Ausgabe 
3.3.1904 Drittes Blatt
 
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Bringe es Abg. Haas fertig, daß die landwirtschaftlichen Abgeordneten 311 Mitgliedern dieser Ausschüsse ernannt wür­den. Dann Woche- es auch möglich sein, die jetzigen tage­langen Debatten darüber auf eine Stunde Tauer herabzu­setzen.

Es sprachen noch die Abgg. Korell,Haas und B ä h r und dann hielt Abg. Dr. Heidenreich als Ausschuß­referent das Schlußwort. Die Forderung von 91 350 Mk. für Rindviehzucht wurde darauf unter großer Heiterkeit des Hauses einstimmig genehmigt; Abg. Köhler, der gestern erklärte, gegen die Forderung stimmen zu wollen, war bei der Abstimmung nicht zugegen.

Bei Titel: Schweinezucht, 11530 Mk., beklagt

Abg. Weidner die jetzigen niedrigen Schweinefleisch- greise, die gar nicht im Verhältnis zu den Produktionskosten ständen. Redner gibt eine genaue Berechnung dafür und weist nach, daß der schweinezüchtende Landwirt jetzt mit bedeutendem Verlust arbeite. Trotzdem seien aber die Schweinefleischpreise für das konsumierende Publikum nicht oder nur sehr wenig herabgegangen. Die Metzger hielten die Schweinefleischpreise noch immer sehr hoch; sie würden auf diese Weise in wenig Jahren reiche Leute und errich- teten sich schone Läden und Prachtbauten. Er richte an die Regierung das dringende Ersuchen, alles zu tun, um diesem Mißstand kräftig entgegenzutreten.

Abg. Ulrich ist ebenfalls der Meinung, daß der geradezu unglaublichen Ausbeutung der Konsumenten ent­schieden entgegengetreten werden müsse. Es könne dies aber nur geschehen, wenn die Gemeinden selber Schlächte­reien errichteten, event. mit staatlicher Unterstützung.

Abg. Dr. Schmitt meint, nicht nur die Metzger, son­dern auch die Bäcker hielten zu hohe Preise.

Ta sich die Negierung bereits zu einer Beantwortung der schon früher eingebrachten Interpellation in Betreff der hohen Schweinefleischpreise bereit erklärt hat, wird heute von einer weiteren Erörterung dieser Frage Abstand ge­nommen und die Position bewilligt.

Ohne wesentliche Debatte uei .n dann genehmigt: für Ziegenzucht 7650 Mk., für Geflügelzucht 4500 Mk., für Fisch­zucht 1500 Mk., für Bienenzucht 2000 Mk., für Bodenkultur 2000 Mk. und zur Förderung sonstiger Zweige der Landwirt­schaft 10200 Mk. Bei Titel Fischzucht verlangte Abg. Bert­hold, daß die Regierung für eine bessere Reinigung der Schwarzbach Sorge tragen möge, die Fischzucht lewe schwer- unter dem jetzigen Zustand; auch durch die Zuckerfabrik Groß-Gerau werde die Schwarzbach sehr verunreinigt.

Für Kap. 76, Bergbau, werden in Ausgabe 20 925 Mark bewilligt.

Bei Kap. 77, Ku n st st r a ß e n w e s e n, bringt Abg. Braun verschiedene Wünsche bezüglich der Verbesserung der Kreisstraßen vor. Die Ausgabe mit 1208 310 Mk. wird daraus bewllligt.

Für Kapitel Handelskammern werden weiter 19 370 Mk., zur Förderung des kausmännischen Fortb.ldungs- unterrichts 12 000 Mk., für die Handwertslammer 5600 Mk. und für Handwerkergenossenschaften 1500 Mk. g^mhmigt.

Kapitel G e w e r b e a it f s i ch t wird auf Antrag des Abg. Adelung zurückgestellt, da dasselbe eine längere Erörter­ung Hervorrufen wird; die nächstfolgenden Kap.tel: Tampf- kesselprüfung, Einnahme und Ausgabe 44 400 Mk., Aichwesen Einnahme 81400 Mk., Ausgabe 19 400 Mk., Zentralstelle für die Gewerbe, Landesgewerbeverein re., Einnahme 45 870 Mark, Ausgabe 147 635 Mk., Chemische Prüsungs- und Aus- tunftftation Darmstadt, Einnahme 5t00 Ml., Ausgabe 14 920 Mark, Gewerbliche Unterrichrsanstalten und sonstige För­derung von Handwerk und Kunstgewerbe, Ausgabe 198145 Mark und endlich für kunstgewerbliche und gewerbliche Zwecke 5500 Mk., rperbeu ebenfalls genehmigt.

Das Haus vertagt sich daraus um iy< Uhr auf morgen früh 9 Uhr.

R.-B. Darmstadt, 2. März. Von den Abgg. Rein­hardt und 19 Genossen verschiedener Partelen wurde zu Kap. 103, Bauwesen, Titel 4, folgender Antrag einge­bracht:Hohe Kammer wolle beschließen, Großh. Regierung zu ersuchen: Für den Fall, daß im Bundesrat eine Gesetzes­vorlage über die Einführung von Verkehrsabgaben auf schiffbaren Flüssen vorbereitet werde, gegen eine solche Vorlage Stellung nehmen zu wollen."

Berlin, 2. März. Die Budget-Kommission des Reichstages begann heute die Beratung des Marine- Etats und nahm eine Reihe kleinerer Abstriche vor. Ins­besondere wurden die Mehrkosten für die Schaffung zweier neuer Departements des Relchs-Marine-Amtes abge­lehnt. Auch beim Kapitel Diarine - Gerichtswesen wurden Abstriche vorgenommen. Eine längere Debatte knüpfte sich an die Vermehrung des See-Offizier- Korps, welches bereits gegenüber dem Flotten - Programm um einen Admiral, einen Kontre - Admiral, 7 Fregatten- Kapitäne und 57 Offiziere überschritten wäre. Von Regier­ungsseite wurde geltend gemacht, daß, wenn die Schiffs­bauten bewilligt wurden, auch die dazu nötigen Offiziere be­willigt werden müßten.

Die Petitions-Kommission des Reichstages beschloß, die Petition der Fischer und Fischerei-Genossenschaft in Frankflirt a. M. betreffend Erlaß gesetzlicher Vorschriften gegen die Verunreinigung der Flüsse durchFabrik- ab wässer dem Reichstage zur Erwägung zu überweisen.

Im Herren h ause wurden heute Petitionen be­raten. Ein Gesetzentwurf betreffend die Befugnisse der Polizei­behörden zum Erlaß von Vorschriften zur Hilfeleistung bei Bränden mürbe einer Kommission überwiesen.

Preußischer Landtag.

Berlin, 2. März. Im Abgeordnetenhause gab Minister Budde namens der Ltaatsregierung vor Eintritt in die Tagesordnung oic Erklärung au, die Kanalvor­lage um>asse außer den Entwürfen betr. Maßnahmen zur Verhütung von Hochwassergefahren in Brandenburg uird dem Havelgebiet uno der Provinz Sachsen und betr. ein allgemeines Gesetz über Freihältung des Ueberschwemm- ungsgebretes in Oberscylesten drei Gesetzentwürfe. Erstens betr. Regelung der Hochwasser-Deiche und Vorflutvernält- nisse an der oberen und mittleren Oder, zweitens, betr. Verminderung der Hocywastergefahren durch Verbesserung der Vorflut an der unteren Eder, Havel und Spree, drittens betr. Herstellung und Ausbau von Wasserpraßen. Die beiden letzteren wären in einigen Tagen lertig und sollten Ursprungiich dem Landtage unverzüglich vo^grlegt werden. Nach näherer Erwägung werde die Regierung aber von der sofortigen Vorlegung absehen, weil oer Entwi.rs betr. Hochwasser-, Deich- und Vorflut-Verhältni'se an d? ren und mittleren Oder noch nicht vom so: 's.scheu E^in-

ziallandtage begutachtet sei und mit dem Entwurf über Verbesserung der Vorflut an der unteren Oder in engem Zusammenhänge stehe, sodaß vielfach einheitliche für den ganzen Oder ström berechnete Maßnahmen gewünscht wür­den. Deshalb sollten die drei erwähnten Gesetze erst nach der Osterpause im Landtage zur Vorlage gelangen, was auch eine unerwünschte Unterbrechung der dringlichenn Etatsberatung verhindern werde.

Das Abgeordnetenhaus beriet ferner über einen Antrag Felisch und Genossen, betreffend eine Neuregelung des Submissionswesens nach der Richtung, daß den Mindest­fordernden nur ausnahmsweise der Zuschlag erteilt werde und daß die Arbeiten und Lieferungen möglichst in Partien begeben werden, ferner eine Resolution Dr. Arend, die gleiche Materie betreffend. Die Anträge wurden der Kom­mission für Handel und Gewerbe übenoiefen. Es folgt die Beratung der Ausgaben der Bauoerwaltung, Titel Ministergehalt, welches bewilligt wurde. Ein Antrag der Budget-Kommission, der vom Minister Budde die Vor­legung einer Denkschrift über die Tätigkeit der Bau- üerroaltung verlangt, wurde angenommen. Präsident Kröcher teilt mit, daß zwecks Fertigstellung des Etats vor Ostern Abendsitzungen abgehalten werden müßten.

Aer Ausstand der Kererüs.

Einem Telegramm des Gouverneurs Leutwein zu­folge ist der Gefreite Emil Fehr aus .Hopfenau (Kreis Insterburg) bei einer Rekognoszierung gefallen. Major v. Estorff meldet, daß auf dem Gefechtsfeld vom 25. Februar (siehe Telegramm vom 28. Februar) vom Feind 5 0 T 01 e gesunden wurden. An Großvieh wurden 800 Stück (nicht 500) erbeutet.

Aus Outja telegraphiert vom 13. Februar der Spezial­berichterstatter derKöln. Ztg." (von Swakopmund am 1. März): Seit Ende Januar beschränkte sich die hiesige Kompagnie Kliefoth auf Aufklärung des Geländes. In der Nähe wurden keine Herero gefunden; Ctaneno hätten sie nach dem Gefecht vom 29. Januar geräumt. Eine von Leutnant v. Stülpnagel gcjüijrre Erkundigung ergab ihre Anwesenheit in größerer Zahl erst in Okawatjewi (gemeint ist offenbar Otowa.uatjivi, 35 Km. südlich von Etaneno, auf dem Wege von Out^v nach Omaruru). Tie Herstellung einer Verbindung mit Omaruru war daher immer noch unmöglich; denn der Weg nach Omaruru führt bei Oka- watjelvi durch Schluchten, weshalb dort ernste Kämpfe wahrscheinlich sind. Seit den ersten Tagen des Februar war eine Osftzcerspcnrvuille westlich bcS Frans- lontein damit beschäftigt, die Gegend zu säubern. Sie stieß dort mit ^erervs zusammen, erschoß zehn von ihnen und iiahm 200 Rinder und viel Klemvieh weg. Erst wenn diese Streifwache zurückgekehrt ist, ist ein Zug nach Omaruru bembar. (Dies alles war im wesentlichen bereits bekannt. D. Red.) Tie Statioli Olaukwejo (am Südende der Etoschapfanne), welche die Owambv beobachtet, wurde verstärkt. Aus Grootfontein trafen am 30. Januar hier Nachrichten ein. Danach ist es am 18. Januar 22 Km. süd­westlich von Grootfontein bei der Wasserstelle Otjvru- ka tu zu einem Gefecht gekommen; die Herero ver­loren dabei zwei Häuptlinge und einen Großmann, der als der Führer des Aufstandes in der dorAgen Gegend galt; im ganzen halten sie 2 6 Tote. Auf unjerer Seite wurde der Unteroffizier Stadler tödlich, verwun­det; weitere Verwundete: Händler Schmiedel, 0armer Halberstadt, Bur Dupwssis uno Retter Pietsche. (Bereits betannt!) Bei dem Angriff der Herero auf die Station Otjitu 0 (40 Sun. östlich von Grootfontein, am Eyuobflusse- fielen der Farmer Wikmer uno der Reiter C 0 l b e r g ; der Reiter Pieph 0 wird vermißt. Auch, mehrere Farmen wurden dort von den Aufständisch.^ ange­griffen; dabei erschlugen jie den Farmer Merkel in Gingab; der Farmer Steinfurth in Olatjougama wird vermißt. (Ebenfalls bereits bekannt.) In Groot­fontein bejinben sich 200 Flüchtige; die Besatzung der Nebenstationen wird dort vereinigt; mit den eingezogenen 60 SJtann der Truppen sind im ganzen 100 waffenfähige Männer dort. Auch die Bewohner Otawis hat man nach Grootfontein gebracht, das verschanzt ist. Die Zahl der Pferde ist gering; einzelne Sterbefälle kamen unter den Pferden vor.

e-u,i> y iüOi und Lund.

Gießen, den 3. März 1904.

Personalien. Ernannt wurden der Hilfsgerichts­schreiber bet dem Amtsgericht Bensheim Konrad Heinrich .Koch zum Hllfsgerichtsschreiber bei dem Amtsgericht Darm­stadt I, der Gerichtsschreibergehilfe Franz Röder m Gerns­heim zum Hilfsgerichtsschreiber bet dem Amtsgericht Bens­heim, der Gefangenwärter am Gefängnis in Darmstadt Jakob Schubert zum Gefangenaufseher an dieser Anstalt.

R. B. T arm sta dt, 3. März. Eine neue Aufregung beherrscht seit gestern abend unsere Stadt. Der Inhaber des alten Bankhauses Carl Schade ist nach großen Defraudationen flüchtig gegangen und wahrscheinlich ins Ausland entkommen. Man schätzt die veruntreuten Summen auf mindestens eine halbe Million Mark. Schade, dessen gleichnamige, von ihm gegründete Firma sich eines guten Rufes erfreute, begab sich gestern abend nach Mainz und hat sich von dort vermutlich mit dem nächsten Schnellzug nach Köln und dann nach London begeben, wo­selbst ein Sohn von ihm angeslellt ist, der zweite Sohn ist Prokurist in des Vaters Firma und heißt Otto. Der Defrau­dant schrieb gestern abend an seine Frau von Mainz hier- her einen Bries, daß er flüchten müsse, aber den Tod einer- langen Gefängnisstrafe vorziehe; es gingen auch spät abends bereits Gerüchte von Schades Selbstmord um, doch glaubt man in den Kreisen feiner zahlreichen Bekannten nicht daran. Die heute nachmittag angestellten Unter­suchungen der Staatsanwaltschaft im Geschäftslokale in der Waldstraße, wo die Firma em elegantes Haus mit großem Geschäftslokal besitzt, ergaben die traurige Tat­sache, daß Schade auch die Privatdcpots angegriffen hat und mitnahm, was er nur mitnehmen konnte; auch das Bargeld fehlt bis auf Kleinigkeiten. Die Staatsanwalt­schaft hat noch am nachmittag über die Firma Konkurs verhängt. Es ist sicher, daß eine große Anzahl hiesiger mehr oder minder gut situierter Bürger zum Teil ihr ganzes Vermögen verloren haben, so ein Rentner fast 50,000.Mark; ein anderer Herr, früherer Inhaber des LokalsStadt Pfungstadt" Halle ihm 11,000 Mark übergeben und sich dafür Kreditbriefe ausstellen lassen für die Weltausstellung in St. Louis, zu deren Besuch er bereits unterwegs ist. Schade ist

58 Jahre alt und verstand es durch fein behäbiges, freund- lich - heiteres Wesen sich überall Eingang zu verschaffen und Vertrauen zu erwerben; er hat dasselbe aufs schmählichste gemißbraucht und alle seine Bekannten hereingelegt, darunter auch zahlreiche Offiziere. Als Ursache der Bankkatastrophe werden die fast wahnsinnigen Spekulationen bezeichnet, die Schade in letzter Zeit unternommen haben soll.

Frankfurt a. M., 1. März. Ter 23jährige Tage- köhner Louis Seipel aus Niedevrad versuchte gestern abend, seine ehemalige Geliebte, die Büglerin Elise Hoffmann, mit einem Revolver zu erschießen. Tas Mädchen erhielt indes nur einen Streisschuß. Tarauf schoß sich Seipel selbst eine Kugel in den Kopf. Er wurde schwer verwundet in das Krankenhaus übergeführt.__________________________

Im Kurpfuscher-Irojeß zu HUstt handelte es sich in der weiteren Verhandlung um einen Fall, in welchem der Angeklagte Schröter einen Schlächtermeister Balzer mittels Heilmagnetismus zu Tode kuriert haben soll. Der Mann litt an quälenden Kopfschmerzen, die den Verdacht eines organischen Gehirnleidens aufkommen ließen. Nachdem sich anfänglich Linderung gezeigt hatte, starb Balzer plötzlich.

Es wird der Sachverständige Dr. Van gehr vernommen, der in seinen Darlegungen vor allem gegen die Behandlung des Balzer durch Magnetismus sich wendet. Was der An­geklagte über den sogenanntentierischen Magnetismus" zum besten gegeben habe, sei Unsinn. Auch die feinsten, mit dem menschlichen Körper in Verbindung gebrachten Meßinstrumente hätten das Vorhandensein einer nach außen hin wirksamen Elektrizität, die ja mit dem Magnetismus identisch sei, nicht ergeben. Angekl.: Für mich ist es ganz gleichgültig, wie und auf welche Weise der Magnetismus im Körper entsteht und ob feine photographische Fixierung möglich ist. Ent­scheidend ist für mich einzig und allem, daß er existiert und daß er wirksam ist, wie ich durch die Ablenkungen der Magnetnadel im Kompaß mittels der mir innewohnenden magnetischen Kraft oft genug bewiesen habe. Vors.: Wie hat sich diese Kraft gezeigt? Angekl.: Dadurch, daß ich die Slabel um 89 Grad ablenken konnte. Sachverständiger Dr. Puppe: Ich mochte bemerken, daß für das, was der Angeklagte da behauptet, eine ganz ein­fache Erklärung vorhanden ist. Es handelt sich da offenbar um eine Erscheinung rem physikalischer, und biologischer Statur. Der Angeklagte hat die Stadel mittels SieibungS- elektrizität abgelentt, das können andre Leute auch.

Hieraiif verbreitet sich der Sachverständige Dr. med. Wugk über die Untersuchung des verstorbenen Balzer in der Königsberger Klinik. Er erinnert sich, den Fall ebenfalls als einen hoffnungslosen diagnostiziert, dem Kranken aber davon nichts gejagt zu haben. Sachverständiger Dr. Gustine - Schmalleninglen, der den Balzer ebenfalls behandelt hat, verwahrt sich in seinen Darlegungen dagegen, daß die Allo­pathen der Homöopathie ignorierend oder gar feindselig gegenüberständen. Sie nehmen vielniehr aus allen Methoden das Beste heraus. Professor Jaffe: Der S)tagnetiSmu6 ist eine Phantafiebildung von ihm. Ein Beisitzer: Herr Sachverständiger, glauben Sie, daß der Angeklagte gut­gläubig handelte, als er seinen sogenanntenMagnetismus" zur Anwendung brachte, daß er auch wirklich, wie er sagt, wenn er feine Patienten magnetisierte, dieselben Schmerzen verspürte wie jene, denn darauf kommt es doch schließlich bet der Betrugsaukkage an. Sachverständiger: Bei sehr nervösen, sensiblen Menschen kommt es fchon vor, daß sie sich gewisse Sensationen embilben. Es ist also durchaus nicht aus­geschlossen, daß der Angeklagte bestimmte Schmerzen w i r k l i ch mit empfindet. (Bewegung.)

* Berlin, 2. März. Eine heplge Explosion er­eignete sich gestern im königlichen Feuerwerks-Labora­torium zu Spandau. In der Raketen - Abteilung ent­zündete sich Füllmasse und flog in die Luft. Das Gebäude wurde erheblich beschädigt.

* Berlin, 2. Heute nachmittag wurde in dem Fremdenzimmer: emes Gasthofes eine gestern dort abge- giegene unbekannte Familie, dem S)iittel|tanbc angehörig und bestehend aus einem etwa 36jährigen SJianu, einer 30jährigen Frau und einer fünftährigen Tochrer, anscheinend durch Morphiumvergiftung aufgefunden. Tie Frau und das Stint) sind tot, der Mann touroe ins Kranken­haus geschafft.

* Hamburg, 2. März. Ein Doppel mord wurde in Fuhlsbüttel bei Hamburg begangen. Der Straßenbahn­schaffner Zeibig erhängte in der Küche seiner Wohnung seine Frau und sein em halbes Jahr altes Kind, worauf er ruhig zum Dienst ging. Der Täter wurde alsbald oer- haftet. Er ist völlig geständig.

Kunst und Wissenschaft.

In Frankfurt a. M. hatte die Uraufführung von HcmS Eschelbachs DramaProfessor Berger" einen starken äußeren Erfolg.

Im Frankfurter Opernhause erzielte Die Wience Hofopern- und Stammexfängerin Fräulein Selma Kurz an drei Gastspielabenden, Hossmanns Erzählungen von Offenbach, Mignon von Thomas und Rigoletto schönen Erfolg, vor allein als Riga- lettos Tochter, Gilda.

Kninerlltüts-Nachrichten.

Heidelberg, 2. März. Professor Rudolf His siedelt mährend des Sommersemesters als Ordinarius des deutschen Rechtes an die Universität Königsberg über.

Gerichtssaal.

Potsdam, 2. März. Die erste Strafkammer des hiesigem. Landgerichts verurteilte die Arbeiter Neumann und Hem wegen K i r ch h 0 f s ' S ch ä n d u n g zu 3 Jahren Gefängnis und 0 Jahren Ehrverlust.

Paris, 1. März. Das Zuchtpolizeigerrcht verurteilte lv Assumptionisten wegen Verletzung des Kongregatlonsgeseyes vx contumaciam zu 14 Tagen Gefängnis oder entsprechenden Ge st ras en.______

Handel und Uerlleyr. DoiliLwiltschast.

Würzburg, 2. März. Tas Bankhaus Benkert u. V 0 r n 1) e r q e r hat heute Konkurs angemeleet. Die U n t e x- bilan 5 beträgt Ml. 5 0 0 0 0 0. Diese dürfte sich noch unter diesen Betrag ermäßigen, wenn die Berliner Depots für Borf ermingeschäfte teitroeife zurückkommen.