norncn selbst, oder durch die lanidw. Genossenschafter:, bte da gerne ihre hilfreiche Hand bieten, betätigt werden. Leiber ist zu befürchten, daß, nachdem neuere Nachrichten über, große Trockenheit aus so vielen Gegenden berichten, die Grmnmeternte-Aussichten sich verschlechtern, dann wäre die Mahnung erst recht am Platze: Landwirte, geht sparsam um mit Eurem Futter!
Mniversitäts-Wachrichtcn.
(hc.s Berlin, 1. Aug. Der Wirkliche Geheime Oberregier-- üngsrat, Professor Dr. phck. et jur. Wilhelm Foerfter, der veä>icnte Direktor der Königlick-en Sternwarte zu Berlin und Professor der Astronomie an der Berliner Universität, begeht am 5. August das 50jährige Doktoriubil aum. — Geh. Negierungsrat, Prof. .Dr. Phil. Ludwig C l a i s e n , bisher Direktor des chemischen Instituts an der Kieler Universität, tritt zu Ende des lauferrden Semesters von der Professur in Kiel zurück mtb übernimmt die ihm von der Unterrichitsverwaltung angetragene ordentlichie Honorarprosessur an der Berliner Universität. Zum Nachfolger Claiseus in Kiel ist der a. o. Professor der Chemie und Abteilungsvorsteher am ersten chemischen Institut der Berliner Universität, .Dr. .Carl H a r r i e s aus- ersehen. — Zum Rektor der Berliner Universität für das am 15. Oktober beginnende Studienjahr 1904/05 wurde heute abend Geh. Medizinalrat Professor Dr. med. ct phil. Oskar Hertwig, .Direktor des an a tom i s d>b io logischen Instituts und Mitglied der Akademie der Wissenschaften, gewählt. Er ist am 20. April 1849 in Friedberg in Hessen geboren.
Heidelberg, 1. Aug. Für die Studierenden der Rechtswissenschaft dürste es von Interesse sein zu erfahren, daß bei der Heidelberger juristischen Fakultät mit dem 1. Oktober d. I. eine neuePromotionsordnung in Kraft tritt, die Kandidaten aber, die sich spätestens bis zum 30. September d. I. anmelden, .noch nach der bisherigen Ordnung promovieren können. Letztere bietet insofern einen großen BorteU, als nach ihr an die Stelle eener Dissertation such 'bk Bearbeitung zweier von dem Dekan zu bestimmenden Textstellen treten darf. Die Bearbeitungen. die der Kandidat ausführen kann, po er will, sind binnen vier Dtonaten vom Empfang der Aufgaben cinzureichen. Sollte diese Frist nicht genügen, .so hat der Kandidat vor ihrem Ablauf eine Verlagerung beim Dekan nach-usucheu. Wird eine Bearbeitung ungenügend befunden, .so erhält der Kandidat sofort eine neue Aufgabe.
Kerichtsjaai.
fr. Bad-Nauheim, 29. Juli. Vor dem hiesigen Schöffengericht hatten sich der Redakteur der „Mitteldeutschen Sonntagszeitung" Vetters aus Gießen sowie drei Einwohner aus dem nahen Rödgen wegen Beleidigung des Polizei- dieners und Flurhüters Fink in Rödgen zu verantworten. Dem Poli-eidiener hatten die Angeklagten vorgeworfen, daß er sich des öfteren in unberechtigter Weise Obst ungeeignet habe. Die Beleidigung .geschah in einer Versammlung, über die Vetters berichtet hatte. Das Gericht beschloß auf Antrag des Anwalts der Angeklagten, die Akten au die Staatsanwaltschaft nach Gießen einzureichen zur Untersuchung gegen Fink wegen Meineid.
GU) Darmstadt, 1. Aug. Vor einigen Tagen hatte sich ein Kompagniechef vom Jnf.-Regt. Nr. 115 wegen Mißhandlung Untergebener in zwei Fällen vor dem Kriegsgericht zu verantworten. Bei der ^koutroUierung der vorgeschriebenen Schießübungen auf dem Schießstand srug er zwei der Gardisten, die schlecht geschossen hatten, nach dem Resultat ihrer Schüsse und als ihm die Antwort zu teil wurde, gab er jedem derselben links und rechts einige Ohrfeigen vor ver- iamuielter Mannschaft. Dem Angeklagten wurden mildernde Umstände zugebilligt, da er für nervös leidend angesehen wird. Eine vor ca. zwölf Zähren wegen ähnlicher .Vergehen erlittene -Strafe kam erschsv-erend in Betracht. Er wurde zu 17 Tagen Stubenarrest verurteilt.
Aröetterveweguug.
Gera, 29. Juli. Der nunmehr nahezu ein Vierteljahr andauernde Streik der Maurer droht ganz bedenklichen Umfang anzunehmen. Nach einer nochmaligen Einigungsverhandlung vor der Bau-Innung Haden die Maurer in einer besonderen Versammlung beschlossen, auf die Vorschläge der Arbeitgeber nicht einzugehen. Sie verlangen vielmehr nach wie vor eine 26 prozentige Lohnerhöhung und einen Mindestlohn auch für den unfähigsten Arbeiter. .Die Arbeitgeber wollen nun, ‘ falls bis zum 15. August die Arbeit nicht aufgeuommen wird, auch die bis jetzt gemachten Zugeständnisse zurückziehen und mit den anderen Berufsgruppen wegen einer eventuellen Massen-Aus- ßperrung für d-as Baugewerbe im Frühjahr 1905 verhandeln. Der deutsche Arbeitgeberbund für das Baugewerbe hat für die weiteren Maßnahmen bereits die nötigen Mittel zugesagt. Von einer Aussperrung der übrigen hiesigen bau- gewerblichen Arbeiter in diesem Jahre soll zunächst noch ab- lgesehen werden. .(Frkf. Ztg.)
Sport.
— Der Erste Gießener Stemm" und Ring-Klub erhielt bei dem am 31. Juli stattgehabten Athleten-Wettstreit des Hessischen Athleten-Verbandes in Hersfeld folgende Preise in der 3. Klasse: Im Steinstoßen die Herren: H. Lorenz den 6.,
H. Feußer den 7., L. Sommerlad den 8...L. Süß den 9., K. Martin den 11. Preis: im Stemmen die Herren: L. Sommerlad den 3., L. Lorenz den 5„ L. Süß den 10., K. Martin und H. Feußer den 11. Preis; im Ringen die Herren: L. Sommerlad den 2., K. Martin den 4., H. Lorenz den 11., H. Feußer den 12. Preis.
+ Wißmar, 1. August. Gestern sand hier ein 12 Kilo- meter-Str aßen-Rennen statt. Nach einigen Vorläufen folgte ein sehr interessanter Entscheidungslauf; etwa 1000 Meter vor dem Ziel entspann sich noch ein spannender Kämpf. Endlich nahm A. Schaum-Klem-Linden mit einem schönen Endspurt die Spitze und wurde somit Erster; ihm folgte E. Lauer-Gießen als Zweiter, E. Seipp-Klein-Lind eil als Dritter und Schwalb-Lollar als Vierter.
kus im Stfiuitsarotsngiflerii der Stabt EießkL.
Aufgebote.
Am 23. Juli. Philipp Gebhardt, Weinhändler dahier mit Elise Margarete Dorothea Engel in Alzey. Am 25. Juli. August Wilhelm Eschenauer, Kaufmann in Heidelberg mit Marie Philippme genannt Berta Kinkel dahier. Am 26. Juli'. Emil Heinrich Geis- mar, Kaufmann dahier mit Anna Alana Schmidt in Gütersloh. Am 27. Juli. Justus Ludwig Hoos, Polsterer dahier mit Teda Reinhardina Meyer hierselbst. Am 28. Juli. Otto Bischoff, Geometer 1. Klaffe dahier mit Lina Balser in Büdingen.
Eheschließungen.
Am 23. Juli. Heinrich Datz, Dialer und Lackierer in Langgöns mit Emma Emilie Berta Brunow dahier. — Christoph Ferdinand Heinrich Naujoks, Schlosser in Frankfurt a. M. mit Sophie Wahl dahier. Am 28. Juli. Nathan Grünewald, Kauf- marm in Offenbach a. M. mit Martha Rosenbaum dahier.
Geborene.
Am 16. Juli. Dem Sprachlehrer Henry Marie Joseph Hontzix de la Brousse ein Sohn, Camille Edmund. Am 23. Juli. Dem Schlosser August Heinrich Noll em Sohn, Walter Heinrich. Am 24. Juli. Dein Besitzer einer Wagnerei Heinrich Mühlich ein Sohn. — Dem Zigarrenmacher Konrad Heberer eine Tochter, Elisabeche.
Gestorbene.
Am 22. Juli. Sophie Ruckstuhl, geb. Noll, 83 Jahre alt, Witwe des Zimmermanns Georg Nuckstuhl dahier. Am 23. Juli. Wilhelm Johann Born, 3 Monate alt, Sohn des Viehhändlers Karl Johannes Born dahier. Am 25. Juli. Helene Geitz, 2 Jahre alt, Tochter des Hilfstelegraphisten Karl Geitz dahier. Am 26. Juli. Elisabeths Auguste Lenz, 8 Monate alt, Tochter des Zementarbeiters Heinrich Lenz 1L dahier.
Auszug aus ötn KirÄnbiicherü der Stabt Gietzen.
Getaufte.
Matthau sgemeinde. 23. Juli: dem Reisenden Heinrich Schott ein Sohn, .Hans Ferdinand Walter, geb. den 7. Mai; 24. Juli: dem Fuhrmann Josef Bergener ein Sohn, Otto, geb. den 1. Mai; dem Fuhrmann Heinrich Leinberger eine Tochter, Elisabeth, .geb. den 6. April; dem Friseur Heinrich Insel eine Tochter, Marie Katharftre, geb. den 24. Juni. — Markus- gemeinde. 24. Juli: dem Schneider Georg Rieß eine Tochter, Paula Käthe Hermine, geb. ,ben 20. Juni. — Johannes- g e m einde. 24. Juli: dem Bäckermeister Karl Euler ein Sohn, Albert, geb. den 19. Juni. — Militärgemeinde. 29. Juli: dem Vizefeldwebel Otto Reitz ein Sohn, Otto« .geb. den 26. Juni.
Getraute.
Lukasgemeinde. ,23. Juli: Christoph Ferdinand Heinrich Paujoks, Schlosser zu Frankfurt a. M. und Sophie Wahl, Tochter des verswrbenen Schmieds Johann Wahl zu Diebach; 24. Juli: Heinrich Datz, Maler und -Lackierer zu Langgöns und Emma Emilie Bertha Brunow, Tochter des Eisendrehers Franz Brunow zu Gießen.
Beerdigte.
Matthäusgemeinde. 25. Juli: Sophie Ruckstuhl, geb. Noll, Witwe des Zimmermanns Georg Ruckftuhl, 83 Jahre all, starb den 25. Juli. — Lukasg emeinde. 25. Juli: Professor Dr. August Laubenheimer, Geh. Negierungsrat. zu Höchst am Main, 56 Jahre all, starb den 22. Juli zu Höchst a. M.; 26. Juli: August Joseph, Großh. Oberforstnreister i. P., 51 Jahre all, starb den 23. Juli zu HeppeulMm^ 27. Juli: Helene Geitz, Tochter des Hllfstelegraphisten Ztarl Geitz, 2 Jahre all, starb den 25. Juli.
Handel und Verkehr. Volkswirtschaft.
Berliner Börse dcue 1. August 1904.
(Mitgetelll von der Bank für Handel und Industrie, Gießen.) Privat-Diskont 21/, ProzerU.
Anfangs- u. Schlußknrse.
Oe st. Kredit .... —.— 200.40
Deutsche Bank
. 218.60 218.50
Darmstädter Bank Bochumer Guß . Harpener Bergbau
. 137.00
. 205.60
. 206.60
137.12
205.25
207.10
Tendenz: Ziemlich fest
Berlin, 1. Aug. In einer heute stattgebabteu Sitzung l^rben der Vorstand und der Aussichtsrat der Bergwerks- Gesellschaft Hibernia die der Gesellschaft vou der Staatsregierung geniad)te Offerte über die Abtretung des Unter
nehmens an den Staat geprüft und einmütig beschlossen, den Aktionären, die in einer auf den 27. August nach Düsseldorf
einzuberufenden .Generalversammlung .über den Antrag zu entscheiden haben werden, Pie Ablehnung desselben zu empfehlen. Eine entsprechende Erklärung an die Aktionäre .wirb von den Verwaltungsorganen unverzüglich in den Tagesblättern erlaßen.
— Reichsbank. Am 20. August d. Js. wird in G u 11 - stadt eine von der Reichsbankstelle in Allensteiu abhängige Reichs- banknebenstelle mit Kasseneinrichtung und beschränktem Giroverkehr eröffnet werden.
Markte.
Gießen, 2. Aug. Marktbericht. Auf heutigen: Wocbenmarkt kosteten: Butter pr. Pfd. 1.10—1.20 Mk., Hühnereier 1 St 6-7 Pfg. 2 Stck. 00—00 Pfg., Gänseeier 00—00 Pfg., Enteneier 7—0 Pfg., Käse pr. Stck. 6—8 Pf., Käsematte 2 Stck. 5—6 Pfg. Erbsen pr.Liter 21 Pfg^ Linsen pr. Liter 32 Pfg., Taubenpr. Paar 0,80-1,00 Mk., Hühirer pr.St 1,30—1,40 Mk., Hähne pr. Stück 0,80—1,70 Wik., Enten pr. Stück 77,i—2,20 Mk., Gänse vr. Pfd. 00—70 Pfg., Ochfeiifleisch pr. Pfuiid 00—80 Pfg., Kilh- unb Rindfleisch pr. Pfund 62—68 Pfg., Schweinefleisch pr. Pfund 60—72 Pfg., Schweinefleisch, gesalzen, pr. Pfund 76 Pfg., Kalbfleisch pr. Psd. 68—76 Pfg., Hammelfleisch pr. Psund 50—74 Pfg. Kartoffeln pr. 100 Kgr. 6,00—8,00 Ml., Weißkraut per Stück 9—12 Pfg., per Zentner 0.00—0.00 'Dit., Zwiebeln pr. Zentner £,00—10,00 Mk., Milch per Liter 18 Pfg., Aepfel per Zentner 00 bis 00 Mk., in Körben 00—00 Pfg. Nüsse 100 St. 00—00 Pfg.
I Kirschen per Pfd. 00—00 Pfg. Marktzeit 7—1 Uhr.
gpülplan der vereinigten Frankfurter Ztndttheater.
Lchauspielhaus.
Dienstag den 2. 2lugnft *): „Tie Fledermaus." Mittwoch den 3. August, abelids halb 8 Uhr: „Die Regimentstochter." Donnerstag den 4. August: „Fatnlitza." Freitag den 5. August: „Figaros Hochzeit." Samstag den 6. August: „Boccaccio." Sonntag den 7. August: „Mignon." Momag den 8. August, abends halb 8'Uhr: „Zar und Ziinmennanu." Dienstag den 8. August: „Fatinitza."
*) Anfang, wenn nicht anders bemerkt, abends um 7 Uhr.
Spiclpian des Oroßh. Kurlyeaiers Akd-Nauhei«
(Direktion S t e i n g o e 11 e r).
Tieiistag deii 2. Ailgust, nachmittags: „Ter gestiefelte Kater/ Mittwoch deri 3. August: „Ter Veilcheiifresfer." Freitag den 5. August: Ter Vogelhändler."
Eingesanöt
(Für Form und Inhalt alter un.ü. di.- r Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redallion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.)
Gießen, 30. Juli.
Es möge an dieser Stelle auf etwas hingewiesen werden, was bei den Jugendfesten bisher vermißt wurde. Man sollle Fürsorge treffen, daß man an diesem Tage im Philosopherrwald auf dem Festplatze für billiges Geld auch etwas zu essen bekommt und nicht gezwungen ist, belegte Brote kaufen zu müssen. Es wäre zu empfehlen, einige der AussckMnkftellen an Wirte zu übertragen, welche gleichzeitig Metzgereien betreiben, und diese zu verpflichten, beim Jugendfeft Wurst zum Ladenpreise und die etwa dazu gewünschten Schnitte Brot billig .abzugeben. Man würde mit einer solchen Maßnahme den Dank derjenigen Ellern verdienen, welche zahlreiche Familie haben, und auch gewiß andere Teilnehmer am Fest würden gern von dieser Einrichtung Gebrauch machen.
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Die Ammen sind eine Plage für die F-amilie, da sie im Bewußtsein ihrer Wichtigkeil die Sorge des ganzen Haushalts für sich beanspruchen. Die Ernährung der Kinder mit Kufcke's Kindermehl macht, wegen der leichten Zubereitung, der Mutter nur geringe Mühe, und berührt den übriger: Hmrshalt garnicht Dabei ergibt diese Ernährung die günstigsten Resriltate, da das Kufeke- Kindermchl die in der Mutternulch enthaltenen Nährstoffe in^ richtigen Verhältnis enthält, stets gleichmäßig hergestellt wird und haltbar ist unb bas Körpergeivicht bes Kinbes sehr günstig becm= flußt. Tie mit Kuseke's Kinbermehl ernährten Ki'nber werben iveuiger von Magen- unb Tannkatarrhen heirngesucht, ba sie eine leichr verbauliche Nahrung erhalten, welche im Darm ben bort vor- hanbeneii Krankheitskeimen einen schlechten Mhrboben barbietet. ss1,.
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Kunst und Litteratur.
— Kölner T h e a t e r v e r h ä l t n i s s c. lieber die durch den Tod des Theaterdirektors Otto Purschi au geschaffene Lage der hiesigen Theaterverhältnisse schreibt die „Köln. Ztg.": Die Frage: „Was nun'?" macht angesichts ber bevorstehenden Eröffnung .der neuen Spielzeit und der Plötzlichkeit des eingetretenen Todes auch nicht vor dem offenen Grabe Halt. Es sind mehrere Auswege möglich. Das Theater kann der Witwe zur Weiter- fühcung übertragen werden. Ob sie sich dazu ohne^ sinanzielle Garantien seitens der Stadt bereit finden wird, scheint uns sehr zweifelhaft. .Einen geeigneten Pächter aufzutreiben, dürfte nahezu unmöglich .sein, ba die tüchtigen Kandidaten unabkömmlich sind. .Am Enbe wird die ötabt nunmehr nicht anders können, als aus der Not eine Tugend zu macken: eine geeignete Persön- leitenden Beamten anzuftellen, ber das Theater nach.Maßgabe des Lastenheftes auf .ihre Rechnuug weiterführt. Wir würben badurch vorläufig probetveise zu dem System gelangen, das wir stets als das ratsamste empfohlen haben und oem oie vereinigten Sladttheater unseres Erachtens über kurz ober lang unausweichbar zusteuern: der Intendanz. Soweit die „Köln. Ztg." Unterdessen bat die Stadl zunächst sämtliche Vertrage, die Purschian abgeschlossen hatte, formell übernommen und den Kapellmeister Otto Lohse zum provisorischen Oberleiter der vereinigten Stadttheater ernannt.
— rn berühmter Sommergast in Berlin. Zu den vielen Kunstlenr, die einst gerade während des heißen Sommers Berlin besuchten, um hier trotz der schwülen Temperatur ihre.Slunjt auszuüben, gehörte Beethoven. Es war im Sommer des Jahres 1796, als ein 26 jähriger Jüngling in unsere Residenz leinen Einzug hielt. Er war als „Herr von Beethoven, Klavierspieler ans Wien" angekündigt. Klassisch Ivar er damals noch nicht, denn vom Tond.chtec Beethoven win noch lüfnig die Rede, uni so mehr aber vom Virtuosen. .Der durch fein überwältigendes Klavierspiel bereits allgemein bclaimtc Künstler wurde in Berlin nicht nur von den musikalischen Fachkreisen und dem kunstbegeisterten Publikum, smidern auch bei Hose mit großer Auszeichnung aufgeiiommen. Friedrich Fasch, der Begründer und erste Direktor der Singakademie, hebt in seinen Aufzeichnungen hervor, daß Beethovens Besuch das merkwürdigste Er^ bl i i)i ixi Äunftler auf (int > Konzerttour begriffen war, gab er in Berlin doch kein felbfL- ständiges Konzert, fonbein befchräulle sich auf das damals unter den Virtuosen, allgemein übliche Pyaittasieren. Oessenllich
spielle er nur zweimal. Das erste Mal phrnttasierte er über die „Davidiana", eine von Fasch zusammengeftellle Sammlung komponierter Bibelsprüche. Fasch berichtet darüber: „Herr von Beethoven, Klavierspieler and Wien, lvar so gefällig, uns eine Phantasie hören zu lassen", und bemerft weiter, daß er nach einigen Tagen „auch so gefällig war, uns wieder eine Phantasie hören zu lassen". Die Singakademie, die damals in einem Saale der Kunstakademie Unter den Liirden konzertierte, wußte ben „Klavierspieler aus Wien" zu würdigen unb empfing ihn mit allen musikalistlfcn Ehren. Man sang ihm zu Ehren, als er in den Saal getreten war, einen Clforal von Fasch, luoraui sich Beethoven verneigte und, um sich zu revanchieren, sich ans Klavier setzte uni> die Plfantasie über bas Fugenthema: „Meine Zunge rühutt im Wettgesang des Herrn" aus dem 19. Psalm zum Besten gab. Die Zuhörer waren von dem Spiel bcs Meisters so ergriffen, baß sie zu applaudieren vergaßen und sich an ihn Ijcraiibrängtcn, um ihm mit Tränen in den Augen die Hand zu brücken. Der „Klavierspieler aus Wien" war aber mit dieser stummen und doch so beredten Huldigung nicht zuftieden, denn er war, wie wohl alle seine Nachfolger, am Klavier, ein fanatischer Freund des möglichst. stürmischen Beifalls, und so meinte er i>eim auch, alS er Bettina von Arnim jene Szene schilderte: „Das ist eS nicht, was wir Künstler wünschen, wir verlangen Älpplaus." Bei seinem Abschied von Berlin erhielt Beethoven, der auch pnederholl bei Hose, sogar gemeinschaftlich mit dem musikalischen König, gespiell hatte, von Friedrich Wilhelm II. eine mit Louisdors gefüllte Dose, auf bte er Zeit seines Lebens stolz war, benn er unterließ es nie, zu betonen, daß es keine gewöhnliclie Dose sei, foitbcm eine von der Art, lvie sie den Gesaubten gegeben werde. .
— „Der Kunst wart". Rruidschau über Dichtung, Theater, Musik unb bilbcnde Künste. .Herausgeber Ford. A v e n a riuS. Verlag von Georg D. W. Callwey in München. (Vierteljährlich 3 Mk., das einzelne Hest 60 Pfg.) — Mit ungeteiltem Interesse führt uns der Kunslwart in geistvollen Aufsätzen und kurzen Kritiken über Literatur, Theater, Musik, Malerei usw. in ein Gebiet, daS unser amtzeS Interesse ausfüllen muß unb bet uns, lueiut wir ihn aufmerksam burchgehen, .in Sllutb setzt, ein gesundes unb gutes Urteil l-erausznbilden und uns auf einem Gebiet mit Wissen und Können besthenlt, bas wir in jeder Gesellschaft betreten können, vyne gegen Regel und Sitte zu verstoßen. Die Tendenz dieser Zeitschrift! Rundsck-an über Dicht uiig, Theater, Musik und biLixiibe Ktlnste, verbürgt einen In hall, brr ixizu aiujetan ist, die Mußestunden angenehm and-
। zufüllen unb uns in die Lage versetzt, AngenelMes mit Nütz- I lidjem unb Gutem zu verbindet:. Aer Geschäftsmann, der Bureau- frat, der Mann der Wissenschaft, dem es an Zeit mangelt, unb oft auch an Gelegenheit, sich burch eigenes Anschauen eine ickl- gemeine Kenntnis unb ein Urteil über ^Neuheiten auf deut Gebiete ber Kunst zu bilden, greift gern und freudig zu einer Zeitschrist, die ihm das alles ersetzt, und die ihm Gelegenheit gibt, sich auch auf diesem Gebiete zu orientieren unb weiierzubilden. — Inhalt des e r ft e n I u l i h e f t e s: Anschaulichkeit und jeeli)d}er Gelfalt. Vom Herausgeber. — Kriegerischer Klang. Von F. Lebuoiv. — Tie ästhetischen Probleme an unsern Universitäten. Von Ehr. D. Pflannt. — Lose Blätter: Aus Siicharb Wagners Briefen an Mathilde Wesendonk. —■ Rundschau: Karl Weitbrecht. Max Kretzer. .„Der Meistertrunk". Wagnerliteratur. Wagner- Partituren unb Klavierauszüge. Magners Kompositionen für Frau Wefeudonl. Richard Wagners Pariser Albnuiblätter. Ter „Parsifal" in Amerika. Wagner Gräber". Ter Provinzler in Berlin. Berliner Kunst Die Ausstellung der Sezession. „Leben oder Tod des Heidelberger Sckstoffes". Wie s gemadti wird. Volkstracht schändet. — Notenbeilage: Richud Wagner, „Ter Eengel". Bilderbeilagen: E. Dörner, Mathilde Wefendvnk: Fidus, Wächterschar; Fidus, Lturdschaft
— Die Ku nst. Alonatshefte für freie und angentanbte Kunst (Verlagsanstalt F. Bruckmann A.-G. in München, vierteljährlich 6 Mark). .Juli-Heft 1904. Im Mittelpunkt des In teresses für ihinftfri'unbc stehen augenblicklich bie großen Ausstellungen, mit denen sich auch das vorliegende Heft der „Kunst" eingehend beschäftigt, und zlvar bespricht HanS Rosenhagen in zwei Aussätzen die bt'r Berliner Sezession und die Große Berliner Ausstellung, von denen der erste mit charakteristischen und vorzüglich ausgeführten Abbildungen reich geschmückt ist. Tas Heft bringt ferner den ersten Teil des Berichtes vorragciib gut gelungene erste Ausstellung des TeutscI en Künstler- bnndes, der zurzeit in München die Gastfreundschaft der Sezession genießt. .Georg Fuchs i|i mii einem beachtenSrmn:en Bei trag „Stil, .Kultur und Kunstl^darf" vertreten, in dem cr dem Khinstsinn der oft mit Unrecht verhöhnten „Biedermeierzeit" eine Ehrung euveist Anknüpfend an Lenlxichs Tod erörtert vm scharf geschriebener Aufsatz bic Frage „Wie steht e>> um München Kunftzemreu Teutsclstaud ' Einige Y-bb.mbli.ii ;cit, teilweise sehr reich illustriert, übti . (oratiu. ,v. i . sa-äftigen sich mit George Frampton ix >> '>' - amb sonne nut d in Kuiistgeioerbc den Aiisftellliiigeu in - iy>xVh uub St. Louis.


