von Kesielbach nach Lumda fahren und muhte den genannten Bahnübergang kreuzen. Als der Wagen den Bahnübergang fast erreichte, brauste der Zug heran. Einer der HochzeitS- gäste hatte die Geistesgegenwart, vom Wagen zu springen und die scheu gewordenen Pferde festzuhalten. ES gelang ihm auch, das schwere Unglück abzuwenden, aber er wurde zur Seite geschleudert und an Kopf und Händen schwer verletzt. An derselben Stelle sind schon mehrere solche Fälle vorgekommen; es wurden bereits früher zwei Pferde dort überfahren. Die Errichtung einer Barriere dürfte sich als notwendig erweisen.
)( Grünberg, 1. März. In der gestrigen geheimen Gemeinderatssitzung, welche eine sehr ausgiebige Debatte über Verwaltungsangelegenheiten zeitigte, wurde die Neubesetzung der durch Tod erledigten Stadtdienerstelle beschlossen, und zwar mit einem AnfangSgehalt von 600 Mk., jährliche Zulage um 50 Mk., bis zu 1000 Mk. als Höchstgehalt.
)( Weickartshain, 29. Febr. In Anwesenheit des Kreisamtmanns Dr. Heinrichs, deS Kreisschulinspektors Kleinschmidt und Baurat Diehm beschloß der hiesige Gemeinderat den Neubau einer zweiten Schule nebst Lehrerwohnung. Das Gebäude wird in prächtiger Lage vor dem Dorfe an die Grünberger Straße zu stehen kommen.
Frankfurt, 1. März. In der Angelegenheit des Mordes, der an dem Pianohändler Lichtenstein begangen worden ist, hat sich der Klaviertrnnsporteur Bruno Groß der Polizei gestellt, nicht etwa als Mörder, sondern weil er seine Unschuld zu beweisen wünschte. Man stellte sofort ein Verhör mit ihm an, das bis 9 Uhr abends dauerte. Nach beendetem Verhör wurde er, wie die „Kl. Pr." berichtet, in Haft behalten und heute vormittag um 11 Uhr dem Untersuchungsrichter vorgeführt. In feinem ersten Verhör hat Groß jede Schuld bestritten, und der Umstcrnd, daß er sich der Polizei freiwillig gestellt hat, scheint ebenfalls zu seinen Gunsten zu sprechen. Andererseits liegt eine Reihe von Verdach-tsgründen gegen ihn vor. Die Staatsanwaltschust hat den Antrag auf Eröffnung der Voruntersuchung wegen Raubes und Mordes, sowie auf Erlaß eines Haftbefehls gestellt. Groß leugnet ganz entschieden und will einen Entlastt'n ^beweis antreten. Sehr verdächtig soll er sich dadurch gemacht haben, daß er sich im Besitz von 234 Mk. befand. Bei der Untersuchung soll auch die um den Hals des Ermordeten geschlungene noch neue Vorhangschuur eine Rolle spielen. Man hat nämlich ein Geschäft ermittelt, in dem erst vor kurzem eine solche rote Schnur, wie sie bei der Strangulation verwendet wurde, zum Verkauf gelangte. — Die Beisetzung der Leiche Lichtensteins erfolgte heute vormittag um 11 Uhr auf dem städtischen Friedlwf. Eine große Schar Neugieriger, besonders viele Frauen aus allen Ständen und Klassen, waren gekommen, den Sarg, in dem der Tote lag, zu sehen. Auffällig viele zweifelbafte Gestalten in schlechter Kleidung hielten sich in den Gängen abseits auf. Einige Kriminalisten waren am Platze. Pfarrer Battenberg hielt die Grabrede, der die große Menschenmenge lautlos zuhörte. So oft die Tat oder der Täter erwähnt wurde, wich die Aufmerksamkeit fast einem Gefühl der Angst. Vielleicht glaubten manche, der Mörder weile in der Nähe des Grabes. Und als der Pfarrer Gott anrief: „Nimm Dich auch an des verruchten und in seiner furchtbaren Sünde doch so beklagenswerten Mörders und hilf Du selbst, daß nicht durch ungesühnte Schuld die Heiligkeit der sittlichen Weltordnung verletzt werde!" — brachen zahlreiche Frauen und Mädchen in anhaltendes Schluchzen aus.
Kleine Mitteilungen ans Hessen und den Nachbarstaaten. Eine am Sonntag auf dem Niederwald gefundene Leiche ist als die des Konzertsängers Georg von Lauser aus Frankfurt am Main agnosziert worden. Beim Auffinden der Leiche sollen Revolver und Uhr noch bei ihr gelegen haben. Beim Abholen waren beide Gegenstände nicht mehr vorhanden.
verinncyte».
* Berlin, 1. März. Gin großer Brand erfolgte vergangene Nacht im Untersuchungsgefängnis in Moabit. Tas Feuer war gegen Mitternacht aus unbekannt gebliebener Ursache entstanden und hatte an Papieren und Rohrmatten reiche Nahrung gefunden. Es gelang, den Brand auf den Keller zu beschränken.
* Magdeburg, 1. März. Tödlich wurde heute nacht 1 Uhr auf dem Bahnhöfe Buckau der Rangierer Go lecke verletzt. Von einem Güterwagen wurden ihm beide Beine glatt abgeschnitten.
* Ranzig, 1. März. Tas schwedische Vollschiff „Tropic", mit Salpeter von Chile kommend, ist vor Neufahrwasser gestrandet.
Dresden, 1. März. Ter Pf arrer Segnitz von der Annenkirche, der auch im politischen Leben eine Nolle spielte, legte plötzlich fein Amt nieder und verschwand.
* München, 1. März. In EberSberg wurden gestern die Oekonomiebesitzerin Glas und ihr 15jähriger Stiefsohn in ihrer Behausung erschlagen aufgefunden. Ob Raubmord vorliegt, ist noch nicht konstatiert.
* D i e W eltausstellunginSt. Louis, welche am L Mai eröffnet werden soll, scheint auch auf weite Kreise in Deutschland eine große Anziehungskraft auSzul'b n. wie aus den zahlreichen Pletzbelegungen hervorgeht, die schon jetzt bei unserem großen Damp'schiffahrtsgesellschaften vorliegen. Der Norddeutsche Lloyd in Bremen wird außer seinen bekannten Ri s nschn7lsdampfern „Kais-r Wilhelm II.", „Kronprinz Wilhelm", „Kaiser Wilhelm der Große" und „Kaiserin Maria Theresia" auch noch seine sämtlichen Toppel- schrauben-Dampfer der Barbarcssa-Klasse für den Dienst zwischen Bremen und Newyork in Fahrt stellen. Eine weitere Reifegelegenheit bietet sich auf dem Wege über Bremen und Baltimore. Außerdem unterhält der Lloyd noch eine zweite Schnelldampferlinie von Genua über Neapel nach Newyork, welche Route es den Reisenden ermöglicht, in bequemster Weise mit der Reise nach oder von Amerika einen Besuch Italiens zu verbinden.
* Ein Ritualmorddrama in Italien. Auf Veranlassung des Präfekten von Verona ist die dortige Seghetti-Mädchenschule, die von Schwestern geleitet wurde, von der Regierung geschlossen worden, weil die Schülerinnen am letzten FaschingStage ein Theater st ück aufführten, in dem die Juden ein reines Christen- m ä b ch e n abschlachten, um fürihrO sterbrot Blut ju gewinnen. Das Stück heißt „Tie falsche Bettlerin" und ist im Jahre 1857 in Turin erschienen: die Schülerinnen der Seghetti-Schule hatten eS in die Gegenwart verlegt. Tie Angelegenheit dürfte auch im Parlament zur Sprache gebracht werden, da die Schule, die sich bis jetzt eines guten Rufes erfreute, unter staatlicher Aussicht stand.
* Können Tiere zählen? Di'se Frag' erörtert
Maneini im „English Mechanie" an einigen Beispielen. In einem Kohlenbergwerk von Hennegau haben die Pferde tägliche 30 Fahrten zu machen. Man hat nun beobachtet, daß sie nach der 30. Fahrt und nicht früher von selbst ihre Ställe aufsuchen, ohne irgend eine Ermahnung abzuwarten. Werden sie früher vom Geschirr befreit, so bleiben sie stehen, weil sie zu wissen scheinen, daß sie ihre Tagesarbeit noch nicht hinter sich haben. Der Russe Timotieff hat von einem arithmetischen Hund erzählt, der eines Tages nach Beendigung seiner Mittagsmahlzeit noch 26 Knochen übrig hatte, ein Krösus unter den Hunden, und sie alle vergrub. Am nächsten Tage scharrte er 25 davon wieder auf und führte sie sich zu Gemüte, um sich dann schlafen zu legen. Plötzlich fuhr er aber wieder auf, als ob er sich auf irgend etwas besänne. Er verließ sein Lager, ging zu der Stelle zurück und grub auch noch den 26. Knochen aus. Dann legte er sich im Bewußtsein der vervollständigten Leistung end- giltig zum Schlaf nieder. Vögel haben mehrfachen Beobachtungen zufolge, die Fähigkeit, ihre Eier zu zählen. Eine Nachtigall, die jeden Tag mit drei Fliegen gefüttert wurde, wartete jedesmal, bis sie die dritte Fliege bekommen hatte, ehe sie wegslog. Eine Elster kann angeblich bis 4 zählen, freilich niemals über diese Zahl hinaus, was aber auch schon verhältnismäßig sehr hohe Begabung verrät, da die Affen im Zählen auch nicht mehr leisten.
*EinGemütsmenschist der Urheber folgender Anzeige in Nr. 32 der „Augsb. Abendztg.": „Welche edle, vermögende Tarne unterstützt einen 26 Jahre alten, gebildeten Kaufmann, Süddeutsckien, evangelisch, von angenehmem Aeußeren, welcher Höch st unglücklich verheiratet ist, finanziell, um ihm die Scheidung zu ermöglichen, und ist geneigt, demselben dann die Hand zu einem glücklicheren Eheburide zu reichen? Tiskretion Ehrensache. Gefl. Rückäußerungen unter „Glücklich sein L. 302" tief. d. V.-C. d. A. Atidztg."
Handel und Nerlichr. Volkswirtschaft.
l. Darmstadt, 2. März. Die heutige Generalversammlung der Bank für Handel und Industrie (Darmstädter Bank) ergab folgende genehmigte Abrechnung: Mk.
Der Bruttonuyen beträgt vro 1903 12,798,984.50 hiervon ab die Handlungsunkosten und Steuern mit . . 3.02" 544 80
9,77^,439.04 wobei bemerkt wird, dast die gesamten Dividenden ans die Aktien der Breslauer DiSkonto-Bank, der Ostbank für Handel und Gewerbe und der Nordwestdeutstben Bank pro 1903 von etwa Mk. 1,280,000 erst im Jahre 1904 verrechnet werden.
Der AufsichtSrat beschloß in seiner heutigen Sitzung, der auf den 6. April einzuberufendeu Generalversammlung für das Jahr 1903 die Verteilung einer Dividende von 6 % vorzuschlagen.
Das Gewinn- und Verlust-Konto pro 1 903 ergibt folgende Ziffern (die entsprechenden Ergebnisse deS Jahres 1902 sind bei- gefügt und zwar bei Unterabteilungen in Klainmern):
I. Einnahmen.
Gewinn auS Effekten 1,354,514.80
„ „ Finanzoperationen . . . 3.094,184.47
Zinsen 3,388,591.03
Provisionen 2,759,067 37
Kommanditen und dauernde Beteiligungen 1,800.456 46
Valuten 270,442.01
Diverse Eingänge 14,393.73
II. Ausgaben.
Geschäftsunkosten exkl. Avschluß-Gralifi-
kalionen 2,500.767.26
Steuern ........ 519,777.60
Zuweisung an den PenfionSfonds . . 75,000.—
Zuwendung an die Großh. Technische
Hochschule in Darmstadt .... 20,000.—
Unterstützung der Wasserbeschädigten in
Schlesien 3,000.—
Abschreibung auf Immobilien u. Mobilien 329,295 24 Gewinn-Vortrag auf 1904 .... 142,659.48
Die Bilanz ergibt folgende Ziffern:
I. Passiva.
Aktienkapital 132,000,000.—
Gesetzliche Reserve, Besondere Reserve,
Spezialreserve für Kommanditen und
Spezialreserve für diverse Risiken . 21,001,852.02 Delkredere-Konto I und II .... 1,180,976.90
Tratten 59,105,975.43 Unerbobene Dividenden von früheren
Jahren 30,593.04
Vorgeschlagene Dividende 7,920,000.—
Kontokorrent-Kreditoren 145,891,818.35
nämlich:
1902 Mk.
- 1,414.277.28 2,083,646.53 3,454,893.51 2,361,648.22 1,751,602.56 216,535 26 146,319.21
1,942,561.50
733 392.72
150,000.—
132,815.79
117,304.63
132,000,000.—
21,001,852.02
1,646,155 36
53,935,746.12
28,633 82
7 920,000.-
126,548,938.16
ifiatirb fflfiine Rer6inbUrf>rdten TU. 72,378.0*7 94 (ölt 67,072,702.21)
b. Verbindlichkeiten mit längeren Terminen
Mk. 73,150,170.41 (Mk. 67,916,235.95)
c. aubstehende Marknoten der früheren Bank für Süddeuiscbland
Mk. 368.600 — (SVlt. 1,560,000.—)
Regulierungs-Konto der Filiale Hannover;
fällig 1906 1911 (pro 1902 inkl. Re-
gulierungS-Konto der Breslauer DiS- koniobank; fällig gewesen am 15. Dez.
1903) 3,475,000.— 5,770,833.35
n. A.tiva.
Disponible Fonds 113,303,863.49 108,365,348.75 nämlich: Wechsel Mk. 45,730,517.87 (Mk. 41.958 855.74) Kaff« inkl. Kouponü ... „ 15,8!•< 740.18 ( , 16 106,079 18)
Noslr«.«uthab-n „ 14,311 80.3 33 ( „ 11,459,463.78)
NevortS und Lombard» . . „ 37,909,801.81 ( „ 88,810,950.11)
Effekten inkl. Buchwert der Aklien der Breslauer Diskontobank, in Breslau, der Oübank für Handel und Gewerbe in Polen und der Nordwestdeutschen
Bank in Bremen 48 249 992.40 41,112,028.77
Debitoren ....... . 142,698,7s4.43 128,564,596.33
Hiervon:
durch börsengängig« Effekten behr-fte Kredite
Mk. 70,659,255 96 (Mk. 68,220.105.09)
durch sonstige Sicherheiten
bedeckte Nreditk .... „ 49,847,900.73 ( „ 88,488.60016)
unbedeckte Kredite ... „ 22,191,627.74 ( „ 21,855.891.08)
paukende Operationen 31,065,712 52 35,758,515.86
Kommanditen und dauernde Beteiligungen 28,168,489.02 28,557,623.72
Mobilien und Immobilien abzüglich
Amortisation 6,473,779 51 6,374,601.03
Aktiv-Hppotheken-Konto 7^8,253.85 236.746 —
Die Avale beliefen sich auf beiden Seiten der Bilanz auf Mk.
7,486,546.82, gegenüber Mk. 6,620,086 16 im Vorjahr.
Berliner Börse vom 1. März 1904.
geteilt von der Bonk für Handel und Industrie, Gief ßrioat-Tiskont 3 */8 Prozent.
Anfangs- u. Schlußkurse.
Oeft. Kredit. . . 196.20 193.25
Deutsche Bank . . . 215.80 216.60
Darmstädter Bank . . 133.75 134.25
Bochumer Guß . . . 182.60 184.50
Harpener Bergbau . . 183.60 185.30
Tendenz: Fest.
Köln, 1. März. Die „Köln. Ztg." meldet zur Gründung des Stahlwerkverbands: In der gestrigen Sitzung wurde beschlossen, den Verband, der bis zum 30. Juni 1907 abgeschlossen ist, osort in Kraft treten zu lassen, ohne P Yon ix und die iv e st f ä l i s ch e n Stahlwerke, deren Forderungen übcrein- stiminend als maßlos und übertrieben bezeichnet und z n r ii ck gewiesen wurden. Tie geeinigten Werke k o n l i n g e n-
ti erte n nunmehr die ganzen R o hstahlerz eu gnisse. Der Verband übernimmt zunächst nur den Verkauf der Produkte A, Formeisen, Eisenbahnmaterial und Halbzeugerzeuqnisse. Mit Krupp hat man sich dahin geeinigt, daß er eine allmählich sich steigernde Beteilignng erhalt, welche bis zum 1. April 1907 die Höhe von 700 000 Tonnen erreicht. Tie den oberschlesischen Werken Laurahütte und Friedenshütte zugeteilte Beteiligung beträgt 475 000 Tonnen.
Berlin, 1. März. Heute fand die Sitzung des Aufsichtsrates der Diskonto-Gefellschaft statt, in der die Bilanz für das abgelaufene Geschäftsjahr verhandelt wurde. Der Bruttogewinn stellt sich einschließlich des auf Mk. 437 347.98 sich belaufenden Vortrages aus der vorjährigen Bilanz auf Mk. 20 727 027.32 (gegen 19 156 736.49 irrt Jahre 1902 . Der Reingewinn, nach Abzug der Verwaltungskosten mit Mark 3 866 542.84, der Steuern mit Mark 1 168 717.35, der Abschreibungen auf zweifelhafte Forderungen mit Mk. 115 338.15 und der Abschreibung auf den Neubau in der Behrenstraße 43'44 mit Mk. 300 000, beträgt Mk. 15 276 429.48 (gegen Mk. 13 905 769.03 im Vorjahre). Nach Anhörung der Bilanz- revisionskommission und vorbehaltlich der speziellen Prüfung erklärte sich der Aufsichtsrat mit dem Anträge der Geschäftsinhaber einverstanden, für das Jahre 1903 eine Dividende von 8 */, Prozent auf das Kommanditkapital von Mk. 150 Millionen (gegen 8 */, Proz. im Vorjahre) in Vorschlag zu bringen.
Dresden, 1. März, lieber das Privatvcrmögen des Direktors H ü t t i g von der Fabrik photographischer Apparate, der kürzlich verhaftet wurde, ist der Konkurs eröffnet worden.
Zahlungseinstellungen. Tie älteste und größte Würz, burger Bankfirma F. Benkert-Vornberger ist in Zahl ungs stock ungen geraten. Die Verbindlichkeiten werden auf über 1 Mill. Mk. geschätzt; der Würzburger Platz ist ziemlich stark beteiligt. Tie Firma hat in Berlin mit der Darmstädter Bank und der Nationalbank für Deutschland gearbeitet. Weiter auch mit einigen Mittelfirmen. Auch in Frankfurt hatte die Firma mehrere Verbindungen, doch ergeben sich hier keine Verluste. Ter Inhaber der Firma hat einen Selb st Mordversuch begangen und mußte in die U n i v e r s i t a t §-I rr e n k li n i k überführt werden. Ter Geschäftsleiter versichert, daß das Geschäft vollstän- dig intakt sei; von Dornbergers Spekulationen hatte Niemand im Geschäft eine Ahnung; wenigstens wird dies behauptet. — Die Bankfirma Mendel und Weinberg in Elberfeld befindet sich in Zahlungsschwierigkeiten; die Wechselverbindlichkeiten sollen 1 Mill. Mk. betragen. — Das „B. T." meldet zu dem Falliment des Bankhauses Benkert-Vornberger, tue Passiven werden neuerdings auf 1—1 Millionen geschätzt.
Der Krieg und die Börse. Allmählich hat sich die Börse in den Krieg zwischen Rußland und Japan hineingefunden; man schickt sich gewissermaßen in das Unvermeidliche, zumal die Furcht vor weiteren Verwicklungen so gut wie ganz geschwunden ist. Im ganzen neigt die Börse der Meinung zu, daß russische Erfolge die Aussicht aus die Wiederherstellung des Friedens steigern würden. Allerdings scheint Rußland noch recht weit von derartigen Erfolgen entfernt zu fein und es sieht eher danach aus, daß den Japanern Port Arthur und Wladiwostock in die Hände fallen könnten. Jedenfalls muß man sich an der Börse darauf gefaßt machen, daß der Krieg von langer Dauer sein wird. Rußland befindet sich Japan gegenüber gewissermaßen in einer Lage, wie England gegenüber den Buren.
Herichtssaal.
W. Gießen, 2. März. Gestern hatte sich vor der Strafkammer der mehrfach wegen Diebstahls vorbestrafte I. F. au8 Eckelshausen wegen Diebstahls im Rückfall und wegen Z e ch- p^r e l l e r e i e n zu verantworten. Die Kammer kam zu einem Schuldigspruch und erkannte auf 2 Jahren und 6 Monate Zuchthaus. — Ter Maler 9L B. von Emden war angeklagt wegen Bettelns und auch wegen D i e b st a h l s. Der etwa 38 Jahre alte Mensch ist als Dieb ebenfalls rückfällig, auch wegen Bettelns schon unzählige Male vorbestraft. Gebettelt zu haben, giebt der Angeklagte unumwunden zu, dagegen bestreitet er den ihm zur Last gelegten Diebstahl. Die Strafkammer verurteilte den Angeklagten iveqcn Bettelns zu 6 Wochen Haft und Ueberroetfung an die Landespolizei, hielt aber den Diebstahl für nicht genügend bewiesen unb erkannte in dieser Beziehung auf Freisprechung. — Der 85 Jahre alte Maurer H. R. von Ttidbelnau, ein Mann, der mit seiner Frau im Unfrieden lebt und in dieser Situation sich Gewalttätigkeiten gegen eine ganze Anzahl von Personen schuldig gemacht hat, verfolgte die Berufung gegen ein Schöffengerichtsurteil, welches ihn wegen zweier schwerer Körperverletzungen zu sechs Tionaten Gefängnis verurteilt hat. Tie Strafkammer verhandelte in der Sache, fetzte aber das Urteil aus, bis eine zweite Anklage gegen R., die ebenfalls gesteni anstand, erledigt sein würde. Die Beweisaufnahme ergab, daß man es mit einem unverbesserlichen, rohen und brutalen Menschen zu tun hatte, welcher sich nicht nur an wehrlosen Frauen und Greisen vergriffen hat, der auch feine eigene Ehefrau mn dem Messer verletzte, bei derselben Gelegenheit mit einer Pistole in der Hand von Niederschießen sprach, mehreren Personen schwere Beleidigungen zufügte und den Versuch machte, mit einem Bierglas jemanden an den Kopf zu werfen. Ter Angeklagte suchte alle diese Gewalttätigkeiten re. als nicht so schlimm hinzustellen, als es die Beweisaufnahme dartat. Ter Gerichtshof erkannte, daß das Urteil des Schöffengerichts gegen den wegen verschiedener Gewaltakten schon vorbestraften Angeklagten das Rechte getroffen hätte, und verwarf die Berufung, erkannte weiter aber gegen den Angeklagten auf 1 Jahr 6 Monate Gefängnis und drei Wochen Haft, welch letztere durch die Untersuchung als verbüßt anzusehen sei.
d. Mainz,1. März. Der Apotheker Dr. Karl Elaar aus Friedberg besaß in Undenheim eine Apotheke. Er oll nun den Weinqutsbesiher Losch in Wiesbaden um mehrere tausend Mark betrogen und sich gegen die Konkursordnung ver- ganaen haben, weil er nicht dem Handelsgesetz entsprechende Bücher geführt habe. Der vor der S t r a f k a m m e r Angeklagte befindet sich seit 6. November in Untersuchungshaft. Er war mit Lösch in Verbindung getreten; dieser gab ihm einen Barbetrag und löste seine Wechsel ein, damit der Angeklagte schuldenfrei werde und freie Bahn bekomme. Vertraglich sollte er monatlich Abzahlungen an Lösch machen, außerdem ging zur Sicherung das gesamte Mobiliar, die Ausstände und die Waren an diesen in Eigentum über Der Angeklagte verschwieg aber bei der Vertragsschließnng einen bedeutenden Posten an Schulden und laufenden Wechseln. Die ganze Sache ging dann in die Brüche, und Lösch verlor ca. 10 000 Mk., nachdem er für die Möbel, Waren re. nur etwa 2300 Mk. gelöst hatte. Der Angeklagte wurde unter Anrechnung von 3 Monaten Untersuchungshaft zu 6 Monate Gefängnis und wegen llebcr- tretung der Konkursordnung zu 25 Mk. Geldstrafe verurteilt.
Pos en, 1. März. Gegen das Urteil der Posener Regierung in dem Diszivlinarverfahreii gegen den Generalsekretär der Posener Laudwirtschaftskammer, Eberl, ist feitens des Vertreters der Anklage Berufung beim Staatsministerium eingelegt worden. Eberl, der in der Affäre Endell eine große Rolle hielte, war zu einer Ordnungsstrafe von 90 fDlarf verurteilt worden.
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