Rotati ordd ruck und Verlag der Brühl'sch« Unwersiätsdruckerei, R. Lange, Gieß«.
Rebaktior, Expedition u.Druckerei: Schulstr^.
Lei, 9lt,5L Telegr.-Adr» r Anzeiger Gießen.
Nr« ^58 Zweites Blatt. 154« Jahrgang Mittwoch Ä. November 1904
Erscheint »glich mit Ausnahme des Sonntags. ASP* V A A ▲ A,A a
Die „Gietzener FamMendlStter- werden dem |H| ^|aA|| < P hl il P
»Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der HW W ® &£. 1L, M, S Ö M SL, K H M V'w IL
»yejfischr Landwirt" erscheint monattich einmal. W L, Ea V Ea V”
General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Sietzen.
Mitische Tagesschau.
Die nächste Monarchenbegegnug.
R. Berlin, 1. November.
Die Nachricht, daß Kaiser Wilhelm binnen kurzem eine Begegnung mit König Viktor Emanuel haben werde, ist in der italienischen Kolonie der Reichshauptstadt mit nicht geringer Genugtuung ausgenommen worden. Es wird mit dieser Meldung ivohl auch seine Richtigkeit haben, da ein offiziöses Dementi bisher nicht erfolgt ist, und da die unlängst durch die „Nordd. Allg. Ztg." gebrachte „Klarstellung" der Gerüchte über eine neue Mittelmeerfahrt Kaiser Wilhelms nichts weniger bedeutete als eine Entkräftung dieser Gerüchte. ES läßt sich verstehen, daß die in Berlin lebenden Italiener die Monarchenbcgegnung zunächst mit der Ucbernahnie einer Paten stelle bei dem Sohn des italienischen Königspaares in Verbindung bringen. Man unterschätzt dabei aber keineswegs die politische Bedeutung der in Aussicht stehenden Zusammenkunft. Man ist dazu umsoweniger geneigt, als die Konferenz zwischen dem Grafen Bülow und dem italienischen Ministerpräsidenten Giolitti nicht lange zurückliegt. Zudein besteht Grund zur Annahme, daß schon in jener Konferenz über die Monarchenbegegnung gesprochen worden ist. In den italienischen Hafenstädten beschäftigt man sich bereits mit den Vorbereitungen zum Empfang Kaiser Wilhelms. Ein hervorragendes Mitglied der Berliner italienischen Kolonie gab der Ueberzeugung Ausdruck, daß seine Landsleute am liebsten jedes Jahr den deutschen Kaiser bei sich zu Gaste sehen würden, denn die im Nordland gemachten Erfahrungen bewiesen, daß nichts so belebend auf die wirtschaftlichen Beziehungen zu Deutschland einwirkc, als der regelmäßige Besuch Kaiser Wilhelms. Unter diesem Gesichtspunkt kann auch im deutschen Jiiteresse nur gewünscht werden, daß die deutsche Kaiseryacht häufiger das Mittelmeer kreuze, denn dort hat der deutsche Handel gegen eine schärfere Konkurrenz anzukämpfen, als im Norden. Es sei nur auf das Rhedereigeschäft hingewiesen. Die mächtig ausblühende italienische Exportindustrie könnte sehr wohl die Transporte, die sie englischen und amerikanischen Schiffen überträgt, den deutschen Dampfern zuwenden. Es ist kern Zweifel, daß der wiederholte Besuch Kaiser Wilhelms im Diittelmeer hier seinen Einfluß ausüben würde.
Der „Auftakt".
-tt- Berlin, 1. November.
In parlamentarischen Kreisen glaubt man, daß die diesmalige Generaldebatte zum Reichsetat eine volle Woche in Anspruch nehmen wird. Schon das rein finanzielle Moment, der Zustand der Reich ssinanz en, im Zusammenhang mit der Brausteuervorlage, dürste ausgiebige Erörterungen zeitigen. Andrerseits wird eine eingehende Diskussion über Südwestafrika, das ja den Etat außerordentlich belastet, sich nicht vermeiden lassen, weil dort die Kolonialpolitik Deutschlands in ein neues Stadium getreten ist. Die auf Heiniaturlaub befindlichen Gouverneure Ostafrikas und Kameruns, Graf Götzen und v. Puttkamer, werden der Etatsdebatte beiwohnen. Einen breiter: Raum in dieser dürfte ferner einnehmen die Lippesche Angelegenheit, besonders die Auseinandersetzung über die vom Grafen Bülow gegebene Interpretation des Kaiscrtelegramms an den jungen Gras-Regenten. Man erwartet, daß auch der vielgenannte Staatsminister Gevekot das Wort ergreifen wird. Schließlich bietet, von Anderem abgesehen, die auswärtige Politik der Kritik so reichlichen Stoff, daß mit ihr schwerlich geivartet werden wird, bis die Reihe an den Etat des Reichskanzlers kämmt, bei dem man sonst Fragen der internationalen Politik ^u erörtern pflegt.
*
Zum Stand der Lippeschen Frage im Bundesrate erfahren wir von ko m Pete n ter Seite aus Ber- lin folgendes:
Alte in den letzten Tagen verbreiteten Nachrichten über angebliche schon im Schoße d-es Bundesrats getroffene
..........
Ser Aing.
Kriminal-Roman von O. Elster.
(Nachdruck verboten) (Fortsetzung.)
„Ich sehe cs ein", stimmte der alte Herr seufzend zu. „Tie arme Marie, — wo mag sie jetzt weilen? O die Weiber, die Weiber", rief er dann in kölnischer Verzweiflung, „daß sic doch niemals logisch handeln können! — Nein, es ist jetzt nichts zu machen. Aber morgen in der Frühe, — beim ersten Tagesgrauen breche ich aus und suche sie."
„Ich begleite Sie", sagte Ferdinand. „Und wenn Sie ^erlauben, bleibe ich die Nacht bei Ihnen, damit wir gemein] am in aller Frühe ans Werk gehen können".
„Abgemacht! — Kommen Sie herein. Ta sängt das Unlvetter schon an! — ,C Marie — arme Adarie — Bertha wollte ich sagen.
Damit eilte er wieder in das Haus zurück, gefolgt von Ferdi- tiand. Kaum hatten sie das sebtttzende Tack) crreidjt, als das Unwetter mit alter Macht loSbrach.
Ter Amtsgerichtsrat warf sich in die Ecke des kleinen Sofas und jammerte:
„Marie — Bertha . .. denken zu müssen, daß Tu bei diesem Weiter vielleicht im Walde umherirrst. . ."
Tann sprang er wieder empor und rannte im Zimmer umher und fand leine Ruhe mrd Rast, bis der bleiche Schimmer des nahenden Morgens über die Berge emporiroch. Ta nahm er wieder seinen Hut und stürmte hinaus, die Entflohene zu suchen.
12. Kapitel.
Tie beid'n Herren suchten zuerst die nächste Umgebung de. Haases ab, Lu. |. huch sich keine Spuren. Sodann ward der Web) und aun) der infolge des nächtlicheii Getvittcrs hoch angc- schwollene Dach untersuchet, jedoch ohne jeden Erfolg.
Tie Sonne stand schon poch am Himmel, als sie wieder bei
Entscheidungen, haben nur den Wert von Phantcr- sieprodukten. Nur soviel sei hier ausbvücklich fest- gestellt:
Es ist nie einen Augenblick daran gedacht worden, den streitigen Fall einem aus deutschen Bundesfürstejn zusammengesetzten Gerichte zu unterbreiten.
Es ist nie beabsichtigt worden, die Erledigung des Falles einem Schiedsgerichte unter deins Vorsitze des Großherzogs von Gnden vorzulegen.
Es ist nie davon die Rede gewesen, den Prinzregenten Luitpold von Bayern um hie Uebernahine des .Vorsitzes zu bitten.
Der Stand der Dinge ist in Wahrheit vielmehr dieser:
Der Reichskanzler, dem der Kaiser völlig freie Hand gelassen hat, mußte sein Streben naturgemäß zunächst daraufhin richten, den nach dem Wortlaut der Verfassung unzweifelhaft zuständigen Bundesrat darüber erst zu sondieren, welche Stelle seinen Mitgliedern geeignet scheine, die Entscheidung des Konflikts in die Hand zu nehmen. Cs erschien hierbei aus Gründen, die keiner näheren Erörterung bedürfen, einmal wünschenswert, daß ein solcher Beschluß des Bundesrats, tvenn nicht einstimmig, so doch mich großer Majorität gefaßt werde. Und es erschien ferner nottveudig, noch vor Fassung dieses Beschlusses Sicherheit zu gewinnen, daß keine der beiden streitenden Par teilen Protest gegen ihn erhöbe. Augenblicklich sind die Dinge über dieses Stadium noch nicht h i n a u s g e d i e h e n. Es ist also völlig verfrüht, und haltlose Kombination, wenn behauptet wird, es werde wie im Jahre 1897 ein aus Mitgliedern des Reichsgerichts unter dem Vorsitze eines deutschen Bun- desfürsten zusammengesetzter Schiedsgerichtshof berustn werden. Darüber besteht allerdings im Bundesräte kaum eine Meinungsverschiedenheit, daß die Thronfolgefrage einer rechtlichen Erledigung bedarf, da die Frage der Successionssähigkeit des Grasen Leopold zur Lippe in jenem Spruch vom Jahre 1897 absichtlich offen gelassen wurde.
Wir können auf Grund anderer Informationen noch hinzufügen, daß auch der bayrischen Regierung zur Stunde nicht das Geringste von der Absicht bekannt ist, den Prinzregenten Luitpold zur Uebernahme derjenigen Rolle zu Bewegen, die int Jahre 1897 der König Albert von Sachsen inne hatte. Es ist nach dem Naturell des greisen Regenten auch wenig wahrscheinlich, daß er diese Rolle, vorausgesetzt, daß sie ihm angeboten würde, je aceeptierte, ganz abgesehen von seinem gegenwärtigen leidenden kör- perliKen Zustande.
Zwischen Rußland und Deutschland ist, wie allseitig angenommen wird, eine so enge Annäherung wiederhergestellt, wie sie seit den Tagen Alexanders IL und Wilhelms I. nicht mehr bestand. So schreibt auch der Berliner Universitätsprofefsor Schiemann in der auswärtigen Wochenrundschau der konservativen „Kreuzztg." (Nr. 503):
Als ein hüchst erfreuliches Ereignis notieren wir die Tatsache, daß der russische Militarbevollmächtigte Oberst Schebelo der Person Kaiser Wilhelms und dernentspreck-end unser Miiirärbevollmächtigter Graf Lamsdvrff der Person Kaiser- Nikolaus II. attachiert worden ist. Tie freundliche Neutralität, die T-eutschland unter Aufrechterhaltung aller durch das Völkerrecht gesetzten Schranken während des Krieges itn fernen Osten behauptet hat, findet damit einen natürlichen Ausdruck, der wohl zeigt, daß die seit den Tagen Alexanders III. auf gekommene Spannung enbgiltig b es ei ti gt ist. Auch die öffentliche Meinung Rußlands hat die Tatsache mit Befriedigung aufgenommen, lvie sich denn nicht verkennen lä^t, daß in dieser Hinsicht ein Umschwung eingetreten ist.
Zweifellos liegt in dieser Annäherung ein großer Erfolg der deutschen Politik. Wenn aber die beiden Kaiserstaalen derart verbrüdert sind, so wird den Franzosen am „Z weibu n d" nichts mehr liegen, denn sie hatten ihn doch nur in der Hoffnung abgeschlossen, daß er seine Spitze gegen Deutschland richte. Ach mit Rußland gegen England oder irgend einen anderen Staat zu verbünden, daran denken die Revarrcyemänner nicht. Allervtngs mag neben dem Zweibund jetzt, auch der Dreibund mehr als nn „Bonmot von vorgestern" aufzufassen sein, ^er Bündnisvertrag bezweckt nur die Unterstützung beibcr gegeit einen russischen Angriff; da aber jetzt ein rui.ischer A.ngrcff auf Teutschlaird nidjt mehr zu besorgen ist, hat das Bündnis den größten Teil seiner Bedeutung verloren. Was galten betrefft, so bat es seit seiner ftanzösischen „Ertratour" tvohl auch kaum noch Besorgnis vor einem Angriff von dieser ^eite her.
bem kleinen Hause ein trafen. Ersck)öpft trocknete sich'der Amtsgerichtsrat den Schtveiß von der Strrn: m seinem Alter machten sich die Folgen der eifrigen Walrderung durch den warmen Sommermorgen merklich fühloar. , , „
„Ich kann mich kaum noch auf den Beinen halten", ^^^^Sie^'sollten sich niederlegen, Herr Rat", sagte Ferdinaitd. Ich'werde die Nachforschungen allein fortsetzen.'
Noch einen Versuch taffen Gie mich ntaujtn, ihre L-Pur zu finden. Lassen Sie uns Erstmdigungen im Torfe einziehen, ob sie dort gesehen worden ist." , . . _ n
„Ich bin einverstanden, wenn Sre vorper nut nur un Gasthaus" etwas frühstücken wollen." ,
Gut Ich fühle, daß ich eurer flctnen Stärkung bedarf." Im "Gasthaus angenommen, bestellte Ferdinand eure Tasse Bouillon unö einige gekochte Eier Trotz seines Kummers aß der gute alte Herr mit trefftich-em Appetit und erlangte bald icinc frühere Lebhastigkeit und Energie zurück.
„Lassen Sie uns letzt werter forfchen!" rief er, sich rasch erhebend. Augenblick trat Herr Nengcbaur in das Gastzimmer und sah erstaunt die beiden Herren freundichaftlrch zu jammen verkehren. , „ . , 1
Guten Morgen, meine Herren sagte er lackiclnd. „Ich sehe,' die Herren haben fcljon Freundschaft geschlossen."
„Allerdings" . entgegnete der Rat scharf. „Und ich hoffe, daß diese Freundschaft langer dauern wird, als die unfrige, Herr Neugebaur!" ~ Lrr r ~
„Weshalb sollte unsere Freundschaft so bald endigen, Hon Amtsg^richtsrat?" versetzte Neugebaur lächelnd. .
, Weil . weil Sie ein . . . ooch laßen wir das letzt! unterbrach er sich selbst, indem ihm ein neuer Gedanke tarn. „Sie sind ja ein sehr findiger Kopf, Herr. . . Heer Neu gebaut-, und beobachten sckmrf. Haben ^ie vielleicht gestern kurz nach der Mittagszeit Marie Brandt gesehen?" ,
„Freilich, Herr Rat, und ich habe tniaji sehr über ihr ver-
Zur Vorgeschiche der Erbschaft Bebels, der bekanntlich von einen früheren bayrischen Oski- zier, Koklniaün, zuu Erben seines bedeutenden Vermögens eingesetzt worden 'st, schreibt Bebel in der sozialdemokratischen ^Münch. Pos": Kollmann wurde 1873 weigert eines Hals leidens pensioniert. Meine Beziehungen zu dem Verstorbenen datieren aus dem Frühjahr 1874, also volltz fünstJahre vor seiner Testierung. Kollmann begann damials, einen Briefwechsel mit [mir, dessen nächstes Resultat war, daß er mich im Juni 1874 in Leipzig besuchte und einen halben Tag mein Gast war. In den nächsten Jahren war unser Briefwechsel spärlich. Dieses änderte sich aber, als Kollmann am Anfang 1878, aus Grujstd eines ehrengerichtlichen Urteils, das Recht, dieUnisorm zu tragen^avs- erkannt wurde. In diesem Prozeß spieQe ein Bruder. Kollmanns, der genötigt genesen war, als Leutnant den Abschied aus der Armee zu nehmen, und ein dcmrals noch im Dienst befindlicher Schwager, der im Range eines Premierleutnants stand, und hie beide heute noch leben, eine für Kollmann Verhängnisrolle Rolle. Kollniaryr wurde unter anderem von den beider, moralisch gezwungen, wegen einer Unbesonnenheit, die er gegen den aus der Arwcp enlckassenetr Bruder wegen deffen Lebenswandel begangen hatte, einen Revers zu. unterzeichnen, auf Grund dessen hauptsächlich das Ehrengericht zu seinem Spruche kantz. Daß aber die vorgesetzte Behörde insbesondere auch 'das Verhalten des damals noch iin Dienst befindlichen Schwagers gegen Kollmann mißbilligte, dafür spricht, daß bem* selben auf Unordnung des TivisionZkommandeurs vor versammeltem Ossizierkorps ein «Verweis erteilt wurde. Koll-, mann war über das ehrengerichTiche Urteil sehr aufgebracht, und nachdem ich erst Weeder in diesen Tagen die Men dessolbert eingesehen habe, mit Recht. Er wandte sich d-ari auf an mich pnter Darlegung des Sachverhalts und bat, daß ich 'ihm dü'rch Erörterung der Angelegenheit im Reichstag zu seinem Recht verhelfen möchte. Ich antwortete, ihm, daß dieses unmöglich sei. Der Reichstag könne weder ehrengerichtliche.Urteile abändern, noch dahin wirkest, daß sie abgeändert würden. Tie einzige Möglichkeit, dest Spruch aus der Welt zu schaffen, sei die sÄtretung deS> Gnadenwegs. WoUe er aber diesen Wieg betreten, dann! sei eine Erörterung seiner Angelegenheit im Reichstags durch meine Person der deutbar verkehrteste Weg, denn dann werde sein Gesuch sicher abgelehnt werdchr. Das. sah Kollmann ein und' beruhigte sich M diesem meinem Bescheid. Er hat dann in der Tat bei dem damaligen König von Bachern ein Gnadengesuch tzingereichch wurde aber ab* schlä glich beschieden. Seitdem hörten meine Beziebungen: zu Kollmann auf, von dessen späteren Schicksalen ich erst durch seine testamentarische Werfügung und den daraufhin,^ ein geleiteten Erbschaftsprozeß Kenntnis ssrhielt. Zn bezstgj auf letzteren möchte ich noch bemerken, daß ich und mein testamentarisch eingesetzter Mterbe den vom Erbe ausgeschlossenen Geschwistern im vorigen Jahre einen jVer- gleich anboten, der aber von diesen abgelehnt wurde,, ßä diese heute anders denken, weiß ich nicht. s ' ,
ÄuöLanö.
Paris, 1. Nov. Ter Urheber des gegen den Kriegsminister auSgebcuteten Torumeutendiebstahls ist ein junger, bisher sehr eifriger Freimaurer Namens Sebeguin, der seit sieben Jahren als Sekretär in der Freimaurerloge „Grand Orient" angestellt, war. Bedeguin, der ein Monatsgehalt von 500 Frcs. bezog, soll für die Tvkumente 42 000 Frcs. erhalten Habern Ta der klerikale Käufer 50 000 Frcs. bezahlte, existiert offenbar ein Vermittler, der 8000 Frcs. einsteckte. Ter Kriegsminister forderte den Teputierten Guyot de Billeneuve auf, ihm Gelegenheit su geben, die von ihm in der Kammer verlesenen Dokumente anf ihre Echtheit zu prüfen. Bikleueuve lehnte jedoch ab, dem Wunsch des Ministers zu entsprechen.
Wien, 1. Nov. Staatssekretär Graf PosadowSky ist mit feinen Begleitern heute früh hier eingetroffen. Er wird morgen vom Kaiser in besonderer Audienz empfangen werden.
Troppau, 1. Nov. Gestern abend wurden in Pbeefutt wegen des Beschlusses des Ortsschulrates, die irchste KLasse tret tschechischen Mädchenschule zu sckKeßen, tschechische unb deutsche Versammlungen veranstaltet. Am Schluffe der tschechischen Versammlung zogen die Teilnehmer gegen Mährisch-OstrOn. Die an der Stadtgrenze ausgestellte Sick>erheitswache unb die GcndarmMe foiärerten die Menge vcrgelstich auf, ausLfnsrkder^g»-«!. We tourben mit Steinen und Bierflaschen bewsLFfe-rv; zwei Wachtleute wurden verletzt. Tie MeNtze öwrde hierauf von der städtischen Wache zersprenst. Sie sammette sich
störtes Wesen gewundert, da sie doch sonst die Glcichnmt seW. war. Sie ging — ja sie lief fast durch das ganze To^ daß ich sie kaum einholen konnte."
„Sie baten mit ihr gesprochen?"
„Ja... das heißt, ich versuchte sie anzureden, doch sie wies mich mit heftigen Worten ab. Ich folgte ihr bann in einiger Entfernung und sah, datz sie sich in die Fabrik begab. Nach einiger Zeit sah ich sie wieder herauskommen. Sie hatte ein großes dunkles Tuch über den Kopf geschlagen und ein kleines Läscl)chm am Arm. Eine Weile blieb sie wie unentschlossen stehen und blickte, lute es mir schien, sehnsüchtig nach ihrem kleinen Hause hinüber. Tann zog sie mit einer raschen Bewegung das Luch über den Kopf, wandte sich ab und schritt davon"
„Wohin — wohin?"
„Ja, das kann ich Ihnen auch nicht sagen Sie verststate die Laudsiraßc, welche nach Böhmen hineinsuhrt. Ich folgte ti)r eine zeit lang, bald aber mußte ich dies aufgeten; ich hätte sie gern noch einmal angeredet, aber sie ging so rasch unb der Nack>- mittag war sehr heitz, so daß ich schließlich die Verfolgung aufgab."
„Ich baute Ihnen für diese Auskunft..."
„Bitte sehr, Herr sJiat . . . wenn Sie meine Dienste noch feiner in Anspruch nehmen wollen. . ."
(Fortsetzung folgt.)
— TaS badische Kultusministerium hat Prof. W. Trü.bner für das Studienjahr 1904/05 zum Direktor der Akademie der bildenden Künste in Karlsruhe ernannt.
— Am lü. d. M unb folgende Tage Wirb in München unter Leitung des gcr. verpfl. Kunstexperten Maurer eine ^omm- tung wertvoller Gemälde alter und moderner Meister, diücklaw R. Beyschlag, W. v. Kaulbach versteigert. (S. Inserat.)
— Wil h e l m H o l 5 a m e r s Trama „A n b v c a K r afft" wurde von den vereinigten Leipziger Schauspielhäusern erworben.


