Nr. ÄS7
Erstes Matt.
154. Jahrgang
Dienstag 1* November 1904
Amts- und Anzeigeblalt für den Kreis Giehen
GÄuIstratze T, sibrefie für Depeschen, Anzeiger Giests«. .^ernspro^anschluyKr 61
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©rlOxittt tügltch außer Sonntags.
Dem Gtehener Anzeiger werden im TOed)fe( mit dem Kesfischen Landwirt die Gießener Familien» blätter viermal in der Woche beigelegt.
Rotatioasdruck u. Verlag der Brühl 'scheu Ünivers-Buch-u. Steindruckerei. 9t Lang«.
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LuSrvärt« 20 Ptg.
Verantwortlich tür den poilt und augem. Teil: P. Wittko; für ,6tabt und £anb* und .GerichtSsaalE: August Goetz; für den Anzeigenteilt HanS Beck.
Die heutige Wummer «mfaßt 8 Keile«.
3 dm stoninn«, umio megr i,r ra nCT(ra An das südlich Dom Dorfe Utfm e ’ wSmnnh Xr ‘t1 cr am allernächsten herangckomwen.
enghschm Frrmen. Niemand aberl , . .. ,, s s;c
Der Krieg zwisSen Japan und Wußland.
Au8 der Mandschurei.
Mukden, 31. Ott. (Reuter.) Nach 'einer Ruhepause von mehreren Tagen begann gestern nacht in Südosten eine Kanonade mit schweren Geschützen und dauerte bis zum Morgen. Zwischen den Au fttarunas truppen finden Kämpfe statt. Die Javaner überschritten den Sch ah o südöMch von Mukden. Man erwartet, d-aß noch in dieser Woche eine große Schlacht entbrennen wird. General Kuropatkin führt dauernd den Oberbefehl und ist mit der völligen Umgestaltung des' Heeres beschäftigt. — Statthalter Alexejew ist gestern nach dem europäischen Rußland abgereist.
Petersburg. 31. Okt. Kuropatkin meldet dem .Kaiser unterm 30. Oktober: In der Nacht zum 30. ds. sind keine Meldungen über Kämpfe in der Front der Armee eingegangen. Es wurde bemerkt, daß der Feind seine Streitkräfte von Westen nach Osten verschiebt. Wie gemeldet wird, erhalten die Japaner von Süden und von Fbnghwang- tscheng Verstärkungen. Man kann aus Grund dieser Meldungen darauf schließen, daß die Japaner die Aufstellung ihrer Truppen beenden, um zum Angriff überzugehen. Am Tage ist das Wetter ziemlich warm, nachts aber erreicht die Kälte sechs Grad. Der Gesundheitszustand der Truppen ist gut.
Petersburg, 31. Okt. Die Ruff. Tel.-Ag. meldet aus Mukden vom 31. Oktober: Am 29. und 30. Oktober
Die AwIschenfäEe in der Aordsee.
Vom deutschen Dampfer „Sonntag".
Ueber den russischen Angriff auf den deutschen Fisch- öcmrpfer „Sonntag" äußert sich auch 'heute die „Nordd. Mlg. Ztg." nicht. Auf die Darlegung der Vorgänge von beteiligter Seite ist zunächst dem Vernehmen nach 'von Berlin aus eine Untersuchung eingeleitet worden. Auf Grund des Resultats erfolgen die diplomatischen Schritte in Petersburg. Voraussichtlich wird der Zwischenfall eine baldige Erledigung dadurch finden, daß die ruffische Regierung die von dem deutschen Rheder erhobenen Schadenersatzansprüche in entgegenkommender Weife zu erfüllen verspricht.
Die internationale Untersuchnngskommisfion.
Das Bureau Reuter erfährt: Zwischen En gl an d und Rußland ist der Abschluß eines Sonderab kom ens zum Zwecke der Einsetzung einer internationalen Untersuchungskommission, welche die Tatsachen, bei dem Zwischenfall in der Nordsee feststellen soll, im Werke. Tas Verfahren, der Umfang und die Vollmachten insbesondere hinsichtlich des Vorgehens, das auf Grund der Ergebnisse der Kommission einzuschlagen ist, werden sorgfältig erwogen. Man hoffe, daß das Abkommen innerhalb einer sehr kurzen Frist unterzeichnet wird, und hält es sehr wahrscheinlich, daß die Kommission aus hohen juristischen Persönlichkeiten neutraler Nationalität, die von Marinesachverständigen unterstützt werden, bestehen wird. Wenn die Voruntersuchungen, die in Hüll und Vigo von den englischen und russische Behörden angestellt werden, beendigt sein werden, werden die Abgeordnete, welche England und Rußland vertreten, vor der internationalen Kommission erscheinen, um den Fall zu begründen und die Zeugen, wenn nötig, vorzubringen, welche einem Kreuzverhör unterworfen werden. Der Ort des Zusammentritts ist noch unbestimmt. Er wird voraussichtlich in Frankreich sein.
Die russischen Offiziere bleiben dabei, daß bei Hüll auf Torpedoboote geschossen worden ist. Sie hätten einen Dampfer mtt drei Schornsteinen gesehen.
Die Beschießung des skandinavischen Dampfers.
Ueber die Beschießung des schwedischen Dampfers „Aldebaran" hat der Kapitän desselben einen Bericht erstattet, in welchem über den Hergang folgendes gesagt wird:
Die schwedische Regierung hat sofort nach dem Bekanntwerden dieses Vorfalles den Bürgermeister zu Gefle, wo der „Aldebaran" inzwischen angekommen ist, zu einem genauen Verhör der Mannschaft angewiesen und schleunige Ueberskndung des Protokolls befohlen.
Auch ein norwegisches' Schiff,, der Dampfer „Skaatö", ist am Sonntag im Kanal von einem russischen Kriegsschiff beschpssen worden. Ws der Dampfer die norwegische Flagge hißte, hörte die Be- schießung auf und gleich darauf passierte „Skaatö" noch 18 andere russische Kriegsfahrzeuge.
„Aldebaran" befand sich am Freitag voriger Woche auf der Reise nach Gefle etwa 90 Secnkeilvn westsüdwestttH von Hems- tholmen im Skagerack, als man um 10 Uhr abends ein gröberes Kriegsschiff bemerkte, welches schnell näher kam. Infolge des intensiven Lichtscheins von den Scheinwerfern des letzteren lohnte die Nationalität desselben nicht festgestellt werden, Kriegs- schiff schnitt den Kurs des „Aldebaran "so nahe, daß dreier, um eine Kollision zu vermeiden, abweichen mußte, und glerch darauf schoß es einen scharfen Schuß auf den Dampfer: ab, ohne zu treffen. Auf dem „Aldebaran" wurde sofort die fwwe- dische Flagge gehißt und die ganze Besatzung kam auf Teck. Ein Signal wurde von niemand bemerkt, dagegen waren die Scheinwerfer während der ganzen Besä-i-eßung uuansgesetzt auf den Dampfer gerichtet. Bald begann das Kriegsschiff den letzteren mit einem wahren Kugelregen zu über?chütten, obwohl der DsMpfer sofort seine Maschine strpvte. Nach etwa zehn MmÄen Wte die Beschießung auf und die Mannschaft, welche sich unterdessen unter Teck geflüchtet batte, glaubte nun die Rcrse fort- setzen zu können. Kaum hatte sich jedoch der Dampfer m Bewegung gesetzt, als abermals die Beschießung begann nrt-S wieder zehn Minuten lang fortgesetzt wurde, ms das WrregA- schiff Plötzlich sämtliche Lichter löschte und im Dunkeln verschwa^. Das Resultat der Beschießung war gleich Null. Obwohl manche Geschosse unmittelbar neben oder vor dem Dampfer nnschlugen, wurde dieser letztere doch nicht getroffen und die Besatzung kam mit dem Schrecken davon.
ihnen verdenken, wenn sie im Hinblick auf die an den Hüller Fischern verübte Brutalität es ablehnen, den Russen Kohlen zu verkaufen.
Im Effekt untersagen schon die völkerrechtlichen Vorschriften den neutralen Mächten, Schiffen kriegführender Varttten die Kohlen zu liefern, deren sie bedürfen, um auf den Kriegsschauplatz zu gelangen. Solange der Kriegszustand besteht, sind denn auch weder der einen noch der anderen Machet von einem nenttalen Staat Kohlen geliefert worden. Beide haben ihren Bedarf an Heizmaterial vor Ausbruch des Krieges gedeckt, und Japan ist überdies in der Lage, die Vorräte aus dem eigenen Lande zu ergänzen. Andererseits ist dir wochenlange Untätigkeit des Bart Arthur- wie des Wladiwostok-Geschwaders aller Wahrscheinlichkeit nach auf Kohlenmangel zurückzusühren, da das Unterdampfhalten der Geschwader einen gewaltigen Verbrauch an Feuerungsmaterial erfordert. Die neuttalen Machte sind völkerrechtlich nur verpflichtet, Schiffen kriegführender Parteien soviel Kohlen zu geben, als notwendig ist, den nächsten Heimatsbasen zu erreichen. Das würde vom englischen Standpimkt ans für die Schiffe d^s baltischen Geschwadms ein Hafen am Schwarzen Meer sein. England ist im staatsrechtlich" Sinne Rußland gegenüber ein neutraler Staat. Aber man da 7 jetzt hier wohl von einer übelwollenden Neutralität spreckxm. die eine völkerrechtliche Verpflichtung, den russischen Schiffen Kohlen zu liefern, überhaupt nicht anerkannt.
Die Aussichten für das baltische Geschwader, <ntf der weiten Fahrt nach Ostasien seinen Kohlenvorrat regelmäßig ergänzen zu können, finb also wenig günstig. Tenn es ist auch in Betracht zu ziehen, daß Kohle als Kriegskonttebande gilt, und daß Kohlendampfer mit der Zustihrbestimmung für das russische Geschwader sich der Gefahr ausfetzen, von den Japanern beschlagnahmt zu werden. Wie die Tinge liegen, steht die Hoffnung der Ostleeslotte bei dem verbündeten Frankreich Wenn es den. russ. Schilfen gelingt, in der Ergänzung der Kohlenvarräte sich bis Madagaskar durchzuwinden, dann kommt bie technische Unmöglichkeit, die ost- asigtischen Gewässer zu erreichen, in Wegfall. Denn von Madagaskar aus ist Pott Arthur der nächste Heimatshafen für die russischen Schiffe, mtb Frankreich würde nicht einmal wohlwollende, sondern strikte Neuttalität beobachten, wenn es die russischen Schisse für diese weite Fahtt mit Feuerungsmaterial ausrüstete.
Tie Frage der Koblenversorgung ist tatsächlich eine Lebens- siage für das Ostseegeschwader, und es verdient die gespannteste Aufmerksamkeit, wie die Schiffe den indischen Ozean erreichen. Es wird eine rechte Sorgenfahtt werden. Für die. Aktion der russischen Ostseeflotte fehlt es jedenfalls an einem Beispiel in der Geschichte.
Das russische Geschwader.
Admiral Roschdjestwenski soll an den Zaren das telegraphische Ersuchen gerichtet haben, ihn nach Petersburg zurückzuberufen, da er erkrankt sei. (Tas hat man ja längst gemerkt. D. Red.)
Ter Besuch der in Tanger liegenden russischen Gcknsfe ist auch Privatleuten gestattet. Biele Offiziere und Fachleute auk ver Stadt sind erstaunt über die Unordnung und Unentschlossenheit bei den Arbeiten der Russen an Bord.
Ein russischer S ch i f s s k a p l a n, der bei Hüll von in c r russischen Granate getroffen wurde, btc auf ein Schiff siel, starb nach einer an ihm vollzogenen Amputatron im .Hospital zu Tanger.
Tie russischen Torpedobootszerstörer „Bedavy , Brawi" und „Bvstry" sind aus Tanger in Algier ange- yDnimrTl Si" werden ihren Kohletrvorrat erneuern und wertere Besihlr abwotten. Marokko erteilte den in Tanger liegenden Transvortsänsseu die Erlaubnis, beim Kohlennehmen sind die englischen Kreuzer „Sussolk", „En- övmion", ,Thesscus" und -Hkrrnes" nug/trvssen. Man erwartet die Ankunft weiterer englischer KrregSschifte.- Die Kohlenssr-en.
Je weiter das b a l t i sch e G e s chw ad er nach Osten dampft, Aach Abschluß der Untersuchung des Konslckts umso mehr rst cs auf die englische Kohle angewiesen
ÄÄ ItUlertcfeuer uub die Ausfälle ber S&ilfeen
fand eine verstärke Bewegung großer Massen japanischer Truppen mit Drain in östlicher Richtung statt. Der Feind setzte in der uanzen Front die Beftstiguntz seiner Posittonen fort. Seit heute früh findet eine energische Bescksießnng des PtrttloEergkegels statt.
Petersburg, 31. Okt. Ein heute abgesandtes Telegramm des Generals Ssacharow meldet: Am 30. Oktober versuchten die Japaner gegen 4 Uhr nachmittags, unsere vordersten Schanzen ^nördlich vom Torfe Lin- s ch i n p u mrzngreifen, wurden aber z u r ü ck g e s ch 1 a g e n. Nm 10 Uhr abends begann die japanische Arttllerie, die Stellungen einiger Truppenteile auf unserem rechten Flügel zu beschießen. Meich darauf hörte man von dem Dorfe Linschinpu, wohin unsere Freiwilligen ausgesandt waren, um den Feind zu beunruhigen, Gewehrfeuer, das gegen 2 Uhr nachts verstummte. Die japanische Artillerie beschoß die oben erwähnten Stellungerl während eines großen Teils' der Nacht. Gestern gegen 5 Uhr nachmittags wurde bemerkt, daß geringe Tmlstpenabteilungen der Japaner gegen die Stellungen beim Dorfe Tungoir vorrückten. Unsere Artillerie feuerte auf b re Gegner.
Petersburg, 31. Okt. Aus Mukden wird über ein Heldenstück des Kommandeurs einer Kosakeubatterie, Flügel- adjutanten Gawrilow, solgcndes gemeldet: Tie Japamr rückten mit zwei Bataillonen und acht GesMtzen vor, nm Me Kosaken des Generals Mischtschenko von den Hügeln zu vertreiben. Gawrilow eilte in voller Karriere dm Bedrängten zu Hilfe und eröffnete ein mört>ensches Feuer auf die Japaner. Diese bebielten schließlich nur zwei Gesetze in brauchbarem Zustande. Die beiden Bataillone wurden fast ausgerieben.
Port Arthur.
Petersburg, 31. Okt. General Stoessel meldet dem Kaiser unterm 14. Oktober: Der Feind wirft in die Befestigungen der Nord- und der Nordoststont int Osten von der Eisenbahn und in die innere Festung elfzöllige 'Bomben. Gleichzeitig schiebt er L a rt f g r ä b e n an unsere Forts Au das südlich vom Dorfe Utsiasau gelegene Fort " '-------” -"L...... Durch daö Ar-
zwingen wir d en Fein d sehr v oxsichtig z-useirr. Die Truppen kämpfen nach wie vor heldenmütig trotz aller Mühen und Entbehrungen. Mr bitten imt den Segen. Eurer Majestät und der Kaiserin.
Petersburg, 31. Okt. Ein TelegrcmNN General Stoessels vom 17. Oktober an den Kaiser besagt: Gestern.^ eröffneten die Japaner gegen 3 Uhr nachmittags eine v erstarkte Kanonade auf die Forts und Befestigungen. Ein besonders starkes Feuer wurde gegen das Fort und die Befesttgungen an der Nordfront 'gerichtet, die in der Nähe der Eisenbahn liegen. Der Feind begann diese Befestigungen anzugreisen, indem er zunächst beim Dorfe Palitschwa'ng schwere Feldarttllerie nach der Eisenbahnlinie vorfchob. Durch das Feuer unserer ArMerie und Schützen wurde der Angriff der Japaner zurückgeschlagen. Um 7 Uhr abends hörte der Kampf auf. Die ganze Nacht dauerte nur die gewöhnliche Beschießung fort. Die Verluste der Japaner sind bedeutend.
Tschifu, 31. Ott. (Reuter.) Der allgemeinb Sturm auf Port Arthur, der mit dem Angriff vom 24. Ottober begann, enttoicMte sich gestern zu einer heftigen Schlacht, welche den ganzen Tag wütete. Nach einer Quelle, die sich bisher als zuverläffig erwies, warfen die Japaner große Stteitkräste gegen die Festung bei dem Versuch, eine beherrschende Stellung zu gewinnen. Das' Ergebnis ist noch unbekannt. Man glaubt, die Japaner, wollten nicht die Stadt durch den Angriff einnehmen, sondern nur einen weiteren Schritt verwärts erzielen^ Es dürsten noch zwei weitere allgemeine An^- grifse erforderlich sein, bis der Abstand zwischen den Krieg führenden klein genug ist, um dnt Versuch, die Hauptorte zu besetzen und damtt die Belageruns zu beenden, ausführbar zu machen.
Explosion aus einem japanische« Dampfer.
Nagasaki, 31. Okt. Im Hafen von Bobschi explodierte gestern eine Mine, als sie von dem Dampfer „Darni Chiyoda Marn" abgeladen wurde. 10 Personen wurden ge- tötet, viele verwundet. Der Dmnvfer ist arg beschädigt.
Valitische Tagesschm.
Zum deutfch-ösierreichifchen Haudelsvertrag.
Der „Nordd. Allg. Ztg." zufolge begab sich ant Mon^ tag der Staatssekretär Gras v. Posadowsky nach Wicm Es handelt sich noch keineswegs um den Abschluß des' Hanbelsverttages, sondern um die Ausgleichung eüngw totd)tiger Tisserenzpuntte. Hierzu hat sich eine mündliche Aussprache als notwendig ergeben. Gras Posadowsky wird! mindestens eine Woche in Wien bleiben, nach Beginn der Verhandlungen vom Kaiser Franz Zvses in Audienz erch- pfangen werden und einen AuSslug nach Budapest machens um mit den Mitgliedern der ungarischen Regierung in rührung zu treten. Er wird cm einem außerorderttlichertz östreichisch-ungarischen Ministerrate unter dem Vorsitz Go- luchowstt)s und in Anweserrheit des Botschafters Grafen; Szögyeny teilnehrnen. Der SLacttssettetär de§ Innern war lwrigens gestern vom deutschen Kaiser zur Tafel geladen^ Der Abschluß des Handelsvertrags wird als gesichert be» ttachtet, obschon noch einige Meinungsverschiedenheiten zrr überwinden sind. Es scheint aber, daß auch Erörterungen politisch anderer Art in Wien und Wrdapvst stattfindertz sollen. Worauf diese 2lussprache sich bezieht, darüber, fehlt es einstweilen cm sicheren Änhattspuntten.
Tie „N. Fr. Pr." meldet:
Politische Kreise erblicken in der Reise deS Grafen Posa^ bowsky nach Wien eine Bestätigung ber Hoffnung auf baldiges Zustandekommen des neuen Handelsvertrages. Wahrend her Anwesenheit des Grafen Posadowskh werden der ungarische Ministerpräsident Graf Tisza und die ungarischen Ressortminister sich in Wien einfinden, ba bie Behandlungen unmittelbar zwischen beni Ministern geführt werden. Botschafter v. Szoegyeny-Mari,cht bleibt vorläufig in Wien.
Die Hauptöestimnmn gen des HandelSvertragkSl, na> mentlich die Forderungen bezüglich dvr Industrie-, Agrar- und Viehzölle, nnrrben am Sonntag üt gemeinfanter Konftrenz der östreichischen und ungarttscherr Minister unter dem Vorsitz Goluchowskhs beraten. Die endgiltige Taxierung und UnterZeich-nung des Vertra^sK erfolgt in Berlin. Wenn es gethrgt, die «BertragSvsrhand- simgen, wie es die deutsche Reichsregiemmg wünscht, biS Ende November zu erledigen und den Verttag noch vor; Weihnachten vor die Parlamente zu bringen, unterbleibt die Kündigung des alten Vertrages.
Hi«e Rektorstsrrbe.
Der Würzburger Rektor MaqnificuS Prof, der Kirchen- geschichte Dr. Merkle, der vom Bischof von Würzburg wegen seiner Stellung gegen den Exjesuiten Frhrn. v. Bcrlichingen zur Verantwortung aufgesordert wurde, hielt bei der feierlichen Immatrikulation der neu iuskribierten Studenten eine Rede, in welcher er akademische Freiheit al§ baS kostbarst e Gut der deutschen Hochschulen feierte. Rur durch die Freiheit des Lehrens und des Lentens, des Schaffens und Wirkens, so führte Pros. Dr. Merkle auß, seien die deutschen Universitäten imstande, ihre hohe Aufgabe zu lösen. Diese Freiheit muß auch jeder Akademiker verteidigen, sowohl gegen die Gewalt von oben, als auch gegen banausischen^Un- o er st and von unten und alle Bestrebungen, die die Folge haben konnten, daß dieser Freiheit ein Grab bereitet werden könnte. Wahrhaft frei sei nur der, der für seine Ucbeqeugurig und Ideale unter Allsivendung seiner Kraft den Kampf aufnehme gegen Angriffe, von welcher Seite diese auch kommen mögen/ Was wäre unserer Zeit z. B. gedient mit einem Theologen, der feine Ueberzeugung nicht auf Grund nüfien- schastlicher Forschungen aufbaut, sondern sie aus der politischen Tagespreise schopse.' Welche Achtung konnte daS Volk v«


