Ausgabe 
1.8.1904 Erstes Blatt
 
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fei tanrbe durch den GroßherAvg StrtiStantm errat MMer-Darm- stabt timt Schrift führ er ernannt. Der Berichterstatter gibt hierauf ehre Reihe interessanter Zahlen über Geschlecht, Lebens­alter, Orte der Vergehen usw. der Pfleglinge bekannt; danach fallen die meisten Vergehen auf Eigentumsdelikte mit Körper­verletzung, danach folgen die Sittlichkeitsverbrechen. Für Unter­stützungen wurden ausgegeben 7185 Mk., oder 1250 mehr wie im Vorjahre, und zwar für Starkenburg 3500 Mk., Oberhefsen 1496, Rheinhessen 2186. Die Gesamteinnahme beträgt 10 99& Mark, die Ausgabe 9892 Mk.; Ueberschuß: 1105 Mk. gegen 2127 Mk. im Vorjahre. Das gesamte verzinsliche Vermögen beträgt 54 31.4 Mark, dazu unverzinsliches Vermögen 742 Mk. Sehr interessant ist die Statistik über die Besserung der Pfleg­linge in den Kreisen und man darf nach den Durchschnitts- ergeburss'en der letzten drei Jahre Mnehmen, daß sich die Hälfte aller Pfleglinge gebeffert hat, ein Resultat, mit dem man zufrieden fein kann. Der Bericht findet einstimmig An­nahme. Auch der dann vorgetragene Voranschlag für 1905 mit 10 300 Mark in Einnahme, 9200 Mk. in Ausgabe wird genehmigt. Der nächste Punkt der Tagesordnung betrifft die Neuwahl des Ausschusses; dieser wird in seiner seitherigen Zusammensetzung einstimmig.wiedergewWt. Es folgt dann noch eine Besprechung einiger meist lokaler Angelegenheiten, ins­besondere Verfügung über die Habe der Gefangenen, Voraus- setzungen bei Ernennung von Beiständen, Heranziehung der Ge­meinden zu den Kosten, Abrechnrmg über besonderen tionssonds, Verkehr zwischen Vorstand und Strafanstalten usw.

SrozeßWltte.

Frankfurt, 30. Juli.

Ju der Verhandlung gegen den Oberleutnant z. D. Witte .wegen Meineids und Mißhandlung begannen am Samstag um 9# Uhr vormittags die Pbndopers. Der Bertteter der Anklage, Kriegsgerichtsrat Bergmann, beantragte gegen den Angeklagten eine Zuchthausstrafe von einem Jahre, sechs Monaten, drei Tagen, Entfernung aus dem Heere, sowie fünf Jahre Ehr­verlust Rechtsanwalt Richard Bruck plaidierte in lyafttinbigcr Rede für Freisprechung seines Klienten von der Anklage des Meineids und stellte bezüglich der Mißhandlung die Bestrafung anheim. Um *412 Uhr zog sich der Gerichtshof zur Beratung des Urteils zurück. Um 1 Ubr wurde durch den Vcrhandlungs- führer folgendes Urteil verkündet: Der Angeklagte Witte wird wegen Meineids und Mißhandlung Unter­gebener zn einem Jahre drei Tagen Zuchthaus, Ausstoßung aus dem Heere und zwei Ja hren Ehr­verlust verurteiL In den Urteilsgründen wird aus­geführt:

Daß der Angeklagte einen Meineid Hegau gen hat, als er als Zeuge seine Schuldenlast verschwieg, hat das Gericht nicht feststellen können. Ferner soll er sich des Meineides dadurch schuldig gemacht haben, daß er auf die Frage des Rechtsanwalts, ob fdioH Klagen bei ihm. eingelaufen wären, verschwieg, daß das in zwei Fällen tatsächlich erfolgt war. Auch hier konnte ein Meineid nicht erwiesen werden, weil man im Publikum unter dem BegriffKlagen" einen allgemeinen Prozeß ver­steht, nicht aber Klagen, wie sie in Versautnnisurteilen Vor­lagen. Witte konnte sich also bei seiner Aussage im Irrtum befinden. Nun zu dem Verhältnis mit der Frau Oberleutnant Koch Trotz aller genauen Recherchen ist. das sei von vornherein bemerkt, nicht im geringsten erwiesen, daß Witte in ehebrecher­ischen oder unlauteren Beziehungen zu Frau Koch gestanden hat. Frau Koch ist viel ab und zu bei Witte gegangen. Llber nichts Ver­fängliches hat sich in dem Verkehr feststellen lasten. Der Friseur gibt wohl an, daß er Frau Koch efruital aus dem Schlafzimmer Wittes gehen sah, das kann aber ohtre schlimme Bedeutung ge­wesen sein. Wenn also auch ein Ehebruch nicht im mindesten zu beweisen war, so hat sich Witte doch eine wissentliche Eidesverletzung insofern zu Schulden kommen lassen, als er seinen häufigen gesellschaftlichen Verkehr mit der Frau Oberleutnant Koch entschieden abftritt. Es steht aber fest, daß Frau Koch in Witte verliebt war, daß sie hie und da zwei bis drei Stunden mit ihm zusammen toor^

W Zeuge« erklären anSdrkMchl, daß ste häufig bei ihm ge- wefat A nie aber sei etwas Ehebrecherisches vorgekommen. Selbst dre Burschen, .dre gewiß manchmal durch das Schlüsselloch gesehen haben, haben nicht bekundet, daß sie etwas Unanständiges rm Verkehr gesehen haben. Sie erklären aber auch aufs Be- strmmteste, daß Frau . Koch häufig nicht bloß um ein Buch zu holen oder zu bringen mit Witte gesellschaftlich verkehrt habe, daß fie zusamnren Kaffee oder Thee tranken usw. Hier hat fich Witte einer wissentlichen Eidesverletzung schuldig ge­macht, indem er den gesellschaftlichen Verkehr als ganz gering bezeichnete, wahrend dies nicht der Fall war. Noch ein zweiter ?mll des Meineids wurde durch die Beweisaufnahme erwiesen. Witte hat als Zeuge behauptet, daß er seinen Burschen Lippert nre gcmißhandelt, sondern nur einmal zur Tür hinausgeworfen habe. Dies ist unwahr. Lippert, der einen glaubwürdigen Ein­druck macht, erklärt, er sei erheblich zweimal mit der Reit­peitsche oder Fußtritten regaliert worden. Er erinnert sich be­stimmt an mindestens zehn Falle. Auch zwei andere Burschen hat wiederholt Witte mißhandell, sodaß insgesamt vierzehn Fälle der Mißhandlung Untergebener uachgewieseu wurden.

Bei der Strafabmessung kam in Betracht, daß Witte aus keinerlei unlauteren Motiven seine falsche eidliche Aussage er­stattet hat. Es handelt sich um die Ehre der Frau Oberleutnant Koch, die inzwischen übrigens verstorben ist. Die Motive, warum er die häufigen Besuche ableugnete, finb edler Natur, da er vermeiden wollte, daß das in Forbach umgehende Gerücht über ein angeblich unsittliches Verhältnis zwischen Witte und der Frau Koch noch weiter um sich greife. Man kam daher wegen des Meineids auf die geringste zulässige (Strafe von einem Jahre Zuchthaus, wobei auch noch berücksichtigt wurde, daß die Aussage Wittes dem damaligen Angellagten Bilse nicht irgendwie hinderlich oder schädlich 'war. Der zweite Meineidsfall, die Burschennrißhandlung, wurde bei der Sttafabmessung als in einheitlicher Handlung erfolgt nicht berücksichtigt.

Was die Mißhandlung der Untergebenen anlangt, so handelt es sich .um Ohrfeigen, an die Kehlefasten. Der eine Bursche sagt selbst, daß er die eine Ohrfeige redlich verdient hat. Blei­bende Nachteile sind nicht entstanden, sodaß das Gericht wegen dieser Mißhandlungen auf eine Zusatzstrafe von drei Tagen Zucht­haus erkannt hat. Die Zuchthausstrafe hat das Ausscheiden aus dem Heere zur Folge. Ehrverlust wurde mit Rücksicht auf die edlen Motive des Angellagten nur in der Dauer von zwei Jahren erkannt. Von der Untersuchungshaft wurden sechs Wochen abgerechnet. Der Angeklagte hat Berufung eingelegt.

Herichtssaak.

(th.) Gießen, 31. Juli. Der Immobilienmakler A. I. hier hat nach der Verwerfung der eingelegten Revision vorm Reichsgericht das Wiederaufnahme-Verfahren beim Landgericht Gießen durchgesetzt. Die Strafvollstreckung gegen I. wurde bis zur Erledigung der Sache ausgesetzt.

Märkte?

)(Grünberg, 30. Juli. Auf dem heutigen Wocbenmarkt wurden verkauft: Korn per Doppel-Zentner 15. Mk., Hafer per Doppel-Zentner 14.25 Mk., Samen per Doppel-Zentner 20.05 bis 00.00 All., Kartoffeln 0.000.00 Mk. Gurken kosteten per 100 Stück 1.501.80 Mk. Butter per Pfund 0.951.00 Mk., Eier 6 Pfg. das Stück.

fc. Frankfurt a. M., 1. Aug. (Orig.-Telegr. desGießen. Anz.") Amtliche Notierungen der heutigen Fruchtmarktpreise. Weizen Mk.M.0000.00, Kurhesfischer Mk. 00.0000.00, La Plata Nck. 17.2518.75, Kansas Mk. 17.7518.50, Roggen (hiesiger) Mark 13.0013.25, Gerste (Wetterauer) Mk. 15.0015.50, Franken- felderMlll5,7500,00,HaftrMk.l2L514.00,MaisMk. 11.5012.00, Weizenmehl 0 Mk. 26.0026.50, 2. Qualität Mk. 24.00 bis Mk. 24.50, 3. Qualität Mk. 22.0022.50, Roggenmehl 0 Mk. 22.0022.50,1. Qualität Mk. 19.5020.00, Weizenkleie Mk. 9.00 bis Mk. 9.25, Roggenkleie Mk. 9.5010.00, Maiskeime Mk. 10.50 bis Mk. 10.75, Franken, Pfälzer, Ried Mk. 00.0000.00. Alles per 100 Kg. ab hier.

ko. Frankfurt <u ÖL, L Aug. (Telegr. Orig^Bericht des

^Gieß. Anz."3. Amtliche Notierungen der heutigen DiehmarckL- preise. Zum Verkaufe standen: 432 Ochsen, 132 ans Oest­reich, 55 Bullen, 1 aus Oestreich, 573 Kühe, Fersen, Sttere urit>i Ninder, 3 aus Oestreich, 191 Kälber, 187 Schafe und Hammel, 1475 Schweine, 0 Ziegen, 0 Ziegen-, 0 Schaflämmer. Bezahlt wurde für 100 Psund Schlachtgewicht: Ochsen l.Qualttät7275 SJäL 2. Qual. 6870 Mk., 3. Qual. 6365Mk.; Bullen l.Qual. 64 btä* 66 Mk., 2. Qual. 6062 Mk.; Kühe 1. Qual. 69-71 Mk., 2.Qual. 6668 Mk., 3. Qual. 6062 Mk, 4. Qual. 4850 Mk., 5. Qual. 0000 Mk. Kälber: l.Qual. 8387 Pfg., Lebendgewicht 4952 2. Qual. 7478 Pfg., Lebendgewicht 4347 Pfg., 3. Qual. 00-00 Pfg., Schlachtgewicht 5860 Pfg., Schafe: 1. Qual. 7072 2. Qu»!al. 6264 Pfg., 3. Qual. 0000 Pfg.; Schweine 1. Qucü. 60-00 Pfg., Lebendgew. 47 Pfg., 2. Qual. 59-00 Pfg., LebendqewiM 4600 Pfg., 3. Qual. 5355 Pfg., Lebendgewicht 0000 Pfg. Geschäft bei Hornvieh gut, kein Ueberstand;" Geschäft bei Kleinvieh gut, kein Ueberstand.______________

Gießener landwirtschaftlicher Wetterdienst.

Voraussichtliche Witterung in Hessen ftir Dienstag, den 2. August: Zunächst heiter, noch wärmer, sehr schwül, später wolkig und vielerorts ergiebigere Gewitterregen, später Abkühlung.

Näheres durch die Gießener Wetterkarte.

Neueste Weldnngen.

London, 1. August. Nach einer der hiesigen japanischen Botschaft zugegangenen Meldung hat der Sturm auf Port Arthur am Sonnabend begonnen. Die Japaner haben den Geschützkampf zu Lande mit 240 schweren Be­lagerungsgeschützen eröffnet, während die japanische Flotte die russischen Batterien am goldenen Hügel beschoß.

Paris, 1. Aug. Soweit bis jetzt bekannt, haben die gestrigen Generalratswahlen einen großen Sieg für die Minstterielleu ergeben. Um 2 Uhr nachts waren im Ministerium des Innern 376 Resultate bekannt, darunter 240 ministerielle. In 25 Bezirken findet Sttchwahl statt. Der Kabinettschef Combes ist in seinem Wahl-Departement mit 1200 Stimmen Mehrheit gewählt worden. Die Ministeriellen gewannen 32 Sitze und verloren deren 12.

Petersburg, 1. August. Gestern fand unter großem Pomp die Beisetzung PlehweS statt. Dec Zar, die Zarin-Mutter, der Thronfolger, die in Petersburg anwesen­den Großfürsten und Minister re. wohnten der kirchlichen Feier bei. Eine große Anzahl Kränze waren auf dem Sarge niedergelegt. Die Leiche wurde alsdann zum Kirchhofe über» führt. Zwischenfälle sind nicht vorgekommen.

Telephonäscher Kursbericht.

3x/2% Reichsanleihe . . 102.00

30/q do. ... 89.80

3V,% Konsole .... I0L95

3°/o do......89.75

31/2% Hessen .... 100.25

31/2 96 Oberhessen . . .. 496 Oesterr. Goldrente . . 101.60

4Oesterr. Silberrente 100.40

4% Un?ar. Goldrente . . 100.25

40/0 Italien. Rente , . . 103.80 4V, 96 Portu^iesei? , . . 62.10 8°/,. Portugiesen.....6L50

196 C. Türken ..... Türkenlose ....... 4% Griech. Monopol.-Anl. 47.10

41/. 96 äussere Areentiner 43.30

3% Mexikaner .... 27.35 4,/2% Chinesen .... 89.50 Electric. Schlickert . . . 106,70 Nordd. Lloyd . . . . lOLOO

Kreditaktien..... 200.70

Diskonto-Konnnandit. . . 188.20 Darmstädter Bank . . 137.90 Dresdener Bank .... 154.10 Berliner Handelsgee. . . 154.90 Oesterr. Staatsbahn . . . 136.20 Lombarden . . . . . 17.40 Gotthardbabn ..... 189.00 Lanrahütte......251.50

Bochum . .... 205.75

Harpener ...... 207.50 Tendenz: fest.

Für die Gesamt-Redaktion verantworllich: i. V. August Goetz.

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