Ausgabe 
2.1.1904 Zweites Blatt
 
Einzelbild herunterladen

Samstag 2. Jrnnrar 1904

154. Jahrgang

Zweites Blatt.

Nr. 1

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Eichen

J>ie yeutlge Mummer umfaßt 12 Seiten.

Bekanntmachung

bis 2. Januar

1 Zplinderuhr

1 Siinberboa,

tr1d)dn- ISgNth mit Ausnahme deS Sonntag».

DiGießener $amlltenblätterw werden dem Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der tauöroUr erichemt monatlich ctiunaL

verantwortlich Kh bei «flaenetaei Uli

P. Llllko. tüt den Anzergenreil fr Bit

Rotationsdruck und Verlag fr« vrühltche» Unmerfuätsfrruderei (Pieitch üttxnk Gietz«.

verdächtig waren. Umsomehr wird gewünscht, daß im neuen Jahre die Kriegsflagge bis nach Buenos Ayrcs hinunter und um Cap Lorn herum vor Chile, Peru und Equador gezeigt werde. Die Möglichkeit der Detachirung eines Schiffcs'der ostamerikanischen Kreuzerdivision für solche Nundsahrt wird aber in Mannekreisen in Zweifel gezogen und als von der Gestaltung der politischen Lage in Mittelamerika abhängig bezeichnet. Man rechnet also wohl mit der Eventualität von Unruhen in Venezuela, Kolumbien, Panama oder in einem anderen dieser interessanten Mischlingsstaaten, und die Ver­mutung läßt sich allerdings nicht von der Land weisen, daß die Fortführung der Arbeiten am Panamakanal im Verein mit dem immer herrischer werdenden Auftreten der Vereinigten Ltaaten Gährungen hervorruft. Für solchen Fall wäre frei­lich bedauerlich, wenn eine? der vier Schiffe der ostameri- lanischen Station weitab vom Schauplatz der Ereigniffe sich befände. Alles in allem aber fonunt Deutschland zum Schutz seiner überseeischen Interessen mit den für diesen Zweck in Dienll gestellten Kreuzern auch weiterhin aus.

Wunschkarten;

verlöre n: 5 Portemonnaies mit Inhalt, 1 goldene Hals­kette mit Medaillon, 1 Svazierstock mit silbernem Griff, 6 künstliche Mohnrosen und 2 Pferdeteppiche.

Die Empfangsberechtigten der gefundenen Gegenstände belieben ihre Ansprüche alsbald bei uns geltend zu machen.

Gießen, den 2. Januar 1904.

Großherzvglict'ev '1'oliAeiamt Gießen. Hecbler.

In der Zeit vom 19. Dezember 1903 1904 wurden in hiesiger Stadt gefunden: 2 Portemonnaies mit Inhalt, mit Kette, 1 goldene Brache, 1 Gesangbuch, 1 Sturmlaterne und Glück-

Keer und Atolle.

Die Kriegßslagge im Ausland.

Man schreibt uns von besonderer Seite:

Die Ziffern des Marineetats bieten einen gewiffen An­haltspunkt für die Beurteilung der weltpolitischen Lage durch der Negierung. Es bezieht sich auf das Kapitel von den Kosten der Jndiensthaltung der Kriegsschiffe. Auf den ersten Blick könnte aus diesen Ziffern ein beruhigender Schluß ge­zogen werden, denn sie zeigen gegenüber der vorjährigen eine beträchtliche Erhöhung. Die nähere Untersuchung lehrt in­dessen, daß der Mehraufwand zum größten Teil auf die Schlachtflotte entfällt, die in den heimischen Gewässern statio­niert ist. Die Formation dieser Flotte wurde auf neue er­weiterte Grundlagen gestellt, was, da es sich um L-chiffe größerer Typs handelt, eine entsprechende Erhöhung der In- diensthaltungskosten zur Folge hat. Bei den Auslandskreuzern ist solches nicht zu verzeichnen, und eben daraus läßt sich entnehmen, daß das Auswärtige Amt nirgend, wo deutsche Interessen engagiert sind, die Lage für so bedrohlich erachtet, daß die Entsendung oder die Nachsendung von Kriegsschiffen in Aussicht genommen ist. Man hält die auf den ver­schiedenen Stationen befindlichen Schiffe zum Schutz der deut­schen Jntereffen für ausreichend. Da4 ist von besonderem Belang bei den beiden Geschwadern in Ostasien und Ost- amerika. Wenn eS sich bestätigt, daß die Marineverwaltung für das neue Jahr die Abkommandierung je eines kleinen Kreuzers der ostasiatischen Station in die australischen, bezw. ost- afrikanischen Gewäffer beabsichtigt, so ist damit erwiesen, daß die amtlichen Stellen Deutschlands Jntereffen in China mcht für gefährdet halten. Etwas anders liegt die Sache bei der ostamerikanischen Kreuzerdivision. DaS Operationsfeld dieser Schiffe beschränkt sich nicht auf Nordamerika und Westmdien; e« umfaßt auch Südamerika, und zwar ist bestimmt, daß ein Fahrzeug diese» Geschwader- in nicht zu langen Zwischen- räumen auch die Westküste Südamerikas besuchen soll, wo die deutsche Kriegeflagge lange Zeit überhaupt nicht gezeigt wurde. Im alten Jahre, während da« Gros der Kreuzer­division nach den Gewässern von Britisch-Nordamer.ka dampfte, sollte allerdings der Kreuzer.Falke- die brastlianüchen Lasen anlaufen. ^cr Besuch unterblieb aber, weil die Hafen sieber-

Außlaud und Japan.

Meldungen aus englischen und russischen Quellen stehen noch immer einander gegenüber. Wie die Zeitung ,,Russji" aus zuverlässiger Quelle meldet, nehmen die riissisch-japa­nischen Verhandlungen einen völlig friedlichen Fortgang. Alle Meldungen über ein japanisches Ultimatum usw. seien reinste Erfindung. Richtig sei nur, daß Rußland wie Japan ihre Kriegsbereitschaft verstärkten, was b.gre.s- sich sei, da die Möglichkeit politischer Verwicklungen be­ständig bestehe und in Japan mit ausländischem Golde eine leidenschaftlich Agitation gegen Rußland betrieben! werde. Nicht nur seine Interessen im fernen Osten, fonbern schon seine Würde als Großmacht nötigten Rußland, W nahmen zu treffen, um die Ereignisse ruhig abwarten zu können.T-aily Telegraph" meldet sensationell aus ^okio : Tie Lage bleibt s e hr e rn st und erscheint verschlecht ert Japan gab dringende Anweisungen zur Vollendung bezieh- unasweise Erbauung mehrerer Kreuzer und zur Armierung von drei seiner besten Fahrzeuge der Handelsmarine Seit Januar vermehrt Rußland fortwährend die Zahl der Krregs- schisse in Ostaften. Trr Tonnengehalt der russischen Schisse betrug zu dieser Zeit weniger als 90000 Tonnen, jedoch wird er anfangs des neuen Jahres 200 000 Tonnen betragen. Eine Anzahl Schiffe liegt zur Abfahrt nach den ostasia'.i chen Gewässern bereit. Ter Tonnengehalt der spanischen Schiffe beträgt 170 000 Tonnen.

Wie demLokalanz." aus Petersburg gemeldet wird, erweckt dort die Lage im fernen Osten die ernstesten Besorg­nisse. Vom Statthalter Admiral Alexejew ist ein Telegramm direkt an den Zaren in Zarskoje-Sselo eing"troffen, dessen Inhalt derart wickchig war, daß sofort eineErtrasitzungt des Ministerrats beim Zaren einberufen wurde, zu der der Kriegsminister aus dem Theater fort gerufen wurde. Tie Sitzung dauerte bis in die späte Nackft hinein. Tos Resultat ist: die rus rfche Regierung hält an ihren Hauptabsmliissen: fest - gestern ist die Antwortnote nach Japan abgegangen.

Reuter meldet aus Tschifu: Ja van charterte noch eine Anzahl Transportschiffe. Tas secks'e Armeekorps ift kriegsbereit, ebenso die Flotte, die in vier Geschwader

nicht recht glauben. Wenn sie jedoch auch noch hartnäckig bleiben sollte, habe sie doch nicht die Kraft, ^den Kamps noch lange fortzusetzen. Er ersuche daher 1>ie Partei­freunde, auf dem Wege, der sich in der letzten Woche so trefflich bewährt habe, auch weiter zu verharren und in ihm die hauptsächlichste Aufgabe in der Verteidigung des 18G7cr Ausaleick)s zu erblicken, dessen Ausgangspunkt der Gedanke bilde, daß keine Veranlassung zu Mißtrauen zwischen Krone und Nation vorhanden sei. Tie Nation müsse die unfruchtbare Desckwerdepolitik fallen lassen, da die Interessen des Unoartums mit denjenigen der Dynastie und den wohlverstandenen Interessen der Gvoßmachtstett- ung der Monarchie sich twlllommen im Eingang befänden, (Stürmischer Beifall.) r r .

Rom, 1. Jan. Ter hiesige japanische Gesandte ist gestern nach Genua abgereist zur Ueberwachung von Arbeiten an den beiden K r i e g s s ch i f f e n, welche Japan Argentinien abgekauft hat. Auf beiden Fahrzeugen fehlen noch die Geschütze. ,

Ausland.

Gmunden, 1. Jan. Tie Besserung im Befinden des Königs von Dänemark macht erfreuliche Fortschritte. Das Mlaemeinbesinden ist sehr gut.

Melbourne, 1. Jan. Chamberlain svrach dem bundesstaatlichen Ministerium für die Einladung, Austra­lien zu besuchen, seinen Dank aus und erklärte, er erkenne zwar den Vorteil eines solchen Bsiuches an, doch sei ihm zurzeit eine längere dlbwesenbeit von England nicht möglich. Er hoffe jedoch, in nicht allzuferner Zukunft die Einladung annehmen zu können.

Paris, 1. Jan. PräsidentLoubet emvsing heute nachmittag aus An' des Neujach s ^ges das diplomatische Korps. Nuntius Msgr. Lorenzelli hielt hierbei eine Ansprache, in der er aus'ührte, das Jahr 1903 habe den internationalen Frieden gebracht, zu dem die Haltung Frank­reichs sehr wesentlich beigetragen habe. Der Nuntius er­innerte sodann an den Tod Leos XIII., der 25 Jahre seines Pontifikats den höchsten Interessen der Menschheit gewidmet habe. Präsident Loubet erwiderte, Frankreich vergesse nicht, in welchem Maße die Welt den Frieden der klugen Haltung der auswärtigen Regierungen verdanke. Dieser Klugheit und dem guten Willen. Konflikte zu vermeiden, seien die Konventionen entsprossen, die große Mächte in richtiger Würdigung der unveränderlichen Grundsätze, nach welckien die answäriiae Politik Frank eickis geleitet werde, mit Frankreich geschlossen haben. Loubet drückte sodann sein Bedauern über den Tod Leos XIII. ans und schloß mit den besten Wüusckvn für die Staatsoberhäupter

Aus Petersburg wird ?u den Ve Handl'ngen über den deutsch-russischen Handelsvertrag von unterrichteter Seite berichtet: ^lebwentlich der gmauen Nor­mierung von Zöllen auf kleine Handwerksmaschinen, wie Näh-, Stepp- und Sckut^ertnasck'inen, kleine Drehbänke, sowie auefy auf kleine Betriebsmaschinen, besonders Petroleum­und Naphthamotoren, ist es zu erregten Erörter­ungen zwischen Witte und Timiriaseff gekom­men. Timirjaseff hat mit ungewöhnlicher Schärfe die For­derung des Landwirsichaftsministers, die Zölle auf ge­nannte Artikel nach Möglichkeit herabzusetzen, ja eine ganze Anzahl ähnlicher Maschinen der Ksi-gw'e , lan^w'^'chast- liche Maschinen" einzufügen, vertreten: Wälwend Witte es znm Sckmtze der heimischen Industrie für g'boten hält, die alten Zölle zum mindesten aufrecht zu erhalten, für Klein-

Motoren aber noch höher zu setzen.

Konstantinopel, 31. Dez. Das Jrade bezüglich der Ernennung eines italienischen Generals zum Kommandeur der Gendarmerie von Mazedonien wurde gestern erla'sen. Der-k'sche Botschafter in Rom ist be­auftragt, über die Wahl einer geeigneten Persönlichkeit mit der italienischen Negierung in Verhandlung zu treten.

Belgrad, 1. Jan. Wie aus Holkreisen mitgeteilt wird, sind die Versuche d es Königs Peter, die Ver­schwörer vom Lose zu entfernen, vollständig gescheitert. Außer der Auslosung einiger subalterner Ordonnanzofs-iriere werden feine Maßregelungen stattf nden. Tie Verschwörer sollen den König dadurch eingeschüchtert haben, daß sie im Falle von Maßreglungen Bri e fe des Königs veröffentlichen würden, in welchen nach- gewiesen würde, daß König Peter vor dem Königs- mord mit den Mördern in Verbindung gestanden habe. , , ,, .

Budapest, 31. Dez. Die hiesige Pollz-i brachte in Erfahrung, daß in einem kleinen Safe, wo die serbischen Studenten verkehren, ein Attentat gegen König Peter geplant worden sei. Tie serbische Grenzpolizei wurde benachrichtigt und es gelang ihr auch, zwei Verdäch­tige, in dem Augenblicke, wo sie die Grenze überschreiten wollten, zu verhaften. Beide wurden der ungarischen Po­lizei übergeben. , Ä

Bei der Neu'ahrsgratulatwn der I-berenen Partei erwiderte Ministerpräsident Graf Tisza aus eine an ihn im Namen der liberalen Partei gerichtete Ansprache, daß er in diesem Momente, wo ein verschwindender Bruch­teil der Opposition das unheilvolle Werk der Obstruktion fortsetze, daran erinnern müsse, daß nach der verbreiteten Anschauung der Parlamentarismu5 überall tm Riedergana begriffen sein solle. Er sei ledoch der Awrcht, daß der Parlamentarismus nur bei solchen Nationen einen Verfall anzeioe, deren öffent­liches Leben überhaupt krankhafte Ge- brechen austmsise. Tie ungarische ^Uon werde die Probe, auf welckx sie jetzt durch bie Obstruktion yesteM tverde, siegreich bestehen. Die dürfe den Glauben an den Parlamentarrsnms nicht verlieren, da dieser die einzige Bekundung ihres nationalen 2a)ein8 und chrer n°Ln°lm B°stre?un.'N, bilde. (S.bMtcr B-iM.) Er könne an die zynisch« HartnSckiakeit der noch obstru- ierenden verfchwürdenden Minorität, dce sich mit der öffentlichen Meinung, mit der Mehrheit des Parlaments und mit dem nationalen Interesse in Wcderspruch setze,

Dcullöics Jlridj.

Berlin, 1. Jan. Tie Neujahrsfeier am kai­serlichen .Lose verlief unter dem hergebrachten Zere­moniell. Um 8 Uhr wor großes Wecken und Choral. Gegen 93/t Uhr traf der Kaiser und die Ka-serin mit dem K^onp'ir'zen, den übrioen Prin'en und der Prin'e^m vom Wildpark, von einer dichten Menschenmenge Unter den Linden lebha't begrüßt, im Schlosse ein. Sie nahmen zu­nächst die Glückwünsche der Mitglieder des Königshauses, des Generaladjutanten, der Generale ä la suite und der Flügeladjutanten entgegen. Um 10 Uhr sand Gottesdienst in der Schloßkapelle statt, an dem das Kaiserpaar und die Fürstlichkeiten, unter ih"en der Kronprinz von Sachsen, Prinz Arnulf von Bayern, der Reichsten.'ler, Graf Wu der- fee und andere teilnahmen. Trvander hielt die Fest­predigt. Unter den KlängenWilhelmus von Nassauen" verließen die Majestäten das ^ttesbaus und begaben sich in den We'ßen Saal, wo die Gratulationseour begann.

Nach der Tafel besuchte der Kaiser mit dem Prinzen Heinrich das Hohensollernmuseum und gab im Laufe des Nacknnittags bei den hier akkreditierten Botschaftern seine Karte ab. Vormittags war noch der russische Generalmaior v. Baumgarten, Komman deur der russischen Leibgarde-Ulanen in Warsckmu, emp­fangen worden. Abends um 61/2 Uhr findet Faminen- tasel^statt.^ <pra ^bent des Reichstages Graf Ballestrem hält sich hier auf, um am Neujahrstage der GratulationSoour bei Hofe beizuwohnen.

Ter Kronprinz von Sachsen traf Iper em, um in seiner Eigenschaft als kommandierender General dem Kaiser seine Glückwünsche zum neuen Jahr zu über­bringen. .,

Breslau, 31. Dez. TieReisser Ztg.", teilt Mit, sie sei zu der Erklärung autorisiert, daß die Meldung, Fürstbisckwf Kohn in Olmütz habe _zur Rechtfertigung wegen der gegen ihn erhobenen ?^"'^gen eine gtocitc Rom fahrt angetreten, unwahr fet 1 '

In Washington ist die Nachri..,i erngetroffen daß Deutschland in Stille, aber mit Entschiedenheit be­strebt sei, ein Kohlendepvt auf St. Thomas (2a- nisch Wessindienl zu erwerben. Tas Wolfs Bureau bemerkt hierzu: Tie Nachricht, Teutschland beabsichtige den Enuerb einer Kohlenstation, auf St Thomas, ist, wie alle früheren qhnlichen Bebauvti'naeii. völlig aus der Luft gegnssen

geteilt ist. .,r

Petersburg, 1. Jan. DieRusi. Telgr.-Agenü ist offiziell erniächitigt, mitzuteilen, daß Japan in seiner letzten Note keine Bedingung^ bezüglich des Termins für die Beantlvort'.'ng derselben d""rch Rußtend gestellt hat.

Eine Uebersicht übw die Finanzverh'-'ltr.is.e d"r be den einander gegenüberstehenden Machte dürfte von Juterelse * Japans Finanzen stehen zurzeit, wie ftüher, schon bemerkt wurde, gut. In kaum mehr als einem Viertel- iahrhundert hat Japans kulturelle Entwicklung einen Aus- sckwung genommen, die den der Vereinigten Staaten fast übertrisft. Zahlen sprechen auch hier eine beredte Sprache. Tie igiewöhnlichen Einnahmen des Staates, welche im Budget 1871/72 mit 24i/2 Mill. Yen ausge- worfen worden waren, sind im Budget 1 9 0 d / 0 1 mit 23 21A Mill, vorgesehen. Da? gesamte Einkommen des ordentlichen und außerordentlichen Budgets ist in derselben Zeit von .50i/o Mill. Yen auf 253V- Mitt. Yen gestiegen. Trotz des großen und schnellen Aufschwunges seiner Ein­nahmen und der bedeutenden Kriegsentschädigung, die es von China empfing, hat Japan neue Schu^en nramen müssen, von denen ein Teil, Wahl durch die wirtschaftliche Ausstattung des Landes und die AuS'ührung grotzer össent- sicher Arbeiten gerechtfertigt ist. Aber auch die außer­ordentliche Tätigkeit auf dem Gebiew der B^wasinung bat große Sunirmen verschlungen rmb bis M einem gew'sien Grade die Fortschritte, welche Industrie und handel ge­nommen haben, für den Staatsschatz neutralisiert. Die öffentliche Schuld, die 1 895 ca. 300 TU 11^ $ en betrug, war in 190 2 b ereit5 auf 5 4o M1 lsi gelegen, wovon 173 Mitt, für öffentliche Arbeiten und G.stnbahnen und IIGV? Mitt, für Kriegszwecke ausgenommen worden sind. ÜebrigenS bezeichnet die japanisch? Reg er-nq die Meldung für aus der Luft gegriffen, daß Japan tn R^wpork eine Anleihe aufzunehmen suche. Die Geldlage Japans sei höchst günstig. 2er Barvorrat ^.^r ^aupkbank be­trage 113 Mill. Yen, dazu etwa 40 Mitt. Yen in-London. UeberdieS sei der Notenai'sgabe-Spielraum der Dank 35 Mill. Yen, der nach Neujahr stei^n werde. Die R'aierrmg habe drei Kapitalbeträge von zusammen 50 Mill. Yen, außerdem einige Millionen in London aus der Aule-He tm Jahre 1902. Schließlich lägen müßig in allen Danken des Landes große Summen. Unter solchen Umständen wäre es ja nicht sonderlich yi verwundern, wenn der neueste Kultur­staat einen frischen fröhlichen Krieg unternähme!

Rußlands Finanzen sind bedentticher. Jüngst ging das Gerücht, Rußland sondiere in Bersin wegen Auf­nahme einer neuen Anleihe. Tiefes Gerücht wurde dann mit dem Hinzu fügen demensi rt, daß deutsche Banken nicht zu einer Zeit, deftin jedem Augenblick ein Krieg mit Japan ausbreck-en könne, eine russische Anleihe negociieren wür­den, denn das hieße die Neutralität verletzen und sich auf