Ausgabe 
2.2.1904 Erstes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

schäftiguug in Anrechnung gebracht werde. Abg. Hosmcmn- Dlllenburg (nL) führt aus, daß Mißstände in den An­stellungsverhältnissen der Forst ässe ss oren vorhanden seien; es sei Pflicht der Regierung, diese Mißstände zu beseitigen. Ter Antrag Kaute wird hieraus gegen die Stimmen des größten Teils der Rechten angenommen.

Abg. Hofmann-Dillenburg (nl.) bemängelt die Ungleich- artigkeit der Försterstellen im Westen und im Osten.

Barlameutalisches.

Berlin, L Febr. Dem preuß. Abaeordneten- hause ging ein Antrag der Nation all ibera len zu, die Regierung zu ersuchen, dem Landtage einen Gesetzent­wurf vorzulegen, wodurch die Bestimmungen des Gesetzes ;vom 21. Juli 1852 betreffend Di en st vergehen der Nichtrichterlichen Beamten, über hie Zulässigkeit i-von Arre st st rasen gegen untere Beamten aus- gehoben werden.

Kirche und schule.

Berlin, L Febr. Auf Grund einer ministeriellen Ver­fügung fanden heute in den höheren Lehranstallen Ber­lins Erhebungen über die Fähigkeiten der Schüler statt, wobei auch festgestelll werden soll, wie- viele Kinder Nachhilfeunterricht erhalten. Zugleich soll auch ermittell werden, ob die Schüler diesen Nachhilfeunterricht von anderen Schülern, Studenten, ihren eigenen Lehrern, Lehrern einer anderen Klasse derselben Anstalt oder einer fremden Schule erhalten. Ferner sollen die Gründe sest- gestellt werden, die den Nachhilfeunterricht bedingen.

Ausland.

London, L Febr. Wie demStandard" aus Brüssel berichtet wird, wird in dortigen Hofkreisen angenommen, daß die Reise des Königs Leopold nach Berlin er­folglos war. Der König bot Deutschland wichtige Zu- geständnisseeinschließlicheines großen Teils des Kiwuseo-Gebcetes an mit der Bedingung, daß Deutschland künftighin als Beschützer des Kongo ft aates auftrete, aber Graf Bülow lehnte dieses Anerbieten ab und erklärte, Deutschland beabsichtige, sichvon allen afrikanischen Ver­wickelungen feruzuhalten. Unter diesen Um­ständen sei es zweifelhaft, ob der Kaiser dem belgi­schen Hofe einen Gegenbesuch machen werde.

Brüssel, 1. Febr. Alle Nachrichten, die in der Presse über die Reise des Königs Leopold nach Berlrn verbreitet sind, werden hier an hervorragender unterrich­teter Stelle als Phantasie bezeichnet. Richtig sei, daß König Leopold sich von der Reise befriedigt erklärt hat. Ganz besonders hat er zu wiederholten Malen die große Liebenswürdigkeit gerühmt, mit welcher der deutsche Kaiser ihm während seines Aufenthalles in Berlin ent- gegengekommen sei.

Ter hier wellende Herzog von Aosta soll für den Prinzen Louis Bonaparte beim Könige um die Hand der Prinzessin Clementine an halten. Die Heirat würde den Wünschen des Königs entsprechen, je­doch nicht denen der Prinzessin.

Rom, 1. Febr. (Kammer.) In Beantwortung ver­schiedener Anfragen bezüglich der Universitätsbiblio­thek in Turin erklärte der Unterrichtsminister, uach> den letzten Meldungen könnten von 4500 Handschriften 1000 als gerettet angesehen werden. Man hoffe noch andere zu retten. Einige Handschriften, die beschädigt seien, würden wahrscheinlich restauriert werden können. Man könne annehmen, daß die wertvoll st en Stücke gerettet seien, da die berühmte Handschristensammlung von Bobbio fast unversehrt sei. Was die Ursache des Brandes anlange, so müsse man die Ergebnisse der Untersuchung abwarlen. Ter Minister fügt hinzu, die Regierung werde unverzüglich die vernichteten modernen Bücher ersetzen und dem Parla­mente eine entsprechende Vorlage unterbreiten. Zur Er­gänzung der beschädigten Handschiriftensammlungen werde eine besondere Kommission eingesetzt werden.

Der von vatikanischer Selle gut unterrichteteCor- riere della Sera" erfährt, der Pap jt plane eine strenge Ueberwachung der in Rom zusammengeströmten zahl­reichen ausländischen Kleriker. Wer keinen trif­tigen Grund für seinen Aufenthalt in Rom angeben könne, solle unnachsichtlich nach seiner Diözese befördert werden.

Graf Ricotti Garibaldi veröffentlicht in den Blät­tern einen Plan betreffend Lösung der Balkanfra ge und den Rückkauf der an Oesterreich gefallenen italienischen Provinzen. Er beabsichtigt, den Plan im Frühjahr zu verwirklichen und hat für März einen Kon­greß nach Venedig zusammenberufen, an dem Bulgaren, Griechen, Serben, Kroaten, Rumänen, Albaner rc. tellnehmen sollen. In diesem Kongreß soll die Grundlage für den zu­künftigen Balkanstaat festgestellt werden. Falls der Vor­schlag angenommen wird, wird sofort der allg e m ein e Aufstand aus dem Balkan verfügt. Bulgaren, Serben und Griechen sollen event. gezwungen werden, daran tellzunehmen.

Budapest, L Febr. Nach einer Meldung desPester Lloyd" sind die Vorstände des katholischen Scyulvereins in Wien beim Protektor des Vereins Erzherzog Franz Ferdinand vorstellig geworden, damit sich Kiefer mit den Zielen dieses prononzierten Kampfvereins mehr identi­fiziere. Ter Erzherzog betonte, er sei ein sehr guter Katholik, aber durchaus kein Ultramontan er und gedenke, wenn er einst zur Regierung gelange, diese keines­wegs nach exklusiv konfessionellen Gesichts­punkten zu führen.

Belgrad, 1. Febr. In der Nacht drangen in die neue Druckerei des AntiverschKwrerblattesNarodni Listi" 25 Gendarmen und drei Polizeibeamte ein, zerstörten die gesamte Druckerei und schleppten die vorhandenen Nummern des Blattes fort, wodurch der Versuch, eine Wiederherausgabe des Blattes zu bewirken, verhindert wurde.

Sofia, 1. Februar. Die oppositionellen Blätter ver­urteilen aufs schärfste die Absicht der Regierung, aus An­laß des Geburtstages des Kronprinzen der Sobranje eine Vorlage zu (unterbreiten, die Apanage des Kron­prinzen mll 300000 Francs zu bemessen.

Aus ZtuSt und gunO.

Gießen, den 2. Februar 1904.

* * Zur Rekrutenbesichtigung trifft heute nach­mittag der Divisionskommandeur Exzellenz Frhr. v. Gall hier ein; er wird im Hotel Großherzog Wohnung nehmen.

* * Eine Probevorlesung überDie Prophylaxe 6er Wochenbettsmorbidität in der Schwangerschaft" hält heute 'abend um 6 Uhr in der kleinen Aula der Universität zum

Zweck der Habilitation für da§ Fach der Franenheilkunde Dr. med. Paul Stroemer.

Die ,5 0 er", Vereinigung der im Jahre 1854 ge­borenen männlichen Einwohner, hielten gestern abend im Eaf6 Ebel die zweite Versammlung. Dabei wurde der aus 9 Mitgliedern bestehende Ausschuß zur Vorbereitung der im Juni stattfindenden Fünfziger-Feier gewähll und da§ vor­läufige Programm festgesetzt. Die Zahl der in Gießen wohnenden 1854 er beläuft sich auf 90. Gesellige Zusammen­künfte finden am 2. Montag jeden Monats stall.

* * Gemälde-Ausstellung. Wir können unseren Kunstfreunden milleilen, daß es dem Vorstand gelungen ist, die gegenwärtig in Tarmftadt ausgestellte vortreffliche Kollektiv-Ausstellung des bekannten Marinemalers Pros. Schnars-Alquift- Hamburg auch für den hiesigen Kunsr- vecein zu gewinnen. In Tarmstabt hatte sich diese Aus­stellung von Marinebitdern eines außergewöhnlich regen Besuches zu erfreuen, sodaß die Ausstellungszeit noch um wertere acht Tage verlängert wurde. Hier gelangen diese Bilder nächste Woche zur Ausstellung. Eine Aenderung der Ausstellung wird diese Woche nicht vorgenommen, fte ist täglich geöffnet, mit Ausnahme von Samstag.

* * T i e Untersuchung über die Ursache der Vergisrungssälle tn Tarmftadt beschäftigt jetzt das hygienische Institut der hiesigen Universität. Nach- Eunbigung an zuständiger Stelle werden noch 814 Tage vergehen, ehe die vorzunehmende Untersuchung positive Feststellungen ergeben wird. Soviel steht jedoch schon heute fest, daß es nicht etwa durch Metalle hervorgerusene Gifte sind, welche bisher das Leben von neun Menschen gefordert haben, sondern daß man es, wie man anfänglich schon an­nahm, mll Botulismus zu tun hat. Tas Gift beftanb aus Bakterien, die sich häufig bei eingetretener starker Zer­setzung in Wurst vorfinden, die aber auch sehr leicht bei konservierten Gemüsen, besonders bei Bohnen, die bekannt­lich viel Eiweißstoffe enthalten, sich bilden, falls diese in Zersetzung geraten. Tie Ursache, welche die Zersetzung der Bohnen tn der Alice-Kocbschule zu Darmstadt herbeigeführt hat und deren Folge die Bakterienbiloung gewesen ist, läßt sich aus dem Befund der hierher gesandten Kon­servenbüchse, welche den tödlich wirkenden Inhalt umschlossen hat, ohne weiteres nicht feststellen. Tie bon Professor Dr. Gaffky vorzunehmenden Versuche werden aber über diesen Punkt aufilürende Gewißheit geben.

* * Auslosung des Zweigvereins Gießen des Vogelsberger Höhenklubs. In der gestrigen Generalversammlung wurde der Zweigverein Gießen des V. H.-Kl. aufgelöst. Tas vorhandene Vermögen im Werte von rund 120 Mk. wurde dem Hauptvercin zur Verfügung gestellt und soll dem Bauschatz für den auf dem Tausstein zu errichtenden Bismarckturm überwiesen werden. Ter Grund der Auslosung wär das mangelnde Interesse am Zweigverein. Tie Aditgliederzahl war sehr gering, und die Beiträge sind schon feit Jahren nicht mehr erhoben worden. Man tonnte die Auslosung bedauern, wenn nicht am Orte ein anderer, außerordentlich lebensfähiger, saft 100 Mit­glieder zählender Zweigverein des V. H.-Kl. bestände, der Zweigverein T a u f st ei n, der mll dem hiesigen Vogesen- klub vereinigt ist.

* * Die Generalversammlung des neuen Ge­flügelzuchtoereins von Gießen und Umgegend gestern war sehr gut besucht. Es erfolgte die Rechnungs­ablage von 1903, die ein sehr günstiges Resultat ergab. Der vorjährige Vorstand wurde einstimmig wiedergewählt. Schließ­lich wurde beschlossen, Besuche der Mitglieder vorzunehmen zur Zusanuneustellung geeigneten Zuchtniaterials.

* * Contentia. Am 7. Februar findet, wie auch aus dem Inseratenteil hervorgeht, ein Maskenball mit Jahrmarkts­rummel verbunden, im Neuen Saalbau statt. Die Veran­staltung verspricht einen interessanten Verlauf zu nehmen und die vorjährige zu übertreffen, da allerlei Vorbereitungen zu Ueberraschungen getroffen sind.

* * Ter Gardeverein Gießen feierte am Sonn­tag Kaisers Geburtstag in den festlich dekorierten Räumen des neuen Saalbaues in großartiger Weise. Ter Festredner, Herr Kleinhenn, hob in feiner Ansprache hervor, daß es der Verein sell seiner im Jahre 1900 erfolgten Gründung schon zu einer ganz ansehnlichen Mitgliederzahl gebracht habe und daß der überaus zahlreiche Besuch der Feier wobl ein Beweis dafür sei, daß sich der Verein eines guten Rufes erfreuen dürfe. Tie Rede erklang in ein begeistert aufgenommenes dreimaliges Hurra auf Kaiser und Groß­herzog aus. Tas Offizierlorps, die Spitzen der Behörden und die hiesigen militärischen Vereine waren sehr zahlreich vertreten. Ter Verlauf des Festes darf wohl als in jeder Hinsicht sehr gelungen zu bezeichnen sein. Erst die späten Morgenstunden trennten die Festteilnehmer.

* Lichtmeß ist heute. Der Tag wird nach kirchlicher Bedeutung eigentlich Licht-Messe aus Anlaß der Weihe der Kerzen genannt. Er gehört zu denjenigen Tagen, an welche sich für das Landleben, je nach örtlicher Auslegung und Er­fordernis, manche Bauernregel knöpft. Welcher Land­wirt dünkt sich nicht ein Meister in der Wetterkunde, dieser voltstümlichsten Wissenschaft, zu sein, welche sich recht eigent­lich auf dem Grundstem der Erfahrung und auch des Aber­glaubens erbaut Aber der gedachte Grundstein reicht meist nicht zum prophetischen Erfolge im Reiche von Wind und Wetter aus. Die Jahreszellen haben mitunter, wie man zu sagen pflegt, ihren Kopf für sich. Da hilft dem Landmann alles Tüfteln, Vermuten und Wünschen nichts. Wenn's Licht­meß, wie heuer lau durch die Lüste weht und die Sonne freundlich scheint, so beobachtet das der Landmann sehr genau. Ist die Ackerkrume nicht froststarr vom Winterschlaf, so prüft er im Vorrat der Ackergeräte schon jedes Stück auf seine noch mögliche Brauchbarkeit. Mllunter leistet ein früher Lenz sehr erfreuliches, mitunter kommt Herr Winter aber wieder und fährt nut rechthaberischer Geberde noch drein.

- ch. Vom Dünsberg, 31. Jan. In den aus­gedehnten Waldungen hinter dem DunSberg wurden in diesen Tagen die ersten Gemeinde-Holzversteigerungen abgehalten. Bei der Versteigerung zu Frankenbach, wo namentlich gute Nadelhölzer zum Verkauf kamen, wurde beispielsweise der Festmeter mit 25 Mk. bezahlt, während das Eichenstamm­holz zu Erda per Festmeter sogar bis zu 100 All. verkauft wurde.

( ) Ettingshausen, 30. Jan. Vorgestern stürzte die 78 Jahre alle Ehefrau Albach IV. von hier auS dem ersten Stockwerk m den Hausflur und erlitt hierbei einen Schädelbruch, infolgedessen die Verunglückte gestern abend versch ied. Vor einem Jahre feierte das Ehepaar die goldene Hochzeit. Nachdem die Mitte Dezember mit einer Stimme Majorität erfolgte Wahl des Herrn Opper V. zum Bei­

geordneten beanstandet war und dies auch vom Kreis, ausschuß anerkannt worden ist, steht nun eine dritte Wahl bevor.

) ( Grünberg, 31. Jan. In der gestrigen Gemeinde- ratSsitzung wurde die wiederholte Anftage des Gr. Kreisamts bett. Anschaffung des Mäusevertilgungsmittels dahin erledigt, daß zurzell keine Mäuseplage konstatiert und bei einem event. Eintreten int Frühjahr das Jnfektivnsmittel immer noch angewandt werden könne. Die im Stadtwalde vor- zunehmenden Wegarbeiten wurden an Konrad Bock hier um 1425 Mark vergeben. Die Genehmigung des Vor­anschlags von 7800 Mark für einen neuen Schulsaal wurde wegen nochmaliger Prüfung der Bedürfnisfrage an Ort und Stelle bis zur nächsten Sitzung verschoben. In der heutigen Versammlung des hiesigen Gewerbevereins wurden in den Gesellenprüfungsausschuß die Herren Koch K. Haas und A Großhaus gewählt. Sodann yiell Archi­tekt Kock erb eck-Gießen einen interessanten Vortrag über Handwerkererziehung.

Q Lauterbach, 1. Febr. Hier ist die Errichtung eines Kriegerdenkmals geplant zum Andenken an die Wiederaufrichtung des deutschen Reichs. Nachdem der Deutsch- Amerikaner Fink 1000 Mk. gespendet hat, stehen jetzt zirka 5000 Mk. zur Verfügung.

r . Grebenhain, 1. Febr. Trotz des hier liegenden Schnees und der manchmal recht scharfen Wmterkälte ist die Zeit her immer rege am Bahnbau gearbeitet worden; die Arbeiten schritten aber nur langsam vorwärts, weil man zu viel mit dem Frost zu kämpfen hatte. In dem großen Schachte bei Hartmannshain und einem solchen in nächster Nähe findet man nur Basalt und dieser muß durch Sprengen entfernt werden. Täglich hort man deshalb mächtige Schüsse die Luft erdröhnen. Die Bauarbeiten sind beinahe bis zum Straßenübergang im Seemer Walde vorgeschritten, ebenso ist die Holzverladestelle m diesem Walde fast sertiggestellt. Die an der Oberwaldstraße gelegene Kantine ist fett Winteranfang in die Nähe des Schachtes bei Hartmannshain gestellt worden, damit die Arbeiter nicht fo weit bis zu den Arbeitsstellen haben sollen.

sd. Darmstadt, L Febr. Die Generalver­sammlung des Heil ft ätten- Vereins für das Großherzogtum Hessen sand heute vormittag in den Räumen der JnvaliDenversichevungsanstult unter dem Vorsitz des Re­gierungsrats Dr. Dietz statt. Hierzu hatten sich außer hie­sigen auch Mllglieder aus Mainz, Worms, Offenbach, Alzey, Nauheim, Bingen, Heppenheim, Reichelsheim, Reichenbach, Roßdorf, Winterkasten und Gimbsheim eingefunben. Ten Geschäftsbericht gab der Vorsitzende Reg-Rat Dr. Dietz, welcher in einem Rückblick erwaijnte, daß, da die Genehmig­ung zur Vornahme der Vor arbeiten zu dem geplanten Bau der Heilstätte in Winterkaften erfolgt fei, man einen Bau- ausschuß gewählt habe und daß von den sechs eingeforderten Plänen keiner den Wünschen und Forderungen ganz ent­sprochen habe, jedoch derjenige der Architekten H. Müller zur weiteren Ergänzung und Ausführung empfohlen worden sei. Der Redner erläuterte nun an der Hand der vorhan­denen Pläne die nähere Ausführung; der Bau sei dreistöckig in gefälliger Form, ähnlich dem Stlle des Lichtenberger Schlosses, gedacht. Im Vorderbau sollen die Krankenräume, in den Sellen- und Hintergebäuden die Beamten- und Dienerwohnungen untergebracht worden; auch eine be­sondere Aerztewohnung soll errichtet werden. Zur Erricht­ung des Baues wurden in Winterkasten an günstiger Stelle ca. 2 0 Morgen Land, meist Wald zum Preise von ca. 2 5000 Mk. angetauft; bei günstiger Gelegenheit sollen weitere Skiläufe erfolgen. Die Wasserleitung wurde als­bald begonnen. Leider haben die freiwilligen Sammlungen für die Kosten nicht den gewünschten Erfolg gehabt; es finb zusammen nur 11780 Mk. eingegangen. Mit dem Voran schlag werde man nicht ganz aus kommen, da voraussichtlich Die Gesamtkosten auf ca. 500 000 Mk. belaufen werden. Man erwartet einen namhaften Zuschuß vom Zentralausschuß in Berlin, den Rest beabsichtige man zu 3 Proz. Zinsen von der Jnvalidenversicherungsanstalt aufzunehmen. Durch einen Aufruf habe man einen wesentlichen Mllglieder- zuwachs erhalten, die jetzt auf 1800 mll 1000 Mk. Beitrag pro Jahr gestiegen seien.

r . Mainz, 31. Jan. Tie hiesigen Sozialdemo­kraten sind eben isn Begriff, ein großes Konsum- geschäft zu errichten. Man hat zu diesem Zweck bereits ein großes Anwesen erworben, welches ähnlich wie in einigen norddeutschen Großstädten zu einem großen Waren­haus umgebaut werden soll. Zur Erwerbung des An­wesens soll, wie verlautet, eine Großbrauerei Die Mittel vorgeschossen haben.

f c. Frankfurt a. M., 1. Febr. Eine hiesige Firma beabsichtigt eine Bergbahn auf den Melibokus zu bauen.

Kleine Mitteilungen ans Hessen und den Nachbarstaaten. In Großen-Buseck begehen heute (2. Februar) das Fest der silbernen Hochzeit Herr Heinrich Reinschmidt und Frau.In Frankfurt a. M. wurde am 25. Januar eine Vereinigung der Arbeitgeberoer- bande gegründet. Mitglied dieser Vereinigung kann jeder Arbeitgeberverband in Frankfurt werden. Zweck ist ein enger Zusammenschluß der einzelnen Verbände zu gemeinsamer Regelung aller Streitfragen zwischen Arbellgebern und Ar­beitnehmern, Abwehr unberechtigter Forderungen, Sperren oder <5tretf§ der Arbeiter ufro. Sein 3 9. Stif tungs - begeht in Klein-Linden am 13. Februar der älteste Männergesangverein dort,Eintracht". Arn 30.Januar, abends, feierte der Kriegerverein in dgen Kaisers Ge­burtstag.

Vermischtes.

* Kiel, 1. Febr. An Bord des in der kaiserlichen Werft liegenden KreuzersPrinz Adalbert" entstand heute nachmittag in einem Refervekohlcnbunker eine leichte Exp losion. Die Heizer Polanowski, HanS Schmidt, Schwerdtfeger, Krnal und der Mattose Fedder erlitten Verbrennungen. Lebensgefahr besteht für die Verletzten nicht.

Oldenburg, 1. Febr. In Holland wurde ein Mann namens Gottwald Stahl verhaftet, der im September v. Is. in Oldenburg bei einem Diebstahl 10000 Mk. erbeutet hatte. Stahl ist auch verdächtig, die Witwe Meller und deren Tochter in Oldenburg ermordet zu haben.

* Paris, 1. Febr. Nach langen Bemühungen ist es einer Expedition gelungen, den Bewohnern der seit einem Monat durch eine fast anderthalb Meter hohe Schnee­schicht von jedem Verkehr abgeschnitteneu Ort-