Dienstag 1. November 1904
General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Eichen.
Äxutojys
QMM»
Ferdmanü.
(Fortsetzung folgt.)
16. Jahrhundert
ktnntniS utib der immer m< Erzeugnisse deS Oldenburger
RotanonSdruck und Verlag der Brühl'fchen UrttversttätLüructeret. St. ßang€r Gceßea.
Redaklwn, Expeduion u. Druckerei: Schulstr.R. Tel, Nr. 51. Letegr.-Adr. r Anzeiger Greß«,
v Tragödie ans dem Aattorisiertc lieber*
Aer Kusstaud in Z>eupch-SüdwestafriLa.
Generalleutnant v. Trotha telegraphiert aus Windhuk: Die zweite Ersatzkvmpagnie unter Krüger griff mit 57 Gewehren em schließlich 19 Mmrn Per Feld- telegraphenabteilung aml 27. Oktober den Feind Lei Packrim an. Sie gewann von ihrer ersten Stellung aus 800 Meter Terrain, ging dann auf die Harcdpserde zurück, als der Feind diese mit 30 Reitern bedrohte. Der Feind wurde aus 100 Gewehre geschätzt; er verlor drei Tote. Krüger blieb in der Stellung zwischen Kub und Pockrlln. Nach dem Eintreffen der zloetten Kompagnie des Regi- ments ist ein erneutes Dorgehen aus Packrinr angeordnet.
Bein: Gefecht bei Puckrün ist gefallen: Gefreiter Na- wotka, ferner verwundet: Reiter Juergens (Fingerblessur).
Jin Lazarett Waterberg sind am Typhus verstor- Len : Aan 22. Oktober Wachtmeister Wei gelt; am 25. Oft Reiter Henrp-el, Reiter Schreiber. Wer miß t werden: Steiter Zoske vom Wagentransport am 9. Oktober zwischen Owikokorero-Otfimbiirde abgekvrMnen; Reiter Ungerer am 25. Oktober in Okosongoho am Typhus gestorben.
Nach Mitteilungen der Chamber os Mines in Johannesburg rvurdeu cun 26. Oktober 12006 chinesische Kulis am WiüvaterSraud beschäftigt, während sich aus der Reise nach dort 6438 Kulis befanden, deren Ankunft gegen Ende November erloartet wird.
„In der Lat, er machte mir eine dahin zrelcude Aw, deutn^^^ (~|e lVüI)( f __ Sie führen seine Lrümdis*rrg«t noch als Beiveisc an?"
„Mer, was soll ich tun?"
„Tie Wahrheit erforschen — aber nicht auf dem von Ihnen eingeschiagtmm Wege, hatten Sie sich mir heute morgen schon ossenbart, dann wüßte ich schon alles — und Sie ebenfalls. Tenn dann würde ich Sie nicht für den frühere« Geliebten Mariens — Der:Has loollte ich sagen — gehalten haben und nnirbf mich nicht geschient haben, für Marie — Bertha — eingetreten zu sein. Ich würde für sie gesprochen haben, wie ich jetzt gesprochen habe. Ich würde sie gebeten haben, sage mir die Wahrheit — und sie hätte mir die Wahrheit gesagt, darauf schwöre ich."
„Und nun?"
„Und nun ist sie entflohen — aus Furcht, aus Scham, aus Golt loeiß was für Beweggründen! Sie ist entflohen, wer weiß wohin! Gott gebe, daß sie sich in ihrer Ratlosigkeit nicht ein Leid angetan hat. Gott gebe es — uns aber bleibt nichts weiter übrig, als sie juchen — und das mich zu dieser Sttnroc!"
Mit einer energischen Bewegung setzte er sich seine,: Hui auf und stampste hinaus. Ferdinand blieb nichts anderes übrifl, als ihm zu folgen.
Aber draußen war es finstere Nacht geworden. Uebcr dem Walde zogen schwarze Woltenballen empor, ein heftiger Wmd sauste in den Äonen der Bäume und in der Ferne grollte der Tonncr in dumpfen Lauten Einzelne Regentropfen klatschten bereits nieder und es ließ sich voraussehen, daß bald em Platzregen niederrauschen würde. , m ,
„Eü ist vergeblich, in dieser Nacht »u suchen, frerr Nal , jagte
„ _ . Preußen und seinen
Sohn, den König von Württemberg, die Großherzoge von Hessen und Sachsen-Weimar und die Prinzen von Baden und Hessen und vor eine viele Tausende zählende Repräsentation des evangelischen TeutMands, ja aller evangelischen Krrchvn der Erde trat.
36 Jahre sind seitdem vergangen: was haben wir nicht alles erlebt in dieser großen Zetz! Mer die heutige Versammlung beweist, daß noch nicket alle berechtigter: Wünsche und Ansprüche des evangelischen Deutschlands erfüllt sind. Zwar die Glaubensfreiheit, die uns Luther hier erkämpft, sie ift uns erhalten geblieben, und der Tag von Speyer hat vor zwei Monaten der Wertschätzung dieses Gutes einen neuen monumentalen Ausdruck gegeben, freute richten wir am liebste« unsere Blicke auf die dritte Fraucngestalt, die bekennende Augsburg mit der Palme
EnUoicklurrg ber ßonbttrirtfd)att während deö Berichtsjahres im roßen winb ganzen in ban im Vorjahre gezogenen 6 Uten Gleise verblieb. Fleißige Arbeit, wachsende Sacher sich sestigende VLuf der : Landes habet: dazu beige-
Es folgt Professor Mar? auS Franffurt a. M. Ter Redner erinnert unter Betonung seiner persönlichen Beziehungen zu Worms au die Vorgänge in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, an die Zeit von 1851, wo Worms noch eine Keine, stille Landstadt war, an 1860, wo der Bischof v. Kktteler und der Minister v. Talwigk den Bund des Ultramontanismus und PartikularismuS darstellten, an 1866, wo dies System zusammenbrach und in den Vorbereitungen zum Lutherdenkmal ein Symbol deutsch-evangelischer Wiedergeroinnung der nationallm Einheit erstand: endlich, an den 25. Juni 1868, wo das herrliche Kunstwerk enthüllt wurde, wo der eherne Luther und sein Gefolge zwar nicht vor Kaiser und Reich, aber vor König Wilhelm von
tarnen Walde vorgefallen ist r Nur em Richter weiß cs und er wird es am den Tag bringen nach fcuiem unersorschllchen ^^Ler^Amtsaerichtsrat tvar von Keiner, etwas korpulenter Gestalt und besaß durcl)aus kein imponierendes Aeußere. Als er Fch aber jetzt emporrichtete und mit feierlich erhobener Hand znm Himmel nnei, da mußte Ferdinand unwllllurllch mit scheuer Ehrfurcht auf den Keinen Mann blicken Tie Gewalt festen, unerMtterlichen Glaubens übte auf ihn einen nicht zuruck- zndrängenden Einfluß aus. „ . . .. . ,
„Ich gebe zu", sagte er, „meine Verdachtsmomente sind noch keine vollgilligen Beweise " c
Nein sie sind es in der Tat nicht", unterbrach ihn lebhaft der &at Wissen Sie, was mir meinen Beruf verleidet hat? Wir hatten einen armen Teufel von frandwerrsburschen ans Indizienbeweis hin zum Tode verurteilt — wegen eines Raubmordes — zum Glück wurde er zu lebenslänglicher Zuchthausstrafe begnadigt, wir hätten sonst einen Justiznwrd auf dem Getvissen. Nacktem der Unglückliche fünf Jahre im ZuckMaus gesessen, wurde der wirtliche Mörder entdeckt! Seit jenem Tage war mir mein Beruf verleidet. Ich tonnte den Gedanken nicht ertragen, auf Indizienbeweis hin wieder einmal einen Umänll- digen verurteilen zu müssen - und ich nahm meinen Abschied, fratte man nicht auf Indizien hm auch Sie beinah zum Brudermörder gestempelt?"
Ferdinand sprang empor.
„Sie haben Recht! Bei Gott, Sie haben Recht!"
„Was wollen Sie mit diesen armseligen Indizien der beiden aleicken Rinne? Beweisen Sie Ihnen Nicht nur, oaß Bertha war? 'Las wollen die Entdeckungen dieses sauberen Herrn Nengbaur besagen? Beweisen sie Ihnen nicht, daß solche Art Leute stets nur das ^ck>leKe suchen und hüben wollen? frat diesser freie nicht auch örauleinjbollmar verdächtigt? c\Ql ich wette, er hat auch einen Verdacht auf Sie selbst geworfen, da Sie seiner Untersuchung so plötzlich cm Ziel setzten, oebi kenne diese Art."
Aer King.
Krimincu-Roman von O. Elster.
(Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung.)
„Ein ergreifendes Gemälde — in der Tat!"
„itriii Gemälde, Herr Groller, sondern Wahrheit, lautere Wahrheit. Icy selbst fand die Unglückliche dem Tode nah im Geist- e. Ich bradxte sie hierher, das übrige wissen Sie. Aber Sie willen vielleicht nicht, daß ich dem Leben der Unglücklichen nachgeforscht habe und alles, was sic mir sagte, bestätigt gefunden habe. Nur über ihr früheres Leben sc^meg sie und ich sand es begreiflich, daß sie darüber nicht sprechen mochte. Ich afcinnte den guten Kern in diesem verlassenen, unglücklichen faiädckjen, mich dauerte ihre Verztoeiflung, ihre Angst, ihre Sck^m, ihre Reue, ich half ihr. Aber sie wollle außer der ersten frilfe nichts von mir anuehmem Sie wollte von ihrer Arbeit leben und auch meine erste frilfe zurückzahleu. So toie es ihre Kräfte jyr wieoer erlaubten, snckste und faiib sie Arbeit in der großen Spinnerei am jenseitigen Ufer des ^ack-es. Sie gestattete mir nur, dqu ich ihr die Erlaubnis erwirkte sich hier niederlassen zu dürfeti, ohne daß sie freimatschein und Ausweispapiere bei» brachte. Tann hat sie sich selbst aus dem Eiend emporgearbrilet. Ich konnte ihr nur Helsen, indem ich dieses tauschen kaufte, es für meine Aedüiinisse einrichtete und sie als Mieterin und zugleich Wictschafterin darin beließ. Ich habe keine redlichere, ernstere, fleißigere und frömmere Frau kennen gelernt, frerr Groller, um» diese Fran sollte die Mörderin des Baters ihres Kindes sein? Nein uno tausendmal nei»!"
„Aber jene Beweise —"
„Beweise hin — Beweise her! Ich habe Hunderte von Be- nust cn bis auf bin I-Punkt durchführen sehen, und doch waren sie Uicht richtig! Wer weiß, was in jener Mordnacht in dem chv-
Ueber die Erfolge der Schweinezucht lauten die Berichte verschieden. Besonders charakteristisch ist hierfür die Äeußerung der Miesbjadener LanowirtschastS- üamnier, wonach sich 'auf dem Gebiet der Schweinezucht im Berichtsjahre naturgemäß die Ueberproduktion an Schweinen aus dem Jahre 1902 nach jeder Richtung bin bemerkbar gemocht habe. Auch sonst wird sestaestellt, oaß die Bermehrung der SchweinebestSnde namentlich jener zur Fleisch- mmh Speckproduktion sich in dem Sinkern der Preise gegen Schluß des Berichtsjohres äußern mußte. Andererseits erfährt Iman aber auch» dnß, wie z. B. in den Regierungsbezirken Magdeburg Und Merseburgs j^er Bestand an Schweinen beständig und erfren-llch ^ui^aym, während dies bei den Schweinen in dem Regierungsbezirk Erfurt nur bis zum Jahre 1300 der Fall war. Westpreußen berichtet, daß zur Hebung der Schweinezucht seitens der Kammer 84 Eber der besten Vollblntzuchten der Provinz zur Ergänzung und Neueinrichtung von Zuchtstationen angekauft und an landwirtschaftliche iBereine abgegeben seien. Drandenburg berichtet, daß das erhebliche Anwachsen der SchtoeinebesÜnde zum Stillstand toxnv daß aber trotzdem bezüglich der Qualität der ZuchtLiere in der ganzen Provinz ein wesentlicher Fortschritt festzustellen seü
Die Geflügelzucht hat sich dagegen noch immer nicht der Pflege zu erfreuen, die im Interesse der Sache wünschenswerr wäre. Für Eierverkaufsvereinigungen zeigt die ländliche BevMerung, so berichtet Brandenburg nwrllich, nicht den rechteri Sinn. In Mel besteht eine Zentrat-Eierverkaufsstelle.' Neuerdings ist eine solche auch in Hamburg eingerichtet worden. Derartige Ein- rid)hingen verdienten an möglichst vielen Stellen nachgeahmt zu werden.
Ueber die Arbeiterverhältnisse wird geklagt. So berichten z. B. die Vereine von Greifswald, Lauenburg und Köslin, daß von einer Besserung nichts zu bemerken sei, die Arbeiternot sich im Gegenteil fortgesetzt vermehre. Tie Arbeitsnachweisstelle Kiel hat 1903—04 insgesamt 1157 Stellen besetzt gegen 1183 im Borjahre. Vereinzelt bricht die Erkenntnis durchs daß auch von feiten der Arbeitgeber mehr für die Berbefserung dieser Verhältnisse getan werden konnte, daß insbesondere die Arbeitsnachweise aller Landwirtschastskarnmern gemeinsam handeln müßten. Die Einberufung einer Konferenz der Wertrete.r aller Arbeitsnachweise bei der Zentralstelle der preußischen Landwirt- schastskan-nnern wurde demgemäß angeregt.
Faßt man den Gescunteindrnck der ^richte zusammen, Lergibt sich, daß Erfolge zumeist da erztelZ: wur- , wo man in erster Linie auf die eigene Kraft vertraute uni) nicht alles von dem Staat erwartete^ Damit ist zugleich der gewiesen^ den die Landwirtschaft in Zukunft gehen mu& wenn sie vorwärts kommen
tragen, daß trotz vrancher ungünstigen Umstände- diese erfreuliche Enlloickelmig innegehaUen werden konnte. Die Preise für die wichtigsten landwirtschaftlichen Erzeugnisse waren Im Durchschnitt besriedigerid.
Von der au her ordentlichen Notlage, wie Pe so ost. behaupret worden ist, (assen die obigen Mitteilungen vichts erkennen. Noch weniger trostlos stellt sich die Sache bar, trenn man speziell die Ergebnisse der Rind- v ich zücht ins A^vge faßt. Aus Oftvreußen wird berichtet, daß die Fortschritte, die die Rinvviehzucht in allen Teilen des iVereinsbezirks aufzuweisen hat, „re ch t e r fr e u- l i ch" sind, lleberall machen sich eine bessere Haltung, Ernährung und größeres Verständnis für das Auf stellen guter ^iütetriere geltend, wie auch die große Zunahme der Stier- l ittungsgnmssenjchasten zeigt. Die Landwirtschaftskarnmer für Westpreußen förderte die Rindviehzucht in erster Linie gleichsallS durch Verteilung guter Zuchttiere. Die Ans- s^lutng der deutschen Landwirtschaftsgesellschaft,^ welche im Jahre 1903 zu Hannover stattfand, wies vielfach „ganz hervorragende Erfolge" auf. Der Jahresbericht des land- wirlschafllichen D^eisousschusses für Schwaben und Neuburg besagt wörtlich: „Bst der guten F-utterernte des Bor- und Berichtsjahres, den guten Preisen für Zucht-, Arbeits-, und Schlachtvieh, dem milden Auftreten der Maul- und Klauenseuche, der steigenden Ütachfrage nach Kieh jeder .Art und den nioderw Getreidepceisen machlL sich im 9tordf- und Mittelschwaben eine rege Tätigkeit in der Viehzucht und Viehhaltung bemerkbar, sodaß zurzeit wohl alle Stallungen voll besetzt sind."
Livischer eVaogett^cher KPAodalmg in ZöocMS.
r. Worms, 80. Ott.
freute ,Samstag abend um 5 Uhr, wurde der 1. Deutsche evangelische Synodattag mit einem Gottesdienst hi der Dreifältig keitsttrche eröffnet. Das gegen 4000 Personen fassende mächtige Gotteshaus war bis auf den letzten Platz von einer andächtigen Gemeinde und den aus allen Teilen Deutschlands herbei- geeilten Synodalen gefüllt. Gewaltig braustt von der berrllchen Orgel geleitet, her Gesang der großen Bersammlmig, vesonoers das alle Trutz- und Kampsliri) „Gin feste Burg" durch die Kirche. Trefflich stimmte dazu die grist- und kraswolle Predigt, die Pfarrer Beesenmeher über Diatth. 17, 20 hielt, worin er aus führte, was unsere evangelische Kirche in dieser Zeit bedroht und was ihr hilft. Wenn auch Lucher nicht die Riesenaufgabe gelang, den römischen Geist völlig zu bannen und unser ganzes Volk in einer evangelischen zusammenzuschließen, so hat feine alaubensmächtige Perionllchkrit doch die Kirche^ des Evangeliums für Jahrhunderte in den Mittel-unll des deutschen Volkslebens gestellt und protestantische GlaubenSsreihett zum Mutterboden für unsere ganze geistige Kultur gemacht. Es ist nicht der Geist einer tatholischen schlickten Frömmigkeit, gegen den Geist, der die Frömmigkeit zu wellli.chen Machtzwecken benutzt und in dem nur teri all frischen Zeitgeist' einen mächtigen Bundes- aenofsen findet, liegt die frilfe allesi im chriMch-reformatorischep. Glauben.
Um 6y2 Uhr tagte der erweiterte Arbeitsausschuß. Um 8 Uhr vereinigten sich die Synodalln mit den Mitgliedern der Wormser evangelischen Gemeinde zu einem Begrüßungsabend im Zivils kasino. Tort begrüßte Oer Vorsitzende des Arbeitsausschusses, Generaldirektor Tietze aus Frankfurt a. M. Ue Bersammllmg mit folgender AnsprachL:
Geehrte frerren! Im Namen des „Frankfurter Arbettsaus- schusses begrüße ich Sie, die Sie heute seiner Einladung hier nach Worms, der alten Lutherstadt, so zahlreich gefolgt sind. Gleick>wie Luther vor Jahrhunderten die evangelischen Grundsätze gegen das ganze Reich oerteibißt hat, so gilt es letzt, das eL-anHelische Bewußtem wachzurufen im deutschen Volke, um gemeuqam vorzugehen zum Schutze unseres evangelischen Glaubens. Wir wollen keinen stampf gegen Andersgläubige, aber protestieren wollen wir gegen Die unwürdige Beschimpfung unseres Glaubens und unserer Resor- mawren. Die bisherige Zersplitterung und Gleichgilligreit so vieler Evangelischen ist die Ursache, daß die Interessen der evangellschen Bevölkerung im Reichstag, Landtag und Gemeindevertretungen bisher nicht die gebührende Beachtung finden. Tie Regierungen bedürfen einer kräftigen protestantischen Unterstützung. Der Kirchenausschuß kcum diese allein nicht abgeb eit und deshaw wollen wir ihm in dem synodalen Element eine volkstümliche Stütze geben. Auch die freien Vereinigungen wie Gustav-ÄLolfsverein, Innere Mission, (Äangclischer Bund tc. können sich nicht direkt polillsch betätigen, weil sonst für sie die Gefahr besteht, als ,wolttischer" Verein anaeseben zu werden und dadurch möglicherweise ihre Existenz gefährdet werden könnte. Wir hoffen, daß durch dtese erste Tagung ein dauernder Zusammenschluß zunächst der Synodalen Deutschlands angebahnt wird und dadurch einem engeren Zusammenschmß aller Protestanten die Wege geebnet werden. Jeder evangelische Christ, der diesen Namen mit Recht trage» will, ist verpflichtet, an dieser Sache nritiuarbeUen.
Oberbürgermeister Kühler von Worms erwidert darauf bat Gruß im Namen der Protestanten der Stadt Worms. Er wünschte, daß dieser Tagung gelingen möge, was Luther nicht vollende» konnte: die Linigkell der Protestanten zu besiegeln.
Dekan Benemann aus Worms entbot den Gruß der tiwm* gelischen Gemeinde Worms an die Gäste, einen „mannen, hoffnungsvollen, dankbaren und segnenden Gruß".
der sLandwirlschaft.
Die jetzt endlich bekanntgegebenen Berichte der deutschen ^andrvirtschastskmmnern für 1903 huLen den Charakter der Objektivität gewährt. Der Jahresbericht der Landwirt- schaftskanrmer für die Provinz Pommern bezeichnet die Ernte 1903 in feinem Bezirk trotz der Unbilden der Wllter- ung „im ganzen als befriedigend^ und zwar fast in allen Getreide- und Futderarten. Nur wurde die Bergung durch bas feuchte Weiter erschwert und litt die Obsternte unter einem yeftigen Sturm am 10. September, der viele Früchte von den Bäumen warf. Bezeichnenderweise wird die wirtschaftliche Lage der Rentengutsbesitzer mit ganz geringen Ausnahmen als durchweg günstig charakterisiert, — ein weiterer Grund für die energische Fortführung der inneren Kolonffcriwn. Aus der Provinz Posen weiß die dortige LandwLrffchsftSkannner von einer Ernte zu berichten, die in Bezug aus Quantität und Qualität bedeutend btzsser als in dem Worjahre war.
Am R bein waren die Ertrüge des Winterroggens rechü befriedigeud, während der Wsizeu durch starkes Auswinterrn» weniger günstige Resrrttüte zeitigte. Mr den Wainbau gehörte das Derichtsjahr 1903 hinsichtlich des Ertrages zu den günstigeren.
Für Schleswig-Holstein war bad Jahr 1903 ein nasses. Die WiritersLaten hattmi im Winter mit Ausnahme der Ortsaat ziemlich finrk gelitten und mußten zum. großen Teil untorgepslügt werden. Tas Sommergetreide litt unter der Wttterung und konnte vielfach nicht gut mtb trocken geborgen werden. Was die Menge anbetrifst, so kann inbeffen die Ernte im allgemeinen als Mittelernte' bezeichnet werdeu.
Im Königreich Sachse n konnte die Getreideernte befriedigen. In manchen (Mgenden war sie in Bezug aus den Körnererkrag sogar feit einer Reihe von Jahren die beste. Nur verlor sie an Bedeutung für das Gesamtergebnis dadurch, daß die Preise der Brotfrüchte einen verhältnismäßig niedrigen Stand bewLhalten und der Haferbreis bis gegerc Jahresschluß einen sehr erheblichen Rückgang erfuhr. In erfreulichem Gegensatz hierzu wurden indes für die Erzeugnisse brr Viehhaltung, abgesehen von der Milch, im J.ihcesdurchschnitt zufriedenstellende Preise erzielt. In ^Lgeucechnling ist dabei allerdings der hohe Preis für Kraft- fullermittot zu stellen, die die Züchter wegen der nicht allertthakben befriedigenden Futtererrrte in größerem Idn- iauße hinzukaufen mußten.
Der Jahresbericht für Oldenburg konstatiert, daß die
Nr. £57 Zweites Blatt. 154. Jahrgang
vrlchev« t»g»ch mit «u-nahm-d«, vomttag«. x, a
®te „6le8e«t S«m«knblltter- werben dem |N| PKP|| J'S Hl A OP ft
»Anzeiqer viermal wöchenlUch beigelegt. Der UM M HR. SM JL ZI ß dj M U U, U ll it,
tanbwirt* erfcheint monatlich einmal. V” ßä V ** w M v V'


