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30.11.1903 Erstes Blatt
 
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Nr. 281

Erscheint iSglich außer Sonntags.

Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit tem kjeffischen Landwirt iie Sreßener Kamilien- blätter oiermal in der Woche beigelegt

Rotationsdruck u. Der- lag der Brü h l'schen Unwers.-Buch- ».Stein« d rackerer (Pietsch (irben) Redaktion, Expedition und Druckerei:

Schulstratze 7.

ssldrehe für Depeschent Anzeiger Gietzeu.

^ernIprcchanschiußNr 51.

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Erstes Matt. 153. Jahrgang Montag 30. November 1803

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Gietzener Anzeiger General-Anzeiger ä~s&

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen WZ

Dolttische Wochenschau.

Tie polnische (Gräfin mit der Lorgnette, die sich in üolzer Ruhe gegen das Netz von Verdächtigungen meta, düs von dem Geschwätz von Dienstmädchen und alten Weibern um ihr Haupt geworfen war, beschäftigte in der vergangenen Mache nicht nur Neugier und Sensationslust, sondern guch das ernste Nachdenken der Gebildeten. Der Prozeß Kwilecki hat zu einer ganzen Reihe sehr ernster und beherzigenswerter Mahnungen an die Praxis unserer Rechtspflege Anlaß gegeben. Hier hatte sich die Staatsanwaltschaft in den Dienst der Frau Fama -gestellt, und man hat den Versuch des Assessors Müller gerügt, durch Anwendung von Beeinflussungen der Geschworenen die Staatsanwaltschaft vor der Mederlage und die preuß. Staatskasse vor dem Verlust von fast anderthalbhundert- tLusend 9Jtart zu retten. Die Geschworenen sitzen nicht dazu ann Richtertische, um ihr Interesse an derErhaltung drs Schwurgerichtsversayrens" oder an der Schaffung Deutscher Kulturwerte im Öftere" Zu betätigen, sondern allein, um das Recht zu finden. Staatsanwalt Müller liefert neues Marerial für die Behauptung eines anderen Staatsanwalts, die Staatsanwaltschaft wäre dieobjek­tivste Behörde von der Welt". Es wird wenige Verteidiger geben, die dieser Ansicht sind. Wenn man nun aber die Staats anwalt s chaft allein verantwortlich machen will da- für, daß sie aus die vorhandenen Indizien hin dieses ergebnislose Rennen nach der Schuld der Gräfin eröffnet hat, so muß man die Staatsanwaltschaft hiergegen irr Schutz nehmen. Sie hat unermüdlich ihre Pflicht getan. Die Verantwortung für die Kirrungen dieses Prozesses ist wo a n d e r s z u s u ch e n. Der Verteidiger Iustizrat Wr-onter hat den Finger in die Wunde gelegt, wenn er sagte: Der Prozeß hat neues Material jur die Unzweckmäßigkeit der Einrichtung geliefert, die Verteidigung Lei der Voruntersuchung nicht Lmzulassen. Ist die Anklage einmal erhoben, so hat die Staatsanwaltschaft alles Interesse daran, dem Richter wesentliches Beweismaterial vmzulegen,das die Angeklagten belastet. Und doch hätte bei Kenntnis der JndivlDualität her Angeklagten das Ausfällige an ihrem Benehmen, das bi-e Staatsanwaltschaft stutzig gemacht hat, verschwinden können. Für Kenntnis dieser Individualität nach bet; Maxime zu sorgen: tout comprendre est tont pardonner, war die Aufgabe der Verteidigung. Beim Krozeß Kwilecki ttXKir das um so nötiger, als es sich um Sdflußsolgerungen ans Dingen handelte, die ohne intime Kenntnis die;es Faauencharakters nicht zutreffend beurteilt werden können. Wenn freilich jetzt Enthusiasten die verfolgte Gräftn wie eime Heldin feiern, so wäre hier mehr kaltes Mut am Matze. Denn es ist manches Dunkle in den Verhandlungen zurückgeblieben, das vielleicht niemals aufgeklärt wird.

Kaum minder dunkel als die Familiengeschichte des flamten Grafen Kwilecki scheint heute eine viel diskutierte, FL-age unserer WirtschaftSpolitit. Man weiß nicht, wer eiigentlich dasKarnickel" gewesen ist, das den unglück­lichen Gedanken der Aushebung der Abgabenfrei- h«it unserer Flußschifsayrt in die öfserllllche T^skussion -geworfen hat. Er war eines Tages da, aber memand wollte ihn aufgebracht haben. 2aut und viel- timmig erscholl der Protest aus Handels- und Judustrte- kr eisen, in denen mit Recht niemals an der Wahrheit gerüttelt wird, daß wirim Zeichen des Verkehrs" stehen und in diesem Zeichen allein diejenigen Werte zu schaffen vermögen, die unserem Erwerbsleben die wirksame Kon- lurrenzmöglichkell auf dem Wellmarkte sichern Ter all­gemeine Protest gegen die Aushebung der Abgabensrechert

hat bewiesen, daß vom Staate einmal gewährte Vorteile und Erleichterungen von ihm nicht so leicht wieder zurück­genommen werden können, wenn sie überdies noch ganz dem Zuge der Zeit entsprechen. Und der geht in der Richtung der Verkehrserleichterungen. Die Zeiten der Schlagbäume und Chausseegelder sind ein für allemal vorbei.

Verkehrsfragen reichen heute sogar aus, um' Staats­umwälzungen herbeizuführen. Man hat jetzt genauer fest- gestellt, tote dce Fäden der Panamarevolution in Washington unter Mitwirkung des Staatssekretärs Hay selbst im Interesse des Kanalbaues und seiner immensen Vorteile für Amerika gesponnen worden sind. So schürf auch der Widerspruch ist, den die rücksichtslose Vergewal­tigung Kolumbiens unter den Demokraten gefunden hat, es ist kein Zweifel: der erreichte gewaltige Verkehrsfort- schritt wird von der Mehrheit des Kongresses auf das be­geistertste gut geheißen werden. Daß Amerika den Kanal in seinen Besitz nehmen und mit amerikanischen Bastionen und Forts spicken darf, hat von neuem bewiesen, was sich die Union dank des europäischen Wettlaufs um seine Gunst alles leisten kann. Selbst die Einverleibung Kubas wird jetzt unverfroren im Senat als Antrag emgebracht und vielseitig unterstützt. Frankreich ist in der eilfertigen Anerkennung Panamas den europäischen Stationen mit schlechtem Beispiel vorangegangen. Nach Washingtoner Meldungen ist der Vertrag zwischen dem Staatssekretär Hay und Bunan Varilla von der Regierung der neuen Panama-Republik ratifiziert worden.

Durch den Sieg der Revolution in Santo Do­mingo und die Herstellung der Ruhe dort ist allerdings der amerikanischen Union, Die übrigens demnächst wieder das auftegende Ereignis der Präsidentenwahl erleben wird, die erwünjchte Gelegenheit zunächst entwischt, zur Abrund­ung seines Besitzes die S_>anb auf die wichtige Insel zu legen. In den Beziehungen zwischen der Republik ^an Domingo und den Vereinigten Staaten sind nun natürlich sofort ,-Schwierigkeiten" eingetreten. Es fällt ihnen selbstver­ständlich nicht schwer, solche vom Zaun zu brechen, und eine alte vergessene Geschichte muß nun her halten, um den Streit anzufacheu. Tie Newyorker Meliora­tions-Gesellschaft, die sich in San Domingo an^ ver­schiedenen Unternehmungen bllllllute, steht seit Jahren mit der Republik in Unterhandlungen zur Befriedigung ihrer Ansprüche in Höhe von 5 Millionen Doll. Im Januar führten die Verhandlungen zur Einsetzung eines Schiedsgericküshofes, wofür Präsident Wos y Gil seinerzeit Schiedsrichter zur Vertretung der Interessen San Tomingos ernannte. Die anderen Mitglieder des Schiedst gerichtsyoses vertraten die Vereinigten Staaten. Augen- jcheinlich weigert sich aber die neue Regierung der Re­publik, die von Wos y Gil unternommenen Schritte anzu- erkennen. Ter Geschäftsträger der Vereinig­ten Staaten in San Domingo, Powell, lehnte es ab, die provisorische Regierung anzu er­kennen, und erhob Einspruch gegen die von chr vor­genommene Abberufung der von Wos y Gll eingesetzten Schiedsrichter, indem er daran festhält, daß das Schieds­gericht durchaus den Bestimmungen des Protokolls gemäß zusammengesetzt sei. Es müsse sich daher mit dem Fall auch weiter beschäftigen und feine Entscheidung müsse end- giltig sein. Und nach der Pfeife Amerikas tanzt sofort das schöne Frankreich. Auch der Gesandte dieses .Landes erhob Einspruch gegen die Verfügung der provisorischen Regierung, in der zwar die schwebenoe Schuld airerkannt, die anderen Forderungen dagegen nicht geregelt werden.

So ist denn die amerikanische Union drauf und dran,

mit Hilfe Frankreichs und auch Belgiens auch San Do­mingo zu verschlucken.

Europa wird es einst noefy spüren, daß es höchst unklug handelt, dem Imperialismus Amerikas jeglichen Vorschub zu leisten und den Glauben der Amerikaner zu stärken, daß es Widerstände für sie überhaupt nicht mehr gibt. Sollte wagt niemand mehr daran zu erinnern, daß es für die Engländer noch in den ersten Jahren des 19. Jahrhunderts ein Spaziergang war, Washington mit einer Handvoll Soldaten zu erobern und wochenlang besetzt zu halten.

MerklMrdig! Stark ist das die Völker trennende Na­tionalgefühl heute überall im Wachsen begriffen; Oester­reich wo man die Obstruktion niederzuringen sich bemüht, Japan, China und England, die gemeinsam gegen Ruß­land sehr kriegerische Töne anschlagen, der Balkan, auf dem die Bevölkerung über alle Neformversuche sich aus- regt, liefern dafür fortwährend Beweise. Ebensosehr wächst aber das Verlangen nach Verständigung und Ver­söhnung. Gerade Frankreich aber war es, das durch, den Mund seiner Teputiertenkammer soeben den Gedanken, mit der Abrüstung anzufangen, schroff abgelehnt hat, und dessen Hauptstadt den Beschuß faßte, den Gedanken des Krieges gegen Deutschland in der ftanzösischen Jugend durch Anschlag des Protestes gegen die Annexion Elsaß- Lothringens in den Schulen lebendig und wachzuhalten. Täglich polemisieren jetzt die Pariser Blätter mit einander über die Zulässigkeit der Abrüstung, und Clemenceau macht Pressense den Vorwurf, daß er auf einen Abweg geraten sei und die Verwirklichung einer Utopie für möglich halte.

Ewig wahr bleibt Goethes Wort:

Wo sich auch die Völker trennen Gegenseitig im Verachten, Keins von beiden wird bekennen. Daß sie nach demselben trachten.

Valttische Tagesschau.

Aus dem Neichshaushaltsetat.

TieNordd. Allg. Ztg." veröffentlicht Auszüge aus' einer Reihe weüerer Etats. Ter Etat des Aus w ärtigen Amts weist Einnahme Mark 1083 830 auf, mehr gegen das Vorjahr Mk.48170; die fortdauernden Ausgaben betragen Mark 15 552 207, mehr Mk. 734458. Tie einmaligen Aus­gaben betragen Mk. 17 699 176, weniger Mk. 1027 378, dar­unter neu Mk. 16000 zur Förderung wissenschaft- licher, insbesondere ethnologischer Arbei­ten in China. Ter Etat des Reichsamts des Innern weist Mk. 9 999 889 ordentliche Einnahmen aus, mehr Mark 733 754, aus außerordentlichen Deckungsmitteln wie im .Vor­jahre Mk. 70000. Die fortdauernden Ausgaben betragen Mk. 68 995157, mehr Mk. 5 686 680. Die Belastung des Reichs aus den auf Grund des Invalid enverjicherungs- g e j e tz e s zahlbaren Renten wird auf Mk. 45809 000, mehr Mk. 4 951100 veranschlagt. Zur wissenschaftlichen Bearbeit­ung und Veröftentlichung der Ergebnisse der Südpolar- Expedition werden als erste Rate Mk. 75000 ver­langt. Tie einmaligen Ausgaben des ordentlichen Etats betragen Mk. 9 466 000, weniger Mk. 1655 980, darunter unter anderem Mk. 5000 als Zuschuß für den 1904 in Berlin stattfindenden Kongreß der internationalen Ver­einigung für gewerblichen Rechtsschutz, Mk. 2 000 000 als zweite Rate für Beteiligung des Reichs an der Welt­ausstellung in St. 1!ouis, Mk. 50000 als Beitrag zur Einrichtung eines Museums v o n M e i st e r w e r k e n der Naturwissenschaft und Technik in =

Zemllcwn.

Eine Berlioz-Feier des Konzertvereins findet am Sonntag, den 13. Dezember, statt. Am 11.Dezember werden 100Jahre vergangensem,daß Hektor Berlioz, einer der hervorragendsten Komponisten Frank­reichs, das Xiid)t der Welt erblickt hat. Seit Monaten schon befinden sich die Konzertinstitute, nrcht nur die cankreicks, sondern überall, wo edle Mu^rl gepflegt werd, in eitriger Arbeit, um die Centenar-J«ier würdig begehen m können. Auch Gießen darf und will yierbei nicht fehlen, es dock, in den letzten Jahren in künstlerischer Be- ri'chung so große Fortschritte gemacht, daß es |m)i jetzt ohne Bedenken an die höchsten Aufgaben heranwagen batf. taber hat Gießen in realer Beziehung ,rch well von der idealen Seite überflügeln laufen; noch honte entbehren wrr sür größere Tardietungen geeigneter, würdiger Raume. Man macht, ja jetzt wieder einen Anlauf dazu, ob aber der Atem ausreichen wird, ~ um Silber berg zu er­

steigen? Nun, die fteundlichst bewilligte Turnhalle -ist lern so übler Notbehelf, sie ist, ganz ohne Absicht,^schon Mstisch geraten und darum einer ungeratenen ^on- hmlle, zumal wenn diese im Bezrrke ber liffqt, vorzuziehen. Berlioz war ein in jeder Beziehung interessanter Künstler und Mensch, unbengjam, trotz viel- ja to Widerwärtigkeiten, hat er ein einmal gesteckres Ziel uu erreichen gesucht. Als Sohn emes Arztes §u E o t e 5 t. Andre geboren, war er ebenfalls zum medcziw,chen Limdium bestimmt. Trotzdem widmete er sich, her Musik, rifit achtend, daß der Vater il>m jebe Unterstützung ver- öe ms Chorist am Pariser TheaterGhmnase dra- m at'ique" erwarb er sich kärglich seinen Lebensunterhalt, tarierte dabei emsig im Konveriatorium. Das trockene ?inaelwesen der solioen üehre behagte ihm ftdoa^ so tuemg, S n- die'e Bildungsstätte bald verließ, um nun ganz L eigenen 2W zu'wandeln .Die sogenannte Pro- ^ammusik ist Berlioz' Schöpfung, erst nach ihm

wandte sich Franz l^iszt dieser neuen Stilgattung zu. Eine große Anzahl von Werken hat B. geschaffen, jedoch gelang es ihm nicht, sich schpn bei seinen Leb­zeiten in seinem Vaterlande den Platz, der ihm gebührt hätte, zu erringen. Auch seine Kunstreisen 1843 inDents ch- land, 1845 in Oesterreich und 1847 in Rußland fanden, bei allem Interesse, das ihm entgegengebracht tour de, auf der anderen Seite zahlreichen Widerspruch So eigentlich unverstanden starb B. am 9. März 1869 in Paris, und erst nach seinem Tode begann sein Ruhm, dann aber auch mit Riesenschritten sich auszubreiten. 1886 errichtete ihm Paris, 1890 seine Vaterstadt ein Denkmal. Tas gewaltigste und weitragendste Denkmal hat sich B aber selbst durch seine Werke geschaffen. Jetzt Dürfte- kein Gebildeter mehr die hohen Schönheiten anzweifeln, und wenn die Werke heute noch nicht Gemeingut aller ge­worden sind, so liegt das an den gewaltigen Ausgaben, die Berlioz den Ausführenden stellt. Unter Traut­manns energischer und musikalischer Führung haben wir am 13. Dezember einen ungetrübten Genuß zu erwarten, und es unterliegt für uns keinem Zweifel, daß von dann ab der Name Berlioz öfter unsere Programme zieren w«d.

E. CH.

Tilsit, 27. Nov. Unser neues Stadttheater steht nun fertig. Eigentlich ist es nur ein Umbau; indes ist dabei so viel yerumgedoktort worden, daß man mit Fug und Recht von emem Neubau redeic tann. Das Aeußere des Musentempels wird erst im nächsten Sommer fertig- gestellt. Sehr schön gelungen sind die Wandelgänge, dre eine leichte Verbindung mit der Garderobe ermöglichen und außerdem im ersten Rang noch Plätze für* Ruhe- sucyenoe bieten. Im Zuschauerraum herrscht weiches, an­genehmes Rot vor, verbunden niü demGold aus Weiß" Der Decke und der Brüstungen. Von den Heizkörpern, die im Znschauerrauin angebracht sind, kann jeder jur sich abgesperrt werden. Der Orchesterraum das Orchester verdeckt untergebracht ist fast ganz verschwunden; dafür sind neue Plätze im Parkett geschaffen. Neuen dem Wandel-

gange des 1. Ranges (für die Besucher des Parketts ebenfalls zugänglich) liegt der Erftischungsraum. Eine reiche Stuck­decke mit Gold verziert, elegante Möbel und Beleuchtungs­körper geben diesem Raume ein vornehmes Aussehen. Auch die Ventilation ist den Polizeiverordnungen entsprechend reichlich vorgesehen.

D a s S ch a u s p i e 1S o i st d a s L e b e n" (Verlag von Alb. Langen in Äiünchen) von Frank Wedekind, dem bekannten geistvollen Begründer des Münchener Ca- baretsDie elf Scharfrichter" und Bruder der beruhnllen Sängerin Erica Wedekind, fand am 27. d. M. im Neuen Theater zu Berlin eine warme, wenn auch nicht ganz unbestrittene Aufnahme. Das Stück, das zum Teil an den Volksliedton der Romantik aniiingt und gerade im volks­liedmäßigen Sinne die besten Wirkungen erzielt, schildert die Schicksale ' eines landvertriebenen Königs, der schließ­lich seine Lebensrolle auf der Bühne fahrender Komö­dianten spielt und mit dem selbsterlebten Leid die Zu­schauer belusttgt. Tie Dichtung entbehrt der gedanklichen Eigenart nicht, doch ist bie Tragik wieder dem Grotesken angenähert. (Jrks. Ztg.)

TerBerl. Korr." zufolge vermachte der in Rom verstorbene deutsche Maler Gustav Müller, zu­gleich im Smne seines verstorbenen Zwillingsbruders Eduard, dem deutschen Reiche etwa 240 000 Mark mit der Bestimmung, daß aus den Zinser: auf den in ternationalen Kunstausstellungen in Rom ab­wechselnd Oel-gemalde und Mldyauerwerte und zwar ein­mal Werke deutscher, das andere Mal italienischer Künstler erworben werden. Falls geeignete deutsche und italienische Werke fehlen, sollen Werke spanischer Künstler erworben werden. Tie deutschen und spanischen Werke fallen der OtatLonalgalerie in Berlin und der llallenischen Akademie San L!uca in Rom zu. Gelegentlich der am 31. Akai 1904 beginnenden Ausstellung werden die Zinsen erftmalig zur Verwendung gelangen und zwar zum Ankauf von Oel- gemälden deutscher Künstler.