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2.7.1904 Erstes Blatt
 
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Nr. 153

rIAetnt täglich au bet Sonntag-.

Dem (Siebener Anzeiger werden im Wechsel mit dem »elfischen Landwirt die Gießener Zamtlien- Blätter viermal in der Woche beigelegt.

Rotationsdruck u. 93er* lag der Brüh l'scheu Un tvefi.-Buch-u. Stein- drucke«i. 9t Bange, Redaktion, Erpeditto« und Druckerei:

Schnlstratze 7,

Übrefle für Depeschen: Anzeiger Dietzen.

Fernlvrechanlchluß Nr 51.

Erstes Blatt.

154. Jahrgang

Samstag 2. Juli 1904

GietzenerAnzeiaer

General-Anzeiger

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Giehen

ye-ng-pretKr mono t l Ich7b Pf ^viertel- jährlich Mk. 2.20; durch Avhole- tu Zweigstellen monatlich 65 Ps.; durch "diePost Mk. 2. viertel- jährt. auLschl. Bestellq. Annahme von Anzeige« für bte LageSnummer bi« vormÜlagS 10 Uhr. ßeilenpreiS: lokal 12 Pt.

auswärts 20 Psg. verantwortlich für den oolit und allgem. Dell: P. Witlko: für , Stadt und ßanb* und »Gerichtsf aal": August Goetz - für den An­zeigenteil: Hans Beck.

Politische Tagesschau.

DaS Urteil im Pommernbankprozeß.

Im Pommernbmrkprvzefse wurden nach zweimonatiger Tauer tne AngeNagten Schultz und Romeick wegen zwei FäNen von Untreue und drei Fällen von Bilanzverschleierung ersterer zu 31/g Jahren Gefängnis und 30 000 Mark GeWrafe, letzterer zu drei Jahren Gefängnis und 6000 Mark Geldstrafe verurteilt. Beiden wurden je zwei Jahre Gefängnis auf die erlittene Untersuchungshaft angerechnet. Bon der Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte wurde Abstand genommen. Ter Antrag des Staatsanwalts auf Wiederverhaftung der beiden Angeklagten wurde abgelehnt. Stadtbaurat Bohl wurde von der Anklage der Beihilfe zur Untreue freigesprochen. In der Begründung des Urteils führte der Vorsitzende betreffs des allgemeinen Teils der Anklage aus: Was die Angeklagten gesündigt hätten, sündigten sie an unbebauten sogenannten Ter­rains. Bezüglich der durch den Zusammenbruch der Bank ent­standenen Verluste spielen die Tränen und die Spargroschen des armen Mannes keineswegs die Rolle, die die Zeitungen ihnen andichtetem Verloren haben zumeist Aktionäre, asso wohlhabende Leute, die auf sehr große Dividenden rechneten. Bezüglich des An­klagepunktes ,datz die Angeklagten durch Entstellung fingierter Gewinne in die Bilanzen künstlich den Reingewinn erhöhten, sei das Gericht überzeugt, daß die Angeklagten dauernd den Status der Bank und die Bilanz bewußt fälschten. Bei dem AbschnittIndirekte Untreue" hält das Gericht die Schuld nicht für erwiesen. In diesen Abschnitt fällt der Fall Mirbach .Bei der Bemessung des Strafmaßes sprechen für die Strafmilderung folgende Puntte: Die Angeklagten gingen nicht darauf aus, die Bank zu ruinieren, und haben lediglich, als sie anders sich nicht mehr zu verhelfen wußten, zu verwerflichen und strafbaren Handlungen gegriffen. Hätten sie lediglich an cutt Ausplünderung der Bank gedacht, so hätten sie ganz andere Mittel anwenden können. Deshalb ist die Merkennung der bürger­lichen Ehrenrechte ausgeschlossen. Die eine Erschwerung muß ins Gewicht fallen, daß die Angeklagten burrf) die übermäßigen Terrainbeleihungen den Bestand der Pommembank in waghalsiger, gemeingefährlicher Weise gefährdet haben.

Tas Urteil bleibt zwar für die beiden Hauptangeklagten wesent­lich hinter den Anträgen des Staatsanwalts zurück, es erscheint aber in Anbetracht der langen Untersuchungshaft als eine ausreichenbc Sühne. Die Begründung wird im allgemeinen Zustimmung finden sie zieht scharf und klar die Grenze zwischen den erlaubten uns den unerlaubten gesetzwidrigen Handlungen der Pommembank- Seiter. Nur gegen eine Bemerkung der Begründung möchten wir uns wenden: Daß die Tränen und die Spargroschen der Armen hier keineswegs die RoUe spielen, die einige Zeitungen ihnen angedichtet hätten. Mit Verlaub: auch die Vertreter der Staats­anwaltschaft hatten auf diese Tränenflut hingewiesen. Erheblichen Schaden hatten, so meint die Begründung, nur diejenigen erlitten, die beängstigt ihre Pfandbriefe zu niedrigem Kurse veräußerten. Das sind doch aber gerade die zahlreichen höchst Bedauerns­werten, die nicht in der Loge waren, den Sturm auszuhalten und bessere Zeit abzuwarten!

Die Verurteilten, Schultz und Romeick, wollen sich bei dem Urteil nicht beruhigen, sondern gegen dasselbe das Rechtsmittel iber Revision anmelden.

Der Kolonialist ist unter dem Vorsitz des Direktors der Koloniakabteiltmg Dr. Stübel am 1. d. M. in Berlin zusammengetreten. Auf der Tages­ordnung steht die Vorberatung der Grundzüge zu den Etats für die Schutzgebiete pro 1905.

An Stelle der ausgeschiedenen Mitglieder v. Pommer-Esche, Hansemann, Graf Schulenburg und Staatsminister Hoffmann sind in den Kolonialrat berufen Botschafter v. Holleben, Geh. See- handlungsrat Schoeller, Kommerzienrat Lenz und Tirektor Stark- Chemnitz. Kolonialdirektor Dr. Stübel wies auf den festen, unentwegten Entschluß von Regierung und Reichs­tag hin, den Ausstand in Südwestafrika, koste es, was es wolle, niederzuschlagen, um der Wiederkehr ähnlicher Vorkommnisse für alle Zukunft vor- zubeugen. Herzog Johann Albrecht dankte dem Reichskanzler Grasen v. Bülow unb der Kolonialverwaltung für das energische Eintreten zu gunsten der Bewilligung der A f r i ka b a h n e n. Es folgte eine Diskussion über die S ch ulen in den Schutz­gebieten und das Verhältnis der Missionsschulen zu den Re­gierungsschulen und über die Frage des fremdsprachlichen Unter­richts. Der Antrag Bobsen, der Die Begründung eines Lehr­stuhles für Kolon talrecht an der Un iversität in Be rlin für dringend wünschenswert erklärt, wird angenom­men. Dann wird die Regelung derLandfrageinKamerun und Togo, die Behandlung ber Eingeborenen die Einführungen von Renten- und Altersversicher­ung in den Schutzgebieten zur Sprache gebracht. Professor Hans Meyer wendet sich gegen die Bevorzugung der Berliner Museen gegenüber den nichtpreußischen durch Zu- weisutm von ethnographischen Sarmnlungen aus den Schutzgebieten. Der Antrag wird angenommen, daß die Kolonialverwaltung auf Aufhebung des Bundesratsbeschlusses hinwirke, wonach Samm­lungen, die aus den vom Reiche bezahlten Expeditionen herrühren, zunächst an bas Berliner Völkermuseum abzugeben sind.

Tie Nachmittagssitzung beschäftigte sich mit dem Etat Süd-- weftasrikas. Nach längerer Erörterung der Frage der Ent- schäbigungen der durch den Aufstand in Südwestasrika geschädigten Ansiedler wurde folgende Resolution angenommen: Der Kolonialrat, von der Rechtsfrage absehend, spricht die Heber- Sng aus, daß den durch den Aufstand in Südwestafrika ge- gten Ansiedlern voller Ersatz für die von ihnen er* n Verluste zu gewähren ist, da andernfalls die wirtschaftliche Entwicklung der .Kolonie dauernd beeinttächtigt würde. Bei dem Kamerun* l^tat wurde u. a. die Frage einer genügenden inili- tärisch n Macht im Tsad-Gebiet, des Verbotes des Verkaufes von Hinterladergewehreu und der Entschädigung für die Verluste r nläßlich deS B u l i - A u f st a n d e s besprochen. Bei dem T 0 g 0 - Etat wurde der Antrag Hindors bezüglich der Erricfstung ein Botanff< aiteit 1 10 in Verbindung mit der

Frage der staatlichen Baumwollprüfung erörtert und angenommen.

Zwisten den Schlachten.

ES ist berichtet worden, daß in >viel zwischen Kaiser Wil­helm und König Eduard ein Gedankenaustausch Über Yen ost asiatisch en Krieg stattgefunden hat Sogar von b r Erörternn b r >d e einer FriedenSvermittlung, zu der Deutschland die Anregung geben sollte, war die Webe. Taß das Unsinn ist, nam-iittich in einem Augenblick, in dem der Zusammenstoß der japamfd>en mit der russischen Hauptarmee

erst bevorsteht, unterliegt keiner Frage. Was die Zukunft bringt, ist ungewiß. ES würde aber dem Ansehen Teu-ffchkands keinen Abbruch tun, wenn es mit seiner Anregung tauben Ohren be­gegnete. .Denn auch der Versuch, der Humanität einen Dienst zu erweisen, heischt Anerkennung. Im übrigen aber ist Deutschland ,chaS Hemd näher als der Rock". Es hctt mehr Veranlassung, auf seine einen en Angelegenheiten bedacht zu fein, als auf russisch-japanische. .Deshalb wird man amte hm en dürfen, in den Gesprächen der beiden Herrscher sei vor dem ostasiattschen Krieg .der Feldzug in Südwestasrika berührt worden. Eine Friedensvermittlung freilich kommt hier nicht in Frage. Aber wie die Grenz- und Einssußverhaltnisse im dunklen Erdteil nun ein­mal liegen, kann dort der Beste nicht im Frieden leben, wenn es dem englischen Nackstmr nicht gefällt. Darüber gibt sich wohl kaum jemand einer Täuschung hin, daß das Ende des süd­westafrikanischen Feldzuges noch weniger abzu­sehen ist, als das des Krieges in Ostasien. Die Kosten dieses Feldzuges werden sich auf Jahre hinaus am Reichs­säckel fühlbar machen. Tie Hauptsache bleibt aber, daß den Auf­wendungen der Erfolg entspricht, daß Friede und Ordnung in der Kolonie tatsächlich gesichert sind. Hierbei spricht nun das Ver­halten des englischen Nachbarn mit. Ist es loyal, lassen die brittschen Behörden in Südwestasrika sich angelegen fein, auch ihrerseits Ausstands gelüste der Eingeborenenstämme an der Grenze energisch zu unterdrücken, anstatt solchezu übersehen" ober gar ihnen Vorschub zu leisten durch Begünstigung von Wafsenlieser- ungen, bann erst kann Deutschland seines Besitzes in Südwest­afrika froh werden. Man erinnere sich dock» nur der Schaden­freude Londoner Blätter beim Ausbruch des Herero-Aufstandes, und man halte sich ferner gegenwärtig, daß die im Besitz der Herero befindlichen Gewehre zum weitaus größten Teil englischen Ursprungs sind. England hat also, wenn dies auch nicht beabsich- tigt gewesen sein mag, die Herero erst in den Stand gesetzt, einen Feldzug zu führen, der Deosschland so schwere Opfer an Menschen­leben und Geld kostet. .Wie in Südwestasrika, so kann es eines Tages in Ostafrika und Kamerun kommen. Das fein­maschige Netz des englischen Einfiusses umspannt eben ganz Afrika. Deshalb ist anzunehmen, daß in Kiel bei der Monarchenbegegnung auch die Frage einer Erörterung unterzogen wurde, was England tun Fann, um der gedeihlichen Entwicklung der deutschen Schutz­gebiete in Afrika nicht Schwierigkeiten in den Weg zu legen. Wmn König Eduards Worte, die deutsche und die englische Flagge möchten in Zukunft stets eintrachtlich nebeneinander wehen, im Sinne eines solchen Einvernehmens aufgefaßt werden dürfen, dann wäre erfreulicher, als alle Vereinbarungen über Oftasien. Schiedsgerichtsverträge und Friedensvermittlung.

3>er Krieg zwisHrn Japan vnd Außland.

Vom Kriegsschauplätze.

Petersburg/ 1. Juli. TceNuss. Telegr.-Ag." meldet aus Mukden vom 30. Juni: Nach hier vorliegen­den Meldungen näherte sich die japanische Flotte am 26. Juni morgens Hsiaupintau und beschoß die Gegend nördlich von der Bucht bis zum Ullselds-Berg. Sooann griffen die Japaner mit den an Land gesetzten starken Streitkräften die anliegenden Höhen an, welche unsere Jägcrkommandos besetzt hatten. Drei Attacken der Japaner wurden mit großen Verlusten zurückge­schlagen. Sodann zogen sich die rrrssischen Truppen ab teil- ungen in ihre Hauptsteuung bei dem Guinsan-Berge zurück. Der Gegner verstärkte seine Vorhut imb setzte seinen An­marsch fort Nach mehreren erfolglosen Angriffen cnif Guinsan dirigierte der Gegrrer eine starke Kolorrne auf die aus Dalny nach Port Arthur führende mittlere Stt'aße, um unseren linken Flügel zu umgehen. Unsere Abteilung mußte infolgedessen sich zuÄckKichen. Wir verloren sieben Offiziere und gegen 200 Untermilitärs. Die Verluste der Javaner sind wahrscheinlich erheblich höher, oa während des Kampfes die feindlichen Truppen aus eine M ^n e gerieten, die rechtzeitig zur Explosion gebracht wurde.

Tschifu, 1. Juli. (Reuter.) Die Japaner lan­deten am 24. Juni an ihrem Flottenstützpunkt auf den Elliotinseln eine selbständige Division von zehn­tausend Marm, die entweder zur Unterstützung des Generals Nodzu vor Port Arthur oder Okus bei der Freihaltung der Eisenbahnstrecken bienen soll. Die Japaner haben jetzt 180000 Mann i in Felde.

Pefers'bur g, 1. Juli. Wie derRufs. Tel.-Ag." aus Lünrjan'g unter dem 30. Juni gemeldet ivirb, ließen die vereinigten Armeen derGeneraleOkuund Ku­roki, welche die russische Mteilung in Hai t sch eng umgehen, um die Verlündung mit der Hauptmacht der Mandschurei'-Armee abztlsclmeiden und den strategisch wich­tigen D a l i n - P a ß zu besetzen, an der 'Mmliiue nur eine kleine Schutzabreilrmg zuriick. Die H a tl p t m a ch t d e r I a P a n e r rückt gegen den D a l i n - P a ß vor. Ein ener­gischer Angriff der russischen Vmchut unb das erfolgreiche Eingreifen des Generals Mifcittschetlko zwangen und} den letzten Meldungen die Japaner z 11 m R ü ck z 11 g. In der Sudmandsthurei begann die Regenzeit, die ieden Ver­kehr nmnoglich nMcirt. Die Zufuhr von LebenStnitleln unb Kriegst)orräten hört auf. Die Japaner, die besonders die Belagerunflsgesdchtze nicht befördern können, lausen somit Gcfalw, in eine kritische Lage zu geraten.

Petersbu rg, 1. Juli. Ein Telegramm Kur opat- kinS io?n den Kaiser vom 30. Juni besagt: Am 28. Jüni ging in der Umgebung der Station Drsck»tsckao unb auf den von ihr nach Ziujan füfjrcnbeu We.gon ein Platz­regen nieber, ber bie Ditvacks unserer Truppen unter Wasser setzte. Tie Japaner rücken in mehreren Richt­ungen gegen unsere ö ft* H d) c unb' südliche Fr ont langsam vor. Auf heT füblidren Front wurde festge­stellt, daß i a p a u i s d) e T r u p p e n von Süden nad) Osten vorrücken, nm sich mit ber Mriuee Kuroki- zu ver­einige n. Eine in der Richtung aus den Dalinpaß ausgeflthrte Rekogno< fierung ergab, daß die Japaner von den Stellungen, die sie gestern etnuahmeu, etwas znrück- geaangeti sind. Tie von den Japanern zurückgelchsenen Felowadlkti in Stärke von einigen wompagnien zogen sid) iidd) einem fleiucn Gefecltt zurück. A»is der ttmgcbung

von Föngtvangtscheng wird gemeldet, daß am 29. Juni japanische Truppen nach Ufanguan, nach dem Fenscbui- gebirge und nach dem Liahvlinpaß im Fenschuigebirge ewer-gisch vorrückten. Das Regenwetter hält an

Pet^rAburg, 1. Juli. Dergtuff. Telegr.-Ag." wird aus Liaujang von heute gemeldet, die Japaner ziehen sich uu's ihren Stellungen in den Passen zurück. Der Zweck ihrer Bewegung auf Liau­jang war offenbar, den Marsch der Generale Oku und Kuroki gegen Finschuantsch wan g zu decken. Durch letzteren Marsch fallt* die Operationslinie nach Korea zu zurückgeschoben werden, angesichts der von den Russen e> haltenen Verstärkungen, sowie angesichts der Gefahr, von den Russen in der Halbinsel Kwantung eirvgeschlossen zn werden.

Petersburg, 1. Juli. Aus Shanghai wird ge­meldet: Infolge des Untergangs japanischer Transportschiffe begatrnen in einigen Orten Ja-- pans Volksunruhen. In Kobe versuchte die Menge, das Haus des Vizeadmirals Kamrmuranieder- zureißen. Die Ausländer beginnen, Japan M verlassen.

Paris, 1. Juli. DerMatin" publiziert ein Tele­gramm aus Fnkau, wonach Rußland bisher, was die Zahl seiner in der Mandschurei versammelten Truppen betreffe, die Welt andauernd geblufft habe. Kuropatkiu habe nur ca. 70000 Mann.

FriedenSvermittlllug?

Das Rrutersche Bureau meldet aus Washington: Es besteht Grund zu der Annahme, daß von Washington aus sehr vorsichtige und diskrete Erkundigungen über eine even­tuelle Möglichkeit eingezogen wurden, Vorschläge be­treffs Herstellung des Friedens zwischen Ruß­land und Japan zu machen. Es verlautet, aus diesen Er»- kundigungen gehe hervor, daß rwch keiner der Krie^ führenden geneigt ist, Friedeusvorschlage irgend einer dritten Macht anzunebmen.

DemB. T." wird geschrieben: Ein Diplomat, welcher mit Japan in beständigen Beziehrmgen steht, äußerte sich daß die japanische Regierung tatsächlich einer Frie­densvermittlung nicht abgeneigt wäre und zu diesem Zwecke Bedingungen stellen würde, die von Rußland akzeptiert werden könnten. Japan würde sich mit einem gewissen Einfluß in Korea und der Wahruna seiner kommerziellen Interessen in der Mand schu- rei begnügen.' Nach der Meinung des Diplomaten wür­den die _ Russen naä) einem oder dem anderen großen Waffenerfolge trotz der bisherigen ablehnenden Halt- itng in eine Friedensvermittlung willigen, da sie bereits zur' Ueberzeugung gelangt fein müssen, daß ihre Armee sowohl als ihre Flotte einer gründlichen modernen Reor­ganisation bedürften, um den Japanern vollkommen ge­wachsen zu sein. Etwa in zehn Jahren würde sodann Rußlmid in einem neuerlichen Kriege mit Japan seine Ziele in Ostasien mit größeren Erfolgen als jetzt verfolgen können.

Da8 Petersburger Torpedomiglück.

Petersburg, 30. Juni. Wie sich jetzt herausge- fteilt hat, sind beim Untergang des Torpedoboots Delphin Von der aus 33 Untermilitars und 3 Offizieren bestehenden Mannschaft 23 Soldaten und 1 Offizier er- trunken.

Dclüsches Reich.

Berlin, 1. Juli. Der Kaiser unb die Kaiserin begaben sich, wie auS Kiel gemeldet wird, heute morgen mit dem VerkehrSboot zum Start der großen Dachten für die Wettfahrt nach Travemünde. Um 10 Uhr reifte die Kaiserin mit Sonderzug nach Sierhagen zu einem Besuch ber Gräfin Scheel-Plessen. Der Kaiser empfing heute vormittag auf dem Schonerkreuzer Meteorbte au8 Südwestafrika heim­gekehrten verroun beten Offiziere Oberleutnant Her­mann vorn KanonenbootHabicht", Oberleutnant Hanne- mann unb Leutnant Schäfer in Aubienz. Das Kaiser­oaar wird morgen vormittag von Kiel abressen. Der Kaiser begab sich heute mittag an Bord der PachtNorth Star", um bei Cornelis Vandcrbilt das Fnlhsttlck ein­zunehmen. Zur Ab end täfel nahm ber Kaiser die Ein­ladung des Mr. Goelet auf der PachtNabma" an.

Wie die , Kieler Nachr." melden, bat der König 0 on England dem Chef der aktiven Schlachtflotte, Admiral 0. Köster, das Großkreuz des Viktoriaordenö und dem Chef deS Stabes der aktiven Schlachtflotte, Kapitän z. S. Posch- mann, das Komturkrenz desselben Ordetts verliehen.

Dresden, 1. Juli. Zwischen dem König ttnb Kaiser Franz Josef ist für den Herbst eine Znsammen- kunst geplant. Der Ort der Zufammenkunft ist noch nn- bekaunt.

Stltttgart, 1. Juli. In drei stark besuchten sozial­demokratischen Protest versa mm tun gen gegen bte Erste Kammer wurde cinftiimnig bie vom Landesvorstand vorgeschlagcm' Resolution angenommen, rvelcher bie Ab­schaffung der Ersten Kammer fordert und jebe Ver- fassnngSreform ablelptt, ivelche nicht die Abschaffung bei Ersten Kammer bringt. Der Vorsitzende deS Stuttgarter sazialdemokrafischen Vereins bedauerte, daß die Sozialbemo* kmtie nicht von den bürgerlichen Parteien zu einem gemein­samen Vorgehen cingelaben wurde.________________

^rcr unb Glorie.

Gera» 1. Juli ?irv teuy^de t buit umdrtc aitläij idi frttfribiinbctüiibriiKit Bestehen- des zrvetten Bataillons be# inl»cntrn