Erstes Blatt
Dienstag 2. Februar 1904
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Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen
te ab-
154, Jahrgang
Zum Kauplvorauschlag für 1904
hat das Hess. Finanzministerium einige Nachträge und Berichtigungen der 2. Kammer zngestellt. Wir heben daraus folgendes hervor: Zur Bestreitung der Kosten, die durch die Darstellung des Bades Nauheim auf der Weltausstellung in St. Louis entstehen, werden 28 500 Mk. verlangt. Ta die Kosten der Beförderung und Aufstellung der Ausstellungsgegenstände noch nicht feststehen, so wird eine entsprechende Ueberschreituna des angeforderten Betrages Vorbehalten. Zur Herstellung einer zweiten Garderobe und Anlage eines neuen Billardsaales im Kurhaus zu Nauheim werden 8550 Ml. verlangt.
Im Kapitel Staatseisenbahnen können bei den Einnahmen anstatt 11600 000 Ml. 12000 000 Ml. eingestellt werden.
Nr. 27
Erscheint täglich außer Sonntags.
Dem Gießener Anzeiger werden tm Wechsel mit dem Kefslschrl« Landwirt die Gießener Familien* Hättet viermal in der Woche beigelegt
Ratatufititorud a. Verlag bet vrühl 'scheu Unkvers.-Buch- n. Stein- drucke rei (Pietsch Srbcn) Redaktion. LrpedMoa and Druckerei:
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Oecaeieectildb üb den po lli. «nb aflgem, LeU P Butte, fü, , Statn imt Land' unb .Gerichts)aal'. Naauft Götz für de» ilr> letqenteti; t>an< VrcL
Deutsches Deich.
Berlin, L Febr. Ter Kaiser machte heute den gewohnten Svaziergang im Tiergarten und hörte den Vortrag des Chefs des Zivillabinetts Tr. v. Lucanus. Der Kaiser dinierte 6eint Minister Dudde und hörte nach dem Tiner den Vortrag des Geh. Laurats Sympher über die heutigen Aufgaben der preußischen Wasserbauverwaltung unter Vorführung von Gegenständen, die für die Meltaus st ellungvonSt. Louis bestimmt sind. Tem Vortrage wohnten der Reichskanzler, viele Minister, Staatssekretäre, hohe Beamte, Generale, Admirale und hervor-
Tie Einnahme an allgemeinem Unterrichtsgeld von Studierenden und Hospitanten anderDechnischenHoch- schule zu Darmstadt wird um 2000 Ml. erhöht, sie beträgt nunmehr 383 650 Ml. Ter Dispositionsfonds zur Remunerierung von Professoren, Lehrern, Dozenten und Assistenten wird um 2000 Ml. erhöht, er beträgt nun 5000 Mark. Infolge der Zunahme der Zahl der Studierenden hat eine Vermehrung bezw. stärkere Heranziehung des Hilfspersonals stattfinden müssen. Ter Dispositionsfonds hat sich infolgedessen als unzureichend 'erwiesen und bedarf einer Erhöhung um mindestens 2000 Ml. Die Ausgabe für Pos. 7 erhöht sich dementsprechend auf 16 500 Ml., und die Ausgabe für Titel 1 auf 477050 Ml. Tie Gesamtausgabesumme für Kapitel 37 beträgt 654 068 Ml.
Tas Zinsenerträgnis aus den bei Bankhäusern k. sowie Italien ist um 147 000 Ml. zu Ml. sind nur 8000 ML ein*
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lragesordnung: Zmeite ning der Friedens» erste Lesung des Gesetz« uldig Berhafieler
Köln, 1. Febr. Ter Aerztestreik dürfte demnächst die Gerichte beschäftigen. Tie fremden Aerzte verlangen strikte Erfüllung der von den Lrankeukassenvröständen eingegangenen Verpflichtungen. Danach wären 30 Ae^te ab» zufinden, die gegen ein Jahresgehalt von 6000 ML auf fünf Jahre verpflichtet sind. Ein von den Wlner Aerzte« gemachtes Abfindungsgebot ist von den fremden Aerzten zurückgewiesen worden, die beschlossen haben, von der Erfüllung ihrer Forderung nicht abzugehen.
Dessau, 1. Febr. Die regelmäßig beobachtete Er» scheinung, daß die Flei sch Preise zwar den Bieh- preisen in der Aufwärtsbewegung pünktlich folgen, nicht aber in der umgekehrten Richtung, hat unsere städtische Verwaltung zu einer beachtenswerten Maßnahme veranlaßt. Tcmach wird derMagistrat künftig die Preise des Schlachtviehes monatlich einmal veröffentlichen und die Fleischpreise dazusetzen, sodaß sich das Publikum sellist ein Bild von der Lage des Marktes machen kann und ein entsprechender Druck auf die Gewerbetreibenden ausgeübt wird. Um einen Vergleich zu ermöglichen, werden auch die Preise der Städte Berlin, Leipzig und Halle beigefügt. Tie Viehpreise werden mit Hilfe der Landwirtschaftskammer, die Fleischpreise mit Hilfe der Fleischerinnung ermittelt.
— Tie heute bekanntgemachte Amnestie-Verord^ n u n g des Herzogs Friedrichs TI. verfügt den Straferlaß für alle Sttafen, welche verhängt sind wegen Beleidigung der Mitglieder des herzoglichen Hauses, der Behörden und Beamten, wegen Hausfriedensbruches und Uebertret- ungen aller Art. Wegen sonsttger Vergehen verhängte Sttafen werden nur dann erlassen, wenn die erkannte Strafe nicht höher ist als sechs Wochen Gefängnis oder 150 Mk. Gell>sttafe. Bei Körperverletzung und Beleidigung bedarf es der Verzichtleistung der Verletzten bezw. Beleidigten.
Dresden, 1. Febr. Die zweite Kammer hat es abgelehnt, der Gewerbeinspektion akademisch gebildete Frauen als gleichberechtigt mit de n Mannern hinzustellen. Ebenso lehnte die Kammer es ab, praktisch gebildete Arbeiterinnen zur Ge- werbeinspektion zuzuziehen.
in Wechseln angelegten Kapi kürzen, und anstatt 155000 _______
zustellen. Die TividerAe aus dem vom Staat übernommenen Äkttenanteil der Hessischen Landes-Hypotheken- b a n k ist um 147 000 Mk. zu erhöhen, somit anstatt mit 100000 Mk. mit 247 000 ML zu veranschlagen. Die von Ler Landes-Hypothekenbank beantragte Erhöhungihres Aktienkapitals auf 9 Millionen Mark erfordert im äußersten Falle eine Zuzahlung des Staates :v o n 4,4 M i lli o n en M a rk. Der staatliche Gewinnanteil livürde sich hierdurch nm mindestens 147 000 ML erhöhen. :ilm etwa den gleichen Betrag würde sich aber voraussichtlich ims Zinsenerttägnis aus den bei Bankhäusern angelegten (Staatsgeldern vermindern, da die vom Staat zu über- ehme.rden Attien zunächst aus den vorhandenen Geld- Ibeständen bestritten werden müssen. Tie Notwendigkeit der »Erhöhung des Aktienkapitals ist in dem den Landständen !bereits mitgeteilten Geschäftsbericht der Bank näher be- aründet und mußte auch von der Regierung auf Grund 'der Vorschriften des Reichshypothekeubank-Gesetzes über dre Deckung der Pfandbriefe und Kvmmunalschuldverschreib- ungen anerkannt werden. Aucy ist diese Erhöhung im ftnan- ziellen Interesse des Staates als des Hauptaktionärs gelegen, weil 7mr dadurch auf die Tauer die Erzielung eines gleichmäßigen und höheren Reinerttägnisses gesichert und der Staat in diesen Einnahmen vor erheblichen Schwank-
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V^euhischcr Landtag.
& Sitzung, Montag, den 1. Februar.
Tie zweite Beratung des Forstetats wird fortgesetzt. Tie Abgg. Hofmann - Dilleuburtz (nl.), Dasbach (Ztt.), Engelsmanu (nl.) und Dr. Lott Mus (nl.) sprechen für eine Erhöhmrg des Qudbracher Zolls. Die Einnahmen werden alsdann bewilligt. Beim Kapitel dauernde Ausgaben empfiehlt Abg. Kaute (Ztt.) folgenden Anttag: Die Regierung möge dafür Sorge ttagen, daß für die nächsten 15 Jahre den Kgl. Forstassessoren eine die Dauer von 6 Jahren überschrettende Zett der diätarischeu Be-
tmgen bewahrt werden kann.
Nach Arttkel 20 des Gesetzes, die Besoldungen der Staatsbeamten bettessend, vom 9. Juni 1898, sollen die Witwen- und Waisengeldbeiträge, welche auf Grund des Gesetzes vom 30. Juni 1886, das Zivildiener- Witwen-Fnstttut betreffend, zu entrichten find, vom 1. Sqnru 1898 ab nicht mehr erhoben werden. Wenn auch ttt dieser Bestimmung nur von Beiträgen die Rede ist, so bestand dabei doch zweifellos die Absicht, die Befremng der Staatsbeamten von allen Leistungen an das Institut, insbesondere auch von den Eintrittsgeldern, welche auf Grund des Gesetzes vom 22. Januar 1861 sind, eintreten zu lassen. Es wird darum die Ermächtigung in Anspruch genommen, diese bisher im Hauptvorcmschlag nicht mehr vorgesehenen Einttittsgelder für die Staatsbeamten vom 1. April 1898 ab und für die dem Zwll- diener-Mtwen-Jnstitut noch angehörigen Hofdiener rott Wirkung vom 1. April 1900 ab — entsprechend der nn Hauptvoranschlag für 1900/01 ausgesprochenen Vergünsttg- -rng — wegfallen zu lassen. „ ...
In Kapitel 117, indisponible und reservierte Fonds find lm Ausgabetitel „Zur Abführung an den Ausgleichs- s o n d s" einzustellen 150000 Mk. In der Annahme, daß der Gesetzentwurf über die Mldung eines Ausgleichsfonds die Zustimmung der Landstände findet, kann dresem Fonds infolge der Erhöhung des Anteils am Ueberschuß d er Eis?nb ahngemeinschaft v on 11 600 000 ML auf 1 2 0 00 000 ML ein Bettag von 150 000 ML zull e f ü h r t werden. ,
Nachträglich angesorbert werden für Erwerterungdes Vahnhofes Stockheim an der Sttecke Gießen—Geln- *1CT1 ^Äir^rmehrung der Bettiebsmittel auf den bestehenden Eisenbahnen werden 970000 ML verlangt.wird au <ie Anmerkung am Schluss- des Kapitels 122 Mt^l des dauvtvoranschlages Bezug genommen. Tie Summe oes Litels 1 und zugleich der Ausgabe für Kapttel 122 betragt 9 Sauf von annähernd 1237 Quadratmeter Bau- z-lände zwischen Grafenstraße rmd Standeh-ns zu ° Durch Erhöhung"der Ausgaben unter Kapitel 122 um (324 000 ®. erhöht sich die für Eis- nbahnzweck '»i-un ebn: ende Anleihe von 5 380 900 Mk. aus 704 900 M Durch andere nachträgliche Ansorderungen «men 4 510 800 M L, um welchen Betrag icb die iü/a^re außerordentliche Bedürfnisse des Staates mszunebmende A n7e i h e e r h ü h ü Letztere stellt sich daun luf 7 295 893 ML
ragende Techniker bei. Nach dem Borttage besichtigte de». Kaiser eingehend die für St. Louis hergestellten Modelle.
— Von unterrichteter Seite verlautet betteffend die Handelsvertragsverhandlungen mit Oesterreich-Ungarn, daß die deutsche Regierung sich zunächst durch die Schwierigkeiten, welche sich bei den Ver- haridlungen mit Rußland hinsichtlich der Getreide- und Viehzölle ergeben hätten, veranlaßt gesehen habe, die Einleittrng der Verhandlungen bei dem österreichiscken Kabinett anzuregen. Es scheint, daß auch Rußland das Ergebnis der Verhandlungen mit Oesterreich abwarten wolle, ehe es sich zu einer Entscheidung in der Frage der Minimalzölle entschließt.
— Tas „Jüd. Volksbl." bekundet seine Dankbarfett gegenüber dem nationalliberalen Abg. Tr. Friedberg olgend ermaßen:
„Herr Prof. Friedberg hat wieder sehr schön gesprochen, sehr schön muß man sagen. Ist doch Herr Prof. Friedberg selbst ein klassischer Zeuge dafür, wie schwer, ja wie unmöglich es dem Juden wird, zu seinem Recht zu gelangen. Herr Prof. Friedberg starnmt von jüdischen Eltern ab und hat eine Frau aus jüdischem Hause, eine Tochter des verstorbenen Kommerzienrats Friedmann in Breslau. Aber Herr Prvfesior Friedberg ist ztrr evangelischen Kirche übergetteten, gleich seinen Brüdern, dem verst. Kirchenrechtslehrer in Leipzig und dem värst. Hygieniker in Breslau, und sein berühmter Bruder wäre wohl niemals Justizminister in Preußen geworden, hätte er nicht als Student schon seinen Glauben gewechselt."
Kiel, 1. Febr. Die Kaiserjacht^HohenzollerM' hat ihre Winterreparatur beendet und geht am 15. b. M. nach dem Mittelmeer ab. Demnach darf angenommen werden, daß der Plan einer Mittelmeersahrt des Kaise»- paares in den nächsten Wochen zur Ausführung gelangen solL
Lübeck, L Febr. Tas lübeckfche Erbschastssteuergesetz ist u. a. dahin abgeändert worden, daß von Kindern der Erblasser, die bisher keine Erbschaftssteuer zu zahlen hatten, eine Steuer in Löhe von ein Prozent der Erbs chaft erhoben wird. Diese geringe Steuer hat nun, wie in der Presse mitgeteilt wird, viele Rentner und Pensionäre, die in Lübeck wohnen, veranlaßt, die Stadt zu verlassen und sich einen anderen Wvhnsitz zu suchen.
Bremen, 1. Febr. Ter hiesige Reichsverein, der außer der Freisinnigen Bereinigung auch Nattonalliberale und Rechtsstehende umfaßt, veröfsentticht eine Resolution, die die Einführung eines Zensus für das bremische Wahlrecht rundweg verwirft.
Osnabrück, 1. Febr. Bei der heutigen Reichstagsstichwahl nmrde Wamhoff (natL) mit 15 503 Stimmen gewählt, v. Bar (Hosp, des ZeutrumS) erhielt 15137 Stimmen.
Ker AufSaud der Kereror.
Deutsch-Südwest-Afrika wird dem Reich teuer zu stehen kommen. Man verhehtt sich in maßgebenden Kreisen wohl nicht, daß die Entsendung von Hilss- tt nppen in dem bisherigen Umfange nur ein Anfang ist, und daß eine bei weitem größere Kra staust renguug entfaltet werden müsse, um den Aufstand völlig und eine Wiederholung ausschließend, n!eder- zuschFagen. Der frühere Reichskommissar von Südwest- Afrika, Dr. Görirrg, der das Voll durch jahrelangen Aufenthalt genau kennen gelernt hat, erklärt allerdings, nach der „Tagesztg.", daß die Hereros höchstens 5000 Mann — entgegen der Schätzung von ungefähr 20 000 — im Kriegsalle stellen könnten, und daß cnmch von diesen 5000 Mann ich nur etwa 3000 aus dem Kriegspfade befinden. Aber einmal ist es im Interesse unserer Landsleute geraten, die Zahl der Gegner höher, als zu niedrig, zrr veran- chlagen, und dann ist doch auch von Kennern der Verhält- nisie die Befürchtung geäußert worden, daß andere Stämme mit den Hereros gemeinsame Sache machem Halbe Maßregeln sind natürlich rricht nur zwecklos, sondern verhängnisvoll; die Regierung wird nicht zögern, die weiter erforderllchen Schritte zu tun. Das Für oder Gegen die Kvlonialpolttik kommt flfer nicht in Bettacht. So hat die sehr große Mehrheit des Reichstags von vornherein die Situation unter Zustimmung der Bevöllerung auf gefaßt.
lieber das Schicksal des Gouverneur? Leutwein in Siürwestafrika beginnt man in kolorrialen Kreisen einige Beunruhigung zu empsindem Sett dem 23. v. M. sollte Oberst Leutwein in Windhuk sein. Wenn man nicht befürchten will, daß ihm etwas zugestoßen sei, so glaubt man sein bisheriges Schweigen nur dadurch erllären zu können, daß seine Boten von den Aufrührern ab- gefangen worden seien, währerrd der Gouverrrenr vielleicht der Ansicht ttt, man sei über ihn durch seine nach Swakopniund gesandten MeLungen unterrichtet. Ob auch an amtlicher Stelle diese Besorgnisse über den Gouverneur geteilt werden, ist ans der „Nordd. Allg. Ztg." nicht er- ichtlich, indessen dürste es anzunehmen sein. Die herrschende beklommene Stimmung wird durch das Ausbleiben dieser Nachricht noch mehr verdüstert. Die „Schles. Ztg." hatte aus Briefen eines deutschen Ansiedlers Bruchstücke veröffentlicht, die das Oberhaupt der HereroS noch Mitte Dezember v. I als höchst fttedlich auftretenhen Handelsmann schildern. Der „Nattonalztg." mm wird von einem soeben aus SüdwestafiÄa Zurückgekebrten geschrieben, daß Samuel Mäher er o persönlich harmloser Natur und absolut kein ,L>rlogsmanw^, d. h. Krieger, ist. „Brannt- wei n und Werber haben ihn zerrütt et, er blieb immer ein leicht lenkbarer Faktor in der Hereropolittk und war als Häuptling eine Null." Es scheint doch, daß man sich einigermaßen in der Charatterbeurteilung dieses He- reroführers getäuscht hat, oder man muß mit der „Nat.- Ztg." den Schluß ziehen, er sei wider seinen Wlllen von den anderen Häuptlingen zum Aufstand gedrängt worden.
Ter kaiserliche Generalkonsul telegraphiert aus Kapstadt, daß nach Mitteilung der dorttgen Regierung die Bondelzwart-Hottentotten am Oranje sich unter ihrem Häuptling am 28. Januar ergeben haben. Die Nebergabe der in den Kharasbergeu wohnenden Aufltändi- s chen wird erwartet.
Ter Dampfer „Adost WVrmarrn" hat mit dem ersten Berstärkungsttanspvrt für die Schutzttuppen in Südwestafrika Dover pafsierL Der Dampfer „Emilie Wörmann" ist mit von Tuollr gesandten Geschützen, Munitton und sechs Unteroffizieren am 31. Januar nachmittags in Swa- kopmund ein getroffen. Ter Dampfer ,Lueie Wörmann", der am 6. Februar abgehen soll, begann mit dem Laden.
Nach dem ,Militürwochenblatt" scheiden aus dem Heere aus und werden mit dem L Februar zur Verwendung beim Stabe des Führers be? Marineexpeditionskorps für Südwestafrika im zweiten Seebataillon angestellt: Salzer, Hauptmann des großen Generalstabes, Bayer, Ober- leutnant aggregiert dem großen Generalstabe, unter Beförderung zum Hauptmann, Reiß, Oberleutnant im Alexander-Gard e-Gren aoier-Regintent, v. Dobschütz, Leutnant im Feldartillerie-Regiment Nr. 62. Ferner scheiden aus: v. Bosse, Oberleutnant im dritten Gardereaiment, behufs Ginttitts in das zweite Seebataillon, und wird zum Adjutanten des Marineexpedttionskorps für Südwestafrika ernannt.
Vom Hanauer Mcmenregimeut haben 5 Mann der Expedition sich an geschlossen.
Tas Reutersche Bureau meldet ans Liverpool: Die englische Firma Elder, Tempster u. Co., die zahlreiche Tampfer rrach Südwestafrika gehen läßt, telegraphierte an Kaiser Wilhelm, daß sie angesichts des Aufstandes der Hereros ihre Schiffe der deutschen Negierung zur Verfügung stellt.
Prinzregent Luitpold hat der Tenischen Kolonialgesellschaft für die bedrängten Deutschen in Srcdwest- afrika 2000 ML überwiesen.
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