Produzenten das Tab akmon-opvl als eine Art Er- lösung betrad)ten würden. .
Diese Meldung möchten wir vorerst mit einem großen Fragezeichen versehen.
Neber das Duell
hat, wie fdxm kurz bcriddet, am Mittwoch die preuß. Generalsynode verhandelt und eine Resolution angenommen, die das Duell als Sünde erklärt. Diese Resolution aber fand auch Widerspruch in der Generalsy-node. Der Referent Landeshauptmann a. D. Graf v. Win hin gerade -Bodcnstein verteidigte das Duell. Er könne trotz seines Alters nickst dafür einstehen, ob er nicht auch zur Waffe greife, wenn ihm eine so schwere Beleidigimg zugefugt werde, daß sie nacy seiner Heberzeugung nicht anders gesühnt werden könne. Er meinte: Wer das Duell verwirft, muß auch die Notwehr für Verwerflid) halten. Landrat a. D. v. Gerlach - Vollenschier wandte sich besonders gegen den Passus der Resolution, der das Duell für „Sünde? erklärt. Auch er stellt das Duell der Notwehr gleich Ein Krieg sei auch ein Zweikampf zwischen zwei Kaisern oder Königen. Er erörterte die Frage, ob der Mensch zum Töten berufen ist, oder nickst, und berief sich auf das Kapitel 21 des 2. Buch Mose. (Auge um Auge, Zahn um Zahn.) Das Duell sei eine juristische, nicht eine theologische Frage. Das Duell sei auch Notwehr, sowohl, weiter nichts/" Die Synode sei gar nicht befugt und geeignet, über die Duellftage zu entscheiden. Professor Dr. Kahl-Berlin meinte dagegen: Der Beschluß, den eine kirchliche Versammlung, wie wir es sind, saßt, der kann nur lauten: „Das Duell ist Sünde." Hnd gegenüber einer .Wandlung, die wir als Sünde erkennen, darf es auch keinen Vorbehalt geben. Der Vergleich des Duells nnt der Notwehr sei verfehlt. Die Notwehr ist die Abwehr eines ganz unmittelbar vorher erlittenen Angriffes, das Duell ist die wohlüberlegte beabsichtigte Körperverletzung oder Tötung. Hofprediger a. D. Stöcker rief den Verteidigern des Duells zu: Sie werden gegerrüber der Umsturzpartei so lange mit gebrochenem Schwert fechten, so lange Sie das Duell mit dem Christentum vereinbar erklären. Und Sie haben doch eine große Aufgabe in dem Kampfe gegen die Sozialdemokratie, die die Ausführungen der Herren sicherlich für ihre Zwecke benutzen wird. Reg.- Präs. v. Jagow-Marienwerder hätte es für wünschenswert geilten, wenn die Herren ihre abweichenden Ansichten durch Sitzenbleiben dokumentiert hätten, wie das bet der Behandlung der Duellfrage in der vierten General- synode geschehen.
Deutsches Deich.
Berlin, 29. Okt. Der Kaiser hörte heute im Neuen -Palais die Vorträge des Kriegsministers v. Einem, des Chefs des Generalstabes Grafen Schlieffen, des Chefs des Militär-Kabinetts von Hülsen-Häseler. — Um 12 Uhr empfing der Kaiser den Pater Cornelius aus Prag zur Entgegennahme seines Werkes über Monte Cosimo. An der Frühstückstafel nahm auch der Reichskanzler Graf Bülow teil.
— Laut „Staatsonz." verlieh der König dem Justrz- m in ist er Dr. Schönstedt die Brillanten zum Großkreuz des Roten Adlervrdens mit Eichenlaub.
— Das Organ des Bundes der Landwirte, die „Dtsch. Dagesztg.", behauptet, es tauchten neuerdings wieder Gerüchte auf von Ma chen schäft en gegen den Reichskanzler. Man nenne sogar schon mehrere Herren als seine vermutlichen Nachfolger und beschuldige wieder die agrarisch-konservative Fronde, auf den Sturz des Grafen Milow hinzuwirken. Für diese Beschuldigung liege, so beteuert das Matt, nicht der Schimmer eines Beweises vor. Wenn jemand tatsächlich in Kan^lerstürzerei arbeite, so seien es Kanalschwärmer und unbedingte Handelsvertragsfreunde. Der agrarisch-konservativen Fronde könne man höchstens nachsagen, daß sie versucht habe, den Kanzler zu stützen, aber nicht zu stürzen. In allen Kreisen der sogenannten konservativ-agrarischen Fronde sei nicht das Mindeste von Kanzlerstürzerei bekannt.
— Der Reichstagsabg. Hansen hatte aufreizende dänische Lieder in der Zeitung ,Zeimdal" veröffentlicht. Abweichend vom Schöffengericht erkannte das Landgericht im Hinblick auf die von der obersten Zivilbehörde von <Ähleswig-Holstein erlassenen Verordnungen vom 12. Juli 1865 und 26. August 1866 auf eine hohe Geldstrafe. Hansen sockst diese Entscheidung durch Revision an. Das Kammergericht erkannte indeffen auf Zurückveisung der Revision.
— Der antis. Reichstagsabg. KröseN hat nicht nur auf sein Pfarramt, sondern auch auf die Rechte des geistlichen Standes überhaupt verzichtet.
— Nach den Mitteilungen eines sozialdemokratischen Provinzblattes soll Assessor Simon in Militscb als Vorsitzender Richter in einer Schöffengerichtsverhandlung den Gendarmen, der Zeuge war, gefragt haben, wie es komme, daß er immer nur sozialdemokratische Flugblattverbreiter angehalten und angezeigt habe. Auf die Antwort des Gendarmen, das sei auf Anordnung des Landrats geschehen, soll der Assessor gesagt haben: „Hebei* die Zulässigkeit dieser Handlung entscheiden nicht die VerwaltungZbelstirdeu, sondern das Gesetz und die Gerichte; eine Mlsnah-me für die Sozialdemokratie gebe es nicht, denn diese sei eine gleichberechtigte Partei wie die freisinnige und konservative." Assessor Simon soll später von der V erwa.lt ung derRichter- stelle entbunden worden sein, zugleich soll der Minister verfügt haben, daß Simon niemals wieder eine besoldete Richter stelle erhalten dürfe. Der „Vorwärts", dem wir diese Mitteilung entnehmen, fügt selbst hinzu, daß sie nicht ganz richtig sein könne. Man wird also gut daran tun, mit dem Urteile zurückzuhalten, bis die Angelegenheit genügenb geklärt ist.
— Der Zusammentritt des Reichstages ist nach der „Dtsch. Tagesztg." vorläufig für den 1. Dez. d. I., per des preußischen Landtages für den 12. Januar nächsten Jahres in Aussicht genommen.
— Die „National-Ztg/" meldet, die deutsch-schweizerischen Handels Vertragsverhandlungen ständen vor dem Abschluß der ersten Lesung. Die zweite Lesung erfolgt erst im Dezember, vermutlich wieder in Berlin.
— Von preußischen Gebietsabtretungen an Bremen berichtet der „Lok.-Anz.": Die Fama will wissen, haß es sich um einen ca. fünf Kilometer langen, 600 Hektar großen Landstreisen längs des Weserufers der Weser handelt, und daß die hierfür zu zahlende Entschädigung 1 Million Mark beträgt.
München, 29. Okt. Die Abgeordnetenkammer beendete die Generaldebatte des Etats des neuen Ver- kehrsministeriums.
— Eine Maßregel gegen dasSchwänzen soll demnächst in der bayerischen Ab g e o rdn e t e n kam m er getroffen werden. Um das gewohnheitsmäßige Schwänzen gewisser Abgeordnetenkreise, namentlich bäuerlicher Zentrumsmänner und Sozialdemokraten, hintanzuhalten, oll bei allen Abgeordneten, die länger als fünf Sitzungen unentschuldigt fehlen, die TagegelderZahlung (10 Mark) eingestellt werden, ebenso bei Abgeordneten, die mit genügender Entschuldigung mehr als 14 Tage ern bleiben, und bei Beurlaubten bis zu ihrer persön- ichen Wiederanmeldung. Reick)stagsab geordnete, die zugleich dem Landtage angehören, bekommen für die Dauer der Abwesenheit zu den Reichstagsverhandlungen ebenfalls keine Tagegelder mehr, lieber die Anwesenheit der Abgeordneten wird ein Verzeichnis ge- ührt, in das sich die Abgeordneten täglich persönliche einzuzeichnen haben.
Ausland.
Paris, 29. Okt. In der Arbeitsbörse fand heute vormittag eine zahlreich besuchte Versammlung von Handlungsgehilfen statt, die sich für Abschaffung der SteUenvermrttelungsbureaus aussprach Die Polizei wollte die Teilnehmer art der Versammlung jerftreuen. Diese chleuderten Steine, Tische, Stühle und Gläser gegen die Beamten. Der Lärm dauerte eine halbe Stunde. Zahlreiche Verhaftungen wurden vorgenommen. Schwefelsäure wurde auf die Polizeibeamten herabgegossen, welche an den Händen und im Gesicht Brandwunden erlitten.
Versailles, 29. Okt. Del c ass6 gab heute dem Grafen Lamsdorff ein Frühstück Es waren geladen der russische Botschafter in Paris, Urussow, der Sekretär Lamsdorffs, der Konservator der Museen in Versailles und der Architekt des Schlosses.
— In der nächsten Umgebung des Ministers des Aeußern ist man von dem Besuch des Grasen Lamsdorff sehr entzückt, weil das Handschreiben des Zaren an den s Präsidenten Loubet, wie hier an kompetenter Stelle ver- ichert wird, tatsächlich in ganz besonders warmen Ausdrücken abgefaßt war und die Freude über die Fortdauer der intimen Beziehungen zwischen beiden Regierungen in einer überraschend temperamentvollen Form ausspricht.
Trient, 29. Okt. Gegen 200 italienische Studenten österreichischer Staatsangehörigkeit, die an dem Jrredentistenkongreß in Udine teilgenommen hatten, wurde der Hochverratsprozeß eingeleitet.
Petersburg, 29. OU. Durch Auskünfte von beglaubigter Quelle wird festgestellt, daß die russisch-ja- lanische Kris e ernstlich auf dem Wege sei, bei gelegt zu werden.
Aie ArSeiterunruhen in Bilöao.
Nach den neuesten amtlichen Nachrichten über die Vorgänge in Mlbao (Spanien) begingen die Ausständigen am Mittwoch Gewalttätigkeiten in den Markthallen, Bäckereien und Kaufläden. Sie errichteten Barrikaden auf der Brücke San Antonio. Als letztere durch Militär gestürmt war, zerstreuten sich die Ausständigen nach allen Richtungen. Ferner drangen Ruhestörer in einen Kramladen und plünderten ihn. Sie bemächtigten sich eines Hauses und verschanzten sich in demselben, um sich gegen Polini Und Militär zu verteidigen. Die Zahl der Toten während des gestrigen Tages beträgt 5 nach Angaben der Militärbehörde, 7 nach denen des Präsekten. General Zappino tras mit einem Regimente Infanterie, zwei Eskadrons Kavallerie und einer Batterie Artillerie ein. Der Anblick der Stadt ist kläglich Brot fehlt. Die Lokomotivführer und Heizer drohen, sich dem Ausstande anzuschließen. Die Zeitungen sind nicht erschienen. In Arenas erstürmten die Ausständigen das K l o st e r der Trinitarier. Die Mönche flüchteten. Das Militär antwortete aus die Angriffe der Ausständigen mit Salven. Einige Personen wurden auch dort getötet, mehrere verletzt. Unter den letzteren befinden sich einige Soldaten. In dem Dorfe Sederpe warfen die AusstÄrdigen mit Steinen nach dem Wagen eines Fabrikbesitzers und verletzten den Kutscher.
In der Kammer bezeichnete Salmeron die Tötung der Arbeiter bei den Zusammenstößen mit den Soldaten in Bilbao als Mord und verlangte die Entsendung einer Kammer-Kommission nach Bilbao, die dahin wirken solle, daß der Konflikt beendet werde. Ministerpräsident Billaverde erklärt, ein solcher Antrag würde die Kammer in einen Konvent umwandeln. Er 'verlangt volle Freiheit für sein Vorgehen und Verantwortlichkeit für seine Handlungen, über die die Kammer später urteilen könne. — Der Ministerrat beschloß, drei Kanonenboote nach Mlbao zu entsenden. IM Senate erklärte der Minister des Innern, alle Fabriken würden von Polizeibeamten beschützt. Der Minister erklärte dann, daß bei den Zusammenstößen 4 Arbeiter getötet, 15 Arbeiter sowie ein Leutnant, ein Unteroffizier und 2 Gendarmen verletzt worden seien und sagte schließlich, der Konflikt sei immerhin noch nicht beigelegt- Er werde andauern, so lange der Ausstand fortbestehe.
Aus Stadt und Land.
Gießen, den 30. Oktober 1903.
* * In der nicht öffentlichenSitzung der Stadtverordneten wurden den städtischen Arbeitern Gratifikationen zur Anschaffung von Winterbedürfniffen in der Höhe von 2200 Mk. bewilligt.
" Polizei bericht. Einem auswärtigem Herrn wurde gestern abend, während er sich in einer Wirtschaft in der Neustadt aufhielt, sein im Hofe stehendes Fahrrad entwendet. — In der Nacht vom 28. auf den 29. ds. Mts. wurde die über der Eingangstür eines hiesigen Restaurants befindliche Gaslaterne mutwilligerweise zerschlagen. Der Täter ist ermittelt und Anzeige gegen ihn erhoben.
• • Berufung. Wie wir hören, haben sowohl der zu 12 Monaten Gefängnis verurteilte Vizefeldwebel Jeckel wie der Gerichtsherr Generalleutnant Frhr. v. Gall Berufung gegen das Urteil des hiesigen Kriegsgerichts eingelegt. Die Berufungsverhandlung findet demnächst vor dem Oberkriegsgericht zu Frankfurt statt.
* * Maria von Magdala-Ausführung. Nachdem die nötigen neuen Dekorationen vom Theater-Verein bei dem Atelier Falck in Berlin in Bestellung gegeben sind und voraussichtlich in Bälde hier eintreffen werden, ist die Aufführung dieses hochinteressanten Heyse'schen Dramas auf Dienstag, den 17. November — als zweite Theatervereinsvorstellung — festgesetzt. Vormerkungen von Plätzen werden von jetz
an von Herrn Challier entgegengenommen. Die Nachfrage nach Plätzen wird ja sicher außerordentlich,. groß sein. Als 3. Theatervereinsvorstellung werden Anzengrubers „Kreuz el- chreibcr„ mit Herrn Bauer aus Frankfurt a. M.
gegen Ende November in Szene gehen, und endlich ist soeben ein Vertrag mit der Agentur Ledner in Berlin abgeschlossen worden, durch welchen Frl. Triesd) gelegentlich ihrer größeren Gastspielreise im Januar zu einem Gastspiel im Theaterverein am Mittwoch, den 6. Januar verpflichtet wird.
() Dutenhofen (Kr. Wetzlar), 29. Okt. Die hiesig« Gemeinde hat mit der Königlichen Cisenbahn-Direktion zu Frankfurt einen Vertrag abgeschlossen, wonach der Haltepunkt Dutenhofen zu einer Haltestelle mit Güterverkehr erweitert wird. Ms Gegenleistung zaylt die Gemeinde zu den Kosten der neuen Einrichtung einen Barzuschuß von 15 000 Mark unter gleichzeitiger kosten- und lastenfreier Stellung des zu den Erweiterungsbauten erforderlick)en Geländes. Diese Güterverladestelle wird neben Duten- bösen auch den umliegenden Nachbargemeinden Klein- Linden, Lützellinden, Münckcholzhausen sehr willkommen ein.
R.-B. Darmstadt, 29. Okt. (Eigener Draht* bericht.) Entgegen den Meldungen einer Frankfurter Korre- pondenz erfahren wir aus sicherster Quelle, daß der Kaiser nach dem Bestich in Wiesbaden nicht nach Darmstadt, ändern nur nach Wolfsgarten kommt, wo er am 5. November nachmittags eintreffen wird. Graf Bülow kommt nicht mit nach Wolfs garten. Die deutsche Kaiserin kommt bestimmt nicht nad) Wiesbaden.
Worms, 29. Okt. Heute vormittag trafen, so teilt die „Worms. Ztg." mit, Se. Maj. der Kaiser von Rußland nebst hoher Gemahlin, der Großherzog von Hessen, Prinz und Prinzessin Heinrich von Preußen und Prinzessin Battenberg mit Tochter per Automobil von Wolfsgarten in Worms ein, um Ausgrabungen auf einem dem Reichstagsabgeordneten Freiherrn Heyl zu Herrnsheim gehörigen römischen und fränkischen Gräberfelde anzuwohnen. Die Fahrt von Wolfsgarten bis Worms dauerte zwei Stunden. An der Emst- Ludwigsbrücke war Frhr. Dr. Cornelius v. Heyl den hohen Herrschaften ebenfalls mittels Automobils entgegengefahren. Auf dem Gräberfelde der Heyl'schen Fabriken waren bereits seit mehreren Tagen römische und fränkische Gräber blos- gelegt worden und zwar vier Steinsärge und acht römische Holzsärge, ebensoviele fränkische. Der Zufall hatte es gewollt, daß die Ausgrabungen vom Glücke begünstigt waren; es wurden sehr schöne Älasgefäße, Bronzen, Krüge, Schmucksachen (Armbänder, Perlen, Gewandnadeln 2C.) und fränkische Waffen gefunden. Das Interesse, das den Aufdeckungen entgegengebracht wurde, war sehr rege; bei verschiedenen Gräbern stiegen der Kaiser von Rußland und der Großherzog selbst in die Grube, um Fundstücke zu Tage zu fördern. Die einzelnen von den hohen Herrschaften ausgegrabenen Gegenstände werden dem Zaren und dem Großherzog als Geschenke des Freiherrn von Heyl zugesandt werden. Sämtliche hohen Herrschaften sprachen sich äußerst befriedigt aus und betonten besonders ihre Freude, eine solch reiche Fülle von Gräbern und Fundgegenständen an dieser einen Stelle hier vereinigt gesehen zu haben. Die hohen Herrschaften begaben sich hierauf zu einem Frühstück in den Heylshof, von wo die Rückfahrt mittels Ertrazuges um 3 Uhr 15 Min. nach Wolfsgarten erfolgte. Der Heylshof hatte zur Feier des festlichen Tages Flaggenschmuck — deutsche und hessische Fahnen — angelegt. — In den nächsten Tagen wird Bildhauer Hirt mit seinem Gesamtentwurf für das Küchlerdenkmal in Worms eintreffen. Der Entwurf wird alsdann in dem kleinen Festhaussaale zur Ansicht und Begutachtung aufgestellt werden.
8. Gladenbach, 29. Okt. In der letzten Stadtverordneten - Versammlung wurde eine Mitteilung des Regierungspräsidenten in Koblenz bekannt gegeben, wonach ein Abschluß über die Nebenbahn Gladenbach— Hohensolms — Wetzlar in nächster Zeit noch nicht in Aussicht gestellt werden kann. Es entspann sich darüber eine lebhafte Debatte; u. a. wurde erwähnt, man habe inzwischen die den Verkehr ablenkende Biebertalbahn und die Bahn Gladenbach—Herborn gebaut und daraus erkläre sich die Unzufriedenheit unter den Bürgern, die mit Recht das Nachlassen der Märkte der Stadt Wetzlar auf diese Ursachen zurück- sührten. Es wurde von der Versammlung beschloßen, eine erneute Eingabe an die Behörde zu nchten.
Kassel, 28. Okt. Heute fand hier eine Versammlung der deutschen Kornhaus-Kommission statt. Sämtliche deutsche Kornhäuser waren durch Delegierte vertreten. Aus den internen Verhandlungen ist hervorzuheben, daß über die Erneuerung der Mietsverträge der staatlichen Getreidelagerhäuser beraten wurde, ebenso über die Bildung der Getreidepreise, Trockenapparate, maschinelle Einrichtungen, Kostenfragen u.s.w. Ferner hielt der Direktor des Instituts für Gärungsgewerbe, Hoffman-Berlin, einen Vortrag über verschiedene Neuerungen auf einschlägigem Gebiete, wobei er insbesondere betonte, daß im Berliner Versuchskomhaus neuerdings ein Trockenapparat ausgestellt fei, welcher die Fähigkeit habe, auch das feuchteste Getreide wieder in den trockenen Zustand überzuführen. Diese Mittellung wurde von den anwesenden Landwirten mit Interesse aufgenommen.
UermiWes.
» Ko bürg, 29. Okt. Das Automobil des Großfürsten Cyrill von Rußland, in welchem dieser und die Großherzogin Victoria Melitta saßen, üb erfuhr bei Krumfeld das Gespann des Barons Düngern. Der Kutscher wurde herausgeschleudert und erlitt schwere Rippenbrüche; die Pferde gingen durch.
* Breslau, 29. Okt. Aus Laurahütte wird gemeldet, daß der Grubenhauer Buchta dort gestern nacht eine ganze Hochzeitsgesellschaft mit Dynamit in die Luft sprengen wollte. Der Pferdekneckst Oleiok feierte seine Hochzeit mit der Tochter des Schaffners Goi. Buchta, der die Goi auch als seine Ehefrau heimführen wollte, feuerte nun während der Hochzeit zwei Explosionsschüffe auf die Goi'sche Wohnung ab. Einem Zufall ist es zu danken, daß beide Schüsse ihren Zweck verfehlten und nur eine Anzahl Fensterscheiben und ein Teil des Mauerwerks des Hauses zerstört wurden. Der Täter wurde verhaftet.
* London, 29. Okt. In der Nähe von Hakodate (Japan) fand infolge Nebels ein Zusammenstoß zwischen


