chen. Im außerordentlichen Etat werden Mk. 5 Mill., mehr Mk. 1 Mill, für Förderung des Arbeiterund Beamtenwohnungsbaus verlangt. In der Erläuterung zu der Forderung für Förderung des Arbeiter- und Beamtenwohnungsbaus be'.f't es: Der für das Rechnungsjahr 1903 für die Wohnungsfürsorge bewilligte Fonds von Mk. 4 Mill, ist durch die bisher erfolgten Darlehn sbewilligungen und durch die bis zum Schlüsse des Rechnungsjahres in Aussicht gestellten Darlehen derart in Anspruch genommen, daß schon jetzt Anträge auf Be- willignng bedeutenderer Darlehnssummen in 1903 bis 1904 zurückgestellt werden muhten, Ueber die Ergebnisse, welche auf dem Gebiete der Wohnungsfürsorge bisher mit den unter diesem Titel zur Berfügiung gestelltenMitteln erzielt wurden, wird dem Reichstage in besonderer Vorlage Mitteilung gemacht werden. Es liegt in der Absicht, dem Reichstag eine derartige Nebersicht alle 4 bis 5 Jahre vorzulegen. Das Rcichsschatzamt seht die Einnahmen auf Mark 3 725085, minus Mark 679495, an, davon Bruttomünz- gewinn Mk. 3 615000, minus Mk. 675 000, dem stehen Prägekosten usw. von Mk. 815 000, minus Mk. 615 000 gegenüber.
Tie einmaligen Ausgaben des außerordentlichen Etats betragen Mk. 15 000 zur Erschließung und Verkauf des bei Mainz und Kastel frei werdenden Festnngs- geländes, die fortdauernden Ausgaben Mk. 571382605, mehr Mark 22 664 005, davon Ausgaben für das Reichs- schatzamt Mk. 697120, mehr Mk. 11050. Tie allgemeinen Fonds erfordern Mk. 16 228185, mehr Mk. 10811845, darunter zur Entlastung des Reich sinvalidenfonds von der Veteranen-Beihrlfe Mk. 11 500 000. Tie lleberWeisungen an die Bundesstaaten betragen Mark 553931000, mehr Mk. 11839 000, und zwar aus Zöllen u n d T a b a k st e u e r Mk. 372 779 000, mehr Mk. 17 851 000. Branntweinverbrauchsabgabe Mk. 106 400 000, weniger Mark 2 267 000, ans Reichsstempelabgaben Mk. 74 752 000, weniger Mk. 3 745 000. Ter allgemeine Pensionsfonds weist eine Einnahme von Mark 10 776, wie im Vorjahre, und eine Ausgabe von Mark 70 941119, mehr Mk. 1 255 879 auf, davon für das Reichsheer Mk. 63 282 805, mehr Mark 562 280, Reichsmilitärgericht Mk. 14 490, mehr Mk. 10113; auf dieMarine entfallen Mk. 5 295 954, mehr Mk. 476 500, auf die Zivilvcrwaltung Mk. 2197 870, mehr Mk. 146 986, Ausgaben für den Reichsinvalidenfonds Mark 53121399, mehr Mk. 4117 650; davon gehen Mk. 11500 000 durch Uebernahme der Veteranenbeihilfen von bisher Mk. 9 Millionen auf den allgemeinen Fonds des ^eichsschatzamts ab.
Ter Etat für die Expedition nachOstasie n weist eine Einnahme des ordentlichen Etats von Mk. 10 965 827, weniger Mk. 21101, als dritte Zinsrate der Entschädigung von Ehina und Mk. 1375 827, weniger Mk. 458 609, an rückständigen Zinsen aus der Zeit vor dem 1. Januar 1902; an außerordentlichen Tcckungsmitteln Mk. 548 610, mehr Mk. 21000, als dritte Tilgungsrate der Entschädigung. Tie Ausgaben des außerordentlichen Etats werden auf Mk. 14109 712, mehrMarkl 776 886, veranschlagt, davon für Verwaltung des Reichsheeres Mk. 12590712, mehr Mk. 3 257 886, und zwar einmalige Kosten Mk. 500 220, weniger Mk. 70000. kaufende Kosten Mk. 12090402, mehr Mk. 327 886. In den Erläuterungen dazu heißt es, daß die politischen Verhältnisse im Jahre 1903 eine wesentliche Verringerung der Besatzungsbrigade nicht er m ö glr.ch ten. Auf die Marineverwaltung entfallen Mark 677 000, mehr Mk. 103 000, die Post- und Telegraphenverwaltung Mark 242 000, weniger Mk. 38 200, Auswärtiges Amt Mark 580 000, weniger Mk. 1520 000. Als letzte Rate zur Entschädigung deutscher Privatpersonen für Verluste wahrend der chinesischen Wirren.
Ter militärische Sicherheitsdienst in Lhina kostet also dem Reich jährlich über 14 Millionen. Es scheint, daß diese Kosten zu einer dauernden Einrichtung werden, denn die Herstellung völliger Ruhe und allseitiger fremd en freundlicher Gesinnungen in dem Riesenland ist natürlich ein unerreichbares Ziel. China schuldet Teutschland noch von der Kriegsentschädiguna rund 274 Millionen. Beiläufig betragen die lausenden Kosten pro Kopf der Brigade durchschnittlich Mark 6000. Hoffentlich bleiben unsere Truppen nicht so lange in Ostasien, bis die gewaltige Entschädigungssumme abgezahlt ist. Um den Bundesstaaten für ihre Finanzen verhängnisvolle Opfer nicht aufzuerlegen, wird auch diesmal, bei Abstandnahme von einer neuen Reichssteuer, kein anderes Mittel übrig bleiben, als durch eine Zuschuß-Anleihe das Fehlende aufzu- briugen.
Die „Professoren des Umsturzes".
Im Dezemberhest der „Preuß. Jcchrb." vertritt Professor Delbrück noch einmal seinen bekannten Standpunkt, daß es richtiger gewesen sei, bei den Landtagswahlen in einzelnen Wahlkreisen mit der Sozialdemokratie zu paktieren. Er schreibt:
„Es ist zweifellos, daß die Spannuna, in der die Verhält- ,iisse sich bei uns befinden, ganz wesentlich aemildert worden wäre, wenn die liberalen Parteien sich hätten entschließen können, nach Ort und Umständen in einer Anzahl von Wahlkreisen mit den Sozialdemokraten zu paktieren. Sie hätten, wenn das rechtzeitig schon vor den Urwahlen geschehen wäre, den Konservativen wenigstens 20 bis 30 Sitze, die sie jetzt innehaben, entrißen. Tie Mehrheitsverhältnisse wären dadurch ireilich nicht verändert, aber der prinzipielle Gedanke, daß eine Partei von drei Millionen Wählern nicht dauernd eine bloße Negation, eine tote Last im Staatsleben bleiben darf, wäre dadurch mächtig gefördert worden. Tie revifionist- ische Richtung innerhalb der Partei selber wäre gestärkt, jeder Versuch, vom Landtag aus eine neue Periode der Scharfmacherei in Szene zu setzen, tm Keime erstickt worden. Der Zug nach links, der im Lande unzweiielhaft vorhanden ist, ist nunmehr im Wahlergebnis nicht nur nicht zum Ausdruck gebracht, sondern im Gegenteil der Schein erweckt worden, als ob die besitzenden Stände in ihrer großen Mehrheit eine reaktionäre Politik wollten."
Aber an der Stimmung der Wähler sei diese Taktik gescheitert. Das Gebaren der Sozialdemokraten in Dresden und in den Wahlmännerversammlungen wäre da ausschlaggebend gewesen. Weiter teilt Herr Delbrück mit:
„Gerade im Wahlkreise Charlottenburg war eine größere Anzahl von Professoren bereit, an die Spitze zu treten, um durch Zusammenfassung der gesamten Linken den Konservativen die Mandate zu nehmen, und man hatte die Majorität der Wahlmänner. Aber Herr Bebel hat gedroht, mit den Liberalen Fraktur reden zu wollen. Tie Antwort war: Nun gerade nicht."
Es ist begreiflich, daß nun ein gewaltiges Kesseltreiben iosgeht, nicht nur gegen Delbrück und Schm oller, die beide „geständig" sind, sondern auch gegen Pfleiderer, der der dritte im Bunde sein soll und nicht geleugnet hat. „Kreuzztg.", „Deutsche Tagesztq.", „Volk" und ähnliche legen chre Lanzen gegen die Professoren des Umsturzes ein. Die „Deutsche Tagesztg." nimmt sich besonders Schmoller aufs Korn, „der in nationalökonomischen Fragen von der preuß
ischen Regierung und auch von der Reichsregierung als Autorität angesehen zu werden pflegt". Am plmnpesten verfährt bei diesem Wettstreit das Stöckersche „Volk".
„Herr Delbrück", so schreibt das Blatt, „ist als Universitätslehrer preußischer Beamter und hat seinem König den Treueid, geleistet. Herr Arons war mir Privatdo^ent ohne Beamtengnalitat, und doch entzog man ihm die Lehrbefähigung, als er sozialdenw- kratisch agitierte. W^»^ Vrivatdozenten recht war, ist dem Professor mehr als billig."
Ergo. Mtlß auch Herr Delbrück „abgesägt" werden. Aber nicht er allein, sämtliche Professoren, so fordert das „Volk" kategorisch, „die in die politische Arena herabsteigen, um dort sozialdemokratische Wühlarbeit zu leisten, haben das Recht auf eine Ausnahmestellung vor anderen Beamten verwirkt". Das „Volk" scheint vergessen zu hohen, daß auch Herrn Stöcker wiederholt von konservativer Seite „sozialdemokratische Wühlarbeit" vorgeworfen worden ist.
AnslandZ-Handelskammern.
Aus Berlin, 27. November, wird uns geschrieben:
Durch die auf Erlangung einer finanziellen Beihilfe abzielende Eingabe der deutschen Handelskammern in Brüssel an den Reichskanzler ist eine Frage wieder in den Vordergrund gerückt, über die im Reichstag gelegentlich lebhaft debattiert wurde. Die Idee der Errichtung deutscher Handelskammern im Auslandr hat ihren eifrigen Fürsprecher gefunden in dem süddeutschen Exportindustriellen der Textilbranche, dem Abg. Münch-Ferber natl. Ihm war zu Beginn dieses Jahres insofern ein Erfolg beschieden, als seine Resulution, die Regierung zur Einstellung eines Betrages für die entsprechenden Vorarbeiten in den Etat aufzufordern, von einer knappen Mehrheit angenommen wurde. Es war freilich nur ein äußerer Erfolg, denn bei der grundsätzlich ablehnenden Haltung der Regierung, der der Staatssekretär des Auswärtigen damals entschiedenen Ausdruck gab, ist nicht zu erwarten, daß die Regierung der Resolution Folge geben wird. Diese ablehnende Haltung wäre unverständlich, wenn die Regierung sich in Widerspruch befände mit der Gesamtheit der deutschen Exportinteressenten. Dem ist aber nicht so. Ein Teil dieser Interessenten hält die Errichtung von Auslandskammern für unzweckmäßig. Wortführer der gegnerischen Gruppe im Parlament war der frühere Abg. Frese (Fr. Vg.,) als Bremer Repräsentant des deutschen Tabakgroßhandels. Er meinte, die im Ausland tätigen deutschen Kaufleute und Agenten hielten die Augen offen und merkten selbst am besten, was im Interesse des deutschen Exports zu tun und zu lasten sei; sie bedürften keiner Belehrung und Unterstützung durch eine Handelskammer, zu deren Unterhaltung sie am Ende finanziell beitragen müßten. Es steht also in den Handelskreisen selbst Ansicht gegen Ansicht, unb das erleichtert natürlich der Regierung, sich ablehnend zu verhalten. Der Tatsache, daß andere Staaten, vor allen England, Nordamerika und das geschäftsgewandte Holland, Auslandskammern errichtet haben und noch errichten, scheint amtlicherseits kein entscheidendes Gewicht beigelegt zu werden. Es dürfte also für Deutschland auch in Zukunft bei den den diplomatischen Vertretungen zugeteilten wirtschaftlichen Sachverständigen bleiben. Die preußische Regierung beabsichtigt, zum Zweck der Jnformirung über Handels- und Landwirtschafts-Angelegenheiten mehrere Mini- sterialbeamte zur Weltausstellung nach St. Louis zu senden.
Tas Revisionsgesuch Dreysuß
ist am 26. November an das französische Justizministerium gelangt. Gewisse von ihm ausgezählte Tatsachen sollen den Inhalt des Aktenstückes bestätigen, welches der Kriegsminister sch-on vordem dem Justizminister mitgeteilt hatte. Mährend der Interpellation des Sozialisten Jaurös hatte der Kriegsminister seine Absicht angekündigt, die Akten persönlich zu prüfen. Tie an den Justizminister gelangten Feststellungen des Kriegsministers dürsten ziemlich schwerwiegender Art sein, da sie ersteren bestimmten, sie der Revisionskommission vorzulegen. Ueber den Inhalt des Gesuches Treyfus' ist noch nichts verlautet. Nichtsdestoweniger nimmt man an, daß Kriegsminister Andre in den Aktenstücken des Kriegsministeriums Dokumente von mehr als zweifelhafter Glaubwürdigkeit gesunden hat und daß er außerdem Spuren von Machenschaften entdeckt hat, deren man sich 1897 oder 1898 im Kriegsministerium bedient hat, um Schriftstücke oder wichtige Tatsachen zu verheimlichen und daß er endlich von dem früheren Archivar Gribelin bedeutsame Enthüllungen erhalten hat. In der am nächsten Mittwoch stattfindenden Sitzung wird die Revisionskommission von den ihr vom Justizminister zugegangenen Dokumenten Kenntnis nehmen. Nach den Angaben gewisser Persönlichkeiten nahm Kriegsminister Andr6 von dem Drey- fus-Dossiei? Kenntnis, um in seiner Eigenschaft als Armeechef die gegen einige in oie Angelegenheit verwickelte Offiziere erhobenen Anschuldigungen auf ihre Wahrheit zu untersuchen. Unter gewissen Vorbehalten wird behauptet, daß Andrö in dem geheimen Dossier, welches allein dem Kriegsgericht in Rennes unterbreitet wurde, zwei Schriftstücke entdeckt bat, die er deutlich als gefälscht erkannt hat, und zwar derart, daß sie notwendigerweise bestimmend zur Verurteilung von Treyfus beitragen mußten. Außerdem seien gewisse Dokumente, die die Unschuld von Dreyfus darlegen konnten, dem Kriegsgericht nicht mitgeteilt worden. Schließlich sei noch eine Zeugenaussage, die auf die Entscheidung des Kriegsgerichts in Rennes Einfluß üben konnte, infolge Beeinflussung von anderer Seite von einer interessierten Persönlichreit abgegeben worden. Dies wären unter allem Vorbehalt die neuen Tatsachen, die in dem vom Kriegsminister dem Justizminister zugestellten Bericht erwähnt seien.
Tie Pariser Blätter besprechen die Angelegenheit der Revision der Treyfus-Asfäre. „Gaulois" ist der Ansicht, daß Treyfus nunmehr f r ei ge spr-o chen werden wird. Auf diese Weise wird ein Streich gespielt und Frankreich wird die Kosten tragen. „Figaro" kündigt eine Interpellation über die Angelegenheit als sicher an. „Aurore" sagt, wir begrüßen mit Freuden den Anbruch des großen Tages, an dem die Wahrheit über alle Gehässigkeiten triumphieren wird. Jaurös schreibt in seiner „Petite Re- publique": Tie Ruhe der Geister ist wieder hergestellt, und nunmehr wird das Recht bis in die Tiefe alles eindringen.
Keer und Aftolte.
— Nach einer Kieler Depesche haben die gemeinsamen Funken-Telegraphie-Versuche zwischen einem Tor- pedo-Versuchs-Kommando und einem Detachement vom Berliner Luftschiffer-Bataillon zufriedenstellende Resultate gehabt.
— Die „Nat.-Ztg." berichtet aus Forbach, daß von den Offizieren beS lothringischen Train-Bataillons Nr. 16 gegenwärtig nur drei Dienst tun und zwar der Rittmeister Hägele, der Oberleutnant Habenichts und Leutnant v. Flemming. Die anderen Offiziere des Bataillons "ind teils krank, teils beurlaubt.
Kirche und Schule.
Prag, 29. Nov. Wie die „Narodny Lilli" meldet, hat der Erzbschof von Skrbensky an den Klerus einen Erlaß gerichtet, worin der Geistlichkeit mit Rücksicht auf unanständig gekleidete und tanzende Damen, welche die Geistlichen in unangenehme Situationen bringen können, der Theaterbesuch verboten wird.
— Nonnen mit dem Doktortitel. Der Papsi hat eine Neuerung bewilligt, die unter Leo XIII. stets auf lebhaften Widerstand gestoßen ist. Seit langem baten verschiedene Nonnenklöster, deren Insassinnen gelehrten Studien huldigen, man möge diesen Nonnen, wennschon sie nicht die öffentlichen Vorlesungen besuchen können, gestatten, als Frucht ihrer Prioatstudien das Examen an den Universitäten abzulegen. Der Papst hat erklärt, daß er damit völlig einverstanden sei, denn es sei die beste Garantie dafür, daß die Studien auch wirklich mit dem vollen Ernste durchgeführt wurden. Und so wird man demnächst in Innsbruck, Freiburg und Wien die ersten Nonnen vor den ftaatlidjen Kommissionen erscheinen sehen. Die Nonne als Dr. theoL ober Dr. phil. ist allerbings ein vom Mittelalter recht weit entfernter Zustanb. Die Universitäten des Königreichs Italien find davon ausgeschloffen.
Hauptversammlung des landwirtschastk. Wereins für die Wrovin; HS-rhessen.
-e. Gießen, 28. Nov.
Am 26. November, nachmittags 2 Uhr, eröffnete der Präsident des landwirtschaftlichen Vereins für die Provinz Oberhessen, Oekonomierat Schlenke, die Hauptversammlung, indem er die besonders ans den entfernten Kreisen der Provinz zahlreich erschienenen Mitglieder herzlich begrüßte und ihnen dankte, daß sie trotz des Unwetters den Weg in die Provinzialhauptstadt nicht gescheut hätten. Leider hatte der Schineesturm alle die, welche gewohnt sind, aus der näheren Umgebung zu Fuß und zu Wagen zu der Versammlung zu kommen, an ihren Wohnsitz gefesselt. Ter Vorsitzende begrüßte weiter die Vertreter der Regierung, Oberregierungsrat Hälzinger, Landesökon-omjerat Müller iind den seit Jahren zum ersten Male wieder erschienenen Präsidenten des Hess. Landwirtschaftsrates Geh. Regierungsrat Haas. — Am Erscheinen waren verhindert Provinzialdirektor Dr. Breidert, Graf Oriola, Kreisrat ^Boeck- mann, Geh. Regierungsrat Schvnfeld, Generalsekretär Dr. Müller, Pfteimbtner. Als Referenten waren erschiene:: die Generalsekretäre Dr. Gvabein und Dr. Neumarrn aus Darmstadt.
Bevor der Vorsitzende in die Tagesordnung eintrat, gedachte er des schm erzli chen Verlustes,denunser G r o ß h erzog und das Land erlitten haben mit den Worten: .
Ehe ich in die Tagesordnung eintrete, lassen Sie mich des TrauerfalleS gedenken, der die Herzen der Bevölkerung des Hessenlandes aufs tiefste erschüttert hat. Unserem Landesherrn ist das Liebste genommen, was er auf dieser Erde besaß, das einzige Kind, die Prinzessin Elisabeth. Mit unserem erhabenen Landesherrn trauert das ganze Volk. Möchte ihm diese Teilnahme einigen Trost gewähren in seinem tiefen Schmerz.
Tie Versammlung drückte ihre Anteilnahme in der üblichen Weise aus.
Der Vorsitzende erstattete'nunmehr den G schäftsbericht, wie er im Ausmge bereits im gestrigen Blatt mitgeteilt wurde, und erteilte nach einigen Einleitungsworten dem Generalsekretär Dr. 0-rabein aus Darmstadt das Wort >,u der Frage über die Anlage von Getreidelager>- häusern in der Provinz Oberhessen.
Der Vortragende gab zunächst einen Ueberblick übet die Verbreitung derselben im Deutschen Reiche. Tanad), sind die Getreidelagerhäuser am verbreitetsten in Süd'- und Mitteldeutschland. Bayern errichtete mit Staatshilfe ms heute nahezu hundert Getreidelagerhäuser, dann folgt Baden mit einer großen Z^ahl, die mit jedem Jahre zummmt. In Württemberg, in Elsaß-Lothringen, in Hessen-Nasiau ist ein wenn auch noch weitmaschiges Netz von Sagetnaufem über das Land gezogen. Im Großherzogtum Hessen besitzen wir ein Ge'treidelagerhaus in Lorsch-
Alle diese Getreidelagerhäuser sind von mäßigem Umfange. Es können nicht große Massen von Getreide aufgespeichert werden; das angesammelte und aufs grünbnajfte gereinigte Getreide wird alsbald auf den Markt gebracht und macht so neuen Zufuhren Platz- Im Könrgrerch Preußen baut man von vornherein große und größte Getreidelagerhauser. Der Finanzminister Miquel stellte mehrere Millionen zu diesem Zweck zur Verfügung und an den Fehlern, die bei dieser ersten Anlage von Getreidelagerhäusern gemacht wurden, haben die Länder, welche die späteren Anlagen schafften, gelernt. Man ist zu der Einsicht gekommen, daß mäßig große Lagerhäuser in nicht zu großer Entfernung von einander ihren Zwecken am besten entsprechen und sich angemessen verzinsen. Die genossenschaftliche Organisation des Getreidelagerhauswesens ist die einM mögliche. Das Kornhaus soll des vorher gründlich gereinigte Getreide aufnehmen, und soll die 5>anptbedarfs- artikel wie Düngemittel und Futtermittel an seine Genossen abgeben. Heute schon werden auf diese Weise 7—8 Millionen Zentner Getreide im Deutschen Reiche genossenschaftlich verwertet. Die kleineren Getreidehäuser kosten 20000 bis 50000 Mark, haben maschinelle Einrichtung, Geleisanschluß und beanspruchen die geringsten Verwaltungsund Arbeitskosten. Diese Kornhäuser der einzelnen Landschaften haben eine gemeinsame Ankaufszentrale, die an Mühlen, Proviantämter und andere Käufer das Getreide ihrer Lagerhäuser absehen. Wirtschaftlich stellt sich die Anlage der Lagerhäuser schon desbalb günstig, weil durch sie eine Konkurrenz mit den Getreidehändlern entsteht, die preiserhöherch wirkt. Die Berichte über das sonstige Geschäfts er g ebn is, von den betreffenden Regierungeri heraus' gegeben, lauten für die kleineren Getreidelagerhäuser fast durchweg günstig. Während bekanntlich einige sehr große Getreidelagerhäuser mit außerordentlich hohen Verwaltungskosten, wie das z. B. in HaNe a. S., bisher mit ab" nehmender. Unterbilanz arbeiteten. Redner verbreitet sich über den inneren Ausbau, die Art, wie das Getreide entweder vom Landwirt zu festen Preisen angekauft, oder nur für dessen Rechnung eingelagert und auf Wunsch beliehm wird 2C.


