Ausgabe 
2.6.1904 Zweites Blatt
 
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Nr. 187

General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen

Politische Tagesschau.

Die heutige Yumrner umfaßt 8 Seiten-

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Erscheint tögltd) mit Ausnahme des Sonntags.

DieGiehener Zamilienblätter" werden dem Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der -hessische Landwirt- erscheint monatlich einmal

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universttätsdruckerel R. Lange, Dießen.

Redaktion, Expedition u.Druckerei: Schulstr.?.

Tel Nr. 5L Telegr.-Mr. 1 Anzeiger Dießen.

Yeues in der Areyfus-Kffaire.

Die neueste ©lanbalaffäre int französischen Offizier­korps, die Verhaftung des im Nachrichtenbureau des Kriegsministeriums tätigen Verwaltungsoffiziers d'Au-

Trcibereien gegen Deutschland.

Aus Berlin, 1. Juni, wird uns geschrieben:

Es ist gewissen Londoner Blättern unerträglich, daß auf Grund der Kieler M 0 n a rch e n b e g e gnu n g eine Besserung der Beziehungen zwischen Deutschland und England in Aus­sicht steht. Sie sind beflissen, schon vorher Wasser in den Wein zu schütten dadurch, daß sie mit einer ans Alberne streifenden Hartnäckigkeit das Gerücht aufrechterhalten von russisch-deutschen Vereinbarungen, deren Spitze sich gegen England kehre. Auf der gleichen Höhe der Glaub­würdigkeit steht eine andere Version, der zufolge Kaiser Wil­helm mit dem Zaren eine Begegnung haben werde. Da­durch soll die Bedeutung der Zusammenkunft mit Köni Eduard herabgemindert werden. Es ist selbstverständlich, daß während der Dauer des Krieges Kaiser Wilhelm so wenig wie ein anderer Herrscher mit dem Zaren eine Rücksprache haben wird, weil solche Begegnung im Sinne einer Partei­nahme gedeutet werden könnte. DaS ganze Gebühren der bewußten Londoner Blätter verdiente nicht ernst genommen zu werden, wenn nicht die gehässige Tendenz scharf hervor­leuchtete. So sicht sich dieNordd. Allg. Ztg." heute abend wiederum veranlaßt, zwei fette Enten, darunter eine eng­lischer Herkunft, zu erlegen. DaS offiziöse Blatt warnt bei dieser Gelegenheit allgemein vor Meldungen, mit denen man in der ausländischen Presie Deutschlands Neutralität zu ver­dächtigen sucht.

Natioualgefchenk für das Kaiserpaar zur silbernen Hochzeit.

Nach derN. P. SV soll dem Kaiser und der Kaiserin zur silbernen Hochzeit am 27. Februar 1806 eine nationale Spende dargebracht werden. Das Lieblingswerk des Herrscher- paareS ist die Kaiser-Wilhelm - Gedächtniskirche. Es soll deshalb vor allem der endgiltige Ausbau dieser Kirche dem Kaiserpaar als Gabe zur silbernen Hochzeit dargebracht und weitere Spenden für den Ausbau der zum Gedächtnis an die Kaiserin Augusta erbauten Gnadenkirche, sowie für den Bau eines Erholungsheims auf dem Oelberge bei Jerusalem, und schließlich zur Verstärkung der Wohl­tätigkeitseinrichtungen für Arme und Kranke verwendet werden. Die Fertigstellung der Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis- kirche mit dem bereits begonnenen Mosaikschmuck erfordert eine Summe von über 1 Million Mark. Da die Kirche für die umfangreiche Gemeinde unentbehrlich ist, so kann immer nur ein kleiner Teil für die Mosaikarbeiten aufgebracht werden, und daher reicht der Zeitraum von drei Jahren knapp zur Herstellung der Kirche aus. Mit dem Beginn der Arbeiten soll schon jetzt energisch vorgegangen werden. Es werden für die Sammlungen in allen Orten Annahmestellen errichtet.

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9 Auch Seyffardt befleißigt sich einer natürlichen Melodik; dabei versteht er es, sich alle Errungenschaften moderner Har­monie und Orchesttierungskunlt zu eigen zu machen. Wenn wir die drei Chorwerke mit einander vergleichen, so bieten sie in­sofern ein Stück Musikgeschichte, als Schubert m seinerAll­macht" eine Komposition geschaffen hat, welche der ganzen Stimmung nach noch in die L>eit der St ja f 1 if er gehört und

tricbe, bringt den Beweis, daß der Hauptzeuge gegen Dreyfus vor dem Kriegsgericht in Rennes, Ezern Uschi, von dem damaligen Kriegsminister int Auftrage des Generalstabes natürlich bestochen war, falsch auszu- sageu. Die Verhaftung d'Autriches enthüllt aber noch mehr: sie erweist, daß gewisse militärische Kreise in Frank­reich auch das bevorstehende Urteil des Kassationshofes in der Revisionsangelegenheit Dreyfus fälschen wollten, indem sie die Beweise für die Unrichtigkeit der Aussage Czer- nuschis beiseite schaffen und kühnlich erklären wollten, Czernuschi habe die Wahrheit gesprochen. Das Blatt des Abgeordneten Jaurös, dieHumanitö". deckt diesen neuesten groben Schwindel der französischen Offizierskamarilla auf. Es berichtet über die Verhaftung d'Autriches folgende Einzelheiten: Der Rat int Kassationshof Athalin sei be­auftragt, die Angelegenheit der falschen Zeugenaussagen Czernuschis vor dem Kriegsgericht in Rennes an das Licht zu ziehen. Da Athalin davon überzeugt war,, daß man Spuren der Bestechung Czernuschis in den Büchern des Ministeriums finden würde, besuchte er das betreffende Bureau und sah hier zu seinem Erstaunen, daß d'Autriche damit beschäftigt war, in dem Register Radier­ungen und sonstige Aenderungen vorzunehmen. Auf die Frage Atbalins antwortete d'Autriche sehr verlegen, daß er in der Revision des Drehfusprozesses als Zeuge erscheinen müsse und deshalb seine Bücher mit den Aussagen in Einklang bringen wolle. Im Register ist da, wo d'Autriche die Radierungen begonnen hat, zu lesen:als Reisekosten 625 Fr.",übergeben 5000 Fr.", Austerlitz übergeben 20 000 Fr." Die Daten dieser Ein­tragungen fallen mit den Daten des Prozesses tn Rennes im August 1899 zusammen. Athalin fragte nun, wo die Schriftstücke seien, für die so bedeutende Summen gezahlt wurden, d'Autriche wollte sich an nichts mehr erinnern. Athalin fragte weiter, ob diese 25 000 Fr. nicht als Preis für die falsche Zeugenaussage Czernuschis in Rennes ge­zahlt worden seien. d'Autriche antwortete, er könne über die Verwendung der Summen keine Auskunft geben- Es ivurde nun eine Untersuchung vorgenommen und em Brief des Hauptmanns Francois vorgesunden, der ebenfalls bis vor kurzem dem Nachrichtenbureau des Kriegsmtntstermmv angehört hat- Der Brief war die Antwort auf em Schrei­ben d'Autriches, in welchem Franyots zur Vorsicht ge­mahnt wird, da der Kassationshof die Sache Czernuschis sehr genau untersuchen wolle. Die Antwort Francois lautete, daß er, um sicher zu gehen, alles ableugnen tverbe. Wie bie Blätter berichten, hat ber Hauptmann d'Autriche bie ihm zur Last gelegten Handlungen wahrend ber Zeit begangen, als Gallifet Krmgsminister war. Gallifet weigert sich, Aufklärungen zu geben. Er erklärte, es sei ihm sehr lieb, in bie Affäre hmemgezogen zu wer­den ba er bann vor den Staatsgerichtshof gestellt toerbe und bort Erklärungen über bie Dreyfus-Affare abgeben könnte. Gegen d'Autriche wird Anklage wegen Fälschung öffentlicher Urkunden erhoben werden. W nisterpräfident Combes erklärte die Nachricht für unbe- qründet, daß außer d'Autriche noch irgend em anderer Offizier verhaftet worden sei. So wird denn bie Drey- fus-Asfäre in absehbarer Zeit bemuach wieber eine Rolle

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ErtraKonzert des Aonzerivercins zum Westen des Theater- und SaalSaues am 5. Zuni.

Wenn wir uns heute etwas näher mit dem Programm des (n Aussicht stehenden Konzertes beschäftigen, so must en wer vor erst anerkennen, daß der musikalische Leiter, Herr Unioersttatsdirektor oT ^rautmnnu als gründlicher Kenner der Mannergesang- literatur mit großem Geschick ein abwechsclungsreiches Programm zu ammengestellt hat, welches nicht nur demjenigen welcher sich für größere Männergefangswerke mteresnert 'sondern auch wa^ w-r besonders erwähnen mochten!) dem Freunde des Volk^ Ued?s und deS a capella Gesanges Befriedigung gewahren wird! Der Männergesang" bietet jedenfalls einen DauMnztehungs- puukt" des vorliegenden Programms, und es verlort sub.wohl, einen kurzen Rückblick auf die Entwicklung des deutschen Manner- gesanges zu werfen. Bekanntlich ist der Männergesang, erst eme @$11113 beT19. der erste Beginn einer ein­

schlägigen Literatur datiert nicht weiter zuruck, als bis in das erstes Jahrzehnt des verflossenen Säkulums. Damals war es in erster ^inie Zelter und Nägel i*), welche em umfangreiches Material "lieferten: freilich find die bescheidenen Kompositionen dieser beiden verdienstvollen Männer längst m Vergesienheit ge­raten besonders nachdem die bedeutendsten Komponisten jener Beit sich das neue Kompositionsfeld zu Nutze machten ttmter ihnen vor allem Franz Schubert, der unübertroffene und überhaupt hervorragendste Lieder kompo nist.) Schuberts a capella-Chöre sirr Männerstimmen jinb beute noch mustergiltig! Er war aber auch der Erste, welcher große Männerchöre mit Klavier- oder Orchesterbegleitung ichrieb, also (wie neulich schon hervorgehoben) m emer Form, welche in neuester ^eit mehr und mehr in Anwendung kommt. Cs seien aus der ^großen Zahl seiner Kompositionen (welche m wohsieiler Ansaabe b^i Peters wie bei Breitkopf und Härtel übrigens billig zu kaufen sind 0 "nur erwähnt:Der Gondelfahrer"Nacht­helle" Nachtgesang im Walde",Hymne",Gesang der ©elfter über 'den Wasiern" (welch letztere Komposition wir einmal von bem Kronubm.erWn Quartett hier

hat, wie bekannt, eine große Anzahl von.Ladern geschrieben welche orchestral" gedacht, aber von ihm (vielleicht der leichten Au^ührbarkeit halber) nicht mit Orchesterbegleitung vergehen wur-

Diejenigen welche sich etwas genauer über diese Frage orientieren wollen, verweisen wir auf ben U^ttenden Aufsatz n1Ia her Hetzer des Herrn U n i v e r s t t a t s - M u s i k d i r e 11 c r G.'Trautmann in dem kürzlich zur.Ausgabe gelangten Fest­buch bes nationalen Gesangswettstreites Gießen 1V0 .

Malerei wie überhaupt von ber modernen .Richtung fern hÄsi dem Texte gemäß int Sinne der Romantiker (Mendelssohn, Schu­mann) geschrieben ist. S e y f f a r b t sTmrch Kampf AM Fried dagegen steht vollkommen aus modernem Boden und benutzt alle möglichen Effekte ber Tonmalerei. Zwischen den genannten drei Werken besteht auch noch ein anderer, innerer Zusammenhang; ie besingen alle drei die schöne Zeit des Lenges, wenn auch in verschiedenartigster Weise. In Schuberts ,,,0(010^ toirb bie Größe Gottes' in der herrlichen Natur gepriesen, m Brambachs Idyll steigt noch einmal die alte Märchenwelt der Blumenelfen auf, in Seyfsardt's Komposition endlich wird der erhobenen Frühlingspracht die grause Wirklichkeit des menschlichen Lebens realistisch gegenübergestellt. Wenn Sehffarbfs Tongemalde sinn­gemäß vielleicht an den Schluß gehörte, so glauben wir, daß b:e Umstellung der beiden letztgenannten Chorwerke lediglich wohl a s musikalischen Gründen erfolgte. Doch wird damit ia nur bewiesen, baß eine Aufstellung sogenannterstilgerechter Pro­gramme" nach allen Richtungen nicht immer durchführbar ist.

Die zwischen bie größeren Chorwerke eingestreuten a capella- Chöre sind geschickt in zwei Abteilungen gruppiert: ^ie erste Abteilung wird uns dasKunstlied" vorführen, al.erdmg^ nicht das, was man heute gewöhnlich darunter versteht, nämlich etwa ein von Schwierigkeiten strotzendesgekünsteltes Lied , desten Hauptzweck darin besteht, bie Kehlfertigkeit ber ^ängenchar dar­zutun, sondern ein relativ einfaches Lied, welches vermöge feiner Melodik, Harmonik und Rhythmik nicht unter die Gattung des Volksliedes bezw. des Liedes im Volkston rubriziert werden kann, also im Gegensatz dazu alsKunstlied" bezeichnet wird, obwohl ,s an sich einfach gestaltet ist. Wir werden m dmer Abteil­ung hören: 1) Hymne an das 5ey.er bon 3enger, 2) Wiegen­lied von I. Brahms, 3) Vilanella (Echolied) von O di Lasso. Eines der interessantesten Lieder auf diesem Gebiet ist das letztgenannte, bisher unseres Wissens hier , noch Nicht ge­hörteEcholieb". R. Batke schrieb vor eimger Seit bereits im Kunftwart etwa folgendes hierüber:Echoefiekte gehören zu den häufigsten Eigentümlichkeiten bes Madrigalstils. Hier ist einmal ein ganzes Singstück auf diesen Gfieft aufgebaut, und sroar mit einer fast dramatisco anmutenden Natürlichkeit und Lebendigkeit Auch ohne szenische Versinnlichung glaubt man die Gesellschaft vor sich zu sehen, die im Walde ein schönes (Mo entdeckt, sich damit vergnügt, es anzurufen und zu er­proben, und schließlich unter Scheidegrüßen von dannen gebt."

Die zweite Abteilung der a capella-Chöre bringt einLied im Volkston" von dem, auch in Gießen so bekannten Koschat ( d'Hamkehr") und einVolkslied" von dem noch bekannteren

den: galt doch ein großer Teil der vorhin genannten Chore seinerzeit als unausführbar! Seitdem sind bereits mehrere dieser größeren Lieder für Chor mit Begleitung gesetzt und mit Glück ausgeführt worden, so z. V. das Lied.Dem Unendlichen . Eine der besten Bearbeitungen, welche wir m den letzten Jahren Heinrich Zöllner in Leipzig (dem Sohne des bekannten Männerchor-Komponisten! verdanken, ist tnejcnige des gewaltigen Qicbe§ Allmacht". Wie wohl den Meisten bekannt, hat Schubert dieses herrliche, allgewaltige Lied 1825 komponiert, gelegentlich einer Reise, welche er in Gemeinschaft nut dem Sanger Vogl durch das Salzkammergut machte, tief ergriffen von ber herr­lichen Natur des Wildbades Gastein!

Es ist wohl nicht zu viel gesagt, wenn man behauptet, das; bie Wucht unb die Größe des herrlichen LiedesAllmacht in der Form dieser vollendeten Bearbeitung Tür Männerchor unb Orchester (unb Orgelbegleitung, welche wir hier in Ermangelung eines Saalbaus mit einer Konzert-Orgel leibet entbehren müssen!) erst voll unb ganz zur Wirkung kommt! Obwohl auch nach Schubert's Tode bin unb wieber Männerchore mit Orchesterbegleit- ung (u a solche von Schumann, Mendelssohn) ge­schrieben würben, so erlangte doch die neue Kunstfoimi erst in neuester Zeit größere Bedeutung, namentlich durch die Werke von I o h. Brahms, Mar B t u ch , R i ch a t d W a g n e r (deren wir neulich bereits gedachten). Ganz Hervorragende» leistete nun auf diesem Gebiete C. I. Brambach, der jüngft ver­storbene, 1833 zu Bonn geborene, bekannte Mannerkoinpomst, sowie ber in Stuttgart, am Konservatorium tätige E. D- ^eyf- farbt, welcher neuerdings durch lerne Siebercljclen, bewnbers aber seine. Kaiser Wilhelm gewidmete KantateM xeut^ lands großer Zeit" Aussehen erregt hat. Wahrend Brambachs bekanntere WerkeVelleda",Das eleusische Fest Kolumbus , Prometheus" meist umfangreicher sind, ist eines der gluÄich erfundensten und liebenswürdigsten Stucke das kürzere Werk Waldmeisters B r a u t f a h r t", welches durch ungekünstelte Melodik und Harmonik den Zuhörer sofort gefangen nimmt: es ist ein Stück fröhlichster Frühlingsstimmung voll geiunden Hu­mors, ohne dabei über die seine Linie edler Melodik hinaus-

Keer und Ilotte.

Der Bayerische Landesverband des Deut­schen Flottenvereins hat am Sonntag den 29. Mai unter dem Vorsitz Sr. Königs. Hoheit des Prinzen Ruppreckst feine diesjährige Hauptversammlung abgehalten und emstimmig fob-

schwer es den Fraktionsvorständen wird, ihre Mannen zur Sommerzeit in ber Reichshauptstadt zu sammeln. Einer ftellich wird es sich nicht nehmen lassen, in jeder Sitzung der Sommer­tagung zur Stelle zu sein. Das. ist Herr Bassermann der von einem märkischen Wahlkreise mit einem Mandat betraute Badenser. Er war von jeher einer ber Fleißigsten im Parlament und dürfte die Führung der nationalliberalen Fraktion des Reichstags wieder übernehmen an Stelle des mehr für Preußische Angelegenheitm kompetenten W Dr. Sattler. . Der sonst vorliegende Aratungs- ftoff wird im übrigen nicht viel Zeit beanspruchen. Möglicher­weise schließt fick an den Nachtragsetat für Südwestafrika eine längere Debatte. Aber neues von Belang kann von den Regierungs- Vertretern nicht gesagt werden. Höchstens, daß nn Hinblick auf die Bemühungen der Farmerdeputation die Entschädigungsftage erneut zur Sprache gebracht wird. Vielleicht nehmen die bürger­lichen Parteien Veranlassung, auf die Kundgebung der deutschen Arbeiter in Südwestafrika gegen das heherofreundliche Auftreten des Abg. Bebel hin^uweisen, bamit vor dem Lanbe festgestellt wird, daß gerade dietenigen Arbeiter die Auffaßung Bebels nicht teilen, die dieehrenwerten" Hereros von Grund aus kennen. Bei der Novelle zum Münzgesetz wird über das Schicksal der Taler endgiltig entschieden werden.

Die Bierstener in Baden.

In der Sitzung der badischen zweiten Kammer gestern,, am 1 Juni, wurde die Abänderung des bestehenden Biersteuergeietzes beschlossen. Der Abg. Blümmel erstattete Bericht über diesen Gesetzentwurf. Um den durch die vorgeschlagene Neuordnung und die dadurch herbeigeftlhrte Enllastung ber Heineren und rmtt- (eren Brauereien entstehenden Steuerausfall zu decken, werden bie Großbrauer etwas mehr her an gez o gen. Durch die Beseitigung ber Sprünge werbe nicht nur eine Entlastung der kleineren Mittelbrauer erreicht, auch bie größeren Mittelbrauer teilen sich bei dem neuen Staffeltarif besser als bisher, da ite bis zu einem Malzverbrauch von 10 000 Doppelzentnern toentffer bei 10 000 ebensoviel und erst nach Ueberschreitung von 10 000 Doppelzentnern mehr Steuer als bisher zu enttichten haben. 15 Großbrauer des Landes wenden iich gegen ben Ge­setzentwurf unb machen folgenden Vorschlag: Die Brauereien werden in zwei Kategorien eingekeilt: a) m solche mit einem Malzverbrauch bis zu 5000 Doppelzentner, ine am Staffeltarif teilnehmen in folgender Form: 1. für die ersten 250 Doppelzentner 8 Mk., 2. für die folgenden 1250 Doppelzenttier 10 Ml., 3. für die folgenden 1500 Doppelzentner 11 Mk., 4. für die folgenden 2000 Doppelzentner 12 Mk. b) in solche nut einem Malzverbrauch von über 5000 Doppelzentnern, die an ber Staffel nicht teil- nehmen mit dem Steuersatz von 12 Mk. pro Doppelzentner. Jrn Gegensatz zu dieser Petition steht eme Vorstellmm hergrößeren Mittelbrauereien" aus bem Handels­kammerbezirk Heibelberg-Eberbach, die demRegierungsvorfchlag zusttmmt, insoweit er die Staffelung bis zu 10 000 Doppelzenttier Malzverschrotung angeht. Gleichfalls auf ben Boden der Re­gierungsvorlage stellt sich eine PettttoN des Verbandes oberbadischer Brauereien und etne wettere Eingabe der größeren Mittelbrauereien bes Handelskauim^bezirks Mann­heim Gegen den Gesetzentwurf wendet sich enblicb die Handelskammer Karlsruhe-Baden. Die Mehrheit der Kommiflwn stellte sich von vornherein auf den Boden der Vorlage und kommt schließlich zu dem Antrag, die Kammer wolle den Gesetzentwurf nach der Vorlage der Regierung .annehmen.

Finanzminister Becker weist im Verlauf der Verhandlungen -ben Vorwurf zurück, als ob die Regierung gegen die Großbrauereien, bie ja die goldenen Eier legen, irgendwie voreingenommen Jet. Bon einer nachteiligen Einwirkung auf diesen betrieb könne kaum die Rede fein, und bie geringe Mehrbelastung sei wohl zu tragen. Der vorliegende Entwurf trage auch nicht einen fiskalischen Cha­rakter, sondern wolle lediglich ein bisher bestandenes steuerliches Unrecht gegen die mittleren Brauereien gutmachen. Emen direkten Zusammenhang der Höhe der Besteuerung nut ber Konkurrenz­fähigkeit anderen Staaten gegenüber könne er Nicht jugeben. Das Gesetz wird sodann gegen bie Stimmen ber Abgg. Franz und Goldschmit-Karlsruhe ang en o m m en.

Vom Reichstag.

Unser parl. Mftarbeiter schreibt unterm 1. Juni:

Wie mißlich es ist, ben Reichstag über Pfingsten hinaus tagen zu lassen, wirb sich bemnächst beim Wieberzusammentrttt des Parlaments erneut Herausstellen. Ein beschlußfähiges Daus un Juni ist unseres Erinnerns im letzten Jahrzehnt nur emmal zu verzeichnen gewesen, unb zwar bei Verabschiebung bes Flotten­gesetzes von 1900. Um Vorlagen von so hefgretfenber Bedeutung handelt es sich bei der diesmaligen Sommertagung allerdings nicht, dock besteht die Möglichkeit einer Auszählung des Hauses bei der Beschlußfassung über die Kolonialbahnvorlagen, deren Chancen der Verlauf der Kommissionsverhandlungen Nicht gerade gesteigert hat. Die Regierung möchte die Erledigung dieser Ge­setzentwürfe bis zum Herbst vertagt sehen. Es kommt also unter Umständen auf jede einzelne Stimme an. Bekannt aber ist, tote

Zweites Blatt. 134. Jahrgang Donnerstag 2. Jnni 1904

Gietzener Anzeiger

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