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General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Urei; Gießen
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Lolitische Tagesschau.
Gefundheitsverhältniffe auf dem Lande.
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Samstag 2. April 1904
Rotationsdruck und Verlag der Brühl'scheu Unioersitätsdruckerei. R. Lange. Gießen.
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Tel. Nr. 5L Telegr.-Adr.: Anzeiger Gießen.
Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntag-.
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1 Firma A. Holterhoff Söhne, Giessen. I
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geführt von der ser Wilhelm (2. W ter Leitung des
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Alaudereien aus der Kaiserffadt.
(Nachdruck verboten.)
LenzMe» im Tiergarten. — Mohrenwäsche im der Siegesallee. — LeoniaaM'S Roland von Berlin. — Osterfreuden der Berliner.
ütr «gelichtete Tiergarten hat auch bei Frühlingsanfang seiner icrzüge vor dem ehemaligen verwilderten Part mit öem i fl-rsplpigen Unterholz, das die Strahlen der März- sorMr:«igeblich zu durchdringen suchten. Ein Spaziergang iit i i ijem köstlichen Lenz tagen zeigt das recht deutlich. Wie Mächtig präsentieren sich die schon aus ziemlicher Fermi: ur.f leuchtenden Gründ' mit Crocus- und Cyntha- dlütc^die Gärtnerhand so absichtslos in den Partboden eing^rizt hat, als hätte sie die Frühlingssonne nur mit Hm Strahlen aus dem winterlichen Schlummer wach- küsser'm rauchen. Von den flammenden Tulpen glaubt man i W schon weniger. Aber auch sie tragen dazu bei, das Muinbild um diese Jahreszeit der Blattknospen und Blüte-Machen angenehm zu beleben. Auf den Spreearmen, die Tiergarten durchfließen, rudert die sportlustigc Iugeind ut! buntbewimpelten kleinen Kähnen mit den pos- sierlilZi" wilden Enten um die Wette, die herüber und hinüLmiennern, immer dorthin, wo sich Kinderhand bereit finde ihm en das Frühstücks- oder Vesperbrot in Brocken
zu opHin. In den „Zelten" herrscht ein Leben wie mitten im SEiner. Alle Tische sind besetzt und die „Berliner Weißtf?' !o«iettiert endlich wieder mit ihrem „Gardekragen", den drechte Berliner allerdings „Baumwolle" nennt. Tie Kläncü cimes Merker Walzers mit ihren flotten Ryytmen sind " Mn verhallt, da setzt nebenan eine andere Kapelle mit i: ci Liannhäuser-Ouvertüre ein, und die kunstfrohen Baltin .i schieben sich ein paar hundert Schritte weiter, Um a öttqen Genuß aus nächst« Mhe z» tzeNen. 5* ^er tiege^dleö ist große Mohrenwäsche schon feit Wo«i^n.
<d des Winters, der feftgeregnete Nuß und Vtcmd hnri> । .In marmornen Herrschaften energisch vom Leibe
an in ungetrübtem Glanze oben am lachenden blauen Lenzhimmel ! Tenn schon im dämmernden Frührot beginnt- die Berliner Osterfreude. Nicht Ivie bei den „mährischen Brüdern" in Pennsylvania, die in aller Frühe der Oster- sonne entgegenharren auf der Stätte, da ihr Liebstes die Erde deckt und die dann mit einem von Posaunenchören begleiteten mächtigen Ofterchoral, der wie ein tröstlicher Gruß in die stillen Gräber zu dringen scheint, die urewige Verkünderin skettg sich vergnügenden Lebens begrüßen, wenn ihr siegreiches Licht im Osten heraufsteigt und alle Nebel und Schatten überwältigt. So verinnerlicht und weihevoll ist die Berliner Osterfreude nicht' und wird sie wohl auch nie werden. Dazu sind die Spreeathener viel zu nüchtern und sich selbst beobachtend, vor allen Tingen auch zu „aufgeklärt". Und dennoch steckt in ihnen, wenn auch unter Alltagsstaub und Neunmalklugheit tief verborgen, ein Körnchen jener frühlingsseligen Osterlust, die diesen Festtag doch als etwas besseres und höheres empfinden läßt als den in gewöhnlichen Vergnügungen verjubelten Sonntag. Tafitt sorgen schließlich auch die Berliner Kinder, die trotz aller großstädtischen Naseweisheit zu Ostern noch wirkliche Kinder sind und mit ihren Ofterreigen und Ostersvielen in den Alten die Erinnerung an die ferne Jugend wecken, die ttotz des Mangels an Eisen- und Straßenbahnen, Omnibussen und Taxameterdroschken in ihrer schlesischen oder pommerschen Heimat so schön und köstlich war, zumal in der Osiernacht, wenn die Osterfeuer broimten oder die Mädel sich Osterwasser holten von der Quelle im Waldc2gründe! — Solche Osterfreuden lennj man nicht m der lLrmetrdsn, steinernen Großstadt, in der ihre Stober nun auswachsen? Und wenn auf den teuren Rarziprto- und Schokoladeneiern, die ihnen der Osterhase beschert, auch noch so prahlend „Fröhliche Ostern" prangt — so fröhlich wie damals dcchetor werden sie es hier nimmer haben!
A. R.
UeVer körperliche Züchtigung in der Schule veröfsent- l.iüle kürzlich der Vorstand des FrankfurterLehrer- tuireins eine Erklärung, in der betont wurde, daß die S öftrer in der körperlichen Züchtigung kein ideales Erzieh- r: rüttel uiid noch weniger ein Attribut ihrer amtlichen iilnuicität^ erblicken. Tann heißt es weiter:
„Tüchten die Lehrer nur an ihr eigenes Interesse, so würden sie darauf hinwirken, daß die körperliche ^Züchtigung ganz aus der Schule verbannt würde. Aber umre täglichen Erfahrungen, die die zahlreichen Bei- J pule von Trotz und Widerspensttgkeit, von jugendlicher st-h-it, und Verwahrlosung belehren uns fort und fort, ' »f> ein Verzicht auf dieses Strafmittel in diein Fällen einem Verzicht auf Schulzucht und R kr z iehung gleickkäme. In dieser unserer Stellung :-i f:l ni wir auch stets die moralische und werktätige Unter- I R^ng aller ruhigdenkenden, um die Zukunft ihrer hui er besorgten Eltern gefunden. Wir richten deshalb in Las Frankfurter Publikum, an die Eltern unserer kchiler unter Hinweis auf ihre eigene große Verant- Ipoiiüichkeit die Bitte, Schule und Lehrern auch ferner» jui chr Vertrauen zu bewahren und sich durch allbe- vnicke, traurige Gerichtsverhandlungen und ähnliches .( fachl in der Ueberzeugung erfchüttern zu lassen, daß in wfeuen Schulen nu; Ernst und Treue und auch in hu- Bwnem Geist gearbeitet werde. Nicht bloß allgemeine {nvegungen und die dtotwendigkeit, die Ehre unseres kiamdes mch der Schule zu wahren, sondern ebensosehr ind» verschiedene krasse Fülle von Widersetzlichkeit, die in liitzter Woche an verschiedenen hiesigen Schulen unter ausdrücklicher Berufung der Renitenten auf Zeitungs- Mi ü l vor kamen, haben uns *" *
Man schreibt uns aus Berlin, 30. März:
lieber den angeblichen Verkauf von Schissen der Ham- burg-Arnerika-Linie an Rußland nach Eintritt des Krieges waren in letzter Zeit allerlei, zum Teil sich widersprechende Mitteilungen in die Oeffentlichkeit gedrungen. Tie letzte Meldung lautete, die russischen Kaufverhandlungen über mehrere Tampfer hätten sich wegen der Höhe des geforderten Preises zerschlagen. Man mußte gespannt sein, welche Auskunft in der heutigen Generalversammlung der H.-A.-L. gegeben werden würde. Ter Bericht des Wolff'schen Bureaus erwähnt nicht, daß die Frage überhaupt zur Erörterung gelangt ist. Tagegen enthält ein Privattelegramm, das dem „Berl. Tagebl." aus Haiw bürg zugeht, folgenden Satz: „Eine Interpellation wegen des Verkaufes von Schiffen unterblieb aus politischen Gründen". Vorausgesetzt, daß diese
Landwirtschaft.
— Der Ob st ertrag der staatlichen Straßen der Provinz Hannover ergab im Jahre 1902 140000 Mk. gegenüber 168 000 Mk. im Jahre 1901. Es konnten am Schluffe des $at)xei 1902 nahezu 200 000 Obslbäume an den Staatschauffeen gezählt werden, wobei die Kreise Hannover, Hildesheim und Göttingen obenan stehen. Ter Rückgang der Erträgnisse ist ausschließlich aus die ungünstigen Witterungsverhättnisse und den geringen Fruchtansatz im genannten Jahre zurückzuführen. Auf Pflege und Neupflanzung wird von Jahr zu Jahr größere Sorgfalt verwendet.
H a l l e a. d. S., 30. März. In der Hauptversammlung der Kornhaus-Genossenschaft wurde mitgeteilt, daß von den 460 Mitgliedern zwei Drittel sich abgemeldet haben, doch wurde der Foribestand der Genossenschaft beschloffen. Für das lausende Geschäftsjahr sei ein kleineres Defizit zu erwarten.
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Lu dieser öffentlichen Er- kluuing gezwungen. Ohne ein Vertrauensverhältnis zum «Älernhaus ist die Arbeit der Schule zum großen Teil Mw üblich."
Drittes Blatt. 154. Jahrgang
Gießener Anzeiger
nicht mehr sitzen könne. Selbstverständlich lehnte die Lehrerin dieses Ansinnen sehr entschieden ab.
Es ist Ostern. Tie Sck-üler haben ihre Zeugnisse heim- gebracht, da geht vielen Eltern die Frage wieder besonders nahe: Hatte es einen Zweck, daß versucht wurde, dem Kinde Anfmerksamkett, Fleiß oder Begriffsvermögen mit dem Stock einzutrichtem? Nur selten helfen Prügel, aber oft verschlimmern sie die Lage, entfremden das Kind dem Erzieher, treiben das gegenseitige Vertrauen für immer aus und führen zu beschämenden Selbft- vorwürfen. Ein anderes ist es, wenn die Eltern selber ihre Kinder züchtigen. Sie werden leichte Prügel nie vermeiden können. Tock sie stehen ihren Kindern gegenüber ganz anders da als der fremde Lehrer. Tie Pietät des Kindes gegenüber den Eltern, die im Blute steckt, wird durch recht angebrachte Züchtigungen nie gewuchert werden.
Was die Zuchthausvrügel betrifft, von denen der Frankfurter Stadtv. Hettler sprach, so berufen wir uns auf das Buch von Leuß. Es wird methodisch gehauen in diesen Strafanstatten.
Tazu die Mißhandlungen beim Heere und in den Kolonien. Begreifen denn die Befürworter der Prügelsttase nicht, daß in dem Geprügelten nur ein einziges Gefühl zurückbleibt, nachdem man ihm den letzten Funken Menschlich- feit ausgetrieben hat: nämlich Ser Wunsch, Vergeltung zu üben, feine Rache zu kühlen an der Gesellschaft und an Einzelnen? ,
Ter-: Appwld war von krankhaften Gelüsten getrieben, als er sstiiiem Zögling zu Tode prügelte, aber die Eltern des ZögMgs willigten in die strenge Prügelmethode. Kürzlich erzc 4..c uns eine Lehrerin aus einer Nachbarstadt, sie je.. iMerholt von der Atutter eines außerordentlich schwach gHlkeii., geradezu blödsinnigen Mädchens von 61/2 Jahren ui rto worden, das Kind so lange zu prügeln, bis es
Mitteilung, die wir anderweitig nicht finden, den Tatsachen entspricht, find wir der Meinung, daß gerade aus politischen Gründen Anfrage und Antwort hätten erfolgen ollen. Ter Verkauf von Schiffen an eine kriegführende Macht verstößt gegen die Neutralität. Ta kürzlich ein Hamburger Blatt die Unrichtigkeit der Verkaufs- oder Unter- handlungsmeldungen behauptet hatte, so bot die Generalversammlung sicherlich die beste Gelegenheit, authentische Klarheit zu schaffen und dadurch allen Gerüchten bündig ein Ende zu machen. Es ist zu bedauern, daß dies nicht geschehen ist. Hoffentlich wird eine solche Erklärung, eben aus politischen Gründen, noch nachgeholt.
Aus Hamburg kommt heute folgende Nachricht: Ter Verkauf des Schnelldampfers „Fürst Bismarck" an Rußland b ewahr heitet sich ttotz des Tementts. Der Preis beträgt 4 Millionen Mark. 2er Tampfer traf bereits in Libau ein.
Auch in der Franks urter Stadtverordneten- bitütiarmmlung kam das Züchtigungsrecht der Lehrer zu:n Zp7ache. Ter Magisttat teilte auf die Interpellation deZEttdtv. Tr. Heyder wegen Züchtigung eines 14- jä^tiflen Mädchens durch einen Lehrer mit, daß di 2 slawische Schuldeputation in vorliegendem Falle sofort iim^schritten ist, sowie ferner, daß nach dem der Scyul- .'CioiiioLon erstatteten Bericht der Rektor der Schule mit c an Leiter des Kindes wiederholt alsbald nach dem Vor- 1 "i:'U uii). nach der Untersuchung Rücksprache genommen und il)ini fein Bedauern über die erfolgte Züchtigung ausgedrückt ljaxi abtrat Grimm erklärte: Tas Kind habe an dem r«Ukh«n Tage zweimal ermahnt werden müssen. Es habe ick:> ividerspenfttg gezeigt. Hierauf sei die Züchttgung er- i>l:gL 1 ie Schuldeputaiion sei der Meinung gewesen, daß >en: onlliegenbe Fall nicht als ein solcher anzusehen sei, da z er strafrechtlich verfolgt werden müsse. Wohl aber : a-aiile «s sich um unangemessene Anwendung des Zück« tigMgsrechtes. Jrgendwelcke Fälle schlimmerer Art, bte mit: der Tippold schen Mißhandlungen verglichen L-eszkn können, seien, so lange er (Redner) der Schuldeputat.üin a agehöre, in Frankfurt nicht vorgekommen. Stadtv. HeiMr meint, daß, wenn ein Mädchen, das 14i/2 Jahre alt: |ei, .oerart gezüchtigt werde, daß es Striemen auf d e mDi’Ji den habe, dieses Vorgehen geradezu unerhört sei. 2 a .ä ne man doch nicht einmal bei Sträflingen.
eoboann verließen die Frankfurter Stadtverordneten dic ■;'& egenftant). Also es ist bei dieser Debatte nichts W u sittliches zutage gefördert worden.
Sic meinen, die „allbekannten traurigen Gerichts- vcruhfindlmngen", die Fälle Tippold und Dedittus brennen , Jutenfrreicfye auf dem Gewissen der deutschen Kultur.
aebürftet. Einer nach dem andern muß es sich gefallen lassen, daß man ihm den Horizont mit Brettern vernagelt; denn ohne ein ordentliches Gerüst läßt sich die für notwendig befundene Jrühjahrstoiletie nun einmal nicht besorgen. Natürlich macht der kritische Berliner seine Glossen dazu. Ta aber so schon genug über die „Jipsallee" gelästert wird, will ich die aufgefangenen kleinen Bosheiten lieber für mich behalten. Ter Roland mit seinem Heben Herrn Olifant, das verzweifelte Aehnlichkeit mit einem guten alten deutschen Nachtwächterhorn zeigt, weshalb ihn die Berliner ja auch zum Hüter dieser Marmor schätze ernannt haben, wird als Kunstwerk auf unserer Opernbühne endlich Konkurrenz erhalten. Leoneavallo soll seine Partitur nunmehr beendet haben und sie gleich nach Ostern in Berlin überreichen wollen. Im Oktober schon wird bann die erste Aufführung stattfinden, welch liebenswürdige Eilfertigkeit einem ausländischen Toirsetzer gegenüber nur zu loben ist. Wir fallen eben nicht aus dem Stil in Berlin. Und was Herr Shaw oder Maeterlinck oder Björnson recht ist, ist Herrn Leoneavallo billig. Tie Kinder des Hauses — und ist es auch so groß wie das deutsche Vaterland — kommen hübsch nach den fremden Gästen! Aber das soll uns die Osterfreude, die in diesem Lenze vielleicht einmal wirklich frühlingsheiter zu werden verspricht, nicht verderben. So viele junge Herzen schlagen diesem köstlichen Feiertage in wonniger Erwartung entgegen, nachdem sie die winterliche Werttagslast durch Wochen und Monate in Geduld getragen haben. So viele bange Sommerwirte rüsten ihre amosen ©arten mit den zehn Baumen, hundert Tischen und ausend Sküfflen, welch letztere im (Äanze frischer Oel- arben schon an und für sich den hellen Lenz repräsentieren. So manch armer Musikant reibt feine Tuba ober Trompete blank, daß die Oftersonne, wenn sie nur will, sich darin spiegeln kann, wie der heibfcheste La^.sch mit dem chichien Somm«vhut e§ in Mutters „StuMeax" nette besser fertig bringt: fü verdirb' chnoii die Freude nilK, strahlende Lebensspenderin, sondern zeig' Tich von früh
Ein Mitarbeiter schreibt uns unterm 30. März:
Wie sehr die Gesundheitsverhältnisfe auf dem Lande Argen liegen, wie vielfach es an der nötigen behördlichen Kontrolle fehlt, das wird in einem lesenswerten längeren Aufsatz nicht etwa eines agrarierfeindlichen Blattes, sondern der gewiß unverdächtigen k0 n s e r v a tiv e n „Kreuz-Ztg." anschaulich geschildert. Im Anschluß an eine Broschüre des Geh. Medizinalrats Roth über die Sanierung des Landes werden von dem Artikelverfasser u. a. olgende sanitäre Mißstände hervorgehoben: Haus- und Mirtschaftswasser werden meist kurzer Hand auf den Hof, auf die Torssttaße fortgegossen oder in offenen oder verdeckten Rinnen in die Tüugergrube, in den Garten geleitet. Taher dann die Unreinlichkeit der Sttaßen, der Bach- und Flußläuse, vor allem aber die Gefährdung der häufig in nächster Nähe der Tüugergrube liegenden Hvfbrunneu. Ungesund ist die Lage der Tüngerhaufen mitten im Hofe oder an der Torfsttaße. Das Badebedürfnis fehlt noch fast vollständig auf dem Lande, wo Warmbadeeinrichtungen durchaus- zu den Seltenheiten gehören. Auch die ländlichen Wohnungen sind vielfacy mangelhaft, namentlich durch die kleinen, unzweckmäßig gebauten Fenster, durch die Ab- fchließung der Räume gegen die frische Luft, durch nicht genügende Reinlichkeit. An allen diesen Stellen haben, nach Medizinalrat Roth's Tlnsicht, staatliche und behördliche Maßregeln in bedeutend höherem Grade und weiterem Um- auge als bisher einzusetzen, um die Bevölkerung des Hatten Landes vor Krankheiten und deren Uebertragung u bewahren. — Tie sogenannte Landflucht wird be- lanntlich von den parlamentarischen Vertretern der Landwirtschaft vorwiegend mit dem Anreiz, den die Stadt der Vergnügungssucht biete, mit der Neigung zur „Vagabundage" in Zusammenhang gebracht. Medizinattat Roth ist der Ansicht, daß man der Landflucht entgegenwirke, wenn man die gesundheitlichen Zustände auf dem Lande bessere, den Landaufenthalt angenehmer und behaglicher gestalte. Ter Artikelverfasser der „Kreuzztg." meint zwar, diese Ansickt „verrate viel Optimismus". Aber wenn man die erwähnten offenherzigen Schilderungen vom Zustande der Wohnungen, der Straßen gelesen hat, wird man es dock- begreiflich finden, daß dergleichen gerade auf gute Elemente, auf Arbeiter mit Ansprüchen an Sauberkeit und Häuslichkeit — von der Lohnfrage einmal ganz abgesehen — nicht verlockend wirkt.
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