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2.6.1904 Erstes Blatt
 
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Steuern in Bayern.

Die bayerische Abgeordnetenkammer hat gestern, am 1. d. M., den Gesetzentwurf über die provisorische Erhebung eines Zuschlages der Gebühren und Erbschaftssteuern an den Ausschuß zurückverwiesen, weil der Finanzminister nach Ablehnugg der Gebührenerhöhung um 20 Prozent bei einem Besitzwechsel bei einer Gegenstandssumme von min­destens 60 000 Mk. (Ausschußantrag) den Antrag stellte, die Progression des Zuschlages bei Gegenständen im Werte von 200 000 Mk. (ebenfalls Ausschußantrag) fallen zu lasten und den lOproz. Zuschlag zu Mutationsgebühren (Besitzveränder­ungsgebühren) gleichmäßig bei allen Objekten von über 50 000 Mk. Wert zu bewilligen. Die Regierungsvorlage hatte ursprünglich 20 000 Mk. als niedrigsten Wert festgesetzt, während die Klerikalen im Interesse der Bauern die Werte auf 50 000 und 200 000 Mk. erhöht haben.

Die Englisch-Französische Konvention im englischen Unterhaus.

Der Unterstaatssekretär des Auswärtigen EarlPercy beantragte gestern, am 1. Juni, zweite Lesung der Vorlage betreffend die englisch-französische Konvention und erklärt, die Vorlage ermächtige zu einer Gebietsabtretung in «Westafrika und einer Geldenrschädigung bezüglich der Neufundlandfischerei; diese Ermächtigung sei notwendig, um die Bedingungen der Konvention zu vollziehen; er setzt die Bedingungen auseinander und verteidigt die Politik der Regierung in Bezug auf Marokko. Was den Suezkanal anbetrifft, so sei der gegenwärtigen Suczkon- vention nur neue Lebenskraft gegeben. Die Konvention sei wegen des 1885 seitens Englands gemachten Vorbehalts niemals in Kraft getreten. Wir haben, sagt der Redner, jetzt unsere Annahme der Konvention wieder bestätigt und die Bedeutung unseres Vorbehalts klar gemacht. Wir haben die Zustimmung Frankreichs zu unserer Behauptung er­halten, daß wir den 1885 übernommenen Verpflichtungen treu bleiben. Wenn wir fortfahren, gemäß den so von uns aufgestellten Grundsätzen zu handeln, so ist kein Grund vorhanden, anzunehmen, daß andere Mächte sich weigern würden, unsere Loyalität bezüglich dieser Verpflichtungen anzuerkennen, wie Frankreich es getan hat. Der Wunsch der beiden Parteien während der ganzen Unterhandlungen war nicht, zu sehen, wie wenig sie einander zugestehen, sondern wie weit sie sich in ihren gegenseitigen Ansichten entgegenkommen könnten. Was Egypten und Marokko an­betrifft, so haben wir nichts aufgegeben. Im Gegegenteil in Marokko, wo wir bedeutende Opfer zu bringen scheinen, erzielen wir tatsächlich einen bedeutenden Gewinn. Unsere einzigen politischen Interessen in Marokko sind strategischer Natur und diese Interessen werden durch die Konvention noch mehr gesichert. In Egypten hat Frankreich viel auf- geaeben und es ist kein Grund zur Annahme, daß andere Machte Schwierigkeiten erheben werden. Die Regierung hat dem Hause die Konvention nicht als Tauschhandel, sondern als internationale Urkunde vorgelegt, welche den­jenigen staatspolitischen Zweck erreichen wird, den die Führer der beiden Parteien Englands zu erreichen wünsch­ten. Die Konvention ist ein großer Schritt nach der Richt­ung, in der nach dem Wunsche aller England gehen soll. Die einzige sichere und vorsichtige Politik, die wir in Zukunft verfolgen können, ist eine solche der Konzentration und Konsolidierung der Verwaltung. Es ist ein Sieg der Diplomatie, daß die Schwierigkeiten so glatt erledigt wurden, und ich hoffe, daß die Zeit vorüber ist, wo der Erfolg einer Nation als notwendiger Weise nachteilig für eine andere Nation erachtet wurde. Ich hoffe auch, daß die Konvention ein Muster Hur Erledigung der Schwie­rigkeiten zwischen England uno anderen Nationen sein wird. (Beifall.)

Earl of Grey h^ißt die Konvention willkommen und sagt, er hoffe, daß die Entwickelung der englischen und französischen Kolonien in Afrika von einer entsprechen­den Entwickelung freundschaftlicher Beziehungen begleitet sein werde.

Eampbell-Bannermann spricht gleichfalls seine Zustimmung zu der Konvention aus. Premierminister Bal­four erklärt: Im Laufe der Debatte wurde bemerkt, daß die Handelsbeziehungen in Marokko nur ein Menschen­alter dauern sollen, aber ich bin überzeugt, daß die Diplomatie Europas mehr und mehr den Vorteil einer zeit- lichen Begrenzung von Verträgen erkennen wird, weil sie ihnen offenbar Stabilität gibt. Keine Regierung hat je besseren Abschluß mit einem Staat, der sich in einem Zu­stand wie Marokko befindet, gemacht. Bezüglich der in der Debatte zur Sprache gekommenen der französischen Flagge in Mascat und anderwärts ist es wahr, daß im ver­gangenen Jahre eine sehr schwierige Frage zwischen uns und der französischen Regierung entstanden rst. Ich bin erfreut sagen zu können, daß unter Zustimmung beider Regierungen diese Frage dem Haager Tribunal zur Ent­scheidung überwiesen ist. (Allgemeiner Beifall.) Ich bin völlig außer stände, der Behauptung Sir Charles Dilkes, daß der Vertrag ein vollständiger Umsturz der äußeren Politik Lord Salisbury's sei, beizupflichten. Dilke hat gesagt, der Vertrag sei unvereinbar mit irgend einer militärischen Allianz mit Deutschland. Ich habe aber nie gehört, daß eine solche Politik von irgend einer Partei angeregt worden sei, und sie bildete sicherlich keinen Teil der Politik Lord Salisbury's. Ich bestreite, daß das, was geschehen ist, unvereinbar ist mit einem freundlichen Ab­kommen mit Deutschland oder mit irgend einer anderen Macht.

Oesterreich-Ungarn.

Die Oesterreichische Delegation nahm das Budget für Bosnien und die Herzegowina an. Im Laufe der Debatte bemerkte Reichsfinanzminister v. Burian gegen­über Licht, Bosnien besitze bereits zwei Eisenbahn­verbindungen mit D a l m a t ie n, die dritte sei gesetz­lich sicher gestellt. Ein namhafter Teil der beförderen Frachten komme aus Oesterreich und gehe nach Oesterreich. Die beiderseitigen Regierungen hätten übrigens ein ge­wichtiges Wort bei jeder neu zu erbauenden Bahn mit­zureden. Der Redner tritt der Legende von einer künst­lichen Züchtung der Industrie entgegen und weist nach, daß für alle zurzeit dort bestehenden Industrien die natür­lichen Voraussetzungen durchaus vorhanden sind.

Die östreichische Delegation nahm ferner das Ma­rinebudget sowie den außerordentlichen Kredit von 75 Millionen an. Marinekommandant Frhr. v. Spann führte im Laufe der Debatte aus, er glaube nach den von dem Kriegsminister gegebenen Aufklärungen über die Notwen­digkeit der Forderungen für das Heer und die Marine sich auf fachmännische, die Kriegsmarine 'betreffende Erklär­ungen beschränken zu können. In ungefähr anderthalb Jahren werde die Kriegsmarine wieder auf den Stand, welchen sie in den siebziger Jahren gehabt, kommen.

nämlich aus elf Panzerschiffe. Ferner veavFchnge ote wca- rineverwaltung Neubeschaffungen für die Torpedoboots­flottille, wovon nur noch sechs Boote brauchbar seien. Bei dem bisherigen Tempo waren elf Jahre zu der Erneuer­ung der Flotte nötig gewesen. Außerdem müsse für Her­stellung von Annäherungshindernissen im Rayon von Pola gesorgt werden, besonders, da der russisch-japanische Krieg wieder gezeigt habe, daß verankerte Schiffe ohne das Vor­handensein von Annäherungshindernissen einem kühnen feindlichen Angriffe zum Opfer fallen können.

Deutsches Keich.

Berlin, 1. Juni. Der Kaiser unternahm heute morgen einen Ausritt nach dem Tiergarten und hörte später im königl. Schlosse den Vortrag des Chefs des Zivilrabinetts.

Der Kaiser hat, wie dieKieler N. N." melden, den Chef der Marinestation der Ostsee, Prinzen Heinrich von Preußen, mit der Anordnung der für den Emvfang des Königs von England und der englischen Kriegsschiffe M treffenden Maßnahmen beauftragt. Das Einlotsen der Schiffe von Holtenau aus erfolgt am Samstag den 25. Juni nachmittags durch den Stationschef und Torpedobootskommandanten der deut­schen Flotte. Auf der südlichen Schleuse von Holtenau wird eine Ehrenkompagnie de? ersten Seebatoillons Aufstellung nehmen. Beim Verlassen der Schleuse durch die königliche Jacht feuern die deut­schen Kriegsschiffe Salut.

Unter Teilnahme des Kaiserpaares und des Kronprinzen fand heute mittag in der englischen St. Georgs-Kirche im Montbijou-Park die Trauung von Fräulein Flo­rence C. Lascelles, der einzigen Tochter des eng­lischen Botschafters Sir Frank Lascelles, und Herrn Cecil R. Rioe, ersten Sekretär der englischen Botschaft in Petersburg, statt.

Wie dieNordd. Allg. Ztg." hört, ist der diensttuende Flügeladjutant des Kaisers Major Freiherr v. d. Wenge, Graf Lambsdorff, als Nachfolger des Majors Frhrn. v. Luettwitz zum Militärattachee in Petersburg ausersehen.

Der Ph'lologe Professor Stephan W ä tz o l d t, Vortragender Rat im Kultusministerium, ist gestern gestorben.

Hamburg, 1. Juni. DenHamb. Nachr." wird mit­geteilt, der König von England werde am 26. Juni von Kiel nach Hamburg kommen, um dem deutschen Derby bei­zuwohnen.

Der LloyddampferAache n" ging heute nachmittag 5 Uhr mit dem Truppentransport, bestehend aus 12 Offizieren, 3 Portepeeunteroffizieren, 177 Unteroffizieren und Mannschaften und 289 Pferden, nach Deutsch-Südwestafrika ab, nach­dem er vom General v. Bock verabschiedet worden war.

Braunschweig, 1. Juni. Der braunschweigische Land- t a g nahm bei Beratung des Gesetzentwurfes über die gemein­gefährlichen Krankheiten einen Antrag des Abgeordneten Proseffor Blasius an, demzufolge Geschlechtskranke zwangsweise einem Krankenhause zugeführt werden können.

Ausland.

Haag, 1. Juni. Die Haager Konvention von 1902 über das internationale Familienrecht (Ehe und Ehebruch, Trennung von Tisch und Bett, Vormundschaft) wurde heute von Deutschland, Belgien, Frankreich, Luxemburg, den Niederlanden, Rumänien und Schweden ratifiziert.

Wien, 1. Juni. Der kaiserlich-königliche For st- Kom­missär Hoffmann hat einen Ruf als ordentlicher Professor für Forstwissenschaft an die Universität Tokio erhalten. Er hat bereits Folge geleistet. Hoffmann wird seine Vorlesungen dort in deutscher Sprache halten.

Petersburg, 1. Juni. Fürst Dolgoruki, der s. Zt. als Kandidat für den bulgarischen Fürstenthron genannt wurde, erwartete L a m s d o r f f auf einer Promenade und fügte ihm eine tätliche Beleidigung zu. Man glaubt, daß Dol­goruki von rein politischen Motiven beeinflußt war; im Publikum herrscht nämlich Verstimmung gegen Lambsdorff, weil angeblich durch seine Schuld die Nachricht vom Abbruch der diplomatischen Beziehungen mit Japan zu spät nach Port Arthur gemeldet worden ist, sodaß die Russen dort durch den japanischen Tor- pedoangriff überrascht wurden. In diplomatischen Kreisen ver­lautet dagegen, daß die Politik in dieser Affäre nur eine unter­geordnete Rolle spielt. Diese französische Nachricht wird im Auswärtigen Amt entschieden bestritten.

Die auf den 2. Juni festgesetzte Nationalfeier der Enthüllung des Denkmals für den Komponisten Glinka ist auf Befehl des Kaisers wegen des Krieges verschoben worden.

Santiago de Chile, 30. Mai. Die Kammer wurde mit einer Botschaft des Präsidenten Riesco wieder er­öffnet. Die Botschaft hebt hervor, daß die vollkommene Herz­lichkeit der internationalen Beziehungen des Landes zur Erleich­terung der Heereslasten und zum Verkauf von Panzerschiffen führte. Der erzielte erfteuliche Ueberschuß werde zur Verbesserung der Hafenanlagen, namentlich von Valparaiso verwendet. Das Jahr 1903 ergab einen Ueberschuß von 16 036 000 Pesos. 1904 werden sich die Ausgaben auf 140, die Einnahmen auf 159 Millionen Pesos belaufen. Der Ueberschuß von 1903 werde am Jahresschlüsse von 1904 zur Papiergeldeinlösung' verwendet werden. Das Budget für 1905 weist 120 Millionen Pesos Einnahmen, 98 Millionen Pesos Ausgaben auf.

Rio de Janeiro, 1. Juni. Brasilien kündigte den Handelsvertrag von 1891 mit Peru. Es gehen andauernd brasilianische Truppen nach der Grenze ab. 6000 Mann sind bei Altojurua konzentriert.

Aus Htadt uni) Hand.

Gießen, den 2. Juni 1904.

* * Der Fackelzug derStudentenschaft zu Ehren von Prof. Dr. Pfannen stiel findet, wie ein Anschlag am schwarzen Brett bekannt macht, wegen der auf Freitag, den 3. Juni, 5 Uhr nachmittags festgesetzten Beerdigung des sind. Theodor Becker nicht statt; Herr ProfessorDr. Pfannenstiel glaubt, ihn auch später nicht mehr entgegennehmen zu sollen. Dem Ausschuß der Studentenschaft spricht der Rektor im Auftrag von Professor Dr. Pfannenstieldessen herzlichsten und aufrichtigsten Dank für die ihm zugedachte große Ehrung und zugleich sein Bedauern darüber aus, daß die Verhältnisse ihn zu diesem Entschluß genötigt habend

* * Theologische Konferenz. ImReuen Saal- 6au" tagte heute die seit 1884 jährlich einmal versammelte Theologische Konferenz. Den Vorsitz führte an Stelle des nach Göttingen berufenen Profesiors D. Kattenbusch Pro­fessor D. Krüger. Rach der Begrüßung und der Erledigung der geschäftlichen Fragen erstattete Profesior D. Wiegand aus Marburg ein Referat überDas apostolische Syinbol im Mittelalter". Sodann trug Pfarrer Dr. Dechent aus Frankfurt a. M. überHerder und die ästhetische Betrachtung der heiligen Schrift" vor. An diesen Vortrag schloß sich eine Diskussion über die vorn Vortragenden gestellten Thesen. Rach Schluß der Verhandlungen fand ein gemeinsames Mittag­essen statt.

* Vom Dünsberg. Die Wirtschaft auf dem Düns- berg bleibt, wie man uns mitteilt, diesmal am ersten Sonntag des Monats, 5. Juni, wegen anderweitiger Inanspruchnahme des Wirtes geschlossen. Dagegen wird am 12. Juni der Wirtschaftsbetrieb offen gehalten.

R. B. Darmstadt, 1. Juni. Das hiesige Bismarck- dcnk Maikomitee hält heute abend unter Vorsitz des Herrn

Overvurgermepier Morneweg ferne für oas taenrmai em> scheidende Sitzung ab. Es waren in der Bürgerschaft an­läßlich der Ausstellung des Modells des Denkmals von Prof. Habich, das den eisernen Kanzler auf einen ca. 4 Meter hohen Granitsockel in Ueberlebensgröße mit einer Brunnenanlage auf dem Ludwiasplatz dargcstellt wissen will, zahlreiche Stimmen des Widerspruchs erhoben worden. Das Komitee beschloß heute abend fast einstimmig, das Denkmal doch an dieser Stelle zu errichten. Die Kosten desselben sind auf ca. 50 000 Mk. berechnet und auch bereits bis auf ca. 10 000 Mk. zusammen; die Errichtung des Denkmals soll so beschleunigt werden, daß es schon am Sedantag des Jahres 1905 i- feierlicher Weise enthüllt werden kann.

sd. Darmstadt, 2. Juni. (Eigener Draht- bericht.) In Vertretung des Großherzogs ist heute vor- mittag der Obersthofmarschall General v. Westerweller zur Beisetzung des Großherzogs von Mecklen- burg-Strelitz nach Reu-Strelitz abgereist.

Offenbach, 1. Juni. Den Spaziergängern und Passanten der Obermainstraße fiel gestern nachmittag gegen 3 Uhr ein hübsches junges Mädchen auf, welches in der Nähe der Oehler'schen Fabrik auf einer Bank am Main­damme saß und bitterlich weinte. Plötzlich lief das Mädchen ans Ufer hinab und sprang in den Main. Da die Tat von vielen Leuten beobachtet worden war, war Hilfe schnell zur Stelle; auch Soldaten aus der in der Nähe gelegenen Militärbadeanstalt suchten die Unglückliche zu retten. Es gelang aber erst nach etwa 20 Minuten, den im Wasser treibenden Körper zu finden und ans Land zu bringen, leider zu spät, da der Tod bereits eingetreten war. Bevor sie in den Strom sprang, hatte sie am Ufer ihr Portemonnaie und zwei Romanbücher (Das Waldröschen" undNach dem Zapfenstreich") niedergelegt. In dem Portemonnaie hinterließ sie einen Zettel mit Angabe ihres Namens und ihrer Wohnung. Die Unglückliche ist die 19jährige Marie Weydmann, Bis­marckstraße 8 wohnhaft. Das Mädchen hatte in den letzten Tagen mehrfach Spuren geistiger Gestörtheit gezeigt. (O. Z.)

Mainz, 1. Juni. In der heutigen Sitzung der Stadt­verordneten teilte der Oberbürgermeister mit, daß der verstorbene Herr Joh. SB eifert der Stadt Mainz eine Summe von 500000 Mk. mit der Bedingung hinterlassen habe, daß die Zinsen dieses Kapitals an arme Familien zur Verteilung kommen sollen.

Vom Rhein, 28. Mai. Der Verein zur Hebung des Fremdenverkehrs am Rhein wird seine erste kon­stituierende Versammlung am 6. Juni, 2 Uhr nachmittags, im großen Saale der städtischen Festhalle in Koblenz ab­halten. Außer einer großen Anzahl Hotelbesitzer find fast alle Städte am Rhein beigetreten.

Frankfurt, 1. Juni. Zum letzten mal versammelten sich heute die Teilnehmer des Tonkünstlerfestes im Saal­bau, um dem dritten Orchesterkonzert beizuwohnen, mit dem die 40. Tonkünstler-Versammlung ihren musikalischen Abschluß fand. Das Frankfurter Goethehaus erwarb für 5000 Mk. aus der Auktion Kürschner den gesamten Nachlaß von Maler Müller. Das weimarische Goethe-Archiv machte ein zu geringes Angebot. Kügelgens Goethebild kaufte für 10 000 Mk. ein Dresdner Kunsthändler.

Vermischte».

* Köln, 1. Juni. Bei einem über die Gegend zwischen Neuß und Grevenbroich gestern abend niedergegangenen Ge­witter richtete eine Windhose in den Ortschaften Gref­rath, Nemmerden und Lüttenglehn große Verwüstungen an. Zahlreiche Häuser wurden abgedeckt, starke Bäume entwurzelt. Die Feldfrüchte sind vollständig niedergeschlagen. Der Schaden ist sehr groß. Unglücksfälle von Menschen sind bisher nicht gemeldet.

* Stettin, 1. Juni. In Greifenhagen sind heute nacht sechs Wohnhäuser durch einen Brand eingeäschert worden. Das Feuer brach um 1^/, Uhr aus und konnte erst heute früh gelöscht werden. Bei den Rettungsversuchen sind zwei Feuerwehrleute verunglückt.

* Elbing, 1. Juni. Die 20 Jahre alte BesitzerS- tochter Martha Neuber aus Schönborn, Kreis Pr.- Holland, wurde auf dem Heimwege von einem Kriegerfeste in Hermsdorf ermordet, nachdem an ihr ein Sittlichkeits­verbrechen verübt war. Die Behörden glauben dem Täter auf der Spur zu sein.

* Nizza, 1. Juni. Aus dem Nachtzuge, der am 26. Mai um 10.40 von Nizza nach Paris abgeht, wurde bei Antibes ein Depeschensack, in den drei Säcke mit ein­geschriebenen Briefen eingeschlossen waren, gestohlen. Der zweifellos dem Postsache angehörige Dieb hat sich in dem Waggon, in welchem bloß zwei Fächer von der Post benützt werden, offenbar versteckt; er hat mittels falschen Schlüssels das eine Fach geöffnet und den für Marseille bestimmten Depeschensack hinausgeworfen. Er stieg dann in Antibes aus, löste postgemäß die Schnüre, nahm fast alle Wertpapiere und ließ die Säcke und Depeschen dort liegen, wo sie am 27. Mai morgens gefunden wurden.

* Taiu, die Kaiserin von Abessynien, wird nach derFrkf. Ztg." mit einem glänzenden, aus zweihundert Personen bestehenden Gefolge im September eine Pilger­fahrt zum heiligen Grabe in Jerusalem unternehmen. Sie wird in dem bis dahin fertiggestellten neuen abessynischcn Kloster in Jerusalem wohnen. Es ist zum erstenmale, daß ein Mitglied des abessynischcn Herrscherhauses sich in das gelobte Land begibt. Die hier weilende aethiopische Mission hängt mit der Reise der Kaiserin zusammen. Die Mission wurde heute vom Großwesir empfangen. Die der Mission angehörigen Geistlichen erschienen hierbei im großen Ornat und mit einem goldenen Kreuz von auffallend großen Dimen- sionen auf der Brust.________

Sport.

London, 2. Juni. Tas gestrige Derbyrennen tr. Epsom sand bei einem furchtbaren Gewitter statt. Es war vor ungeheuren Volksmassen besucht. Aus der großen Tribüne befanden sich der König, der Prinz von Wales und die übrigen Mitgliede: des Königshauses, die Parlamentsmitglieder, die Spitzen de-: 'Adels und der Finanzwclt. Den Sieg trug Leopold von Rotd schildsSaint Amant" davon. Der Preis betrug 130 000 M_k

Arbeiterbewegung.

Stettin, 1. Juni. Sämtliche Seeleute sind heute i den Ausstand getreten, weil ihnen ihre Forderungen ans Erhöhung der Monotsheuer und Regulierung der Arbeitszeit nicht bewillig: wurden.