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2.5.1904 Erstes Blatt
 
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Nr. 104

Erstes Blatt.

1S4. Jahrgang

Montag 8. Mai 1904

rfd)eiat täglich außer Sonntag«.

Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem Kesfischen Landwirt die Siegener Familien, blätter viermal in der Woche beigelegt.

Rotationsdruck u. Ver­lag der BrÜhl'schen Untvers.-Buch-u. Dletn- druckeret. 9L Lange. Redaktion, Erpedition und Druckerei: «chulstratze 7.

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Die Eröffnungsfeier der Amgehuvgsöayrr Maiuz-Wiesöaden.

(Originalbericht desGieß. Anz.")

»o Waintf, 1. Mai 1904.

Die Ankunft der höchsten Herrschaften.

Festliches Gewand trugen heute zur Ankunft des Kai­ser s mrd Großherzogs die Häuser unserer herrlichen Uferstraße und Taunusstraße, reichen Flaggenschmuck der altehrwürdige Dom und die neue Christuskirche, ebenso hübsch waren die Stadtballe, die Caponiören entlang des Rheines, das Ufer und die vor Anker liegenden Schiffe mit Fahnen, Guirlanden usw. geschmückt. Tausende und Aber­tausende von Menschen, die Mitglieder der Vereine und die Schulkinder. (Me letzteren trugen Fähnchen), hatten am Rheinufer bis zur Ingelheimer Aue Ausstellung genom­men, während gewaltige Mengen Erwartungsvoller die Dächer der Häuser am Rheinufer, die Caponiören, die vor Anker liegenden Schiffe und die Festungswälle vor der neuen Rheinbrücke schon Stunden vor der Ankunft der hohen Herrschaften besetzt hielten. Mährend das gegen­überliegende Gebiet der Peters-Aue bis zur Spitze des­selben von Militär besetzt war. Das Ganze bot von dem Damme der Brücke aus gesehen, einen herrlichen Anblick.

Um 11,30 Uhr vormittags erfolgte die Abfahrt der Fest- Aste mit Sonderzug vom Hauptbahnhof aus nach dem Festplatze zur neuen Brücke. Ringsum waren die Dämme vor der Brücke von Militärposten abgesperrt. Nachdem die Spitzen der Behörden. (Bischof Dr. Kirftein war mit' den Domkapitularen Engelhardt uno Dr. Raich erschienen), und die Generalität neben dem Fürstenzelt und die übrigen Festgäste aus den gegenüberliegenden Tribünen Platz ge­nommen, hörte man gegen 12 Uhr aus dem Hurrarufen von dem gegenüberliegenden Ufer, daß der kaiserliche Z u g der Brücke nahte. Punkt 12 Uhr lief der Zug vor dem Fürstenzelt ein und man sah den Kaiser, die Kaiserin mit Gefolge und den Großherzo g, sowie den SLaats- minister Dr. Rothe, Finanzminister Dr. Gnauth und Justiz­minister Dr. Dittmar demselben entsteigen. Reichskanzler v. Bülow, Staatsminister Budde und Kriegsminister von Einem waren schon vorher auf dem Festchlatze eingetroffen, ebenso der frühere hiesige Eisenbahnpräsident v. Breiten­bach.

Mährend der Großherzog die Kaiserin ins Fürstenzelt begleitete, schritt der Kaiser, der oie Uniform seines Gießener Regiments trug, die ausgestellte Ehrenkompagnie der 88 er ab, woraus sich dieselbe im Parademarsch entfernte. Als sich der Kaiser ins Fürsten- zelt begab und an den Spitzen der Behörden vorüberging, begrüßte er einzelne der Herren, darunter auch Ober­bürgermeister Dr. Gaßner und den Oberbürgermeister von Wiesbaden, durch Händedruck. Vorher hatte Oberbürger­meister Dr. Gaßner der Kaiserin ein herrliches Rosenbukett überreicht, was die hohe Frau mit huldvollen Worten annahm. In Begleitung der Kaiserin befand sich die Gräfin Rackdorf. Beim Verlassen des Hofzuges hatten der Kaiserin und ihrer Begleiterin die jungen Damen Luise Merkel, Emma Rößler und Anna Hartmann schon Rosen­arrangements überreicht. Frl. Merkel überreichte mit fol­gendem poetischen Gruße der Kaiserin die Blumen:

Als Gruß von den Usern des deutschen Rheines, Als kleines Gedenken vom goldnen Mainz Sei dieser Blumen dustende Pracht Erhabene Kaiserin Dir dargebracht!

Duddes Rede.

Nachdem der Kaiser die Ehrenkompagnie entlasten, trat Staatsminister Budde vor das Zelt und hielt folgende An­sprache an den Kaiser und den Großherzog:

Eure Kaiserliche und Königliche Majestät und Eure König­liche Hoheit haben soeben die Gnade gehabt, eine neue Bahn­linie zu eröffnen, die im Frieden wie im Kriege von b ö ch st e r Bedeutung sein wird. Denn die Verbindung von Bischossheim nach Kostheim mit der neuen Mainbrücke bildet das bis heute fehlende Schlußstück der rechten Rhemuferbahn von der Schweiz bis zu den Niederlanden und der Schienenweg über die stolze Rheinbrücke mit seiner Fortsetzung über Münster a. St. und durch die bayerische Pfalz giebt eine neue Verbindung vom Main und Rhein bis zur Saar und nach Lothringen. Diese Verkehrsader wird in weiten Landesteilen befruchtend auf das Er­werb s 1 e b e n einwirken. Ganr besonders gilt dies für die blühenden Gefilde am unteren Main und Mittelrhein mit den industriereichen Handelsplätzen Frankfurt, Wiesbaden, Darmstadt, Mainz und ihren Nachbarorten, deren Verkehrsbeziehungen unter­einander ganz wefenllich verbessert werden. Wenn aber Eure Majestät das deutsche Volk zu den Waffen rufen sollten, dann wird die neue Bahnlinie ein gewaltiges Kriegswerkzeug jein, auf dessen hohe Bedeutung Moltke zuerst hingewiesen hat. Er war es, der bereits im Jahre 1869 die jetzt vollendete Nhein­überbrückung als notwendig bezeichnete; aber ein Menschenalter sollte darüber hingehen, bis der Gedanke durch einheitliches Zu- iammenwirken des Deutschen Reiches und der beiden durch die Eisenbahngemeinschast eng verbundenen Staaten Preußen und Hessen verwirklicht werden konnte. Nuii ist die stattliche Rheinbrücke vollendet, ein stolzes Denkmal deutschen Äewerbefleißes und deutscher Kunst, geschmückt mit den ehernen Lildwerken Eurer Kaiserlichen und Königlichen Majestät und Eurer -Königlichen Hoheit des Großherzogs, der erhabenen Schirmherren ier preußisch-hessischen Eisenbahngemeinfchast. Eure Kaiserliche und -königliche Majestät haben die Gnade gehabt, der neuen Brücke den tarnenK a i f e r b r ü ck e" zu verleihen. Möge das Bauwerk unter diesem stolzen Namen im Frieden wie int Kriege dem Wohle unseres geliebten deutschen Vaterlandes dienen. Seine Majestät 6er Kaiser und Seine Königliche Hoheit der Großherzog, die Aller­höchsten Schirmherren der preuß.-hessischen Eisenbahngemeinschaft, Hurra, Hurra, Hurra!"

Die Kaiserrede.

Der Kaiser erwiderte:

Ich spreche Ihnen meinen herzlichen Glückwunsch aus, daß »rs Ihnen gelungen ist, ein Werk, welches schon von unserem großen,

Strategen im Einverständnis mit meinem Großvater in seiner Bedeutung erkannt wurde, zu erfüllen. Ich freue mich, daß diese neue schöne Blüte der LeistungSfähigkell der deutschen Jngenieur- und Baukunst zu Nutz und Frommen unseres Volkes vollendet und im Verein errichtet wurde mit S. K. H. dem Herrn Großherzog. Ich wünsche, daß diese neue Brücke in jeder Beziehung den gehegten Erwartungen entspreche. Ich wünsche von Herzen, daß der F r ie d e, der notwendig ist, damit Industrie und Handel sich forterrtwickeln, auch fernerhin erhalten bleiben möge. Ich bin aber der Ueber- zeugung, daß diese Brücke, wenn sie zu ernsten Transporten be­nutzt werden sollte, sich dann vollkommen bewähren wird. Ins­besondere aber freue ich mich, daß die Brücke auch in ihrem Aeußeren eine neue Zierde der großen Stadt werde, in deren Nähe sie errichtet worden ist, und daß sie in ihrem Aeußern den Traditionen der alten deutschen HerrlichkeU Rechnung trägt, mit denen die Geschichte der schönen Stadt verknüpft ist. Möge auch der Stadt Mainz diese Brücke in jeder Beziehung zur Zierde und zum Segen gereichen 1"

Oberbürgermeister Dr. Eaßuer hielt hierauf an den Kaiser folgende Ansprache:

Majestät! Mit Freuden erfasse ich die Gelegenheit, Ew. Majestät auf unserem Boden willkonimen zu heißen, mit um so höherer Freude, als mir dadurch willkommene Gelegenheit geboten wird, Ew. Majestät namens der Bürgerschaft zu danken für das erneute Wohlwollen, das Ew. Majestät durch den Befehl zur Auf- lasiung der Festung bewiesen hat. Die höchste Verfügung wird, das hoffen wir alle, Glück und Segen für unsere Stadt bedeuten. Ich bringe hiermit die Dankbarkeit der Bürgerschaft zum Ausdruck und zugleich die wiederholte Versicherung der Treue und Anhänglichkeit an den Kaiser und sein Haus. Und wenn jetzt Ew. Majestät strom­aufwärts an dem schönen Mainz vorüberfahren, möge Ew. Majestät die Ovationen, die die Bürgerschaft von Mainz ihrem Kaiser ent­gegenbringt, gnädigst aufnehmen. Ich bitte ferner Ew. Majestät, die G e d e n k s ch r i f t:Zur Geschichte der Festung Mainz" (von Oberbürgermeister Dr. Gaßner verfaßt) gnädigst anzunehmen."

Die Antwort des Kaisers lautete:

Ich danke Ihnen sehr. Es hat mich gefreut, der Stadt Mainz die Freude machen zu können." Scherzend fügte der Kaiser hinzu:Sie hätten sie übrigens schon früher haben können, wenn sie nicht so widerborstig gewesen wäre."

Bei der Ueberreichung bev Blumen an die Kaiserin hielt Oberbürgermeister Dr. Gaßner folgende Ansprache:

Zum ersten Male sind Ew. Majestät heute in Mainz und die Stadt freut sich, Em. Majestät begrüßen zu können, und spricht die ehrfurchtsvolle Bitte auS, diese Blumen als Willkommen auf­nehmen zu wollen."

Die Kaiserin erwiderte:

Ich habe mich schon lange darauf gefreut, hierher zu kommen und nehme Ihren freundlichen Blumengruß mit Vergnügen ent­gegen."

Die hohen Herrschaften besichtigten hierauf unter Führung deS Eisenbahndirektionspräsidenten v. Rabenau die Brücke, über deren Bau sich der Kaiser in äußerst liebenswürdiger Weise aussprach.

Die Rheinfahrt.

Die hohen Herrschaften bestiegen mit Gefolge nach der Besichtigung das Dampfschiff'Elsa", während die Gäste sich auf den DampferBarbarossa" begaben. Unter dem Geläute sämtlicher Kirchenglocken erfolgte die Fahrt strom­aufwärts bis zur alten Eisenbahnbrücke, fortwährend wur­den dem Kaiserlichen Paare und dem Landesfürsten vom Ufer aus stürmische nicht endenwollende Ovationen dar­gebracht. Auf saft allen vor Anker liegenden Dampfschiffen, die von Menschenmassen dicht besetzt waren, spielten bei der Vorübersahrt Militärkapellen. Auch die Badeschisfe waren von Zuschauern dicht besetzt. Auch auf dem jenseitigen Ufer bei Kastel bis abwärts nach Biebrich hatten Vereine mit ihren Fahnen Aufstellung genommen. Das Kaiserschiff wurde bei seiner Mcksahrt überall vom jenseitigen Ufer lebhaft k^grüßt.

In Biebrich.

Um 2 Uhr mittags legte dieElsa" an der Köln-Düssel­dorfer Landungsbrücke in Biebrich an, empfangen von Land­rat v. Hertzberg und Bürgermeister Vogt-Biebrich. Der Kaiser unterhielt sich aufs huldvollste mit dem Bürgermeister, dem er seine hohe Beftiedigung und Freude über die schnelle Entwicklung der Stadt aussprach. Zwei Schulkinder über­reichten der Kaiserin einen Blumenstrauß und ein Rosen­bouquet, lvelche die Kaiserin mit ijuldvollem Dank ent­gegennahm. Sodann stellte Oberpräsident v. Windheim dem Kaiser den ältesten inaktiven Unteroffizier, den lOljäh- rigen Landwirt Becht von Delkenheim vor, dem der Kaiser seines 100. Geburtstages im vorigen Jahre ein Ge­schenk hatte überreichen lassen. Der Kaiser gab seiner Freude Ausdruck, den alten Herrn kennen zu lernen. Von einer Schwadron des Husaren-Regts. 9h:. 13 unter dem Kom­mando des Grasen von Waldeck und Pyrmont eskortiert, fuhren die kaiserlichen Herrschaften nunmehr durch die fest­lich geschmückten Straßen, in denen Vereine und Schulen Aufstellung genommen hatten und unter den brausenden Hochrufen der Menge ging es durch die langgestreckte, in prächtiger Blüte stehende Kastanienallee nach Wiesbaden zu.

Nachdem sich der Kaiser und die Kaiserin von dem Großherzog am Biebricyer Rheinnfer herzlich verabschiedet hatten, fuhr der Groß Herzog per Wagen über Kastel nach Mainz, wo er un Schlosse über Nacht blieb.

Bankett im KasinoGutenberg".

Nach der Abrede der höchsten Herrschaften fand im Kasino ,Hof zum Gutenberg" ein großes Festbankett statt.

Staats Minister Dr. Rothe hielt die erste Rede, die folgenden Wortlaut hatte:

Mir ist die ehrenvolle Ausgabe zuteil geworden, vor diesem ausgezeichneten Kreise das Wort zu ergreifen. Ich habe diese Ehre als leitender Minister des Staates, aus

de sen Gebiet der größte Teil der Bahn verläuft und in dessen stolz ausbluhenoer Gemeinde wir uns zu der <er- hevenden Feier ^as Glück hatten, gemeinsam zusammen­zufinden. Ich -unterziehe mich gern dieser Aufgabe tm Bewußtsein, daß das große Merk der Stadt Mainz und Umgebung mittelbar und unmittelbar zum Vorteil ge­reicht, wie das auch seitens der Bewohner durch ihre Rier geisterung und ihren Jubel, mit dem dieselben heute demj Vorgänge am Ryeine gefolgt sind, anerkannt ist. Dient' auch zunächst der Bau der neuen Bahn Atombach-Kostheim- Bischossheim vorwiegend dem Interesse der Landesverteidigung, so dient er doch auch zugleich der notwendig gewordenen Verkehrsentlastung der Eisen- bahnanlagen bei Mainz. Sie stellt zugleich einen not­wendigen, dringend wünschenswerten Anschluß zwischen, Mainz-Curve-Wiesbaden her, der von den Bewohnern der beiden Städte, die in ihrer Eigenart sehr verschieden, durch wechselseitige Interessen einer direkten Eisenbahnverbind­ung bedürfen. Möge die neue Verbindung den beiden Gemeinwesen alle Vorteile bringen. Mit Herstellung der Bahn wivo der Güterverkehr entlastet, was zur Verminder­ung der Betriebsschwierig leiten notwendig ist. Ich möchte noch kurz auf die Mitwirkung erster Firmen zu sprechen kommen, die das Merk mit Energie und Umsicht gefördert haben und zwar in der verhältnismäßig kurzen Zeit von 3 Jahren. Die Gesamtkosten betragen 15 750 U00 Mk., von welchen 7 702 000 Mk. vom Reich bereitgestellt wurden. Der

Rest ist von den beiden in der Eijenbahngemeinschast ver­einigten Staaten Preußen und Hessen aufgebracht worden. Und so sehe ich mich gedrängt, dem Gedanken Ausdruck zu geben, daß das ganze Werk nur durch die Wirkung der Preußisch-Hessischen Eisenbahngemeinschaft zu stände ge­kommen war. Wie das bei der vor wenigen Wochen er­folgten Einweihung der Wormser Bahnhossanlagen von berufener Seite gesagt worden ist, so bestätige auch ich, daß Hessen allen Grund hat, oie Wirkung der Preußisch-Hessisi. en Eisenbahngemein­schaft dankbar anzuerkennett. In den 6Jahren, während welcher ich an Her Spitze des Hessischen Staats­wesens stehe, ist mir niemals ein Zweifel gekommen, daß der Staatsvertrag vom 23. Juni 1896 Hessen zum Glück und Segen gereicht. Die Anwesenheit des Kaisers und des Großherzogs bei der Einweihung der Brücke hat bewiesen,. melches Interesse die Allerhöchsten Herrschaften dem Unternehmen entgegenbringen, welche Kräftigung von Handel und Verkehr sie ihm beimessen. Die Vollendung des Unternehmens läßt sich erst recht be­werten, wenn wir die viel verheißende Sachlage in Be­tracht ziehen, die für Mainz durch den Kaiserlichen Erlaß vom 18. März 1904 geschaffen worden ist, wodurch der Kaiser bestimmt, daß die Stadtumwall­ung de r Nordwe st front ausgelassen werden soll. Die Verbindung beider Ereignisse läßt den heutigen Tag zu einem Wendepunkt in der Geschichte von Mainz und gier Umgebung werden. Möge er ich gebrauche die rte des Herrn Oberbürgermeisters gnlücklich früchte- bringend sein und für die Stadt eine sonnige Zukunft bedeuten. Große und schwierige Aufgaben sind gelöst und werden gelöst, nachdem wesentliche Vorbedingungen erfüllt sind, da wir hoffen dürfen, daß die Huld des Kaisers und das verständnisvolle Interesse des Großherzogs Mainz und seiner Umgebung, auf die es anregend, för­dernd und kräftigend wirkt, erhalten bleibt. Ich weiß mich eins mit den durch jahrelangen Verkehr meinem Herzen nahe stehenden lebensfrohen Bewohnern der Stadt Mainz und seiner Umgebung, wenn ich Sie auffordere, in den Rus einzustimmen:S. M. der Kaiser und Könia Wil­helm II. und S. .K. H. der Großherzog Ernst Ludwig leben hoch!"

Minister v. Budde sprach sodann folgendes:

Als Chef der Pr eußis ch-H es sis chen Eisen- bahngemeinschast liegt mir die angenehme Pflicht ob. Ihnen, die Sie unsere Einladung angenommen haben, zu danken. Sie werden wahrscheinlich einen gelinden Schreck bekommen haben, als sie die Festordnung der Kgl. Preußischen und Großh. Hessischen Ellenbahndirektion lasen, mit der Ueberschrift:Einweihung oer Umgehungs­bahn." Mir schlug auch das Herz im Leibe, als ich das las. Ich habe als junger preußischer Leutnant in der Klosterkaserne beim Weisenauer Lager meine ersten Jahre im goldenen Mainz verbracht und sagte mir ernstlich, daß man cs nicht verstehe, wie man Äiainz umgehen könne. Da nahm ich das schöne Plänchen zur Hand und mein Gehirn hat mich nicht im Stich gelassen, denn Mainz wird nicht umgangen, sondern verbunden, wie es mein Nach­bar, Herr Staatsminister Rothe, so schön schon gesagt hat. Der Rheingau wird erschlossen, eine Verbrüderung von hüben und drüben hier angebahnt. Doch soll das kein Vorwurf für den Herrn Präsidenten oder die Direktion Mainz sein, sondern ich habe mich gefreut, well nämlich die Entjtehungsursache durch das MortUmgehungsbahn" in den Volksmund gelangt ist. Als alter Generalstäbler freut es mich, daß die neue Bahn zu stände gekommen ist. Hat doch vor 36 Jahren der große Moltw an den Preußischen Handels Minister, dem damals das Eisenbahnwesen unter­stand, am 25. Oktober 1869 geschrieben, daß es erforder­lich sei, zwischen Lahn und Main, zwischen den rechts­rheinischen und linksrheinisch-hessischen Bahnen eine Brücke über den Rhein herzustellen, später bekam die Hessische Ludwigsbal/n die Konzession, die Brücke zu bauen, aber aus bekannten Gründen verfiel die Konzession. Ein Menschen­alter hindurch bestrebte sich der Generalstab, die Brücke zu stände zu bringen, aber es wurde nichts daraus, bis schließlich im Jahre 1900 die Idee in die Tat umgesetzt wurde. Es ist nicht die erste militärische Brücke, die bar Mainz errichtet wird, sondern bereits im ersten Jkhy- hundert der christlichen Zeitrechnung ist eine militärisch.e