Ausgabe 
29.10.1903 Zweites Blatt
 
Einzelbild herunterladen

bach 63 (10).

Frankfurt, 28. Okt. Graf Lambsdorff, der russische Minister der auswärtigen Angelegenheiten, traf mit Sekretären und zwei Dienern gestern nachmittag hier ein, be­sah die Stadt, arbeitete alsdann mit einem Sekretär im Gefolgezimmer des Hauptbahnhofes und reiste 7 Uhr 17 Min. im Schlafwagen nach Paris ab, wo er heute früh 8 Uhr 45 Min. eingetroffen ist. Am 31 Oktober wird der Graf wieder m Wolssgarten sein, an der Begegnung der zwei Kaiser in Wiesbaden teilnehmen und vor dem Zaren nach St. Petersburg zurückkehren. Graf Lambsdorff ist em kleiner untersetzter, sehr energischer Herr, der für alles Interesse zeigt. Frankfurt hat ihm sehr gefallen; er bewunderte die schönen Läden auf der Kaiser- re. Straße, sowie die Sauber­keit der Hauptstraßen. (Frkf. Gen.-Anz.)

Hanau, 28. Okt. Der Handelskammerpräsident Can- thal, der kürzlich in Gemeinschaft mit dem hiesigen Ober­bürgermeister in Berlin in den verschiedenen zuständigen Mi­nisterien wegen der Fortsetzung der Mainkanalisie- r u n g von Offenbach ab aufwärts vorstellig geworden ist, teilte nach derFranks. Ztg." in der heutigen Plenarsitzung in der Handelskammer mit, daß er bei der Unterredung in den Mi­nisterien den Eindruck gewonnen habe, daß die Fortführung der Kanalisierung bis Aschaffenburg bereits beschlossene Sache sei. Dem Abschluß des Staatsvertrages ständen nur noch geringe Schwierigkeiten entgegen, so daß der Staatsvertrag schon Anfang nächsten Jahres perfekt werden dürfte. Den Landtagen würde dann die Vorlage ev. bis zum Herbst zu- gestellt werden, so daß mit der Durchführung der Kanali­sierung bereits in etwa einem Jahr begonnen werden könnte.

landen wird.

* Aus dem Bureau des Stadttheaters. In dem liebenswürdigen Schönthan-Kadelburg'schen Lust- pielDie berühmte Frau", das seit einer Reihe von Jahren hier nicht aufgeführt wurde, sind in erster Reihe be- chästigt die Herren: Direktor Hermann Steingoetter (Palmay), Conradi (Römer - Saarstem), Sandorfs (Traunstein), sowie die Damen: Hohl (Ottilie), Hell berg (Paula), Kellermann (Agnes), Großmüller (Wally). Die Vorstellung ist sorgsältig vorbereitet und ist die 5. im Freitags-Abonnement.

k. Daß die Marktstraße dringend einer Um Pflaste­rung bedarf, dürfte hinreichend bekannt sein. Namentlich muß Radfahrern Vorsicht empfohlen sein. Gestern abend stürzte em Radler, ohne sich glücklicherweise erheblich zu verletzen.

Die Generalversammlung des Turn­vereins, welche gestern abend im Cafe Ebel stattfand, war besonders von aktiven Turnern sehr gut besucht. Der 1. Sprecher Pirr berichtete über das abgelausene Vereins­jahr wie folgt: Am 1. Oktober 1003 gehörten dem Verein an 607 ordentliche Mitglieder, 77 Zöglinge, 26 Damen und 3 Akademiker (31 mehr als im Vorjahre). Die Gießener Turnerschaft hat u. a. beschlossen, daß Gießen sich für 1905 um das Gaufest bewirbt. Auch im verflossenen Jahre hat der Vorstand überaus sparsam gewirtschaftet. Die Unter­haltung des Turnhallengebäudes erfordert fortgesetzt Kosten. Es sei erfreulich,, sagte Herr Pirr, berichten zu können, daß ein alter Freund des Turnvereins ihm für die Halle eine Anzahl Bänke geschenkt habe, sodaß eine schon längst nötig gewesene Inventar-Vermehrung eingetreten ist. Hierauf berichtet der 1. Turnwart Wigandt über den Turnbetrieb 1902/03. Es wurde geturnt an 142 Turnabenden mit einem Gesamtbesuch von 7673 Turnern. Auf Riegen ab ende ent­fallen 90 Abende mit 5593 Teilnehmern, aus Kürturnen 52 Abende mit 2030 Teilnehmern. Die stärkste Frequenz beim Turnen war in den Mvnaten Mai, Juni, Juli und August. Während dieser Zeit turnten an jedem Turnabend' durchf- schnittlich 68 bis 75 Turner. Am schlechtesten besucht waren dagegen die Turnübungen im Januar, Februar, März und April. Der Turnbetrieb ist gegen das Vorjahr nicht zurück- gegangen, sondern etwa der gleiche geblieben, trotz des neu entstandenen Turnvereins. Der Bericht des Herrn Wigaudt verweist darauf, daß in der kommenden Woche eine akademische uno eine Mänuer-Riege zusammentreten wird und erwaynt ei..gehend die Veranstaltungen, bei denen Turner des Vereins rurueriscy vorzügliches geleistet haben. Ter Kassenbericht des 2. Sprechers Allhoff schließt mit einer Einnahme und Ausgabe von 6342 M. ab. Betreffend die

Neues aus dem Orient.

Wegen eines neuerdings auf der nach Salonik führenden Eisenbahnlinie zwischen den Stationen Gievgheli und .Mirovka verübten Dynamitanschlag es, der nur geringen , Schaden verursachte, erhob die Direktion der Orientbahnen /Vorstellungen beim Bautenministerium, dahingehend, die s Bewachung der Bahnlinien zu verstärken, well sonst der - Nachtverkehr eingestellt werden müßte. Der Münster versprach eine Verstärkung der Bewachung.

Zwei große Beduinenstämme haben den dortigen Truppen Zeinen Verlust von 900 Mann beigebracht. Die Bevölker­

ung Demens widersetzt sich, ebenso wie die albanesische der f Einführung der neuen Viehsteuer. Die Häste der bei !Newrokop belegenen, von Muselmanen bewohnten Ortschaft 'Turbe wurde dieser Tage bei einem Ueberfall durch bul­garische Insurgenten niedergemetzelt.

Nachdem die Erhebung derAlbanesen infolge der neuesten Reform-Aktion wieder einen bedrohlichen Charakter - annimmt, wurde auf Befehl der Pforte die begonnene Ab­rüstung wieder sistiert. Behufs Inspektion der Befestig­zungen an der bulgarischen Grenze sind mehrere militärische ^Kommissionen dorthin abgegangen. In Wiener diplomatischen Kreisen ruft die Haltung des Sultans, welcher darauf besteht, )daß mehrere wichtige Punkte des Reform-Projektes in seinem vSirme abgeändert werden sollen, ernste Beunruhigung hervor. ^Die Antwort auf die Forderungen der Ententemächte betreffs Mazedoniens dlüffte längere Zeit auf sich warten lassen. Der -Sultan hat drahtlich den Rat u. A. auch Huffein Hilmi Maschas eingeholt, der sich in seiner Antwort für die Ab­lehnung der Forderungen Oesterreichs-Ungarns und Ruß­lands ausgesprochen hat. Aus Adena sind acht und aus Smyrna sechs Bataillone, welche zur Ergänzung der Truppen in Mazedonien bestimmt waren, nach Demen eingeschifft worden.

DerStamba" zufolge besindet sich der serbische ^Oberstleutnant Michaile» Jankowitsch in der Garnison ^Knjazewatz wegen disziplinarwidrigen Verhaltens in Unter­suchung. Er soll Offizieren gegenüber den Plan geäußert chaben, man solle sich durch einen H a n d st r e i ch der Festung

des Wintersemesters zum erstenmale Volksschullehrer zum Studium eingetreten, welche von der kürzlich er­lassenen Verfügung des Ministeriums Gebrauch machen, wo­nach es den Lehrern, die mit den besten Noten die Abgangs­prüfung vom Seminar und die Staatsprüfung bestanden haben, gestattet ist, eine dreijährige Studienzeit zu absolvieren, um alsdann in höheren Lehranstalten, Lehrerbildungs-

Aus Stadt und Aand.

Gießen, 29. Oktober 1903.

" Personalien. Se. Kgl. Hoh. der Großherzog haben dem Hauptmann Frhrn. v. Hügel, Lehrer an der Kriegsschule in Metz, seither Kompagniechef im 1. Großh. .Jnsanterie-(Leibgarde-Megiment Nr. 115, das Ritterkreuz 1. Klasse des Verdienstordens Philipps des Großmütigen ver- liehen. Der Amtsrichter bei dem Amtsgericht Herbstein Friedrich Weifsenbach wurde zum Amtsrichter oet dem Amtsgericht Darmstadt I, der Gerichtsassessor Ernst Fricker aus Darmstadt zum Amtsrichter bei dem Amtsgericht Seligen-

Vernrietung der Halle wurde mitgeteilt, daß der Vorstand daran festhalte, btc Turnhalle für Festlichkeiten tc. nur dann zu vermieten, wenn ein anderer Saal nicht frei ist. Es wurde ausdrücklich betont, daß durch derartige Vermiet­ungen der Turnbetrieb nicht leiden dürfe. Im abgelausenen Jahre wurden 1403 Mk. eingenommen für Saalmiete inkl. Beizung, Beleuchtung und Bedienung. In den Vorstand wurden gewählt: L. Pirr 1. Sprecher, L. Althofs 2. Sprecher, Rich Buchacker, Louis Noll und Weidmann jr., Schriftführer, Franz Wigandt 1. Turnwart, Karl Müller 2. Turnwart, Weidmann fern Zeugwart, H Marx Gegenschreiber, Adam, Weeg uni) Schuhbecker Turnälteste, Bellos, Friedrich und Erle Beisitzer.

** An der Landes-Universität sind mll Beginn

anstalten und im Schulverwaltungsdienst verwendet zu werden.

** I n dem ArtikelDas p r a k t i s ch e I a h r" in unserer Nr. 252 waren mehrere Druckfehler enthalten: Seite 1, Zeile 34, statt BehauptungenBemerkungen", Seite 2, Zeile 18, statt vernehmenvermehren", Seite 2, Zelle 29, statt gutachtlichg u t a ch t e n d", Seite 2, Zeile 19 von unten, statt mancherAi a n ch e s", Seite 2, Zeile 28 von unten, statt wichtiger richtige r".

fc. Darmstadt, 28. Okt. Kaiser Wilhelm er­widert den Besuch, den ihm Zar Nllolaus am 4. November in Wiesbaden macht, am 5. November im hiesigen Großh. Residenzschloffe.

sd. Darmstadt, 29. Okt. (Eigener Draht- bericht.) Das Zarenpaar, Prinz und Prinzessin Heinrich von Preußen sind heute vormittag in zwei Automobilen von Wolfsgarten über Groß-Gerau nach Worms gefahren, dem Vernehmen nach zum Besuche des Freiherrn Heyl zu Herrnsheim. Sie werden von dort um 3 Uhr nachmittags mit Sonderzug nach Wolfsgarten zurückkehren.

Bingen, 28. Okt. Der 19 03er. Die Mostgewichte hier und in der Umgegend sind recht schöne, doch wurden auch ganz erhebliche Säuregehalte festgestellt. Immer­hin dürste der 1903er besser als sein Ruf werden. Es wurden festgestellt: Bingen 65 bis 96 Grad nach Oechsle (7,6 bis. 15,6 pro Mille Säure); Büdesheim 53,7 bis 80,6 (10,9 bis 12,8); Kempten 53 bis 70,2 (11,1 bis 13,2); Gau-Algesheim 55 bis 64 (7,9 bis 11,3). Ueber der Nahe wurden festgestellt: Bingerbrück 69 bis 76,6 (11,6 bis 12,9); Heddesheim 64 (10,0); Münster b. B. 58,6 bis 97 (9,9 bis 12,7); Weiler 58 bis 62 (11,2 bis 13,5); Nieder-Heim-

stadt, der Gericktsaffeffor Friedrich Conradi aus Mainz I zum Amtsrichter' bei dem Amtsgericht Offenbach, der Ge-1 richtsassessor Ernst Cramer aus Darmstadt zum Amtsrichter bei dem Amtsgericht Herbstein ernannt. Der Forstassistent Georg Kammer zu Beerfelden wurde zum Oberförster der Oberförsterei Beerfelden, der Jorstaffessor Heinrich Weber zu Schlitz zum Oberförster der Oberförsterei Münster, der Forstassistent Wilhelm Sch aas zum Oberförster der Ober- örsterel Lampertheim ernannt. Der Kanzleiinspektor bei der Großh. Hauptstaatskasse, Kanzleirat Ludwig Jak. Meyer zu Darmstadt wurde auf sein Nachsuchen wegen geschwächter Gesundheit, unter Anerkennung seiner langjährigen treu ge­leisteten Dienste, in den Ruhestand versetzt und ihm aus diesem Anlaß die Krone zum Silbernen Kreuz des Verdienst­ordens Philipps des Großmütigen verliehen.

** Allgemeine hessische Beamten-Sterbe- kasse. Die 2. Delegiertenversammlung zur Gründung der allgemeinen hessischen Beamren-Sterbetasse fand Sonntag den 25. d. Mts. unter Vorsitz des O'ber-Rechnungsrevisors Erb, im Saalbau zu Darmstadt statt. Herr Erb berichrete, was in der Sterbekafse-Angelegenheit seit der 1. Dele- gierten-Verjammlung geschehen und wie der jetzige Stand der Sache sei. Am 27. Seprenrber wurde die Satzung der Kasse durch die gewählte Kommission beraten^und fest- geneckt. Hierbei wurde angeorduet, daß die Satzung in Druck gegeben und bei der hessischen Beamtenschaft an­geregt werde, die Beitrittserklärungen möglichst vor der konstituierenden Versammlung abzugeben, um bei der Gründung schon einigermaßen ein Bild von der Größe der geplanten Kasse zu haben. Bis zum 20. Oktober d. I. waren bereits nahezu 700 bindende Beitrittserklärungen ans acken Beamten kreisen mit einem Versicherungskapttäl von rund i/2 Million Mark eingelaufen. Gerade der Um­stand, daß bei der Berechnung der Beiträge nicht Kon­kurrenzrücksichten, sondern nur die weitgehendste Vorsicht beobachtet wurden, gewährt die zuversichtlichste Hoffnung, daß die Kasse Geschäftsüberschüsse mit wahrscheinlicher Sicherheit erwarten läßt, die den Mitgliedern als Dividende zugute kommen und so die Prämien vermindern werden. Ferner ist die monatliche Beitragszahlung, die es jedem Beancken ermöglicht, sich ohne eine Last zu verspüren, angemessen zu versichern, sehr zu beachten., Erne allge­meine vorgeschriebene, strenge ärztliche Untersuchung sichert gesündere Mitglieder und vermindert das Risiko einer Kasse, was sich naturgemäß in den Prämien wieder- jpiegeln muß. 9Lach Beendigung des Referats ist ein- irimmig die Errichtung der Kasse beschlossen und die Grün- dungsurkunde von allen anwesenden Delegierten unter- zeick)net worden. Hierauf wurde in Anteilscheinen zu 500 Mark ein Betriebs- und Garantiefonds von mehr als 10 000 Mark bereitwilligst gezeichnet. Nun schritt die Versammlung zur Wahl des Sekretärs, Rechners und Vorstandes. Als Sekretär und Rechner wurden ge­wählt Ober-Nechnungsrevisor Erb-Darmstadt und q)aupt- staatskassebuchhalter Burk-Darmstadt. Der Vorstand wurde wie folgt gebckdet: 1. Vorsitzender Regierungsrat Wick-Darmstadt; 2. Vorsitzender Geh. Oberbaurat Im- rot h-Darmstadt; Beisitzer: Revisionsgeomerer Berg- a u e r - Darmstadt, Oberbuchhalter Vogel- Rlainz, Ge­richtsschreiber Göbel-Fürth, Kreiskasserechner Stauf- Darmstadt, Kreisstraßeumeister Braun-Alsfeld, Forst- wart K l i p p st e i n - Böllensalltor. Als Revisor der nächsten Rechnung wurde Ober-Reckmungsrevisor P e p p l e r - Darm­stadt, bestellt. 9kachdem noch verschiedene Satzmigsänder- nngen durch die Delegierten vorgenommen worden^waren, schloß der Vorsitzende die Versammlung mit dem Wunsche, daß das, was die Hess. Beanuenschajt in der gegründeteir Kasse erhoffe, sich verwirklichen möge, zu Ehren der Grün­der sowie zum Segen der Mitglieder. Anschließend an diesen Berichr machen wir noch darauf aufmerksam, daß mit dem 26. Oktober d. I. die dreimonarliche Frist beginnt, während welcher es auch Personen über 45 Jahre bis zu 60 Jahren gestattet ist, der Kasse beizutreten und wahrend welcher allen eintretenden Mitgliedern eine Ermäßig­ung des Eintrittsgeldes um 40 Prozent zuge-

Parks, 28. Okt. Wie die hiesigen Blätter melden, j wird der hier eingetroffene Graf Lamsdorsf am Sams- i tag direkt nach Peter sburg zurückkehren, ohne an , der Zusammenkunft des Zaren mit Kaiser Wilhelm ui , Wiesb aden teilzunehmen. (Das ift wohl bösartiges ( 'trarHösisches Geschwätz!)

Figaro" teilt mit, daß die Begegnung des Grafen Lamsdorfs mit Deleass 6 ursprünglich au der ftanzo- ; fischen Grenze geplant war und a^ch> der Ort für die Zu­sammenkunft bereits bestimmt gewesen sei, daß aber Graf ^Lamsdorff den Wunsch ausgedrückt habe, nach Paris zu ! kommen, damit der f r e n n d s ch a s t l i ch e Charakter feiner j Meise d eutlichin die Erscheinung trete. (Auch mit solchen , unerweislichen Behauptungen streut man der Welt keinen Sand in die Augen. (D. Red. d. Gieß. Anz.) ,

Der Besuch Londoner Kaufleute, welche in der Zahl von 205 heute nachmittag hier eingetroffen süid, -hat zu keinerlei öffenllicher Kundgebung gefül)rt Am ^Bankett des Abends nahmen mit Combes sämtliche Mi­nister teil. HandelZnrinister Trouillot toastete auf die eng- rlifchen Kaufleute. Der Minister wies auf das Wachsen ^des Handelsverkehrs zwischen Frankreich und England hin. Wenn beide Länder sich in freundschaft­licher Sympathie nahegetteten seien, so entspreche das ihren Natürlichen Interessen. Der Attnister verspricht seinerseits, diese Ann-ähe,rung zu unterstützen durch Herab- ffetzung der Post- und Telegr aphentarire. Trouillot schließt mit dem Ausdruck des Dankes, daß die «englische Handelswelt durch ihre Steife nach Frankreich die Idee der Versöhnung popularisiere, welche, wie ber Präsident Loubet bei der Londoner Reise sich ausdrückte, Li einer Wohltat für die Menschh eit werden müsse.

Der Marineminister hat die gerichtliche Ver- ffolgung desSahara-Kaisers" Jaques Lebaudy Migeordnet Es soll von demselben Ersatz der durch die Entsendung des KreuzersGalllee" entstandenen Kosten von 40 000 Francs gefordert werden.

Rom, 28. Ort. Schatzminister Brogllo gab heute das "Resullat des laufenden Budgets 1902/03 bekannt. Unter ^Einrechnung aller außerordentlichen Ausgaben, einschließ­lich der Ausgaben für Eisenbahnbauten und Kosten der '^China-Expedition zeigt das Budget einen effektiven lleber- schuß von 69500000 Lires.

Wien, 28. Okt. Der mährische Landtag verhandelte 'in seiner heutigen Sitzung über den Anttag der Tschechen, ' die Regierung aufzusordern, in M ä h r e n eine Universi­tät mit der tschechischen Sprache als Unterrichts- /sprache einzurichten, sowie über den Antrag der Deutschen bett. Errichtung einer deutschen Universität in Mähren. Beide Anträge wurden einem AussckMsse überwiesen.

In der Sitzung des niederösterreichischen Landtages m>ies das Landesausschußmitglied Steiner in Beantwort­ung verschiedener Jnterpellattonen die Verleumdungen .eines Teils der Presse zurück und er Körte, der niederöstex- -reichische Landesausschuß sei kein Feind der medizinischen Wissenschaft, er nehme nur gegen die einer unerlaubten Reklamesucht dieneiiden Vivisektionen Stellung. Red­ner giebt eine Darstellung dersanitärenUebelstände in der Klinik für Gebsurtshilfe, die durch d-ie Unterbringuiig von Versuchstieren hervorgerufen seien.

Washington, 28. Ott. Dem Staatsdepartement ist von dem amerikanischen Botschafter in Mexiko die Nachricht ^gegangen, daß die Meldung-von einem Mordversuch Qrf den Präsidenten Diaz unbegründet fei.

(Dchabatz oder Nisch bemächtigen, um eine neue Aktion gegen die alten Verschwörer zu inseenieren. 'In offiziellen Kreisen wird die Sache nicht ernst genommen und Jankowitsch als überspannt hingestellt.

Vermischtes.

* Oggersheim b. Ludwigshafen, 28. Okt. Der Makler Hofmann erschoß im Wortwechsel seinen 17jährigen 'L>ohn und erhängte sich nach seiner Verhaftung.

* Würzburg, 28. Okt. Die Staatsanwaltschaft am hiesigen Landgericht hat gegen den Vorstand des Amts­gerichts Ochsenfurt, Oberamtsrichter Dr. Leopold Hal le in, ein Verfahren wegen Unterschlag u n g von Mündelgeldern eingeleitet. Der bis jetzt festgestellte Fehlbetrag beträgt 20 000 Mark. Dr. Hallern hat sich als nervös überreizt" in die Kreisirrenanstalt Werneck begeben, doch dürste die Erlassung eines Haftbefehls gegen ihn be­vorstehen.

* Nürnberg, 28. Okt. Der 13 Jahre alte Gym - nasiast Paul Müller, Sohn des Besitzers der hiesigen Löwenbrauerei, hat sich in der elterlichen Wohnung er­schossen, weil er sich durch eine in der Schule erhaltene Rüge gekränkt fühlte.

* Bamberg, 28. Okt. Das Gerücht, der ehemalige Hauslehrer Dippold habe im Zuchthaus Ebrach einen Selbstmordversuch verübt, bewahrheitet sich nicht. Dippold soll sich vielmehr mit seiner Lage abgesunden haben; er ist z. Zt. in seiner Zelle mit Strumpswirkerei be- scbäftigt. _______

Bom Heidelberger Mustkfeft.

Aus Heidelberg wird geschrieben: Universitäts. Musikdirektor Ph. Wolfrum hat, wie bereits kurz er­wähnt, in seinen Anordrrungen für den Orchesterraum den mannigfach gerügten Uebeljtänden des offenen, grell be- leuchteien Orchesters und der wohl gelegentlich die Aufmerk­samkeit der Zuhörer ablenkenden 5^elligkeit des Saales ab- helferc wollen und das Podium daher so eingerichtet, daß es bis unter das Saalniveau herapgelasfen und durch einq