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Adrefl« für Depesche«, Anzeiger Gieße«.
FccAlpdechttnfchluß Nr. SL.
Nr. 2A7
außer Sonntags Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem Hessischen Landwirt die Giehener Kamillen« dlÄter viermal in der
Woche bergeiegt.
StotattonSdrmt u. Ber- lug der Brühl 'scheu Unweich-Buch-u. Stein- ^cuckever (Pietsch Erden)
GEes Blatt. 188 JZchrgarrg Montag L8. September 1908
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Gietzener Anzeiger
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Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen MD
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Das rrtMche ^aiferyuat m Karmstsdt.
R. B. 5>axm^ftabt, 27. Sept.
Man twrh von den s-rLheren Besuchen des russischen Kaiserpaares, daß es sich i« den Mauern unserer Resi- deuzstadt wohl fühlt und gern hier verweilt. Knüpfen sich doch für die jüngste Schwester unseres Großherzogs, die Zarin, die seit nun saft neun Jahren bereits den russi-- scheu Kcriserthron schmückt, so viele zarte Faurilienbande und schöne Erinnerungen aus der goldenen Jugendzeit, daß sie immer wieder gern dem glänzenden Leben am Petersburger Kaiserhofe entflieht und an der Seite ihres hohen Gemahls auf ein paar Wochen die waldumwobene traute Heimat auffucht, in der auch der Zar längst als ein leutseliger, hochgeschätzter Gast herzlich willkommen! geheißen wird. Wie bchagüch sich das Zarenpaar bei uns fühlt, tonnte man gestern, gleich am Tage nach seiner Ankunft, beobachten. Schon in den frühen Borrntttags- stunden unternahmen die kaiserlichen Majestäten einen Spaziergang durch die L-tadt, die natürlich im schönsten Festschmuck prangt. Der erste Gang war ein Akt der Pietät; er galt dem Mausoleum an der Rosenhöhe, wo bekanntlich die Eltern der Zarin beig-esetzt sind. Dann begaben sich die kaiserlichen Herrschaften, ihren Weg über die zur Zeit hier stattftudende Messe auf dem Marktplatz nehmend, zum Besuch der fürstlich battenbergischen Herrschaften im Alten Palais. Hier war inzwischen auch der Großherzog erschienen, und bald darauf konnte man den Zaren in lebhaftem Gespräch am offenen Fenster erblicken, Zigaretten rauchend. Mittags 1 Uhr fand dann bei den Majestäten im Neuen Palais Frühstückstafel statt. Gegen 3 Uhr begaben sich das Zarenpaar mit den Prinzessinnen, denen „unser Prinzeßchen" eine unzertrennliche, liebe Be- gleiterirr erschenft, ferner der Großherzog und sämtliche übrigen FürsÜichLeiten mit Wagen nach Jugenheim, wo dem nahe gelegenen Schloß Herligenberg ein Besuchs ab- gestattet und der Tee eingenommen wurde. Tann fuhren die Herrschaften bei prächtigem, mildem Sonnenuntergang nach^ Darmstadt zurück, und das Zarenpaac und verschiedene airdere russische Gäste begaben sich direkt nach der russischen Kapelle, wo ein feierlicher Gottesdienst unter Mitwirkung der russischer: Sänger, sowie später eine L^sichtiguug des neuen, vom Zaren gestifteten Mosaik- blldes der Jungfrau Maria mit den: Jesuskirrd, ange- sertigt von dem bekannten Petersburger KünstlerateÜer v. Froloff stattfand. Am Abend war im Neuen Palais für die fürstlichen Herrschaften Familientafel, für das Gefolge und die übrigen russischen Gäste im Alten Palais Marschallstafel. — Die Ankunft des russisch>en Ministers des Auswärtigen, Gras Lamsdor ff, ist gestern abend halb 6 Uhr erfolgt. Ter Minister wurde am Bahnhof vom russischen Gesandten Fürst Koudaschoff empfangen und zum Hotel Britannia geleitet. Graf Lamsdorff wird bis Montag hier bleiben und den Zaren auf seiner Fahrt nach Wien zum Besuch des Kaisers Franz Josef begleiten. — Ter Sonntag war ein prächtiger Sommertag. Das Zareu- paar war wieder früh auf dem Posten und besuchte den Vormittagsgottesdieusi in der russischen Kapelle, ebenso die vier kaiserlichen Prinzessinnen und PrinH Andreas von Griechenland. Die Messe zelebrierte der Beichtvater des Zaren Ianitscheft. Am Nachjnrittag begab sich das Zarenpaar mit den Prinzessinnen, der Großherzog mit Prinzeß Elisabeth und die meisten übrigen fürstlichen Herrschaften nach Jagdschloß Kranich st ein, und am Abend wurde das Ho ft he ater besucht, wo Lttchard Waguers ,Metstersinger" zur Aufführung kamen, die strichlos erfolgte und über fünf Stunden dauerte. In der Hosloge der Bühne gegenüber saß rechts neben der Zarin die jungeBrauh links Prinzessin Franz Joseph. In der zweiten Reihe hatten neben dem Zaren der Großherzog und der Bräutigam, Prinz Andreas, Platz genommen. Die Kaiserin trug eine wunderbare, weiße Spitzentoilette mit zahllosen BrManten besetzt, die wie Tautropfen auf einem Schneeflor erschienen. Tas Haar schmückte ein oreistrahliges Diadem mit Brillanten und Perlen. Das Publikum war allgemein entzückt von der frischen, märchenhaft schönen Erscheinung Ihrer Majestät. Die Aufführung der Oper war eine ganz hervorragende Leistung unter HofLapeÜmeister de Haans Diri- gentenftab; jede einzettle der Hauptrollen (Hans Sachs: t^err Weber, Beckmesser: Herr Franz Harr es, Walter Stolzing: Herr Spemann, Poguar: Herr Riechm ann, Evchen: Frl. Hof acker) war tadellos, die Massenszenen und die Chöre mustergiltig. Leckrer trat bei einer Verwand luugsszene im 3. Akt eine unliebsame Störung ein, indem der Vorhang in der halbeu Höhe stecken blieb; es erforderte längere Zeit und Attihe, bis das Hindernis glücklich beseitigt war. Die hohen Herrschaften, die nach dem zweiten Alt den Tee einnahmen, wohnten der Vorstellung bis zum Schluffe bei.
Deutsches Mich.
Berlin, 27. Sept. Wie aus Paris telegraphiert wird, richtete Kaiser Wilhelm einer „Demps^-Meldung. zufolge an den Fürsten von Monaco als Ehrenpräses des Friedenskongresses von Rouen ein eigenhändiges Schreiben, worin er aussührt, die Pflege und Verbreitung der Wissenschaft seien die besten Förderer der Erhaltung des Weltfriedens.
— Ueber den Aufenthalt des Kais ers in Romi n t en ^ehen von dort folgende Mitteilungen zu: Am Dienstag besuchte der Kaiser das Kinderheim und äußerte zur Schwester: „Die Kaiserin läßt schön grüßen, sie kommt diesmal nicht." Sehr gut gefielen ihm das stramme Exerzieren und die tadellosen Griffe der Dorfjugend. „Das ist ja die reine Kompagnievorstellung gewesen", äußerte er nach der Besichtigung. Der Kaiser besichtigte bie im
Auftrage des Hoftuarschallamtes erbauten Arbeiterbäuser in Rominteu. Die Leute haben hier für 40 Mark jährliche Miete Wohnung und Mobiliar. Er lobte ihre Zweckmäßigkeit und sprach wiederholl seinen Dank aus. Deri Kreisbauinspektor Lang zeichnete er durch Verle'chung des Roten Adlerordens 4. Klasse aus und zog chn zur kaiserlichen Tafel zu Beim Diner waren 16 Herren des Kaisers Gäste. Am Dienstag abend schoß der Kaiser einen Sechszehnender, am Mittwoch ftüh bei der Pürsche brachte er einen Neunzehnender zur Strecke. Am Donnerstag und Freitag erlegte der Kaiser je einige Sechszehnender. Bis jetzt hat der Kaiser fünf Hrrsche zur Strecke gebracht.
— Der Schriftsteller Sanna H o y, der am Freitag abend in einer Versammlung verhaftet worden war, ist nach dem „Borw." noch am selben auertb wieder freigelassen worden.
Köln, 28. Sept. Im Gürzenich fand gestern abend Empfangsabend des 22. K o n g r e ff es des Allgemeinen deutschen Frauenvereins statt.
Karlsruhe, 27. Sept. Die Ur Wahlen für die zwelle Kammer finden am 30. Oktober statt; die Abge- orduetenwahl wird voraussichtlich am 11. November erfolgen.
Kirche und Schule.
Riefe, 24. Sept. In Gegenwart von 30 katholischen Vereinen und einer zahlreichen Volksmenge wurde heute unter großer Begeisterung an dem G e b u r t s h a u s des Papstes Pius L. eine Gedenktafel enthüllt.
London, 26. Sept. Großes Aufsehen erregt hier die bevorstehende Glaubensabschwörung des bekannten katholischen Schrift st ellers George Moore. Er ist ein geoöreuer Irländer und erklärte, daß er vom katholischen Glauben zurücktrete, well ihn die römischen Jn- triguen gegen Irland anwidern.
Ausland.
Paris, 27. Sept. Der Marineminister Pelletan wohnte gestern der Denkmalsenthüllung für den Admiral Jaures in Graulhet bei Als Antwort auf die Begrüßungsrede, welche nanwns der Geistlichkeit der Sekretär des Bischofs gehallen hatte, M)rte Pelletan u. a. aus: Die Regierung kenne keine Boreingenommenhell gegen irgend eine Religion, aber sie bevorzuge auch keine. Die Geist- llchkell besitze die Sympathien der Regierung, so lange sie ihr nicht feindlich gegenüber stehe.
Rom, 27. Sept. Ter päpstliche Geheimkämmerer De Wilport ist mit einem Handschreibendes Papstes an Kaiser Wilhelm nach Berlin abgereist. Dieser Reise wird dem „Corriere öella Sera" zufolge politische Bedeutung beigelegt.
— Die Regierung hat beschlossen, jedem demonstrativen Versuch der radikalen Anarchisten gegen den Zaren mit den schärfsten Mitteln entgegenzutreten.
Belgrad, 27. Sept. Außer dem Deputierten Gelja- kowics wurde noch der Abg. Philippovics ermordet.
— Es verlautet, General Sava Gruitsch, der heute aus Konstarrtinopel in Belgrad eintrifst, werde mit der Kabinettsbildung betraut werden, worauf er Verhandlungen mit beiden radikalen Gruppen einleiten werde.
Petersburg, 27. Sept. Der Chefdes Departements der Staatspolizei, Tubatow, ist seines Postens enthoben und nach Tambow verbannt worden. Es stellte sich heraus, daß er verschiedene Tumulte, namentlich in Odessa durch Polizeiagenten provozieren ließ, bis schließlich ein Beamter, dem er wegen Nichtbefolguug emes derarllgen Befehls mit Enllassung .gedroht Halle, ihn anzeigte, worauf sofortige Entfernung Tubatows von seinem Posten erfolgte. Von einem Gerichtsverfahren wurde Abstand genommen. Tubatow Halle sich vom Aufieher bis zur Exzellenz heraufgearbeitet. Sein Treiben war schon lauge verdächllg, zunral chm hohe Summen ohne Kontrolle zu Tetellivzwecken zur Verfügung standen.
preußischer Iecegierteutag der uationalliveraleu Partei.
Hannover, 27. Sept.
Zur Begrüßung der zahlreich hier versammellen Delegierten war hier gestern abend ein Kommers veranstaltet. Von Abgeordneten der nalioualliberalen Partei waren anwesend: Justizrat Dr. Krause (Vizepräsident des Abgeordnetenhauses), Dr. Sattler, Dr. Böllger, Prof. Dr. Friedberg, Graf v. Oriola, Dr. Jänecke u. a. Im Mimen des Provllizialwahlkomllees begrüßte dessen Vorsitzender, Reichs- und Landtagsabg. Senator Baurat W a l l b r e ch t, die Festtellnel)mer. Es sei dies das erstemal, daß der preußische Delegiertentag hier abgehalleu werde, obtoohl Hannover schon vor 37 Jahren preußisch wurde. Die Hanrwve- raner hätten die Selbs'tändigkell verloren, aber jetzt seien wir, und mit gutem Grund, ebenso gute Preußen, wie die Altmärker. Die nationalliberale Pcwtei befinde sich auf aussteigendem Ast, sie habe sich trotz der Gegensätze von allen Seiten der Wahl gut beharlptet, und 300000 Stimmen Zuwachs erhalten. Wenn das Vaterland gedeihen solle, dann sei eine Mittelpartei nötig, wie es die nallonalliberale Partei sei, die an der Wiege des Deutschen Reiches in erster Linie Pate gestanden habe. Das zeigten der Katholikentag und der sozialdenrokratische Parteitag. Das Gute liege hier, wie immer, in der Mitte. Der nationalliberalen Partei gehöre die Zukunft. Der Reichstagsabg. Dr. Max Jänecke begrüßte die Teilnehmer int Namen des Lokal- komitees, darunter den bisherigen Führer der ReichstagS- jraktioil Bassermann. Herr Basser mann dankte. Wenn aus Süddeutschland so viele hierher gekommen seien, so
sei Pas ein Beweis dafür, daß Preußen und Deutschland eins geworden seien und wie sehr die Süddeutschen darüber klar seien, daß in jeder preußischen Landtagswahl ein Stück deutscher Geschichte entschieden werde. Dann kam er auf die jüngste Wahk, und betonte in Bezug auf das günstige ErgÄnis des Sllmmenzuwachfes, toemi eine Partei aus die Wahl stolz sein könne, so sei es die nationalliberale. Die Wahl zeige, daß in der deutschen Wählerschaft noch die Ueberzeugung herrsche, daß eine Mittelpartei absolut notwendig sei. Aus den heutigen Verhältnissen erwachse der nationalliberalen Partei die Pflicht, eine kräftige soziale Politik zu treiben, aber auch eine entschiedene Agitation in den Landesteilen zu entwickeln, wo sie bisher noch nicht vertreten war, eine straffe Organisation zu schaffen und Geld in die Kassen. Darauf hcnwetsend, daß eine Renaissancebewegung der nationalliberalen Partei in der deutschen Jugend erstanden, versicherte er, daß die heißen Wünsche der Süddeutschen in den bevorstehenden heißen Wahlkämpfen in Preußen die Parteigenossen begleiteten, schloß er mit einem Hoch auf die Nationalliberalen in Preußen und ihr Wahlglück. — Der Abg. v. Eynern zog in humorvoller Weise einen Vergleich zwischen den alten Deutschen und uns und weihte dem deutschen Volke ein Hoch. Dr. Raydt - Berlin feierte die drei Säulen der Partei in Hannover: Wallbrecht, Tramm und Sattler. Abg. Geh. Reg.-Rat Dr. Sattler stattete hierfür den Dank ab. Abg. Graf Oriola widmece der Provinz Hannover und den hannoverschen Parteigerrossen ein Hoch, in dem Sinne, daß sie festhalten an Rudolf v. Bennigsen und dessen Worten: wir müssen zusammenhalten.
Aus Ktaöt uut» Laus.
Gießen, den 28. September 1903.
L.U. Dem Assistenten am physikalisch-chemischen In» stllut der Landesuniversität Dr. Kurt Brand aus Lützen wurde auf Grund seiner Habilitationsschrift »Die elektrochemische Oxydation aromatisch gebundener Methylgruppen" die venia legendi für Chemie erteilt.
* * Personalien. Se. Kgl. Hoh. der Groß Herzog haben der durch die Dekanatssynode des Dekanats Groß- Gerau auf die Dauer von fünf Jahren vollzogenen Wahl des evangelischen Pfarrers Heinrich Adolph zu Groß-Gerau zum Stellvertreter des Dekans des Dekanats Groß-Gerau die Bestätigung erteilt. — Ernannt wurden: Pfarrvikar Weber zu Ilbeshausen zum Assistenten der Pfarrei Nieder-Jngel- heim (mit dem Wohnsitz in Wackernheim), Pfarramtskandidat Hofmann zu Gießen zum Pfarroerwalter in Queck, Dek. Lauterbach; Pfarrassistent Nies zu Kastel zum Pfarroerwalter in Ettingshausen; Pfarrassistent Vogt zu Gießen zum Pfarroerwalter in Ober-Breidenbach; Pfarramtskandidat Lic. theoL Gaul zu Neu - Isenburg zum Pfarrassistenten in Gießen; Pfarroerwalter Zill es zu Gedern zum Pfarrvikar in Ilbeshausen. Die Schlußprüfung im Juli und August 1903 haben bestanden: Lic. theol. Adolf Bender zu Darmstadt, Lic. tdeol. Willy Gaul aus Ober-Ingelheim, zu Neu-Isenburg, Willy Hofmann aus Gau-Köngernheim, zu Gießen, Wilhelm Schulz aus Frankfurt d. M., zu Offenbach a. M., Friedrich Waas aus Neckar-Steinach, zu Gießen.
* * Hessisch-Thüringische Staatslotterie. Bet der heute fortgesetzten Ziehung der 6. Klasse fiel ein Gewinn von 40 000 Mk. auf Nr. 14446 (nach Darmstadt), Gewinne von 3000 Mk. auf Nr. 1046 57920 69644 79552 86163 90863, Gewinne von 2000 Mk. auf Nr. 6007 14948 17403 23928 26008 31018 38378 55949 60103 66604 69475 80963 85777 89642. (Ohne Gewähr.)
* * Die Gemäldeausstellung im Turmhaus am Brand wird erst nächsten Sonntag, den 4. Oktober, geöffnet. Jetzt werden noch allerlei Vorberellungen getroffen; von Darmstadt treffen in diesen Tagen noch Bilder ein.
• • Der Zirkus Lorch setzt unter sehr lebhafter Teilnahme des Gießener Publikums seine Vorstellungen fort. Was in diesem wirklich guten ■ Zirkus an Dressur geleistet wird, verdient höchste Anerkennung. Mit welcher unendlichen Geduld, mit welcher Güte und Sanftmut, mit welcher Strenge und Gewalt muß da von den Pferde- und Hundedreffeuren regelmäßig tagsüber gearbeitet werden, um derartig Staunenswertes allabendlich zeigen zu können, merkwürdig schwierige Leistungen, die scheinbar mit spielender Leichtigkeit ausgeführl werden. Es giebt da verschiedene „Attraktionen ersten Ranges", wie es in der Allistensprache allerdings nicht sehr schön, aber diesmal nicht unzutreffend heißt. Das Lustigste war am Samstag abend, als auf die Aufforderung, um einen Preis von 50 Mk. eins der schönen Rosse des Zirkus ohne herunter- zufallen zu reiten, sich eine Schar Gießener Buben innerhalb der Manege einfand und als dann einer nach dem anderen die tollsten Kapriolen erlebte, während ihn ein am Zirkus- dache befestigtes Seil, dessen Enden ihm um den Leib geschlungen waren, vor allen Gefahren schützte. Bald faßen sie auf dem Halse, bald auf dem Schweife des Pferdes, das in wütendstem Galopp umhersprengte. Schließlich flogen sie alle, lose am Seile, in der Luft herunr, fern vom Pferde, das dann regelmäßig in seinem stürmischen Jagen aufgehalten wurde. Die ganze Familie Lorch ist echtes Künstlerblut. Nicht weniger als sieben ihrer jüngeren Mitglieder — wie viel Köpfe sie im ganzen zählt, vermochten wir nicht festzustellen — führen gemeinsam „zuzensisch-itarische Spiele" aus, d. h. sie springen und werfen und fliegen über, unter und um einander mit Grazie in rhythmisch-harmonischer Orb*


