Fälle nimmt ihren Fortgang, ist aber dadurch erschwert, daß die Vorkommnisse so spät zur Sprache kamen.
Los von Rom im Königreich Sachsen.
Die Los-von-Rombewegung ist im Königreich Sachsen im Steigen. In den Jahren 1877—1900 sind 3350 Katholiken dort evangelisch geworden und nur 767 Evangelische katholisch. Besonders in den letzten Jahren scAvollen die Uebertritte aus der römischen Kirche besonders an. So wurden in Sachsen 1898 310, 1899 508, 1900 570, 1901 876 Katholiken evangelisch In Dresden stellen sich die Zahlen für die genannten Jahre so: 49, 75, 93 und 158 Uebertritte von Katholiken zur evangelischen Landeskirche. Im Jahre 1902 sind dieselben allein in Dresden auf 191 gestiegen. Wie es scheint, wird für das Jahr 1903 die Zahl Der Uebertritte sich noch höher stellen. In Siebenlehe z. B. sind viele katholische Schuhmacher aus Böhmen und Schlesien eingewandert. Tas katholische Pfarramt zu Freiberg erließ nun eine Bekanntmachung, nach der für die katholisch zu erziehenden Kinder allwöchentlich katholischer Religionsunterricht zu Freiberg erteilt wird. Damit waren aber eine Menge katholischer Familienväter nicht einverstanden, und es gaben bis jetzt 7 Familienväter ihre Austrittserklärung aus der katholischen Kirche schon protokollarisch ab. Mehrere werden noch folgen.
Ter sächsische Adel weift zwar manchen Apostaten auf, das liberale sächsische Bürgertum ist ober rückgratfest, sodaß es mit dem, was die „Sächs. Bolksztg." am 16. Mai 1896 schrieb, noch lange Beine zu haben scheint. Es schrieb:
„So wollen wir am 16. Juni von neuem recht innig zu unserem Schutzpatron St. Benno flehen, daß er bei Gott sich für uns verwende, damit die sächsischen Lande unter dem segensreichen Szepter des Hauses Wettin recht bald wieder zur Glaubenseinheit gelangen möchten, und daß in 10 Jahren, am 16. Juni 1906, das 800jährige Jubiläum des seligen Hinscheidens des heiligen Benno von dem im Glauben wiedergeeinten Sachsenvolke mit dankbarem Jubel begangen werden könne. St. Benno erwecke einen Ritter Georg uns in Sachsen, der siegreich dem Drachen sich zeige gewachsen."
Dom AalLan.
Nach einer amtlichen Meldung aus Belgrad hat ein Bataillon türkischer Linientruppen in unmittelbarer Nähe der serbischen Grenze seinLageraufgeschlagen und die die Chaussee nach Uranj beherrschenden Anhöhen besetzt. Diese Meldung veranlaßte bie Einberufung eines Ministerrates, der eine militärische Kommission nach Uranj entsandte, von deren Gutachten es abhängen wird, ob die serbische Grenze durch neuere Truppensendungen verstärkt werden soll.
Zwei Kilometer nördlich von Saloniki wurde auf einen Militärzug ein Dynamitanschlag beruht Nach in Sofia eingetnoffenen halbamtlichen Nachrichten wurde nur die Lokomotive zerstört Nacd Meldungen des Komitees soll es auch Tote unb Verwundete gegeben haben. Die Frei sch ar des Wojwoben Mkola Detschew, der sich in beu Aktivnsbezirk von Koeprili begeben wollte, würbe am 24. April bei Smolenzi, Bezirk Radowischte, von ben Türken aufgerieben. Von 30 Mann entkamen bloß sechs.
Tie letzten beiben Zusammenstöße von Türken mit Banben fanben bei Junus im Distrikt Jovv unb bei Taha- gora im Distrikt Petritsch statt Bei dem ersteren Zusammenstoß hatte die Bande vier Tote und vier Verwundete, bei bem letzteren 14 Tote und viele Verwundete. Die Verluste der Türken sind gering.
Wie aus Läonstantinopel telegraphiert wird, erhielt die russische Botschaft die Nachricht aus Mitrowitza, baß die Personen, welche den albanesischen Soldaten Ibrahim zur Ermordung des russischen Konsuls Schterbina aufge- stachelt haben, verhaftet wurden. Die Botschaft glaubt zu wissen, baß es sämtlich österreichische Untertanen aus dem Grenzbistrikt seien.
Tie „Frkf. Ztg." meldet aus Konstantinopel: Schakir Pascha, der Bali von Ueskueb, ist an der Spitze von 16 ^Bataillonen in Prizrend eingetroffen. Uebereinstimmend herrscht die Ueberzeugung vor, daß der Sultan, trotz Zusage, zu keinem Schlage gegen die Albanesen ausholen wird und trotz des Truppcnausgöbvts ben Weg friedlicher Verstäub igung mit ben Albanesen beibehält. Im Palais sind Depeschen verschiedener Führer von albanesischen Stämmen aus Scatari unb Dibra eingetroffen, welche bem Sultan Ergebenheit ausbrücken unb es ablehnen, mit ben rebellischen Albanesen zu kooperieren.
Die Stürben haben in Diarbekir einen Aufstand inszeniert und es werben Massakres befürchtet. Beamte der englischen Botschaft sind behufs Uebemiahme der Leitung des englischen Konsulats nach Diarbekrr abgereist.
Deutsches Keich.
Berlin, 29. April. Der Kaiser hatte heute vormittag eine Konferenz mit dem Reichskanzler Grafen Biilow und hörte später die Vorträge des Generalinspektcurs der Festungen unb deS Kriegsministers v. Goßler.
— Wie der »Lok.-Anz." berichtet, ist der Besuch Kaiser Wilhelms beim Vatikan auf den 3. Mai festgesetzt. An diesem Tage wird der Kaiser voraussichtlich in der Botschaftskapelle dem Gottesdienste beiwohnen unb von dort sich in die preußische Gesandtschaft begeben, um beim Gesandten v. Rotenhan das Frühstück einzunehmen. Von der Gesandtschaft auS fährt der Monarch nach dem Vatikan zum Besuch deS Papstes und kehrt von dort wieder in die Gesandtschaft zurück. Montag soll u. a. Empfang des deutschen Künstleroereins und der deutschen Kolonie m der Botschaft ftattfinben, währenb für ben 5. Mai ber Ausflug nach ber Benediktiner-Abtei in Monte Casino vorgesehen ist. An bemselben Tage finbet abenbS feierlicher Empfang auf bem Kapitol burch bie Stabt Rom statt. Die Abreise des Kaisers ist nach den bisherigen Bestimmungen auf den 5. Mai festgesetzt. — In Rom sind bereits die Wagen und Pferde Kaiser Wilhelms, die er zu dem Besuch beim Vatikan benützen will, mittelst Extrazuges eingetroffen.
— Die Krankenkassennovelle soll nun doch noch Zustande kommen. ES Haden Besprechungen der Sozialdemokraten mit dem Zentrum stattgefunden und dieses soll bereit sein, den umstrittenen § 42 dahin abzuänbern, daß die Fälle grober Pflichtverletzung, in denen die Aufsichtsbehörde Vorstandsmitglieder entfernen kann, auf grobe Pflichtverletzung in ber Kassenführung beschränkt werden. Ferner soll die Bestimmung über die Dienstordnung ganz fallen gelassen werden. Es bleibt abzuwarten, ob es morgen gelingt, auf Grund dieses Kompromisses das Gesetz noch durch die zweite und
dritte Lesung zu bringen. Der Antrag auf namentliche Abstimmung wird zurückgezogen.
Bückeburg, 29.April. Der Kaiser traf heute abend hier ein und wurde auf bem Bahnhofe vom Fürsten Georg unb sämtlichen hier anwesenben Mitgliedern beS fürstlichen Hauses empfangen. Rach herzlichster Begrüßung erfolgte bie Fahrt zum Resibenzschloß. Im Schloßhofe war baB 7. Jäger- bataiQon aufgestellt. Später fanb im Palais ber Fürstin- Mutter ein Familiendiner und darauf im Resibenzschloß ein Hofkonzert statt. — Der Großherzog von Sachsen- Weimar würbe vom Kaiser zum General ernannt
Mün che n, 29. April. Der König von Sachsen ist heute abenb von Wien aus hier eingetroffen unb auf bem festlich geschmückten Bahnhofe von bem Prinzregenten, ber bie Uniform feines sächsischen Regiments trug, allen bayrischen Prinzen, bem Ministerpräsibentcn, bem Kriegsminister unb ben Vertretern ber Staats- unb Stabtbehörben empfangen worben. Der König und der Prinzregent begrüßten sich aufs herzlichste, schritten die Front der Ehrenkompagnie ab und fuhren unter der Eskorde von schweren Reitern durch die festlich geschmückten Straßen nach ber Resibenz, wo sämtliche Prinzessinnen beS königlichen HauseS ben König begrüßten. — Heute abenb war im Schloß ein Familiensouper bes bayerischen Königshauses, an bem auch Prinz unb Prinzessin Ferbinanb von Bourbon, Prinz Ernst von Sachsen-Meiningen, Herzog Adolf Friedrich von Mecklenburg und Prinz und Prinzessin Friedrich von Hohenzollern teilnahmen. — Der Prinzregent ernannte den König von Sachsen zum Inhaber beS 15. bayerischen Jnfanterie-Regi- mentS, besten früherer Inhaber König Albert von Sachsen war.
Wahl-Bewegung.
Offenbach, 29. April. Der nationalliberale Landtags- abgeorbnete Schönberger hat nach ber »Frkf. Ztg." bie ihm für ben Wahlkreis Offenbach-Dieburg vom Bunb ber Landwirte angetragene Kandidatur abgelehnt. Herr Theodor Boehm teilt ferner der »Offenb. Ztg." mit, daß auch er nach reiflicher Ueberlegung die ihm angetragene Kandidatur für den Wahlkreis Offenbach-Dieburg aus Gründen persönlicher , geschäftlicher und politischer Natur desinitio ablehnen muß.
Kassel, 29. April. Die Freisinnige Volkspartei lehnte eS in ihrer Hauptversammlung ab, »angesichts der gegenwärtig noch obwaltenden Verhältniffe" die Kandidatur Beinhauer (nationalliberal) im Reichstagswahlkreise Kaffel-Melsungen zu unterstützen.
Ausland.
Marseille, 29. April. Der Generalkonsul der Vereinigten Staaten soll erklärt haben, PräsidentRoose- velt werde demnächst nach Frankreich kommen; die Reise solle einen amtlichen Charakter tragen. Der Präsident solle von einem Geschwader begleitet im Juli in Cherbourg ein treff en.
Biserta, 29. April. Die „Beamte d'Arc", mit dem Präsidenten Loubet an Bord, ist heute früh hier einge- troffen. Bald nach der Ankunft begab sich Präsident Loubet an Land, wo die Behörden usw. zum Empfange erschienen waren. Im Laufe des Empfanges erwiderte Loubet auf die Begrüßungsan spräche des Präsidenten der Handelskammer: „Es ist richtig, daß ein unangreifbares Biserta den gesicherten Frieden bedeutet. Um Ruhe zu haben, muß man sehr stark fein. Je stärker man ist, desto sicherer i Ü die Erhaltung des Friedens. Frankreich bedroht niemand. Frankreich will aber seine Interessen geltend machen und sie schützen auf allen Punkten Der Erde. Es erreichte dieses Ziel dank der feit dreißig Jahren ununterbrochenen Arbeit. Die Bündnisse, Freundschaften und Sympathien, die Frankreich zu erringen gewußt hat, beweisen, daß das erstrebte Ziel vollständig erreicht ist Die Anwesenheit von fünf fremden Geschwadern vor Algier, die gekommen sind, um den Präsidenten der Republik zu begrüßen, ist ein Beweis dafür. Die Entsendung einer amerikanischen Flot- ten-Division nach Marseille, die morgen dort das Staatsoberhaupt bei der Rückkunft begrüßen wird, ist ein weiterer Beweis. Die Beendigung der Arbetten in Biserta wird die Krönung unseres Programms fein, wenigstens was das Mittelmeer anbetrifft Wir können also die Wohltaten des Friedens genießen. Unsere Anstrengungen haben diese Ruhe wohl verdient" Am Abend ist Loubet unter dem Kanonensalut der den weiten Kriegshafen umgebenden Forts nach Marseille abgedcunpst.
Aus AtM und Land.
Gießen, 30. April 1903.
-Kauf. Herr Georg Lauer, Wirt zum »Schwanen", kaufte das Grundstück am Neuen Weg 36 von der Frau Lehrmund Wtw. für 26 000 Mk.
* * AuS dem Theaterbureau. Auf die heutige Wiederholung der am Sonntag mit so enormem Beifall aufgenommenen „Landstreicher" machen wir nochmals aufmerksam. — Morgen Freitag kommt die von vielen Seiten begehrte Operette „Boccaccio" zur Aufführung. Die Musik, die Franz von Suppe geschrieben, ist durch ihren Melodienreichtum berühmt, und der Text ist von zwerchfellerschütternder Wirkung. Den Boccaccio singt Frl. Stöger, Frt Bartl die Fiamette, die übrigen Hauptrollen befinden sich in den Händen von Frau Schatz, sowie der Herren Bruck, Gehring, Ganzert, Nolte unb Sommer.
• * Gefangene Füchse. Wie uns mitgeteilt wird, wurden gestern im Jagdgebiet der Gemeinde Annerod nicht weniger als fünf Füchse auSgegraben. Es war eine Mutter mit vier kräftigen Jungen. Restaurateur Korndörfer beförderte sie auS der Fuchshöhle mit großer Gewandtheit in den Rucksack, worauf die seltene Beute unter dem fröhlichen Geleite der Jagdgesellschaft in den Zwinger des hiesigen Schliefklubs gebracht wurde, wo sich die Tiere den Verhält- nisten nach ganz wohl befinden. Niemand sollte versäumen, die kleinen Höhlenbewohner sich einmal anzusehen.
* * 2 ie kürzlichen harten Nachtfröste haben den Obstbaumblüten, soweit man fest stell en konnte, doch nicht so großen Sdjahäi zugcfügt, wie man annahm. Die Aussichten kann man nicht als schlecht bezeichnen. Die gegenwärtige naßkalte Witterung ist allerdings der Frucht- bilbuug hinderlich. Hoffentlich gehen die drei Eisheiligen — 11., 12. und 13. Mai — gnädig vorüber.
— AuS dem Militärwochenblatt. Rudolph, Oberlt. a. zuletzt im Jnf.-Leib-Regt. Großherzogin (3. Großh. Hess.) Nr. 117, vom 1. April d. Js. ab eine etatsmäßige Oberleutnantsstelle im Jnvalidenhause Berlin verliehen.
)(Großen-Linden, 28. April. Auf dem Kalkwerk in unserer Gemarkung erlitt ein Arbeiter aus Allendorf (Lahn), der zwischen zwei Wagen geriet, einen schweren Beinbruch, sodaß er in die Gießener Minik gebracht werden mußte.
§ Södel (Wetterau), 29. April. Der 28fährige Man- rergeselle Göbel stürzte gestern in Melbach so unglücklich von einem Gebäude, daß er beide Beine brach.
w. Darmstadt, 30. 2lpril. (Eigener Drahtbericht deS »Gieß. Anz."). Heute begann vor dem hiesigen Verwaltungsgerichtshof unter Vorsitz deS OberlandeSgerichtSrats Forch die auf 4 Tage berechnete Verhandlung gegen den vorläufig wegen einer Anzahl von Dienstwidrigkeiten vom Amte suspendierten Beigeordneten Wolff von Offenbach. Die Anklage vertritt Ministerialrat Best. Es sind bisher ca. 30 Zeugen geloben. Der Angeklagte Wolff ist erschienen, unb Rechtsanwalt Dr. Jäger, sein Verteidiger, beantragte im Interesse Wolffs öffentliche Verhandlung, worauf der Gerichtshof beschließt, nur die Presse, d. h. beschränkte Oeffentlichkeit, zuzulaffen. Ministerialrat Best giebt die Hauptpunkte der Anklage bekannt unb stellt nähere Begründung in Aussicht. Wolff habe eS an der nötigen Achtung gegen seine Mitmenschen, sowie an der notwendigen Objektivität und Wahrheitsliebe, die er als Beamter zu wahren gehabt hätte, fehlen laffen. Auch sein Ton und sein Verhalten der vorgesetzten Behörde, dem Kreis- amt gegenüber, unb die schweren, unwahren Beschuldigungen gegen Kreisrat von Hombergk, auch seine Thätigkeit als Ortsgerichtsvorsteher tc. veranlaßen bie Stacusbehörbe auf Dienstentlassung Antrag zu stellen. Darauf bestreitet der Angeklagte in längeren Ausführungen die meisten Punkte der Anklage. Die Aeußerungen rc. habe er nur in bestimmter Tendenz getan. (Das Nähere unb die Fortsetzung der Verhandlung bringen wir in ber nächsten Nummer. D. Reb.).
Mainz, 26. April. S. K. H. der Groß Herzog traf heute abend gegen 7 Uhr hier ein und besuchte ein Konzert der Mainzer Liedertafel, in welchem Kapellmeister Weingärtner mitwirkte. Nach dem Konzert nahm der Großherzog das Souper bei dem Präsidenten der Liedertafel ein, der auch die Spitzen der Behörden, den Vorstand sowie die mitwirkenden Mitglieder der Liedertafel als Gäste bei sich hatte. Nach 10 Uhr verließ ber Großherzog Mainz wieder.
Frankfurt, 30. April. Zu dem schon gemeldeten Eisenbahnunfall schreibt noch die „Kl. Pr.": Als der Schnellzug Nr. 39, Heidelberg-Frankfurt, der fahrplanmäßig um 7 Uhr 43 Min. auf dem hiesigen Bahnhof einlaufen soll, heute morgen auf die Main-Neckar-Bahnbrücke fuhr, sprang die erste Laufräderaxe der Lokomotive aus den Schienen. Der Lokomotivführer, der die Entgleisung fofort bemerkte, brachte den Zug am anderen Ende Der Brücke zum Halten. ES konnte zunächst nur festgestellt werden, daß die Schienen wie auch allem Anschein nach die Laus- räder der Lokomotive vollständig intakt geblieben waren; beschädigt hingegen war stellenweise der Holzbelag der Brücke. Die Passagiere des Zuges, die von bem Unfall erst Kenntnis erhielten, als der Zug stand und jede Gefahr beseitigt war, verließen den Zug auf der Brücke. Etwa eine Stunde später war die Laufaxe wieder in die Schienen eingehoben, und der Zug konnte in den Bahnhof fahren. Tas Gleis blieb auf weiteres gesperrt, lieber die Ursache der Entgleisung konnte bisher nocy nichts ermittelt werden; es steht nur fest, daß die Laufaxe der Lokomotive in der Kurve unmittelbar vor der Brücke aus den Schienen sprang, und daß die Räder dann neben den Schienen her auf dem Bohlenbelag entlang liefen. Die Spur der Räder auf den Holzschwellen ist deullich zu sehen. Das Gleis selbst war, wie eine spätere eingehende Untersuchung ergab, unversehrt geblieben; ob das auch mit den Laufrädern Der Lokomotive der Fall ist, wird in den Werkstätten festgestellt werben müssen. Daß nur die erste Laufaxe der Lokomotive aus den Schienen sprang, und daß wider alles Erwarten die schweren Triebräder nicht folgten, muß als ein ganz besonders glücklicher Umstand bezeichnet werden. Term ein schreckliches Unglück hätte es geben müssen, wenn auch die Triebräder entgleist wären und der ganze Zug sich ineinandergeschoben hätte. Die Brücke bildet nämlich mit ihren überaus starken eisernen Seitenträgem, die die Form einer Parabel haben, gewissermaßen einen Tunnel, aus dem es kein Entrinnen gibt. Wäre die Entgleisung nicht so glimpf- lich abgelaufen, so wäre vielleicht der Brückenkorper zerstört worden und der Zug in den Main gestürzt Daß eine unglückliche Wendung nicht eingetreten ist, ist vielleicht auch in erster Linie mit der Besonnenheit beb Lokomotivführers äu verdanken, ber bie Entgleisung sofort bemerkte und mit dev größten Vorsicht den Zug zum Halten brachte.
— AßmannShausen, 29. April. Der hier allgemein unter bem Namen „Lustig" bekannte Schiffer Konrad Wilt- mann versuchte seinen Nachen an der Kaimauer festzumachen, glitt aber aus und ruffchte die schräge Mauer in den Rhein hinab. Bei dem Versuche, sich ans Land zu schaffen, versagten dem 59 jährigen Manne anscheinend die Kräfte und so verschwand der Unglückliche in den Wellen und ettrank.
Kleine Mitteilungen aus Hessen unb ben Nachbarstaaten. Der gemeldete Einbruch in das Steuer- kommiffariatSgebäude in Friedberg stellt sich nur als ein Gerücht heraus, das gestern m der ganzen Stadt verbreitet war. Wahrscheinlich hat sich der Urheber einen sträflich dummen »Witz" leisten wollen.
Vermischtes.
• Leipzig, 29. April. Der Tabakhändler Ossipowitsch und der Agent Mexander Strauß, die als Vermittler von Geldgeschäften hier sehr bekannt sind, wurden heute verhaftet. Es handelt sich um Wuchergeschäfte und Beihilfe dazu.
"Metz, 29. 2lpn(. Tie Einweihung des neuen Portals der Kathedrale, lieber das Pottal berichten deutsche und französische Zeitungen allerlei Wundergeschichten. Fest steht folgendes: An den beiden Seiten des Pottals sind in l*/3 Lebensgröße die Statuen der vier großen Propheten Jcsaias, Jeremias, Hesetiel und Daniel in monchsähnlicher Gewandung angebracht. Diejenige hcS Daniel trägt nun


