Ausgabe 
1.9.1904 Zweites Blatt
 
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ffkr. 205

General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Siehe»

Rotationsdruck und Verlag der BrÜh l'schen Untversitätsdruckeret. R. Lange, Gieße«.

Redaktion, Expedition ».Druckerei: Schulstr.T. XeL Nr. 6L Telegr.-Adr. r Anzeiger Gieße«.

militärische und wirtschaftliche Unternehmungen gelten kann.

Bei Waterberg gefallen Heinrich Paul Merbitz, geb. am 11. Dezember 1882, (Kopfschuß). Reiter Maier, 9. Kompagnie. Regt. 1, ist im Lazarett zu Waterberg cm Typhus gestorben. Im Gefecht am Waterberg am 11. August leicht verwundet: Leutnant Frhr. v. Reib- n i tz (Schuß in die rechte Hand). Vermißt wird seit dem 17. Juli Reiter Johann Freitag.

Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.

DieGießener FamMenblatter" werden dem »Anzeiger oiermal wöchentlich beigelegt. Der hessische Landwirt" erscheint monatlich einmal.

Fer Kufstaud tu Keutsch-SüdwestasriLa.

Nach Dentsch-Südweftasrika

sind soeben Techniker, Aionteupe und Bahnarbeiter abge- gereist, welchen sich, eine zweite Abteilung von Southam- ton aus mtt einem englischen Schnelldampfer am 3. Sep­tember beigesellt. Das Reiseziel ist Swakopmund, der Aus- aangspuntt der neuen Otawi-Bahn, welche in einem beschleunigten Tempo nunmehr gebaut wird. Diese Trace führt nördlich der bestehenden Windhuker Bahnlinie bis Karibib, wo sie sich dieser bis auf einige Kilometer nähert, um dann nach Norden abzuschwenken. Sie er­klimmt dabei eine mit kleinen Kuppen bedeckte Hochebene und erreicht über 1200 Meter Seehöhe. Etwa 150 Kilo­meter nördlich von Otawr wendet sie wieder schürf nach Osten um und endigt im Minengebiet. Auch von Otawi aus erstreckt sich ein solch.es in östlicher Richtung, vor­aussichtlich ist später hier noch eine Zweigbahn erforder­lich Die ganze Bahnlänge entspricht bei 560 Kilometer ungefähr der Entfernung MainzBerlin. Nächst ihrer Be­stimmung als Minenbahn wird sie vorerst militärischen Zwecken dienen, weshalb auch gerade jetzt mit dem Bau begonnen wird, da alle anderen wirtschaftlichen Unter­nehmungen dieser Kolonie zurzeit brach liefen. In stra­tegischer Hin sich wird die Bahn von Karrbib aus sehr günstig liegen; denn der Höhenrücken dach sich nach West und Ost allmählich ab und bildet hier die Wasser­scheide. Andererseits (üw auch genügend Wasserstellen vor- handen, sodaß die Bahn als sichere Operationsbasis für

(Photographüre.) Vergessen. Von Wereschtschagin. Im Versteck. Von Wereschtschagin. Notenbeilage: Vier Lieder von Franz Kugler. 1. Nachgefühl. Ged. von Goethe. 2. Mschiedslied Ged von Albert Graf Schlippenbach. 3. Ach über die falschen Zungen. (Deutsche Volksweise.) 4. Waldesnachr. Ged. von Paul Heysc

Talundbergs Perio, eine neue Weltsprache. Schon wieder eine Weltsprache?" wird mancher halb entrüstet fragen,wo Volapük und Esperanto, von den vielen weniger bekannten ganz zu schweigen, keine merkliche Verbreitung er­langen konnten und neues auf diesem Gebiete also recht über- flüssig erscheint?" Talundberg natürlich ist der Meinung, prak­tisches und brauchbares zu bringen, und zwar außer Einfachheit der Grammatik auch eine wlche des Wortschatzes in der Richtung, daß die Kenntnis eines Wortstammes die möglichst vieler anderer mitverbürgt. Tie anderen Weltsprachen haben in dieser Be­ziehung gewissermaßen nur Vorläufer cmfzmveisen, indem sic dem betreffenden Gruudwvrte schwersalligerwcise eine Vorsilbe zusetzen (z. B. granda groß, malgranda klein) und auch diese nur ganz vereinzelt anwenden können. .T^gen ist int Perio der ganze Wortschatz (mit Ausnahme natürlich der Eigennamen aller SM in verschiedenen Systemen untergebracht, deren umfassendstes auf l^ln,,Ablaut" beruht; so heißt nama groß, nima klein (s. Minimum), bana gut (franz. Bon), Buna mittelmäßig, 9 schlecht; bala schön (franz, bei), bula anmutig, bila näßlich; dal a süß (ital. dolce), do la fade, dula sauer, de la herbe, di la bitter; chano (ch spr. sich) Kette (franz, chaine, chono Draht, chuno Seil, ©eno Schnur, chino Faden usw. Auf weiteren Prinzipien dks Perio beruht cS, daß alle Stämme (selbstverständlich die meisten Eigennamen wieder ausgenommen' einsilbig sind und möglichst lvenig Kmrsoimnten cntöaven und ferner, solveit angängig, aus den in den fifcltiirfortdten ver­breitetsten Wörtern gewählt oder gebildet morden sind (s. auch obige Beispieles Ueverhaupt baut sich das Perio auf Grund siitzen auf, die sich in anderen Weltsprachen, in der Gedächtnis* kunst, .der Stenograpbie usn l^währt baden.

tal in Kopenhagen verlegt, soll eine vom Dichter selbst autori­sierte deutsche Ausgabe erscheinen. Eine höchst erfreuliche Besser­ung in Ibsens gesundheitlichem Befinden yat es übrigens er­möglicht, daß ein nicht unbeträchtlicher Aeil der Korrespondenz unter des Dichters persönlicher Mitwirkuna gesichtet und für die Drucklegung vorbereitet werden konnte. Ibsens bekannte Deli­katesse in Angelegenheiten des Mvaten Verkehrs und Meinungs- austausckres hat sich auch bei dieser Gelegenheit ui charakteristischer Art dahin gellend gemacht, daß er fernen Mitarbeitern die strikte Weisung erteilte, mit größter Peinlichkeit alle persönlich gearteten Einzelheiten aus den Briefen ausziunerzen damit feinerlei ftemde Gefühle verletzt würden eine Maßregel, deren Befolgung den Hevausgebern ziveifellos manch böses Kopfzerbrechen verursacht haben dürfte, besonders wenn man sich die durchgehends tempe­ramentvolle Tonart vergegenwärtigt, auf.die besonders die Briefe aus der Sturm- und Drangzeit des Dichters gestimmt zu sein pslegtmr.rmexu Monatsschrift für Gemjst und Geist. Herausgeber I. E. Freiherr v. GEhuß. Vierteljährlich (drei Helle) 4 Mk., einzelne Hefte 1,50 Mk. (Stuttgart, Greiner und Pfeiffer.) Aus dem Inhalt des Augustbestes: Der Emanzi- patimtSkampf des deutschen Schauspielers. Von Heinrich Lindner. Leben. Die frohe Botschaft eines armen Sünders. Don Peter Rosegger. (Fortsetzung.) Goethes reltgiüfe Weltanschauung. Von Lh. AcheliS. Der Mittag. Idylle von Henry Greville. Neue Frauen-Lyrik. Von Dr. Max Friedrichs und Richard Zooz- mann. Zwei Tote. (Wilhelm Jordan und Karl Weitbrecht.) Bon Fritz Lienhard. Frauenkon-reß und Frau«rvewegung. Von Sfnmr a. .D. Krötschü?. Die Weltausstellung in St. LouiS. Von Ernst v. Hesse-Wartegg. Ludwig Feuerbach. Bon Dr. Otto Siebert-Fermersleben. Bisinarck und die Bibel. Von Hans Priitz. DeuMe Literatur und Wissen schäften Frankreich. Gibt es eine Offenbarung? Bon Wilhelm Soltau und C. F. v. W Tüi-mers Tagebuch: Konto Korruption. Optimismus oder Pessimismus ? Persönliches Regiment und polilisckse Bildung. Leben wir in einem Rechtsstaat? König Mammon. Ohm Paul f. i Die 40. Trmkünstler-Versammlung. Von Wilhelm Matte. Kunstbeilagen: Miß Haverfteld. Von Thom. Gainsborough. |

Iie KroteftalionsLirche tu Speyer, n.

Speyer, 31. August.

Der große Festzug^ an welchem auch der Vertreter beS Kaisers, Prinz zu Sayn-Wittgenstein, die Erbprinzen von Hohen­lohe-Langenburg und Reich i. L., Herzog Ernst von Meiningen und Graf Wedel als Vertreter für Weimar teilnahmen. langte um 10 Uhr vormittags vor der Protestationskirche an. Nach Be­grüßung der Fürftlichteiten und des Regierungspräsidenten Neusser als Vertreter des Prinzregenten durch die Ausschu Mitglieder er­folgte die feierliche Uebergäbe des Schlüssels, der Einzug in die Kirche und die Weihe derselben durch Rat Decker. Die Festpredigt diell Oberhofprediger T. Dryander im Anschlüsse an Hebräer 10, 23 überunsere religiösen, littlichen und kirchlichen Aufgaben". Um 12Uhr war die Einweihungsfeierlichkeit zu Ende, der sofort ein zweller Festgottesdienst folgte.

Bei dem Festmahl verlas Regierungspräsident v. Neusser em Handschreiben des Prinzregenten von Bayern mit Ordens- und Titelauszeichnungen an das Feftkömllee in Speyer. Prinz von Sayn-Wittgenstein überbrachte Gruß und Dank des Kaisers. Oberkonsistorialrat Ney wurde der Kgl. Kronenorden dritter Klasse, dem Architekten Nordmann der Rote Adlerorden vierter Klasse verliehen.

Eine länaere zündende Ansprache hielt der Regent deS oerz.gtums 5boburg-Gotha Erbprinz von Hohenlohe- Langenburg. Er sagte:Wenn die deutschen Bundesfüftten zu der heutigen Feier ihre Vertreter entsandt haben, so wollten sie dadurch vor dem evangelischen Volke Deutschlands ihre feste Zugehörigkeit zu unserem teueren evangelischen Bekenntnis be­kunden. .Muß doch ein deutsch fühlendes Herz höher schlagen in freudiger Begeisterung bei dem Bewußtsein, daß vor beinahe' 400 Jahren, in einem Zeitalter, in welchem das religiöse Leben unter dem Druck politischer Machtbestrebungen dancederlag, es dem deutschen Geiste beschieden war, für alle Mensch«: daL hellige. Recht zu erkäMen, frei von äußerem Zwange ihren Gott so zu suchen, wie es der tiefinnerliche Drang der Seele einem jeden gebietet. In diesem Geiste haben wir yor kurzem die deutschen Fürsten und freien Städte^ das Reichsoberhaupr an ihrer Spitze, die ersten Schritte zu einem engeren Zu­sammenschluß der evangelischen Landeskirche unternommen. Ein Anfang, aus welchem sich ein immer festeres Zusammenhallen entwickeln möge, ohne daß dadurch die Selbständigkeit der einzelnen Glieder gefährdet werde oder der religiöse Standpuntt unserer Konfession Angriffen ausgesetzt würde. Am heuttgrn Tage, wo wir die Erinnerung an treues, gemein­sames Einitehen für heiligste Güter in längst vergangener Zeit feiern, dürfen wir uns dankbar jenes Beweises der EinmüttAeit aus unseren Tagen freuen. Freilich, solange die menschliche Natur sich gleich bleibt, wird immer wieder die Verquickung reli­giöser Fragen mit politischen Machtfragen Mmpfe Hervorrufen, in denen jeder ernste Mann die Pflicht hat, Partei ;u ergreifen und furchtlos für das einzutreten, was chin das Heiligste ist. .Aber hoch erhaben über den Kampf der Parteien und Konfessionen ragt als pllen Christen gemeinsames Wahr­zeichen das Kreuz auf Golgatha empor. Wie oft ist versucht worden, den Gekreuzigten unter Hohn und Schmähungen ans immer in seinem Felsengrab zu verschließen. Stets aufs neue i)t er erstanden und hat Millionen von Trost suchenden Menschen aller Zeiten, aller Länder, aller Stände, aller Konfessionen die Wundma^ gezeigt, aus welchen das göttliche Blut zum Heile der Menschheit dahingeflossen ist. Sein Geist hat unsere großen Manner bei ihren gewaltigen Taten gesehen. Im Aufblick zu ihm traten auf dem denkwürdigen Reichstage von 1529 die Fürsten und Städte zur Wwehr drohender Vergewaltigung zu- sammen. Der Gedanke an ihn begeisterte unser Volk in Zeiten höchster Not zu herrlichen Leistungen unvergleichlicher Kraft. Tenn überall, wo das überirdische Feuer selbstlosen Idealismus die Herzen unroiderstehlich ergreift, lebt, wenn auch dem Handeln­den oft unbewußt, der Geist dessen, der viel verkannt und viel geschmäht in seiner wahren, unverfälschten Gestalt das Ideal echten Heldentums in sftl) vereinigt. Für das dentsck>e Volk, dessen innerstes Wesen von jeher den Trieb enthielt, die Schranken der engen Erdenwell zu durchbrechen, ist der immer erneute Sieg des Göttlichen eine Tatsache, welche den pefsimisttschen Zweifel

jüngeren, ruhigeren Generation von Arbeiterführern wer­den. Weit mehr Gewicht ist indessen noch auf ein an­deres, MM Teile mittelstandspvlitisches Moment M legen. Auf dem westlichen Europa ist es für den Arbeiter leichter möglich, als bei uns) in den Mittelstand hin* einzuwachsen. In Frankreich haben sich die Arbeiter­gymnasien als der beste Beförderer solcher Bemühungen erwiesen. Die große Zahl englischer Industrieller, die erst Arbeiter und dann Kleinunterneymtzr gewesen sind, ver­danken die zu einer solchen Entwickelung erforderliche Bildung meistens dem Besuche der Arbeitergymnasien. Die Earnegie'schen Mbliotheksstiftungen erhalten ihre richtige Beleuchtung erst, wenn man bedenkt, daß sie überwiegend der Unterstützung solcher Anstalten dienen. Diese haben sich unzweifelhaft das Verdienst erworben, das Mfühl der Aussichtslosigkeit und Bedrückung in Arbeiterkreisen wesentlich zu verringern, und der Arbeiterschaft den Weg in einen neuen Mittelstand zu weisen) den wir in Deutschland sehr wohl brauchen können. In England gibt es fast keine Sozialdemokratie, in Frank­reich trägt sie das unzweifelhafte Gepräge des klein­bürgerlichen Radikalismus. Der Staat hat die Arbeiter­gymnasien im Wesentlichen durch Gewährenlassen unter­stützt, vereinzelt durch leihweise Ueberlassung von Ge­bäuden. Der Lehrkörper ist in Frankreich rneist freiwillig; in England, wo den Arbeitergymnasien sehr reichliche 'Geld­mittel aus privaten Zuwendungen zur Verfügung stehen, halten die ersten Publizisten ihre Vorlesungen. In Austra­lien sind die Lehrer meistens selbst ehemalige Arbeiter- ghmnasiasten. Denn in der Hauptsache handelt es sich nicht darum, Wissenschaft, sondern Gesichtspunkte und die Methoden wissenschaftlicher Arbeit sowie ihre Hllfsmittel mitzuteilen. Die Zulassung erfolgt auf Grund mündlicher Bewerbung vor einer Konunission. Mir der Zulassung ist die Gewährung eines ausreichenden Stipendiums verbun­den. Manche Gymnasien bestreiten ihren Austvand größten­teils aus fteiwilligen Beiträgen der Arbeiter.

Es ist ein sehr fruchtbares Stück sozialer Arbeit, das auf diese Weise geleistet wird, zumeist getragen vom Schwünge einer Idealismus und Realismus glückliche ver­bindenden Begeisterung. ES würde uns wundern, wenn bei der tatkräftigen Initiative, die sonst in sozialpoliti­schen Dingen bei uns herrsche nicht auch in Deutschland eine Bewegung zu Gunsten von Arbeitergymnasien sich durchsetzen sollte, wie sie sich ja trotz anfänglichen Kopf­schüttelns auch für die Frauengymnasien durchgesetzt hat.

Zwettes 184. Jahrgang Donnerstag 1. September 1904

Gietzener Anzeiger

Feuilleton.

Maeterlinck über das moderne Drama. In einem neuesten BucheDer doppelte Garten" (Verlag von Eugen Diederichs in Leidig), das eine Reihe sehr lesens­werter Essays über Tiere und Blumen und Menschen enthält, fprickfl Maeterlinck auch über das moderne Drama. Dieses besteht »nmer weniger in äußerer Handlung, immer mehr aus innerer Analyse. Die Tatsachen, die Stücken wießear"tstiomeo" und Othello" zugrunde liegen, entsprechen den modernen Verhältnissen uiclü mehr, und die modernen Verhältnisse selbst sind weder aben­teuerlich nock) poettsch. .Das neue Drama hat in Ermangelung der Packend spannenden Zufälligkeiten der Außenwelt sein Gebiet in der vertieften Psychologie gesehen. Jeder Konflikt entsteht nun aus einem Gegensatz zwischen Leidenschaft und Sittengesetz, Pflicht und Begierde. DaS moderne Drama nährt sich daher von mora­lischen Problemen. D-s beginnt mit Alexander von Dumas, der ganz elementare Fragen stellt, so elementare, daß ein wirklicher Moralist sie nie alsFragen" betrachtet hätte. Am anderen Pole der dramatischen Well fteilich rücken Bjömson, Haupt' mann und Ibsen wirklich in unbekanntes Land vor. Jedoch flehen sie damit bereits am Ende ihrer Forschung; je tiefer man in daS menschliche Gewissen hinaysteigb, defw geringer wird die Zahl der Konflikte.

Ibsens Briefwechsel. DemLiterarischen Echo" wird au5 Christiania geschrieben: Eine vollständige ^luS- aabe von Ibsens Briefwechsel die erste in ihrer Art wird Don bc.it in Stockholm wohnenden Sohn des Sttllneisters in ?M')hi'fcung mit dem bekannten Literarhistoriker und Essayisten j»r( Naerup vorbereitet. Tie Sammlung wird neben bereits '^kannten Btftrfen vor allem auf Ibsens ältere Korrespondenz -i <*'greifen, auf die Jahre feinet Nlli-nchener Aufenthalts, gnö in. b.n bi-r rastlosen Fürsorge der HerausKe!All ein un*

i i i ballige) literarhistorisch wie biographisch gleich fesseln :Ui'(.krial ;njammengelragen worden ist. Tie Veröffentlichung jüi mi Spätherbst zu erwarten fein; gleichzeitig mit der nrn-ch scheit Ausgabe, dir Ibsens langjähriger Verleger Gylden-

Gießen, am 31. August 1904. döcfr.: Die Feier deS SedaniageS.

Die Großh. Kreisschulkommisswn Gießen

an die Schulvorstände des Kreises.

Wir beauftragen Sie hierdurch, uns bis zum 15. Sep. tcm&er lf. Js. zu berichten, ob die Feier des SedantaqeS in den Ihnen unterstellten Schulen gemSß den Bestimmungen des AusschrerbenS der vormaligen Großherzoglichen Ober­studiendirektion vom 26. August 1872 am Festtage selbst stattgefunden hat. Zu Ihrer Information lassm wir das Ausschreiben hierunter wörtlich folgen.

I. B-: Dr. Wagner.

Zu Nr. O. St. D. 6147.

Darmstadt, am 26. August 1872.

Betr.: Feier des 2. Septembers in den öffentlichen Schulen des Großherzogtums.

Die Großherzogl. Oberstudien-Direktion

an

die Grokherzoglicheu Direktionen der Gymnasien, Realschulen und Schullehrer, Seminarien, sowie an die KreiS-Schulkommissioueu.

Großherzogliches Ministerium beS Innern hat aus un­seren Anttag genehmigt, daß am 2. September eine der Be­deutung dieses Tages entsprechende Schulfeier veranstaltet werde, bei welcher, unter Aussetzung der Lettionen, geschicht­liche Erzählungen oder Vorträge über den Anlaß und den Verlauf des jüngsten 5ftiegs, daS Singen vaterländischer Lieder unb, wenn tunlich, gemeinsame Ausflüge unb Spiele im Freien bte wesentlichsten Bestanbterle sein bürsten, im Uebrigen aber die Anorbnung im Einzelnen Ihrem Ermessen anheim gestellt bleibt tmb namentlich etwa die Verbindung mit einer kirchlichen Feier von der Vereinbarung mit der kirchlichen Behörde abhängen wird, in welchem Bezug wir mit Großh. Oberkonststorium in Benehmen treten werden.

F. d. A.: de Beauclair.

Polttische Tagesschau.

Arbeiter^öymu asten.

Mau schreibt uns von geschätzter Sette:

Es ist ein in den Sprachschatz der Nation überge- gcmgener Satz, daß der Schulmeister die Schlacht bei Mniggrätz gewonnen habe. Die Siege in den wellwirt- ichafiAchM Kämpfen verdanken wir ebenfalls der guten Schulbildung. Die Rolle hingegen, welche die Gelegenhett, eilte gute, über den tzerrunftsstand binausgehende Aus­bildung zu erhallen, tn den sozialen Anseinandersetzungen jpieft ist noch nicht genügend in Deutschland gewürdigt worden. Andere Länder, die sozLalpolitsich wett Hütter uns zurückgeblieben find, haben sich lediglich durch den gesuuben Menschenverstand zu einer richtigeren Beurteil­ung führen lassen. Mr haben die Schule Vielzusehr als soztales Kampfmittel aufgesaßt, und zu einseittg an Volks­schule und Fortbildungsunterricht gedacht: auch ist man zu einseittg von dem an sich gerechtferttgten Gesichts­punkte beherrscht gewesen, die Weiterbttdung obligatorisch zu machen.

In diesem Rahmen haben Arbeitergymnasien, deren Besuch frei sein muß, ebenso wie die Wahl des Lernstoffes ziemlich frei gelassen werden muß, bisher keinen rechten Platz finden könrren. Das ist m einer Zett steigender sozialer Gereiztheit zu bedauern. Richttg geleitete Ar- bettergymnasien, die sich natürlich, weit mehr der rea­listischen als der humanistischen Blldung zuzuweuden haben, können für eine tiefere, sachlichere und also and) ruhigere Beurteilung unserer wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse in Arbeiterkreisen den größten Nutzen stiften. Sie können es sttmsomehr, als sich in anderen Ländern gezeigt hat, daß diese Anstallen die Bildungsstätten einer