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2.6.1904 Erstes Blatt
 
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Erstes Blatt

1S4. Jahrgang

Donnerstag 2. Juni 1904

Lchulftraße 7.

Adresse für Devefchenr Anzeiger Gießen.

FernfprechanschlußNr.bl.

Nr. 127

rfft'itit tSgltch außer Sonntag».

Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem Kesfischen Landwirt die Siebener Zamilien. Glätter viermal in der Woche beigelegt.

Rotationsdruck vu Ver­lag der Brühl 'schen Univers.-Buch-u. Etein- brudecd. 8t Sang«. Redaktion, ttrpebtttoe

GletzenerAnzeiger

M General-Anzeiger MM

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen UMZ

_ ______________ zetgenteil: HanS Beck.

Ier Krieg zwischen Japan und Nußland.

Port Arthur

fteht nun im Mittelpunkt der Kriegsereignisse. Die Japaner werden angreifen oder durch Belagerung zu nehmen suchen. Schon vor dem Kriege berichtete man, daß die Befestigungen von Port Arthur modernen Anforderungen nicht genügten. Was seitdem geschehen ist, kann in der Hauptsache nur provisorischer Natur sein. Ein nicht unbeträchtlicher Teil der schweren Geschütze scheint überdem bei Kintschou verloren gegangen zu sein. Wie lange wird sich Port Arthur ohne Hilfe von außen halten können? Vor Mitte August kann mit dem Eintreffen des baltischen Geschwaders nicht gerechnet werden, wenn auch Rußland sich tatsächlich zu gänzlicher Entblößung seiner Ostseehäfen entschließen sollte. Bis dahin sind es noch 2 Vj Monat. Die in monatelanger Arbeit ver­stärkten, teilweise permanenten Linien von Kintschou aber konnten nur einen Tag Stand halten. Will Kuropatkin warten, bis der letzte Hilfeschrei um Entsatz aus höchster Not ertönt? Dann könnte es leicht zu spät sein. Der Weg von Liaujang bis Port Arthur ist weit, unbequem und an­gesichts eines mannhaften und geschickten Gegners nicht un­gefährlich. So wird Kuropatkin nicht lange mit dem Ent­schlüsse zur Offensive zaudern dürfen. Das wäre an sich kein Schaden, wenn nicht die Geduld, mit der er bisher von den Befestigungen am Taitzeho aus der kommenden Dinge harrte, darauf schließen ließe, daß er sich bisher zum Angriff nicht stark genug fühlte.

Die Hafenstadt Dalny

km südwestlichen Winkel der Bucht von Talienwan gewährte in Friedenszeiten große Hoffnungen für die Entwicklung des Kwantunggebiets, das Rußland im März 1898 von China gepachtet hatte. Etwa 30 Kilometer von Port Arthur ge­legen, sollte Dalny (Die Ferne") der Mittelpunkt für den russischen Seehandel in Ostasien werden, so wie jene Festung das militärische Zentrum bildete. Die Stadt ist erst nach der Besitzergreifung des Bezirks durch die Russen nach ganz neuen Plänen in europäischem Stil angelegt worden und war in bester Entwicklung, als der Ausbruch des Krieges allen Verkehr lahmlegte. Jetzt haben die Russen selbst einen großen Teil der von ihnen geschaffenen Anlagen zerstört, und der siegreiche Gegner legt seine Hand auf den Ort. Dalny, dessen landschaftliche Lage als sehr schön geschildert wird, war durch eine kurze Zweigbahn mit der mandschurischen Eisen­bahnlinie LiaujangPort Arthur verbunden; der Knoten­punkt beider Strecken, Nankwanling, ist bekanntlich am ver­gangenen Freitag von den Japanern erobert worden, so daß Dalny trotz der dort aufgeworfenen Feldbefestigungen un­haltbar wurde. Die Bedeutung de§ Ortes als Handelsplatz ist nun jedenfalls, mag der Ausgang des Krieges sein, wie er will, bis auf weiteres vernichtet.

In Petersburg

rufen die jetzt bekannt gewordenen Details über die Schlacht bei Kintschou sichtlich Gedrücktheit und Sorge um Port Arthur hervor. Auch solche Organe sprechen jetzt offen von der Möglichkeit der Eroberung Port Arthurs, die bisher solches als ganz undenkbar bezeichneten. Immer mehr befestigt sich die Einsicht, daß man die Japaner bisher arg unterschätzt habe. Laut einer Wladiwostoker Depesche der

»Nowoje Wremja" vermutet man in der Bai PeterS des Großen an verschiedenen Stellen Minen, welche die Japaner während der dortigen häufigen Nebel gelegt haben. Vorgestern soll in der Ussuri-Bai ein koreanisches Fahrzeug explodiert und gesunken sein.

Der Zar

welcher sich augenblicklich in Zarskoja Selo befindet, wird infolge der Ereignisse auf dem Kriegsschauplätze nach Peters­burg zurückkehren und im Winterpalais Wohnung nehmen. Während der letzten Gefechte bei Inka sind zahlreiche Aerzte und Krankenschwestern getötet und verwundet worden. Infolgedessen wurde um sofortige Nachschübe .gebeten. Admiral Tschukine ist gestern abend abgereist, um das Kom­mando der Schwarzen Meer-Flotte zu übernehmen. Zahl­reiche Proviantdampfer sind auf der Wolga mit Proviant für den Kriegsschauplatz unterwegs. Der Verkehrsminister hat Maßregeln getroffen, damit keine Verkehrsstörungen eintreten. Die gleichen Maßnahmen gelten auch für den Eisenbahn­verkehr.

Hungersnot in Port Arthur?

Nach einer englischen Meldung berichten sechs aus Port Arthur entkommene Chinesen über die Lage der Einwohner auch nichts Tröstliches. Die Lage sei sogar verzweifelt. Es herrschten Hungersnotpreise, die fortwäh­rend stiegen. Ganze Straßen, einschließlich mehrerer öffentlicher Gebäude, sind durch Granaten zerstört. Jeden Tag finden Kämpfe statt. Die Kranken­häuser sind voller Kranker und Verwundeter, die Toten werden weit ins Land hinausgetragen und ohne Zere­monien ein gegraben.

In den Forts nördlich von Tatuscheng

stehen, nach denselben Berichten, höchstens 10 000 Mann. Die Garnisonen der Forts nach dem Meere zu sind so weit wie möglich herabgemindert. Die Arbeit an den beschädig­ten Schiffen ist eingestellt; die Geschütze der am meisten beschädigten wurden an Land geschafft. Alle Zivilisten müssen militärische Dienste verrichten. Die Läden und Geschäftslokale werden geschlossen, sobald ge­feuert wird. Auf Diebstahl ist Todesstrafe gesetzt. Die Chinesen durften die japanischen Linien passieren; diese errfterEen sich von Westen rc-ach Osten quer über die Halbinsel und werden von einer Kette von Schanzen be­schützt, auf denen schwere Geschütze aufgestellt sind.

Die Eisenbahn bis Kintschau

fei ganz zerstört, zwischen Kintschau und Wafangtien hat sie häufige Lücken. An letzterem Orte befinden sich 15 000 Japaner, aber weiter nördlich waren keine Japaner zu sehen. Beim Kampfe um Kintschau wurden 200 Chinesen von japanischen Geschossen getötet.

Die Flucht aus Dalny

vollzog sich nach Berichten chinesischer Flüchtlinge die allerdings unsicher sind, recht schimpflich, indem nämlich die Russen die Chinesenst adt und alle Ausländern gehörigen Häuser verbrannt haben, ehe sie Dalny räumten. Eine Bande Chunchusen entführte den ersten chinesischen Kaufmann daselbst und verlangt nun 50 000 Rubel Lösegeld.

Das Kauoueuboot Bobr

haben die Russen bei Dalny durch Sprengung zerstört. Der Eingang zu dem Dock von Dalny ist durch eine versenkte Dampfbarkasse gesperrt. Dalny ist von den Japanern vollständig besetzt.

Eiue neue Schlacht?

Nach einem aus Tschifu gemeldeten chinesischen (Se* rücht wurde gestern sechs englische Meilen vor Port Arthur eine Schlacht geschlagen. Die Bestätigung fehlt.

Die russische Flotte

soll, wie Gerüchte, die in Petersburg zirkulieren, sagen, in den letzten Nächten den Hafen von Port Arthur ver­lassen haben und sich auf dem Wege nach Wladiwostok befinden.

Der Mottenpaß befindet sich nach im russ. Generalstabe eingegangenen Meldungen noch in den Händen der Russen. Aus PeterK- bürg wird derDaily Mail" gemeldet, Kuropatkin habe befohlen, daß alle Frauen und Kinder so­fort Liaoyang, Mukden und Charbin verlassen sollen.

Russische Geschütze.

ImRußky Invalid" wird darauf aufmerksam ge­macht, daß die im Jahre 1900 den Chinesen abgenom­menen Geschütze, mit denen die Stellungen der Russen bei Kintschou amtiert gewesen sind, zwar aus der Krupp­schen Geschützfabrik stammten, aber von so verschiedenem Typus und Kaliber waren, daß fast je zwei derselben eine besonders ein geübte Bedienungsmannschaft erforderten. Deshalb sei schon vor Jahren die Frage angeregt worden, ob die Geschütze nicht den Museen zu übergeben seien. Es wäre davon nur aus den: Grunde Abstand genommen wor­den, weil mit den Geschützen zugleich Vorräte an Ge­schossen den Chinesen abgenommen worden seien.

Politische Tagesschau.

Wasierverhaltuiffe der Oder.

Die Kanalkommission des Abgeordnetenhauses setzte gestern, am 1. Juni, die Beratung deS Gesetzentwurfs betr. Maßnahmen zur Regelung der Wasser-, Deich- und Vorflut­verhältnisse der oberen oder mittleren Oder bei § 7, welcher von den Kosten handelt, fort. Wagner (freit) beantragt, die Bestimmung zu streichen, nach der der Staat für die Oder­regulierung von Küstrin bis Raduhn vorweg 7 Millionen zahlen soll. Frhr. v. Richthofen (kons.) beantragt dagegen, auch für die Provinz Schlesien 7 Millionen einzusetzen als Vorausleistung deS Staats. Der Landwirtschaftsminister und der Finanzminister erklärten sich lebhaft gegen den Antrag v. Richthofen, der Finanzminister mit der Bemerkung, die Annahme des Antrags würde das Gesetz gefährden. Ein zweiter Antrag v. Richthofen wird abgelehnt, ebenso ein An­trag, zur Kostentragung nach Maßgabe deS Vorteiles nicht nur öffentliche Verbände und Korporattonen, sondern auch Privatpersonen heranzuziehen, nachdem die Regierung erklärt hatte, diese Heranziehung von Privatpersonen habe sich bisher nicht bewährt. Die Kommission nahm jedoch einen Antrag an, der ausspricht, daß nach den §§ 9 und 20 des Kommunal­abgabengesetzes die Heranziehung von Privatpersonen auch zur Deckung dieser Kosten statthaft ist. Der Antrag Wagner wird zurückgezogen, sodann die Pauschalsumme für BreSlau gestrichen und nach längerer Debatte über die Einführung eines Jnstanzenzugs bei der Kostenverteilung der Rest des § 7 nach der Vorlage genehmigt. Hierauf vertagte sich die Kommission auf Freitag.

Sidney-Singapore via Deulsch-Deu-Kuiuea.

Reise-Notizen von E. T. (1904).

(Fortsetzung.)

Nachdem wir ungewohnt stürmisches Wetter mit anhaltendem Donnern und Getöse und sündflutlichen Regen hatten, was der Kapitän vulkanischen Störungen auf den nahe­liegenden Inselgruppen zuschrieb, steuerten wir direkt auf Fried­rich Wilhelms-Hasen zu, dem besten der bis jetzt be­kannten Häfen in Deutsch-Neuguinea, wo wir am Pier anlegen konnten, nachdem unser SchwesterschiffPrinz SBalbemar", das Tags zuvor von Singapore dort eingetroffen war, uns durch Ausdampfen in die hübsch von Inseln umgrenzte Bucht Platz gemacht hatte.

Neu-Guinea ist die größte Insel der Welt und nach Quadratkilometer zirka IVsmal so groß wie Deutschland. Das nordöstliche Viertel, gut halb so groß wie Preußen, wurde durch einen Vertrag mit England im Jahre 1884 deutsch und später (bis 1899) durch die Neu-Guinea-Compagnie, einer Berliner Han­dels-Gesellschaft, verwaltet. Alsdann übernahm das Reich die Kolonie alsFriedrich Wilhelmsland". Der Südosten der Insel blieb englisch und steht heute unter der Kontrolle von Australien, während die größere noch wenig erforschte Hälfte zu Nieder- ländisch-JndieN gehört. Die Hauptansiedelungen im deutschen Teil sind diejenigen der Neu-Guinea-Compagnie, und zwar von Osten nach Westen gebend: Finschhafen, Stephansort, Friedrich Wilhelmshafen, Hatzselothafen, Potsdamhafen und Berlinhafen. Das Land ist mit dichtem Urwald bedeckt und von hohen Gebirgs­ketten durchzogen. Der Gesundheitszustand läßt zu ivünschen übrig, denn Malaria herrscht trotz Prof. Kochs gesundheitlichen Vorschriften fast in allen Häfen.

In Friedrich Wilhelmshafen fanden wir im Bezirksamtmann। Herrn Assessor Stuckerdt (aus Kur Hessen), sowie in dem Administrator und den Angestellten der Neu-Guinea-Compagnie liebenswürdige und sehr gefällige Landsleute. Dem Herrn Bezirks- limtmann verdanken wir einen hochinteressanten Ausflug zur kleinen Insel Ragetta, deren oft bildschöne männl. Papua Bewohner - ihren Mangel an Kleidung durch reichlichen Schmuck ersetzen, :me z. B. Behang von Eberzähnen, Halsbänder von Hunde- - zahnen, Armringe aus geschliffenen Muscheln, Beinringe aus .ikokossaser mit 'Muschelbesatz, Ohrringe aus Schildpatt, einem Muschelstift durch die Nasenscheidewand, einem Knochendolch und slarbig gepuderten Haarwuchs. Anstatt der int Bismarck-Archipel »üblichen Lawa Lawa bedeckt ein Schamgurt aus Kokosfasern oder Waumrinde bei den Männern, ein geflochtener kurzer Faser­

Leibrock bei den Weibern das Notdürftigste. Die Häuser ruhen auf Holzpfählen und stehen wirr durcheinander. Die Papuas unter­scheiden sich von den Bismarck-Insulanern durch dunflere Haut­farbe. Jedes Dorf hat ein sog. Asa-Haus, welches religiösen Zwecken dient und wo die Masken uno andere beim Asa-Fest zur Verwendung kommenden Dekorationen aufbewahrt sind. Tas Asa- Fest der Papuas dürfte sich mit dem Duk Duk-Tanz auf dem Bismarck-Archipel vergleichen lassen, denn es soll die gleichen Geheimtuereien bedingen wie dieser und ist nur Eingeweihten männ­lichen Geschlechts zugänglich, den Weibern und Kindern aber ein Schrecken. Das Quantum Schweine, Taro, Yams rc., das dazu abgeliesert wird, spricht dafür, daß es sich mehr um einen fröh­lichen Scbmaus als eine feierliche Bedeutung handelt.

Die Papuas auf Neu-Guinea bearbeiten nur ihre eigenen Taro- und Poms-Felder; der Weiße muß sich für seine Plantage auswärtige Insulaner anwerben; so muß sich die Neu-Guinea-Com- pagnie ihre Plantagenarbeiter aus dem Bismarck-Archipel und den Salomons-Jnseln retrutieren. Eine interessante Ruderfahrt den von den herrlichsten Palmen und einem dichten Urwald be­engten Jomba-Fluß hinauf führte uns zu der Tabakpflanzung der Neu-Guinea-Compagnie, wo uns der östreichische Leiter in liebens­würdiger Weise mit Jnformattonen zur Seite stand. Ferner sahen wir Kautschuk- und Gummi-Bäume, Kokosnuß-, Kapok- imb Tapioca-Pflanzungen, vereinzelt auch Kaffee, Kakao rc. lieber Land kehrten wir per Ochsenwagen zum Hasen zurück und verbrachten noch einige bergirilgte Stunden mit unseren Landsleuten an Bord unseresSigismund", bis um 6 Uhr abends, am 17. März, der Anker gelichtet wurde.

Von der Vogelwelt aus Neu-Guinea ist zunächst der vielbekannte Paradiesvogel zu nennen, der auf der Rück­seite des Neu-Guinea Silbergeldes (Ve, 1, 2 und 5 Mark-Stücke) geprägt ist. Die hübschen 10 und 20 Mark-Goldstücke sind in Neu-Guinea kaum noch auszutreiben; leider sollen auch die schönen Silber-Mark-Stücke bis 1907 eingezogen und durch deutsche Reichs- -Markstücke ersetzt werden.

Neu-Guinea ist auch berühmt durch seine prachtvoll farbigen Schmetterlinge, Käfer, Kakadus und Tauben.

Von Friedrich Wilhelmshafen aus fuhren wir an der großen Vulkaninsel Dampier vorüber direkt auf Berlinhafen zu, wo wir am 19. März vor der Heinen Insel Tamara ankerten. Dort ist eine Station der deutsch-holländischen kathol. Mission vom heiligen Wort. Die freundlichen Patres zeigten uns das unter herrlichen Palmen und Kokosbäumen versteckte Missions­haus, die Kapelle, Schule rc. und ließen uns von 2530 jungen braunen Kehlen dasHeil Dir im Siegerkranz" Vorsingen. Viele

der kleinen Krausköpfe hörten auf deutsche Namen und verstanden etwas Deutsch. Die Eingeborenen sind ebenso faul wie ihre Nach­barn auf Neu-Guinea, und zur Arbeit müssen vom Bismarck- Archipel Leute herangcschafft werden, die mit Chinesen und Ma- lahen an diesen Gestaden die Kuli-Arbeit verrichten. Die Wohn­ungen lassen sich mit dem Strohdach eines Bauernhauses ver­gleichen, das auf 68 Fuß hohen Pfählen ruht und anstatt von Stroh mit Palmblättern bedeckt ist; ein Heiner Balkon wird, durch eine Leiter erreicht, und das Innere der niedrigen Stube ist ganz dunkel undwohlriechend".

Nach kurzer Rast fährt unserPrinz Sigismund" Wetter nach der JnfelSeleo", der westlichsten Station der Neu-Guinea- Compagnie, wo eine Kokosnußplantage für etwas Copra-Fracht sorgt. Im Dorfe sowohl wie am Schiff, das von vielen Heinen Booten umschwärmt ist, die meist aus einem hohlen Baumstamm gezimmert sind, entwickelt sich ein' lebhafter Tauschhandel. Hunde- unb Eberzahnketten, Knochendolche, Steinbeile, Paradiesvögel oder nur Federn desselben werden gegen Geld oder gegen Messer, Tabak alte Neisemützen rc. eingetauscht.

Nach vierstündigen: Aufenthatt sagten wir auch diesem letzten Anlegehafen in Deutsch-Neu-Guinea Lebewohl, und damit schloß der Aufenthalt in einer der interessantesten Tropengegend des deutschen Südseebesitzes. Dem Norddeutschen Lloyd verdanken wir die Einrichtung, daß Retourbillete von Europa nach Australien entweder auf der Hinreise oder der Rücksahtt zur Benutzung der Sttecke Colombo-Singapore-Neu-Guinea-Sydneh be­rechtigen, und diese Route ist bei Touristen und Geschäftsreisenden beliebt.

Ehe Neu-Guinea für Deutschland das wird, wasNiederländisch-Jndienfür Holland, die Stratts, Ceylon rc. für England sind, können wohl 5 0 Jahre oder mehr dahingehen. Inzwischen hat es Opfer, wie Otto Ehlers, Landeshauptmann von Hagen, und manche andere bewährte Lands­leute gekostet, und es werden wohl noch mehr der b e st e n Kräfte durch Fieber oder durch Eingeborenen-Ueberfälle fortgerafft werden; doch wer den üppigen Naturreichtum gesehen hat, kann sich nicht des Eindrucks entziehen, daß das Land der­einst ein b lühender Kolonialbesitz werden kann, wenn erst die Eingeborenen zur Arbeit auf eigenem Grund und Boden gebracht sind und sich ihre Lebensbedürfnisse steigern.

(Schluß folgt.)

*

Preßburg, 1. Juni. Der bekannte akademische Maler Edmund Moisch ist, 60, Jahre all, gestorben.