. Gießen.

Eemral-Anzeiger, Amts- und Anzeigebiütt für den Kreis Gießen.

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Doüäsche Wochenschau.

Ml den vorher von keiner Seite angekündkgten Besuch, den der italienische Ministerpräsident Giotitti dem Reichskanzler Grafen Bülow in Ho.bürg v. d. H. ab- gestattet hat, sind die willkürlichsten Kombinationen ge- ,Inüpft worden. Leute, die für .gewöhnlich meinen, das Gras wachsen zu hören, waren denn auch sofort in der Lage, versichern zu können,. daß der Besuch keinen anderen Zweck habe, als eine iVerständigung Italiens mit Deutschland über eine zukünftige Intervention int russisch-ja-s panischen Kriege herbeizuführen. Daß davon keine 'Rede sein kann, geht schon daraus hervor, daß bis jetzt ,keine der beiden kriegführenden Mächte die Dienste einer, Großmacht zu Vermtrtelungszwecken in Anspruch genom- mell hat und vorläufig auch keine Aussicht ist, daß ein solches Ansinnen in absehbarer Zeit erfolgen könne. Hierzu kommt noch daß Graf Bülow in eigener Person einem Interviewer gegenüber erklärt hat, daß der ".Besuch rein üwwlitischer Natur gewesen sei. Eine Korrespondenz aus Wien wußte endlich noch zu berichten, daß die Zusammen­kunft beider Staatsmänner nur aus einem Alt der Höflich­keit beruht habender den erst kürzlich erfolgten, wohl etwas zu enthusiastisch ausgefallenen Begeisterungskundgebungen der italienischen ^Bevölkerung für Frankreich ein Paroli bieten solle. Diese Version klingt allerdings etwas' weih hergeholt, denn bis jetzt hat sichln Deutschland noch nrern and über diese italienischen Gefühlsausjdrüeke beunruhigt ge­fühlt. Auffällig bleibt bei der Visite Giolittis nur, daß dieser zuvor eine Audienz bei König Viktor Emanuel ii- Raceonigi hatte und nach der Mresie von Homburg als­bald auch dorthin zurückgekehrt ist, Jedenfalls hat die Konferenz der beiden Ministerpräsidenten gezeigt, daß die Vermutungen über eine Lockerung des Dreibundes, die in einem Teil der ausländischen Presse ausgestellt worden waren, vollkommen hinfällig sindi

Zwei Ernennungen, die in der vergangenen Woche in den L»deren Regionen der Berliner Beamtenhierarchie vollzogen wurden, haben Aufsehen erregt, schon der Mut- maßungen wegen, die an sie geknüpft wurden. Der bisherige Chef der Reichskanzlei, Geheimrat v. C o n r a d wurde Unter- .staatssekretär im preuß. LandlvirtschaftSministerium und zu seinem Nachfolger ist lautReichsanzeigeich vom letzten Samsrag unter.Verleihung des Charakters als Wirkt. Geh. Oberregierungsrat der frühere konservative Reichjstagsabg.

v. Loebell ernannt worden. Beide Herren sind als stramme Konservative und Agrarier bekannt, der Reichs­kanzler hat imlso durch diesen Aemterwechisel von neuem bekundet, daß er mit den konservativen, trotz ihrer nicht regierungsfreundlichen Haltung in Sachen der Handelsver­träge und der Kanalvorlage, gut Freund bleiben will. Ms, einen weiteren Beweis für das Entgegenkommen der Ber­liner Negierung gegenüber den rechtsstehenden Parteien ist ferner die jetzt amtlich erfolgt Verkündigung des preuß. Fleisch-Ausführun gsgesetzes anznsehen. Tie Vor­stellungen, die die Oberbürgernreister der Städte mit Schlachjthofanlagen noch in letzter Stunde gegen die Jnkraft- tvetung dieses Gelegenheitsgesetzes erhoben hatten, sind zu den Akten gelegt worden. Dem Fleisch ist die Freizügigkeit gesichert worden, die die konservative Partei dem lebendigen Menschen zu beschränken bemüht ist.

Während der Han de lsver trag sver Handlun­gen mit Rußland tauchten Gerüchte auf, daß sich die Verhandlungen zerschlagen hätten uno daß der Vertrag aus Grund des neuen Tarifs nicht zu shande koistmen werde. Aehnliche Gerüchte wiederholten sich vor kurzem hinsicht­lich der d e u t s ch - s ch w e i z e r i s ch e n Verhau d-i langen. Wie aber regierungsseitig versichert wurde, ent­behren die Befürchtungen dep Begründung. .Vielmehr schritten die Verhandlungen in ebenso befriedigender Weise fort, wie die um den Hanoelsvertrag mit 9t.ii mänien. In Homburg haben ja auch zwischen dem Grafen Bülow und dem rumänischen Ministerpräsidenten Sturdza wiederholt Besprechungen stattgefunden, aus denen auf einen günstigen Abschluß geschlossen werden kann.

Durch die Annahme der Novelle zum Ansiedel­ung sgesetz ist der Kampf gegen die großpolnischen Be­strebmrgen in ein neues Stadium getreten. Mcht mehr wie früher können die polnischen Parzellierungs- und Ansied-j lungsbanken, die bekanntermaßen die systematische Seßhaft- machung polnischer Elemente auch in bisher rein deutschen Gebieten in die Hand genommen haben, beliebig viele pol­nische Anwesen und Dörfer sch«assen, sondern für jeden einzelnen Fall der Kolonisation ist die Bescheinigung des Regiermrgspräsidenten einzuholen, in der bestätigt wird, daß die beabsichtigte Ansiedlung nicht dem Zweck desAnsiedlungs- gesetzes und den Zielen der Anjiedelungskommifsron wider­spricht.

Dem Thronwechsel im Zwergstaate Lippe-Det- mold, der mehr die Genealogen und Heraldiker angeht.

kommt insofern eine politische Bedeutung zu, als es sich hier um dynastische Zwistigkeiten.handelt, die mehr als einmal aus das persönliche (Gebiet herübergespielt worden sind. Vorläufig hat sowohl die preußische wie die schaumburgische Regierung Protest beim Bundesrat eingelegt, auf dessen Entscheidung zunächst alles ankommt. Ein Abschluß Me[et, seit Jahren wie eine Seeschlange durch die Blätter winderp. den ^weltbewegenden" Angelegenheit ist noch nicht abzu- sehen, sodaß dieser Sturm im Glase Wasser also noch ge-. raume Zeit fortbrausen kann.

Vom Kriegsschauplätze in Ostasien sind in denj letzten Tagen wichtige Nachrichten nicht eingetroffen. Da die von den Russen in der Gegend von Mukden, wo! übrigens Teuerungspreise herrschen und die Bevölkerung sehr leiden soll, erwartete Ossensive der Japaner bisher ausgeblieben ist, macht sich in der Beurteilung der Stärke der Japaner unter den Russen ein Umschwung geltend. Man schützt jetzt die Streitmachit, die dem Marschall Oyamai zur Verfügung steht, auf nicht mehr als 150 000 Mann mit 650 Geschützen, und die russische Heeresleitung wird hieraus; ihre Konsequenzen ziehen. Die Japaner befestigen Bania- pusa am Oberlauf des Schaho-Talin-Haß. Gegenüber dem russischen rechten Flüg'l überschritt eine japanische- vallerie-Brigade und i\;i Infanterie-Regiment beiTschang-- tan den Huuho. Trotz der Zurückhaltung, die die Japaner bisher zeigten, wird wohl doch bald wieder eine große Schlachst geliefert werden, da es u. a. neuerdings heißt, daß die Ernte dort zum großen Teil durch die Vorbereit­ungen für einen neuen Kamps vernichtet wurde." Aus dem, Hauptquartier der 1. japanischen Armee wird telegraphiert^ die Russen seien von der fortgesetzten Untätigkeit des japani­schen Heeres überrascht. Die Japaner seien ihrer Ueber- legenhert sicher. Die Ankunft uusjischer Verstärkungen be­unruhige sie nicht, wie man vom General ^osacharow selber erfährt, da die Japaner auch von Süden her große Verstärk­ungen erhielteir, Die die russische Küvallerie zum Rückzüge vom Hunho-Flusfe nötigte. Uebrigens finden dort fortwäh-^ rend kleine Plänkeleien statt. _ <

Vor PortArthur dauern die Kämpfe mit der gleichen bisher geführten Erbitteriurg fort, aber trotz der gewaltigen Anstrengungen der Japaner ist es ihnen nicht gelungen, einen entscheidenden Erfolg zu erringen. Der letzte all­gemeine Stürm ist wieder zurückgeschlagen worden. Die japanischen Offiziere geben zu, daß General Stössel eine großartige ^Verteidigung führt. Auroritoüiv wird jetzt ange-

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