Ausgabe 
28.7.1903 Zweites Blatt
 
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tmb später der Eröffnung des neuen Viktorüahospitals bei < iml> wurde überall begeistert von der Menge begrüßt. Auf dem v.utr 5wspital drängte sich eine arme Faxm durch . x>ie So'Urteil Ttno i mute vor beu königlichen )hktgcii. Sie ' wurde t>.. B. den ^erussen und kam unter die Rüder. Die , J-rau ty.rrte schwer verletzt nach dem Hospital gebracht. Auf eine Adresse antwortete der ökünig: Mein höchster Ehrgeiz geht dahin, in die Fußtapfeüi meiner Mutter zu treten. Wie sie die Wohlfal)rt des Volkes, 1 das Gedeihen Irlands und bie Dlsrechterh-altnng des Fric- < derrs Liter den Rationen zu fördern, ist mein ständiges Ziel.

Wien, 27. Juli. Wie die 2lbenbblätter melden, ist die i Ernennung des FreiHerrn v. Burian zum gemeinsamen t tzi-nav-minister erfolgt. :

Betgrad, 27. Juli. Von einem Besuche des Ko- t nigs Peter am Grabe seines Großvaters in ( Topola wird telegraphiert: Rach Beendigung des Requiems ( empfing der König Gruppen und WOrdnungen aus der zu sauunengeslrömten Bevölkerung. Zu dem Frühstück waren < 100 Einladungen ergangen. Der König begab sich später in > das dortige Schulgebäude, von wo er dem im Freien ab- I gehaltenen Tanz des Volkes zusah und sich mit mehreren - Dorfbewohnern auf das leutseligste unterhielt. Um 5 Uhr > nachmittags wurde die Rückfahrt nach Belgrad angetreten. In Beantwortung einer Ansprache des Gemeindevorstehers gab Körrig Peter.btie Absicht kund, neben der jetzigen alten Kirche ein neues Gotteshaus zu erbauen.

^us Stadt uni) Land.

Gießen, 28. Juli 1903. '

- Hessisch-Thüringische St a at§ l otterie. In : der heutigen Ziehung der 4. Klasse fiel die Prämie von 50 000 Mk. auf die mit einem Gewinn von 1000 Mk. ge- . zogen« Nr. 55532 (nach Gonsenheim), ferner ein Gewinn von 40 000 Dck. auf Nr. 16638 (nach Offenbach), 20 000 Mk. auf Nr. 51 413 (nach Darmstadt), 10 000 Mk. auf Nr. 77435 (nach Offenbach), 5000 Mk. auf Nr. 10676 (nach Mainz), 3000 DU. auf Nr. 10966 (nach Alzey), 300 Mk. auf Nr. 94218 (nach Greiz), je 2000 Mk. auf Nr. 4491 (nach Mainz), 45055 (nach Darmstadt), 39853 (nach Mainz), je 1000 2Nk. auf Nr. 9726 14441 26658 33736 34068 (nach Helden berg en), 34960 41475 68379 84538. (Ohne Gewähr.)

** Eine MonarchenZusammenkunft in Darm­stadt? Nach einer Meldung desBerl. Tagebl." aus London wird die Zusammenkunft des Deutschen Kaiser- vaares mit König Eduard im September in Darm­stadt erfolgen. Auch das russische Kaiserpaar wird um diese Zeit nach Darmstadt kommen. Diese Nachricht wieder­holt im wesentlichen nur, was wir schon vor Wochen mit­teilen konnten, nämlich daß dre Hochzeit im prinzlich Batten- bergischen Hause mit besonderem Glanze gefeiert werden wird.

** Im Neuen Saalbau konzertierte gestern abend die Kapelle des 1. Hannoverschen Dragoner-Regiments. Der Besuch war verhältnismäßig gut. Das Konzert fand im Saale statt.

** Das Konzert unserer Militärkapelle zu Gunsten desJnvalidendank" findet heute abend im Saale bei Trescher und Schroedel statt.

Der Gesangverein Heiterkeit, welcher kürzlich am Gesang-Wettstreit m Bad Nauheim teilnahm und preis­gekrönt zurückkehrte, feierte am Sonntag auf derSchönen Aussicht" ein großes Sommerfest, welches Dank des günstigen Wetters sich eines guten Besuchs erfreute und bei Konzert und Kinderspielen recht schön verlies. Besonderen Beifall fanden die Gesangsvorträge, darunter auch das Preislied von Bad Nauheim.

X. Rixfeld, 26. Juli. Vom besten Wetter begünstigt feierte der Hassiabezirk Lauterbach-Schlitz hier sein Jahresfest. Ein überladener Extrazug, von Schlitz ausgeheno, brachte die meisten Festteilnehmer hierher. Der Festzug nahm auf der Chaussee nach dem Bahnhof Auf­stellung und bewegte sich durch die prächttg geschmückten Straßen des Torfes. Aus dem schön gelegenen Festplatz mtt dem Ausblick auf Wiesen, herrliche Wälder und den sanft ansteigenden Vogelsberg begrüßte der Be^irksvorsitzende Frieß von Lauterbach die Zeitgenossen und endete mit einem Hoch auf Kaiser und Großherzog. Die Festrede, welche den deutschen Gedanken von 1813 bis 1870 und das Ziel der Kriegervereine schilderte, hielt Pfarrer Kullmcmn von Altenschlirf. Hauptmann Waldecker überbrachte Öen, Gruß des Präsidiums der Hassia und pries in seiner Ansprache die deutsche Treue. Den Dank für das sestgebende Dorf brachte Kreisrat Tr. Wallau mit warmen Worten^zum Ausdruck. Für die tanzlustige Jugend waren zwei Tanz­böden gelegt, die auch tüchtig benutzt wurden. Die meisten Vereine fuhren in einem Extrazuge wieder zurück.

() A u s d e m M o o s e r g r u n d, 27. Juli. Ter Bau einer Nebenbahn von Fulda aus wird gegenwärttg vielfach erörtert und bildete bereits das Thema von Versamm­lungen der Vertreter der in Betracht kommenden hessischen und preußischen Gemeinden in Freiensteinau. Nach dem angeregten Plane soll die neue Strecke von Fulda aus über den Südost-Abhang des Vogelsbergs führen und zwar nach Giesel, Jossa oder Hosenfeld in den Moosergrund, Ober- und Niedermoos, Freiensteinau, in das Tal der Salz, um bei Salmünster in bie_ Bahnstrecke Fulda-Frankfurt einzu­münden. Ter neuen Strecke, die eine große Anzahl abge­legener hessischer und noch mehr preußischer Orte dem Ver­kehr anichließen würde, stehen allerdings nicht geringe Geländeschwierigkeiten entgegen.

][ Aus dem Kreise Lauterbach, 27. Juli. Die Behörden unseres Kreises sind seit Jahren bestrebt, für unsere Volksschulen neue Schulhäuser zu schaffen, die nach jeder Beziehung und besonders in hygienischer Hinsicht den Anforderungen unserer Zeit entsprechen. Auch in diesem Jahre wurden wieder eine Anzahl Neubauten bezw. Um­bauten begonnen, während andere ihrer Vollendung ent­gegengehen. So erhalten z. B. Maar, Pfordt, Angers­bach, A l t c n s ch l i r f, Freiensteinau neue, bezw. ver­größerte Schullokalitäten. Weitere Neubauten werden im nächsten Frühjahr in Angriff genommen. Durch fortgesetzte Errichtung neuer Schulstellen nimmt die Zahl der blassen stetig zu. Von Nachteil für das Schulwesen unseres Kreises ist leider der rasche Wechsel des Leyrerpersonals, besonders in den entlegeneren Orten. Es steht jedoch zu erwarten, daß durch das Gesetz betr. Vergütung für Lehrer an ent- leqencn Orten des Vogelsberges und Odenwaldes, welches die Annahme der Hammer gefunden hat, hierin eine Besser­ung erzielt wird.

r. Mainz, 27. Juli. Während Städte von geringerer Ausdehnung und Einwohnerzahl wie Mainz schon ianae

elektrische Straßenbahnen haben, sind die Bewohner von Mainz immer noch auf eine Pferdebahn angewiesen und zwar auf eine solche mit sehr mangelhaftem Betrieb. Der Grund dieser Rückständigkeit liegt in der langen Dauer der Konzession, welche dieSüddeutsche Eisenbahn-Gesellschaft" in Darmstadt zum Betrieb der hiesigen Pferdebahn hat und in dem Umstande, daß genannte Bahngesellschaft bis jetzt nicht zu bewegen war, sich mit einem annehmbaren Preis zu einem Ankauf der Pferdebahn durch die Stadt zu begnügen. Das Angebot der Stadt und die Forderung der Eisenbahn- Gesellschaft gingen weit auseinander und zwar derart, daß man auf städtischer Seite schon glaubte, nur auf gerichtlichem Wege mit der Eisenbahngesellschaft auseinander kommen zu können. Die allerletzten Verhandlungen haben indessen doch ( eine Verständigung zwischen der Stadt und der Süddeutschen > Eifenbahngesellschaft über den Kaufpreis der Gesellschaft zur 1 Folge gehabt, sodaß vorbehaltlich der Zustimmung der Stadt- . Verordnetenversammlung der Anlage der elektrischen Straßen- 1 bahn hier keine Hindernis mehr im Wege steht und am 1. Januar 1904 die Pferdebahn der elektrischen Bahn wohl Platz machen wird. !

Mainz, 27. Juli. Von dem Unglücks fall bei , der Mainzer Regatta bringt dasMainzer Tagebl." folgenden Bericht: Rach dem 13. Rennen trat ein jäher Witterungsumschlag ein, und ein heftiger Seitenwind, der durch Sprühregen noch unangenehmer wurde, warf die Wellen heftig aus. Trotzdem sammelten sich die Boote zum 14. Rennen am Start. Es sollten sich messen dieJninor- Achter" der Mainzer Rudergesellschaft, der Mannheimer Rudergesellschast, des Heidelberger Ruderklubs, des Mann­heimer RudervereinsAmieitia" und des Mainzer Ruder- vereins. Ten Start bildeten Nachen, die jedesmal mit zwei Pionieren besetzt waren. Der Mainzer Ruderverein hatte bereits seinen Platz eingenommen und eben steuerte an ihm Otto Bügler das Boot der MannheimerAmieitia" mit den Herren Karl Hill, Emil Hötsch, R. Müller, B. Thurm, O. Geith, I. Schuck, Ernst Roblenz und Freyer vorbei, als ein heftiger Windstoß das leichte Rennboot seitwärts trieb. Es gehorchte weoer dem Steuer noch den Rudern, öndern fuhr rasch auf den Startnachen der Mainzer zu. Einer der Pioniere juchte es auszuyalten, während der andere Pionier das Mainzer Boot hielt, allein vergebens: die Mannheimer stießen jo heftig wider den Nachen der Pioniere, daß ihr Boot zerschellte und die Trümmer fort- geschwemmt wurden. Einen Teil davon fischte später der Polizeidampser aus. Tie Mannheimer klammerten sich nun an die eine Seite des Pioniernachens, der sich hierdurch enkte und Wasser sing. Inzwischen waren verschiedene Nachen und das TrainierbootGreif" vom Frankfurter Ruderoerein zu Hülse geeilt uud konnten sieben von den Mannheimern retten. Ter achte, Namens Freyer, der erst kurz vor den Rennen für einen anderen eingesprungen war und, wie versichert wird, nicht schwimmen konnte, ließ das Pionierboot nicht los. Ter Nachen, der in kürzester Zeit immer mehr Wasser gefaßt hatte, schlug plötzlia) um und riß den jungen Mann mit in die Tiefe, aus der er nicht mehr auftauchte. Die beiden Pioniere Jüngst und Boos retteten sich mit knapper Not durch Schwimmen, was ihnen noch dadurch erschwert wurde, daß sich der ertrinkende Mannheimer an die Füße des einen angeklanunert hatte. Leider konnte der Pionier ihm nicht helfen, er mußte, selbst aus das äußerste erschöpsk, von seinem Kameraden Schröder, der in einem Nachen herbeigefahren war, aus dem Wasser gezogen werden. Eine Abteilung der Sanitätskolonne vom Mainzer Kriegerverein brachte dann die beiden Soldaten in das aus dem Regattaplatz errichtete Zelt und leistete ihnen dort die erste Hülse. Die Pioniere erholten sich in­dessen rasch wieder und kehrten in ihre Kaserne zurück, nachdem man ihnen von dort trockene Kleider gebracht hatte. Auch die gerettete Mannheimer Mannschaft kam ohne weiteren Schaden davon. Kurz vor dem Unglückssall hatte der Großherzog mit Gesolge das Fürstenzelt verlassen und die Rückreise nach Tarmstadt angetreten. Die Regatta wurde sosort abgebrochen und bie Schiedsrichterdampfer zogen ihre Flaggen ein. Auch die für heute angesetzte Vergnug- ungssahrt des Mainzer Rudervereins ist infolge des Un- glücksjalles abgesagt worden. Es standen gestern noch vier Rennen aus und zwar derJunior-Achter", derZweier ohne Steuermann", der beschränkteGastvierer" und der erste Achter", zu denen insgesamt 19 Boote gemeldet hatten. Eine Schuld an dem traurigen Unglücksfall trifft anscheinend niemanden, wenn es auch verwunderlich er­scheinen muß, daß eine Rennmannschast jemanden unter sich aufnimmt, der nicht schwimmen kann. Die Mannheimer waren ganz verzweifelt und tief erschüttert über den jähen Tod ihres jungen o^undes, der der einzige Sohn eines Zollbeamten gewesen ist. Tie Leiche wurde noch nicht ge- ländet.

Marburg, 27. Juli. Am Samstag abend wettete ein hiesiger Handwerker in einem Wirtschaftslokal um 60 Liter Bier, daß er acht Handkäse vertilgen würde. Beim vierten aber verließen ihn seine Kräfte und er mußte sein Unternehmen ausgeben. Die 60 Liter Bier werden von feinen Bekannten, mit denen er die Wette entging, wohl leichter vertilgt werden. (H. L. Ztg.)

Kassel, 27.Juli. Ueber die Disziplinierung eines Postbeamten benchtet ein sozialdemokratisches Blatt: Der hiesige Oberpostdirektionssekretär Richard Wagner hat eine philosophische Schrift erscheinen lassen:Aether und Wille oder Häckel und Schopenhauer", für die er von Häckel im November 1901 eine sehr anerkennende Zuschrift erhielt, an deren Schluß es heißt:Ich hoffe, mich später einmal münd­lich mit Ihnen darüber unterhalten zu können. Ich habe 6 Exemplare Ihres Buches an befreundete Denker, die sich für monistische Lösung der großenWelträtsel" interessieren, ge­schickt. Mit besten Wünschen für guten Erfolg Ihrer Denk­arbeit." Außerdem hat der junge Oberpostdirektionssekretär Spottverse über soziale Mißstände veröffentlicht. Diese gaben seinem Vorgesetzten, dem Geh. Oberpostrat Hoffmann, Ver­anlassung, ihm zu eröffnen, die gereimte SatireEvangelium der Verachtung" sei so anstößigen und verwerflichen Inhaltes und widerspreche so sehr den Grundsätzen der Moral und Religion, daß es angebracht gewesen wäre, das Disziplinar­verfahren auf Entlassung gegen den Beamten einzuleiten. Nur weil offenbare moralische Unreife vorliege, solle Abstand davon genommen werden. Er werde jedoch von jeder Be­förderung ausgeschlossen, und bevor ihm wieder irgend eine , Gehaltserhöhung nach dem Dienstalter gewährt werde, sei eingehend an das Neichspostamt zu berichten. Der Dichter war damals nicht Sozialist. Er goß über dasGleichheits- : Evangelium" dieselbe Lauge des Spottes wie über die sozial- > demokratischeKnüppel- und Hetzagltation" und den Zukunfts-

taat mit vorhergehendem Kladderadatsch. Die Maßregelung des Beamten, der inzwischen von Kassel nach Hanau straf­versetzt worden war, hatte nach derVolksstimme" zur Folge, daß er sich jetzt seinen Vorgesetzten gegenüber zum Sozialismus bekannte. Er ist daraus vom Amt sus­pendiert worden und wird demnächjt ganz entlassen werden.

Das Hochwasser der Oder und Weichsel.

Infolge erneuten Steigens der Ober ift bie Straße zwischen Pirsch am und Neuhaus abermals über­flutet. Um eine Verbindung herzustellen, haben bie Be­wohner von neuern zu Kähnen ihre Zuflucht nehmen müssen. Die Hoffnung, baß das Hochwasser bald zurücktreten werbe, ist bei den beständig niedergehenoen Regengüssen sehr gering. Es wirb vielmehr nochmals Steigen des Wassers befürchtet.

Nach einer Meldung aus Thorn ist der Oberpräsi­dent dort eiiigetroffen zu einer Informationsreise über bie in ben Weichselniederungen entstandenen Hochwasserschäden.

Man schreibt uns aus Berlin, 27. Juli:

Heber die staatliche Hilfeleistung für Schlesien erfahren wir noch das Folgende: Dem Grasen Bülow war durch Zeitungslektüre der Kanzler liest die Presse nicht etwa in Ausschnitten, er verschmäht auch das Studium der radikalsten Blätter nicht oer ungünstige Eindruck bekannt geworden über bie Gelassenheit der preußischen Regierung und das Anrufen der Privatwohltätigkeit. Graf JBütom ordnete sosort die Einberufung einer Sitzung des Staats- ministeriums an. Wir können seststellen, daß er nicht durch ein Telegramm von höherer Stelle zum Eingreifen ver­anlaßt worden ist; wohl aber bürste bie Annahme zutreffen, daß ein Tepeschenwechsel mit bem Kaiser über ben Betrag der Summe, die bem Ueberschwemmungsgehiet zuteil werden oll, stattgesunden hat."

Der auf Geheiß des Ministerpräsidenten Grasen» l o w zur Linderung der ersten Not sofort bereitgestellte Teil­betrag des 10 Millionenkredits beläuft sich auf 1600 000Mk.

Ein neuer Artikel der amtlichenBerl. Korr." betont, daß auf memge der Hochwasser hervorrufenden Faktoren das menschliche Können von Einfluß ist, und untersucht so­dann die Frage, ob in diesem engen Rahmen bie Staats­verwaltung etwas zur Beseittguug unb Säuberung ber Hochwassergefahr Geeignetes versäumte. Die Darstellung hebt hervor, daß der eigens eingesetzteWasserausschuß" dahin urteilte, daß das jetzige preußische Fiußregnlier- ungssystem die Hochwassergefahren nicht nur nicht steigerte, sondern auch auf deren Verminderung hinwirkte, und er­innert an teils durchgeführte, teils vorbereitete umfang­reiche Verbesserungen an der Oppa, Hotzenplvtz, Glatzer- neisse usw., an die Verwendung von ö Millionen zur Be­seitigung Der durch das 1897 er Hochwasser herbeigesührten Schäden, sowie an das Gesetz betreffend die Regulierung der schlesischen Flüsse vom 3. Juli 1900, welches Staats­und Prolinzmittel bis zu 40 Millionen Mark zur Verfüg­ung jicUtc. Seither, so fährt der Artikel fort, leistete die Provinzialierwaliung bereits ein erhebliches Stück Arbeit. Die Fertigstellung der Sperrmauer bei Mrarklissa ist Ende 1904 erwartbar. Die Projekte für die 50 Millionen Kubik­meter enthaltende Talsperre bei Mauer (Bör) und für viele andere Stauweiher, fmo teils fertig, teils in Arbeit. Das diesjährige Hochwasser beschädigte leider stark den kürzlich ferttggestellten Teil Der Regulierungs-arbetten an Der Freiü- walDauer Biele, der Landecker Biele unb ber Glatzer Neissa In ben Quellgebieten ber linksseitigen Oderflüfte wurde aus Grund des Gesetzes vom 16. September 1899 bie forst- miDrige Holznutzung unb die Neuanlage offener Gräben an den Gebirgshängen untersagt, und die Entwässerung von Moorflächen, Beackerung und Beweibung von Grundstücken und Die Beseitigung von Gräben verboten. Diese Maß­nahmen, so schließt der Artikel, denen noch zahlreiche hinzugefügt werden könnten, zeigen wohl zur Genüge, wie sehr man allerseits bemüht gewesen ist, bie Hochwasser- schäben, soweit als überhaupt möglich, zu verhinbern.

Der Kaiser sprach anläßlich der erstatteten Berichte über Die schweren Hochwasserschäden dem Regierungspräsi- Denteu von Oppeln, Holtz, das innigste Mitgefühl mit ben Geschädigten aus und wies auf die in Aussicht stehenden reichlichen Staaisbeihilfen in landesväterlicher Fürsorge hin

Vermischtes.

* Berlin, 27. Juli. Entgegen anderweitigen Meld» imgen hört dasBerl. Tgbl.", daß der Hauptangeklagte im Pommernbankprozeß, Schulz, Berlin nicht verlassen hat. Er weilt in Berlin und hat auch seinen Vetteidigern keinerlei Mitteilung über eine beabsichtigte Reise zukommen lassen.

* Berlin, 27. Juli. Zu einem erbitterten Kampf zwischen einem Gerichtsvollzieher und Schutz­leuten einerseits und L a u b e n 1 o l o n i st e n anderer­seits kam es auf einem Laubenterrain in der Landsberger Allee, welche sichKolonie vereinigter Bauern" nennt. Der Gerichtsvollzieher Larisch hatte im Auftrage eines Hauswirtes Die Laube eines auf dem erwähnten Ter­rain ansässigen Kolonisten gepfändet und dieselbe sollte nun gestern nachmittag um 4 Uhr meistbietend verkauft wer­den. Der Schuldner, welcher in der Laube ständig wohnt, hatte sie jedoch angeblich schon vor der Pfändung unter ber Hand verlauft unb Diebeiden" Besitzer derVilla Sorgen­los", so nannte man das Bauwerk, hatten eine große Zahl von Freunben um sich versammelt, um die Versteigerung zu verhinbern. Als Der Gerichtsvollzieher erschien unb bie Leute auf ihren Rechtsirrtum aufmerksam machte, suchten biese einen Streit gewaltsam herbeizuführen. Plötzlich er­tönte ber Rus:Nun kann ber Tanz losgehen!" und im nächsten Moment schlug eine Rotte mit Fäusten und Knüt­teln auf ber Nichtsahnenden ein. An eine Verteidigung konnte Dieser nicht denken; er beschränkte sich vielmehr daraus, sein Gesicht mit den Armen zu schützen, erlitt aber dennoch ' blutende Verletzungen am Kopf. Aber auch bie erschienenen Bieter würben von ben Exzebenten bedroht unb räumten bah er in Begleitung des Gerichtsvollziehers schleunigst bas Feld. Ter Beamte requirierte von der Wache in ber Lanbsberger Allee polizeiliche Hilfe und kehrte mit drei Schutzleuten nach bem Versteigerungsort zurück. Zwi­schen chnen unb den Exzedenten, die ihrer Sistierung hes- tigsten Widerstand entgegensetzten, entspann sich nun ein neuer Kampf, der erst beendet wurde, als einer Der Schutz­leute im Begriff war, von seiner Waffe Gebrauch zu machen. Jetzt erst.gelang es, die Hauptschuldigen zu sistieren, wäh­rend verschiedene andere Teilnehmer an derJöaue'rn-* re Dotation" schon vorher die Flucht ergriffen hatten. Von ber Vornahme ber Versteigerung mußte Der Gerichts­vollzieher, ber ärztliche Hilfe in Anspruch nahm, vorläufig abftehen.