Ausgabe 
28.7.1903 Erstes Blatt
 
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Die Matrosen des hier ein:

rückt sei!

land derart um sich gegriffen, daß es endlich an der Zeit wäre, dagegen Einspruch zu erheben. Am ersten sollten die Kellner selbst das tun. Mit demselben Recht, mit Dem man denGerant"Ober" ruft, mußte man die ihm unterstellten KellnerUnter" benennen. Wir haben bei uns einen' Deutschen Sprachverein. Dieser zieht gegen jedes harmloje Fremdwort mit ungeheurem Äirm zu Feld und bringt Verdeutschungen zu stände, daß man einen saueren Geschmack im Mund bekommt. Tas kann man schwarz auf'weiß in der Zeitschrift lesen, die er herausgibt. Einer Sprachungezogenheit gegenüber, wie sie der Ruf .,Ober!" in unseren Wirtshäusern bedeutet, ist er völlig stumm." Dazu bemerkt dieFrks. Ztg." wörtlich:

Es ist das erstemal, daß uns gegen die in den all­gemeinen Gebrauch übergegangene (? Die Reduktion desGießener Anzeigers.) BezeichnungHerr Ober" eine Klage zu Gesicht kommt. Wir sehen auch nicht recht ein, weshalb gerade diese nichts unzweck­mäßige Abkürzung eineSprachungezogenheit" sein sollte. Weil man die demOber" unterstellten Kräfte logischer­weiseUnter" nennen müßte? Wer zwingt dazu? Wir haben Oberleutnants. Titulieren wir deshalb die diesen subordinierten OffiziereHerr Unterleutnant?" Ueber- dies hat sich vielfach die Gewohnheit herausgebildet, daß man jeden Kellner mitHerr Ober" anredet, daß also keiner Anlaß hat, sich gekränkt zu fühlen, es sei denn, der wirklicheHerr Ober"' betrachte dies als eine Herabsetzung seiner Würde. Und was soll gar der Deutsche Sprachverein mit der Angelegenheit desHerrn Ober" zu tun haben? Wir sind so gern bereit, diesen Verein in seinen sonstigen Bestrebungen preiszugeben, daß es uns Vergnügen macht, ihn einmal in einer An­gelegenheit, an der er ganz unbeteiligt ist, in Schutz nehmen zu dürfen."

Diese etwas boshafte Glosse derFrkf. Ztg." wird u. E. überall da, wo man auf guten Geschmack im deut­schen Ausdruck Wert legt, Unbehagen erregen. Die Abkürz­ung Ober" erscheint auch uns als eine sinnlose Sprach- w'drigkeit, die, ist es möglich, anszurotten der Deutsche Sprachverein allerdings berufen scheint, denn Nicht nur bic Reinigung unserer Sprache von Fremdwörtern, .andern namentlich auch für die Entwickelung und Aus­breitung eines guten Geschmackes m unserer Sprache

Universums Nachrichten.

Heidelberg, 26. Juck. ^ie hiesigen nicht! n c orpo­lierten Studenten hielten eine zahlreich besuchte Verlamm- luna ab, worin sie protestierten gegen die ihnen nur in sehr nerinqem Umfange gewährte Möglichkeit einer Beteiligung an den bevorstehenden I u b i l ä u m s f e i e r l i ch k e r t e n und ihre Zu- rückjetzung gegenüber den Korporationen. Man ivird ihr Ver­langen begreiflich und gerecht finden, wenn inan bedenkt, daß in diesem Sommersemester öö7 Korporationsstudenten 1114 Mcht- inkorporierte gegenüberstehen, letztere also zwei Drittel der Stu­dentenschaft repräsentieren. Die stärksten Verbindungen sind m diesem Sommer die BurschenschaftFranconia" (mit 36), derVer- cul Deutscher Studenten" (33) und das Korps^axoborusstcst (29 Mitglieder). Interessant ist, daß weder Burschenschaften noch Turnerjchaslen Theologen unter ihren Mitgliedern zählen, dagegen die Korps derSaxoborussen" undVandalen" je einen.

Ein hundertjähriges Korp s. In diesen Tagen feiert das K o r p sS u e v i a" in Dl ü n ch e n sein 100. Stiftungsfest

Nachbarstaaten. Ein verkannte« Blatt von Michel, angelo in Frankfurt a. M. wird von Emil Jacobsen in der Kunstchronik richtig bestimmt. Es handelt sich um ein im Städelschen Institut aufbewahrteS, dem FranccSco Ubertmi, qen. Bacchiacca, zugejchricdcne« Blatt; darauf finden uch ein ifiraucnkopf mit phantastischem Kopfichmuck und ein Knaben« topf, beide en face, sowie die Studie eines Bemes und eine« Ohres, alles mit Rotel gezeichnet. Man bemerkt auch em Wort in der charakteristischen, nicht zu verkennenden Hand­schrift Michelangelos. In Wiesbaden starb der Geh. Hofrat Ülblon, vor Hülfen langjähriger Direktor des Hos- theaters, im 81. Lebensjahre.

Sorge zu tragen, ist der Zweck dieses verdienstvollen Vereins, und es wäre wohl am Platze, wenn er feiner hier^und da wohl ein wenig zu heftigen und zu strengen ^>ud)t narf) Säuberung unserer Sprache von jedem Fremdwort noch mehr Maß auferlegen uno sein Augenmerk in höhe­rem Grade aus Geschmacklosigkeiten oderSprachunge- zogenheiten" richten wollte. Stets hat sich der Verein bemüht, unsere Sprache nicht nur von allem Undeutschen, sondern amch von allem Schwerfälligen, schwülstigen, Un­zeitgemäßen und Unebenen zu entlasten uno alles Leichte, Gefällige, Anmutige, Feingeschlifsene in ihr heroorzuheben. Darum sollte wahrlich keine seinerBestrebungen preis- gegeben" werden, der Verein sollte aber sich noch mehr als bisher bemühen, Einfluß auf breite Massen zu ge­winnen und das Sprach g e f ü h l im Volke zu scharfen. Allerdings, wir haben O b e r leutnantö. Würde also ,^Herr Ober" nicht ebensogutOberleutnant" oder //Ober­lehrer" wreOberkellner" bedeuten können? Wer sagt fürHerr Oberlandesgerichtsrat"Herr Ober"? ^a nicht einmal dienicht unzweckmäßige" Abkürzung dieses häßlich langatmigen TitelsHerr Oberrat" ist gebräuchlich Sagen wir fernerHerr Unter" stattUnteroffizier", oder HerrHaupt" stattHerr Hauptlehrer" oderHerr Haupt­mann" usw. usw.? Ist in Preußen die Anrede Herr Erster" fürHerr Erster Staatsanwalt" üblich? Gefiele es endlich wohl den Universitäts- oder Gymnasial- ProfessorenHerr Universitäts" oderHerr _ Gym­nasial" angeredet zu werden? Griffe derartiger Unfug um sich, sagte man etwa allgemeinGießener" oderGeneral" für den Gießener oder einen General-Anzeiger, in welches totfe Tohuwabohu gerieten wir da hinein! Soll denn unsere gute deutsche Sprache schließlich nur noch in so blöde zerrissenen Hachen Worten gestammelt werden? Ober" fürOberkellner" ist ebenso dumm wieAuto" für ' Automobil". Leider gibts heute von dieser Sorte schon genug Verbalhornungen. Wenn man in Frankfurt Klagen über so albeme Verstümmelungen bisher nicht ver­nommen hat, so ist das nur ein Zeichen der leider immer mehr um sich greifenden Denkfaulheit und des geringen Vorhandenseins lebhafteren Sprachgefühls. Hier aber möge der Deutsche Sprachverein seine Tätigkeit einsetzen zum Vesten des guten deutschen Geschmacks! P. W.

dieser Woche wurden die seit dem 3. Dezember v. I. ver­mißten drei Jäger von Jsenfluh (Lauterbrunnetal) auf- aekluden Der Bruder des einen Vermißten hatte sich am tzonutag nochmals aus die Suche gemacht, wobei er seine Nachforschungen in der Richtung vornahm, in welcher von Der letzten Hilsskolonne im Dezember Spuren gesunden worden waren. Er stieß aus einen Hut, ließ sich eine Ko­lonne von Hilfsarbeitern aus Jsenfluh mitgeben, und man begann, den Schnee wegzujchauseln. Tie drei Lerchen lagen noch aut erkenntlich im Schnee nebeneinander. Alle trugen noch Handschuhe, Oberstrümpse, einer von ihnen hatte noch das Gewehr in der Hand. Der Ort, wo die Leichen ge- unden wurden, liegt am Eggbaldeuhorn, zu oberst am Gantbach, zwischen Schwalmern und Lobhornerii, unweit der Stelle, wo man bei der letzten Suche im aezember noch Spuren saiid, aber wegen der gewaltigen Schneemaflen auf weiteres Vordringen verzichten mußte. Die drei ^agcr haben sich offenbar im Schneesturm verirrt, rutjchten dann hundert Meter ties ab und blieben aus einem kleinen Plateau erfroren im Schnee liegen. Ihrem Berufe nach waren es zwei Landwirte und ein Küfer.

* D ie Schivester der Königin Draga im Vari^ts. Die jüngste Schwester Der Königin Draga, Die 25 jährige Gjena Lunjewitza, wird int September eine Rund- reise Durch alle europäischen Großstädte unternehmen unD Zürich, Wien, VuDapest, Frankfurt a. M., Berlin, Brussel besuchen. Sie tvill über die Mordnacht im Belgrader Konak Vorträge halten. Einer ihrer Freunde, ein serbischer Gutsbesitzer, hilft ihr über Die ersten finanziellen Schwierigkeiten hinweg. Ein Impresario ist eifrig an Der Arbeit, Engagements abzuschließen. Gjena Lunjewitza ist Da­mit beschäftigt, Das selbst erlebte unD ihr mitgeteilte Mcstenal zusammenzustellen. Ihre Vorträge sollen außer DenEnt­hüllungen" über Die Mordnacht auch Den Einfluß schildern, Den Der jetzige König Karageorgewitsch auf Die Ereignisse ge-

_ Botticelli und Die moderne Fr auenschön » beit. In London ist eine neue Biographie Botticellis erschienen. Streeter, Der Verfaffer, liefert eine Menge genauer Angaben und hübscher Bemerkungen über diesen italienischen Künstler, der, ivie er sagt, gegenwärtig von allen feinen Landsleuten am meisten unser Interesse sesselt. In der Tat ist er es, den man heute in den Uffizien von Florenz fast ausschließlich sucht und bewundert. Tie Photographien seiner Werke werden öfter1 verkauft als Die aller anderen Gemälde m Florenz und der kleine Saal, der Die Geburt Der Venus enthält, sieht jeden Morgen einen Schwarm von Pilgern aus aller Herren Länder ankommen, Die mehr an leidenschaftlicher Bewmiderung leifteit als die Reisenden, die sieh seit einem Jahr­hundert in Dresden vor der sixtinischen Madonna prosterniereii. Die primitiveii Küiistler stehen heute m Gunst und seltsamerweise hat man durch eine merkwürdige Verwicklung von Ideen und Daten auch diesen Maler vom Ende Des XV. IahrhunDerts, Den Schüler Savanarola's, Den Rivalen unD Nachahmer LeonarDo da Vincis, zu ihnen gezählt. Nun ist es vor allem nicht Die Einfach­heit, die uiis ait Botticelli bezaubert, er entbehrt derselbeii ganz und gar. Ebensowenig, sagt Streeter, war er ein korrekter Zeichner. Auch im Kolorit raar er schwach und nicht mehr als mittelmäßig in Der Komposition. Was ist es also, Das uns bei seinen Gemälden anzieht? Streeter schreibt viel dem unauslöschlichen Gefühl Der Melancholie zu, das sie in uns erwecken, obzwar es eine bloße Folge des Mangels fei. Seme Vemis wie seine MaDonneii stnd verfehlte Existenzen, die einen haben Die Erde verfehlt, Die anDeren Den Himmel. Tas HauptverDienst Botticellis sieht Streeter in Dem Umstand, daß er der erste Maler gewesen ist, Der Die Kunst um ihrer selbst willen geschätzt hat und md)t wegen der Dargestellten Objekte. Er ist, sagt Streeter, ein Genie Der Dekoration. Daß er aber seit 30 Jahren der beliebteste und bewundertsie Maler Italiens ist, verdankt er wohl Dem besonDeren Typus, Den er währenD einer gewissen Periode seines Lebens gemalt hat, einem Typus, Der zu­fälliger Weise mit einem besondern, heute moDernen weiblichen Schönheitsideal zusammeniällt. Was uns so sehr an ihm gefallt, was uns wohl oder übel vor der Geburt Der Venus unD fernen Madonnen zur Entzückung zwingt, ist, daß in diesen Bildern, Die im übrigen recht mittelmäßige Kunstprodutte sind nnD von banaler Erfindungsgabe zeugeii, Die Personen Dieselben länglichen Gesichts- züge haben,' dieselben großen sinnlichen und melancholischen Augen, die uns in den Werken der englischen Maler voii Gansborough bis Rosetti hinreißen. Durch einen seltsamen Zufall vielleicht be­gegnete er eines Tages diesem Modelle in Den Straßen von Florenz hat Botticelli schon am Ende Des Quattrocento ein weibliches Schönheitsideal geschaffen, das vier Jahrhunderte später in unserem Herzen die mehr massiven Schönheitsideale Der Klassiker ver­drängen sollte.

Ucrinischtes.

Stettin, 26. Juli. Ter Kaiser hat bei dem?, und 8 S 0 U n ded Schuhmachermeisters .<? örnke zu Korun, die am ä. Mai als Zwillinge geboren wurden, P at en- stelle angenommen, die Nntragung des kayeruchen Sa­mens in das Gemeindekirchenbuch genehmigt und MM Un- kaus zweier Patengcschenkc eine Summe von 100 Marr überweisen lassen. Tie b e i d e n K ° i s e r t a u, l r n g e wer- den die NamenWilh elm 1" undWrlhelm 2 er-

Görlitz, 27. Juli. Während das Arbeiterpaar Berrndt am Sonntag zum Tanze gegangen war, entstand m Deren Wohnung ein Stubenbrand, lvobet Die allem gobne- benen Kinder von 2 und 5 Jahren verbrannten, -itc Eltern wurden verhaftet.

* Trier, 27. Juli. Zwei Kinder einer Bearnten- familie, die sich in der Sommerfrische in Cond a. d. Mosel aufhielten, stürzten von einem steilen Zeisen ab. Eines ist tot, das andere tötlrch verletzt.

* Hamburg, 27. Juli. Der seit Mai suspendierte Amtsrichter Baur in Altona erschoß krirz nach dem Ableben seiner Mutter deren Tienstniagd, dann >erneu Bruder, den bekannten Rechtsanwalt Baur, schließlich sich selbst. B. war anscheinend geistesgestört. Der Amts­richter harte ein Gehörlerden. Der Tater war unverheiratet, der erschossene Rechtsanwalt Baur hat <yrau und fünf Kin­der hinterlassen. M o

. Paris, 25. Juli. Hier steht der Ausbruch eines neuen Skandals bevor. Eine vermögende Dame hat gegen zwei Mitglieder der hohen Aristokratie, welche gegen Zahlung von 200 000 Francs erstere um ihr Besitztum im Werte von 2 Millionen gebracht haben, ein gerichtliches Ver­fahren eingeleitet. Die Dame ist die 56jährige Witwe einer hohen Persönlichkeit, die Beziehungen zu dem deutschen Kaiserhause (?) halte und mit den Grafen von Flandern verwandt ist. Sie ist Mutter von vier Kindern und behauptet, daß bei Ableben ihres Gatten^die Erben das Vermögen, welches sich auf 30 illcillionen Francs bezisiert^

habt haben soll.

* Ein die Ehre beleidigendes Bad. Aus Arad wird berichtet: Der Gcmeindesekretär An­dreas Varga hatte gegen zehn Frauest eine Ehren­beleidigungsklage eingebracht, weil ihn diese D a m e n ge­zwungen hatten, ein unfreiwilliges Bad in einem Bache zu nehmen. Der Vorfall spielte sich anläßlich bei So­zialistenrevolte in Seprös ab. Die zehn grauen sahen in Varga einen nicht heftig genug zu bekämpfenden politi­schen Gegner und gelegentlich einer Auseinandersetzung empfahlen sie ihm, sein erhitztes Gemüt durch ein Bad abzukühlen. Gleich Darauf packten sie auch schon den Gemein de sekretär und setzteni h n_i n d e m Bach, wo ihm das Wasser bis zum 5^alse ging, ^ic über­wachten eine zritlang das Ufer, Damit Varga das Bad nicht allzufrüh verlasse. Das Bezirksgericht in Arad ver­urteilte die zehn energischen Frauen wegen Ehrenbeletdig- ung zu je dreißig Kronen Geldstrafe. Der Kläger erachtete dies als eine zu geringe Sühne und meldete gegen das Strafausmaß die Berufung an. Der ")lpellsenat des Aiader Gerichtshofes fand, daß die Handlungsweise der zehn Frauen als Ehrenbeleidigung überhaupt zu milde quattsi- 2tert sei, und daß das Vorgehen der Frauen den Tat­bestand des Verbrechens der Einschränkung der per'.ön- lichen Freiheit begründe; der Gerichtshof faßte daher den Beschluß, die Akten zur Einleitung der Strasamtshandlung gegen Die zehn Frauen wegen dieses Verbrechens an den Untersuchungsrichter zu leiten. So kann die Sache für die resoluten Damen noch ein schlimmes Ende nehmen.

* Ter Wiederaufbau des Campanile in Venedig in Frage gestellt. Obwohl bereits mehr als zwei MMionen Mark für den Wiederaufbau des em- gestürzteu Campanile zu Venedig durch Behörden und private Sammlungen aufgebracht sind und der Grundstein Dazu bereits in Gegenwart des Königs von Italien gelegt ist, scheint die Ausführung Doch auf Schwierigkeiten zu stoßen Der mit Der Leitung betraute Architekt Beltrami hat sich nämlich von der t e ch n i s ch e n U n m ö g l ich k e 11, Den Turm wieder auszurichten, ohne die Rcarkuv- kirche und den Königspalast ernstlich zu gefährden, über­zeugt und hat daher seine Stellung als Bauleiter nieder- aelegt. T^r Turm war ursprünglich nur 50 Meter hoch und ist später ourch Bono auf 99 Meter gebracht worden. Öeltrami hat Untersuchungen vorgenommen unD Wasjer- durchsickerungen in Den Grundmauern festgestellt, die deren vollständige Erneuerung notwendig machen. Was dies aber

untersuch lag en hätten.

* Lissabon, 26. Juli.

getroffenen amerikanischen Geschwaders haben sich mehr­fache Ausschreitungen zu Schulden fommen lassen. Die einschreitenden Polizeibeamten wurden von den betrunkenen amerikanischen Matrosen tätlich mißhandelt.

* Von einem schrecklichen Unglücks f a l l ist die Fumilie des Rittergutsbesitzers v. Oschinski in dem etwa 5 Kilometer von Rössel entfernt Hegenben abehgen Gute Pütz betroffen worden. Daselbst war ein Schwager! des Herrn v. O., ein schon älterer Herr, zum Besuch aus Bromberg gekommen, unb es wurde eine gemeinjchaftliche Fahrt zur Besichtigung der Felder unternommen. Der herrschaftliche Kutscher, der dienstlich, nach Raftenburg ge­fahren war, wurde durch einen sogenannten Aushelfer ver- rreten, der wohl nicht genau mit den Kutschpferden Bescheid wußte. Auf der sehr abschüssigen Chaussee wurde Die Deichsel plötzlich frei und schlug den Pferden auf Die Fessel: Dadurch wurden die Tiere scheu und gingen durch. Bei der nun folgenden, im sausenden Galopp ausgefuhr- ten Todesfahrt schlug der Wagen um, wobei Der Schwager Des Herrn v. O. auf Der Stelle getötet wurde. Herr v. O. selbst erhielt einen doppelten Bruch beider Beine, die älteste Tochter einen Schenkelbruch des rechten Beines, während Die jüngere Tochter und der Kutscher mit ge­ringen Verletzungen davon kam en. Den Pferden selbst i)t merkwürdigerweise nichts passiert.

* Im Sch nee sturm umgekommen. Am Montag

für die Markuskirche bedeuten würde, hat sich bereits ge­zeigt, als bei den Bodenuntersuchungen Drei derStan­darten" vor der Markuskirche nachgaben und loeggeraumt werden mußten. Beltrami hat seinen Abgang damit be­gründet, baß er die Ausgabe alsüber seine Kräfte gehend erachte. Der Stadtrat von Venedig mit dem Bürgermeister Grafen Grimani an der Spitze hak, nachdem alle Be­mühungen, Beltrami zur Zurüanahme feines Entlastungs­gesuches zu bewegen, gescheitert sind, je'tzt beschloffen, den Reuban einem Ausschuß von fünf Technikern zu übertragen, die teils von der Die gier img, teils von oer totabt ernamit werben sollen. Schon regen sich aber mit Recht zahlreiche Stimmen, die von einer auch noch so geringen Gefährdung der unersetzlichen Alarkusurche nichts wissen wollen.

* Höflichkeit, jo erzählt dieNat.-Ztg.", ist eut gut Ting, doch nicht überall am Platze. Als ich neulich auf Dem Bahnhof Börse den Stadlbaynzug bctieg und fchon im Wagen saß, tarnen zwei alte Damen, ans oec Provinz augenscheinlich und etwas altmodisch von Aussehen, Die auch einsteigen wollten. Das ging aber so leicht nicht von statten, weil jede der beiden die andere uoramaj|enjüollte. Nein, bitte, Sie zuerst."Nein, bitte, Sie!" So ging es eine kurze Zeit hin und her. Darüber setzte der Iug sich in Bewegung, und sie blieoen aus dem Baynhoj flehen. Bis zum nächsten Zuge hatten sie nun Zeit genug, mu einander abzumachcn, weiche von ihnen zuerst einftergen solle, und ich stelle mir vor, oaß dies durch Ausraten geschehen ist. Ebensalls auf der Stadtbahn tarn noch etwas anderes vor, das ick) nicht selbst gefeyen, sondern nur vor einiger Zeit erzählen gehört yave. Eine etwas korpulente Dame wollte auf ihrer Endstation ruciwarts aus- steigen, weil ihr das bequemer uno sicherer erschien. Sie war noch dabei, als der Schafstier kam, um die Wagentur ÄU/umaajen, Denn im nächsten Augenblick sollte der Zug abgehen. Da er natürlich meinte, sie Ware im Cm steigen begriffen, gab er ihr in der guten Absicht, sie vor Gefahr zu behüten Not tonnt fein G-bot einen jo Derben Schubs, daß sie wie eine Wachtel m den Wagen hineinflog. Dann schlug er Die Tür zu, und Der Zug ging ab, sie aber drinnen und weinte. . .

* &in lustiger Streich. Einen lustigen Ko­miker-Streich erzählen Londoner Blätter. Der be­kannte Komiker ^othe».n ging eines Tages in einen Eijen- taDen und forderteMaeaulays Englische Gejchichte".Das ist eine Eisenhanolung, fein Bücherladen", sagte Der Laden- Diener.Nun, es ist mir gleich, ob es^ m Kalbleder oder Juchten gebunden ist", entgegnete Sothern, der sich chwachhöng stellte.Das i)t fein Buchladen", schrie der Gehilfe.Ganz recht," sagte Sothern ganz rnyig,packen Sie es schön ein unD senden Sie es nur gefälligst in mein Hotel. Ich will Damit ein Geschenk machen".Wir haben's ja gar nicht", schrie Der Diener mit Anwendung aller seiner Stimmmittel.Nur fauber einpacken, wie wenn es für Ihre eigene Mutter wäre", replizierte Dur. Komiter.Wir haben ja gar keine Bücher", brüllte Der Gehilfe.Gut, dann will ich Darauf warten", war Die ruhige Antwort Locher ns. Der sich gemächlich auf einem Reifel nioDerließ. Der Diener eilte nun zum Herrn Des Ladens mit Der Meldung, es sei ein total verrückter jlunDc Da; Der Herr erschien:Was wünfchen Sie, mein Herr?"Ich wünsche eine Feile zu kaufen, eine ganz einfache, o Hukl lange ^yeile", sagte Der Künstler.Hier, mein Herr", entgegnete Der Kaufmann, der Gehilfe aber war sprachlos und wußte nicht, ob er nicht selbst ver-