154. Jahrgang
• Erstes Blatt
Samstag 2. Januar 1904
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monatlich 7b tM., otertel- jährlich ’jJit 2.20, durch Abhote- u. Mroetgfleller monatlich 65 ’ÜL, durch die Pott 'DU. 2 — vienel- jäbvL aueldjL BetteUg. Annahme von Anzeigen fn Ott tageenumniet Jt6 pormtllug« 10 Uhr. ^Ctlmtnvr* total ISPl^ auflrodm tü Plg.
Nr. 1
• r|d)fint eAgltch auiiei Sonntags
Den, «Lietzenei 'Anzeiger weiden nn Wechiel mit den. kesstschen tanbioirt bir Siebener ZaiiiiUen- blället piermal tu det Woche betgelegL AtotuiionSdiuct u. Ber- lag de, Brühl 'Ichen llnioerl.'Puch- u.Siein» brücke rei iPiellch (Li denl Atedaknon. Espedikton und ürudetei;
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den potti an» aügcm, TeU P toi iito tüt .Eiakn und ttanö* und , <S e riet) tfl) aale tieauR Götz füi den Ul n* jetaenieU pan« Beck.
schließlich durch die Künste des Friedens zu verbreiten, iw der Anblick der Vorteile, die Frieden und friedliche Arbeit und sriedlick-er Austausch mit sich führen, ausreichen wird, die Volker, die heute alles durch Gewalt versuche^ zu bestimmen, das Waffenhandwerk immer mehr und mehr einzuschranken.
Tie ver,chiedenen Völker sind dazu geschaffen, jedes in seiner Weise, in den Künsten des Friedens mit einander zu wetteifern. Kein Volt soll sich für geringer hatten als das andere, aber lein Volk soll' sich gegen em anderes überheben. Jedes soll die Kräfte, die ihm verliehen worden sind, pflegen und entwiaeln, aber keines soll' den Versuch machen, das andere zu unterdrücken. Tie Erde soll allen offen stehen; die Politik der „offenen Türen" ist für alle Welt die segenbringende.
Tie Behauptung, daß der Krieg etwas schlechthin Notwendiges sei, steht mit den Ideen des Christentums in Widerspruch. Ter Krieg kann unter gegebenen llmsländen etwas Notwendiges sein. Aber jedes Volk soll es vermeiden, die Umstände herbeizuführen, unter denen ein Krieg zur Notwendigleit wird. E.n Volk kann freudig und mit gutem Gewijsen in den Krieg ziehen, wenn es sich bewußt ist, die Umstände, welche diesen Krieg zur Notwendigkeit machten, nicht selbst verschuldet zu Huben.
Tie Mehrzahl der Kriege, welche die letzten Jahr» Hunderte gejeyen haben, ist dadurch veranlaßt worden, daß ein Volk, anstatt mit andern Völkern in einen freien Wettbewerb einzutreten, den Versuch gemacht hat, wirt- ichastliche Vorteile durch Unlerdrüaung anderer Volker zu erringen. Ter Wahn, das eigene Volk sei durch seine angeborenen Vorzüge von der Vorsehung dazu bestimmt, anderen Volkern ein Joch aufzuerlegen, tritt überall' auf. Er ist von jeher Herrschend geivesen und herrscht noch jetzt.
Tas ist blinoer Egoismus, und nicht dissstr, sondern die Gerechtigkeit soll das Triebrad des Völker Organismus treiben, die Erkenntnis, daß auch im schärfsten Völker- widerslreit nur Waffen des Ge.stcs geführt werden können.
Wir fürchten freilich- daß dies „sromme" Neujahrs- Wünsche srnd, die schwerlich in Erfüllung gehen werden; aber sie geltend zu machen, erscheint doch als wün- ichenswert an einem Jeirpunkt, der ein neues Zeitteil unseres Taseins einleitet. Möge im Herzen Jener, die berustü sind, am „sausenden Wcbstuyl der Zeil'' vestim- mend mitzuarbeilen, die Erlennmis oinziehen, überall und in allem Gerechtigkeit und Versöhnlichkeit wallten zu lassen. Tas wäre ein Neujahrsergebnis, das den Optimisten mit freudiger Zuversicht. für die schöne Entwickelung der Voller der Erde erfüllen würde.
GietzenerAMiger
*'■* General-Anzeiger v
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen
Ke KeöurtsLagsspende für den KroßSerzog.
R. Br Tarmstadt, 1. Jan.
Tie Ueberreichung der Geburtstaasspende für den Großherzog, die auf Anregung eines Wormser Komitees im ganzen Lande gesammelt worden war, fand heute mittag 12 Uhr in feierlicher Weise im Weißen Saale des Rejidenzschlosjes statt. Aus sämtlichen Kreisen der breii Provinzen waren die Vertreter herbeigekommen, darunter die Herren Erlaucht Arthur Graf Erbach, Ministerialrat Braun, Pvovinzialdirektor Tr. Breidert-Gießen, die Oberbürgernreister Köhler-Worms, Dr. Gaßner- Mainz und Brink-Offenbach- Universitätsrektor Professor Tr. Brauns-Gießen, Bürgermeister Mahler- Herrnsheim, Arnold-Alsheim, Geh. Rat Schönfeld- SclMten, S t a Hl-Frredberg, Knipp-Muheim, Euler- Bensheim, Vo ge l-Heppenheim, Arno l d-Groß-Gerau, die Landtagsabg. Bürgermeister Se e l i n g er-Lampertheim und K o r e l l-Leusel, Werner-Lauterbach Werner- Nidda, S. C o b l e n z - B.ngen, Hermann Schmidt- und Anton M i m r i ch-Oppenl/eim, Dr. Sutor-Alzey, Phil. Wern er-Flonheim, Wilhelm Ope l-9tllsselsheim, Nudolf Th ker ho f s -Amöneburg, Brauereibesitzer Hildebrandt-Pfungstadt il a. Ter Großherzog erjchien wenig Minuten nach 12 Uhr in Begleitung des Obersthosmarfchallü Frh.n. v. W e st e r w e l l e r, des Oberstkammerherrn Frhrn. v. Riede s el zu Eisenbach und des Ordonnanzosfiziers. Namens der Deputation verlas darauf Kommerzienrat Gl Ücker t folgende, durch Hoskältigraph Göttniann- Tarmstadt kunsiieiftch auf Pergament ausgcf^hrte Adresse: Alterdurchlauchtrgster Großherzog!
Allergnüdigster Fürst und Herr!
Tas schwere Le cd, das Go. Königliche Hoheit nach Gottes Rat durch das unerwartete Hinscheiden des geliebten Tvcksterck-ens, der hoch,eligen Prinzejftn Elisabeth auferlegt worden ist, hat die Festfreude vermummen lassen, nrit der das hessische Volk den Geburtsrng seines Landes- herim vor wenigen Wockien hoffte begehen zu können.
Tas Gesühl treuester Anhänglichkeit an das ange- stmumte Forsteiihaus und aufrichigen bis in die kleinste Hütte alle Herzen erfüllenden Mitempfindens hat dem Gedanken Leben gegeben, Go. Königlick>en Hohett zur Jahreswende nach trübsten Tagen der Heimsuchung ein sich dar es und besonderes Zeichen Der Teilnahme darzubringen, das zugleich als ein schwacher Ausdruck des Tankes für das jegenäreidj-e Wirken Gw Königlichen Hoheit zum Wohle des Landes heute freundliche Entgegennahme für sich erbtttet. Tie mehr als 84 000 Beiträge, die der angeregten Landesspende aus allen Kreisen der Bevölkerung zuge,lossen sind, beweisen die Allseitigkeit des innigen Wunsches, m der gemeinsamen Kundgebung Ew. Königlichen Hoheit am heutigen Tage eine Freude zu bereiten.
Indem wir uiijere Gabe Ew. Königlichen Hoheit zur freien Verfügung überreichen, vertrauen wir, daß Ew. Königticist Hoheit geruhen wollen, mit ihr diejenigen Bestrebungen zu fördern, welche das Wohlwollen unseres Landesherrn als hierfür am geeignetsten erachten wird.
Möge es in solchem Sinne gelungen sem, ein neues Band der Liebe um Fürst und Volt zu schlingen zum Segen des von Gw. Königlichen Hoheit und alten treuen Umerianeu gleich geliebten Hesteniandes, das watte Gott. (Folgen die Unterschriften sämtlicher Kreisvertreter.)
Mit sichtlicher Rührung erwiderte darauf Se. König!. Hoheit der Gvvßherz^:
Meine Herren!
Viel Morte kann ich Nicht mochem Es ist nicht das Geschenk, sondern das Herz, mit dem es gegeben wird. Deshalb sage ich nur: Im danke Ihnen, meine Herren, ich danke Ihnen von Herzen! Sie werden alle wissen, was das heißt!"
Eine tieje Ergriftenyeit beherrschte bei diesen aus bewegtem Herzen kommenden Worten alle Anwesenden. Tann schüttelte der Fur'st dem Sprecher der Deputation tuieberljott die Hand und dankte auch jeoem Einzelnen mit warmem Händedruck.
Auf einem Prunktisch in der Mitte des Saales, in welchem die Deputation im Halbkreis Aufstellung genommen hatte, befand sich die von Prof. Olbrich-Darmstadt ent- worsene Truhe mit den mehr als 84 000 Namen der Spender, hach den drei Provinzen in drei Pergamentbänden geordnet, die Maler Csissarz mit künstlerischem Schmuck versehen hat. Die drei Bände füllen die über einen halben »Meter hohe Truhe fast vollständig aus. Sie bildet ein wahres Meisterstück der hessischen Kunsttischlerei und ist angefertigt und in dankenswerter Weise gestiftet von der Gluckert'sa-en Hosmöbelfabrik hier. Das ganze Kunstwerk ist in ausgewähltem Birnbaumholz in maitoraunem Ton ausgeführt und mit mehr als 200 Edelsteinen geziert; die beiden Turseiten hat Herr Haustein mit kunstvoller Malerei geschmückt, in der das Datum steht: „1. Januar 1904". Nachdem der Großher^va das Werk eingehend mit großem Interesse besichtigt uno feiner freudigen Anerkennung darüber Ausdnuck gegeben hatte, verabschiedete er sich in herzlichster Weise.
Gewiß hat jeder der Teilnehmer an der Deputation die sichere Ueberzeugung mit davongetragen, daß mit dieser spontanen und in so kurzer Frist ins Leven gerufenen allgemeinen Landesspende Sr. Kgl. Hoheit am Neujahrstage wirklich eine Freude bereitet worden ist — eine Tatsache, die sowohl die Anreger des schönen Gedankens, wie auch jeden Einzelnen der so überaus zahlreichen Spender mit aufrichtiger Genugtuung erfüllen wird.
Ein Zeugnis dafür, wie auch in den von den breiten Verkehrsarmsten abgelegenen Orten im Odenwald freigebige und mit fth e.ide Herzen für den Land S r.-en schlagen, ist 2"4 Ergebnis der Sammlung für die Großherzo^s.pende
Weaterßrand in ßl-icugo.
Noch sind die Nachrichten über aas große Unglück nicht vollständig und abgeschlosjen. Tie Verlustliste schwillt fortgesetzt an. Tas ürijeater war von ungefähr 2000 Personen besucht, unter denen sich im ganzen etwa 100 Männer befanden. Tie Ursache des Uugiuccs ist aus drei Gründe zurückzuführen: 1. war der As b e ft v o r h a n g nicht ich wer genug, sodaß er durch den Lufczug in den Zufchauerraum gerissen wurde. Tie Musi- kauten uno die Parterregä,te emuincn. 2. Tie Gange auf den Ba 1 konen und au| den (Gallerten waren von zu viel Stehplatz! n Habern ungefüllt, durch welche die Inhaber der Sitzplätze nach dem AuSbruch der Katastrophe die Ausgänge verstopft fanden. Tas Theater hatte im ganzen 3u Ausgänge, davon 20 allein in den oberen Stock- werten. Die dritte Ursache, daß so viele Personen um- tarnen, ist noch darin zu sucl)en, daß die eisernen Leitern außerhalb des Theaters noch nicht fertig waren. Viele Personen, welck-e diese benutzten, siürzten auf die Straße. Das Feuer entstand d u r ch d i e Funken eines platzenden Leitungsdrahtes. Gleiche- zeitig explodurre der Caleium-Apparat aw, . der Buhne und zer,wrte den elektrischen Belcuch^ungsapparat, sodaß das Lickst im Theater ausging. Mit Hilfe von Freiwilligen wurden die Leichen aus dem Theater hinausgeschafft. Die Stadt selbst erscheint schreckgelahnit. Die Läden sind geschlossen. Dem Stadtrat wurde in der Angelegenheit unbeschränkter Kredit gewährt.
Als das u-euer die Kulissen ergriff, stob der Chor auf der Bühne in wilder Flucht davon, einige Mitglieder sprangen in die Ligen uno in den Orchester.raum. Als das Publikum sah, daß vie Füllvorrichtung des ASöestvorhang^s versagte, ftürmte es den Türen zu. An den AuSgängen lämpslen die Fliehenden wie» die Wahnsinnigen, fobay dichte Massen eingekeilter Menschen Türen und Treppen verstopften. Die Feuerwehr mußte sich durch dichte Haufen brennender Opfer den Weg ins Innere des Theaters bahnen. Herzzerreißende Szenen ipieltLn sich dann ab. Eben ge- rctucte, halb verbrannte Mütter w. Ilten sich i»;eoec .n oa5 brennende Gebäude stürzen, um ihre Kinder zu retten. Eltern und Vettvandte jammeren ve.zlvcijemo h.liier bem unerbittlidjcn Wall der Polizei und kamps.en geradezu um Zulaß zu der BrandsckiUe. Die saMeidende SCuLe erhöhte die Leiden der Verletzten. Aua) mehrere deutsche Familien befinden sich unter den Leidtragenden.
Nach einer Neutermeldung aus Chicago war man auf der Bühne des Jvoquois-Theaters vor Schreccen unfähig, die Loscyapparate zu benutzen. Als ein kiestics F.ammen- banb er Ionen, wurden die Patentfeuerlöscher darauf gerichtet, aber ganz ohne Wirkung. Als man dann den AS- best-Vorhang hinunrertieß, druckte der Luftzug diesen gegen das PrQ.zenium, worauf die Theaterarbeiter den Vorhang auf halber Hohe Gängen ließen und dav-ouliefen. Trotzdem ^0 AuSgänge vorhanden w. ren, briingie sich das Publikum in ber Dunkelheit unb bem Rauch nur zu den vier Türen, die es murre. Wo Feuerleitern von außen on- gebraast waren, war der Zudrang so groß, daß viele auf
im Kreise Bensheim, das wir in einem Darmstädter Blatt im einzelnen lesen. Alsbach gab 35.50 Mark, Auerbach 228.30, Balkhausen 15.50, Beedenkirck)en 22.35, Bensheim 579.60, Biblis 54.50, Bickenbach 27.30, Bobstadt 13.80, Bürstadt 53.05, Elmshausen und Wilmshausen 14.65, Fehlheim 15.45, Gadernheim 18.05, Raidelbach 3, Gronau 7.20, Groß- haasen 13.40, Groß-Rohrheim 28.80, Hühnlein 20.40, Hochstädten 6.75, Hofheim 40, Jugenheim 67.20, Klein-Hausen 14.50, Kolmbach 3.10, Laudenau 11.35, Glattbach 4, Seideu- buch 2.70, Lampertheim 207.25, Langwaden 5.30, Fehlen 2.90, Rodau 22.95, Lautern 14.10, Lindenfels 60.85, Lorscb, 43.50, Nordheim 5.40, Ober-Beerbach mit Schmal-Beerbacy und Stettbach 19.85, Reichenbach 27.30, Schannenbach und Knoden mit Breitenwiesen 5.40, Schlierbach 5.30, Winkel 2.90, Leidenbach 1.70, Schönberg 8.80, Schwanheim 8.30, Seeheim 67.50, Wattenheim 3, Winterkasten 11, Zell 12.45, Zwingenberg 135.25, zusammen 1968.35 Mk.
Kem neuen Iayre.
-o Gießen, den 2, Januar 1904.
Dem allen Jahre ist das neue gefolgt, unmerllich für den Gang der Dinge, aber es ist wohl nickst nur ein längst gewohntes Herkommen, sondern ein wirtliches Bedürfnis des mensckstichen Gemüts, das neue Jahr im frohen Kreise mit guten Wünschen und Hoffnungen zu begrüßen, ihm wie einer neuen Gottheit zu opfern, bereit Gunst man >ich burch schöne Worte und Libation von Unmengen blistigen Punsches zu erringen hofft. Ein heidnisch aumutenber Brauch und man dachte wohl auch am späten Abend des letzten Tages des verflossenen Jahrrs unb am frühen Morgen des ersten Tages dcs neuen Jahres in der Feier- stimmung kaum daran, daß die so froy und hosfnungsvoll begrüßte Herrscherin nach kurzer Regierung wieder vom Throne steigen muß, unb daß das Fazit ihrer Taten dann erfahrungsmä|zig bedeutend kärglicher und unerfreulicher ist als das Füllhorn von guten Gaben, mit dem wir sie bei ihrem Einzug ausgepattet glaubten. Aber diese Erfahrung tut der immer erneuerten Erwartung nur selten und langsam Abbruch Ter Mensch ist gerade nach dieser Richtung besonders Ij-artnädig veranlagt. Noch am Grabe pflanzt er die Hoffnung auf. Und es wäre schlimm, , »s anäers. i*.>cre > . ,
Toch man täte allen denen, die auch diesmal feierten beim Jahreswechsel, Unrecht, wollte man nicht anerkennen, daß der Grundton bei all dem Jubilieren, wie sonst, zumeist wohl ernst gewesen sein wird, denn selten fommt das Bewußtsein der Vergänglichkeit menschlicher Tinge so allgemein zum Bewußtsein, als wenn mit einem Glockenschlage die Jahressumme von Arbeit unb Ecfolaen, von Glück und Freude, oft noch mehr von Sorgen und Leid und Enttäusckp ungen eiibgillig der Vergangenheit angehört. Da gilt es, sich nicht in Erinnerungen zu verlieren, sondern mit einem heiteren, einem nassen Auge resolut den Sckstitt in die Zukunft mitmachen, zu neuem Hoffen, neuem Schassen, neuem Leben.
Aua.) die Politik des neuen Jahres wird ihren Schwerpunkt für uns Deutsche in den wirtschaftlichen Fragen zu suchen'haben, und Kampf wiro auch hier wieder die Losung sein. So notwendig nun dieser Kampf ist und so wichtig und bedeutsam die Objekte sind, eins mochte man doch wünschen: daß er mit mehr Sachlichkeit und Rit t e rilich ke it geführt werden konnte.
Im Auslände i|r viel die Rede von anderen Kämpfen, von bevorstehenden Kümpfen mit den Waffen. Im äußersten Osten Asiens und in M i 11 e l a m e r i k a fleht man bis an die Zühue Mwappnet da. Wieder wird es, aller Voraussicht nad)v hier wie da ein mörderisches Blutvergießen werden, komnit^s wirklich zum Kriege. Man lchrte sogar von der Erfindung einer neuen, besonders greuliche Wirkungen hervorrufenden M i t r a i l l e u s e.
Christen sind es, zum größten Teil wenigstens, die diese Kriege vorbereiten. Mer wahrlich nickst ist es ihnen darum zu tun, die christliche Heilslehre und mit ihr die Kultur zu verbreiten. Tenn das eine ist mit dem anderen verbunden; man kann auch unsere Kultur nickst ausbreiten, ohne das Christentum auszubreiten. Unsere gesamte Kultur ist in tausendjähriger Entwicklung mit dem Christentum und durch das Christentum erwachsen. Man kann die Kultur nickst cmsbreiteu, ohne den Austausch der Güter, den Handel zu fördern. Kultur ist die Beherrschung der Natur durch den menschlichen Willen. „Machet die Erde Euch untertan" ist ein göttlicher Befehl, der nach den Urkunden der Religion an die ersten Menschen erging, und der Aiensch tourte seinem Berufe untreu werden, wenn er je aufhören wollte, -die Schütze, welche die Erde hegt, die natürlichen Kräfte, feie an sie gebunden sind, sich zu unterwerfen. Er soll auch den Widerstand de? Raumes überwinden und das, was die Natur an einer Stelle hervorbringt, nutzbar machen für alle. Zwischen den Geboten der Religion unb den Anforderungen des Handels besteht kein Widerspruch; sie stehen mit einander in vollem Einklang.
Müssen aber durck)>aus die Handelszwiftigkeiten — denn sie sind doch im letzten Grunde die Haupttriebfeder der KriegSberelli'chaft in Asien und Amerika — mit den Waffen gcschlicytet tverdcn? Freilich, es ist in der Vergangenheit ünmer so gewesen, und wir wissen nickst, ob und wann der Zeitpunkt eintreten wird, wo es anders sein wird. Der Handel ist mit den Vorsckstisten der Religion vereinbar, der Kiäeg nickst. Wo ein Krieg ausbricht, ist dar stets ein Beweis dafür, daß der Mensch den sittlichen Aufgaben, die ihsn gestellt sind, untreu geworden ist, daß die angeborene Rvlstll von der Kultur noch nicht aufgezehrt ist.
Wir wünschen, daß das neue Jahr das Seine dazu beitragen nwge, eine Zeit Herbeizufuhren, in der es dem Akenschen möglich wird, die Segnungen der Kultur aus


