ein Dorr-
vom
2.-15. Jahr
Arbeiterbewegung.
Wien, 1. Ang. Dem heute ausgebrochenen Streik der Lastfuhrwerkkutscher haben sich auch die Speditionskut- scher angescklosseu. Die Gesamtzahl der Streikenden beläuft sich bannt auf 20 000. Da die Stveikenden die Arbeitswilligen mit Gewalt vielfach an der Arbeit hinderten, mußte die Polizei wiederholt einschreitcn und eine Anzahl Verhaftungen vornehmen.
Aeisen.
— Thüringen und der Frankenwald. Siebzehnte Auflage 1904. Große Ausgabe. Mit 16 Karten, 11 Plänen und 2 Panoramen. Gebunden Mk. 2.50. (Meyers Reisebücher.) Verlag des Bibliographischen Instituts in Leipzig und Wien. — Dieses Buch umschließt das ganze Gebiet und läßt an Reichhaltigkeit imb Genauigkeit nichts zu wünschen übrig. 29 Karten, Pläne imb Panoramen erleichtern dem Reisenden die Orientierung ungemein; als neue Zugabe sind em Stadtplan von Weimar, ein Planchen der Sommersrische Oberhof, sowie eine Spezialkarte des Franken- ivaldes hervorzuheben, der erst in diesem Jahre durch die neue Bahnstrecke Trrptis—Marxgrün recht erschlossen worden ist.
Eine Karte der deutschen und österreichischen Alpenlander, hergestellt von der kartographischen Anstalt Oskar Braun in München, ist soeben zur Ausgabe gelangt. Braun schloß sich der Richtung für die Manier der Höhenschichtendar-- stellimg an und verwendet für die oro°hydographische Darstellung 10 Farben. Jedermann kann sich dieses 66 x 100 cm große Kartenblatt unter die Lupe nehmen und wird dann heraussinden, mit welcher Lust und Sorgfalt dieses Kartenwerk behandelt wurde. Für die übrigen Details wurden 3 Farben verwendet. Schwarz: für die Eisenbahnen, Chausseen, Straßen II. Klasse, Schutzhüllen, Achengasthäuser und sonstigen Signaturen. Rot: Fahrstraßen IH. und IV. Klasse, sowie sonstige Wege und Fußwege über die Alpen und zu den Schutzhäuscrn. Violett: Grenzen. Um diese Details in dem Maßstab 1:600 000 aufnehmen zu können, hat sich die Höhenschichtendarstellmig aufs beste beivährt. Fast sämtliche Sektionen des deutschen und österreichischen Alpenvereins haben die Korrektur über ihr Gebiet übernommen und schätzenswerte Beiträge geliefert. Ebenso ist das beigegebene Hüttenverzeichms von Karl Tobler auf das evidenteste hergestellt. Die Karte ist durch alle Buchhandlimgen zum Preise von 4 Mk. zu beziehen.
Gießener landwirtschaftlicher Wetterdienst.
Borandsichtliche LvitterttNg in Hessen für Mittwoch, den 3. August: Zeitweise »völlig, etwas wärmer hei kühlerer Rächt, stellemveise Gewitter.
Näheres durch die Gleßener Wetterkarte.
Temperatur der Lahn nnd der Luft
am 2. August 1904.
Nach Neaumur. gemessen mittags zwischen 12 und 1 Uhr.
Wasser 19«, Luft 20 °.
Albert Rübsame n.
Summa: — >—, > , . , .
Anm.: Die in Klammern gefetzten Ziffern geben an, wie viel der Todesfälle in der betreffenden Krankheit aui von auswärts nach Gießen gebrachte Kranke kommen.
Monatliche UeberW der Todesfälle in Hetzen.
Monat Mai 1904.
(Einwohnerzahl: angenommen zu 27 500 (inkl. 1600 Mann Militär) Sterblichkeitsziffer: 30,1
nach Abzug von 25 Ortsfremden: 19,2 °/Co.
Kinder
Es starben an: Zusammen: Erwachsene: im
1. Lebensjahr: Tuberkulose der
Lungen Tuberkulose anderer
Organe
Lungenentzündung Lungenkatarrh Apoplexie Herzleiden Darmkatarrh Atrophie Lebensschwäche Neubildungen Altersschwäche sonst. Krankheiten Verunglückung Selbstmord Totschlag __
gefallen zu sein.
* Das alte Opernhaus in Flammen aufgehen zu lassen, bildet allen Ernstes einen lebhaft gehegten Wunsch der Feuerwehrtechniker, auf dessen Verwirklichung seither mit großem Fleiß hingearbeitet wurde. Noch auf dem kürzlich stattgehabten „Vierten Verbandstage der deutschen Berufsfeuerwehren" in München führte Branddirektor Reichel-Hannover, nach dem stenographischen Berichte, über diese Verhandlungen zur „Opernhausfrage" folgendes aus: „Versuche mit Probetheatern, wie man sie in Wien plane, gäben kein richtiges Bild. Nichtiger sei es, ein wirkliches Theater anzustecken. Er denke dabei an das alte Opernhaus in Berlin, das solle man in Brand setzen. Eine Sachverständigenkommission möge alsdann das Nähere feststellen. Er habe sich übrigens bereits mit der Intendantur des Opernhauses in Verbindung gesetzt, Ivie aus den Antworten, .die er erhalten habe, hervorgehe, sei die Möglichkeit vorhanden, daß die Sache sich verwirklichen lasse. Redner bat zum Schluß ferner Ausführungen den Verbandsvorstand, die Angelegenheit in die Hand zu nehmen und dafür zu sorgen, daß das Bühnenhaus zu Brandproben zur Verfügung gestellt werde." Der zuletzt geäußerte Wunsch wird „leider" nicht in Erfüllung gehen, da der dahin gestellte Antrag eine glatte Ablehnung erfuhr.
* fÜlit dem Ballon in einer Gewitterwolke. Der Rev. I. M. Bacon, der durch seine kühnen Fahrten im Luftballon bekannt geworden ist, erzählt in einem längeren Artikel, den er in „Longinans Magazine" veröffentlicht, wie er einmal mit einem Ballon durch einen schweren Gewittersturm gefahren ist. Der Ballon stand in einer Höhe von 3000 Fuß und ward von einem starken Luftstrom getrieben. .„Wir wandten eurer finsteren Wolke, die uns zu Häupten stand, nicht genügend Aufmerksamkeit zu, sodaß sie tiefer und tiefer sank, sich fest zusammenballte und uns alle Aussickst benahm. Bald waren wir von diesem grauen Vorhang fest umschlossen, und jeglicher Fernblick war verhängt. .Von Newbury aber, dem Ort, von dem wir aufgestiegen, beobachtete uns eine große Menschenmenge, als eine Menge drohender Blitze herniederfuhr, und wunderte sich, warum wir nicht herabkamen. Das erste richtige Warnungszeichen, das wir in unserer schwierigen Lage hatten, war ent Blitzstrahl, der ganz neben uns aufzuckte, pnd dem ein anderer Strahl sogleich antwortete. Allinählich nierfteit wir denn, daß wir uns direkt in der Entstehungssphäre eines furchtbaren Sturmes befanden, und ein gewaltiges Toben und Tosen hob alsobald um uns an. Unser bisheriger Wind trieb uns weiter nach Westen; die Sturmwolke wirbelte uns in einer Richtung nach Osten wie rasend fort, und daneben fuhren Schauer eiskalter Luft und peitschenden Hagels uns ins Gesicht. Zweifellos befanden wir uns mitten in einer stjewitterwolke, die Blitze weithin über das Land entsandte; von der nächsten Nähe des Ballons aus schossen die Blitze fortwährend herab, sehr viele sptwigen auch von einer Wolke zur andereit über. Einer, der. den 23 oben erreichte, muß von unserer Position aus wenigstens eine englische Meile lang gewesen sein."
* D i e Häupter der Reklame. Wie aus Pans gemeldet wird, hat die gegenwärtige Hitze dort eine neue ooym der geschäftlichen Anpreisung gezeitigt. Millen unter den (Wen auf dm Terrassen der Kaffeehäuser erscheint plötzlich ein vor- mlm gekleideler Mann, setzt fiel; hin, mmiul sein Taschentuch, lüftet den Zyliltder, trocknet sich den Sclrweiß vom Kopfe und zeigt habet seiner Umgebung einen blitzblanken mädMUjen haar
losen Schädel, der in großen Buchstaben die Inschrift trägt: „Trinkt Dupitoit-Bittern \#< Nach hinreichender Erregung der Neugierde nimmt die lebende Litfaßsäule Stock und Schirm und wandert weiter. Die Sache ist aber durchaus nicht neu, sondern wurde sf' ort vor Jahren in verschiedenen Großstädten ins Werk gesetzt- So erregten eines Abends in der Niederländischen Oper zu Amsterdam fünf Herren die allgemeine Aufmerksamkeit, die, als der Orchesterdirigent. eben seinen Taktstock erhvb, im dicht besetzten Theatersaal erschienen, im Gänsemarsch zu fünf ihnen vorbehaltenen Sitzplätzen der ersten Reihe marschierten, sich niederließen, erst dann ihre Angströhren abnahmen und mm dem Hause auf ihren fünf Kahlköpfen die Inschrift zeigten: „v. B. U. R. E. N." In wenigen Minuten durchschallte ein stürmisches Gelächter den Saal. Van Buren war der Name eines Schweinemetzgers, der eine ausgezeichnete Wurstsorte herstellte, sie an allen Straßenecken ankündigte und auf allen öffentlichen Plätzen durch die Gassenjugend besingen ließ. Und so stimmte denn auch der Olymp der niederländischen Oper beim Anblick der fünf Reklamehäupter Tugs den damals in der Stadt schon volkstümlich gewordenen Kehrreim an: „Van Buren, van Buren, Wat heb je lekkre Worst!" Von der Oper war keine Rede mehr, die Polizei mußte ein- chreiten und die fünf Burenfteunde an die Luft setzen. Aber die ganze Stadt sprach von der van Burenschen Wurst und der Metzger hatte fern Ziel erreicht.
* Ein 11 ng (ü cf auf dem Gabelhorn. Aus Zermatt wird gemeldet: Eine österreichische Neisegesell- chast, bestehend aus einer Dame, drei Herren und zwei Führern nächtigte gestern im Hotel Triftalp. Heute sollte das Obergabelhorn, dessen schneefreie Spitze 4095 Meter hoch ist, erklommen werden. In drei Gruppen geteilt verfolgten sie angefeilt den gewöhnlichen Aufstieg. Voraus gingen der Führer Joseph Dembl und Professor Demelius, Rektor der Universität Innsbruck. Dann folgte der Führer Dangl mit einer Dame; den Schluß bildeten die beiden anderen Touristen. Die Bergsteiger waren glücklich bis 50 Meter unterhalb der Spitze gelangt, wo die Felsen lose liegen. Oben angelangt, erstieg Dembl zuerst einen Steinblock und stellte sich fest. Dann versuchte Profesior Demelius hinaufzuklettern, wobei er sich mit den Händen an einen Fels block hielt Dieser gab nach und riß ihn mit in die Tiefe. Demble wurde nachgerissen. Der Führer Dangl wurde durch den Steinschlag am Kopse verletzt. Die übrigen Teilnehmer blieben unversehrt, waren aber vom Schrecken halb gelähmt. Demelius stürzte auf den Gabelhorngletscher hinunter, Dembl blieb mitten im Eouloir hängen. Einer der Touristen brachte die Trauerbotschaft um 5 Uhr nach Zermatt, während die übrigen im Trifthotel blieben. Von Zermatt ging unverzüglich eine Bergungskolonne ab.
fit wirklich gut getroffen!" Moltke horte za, ohne eine Miene zu verzie^n. So war er übrigens immer; er grüßte und beobachtete, ohne ein Wort zu sagen oder eine Liebenswürdigkeit an den Tag zu legen. Der Kaiser selbst füllte den König von Preußen nach Klein-Trianon und Versailles. Leboeuf folgte nut Bismarck imb Moltke. Als man in den Galerien des ersten Kaiserreiches angelangt war, wollte Napoleon weitergehen. Der König aber wollte bleiben. Moltke mit seinem steinernen Gesicht schaute gehässig drein, Bismarck sprach viel und in ironischem Tone Sire"^ sagte abends der General Leboeuf zum Kaiser, „ich 'habe einen schrecklichen Tag mit zwei Männern verbracht, die uns wütend hassens!); ich bitte Ew. Mmestat, mich nwft wieder einen solchen verbringen zu lassen." „Sie haben Unrecht , versetzte der Kaiser, „Herr von Bismarck haßt uns nicht, und Herr von Moltke ist ein sehr ausgezeichneter Offizier." In der Tat, er war sehr ausgezeichnet und nur von dem Wunsche beseelt, uns das zu beweisen: an jedem Morgen ftnbierte er auf dem Terrain die beste Art, Paris anzugreifen. Bismarck hatte dagegen gern mit jemand geplaudert. Es gelang ihm nicht besser wie Gortschakow. Er sah Moussier kaum, unterhielt sich wenig mit dem Kaiser, etwas mehr mit Rouher, aber er kam über allgemeine Wendungen nickt hinaus. . . . Der Prinz Napoleon, der sich in dieser Zeit in Italien aufgehalten hatte, fragte nach seiner Rückkehr den Kaiser:
Haben Sie nicht über Politik gesprochen und Staatsgefchäfte behandelt?" „Nein", sagte der Kaiser, „nicht eine halbe Stunde. Gortschakow, der ein großer Schwätzer ist, sagte hochtrabend zu mir: „Diese Reise wird ein Ereignis sein!" Darauf habe ich gewartet, aber er hat mir nicht mehr gesagt. Mit Bismarck haben wir gleichfalls wenig gesprochen; der König Wilhelm hat sich über alles, ausgenommen Politik, unterhalten. Uebrigens hat er gefallen, während der Zar sehr hochmütig erschien, eie sind einfach gekommen, um Paris zu besuchen und sich zu amüsieren."
* Der falsche Bonaparte. Einen echt niederländisch derben Spaß hat man sich kürzlich in der Nähe von Brüsiel mit entern begeisterten Anhänger der Napoleoniden gemacht. In dem Städtchen Mecheln lebt ein etwas schwärmerischer Mann, dessen Gedanken sich saft nur mit der Wiederherstellung des napoleonischen Kaisertums in Frankreich beschäftigen. Seme Freunde, die diese Schwärmerei an ihm kannten, brachten ihn emes Tages auf den Gedanken, seiner Verehrung für den Prinzen Viktor, das jetzige Haupt der Bonaparte, tnrrdi ein Huldigungstelegramm Ausdruck zu geben. Tie Antwort auf dieses Telegramm ließ nicht lange ans sich warten: der Sekretär Seiner Kaiserlichen Hoheit teilte ihm mit, der Prinz werde am Tage darauf sich die Ehre geben, seinen Verehrer in Person aufzusuchen. Unser Freund wurde Über diese unerwartete Kiinde ganz närrisch vor Freude. Er brachte eine große Menschenmenge zusammen, die den Prinzen bei seiner Ankunft am Bahnhof respektvoll begrüßte; er selbst fuhr mit seinem hohen Gaste im Landauer in das erste Hotel des Ortes, wo ein glänzendes Bankett ihm zu Ehren veranstaltet wurde. Dabei ging es bald recht lustig her, und der Gastgeber war vor Entzücken am .elften bekneipt. Unter diesen Umständen siel es ihm bald nicht mehr besonders auf, daß Prinz Viktor gar nickt aus seiner vornehmen Zurückhaltung heraustrat und sich schließlich mit einem recht ironischen Lächeln verabschiedete. — Am nächsten Tage brachte man dem Verehrer Bonapartes bei, welch kolossalen Ulk sich 'feine Freunde mit ihm geleistet hatten. Mer diese sollten sehr bald merken, daß ihnen der Spaß noch viel teurer zu stehen kam, als dem Genarrten. Der Darsteller des Prinzen Viktor Napoleon nämlich, den sie für den wohlgelungenen Scherz hatten aus Brüssel kommen lassen, hatte sich folgende Kleinigkeiten auf die Namen seiner Meckelner Freunde liefern lassen: einen Arbeitstisch im Stile Louis XV., einen Salon in Renaissance, ein hochmodernes Badezimmer, .drei Anzüge, zwei Paar Stiefel und zwölf Kisten Havannas. Alles das hatte er schleunigst zu Geld gemacht und war rechtzettig aus Brüssel verschwmchen. „
* Die Favoritin des Schah. Aus Odessa wird geschrieben : Großes Aufsehen hat hier die Ankunft einer aus Persien geflüchteten Dame, Fräulein Warwara Schirin, erregt. Im Alter von sechszehn Jahren ist das Mädchen von ihrer eigenen Mutter an einen persischen Mädchenhändler verkauft worden. Auf dem Mädchenmarkte zu Teheran hat ihre Schönheit die Agenten des Schah angezogen und sie kam in den königlichen Harem. Sie wurde bald Favorittn, und Muzaffer-ed-din überschüttete sie mit Gold und allerhand Luxus. Ein Heer von Sklaven stand zu ihrer Verfügung, sie badete sich in einem Becken von vergoldetem Silber, ihre Kleider waren von Juwelen übersät. So führte die Russin vier Jahre hindurch das vielbeneidete Leben der Lieblingsfrau des Schah. Dann fiel es diesem ein, die schöne Russin seinem Adjutanten zu schenken. Riefern entfloh sie bet Nacht, und es gelang ihr, die russische Grenze zu erteilen. Tas Mädchen ist eine richtige Odaliske, von solcher Schönheit ist ihre Figur. Sie will nun zum Variete gehen und lebende Bilder aus ihrem Haremsleben stellen. Sie scheint nicht auf den Kopf
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Meteorologische Beobachtungen
der Station Gießen.
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lugust 1904.
Barometer auf 0° reduziert
Temperatur der Luft
Absolute Feuchtigkeit
Relative Feuchtigkeit
'S"
1
Windstärke
Wett«
1.
2 25
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16,5
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Sonnenschein
1.
H2Ü
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750,8
21,2
15.6
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Still
Bew Hinnnel
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Bed.
Höchste Temperatur am 1. August — -4- 26,40 C.
Niedrigste „ „ 1. „ = 4- 15,10 C.
Neueste Meldungen.
Originaldrahtrrreldurrgen des Gießener Anzeigers.
Fr ankfurt a. M., 2. Aug. (Privattelegramm.) Heute morgen fand man in der Eronstettenstraße, einer noch unbebauten Straße, in der Nähe des Friedhofs in einem Zinkkasten der Sielanlage die Leiche eines Mannes, welche mit dem Kopfe nach unten in dem Schacht festgeklemmt war. Der Tote, welcher anscheinend ein italienischer Arbeiter ist, wies keinerlei Verletzungen auf, und es ist rätselhaft, wie er in den Kanalschacht gekommen ist. Die Behörde neigt zu der Annahme, daß ein Selbstmord vorliege. Die Personalien sind nicht bekannt.
Berlin, 2. Aug. Gestern abend stießev M der Prenz- lauersttaße zwei Züge der Straßenbahn zusammen, wobei 17 Personen leicht verletzt wurden.
Berlin, 2. Aug. Wie der „Morgenpost" mitgeteitt roirb, hat eine Anzahl deutscher Firmen von Rußland neue Aufträge zur Lieferung von Kri e g sm at er ial übernommen. Genannt werden die Firmen: Löwe'sche Muni- tions- und Wafsensabrik, die Krnppsiche Germania-Werst in Kiel, die Sck)ickau-Werft in Elbing und Danzig und die Schwartz- kopsstsche Maschinenfabrik. .In Hamburg sind fünf große Dampfer gechartert worden, die deutsches Kriegsmaterial im Werte von über 30 Millionen Mark für Rußland an Bord nehmen und demnächst die Reife nach dem Mittelmeer antreten werden.
Königsberg i. Pr., 2. Ang. Der Majoratsbesitzer Gras Hugo von Keyserling zu Rautenburg, Mitglied des preußischen Herrenhaisies ist am Sonntag mittag in Salegg (Südtirol) gestorben. ,
Paris, 2. August. Der Deputierte Abbä Gairaud teilte dem Mimsterpräsidenten Cornbes mit, er werde nach Wiederzusammentritt der Kammer eine Interpellation über den Bruch mit dem Vatikan einbringen.
Paris, 2. Aug. Bis gestern abend 10 Uhr waren von den Generalratswahlen 1403 Resultate bekannt. Darnach gewinnen die Ministeriellen 83 Sitze.
Paris, 2. Aug. Der „Gaulois'" behauptet, in den Proviantmagazinen von Verdun sei eine große Menge Büchsen mit verdorbenen Konserven aufgefunden worden. Auch seien in den Proviantmagazinen an der Ostgrenze für den Ehinafeldzug entnommenen Vorräte an Lebensmittel und Mrmition nach nicht ergänzt. Schließlich behauptet das Blatt noch, der Panzerturm im Fort Frouard befinde sich in einem ganz vernachlässigten Zustande.
Paris, 2. Aug. Regierungsfreundliche Blätter geben ihrer Frer^de über den Ausfall der 'Generalratswahlen Ausdruck imb sehen in dem Ergebnis der Wahlen einen Beweis dafür, daß das Land die Haltung des Ministeriums gegenüber dem Vatikan billigt Tie oppositionellen Blatter erkennen an, daß die amtlichen Wahlstatistiken walirhettsgetren sind, meinen aber, der Sieg des Ministeriums sei eigentlich dock nur schwach.
Petersburg, 2. Aug. Kuropatkin berichtet, daß die russischen Verluste, wo Graf Keller siel, 500 Tote und Verwundete betrugen. General Bilderling, bisher Chef des 17. Armee-Korps, hat das Kommando Kellers übernommen. Die Gräfin Keller, welche in Petersburg weilt, erhielt gestern den Besuch eines kaiserlichen Adjutanten, welcher ihr im Namen des Zaren sein Beileid ausdrückte.
Petersburg, 2. Aug. Sämtliche Verhöre des Möders des Ministers Plehwe blieben bisher erfolglos, ja, es wurde sogar gestern befürchtet, der Attentäter würde seiner Verwundung erliegen. Der Fieberzuftand war infolge der starken Eiterung der Wunde sehr hoch. Da die Operation nicht gut gelungen ist, wurde der bekannte Chirurg Profesior Pawlow hinzugezogen. Jetzt ist die Gefahr vorüber. Im Gespräch mit Pawlow äußerte der Attentäter, daß er Rusie sei, Volksschullehrer wäre und 26 Jahre alt sei. Er bereue wohl sein Verbrechen als solches, doch habe. er nicht anders' handeln können. Auf den Professor machte der Mörder einen unintelligenten Eindruck. Die äußere Verwundung ist ziemlich harmlos, doch wurden dem Mörder zwei Zehen amputiert. Die Wunde im Becken flößt Besorgnis ein. Eine Anzahl weiterer Verhaftungen wurde vorgenommen. Der in einem Kahn auf der Newa verhaftete Jude soll bereits einige Geständnisse gemacht haben. Dieser Tage hofft die Unter» suchrmg den Namen des Mörders zu erfahren. Das Tagesgespräch bildet immer noch die Frage nach dem Nachfolger Plehwe's. Man nennt neuerdings auch den Grafen Jgnatiew, den früheren General-Gouverneur von Kiew. Betteffs Witte spricht man von einem Kanzler posten.
’ Warschau, 2. August. Hier, in Petersburg und sämtlichen Jndustrieorten Rußlands verbreitet die revolutionäre Partei Manifeste, in welchen die Ernwrdung Plehwcs als Akt der Notwehr seitens des Proletariates bezeichnet wird und die Mitglieder der revolutionären Partei ausgefordert werden, sich durch die Maßregelungen der zarischen Gervalt nicht einschüchtern zu lassen.
Telephonischer Kursbericht.
3Ve°/o Reiohsanleihe 8e/o do. . .
3V,°/o Konsole . . .
8°/fi do.....
SVgO/n Hessen . . .
3V,5d Oborhesson . .
496 Oesierr. Goldrento .
41/b9ö Oestorv. Silberreiüo 4%' Unsrnr. Goldrento .
40/q Italien. Rente , .
4*/, Portu^iosor , .
8°/> Portugiesen. . . .
1 % 0. Türken . . .
Türkonlose.....
4°/o Gricch. Monopol.-Anl
4’ ,.%' iiusROio Argontinor
Frankfurt a. ML. 2.
102.00 90.00
101.95 89.55
100.20
All'55 100.50 100.45 103.70 62.00 61.50 128.—
8°/o Mexikaner 4V2% Chinesen Electric. Sohuckort Northi. Lloyd . . Kreditaktien . . Diekonto-Konimanctit DarmstRdtor Rank Dresdener Bank . Berliner Handelsges. Oosterr. Staatsbahn Lombarden . . Gottimrdbahn . . Lanrabüito . . . Bochum ....
47.30 I llarpener ...
43 45 i Tendenz : fest.
August.
. . 27.30 . . 89.60 . . 106.70 . . 100 85 , . 201.10 . . 188.20
. 137.50
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. . 154 75
. . 135.80
. . 17.80
. . 190.00 . . 254.50 . . 206.80 . 211.50
Für die Gesinnt RedaVio» vcranllvorllich: L JB. August Goetz


