Ausgabe 
28.8.1903 Erstes Blatt
 
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licheu Geruchsuerven unmöglich machen. Gießen, 28. August 1903.

gehaltenen Markte waren aufgetrieben 1374 Stück

nächste Markt findet am 1. und 2. September statt; am letzteren

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Schluß-Tendenz: Ziemlich

Handel und Verkehr. UMswirrschasl.

Berliner Börse vom 27. August 1903.

(Mitgeteilt von der Bank für Handel uiiO Industrie, Gießen.)

Kunst und Wissenschaft.

München, 27. Aug. In der heutigen Sitzung der Haupt­versammlung des deutschen A p o t h e k e r v e r e i n S hielt Ober- Apotheker Dr. Rapp einen Vortrag über bakteriologische Arbeiten im Laboratorium der Münchener Kraukenhausapotheke. Nach Er­ledigung der Rcchnungssachen wurden verschiedene Anträge ver­handelt. Ein Antrag, nach dein die Borslandschast des Apotheker- Vereins bei verschiedenen Brunnenvermallungen Vorstellungen er­hebet^ soll, um eine Festsetzung gemeinsanier Atindestdetailpreis^ für Mineralwasjer zu erreichen, wurde der Borslandschast als Alaterial überwiesen. Bezüglich des preußischen Ministerial-Erlasses über

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Meldung ium 20.

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Gingesandt.

(Für Form und Inhalt u.n. ui.«,.; oic|'er Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.)

Tie Bewohner und Passanten des zwischen Ludwigstraße und Südanlage gelegenen Teiles der Bleichstraße haben seit ge­raumer Zeil unter dem geradezu p e st l l en z r a l is ch en Ge­st a n k zu leiden, den die dort befindlichen ^-chlammfänge aus- strömen Taß hier sofortige Abhtlfe geschaffen wird, ist nicht nur cm Gebot der Gesundheitspflege, sondern es ist auch das gute Recht der Steuerzahler, zu verlangen, daß derartige Beeinträchtigungen der Anwohner und Passanten unverzüglich beseitigt und Maß- ltahmen getroffen werden, die solchen Attacken aus die mensch-

Privat-Diskont 33/8 Prozent.

Oe st. Kredit . . *

Deutsche Bank . .

Darmstädter Bank .

Bochmner Guß . .

4iimilirii-ihidjrtdjt£n.

Gestorben: Gastwirt Friedrich Enders, Rockenberg. Frau Marie Uinsonsl, geb. Weber, m Friedberg. -

Märkte.

Bei dein ctm 18. und 19. August ds. Is.

ein Bittgesuch für ihren Mann zu überreichen, der gegen­wärtig eine längere Freiheitsstrafe zu verbüßen habe.

Kleine Mitteilungen n h *3 Hesse nund den Nachbarstaaten. In Klein-Gerau starb im 88. Lc- bensjahre der Lehrerveteran Heinrich Klein. In B ü - dingen ist das GasthausFürstenHof" für 52 500 Mk. an Herrn Heinrich Jrle aus Gladenbach verkauft worden.

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{yrüd0c ständig h-us-s hätte f« S-u'Ej

So Meltoün Jnsurgen

auch Krämermarkl.

Grünberg, 27. Aug. Unseren heutigen Ludwig sm arkt begünstigte wirtlich schönes Wetter, eine Seltenheit in diesem reg­nerischen Sommer. Ter Rindviehmurkt war recht gut befahren, insonderheit mit Jungvieh. Der Handel ging sehr flott trotz hoher Preise. Halbjährige Rinder kosteten 120-130 Mk., jährige 200 Mk. und darüber. Ter Schwemelnarkt zeigte eine auffallend starke Be­setzung. Auch hier zeigte der Handel lebhaften Gang bet hohen Preisen. Jnngschweine erster Sorte kosteten per Paar 5560 Mk., zweiter Sorte 4550 Mk. Ter Krämermarkt hatte wegen der Ernte- arbeitcn sclnvacbon Besuch.___________________________________

di- Hausapotheken in den Stralanstalten und bezüglich der B- stimmungen der preußischen Apotheken, der Betriebsordnung Uber die Annahme von Eleven rourben einige Wunsche aus Aendcrungcn angenommen. Sodann ivurdc der gcschailliche Teil der yauptuer- lanimlung g-schlosien (d)rcjbt: ynläf;licl) bcl Weitaus- ft e H u ii o i n"S t Louis ist seitens des Direktoriums der Welt­ausstellung die Veranstaltung eines internationalen Juristen- Kongresses geplant. _________

Sport.

Baden-Baden, 27. Aug. Beim heutt'gen Nennen um den Großen Preis von Baden-Baden (goldener Pokal, aeltiftet vom Großherzog von Baden, und 60 000 Mk. dem ersten Sieger 10 VOV dem zweiten, 5000 Mk. dem dritten, 3000 «Bit. dem vierten und 2000 Alk. dem Trainer des Siegers), Distanz 2400 Altr., wurde Bla0esBiuicius" Erster, Abeilles ,.La Camargo" Zweiter und Ephri 111111-3 /Jlkmcon" Drill er.

Uruestr Mrlöuiuzru.

Originaldrahtmeldungc» des Gießener- Anzeigers.

* Berlin, 28. Aug. In einer Zuschrift an den ,Vor­wärts" verwahrt sich der Reichstagsabg. Eduard Bernstein gegen die Angriffe, die in den letzten Berliner sozialdemo- kratischen Versammlungen gegen ihn gerichtet wurden, und erklärt, sein Vorschlag, betreffend die Besetzung des Vize- präside'ntcn-Postens des Reichstages durch die sozialdemo­kratische Partei, hatte lediglich den Zweck gehabt, dem Ver­zicht auf eine Position zu widerraten, von der er überzeugt sei, daß ihre Besetzung im Interesse der Partei liege.

Berlin, 28. Aug. Wie ein Berichterstatter meldet, soll Prinz Prosper A r e u b e r g bei seiner tteberführung in das Tegeler Strafgefüngnisin einer Equipage vom Bahnhofe abgeholt worden sein. Tie beste Zelle des Ge­fängnisses ist sür ihn in stand gesetz-k. Inzwischen habe man den Prinzen bis zu ihrer Renovierung in einem Lazarett untergebracht.

Kopenhagen, 23. Aug. In aristokratischen Kreisen erregt eine Mesaltianz großes Aufsehen. Die Tochter des L e h n s g r a. f e n Rantzau hat sich mit dem Sohn ihres Waldhüters verlobt. Der bekannte Dra­matiker Holger D r achm a n n ist wegen hochgradiger Mrvo- sität genötigt, in einer I r r e n a n ft alt sich einer Nerven­kur zu unterziehen. Alan hofft, daß eine halbjährige Ruhe genügen wird, den Dichter wieder herzustellen.

London, 28. Aug. Nach dem hier veröffentlichten Text der Vorschläge, die das maeedonisehe Komitee dem Sultan und den europäischen Negierungen übersandte, verlangt dieses, daß Maeedouien eine europäische Ver­waltung erhalte, in welcher eingeborene Vertreter Sitze haben; ferner, daß Maccdomen von einem internationalen Truppenkorps besetzt gehalten werde.

L. Loudon, 28. Aug. Die angebliche Absicht des Aus­wärtigen Amtes, jüdische Auswanderer in Bri­tisch -O st a s r i k a längs der Uganda-Eisenbahn zwischen Nairibo und Mau-Hügeln unter selbständiger jüdi­scher Verwaltung anzusiedeln, wird in der Ko­lonie selbst, nach einer Meldung derDaily Mail" aus Mombassa, allgemein verurteilt. Nachdrückliche Proteste an das Auswärtige Amt sind bereits nach London unterwegs. Das erwähnte Gebiet ist das beste der ganzen Kolonie.

Paris, 28. Aug. Blättermeldungen aus Ado-Abeba zufolge steht dort ein Bürgerkrieg bevor. Negus Me- nelik ist schwer erkrankt. Ras Mcmgascha sammelt Anhänger sür den Fall des Ablebens Meneliks.

Udine, 28. Aug. Zwischen den Stationen Pafian, Schiovoncsco und Codroipo fteft ein Militär trans portzug mit einem Güterzng zusammen. 9 Personen wurden getötet, darunter ein Hauptmann. 45 Verwundete wurden nach Udme gebracht. 30 Personen sind schwer verwundet.

St. Moritz, 28. Aug. Von dem Nortec'atsch stürzte ein Tourist mit seiner Gattin und dem Führer ab. Bis jetzt wurde nur die Leiche des Führers aufgefunden

Riva (Südtirol., 28. Aug. In der Nähe von Areo st i e ß e n z w e i A u t o m o b i! e z u f a m m e n. Beide Fahr­zeuge Wurden vollständig zertrümmert. Der Führer des einen, einem italienischen Grasen gehörig, wuroe schwer verletzt, während die übrigen Insassen mit leichteren Verletzungen davon kamen.

Budapest, 28. August. Infolge einer um Mitternacht ausgcbrochencn Feuersbrunst auf dem Subbahnhofe brannte der Dachstuhl der Haupthalle, das Restaurations-

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gemeldet wird, die Stadtverwalttmgen benachrichtigt, daß die Schulgeldsätze aller höheren Lehranstalten Land es einheitlich geregelt werden w"0n.

»Bestätigung von Geistlichen. Wie uns auz Darmstadt drahtlich gemeldet wird, hat oe. Kgl. Hoheit der Großherzog unterm 26. ds. Mts. den von bem Fürsten Christian Ernst zu Stolberg-Wermgerode präsentierten cvang. Pfarrer Albrecht Hartmann zu Hamichen als 1. Psarrer zu Gedern, und den vom Grafen v. Oriola präsentierten Psarr. Verwalter Franz Bernbeck als Pfarrer zu Büdesheim, Der. Rodheim, bestätigt. v , . , . ~ lfo

- Hirschapotheke. Die seit Jahrhunderten tm Hause Markt 11 betriebene Hirschapotheke Dr. Julius Eafar hat sie seit 71/, Jahren inne ist nach dessen neu erwor­benen und modern hergerichteten Hause, Frankfurterstraße 4, verlegt worden. Es wird hierdurch einem längst empfundenen Bedürfnisse namentlich der Anwohner des Südwestviertels Rechnung getragen.

-I. Ermenrod, 27. August. Die Wahrheit des Sprich­wortes ,blinder Eifer schadet nur" erfuhr ein hiesiger Orts­bürger. Er bemerkte, daß nachts ungebetene Gäste ^reude an seinen reifen Pflaumen haben. Mit seinem Gesellen be­gab er sich nachts auf die Lauer. Da nahte etwas m der Dunkelheit. Wütend stürzt sich der Handwerksmann auf den Unbekannten. Er packt chn und verhaut ihn jämmerlich. Endlich merkt er, daß er seinen hilsbereiten Gesellen ergriffen und jämmerlich zerschlagen hat. Letzterer hat seinen Dienjl quittiert und Anzeige erhoben.

R.B. Darmstadt, 27. Aug. Die große Auseutander- setzung wegen eines sozialdemokratischen Prze- vräsidenten im Reichstag, frie auf bem nadjlten sozialdemokratischen Parteitag den Kernpunkt der Verhand­lungen bilden wird, wirst auch auf unsere he si siche ^ozial- demo kralle ihre Schotten voraus. Bei der jüngsten Reichs- tagswahl hatten die Darmstädter Sozialdemokraten bekannt­lich den soz. ReichDta-gsadg. v. Bollmar zur Hilft mit herangezogen und hier hatte auch Herr v. Vottmar fernen ersten scharfen Wink gegen Bebel und ringer über die Stellung der Partei zu den Handelsverträgen losgelassen. Die damals von Cramer und Berthol d dem süd- > deutschen Parteiführer erwiesenen Sympathien sollen diesem auch in Zukunft bewahrt bleiben, denn beide Sperren haben sich, wie wir hören, in der Vizeprä^identensrage ganz auf den Standpunkt des Herrn v. Vollmar gestellt, lleber Ulrichs Haltung, der in seiner Eigenschaft als Vize- . Präsident der hessischen Kammer immerhin noch seine Stimme miterhebt, herrscht angesichts seiner engeren Be­ziehungen zu Bebel noch Urklarheit.

sd. Darmstadt, 28. Aug. (Eigener Draht- ' bericht.) Die gestrige Stadtverordneten-Versamm- 1 (ung hat den Namen ^Victoria-Melittaweg" auf der Mathildenhöhe nächst der Künsllerkolonie in den Namen ^,Prinz Christianweg" umgewandelt.

Darmstadt, 27. Aug. Das russische Kaiserpaar ; wird dem Vernehmen nach drei Wochen in Darmstadt bleiben. ' Es wird in der dritten Woche des September erwartet. Tie ( Trauung von Prinz Andreas mit der Prinzessin Alice soll während seiner Anwesenheit in Darmstadt statt- finden. Der Zar soll dann nach Rom reisen, und über Wien und Warschau nach Petersburg zurückkehren. In Wien wird er wahrscheinlich Ende Oktober emtreffen. Offiziell steht je­doch über die Einzelheiten der Reise noch nichts fest. Es heißt, Zar Nikolaus begebe sich am 25. Oktober von Schloß Wolssgarten aus nach Rom zum Besuche des Königs von Italien. Der Zar, den die Zarin wahrscheinlich be­gleitet, wird auch Papst Pius X. einen Besuch ab- statten.

* Offenbach, 27. Aug. In der heutigen Sitzung der Stadtverordneten machte der Vorsitzende die Mitteilung, daß der neugewählte Beigeordnete Zopfs mit dem 1. Oktober seinen Dienst antreten werde. Der Gemeinde­vorstand von Bürgel und der hiesige Verfaffungsausschuß haben betreffs der Eingemeindung von Bürgel eine gemeinsame Sitzung gehabt, welche das Ergebnis hatte, beide Bürgermeister sollen zunächst die festzulegenden Grundlinien für den künftigen Vertrag gemeinsam ausarbeiten. Be­treffs der Erhöhung des Schulgeldes für auswärtige Schüler an den höheren Schulen in Offenbach wurde der Antrag des Ausschusses, von der Erhöhung des Schulgeldes abzusehen, angenommen.

-k- Mainz, 27. Aug. Wie derMainz. Anz." unter Reserve -mitteilt, bestehe das Projekt, das hiesige Zeug­haus in ein Schloß umzubauen, das für den Kaiser bestimmt sei. Gelegentlich der Anwesenheit des Kaisers hier sei das Projekt zwischen dem Kaiser und dem Großherzog eingehend erör tert wor­ben und mit dem Umbau des Zeughauses soll schon in nicht allzu ferner Zeit begonnen werden. Bei der Besichtigung der Restaurationsarbeiten am kurfürstlichen Schloß am ver­flossenen Montag seien dem Großherzog schon Tetailpläne unterbreitet werden. Die Bestätigung dieser'Mitteilung muß abgewartet werden, zumal von einem Umbau des hiesigen Zeughauses noch niemals die Rede war.

Cassel, 27. Aug. Oberpräsident Gras Zedlitz- Trützschler, der mit seiner Gemahlin der 25jährigen Jubelfeier desKleinkinder-Lehrerinnen-Seminars" des hessischen Diakonissenhauses beiwohnte, nahm Anlaß, auf eine Begrüßungsansprache in längerer bemerkenswerter Rede zu erwidern. Dieselbe stellt einen nochmaligen Scheidegruß an das hessische Land dar und bekundet die Freude, wie vorher in SchMen, auch hier in Hessen für die Tiakonissen- sache arbeiten zu können. Er, der Oberpräsident, sei immer ein Schulmann nicht ein Schulmeister, das zu sagen, wäre vermessen gewesen, und werde es auch in Schlesien wieder sein. Er habe es auch dem Kaiser selbst gesagt und darum könne er es auch hier sagen, daß es ihm bitter sauer werde, aus seinem Amte im Hessenlande und der Gemein­schaft des hessischen Volkes zu scheiden. Er gehe aber in Gehorsam und werde versuchen, seine Pflicht zu tun.

Kassel, 27. Aug. Bei einer Ausfahrt der Kai- 'serin ereignete sich unweit der Wilhelmshöhe ein kleiner Zwischenfall. Als die Kaiserin von dem Besuche einiger Kasseler Wohttätigkeirsanftalten nach Schloß Wilhelmshöhe zuruckkehrte, durchbrach plötzlich unterhalb des dortigen Post­amtes eine gut gekleidete, tief verschleierte Dame die Posten­kette, drängte sich an den kaiserlichen Wagen heran und warf einen Brief hinein. Sofort eilten Schutzleute herbei, welche die Persönlichkeit der Dame fest­stellten. Bei ihrer Vernehmung gab diese an, sie sei direkt von Berlin nach Kassel gekommen, um der Kaiserin persönlich

Vermischtes.

* Mühlhausen, 26. Aug. In der Nacht zum Sams­tag ist bereits der Arzt Dr. Schloß plötzlich gestor­ben. Dr. Schjloß ist ein Opfer des Streites zwischen Ortskrankenkasse mrd Aerzten; er ist in einem Zwei­kampfe mit Dr. Schwarz, einem der neu hier zu- gezogenen Aerzte, tödlich v e r w u ti d e t worden. Dr. Schw. ist, wie mir schon gestern kurz meldeten, in Seebach verhaftet worden. Schon seit Dienstag früh wurde die Wohnung des Genantiteii von Polizisten, welche sich in Zivil befanden, umstellt und scharf beobachtet. In der Mittagsstunde begab sich der Arzt nach der Geschäfts­stelle der Ortskrankenkasse I und teilte dem Beamten- personal mit, daß seine Wohnung von Polizisten umstellt sei. Er erklärte, sich per Wagen nach Secbach begeben zu wollen, um zu sehen, was die Polizei daraufhin tmter- nehmcn werde. Diesem Vorsätze gemäß hat sich Dr. Schw. auch nach Seebach begeben. Auf Dem Wege dorthin folgten ihm einige Polizeibeamte. Als der Arzt Seebach ver­lassen wollte, trat am Bahnhof der Polizeiinspektor auf ihn zu und erklärte ihn für verhaftet. Einen Haftbefehl zeigte er nicht vor, rechtfertigte aber die Verhaftung mit der Erklärung, daß die Beftrchtung vorliege, daß T-r. Schw. einen Fluchtversuch unternehmen werde. In Be­gleitung des Polizeiinspektors befanden sich zwei Polizei­unterbeamte. Ferner wird mitgeteilt, daß die Leiche des verstorbenen Dr. Schloß vor ihrer Verbrennung in Gotha auf Anordnung der Kgl. Staatsanwaltschaft zu Erfurt lonsisziert worden ist. Tic Leiche ist noch im Lause des Vormittags am Dienstag seziert worden. Ueber das Ergebnis der Sektion ist noch nichts bekannt geworden.

* Hamburg, 27. Äug. Tie Polizei hegt Zweifel, ob die gestern aus der Alster gezogene Leiche diejenige des Grafen Baudissin aus Berlin ist, wie es aus den bei dem Toten gefundenen Papieren hervorzugehen schien.

* Zu dem Budapester Warenhausbrande wird noch gemeldet: Nachdem zwei verkohlte Leichen in den Trümmern des Warenhauses gefunden wurden, mußten die wetteren Nachforschungen wegen der damit verbundenen Ge- uhren eingestellt werden. Em Teil der Brandmauer stürzte ein und die Bewohner zweier Häuser, die gefährdet waren, mußten ausquartiert werden. In später Nachtstunde schlugen aus der Brandstätte wiederum hohe Flammen empor, die nur nut großer Mühe erstickt werden konnten.

* Die Humber ttscheuGe h e i m a kt e u", von denen o viel vor und bei dem Prozeß in Paris die Rede war, und die sogar eine Interpellation bei der ftanzöfischen Kammer herbeiführen sollten existieren gar nicht. Eine Note der offiziösenAgenee HavaS" besagt, daß niemals ein geheimes Aktenbündel betr. die Humbertsache vor­handen gewesen ist. Alle auf die Affäre bezüglichen Schriftstücke sind ordnungsgemäß mitgeteilt worden; die Anwälte und Staatsanwälte konnten acht Vöonate hindurch davon Kenntnis nehmen. Wie dieAgenee Havas" weiter meldet, erklärte Casimir Perier, dessen Namen im Prozeß Humbert erwähnt worden war, daß er niemals mit den Humberts Beziehungen gehabt habe. Er bat nur einmal Frederic Humbert um eine Gabe für eine Wohltätigkeits- Veranstaltung. Wie aus Gerichtsrreisen mitgeteilt wird, dürfte die Berufung der Humberts vor dem Kassationshofe nicht vor Oktober zur Verhandlung gelangen. Die lange Zeit so erfolgreicher Machinationen oer Frau Therese Hum­bert haben an vielen Orten 07achahmer gefunden. So wird aus Schweden ein in mancher Hinsicht ähnlicher Fall ge­meldet. Zwar handelt es sich hier nicht um eine Reihe von Millionen, aber genial war der Humbug doch, den die Stockholmer Tagelöynersfrau Sofia Andersson betrie­ben hat. 30 000 Kronen in dem Armenquartier der schwe­dischen Hauptstadt geliehen zu bekommen, will immerhin etwas sagen. Die Aehnlichkeit der kleinen Sofia mit der großen Therese erstreckte sich auch dahin, daß beide über auffallend beschränkte Lebensgefährten verfügten. Als der Schwindel im Norden vor das Stockholmer Stadtgericht kam, wußte der Ehemann Andersson von der ganzen Sache absolut nichts. Seine Gattin behauptete aus reichem süd- chwedischem Bauernstand zu sein; ihre Verwandten waren ämtlich Reichstagsmitglieder oder Pröpste; ein verstor­bener großbäuerlicher Abgeordneter hatte sie zum alleini­gen Erben bestimmt, lediglich aus Achtung vor ihrer über­legenen Intelligenz. Damit stimmte gut überein, daß sie eine arme jüngere Schwester besaß, die in bedrängten Ver­hältnissen lebte, und auf sie sehr neidisch war; Frau Sofia wies Briefe voll Bitterkeit und Eifersucht vor, und man gab ihr bann Geld, um der neidischen Schwester den Mund zu stopfen. Natürlich aber hatte Sofia Anders­son die Briefe selbst geschrieben, und die Schwester existierte garnicht. Mit dem wohlerworbenen Geld ging Frau An­dersson sehr splendid um. Sie gab auch Gesellschaften. Einmal veranstaltete sie für sämtliche Gläubiger ein glän­zendes Fest in einem vornehmen Restaurant und befestigte damit auf lange Zeit wieder ihren Kredit. Aber das Ende war prosaisch; sie entfloh, wurde in der südschwedischen Heimat aufgefunden und in Stockholm zu vierjährigem Zuchthaus verurteilt; kein Maitre Labori verteidigte sie, und weder Regnier noch Bazaine kamen in ihrem Prozeß vor.

Ardriterdemegung.

Mannheim, 27. Aug. Eine Versammlung der Streikenden der Lanz'schen Maschinenfabrik beschloß die Wieder­aufnahme der Arbeit zu den von der Firma ge­stellten Bedingungen.

Straßburg, 27. Aug. In Spittel in Lothringen wurden drei Italiener wegen Aufreizung zum Streik verhaftet. Ihrer Aufforderung hatten 600 Arbeiter der Bauftrma Haas u. Schott.Folge geleistet.