Ausgabe 
28.4.1903 Zweites Blatt
 
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kenden Schwestern und Wärter verstehen ganz ausgezeichnet, die ihnen obliegende schwere Aufgabe zu erfüllen, mit den verschieden gearteten Insassen fertig zu werden und sie in ihren Wünschen soviel wie möglich zufrieden zu stellen. Ein Gang durch die Anstalt überzeugt uns, daß die Bewohner derselben sich an ihr neues Heim gewöhnt haben und gerne den Tausch mit ihrer seitherigen Wohnstätte eingegangen sind. Die Verpflegung der Leute ist sehr gut, sodaß man nun keinerlei Klagen mehr zu hören bekommt. Der Eintritt besieren Wetters ist hier wie überall recht zu wünschen, damit die Bewohner der Anstalt durch Bewegung im Kreien vom Grillen­fangen abgehalten werden.

** Die Arbeiten der Kanalisation schreiten trotz des ungünstigen Wetters doch rüstig voran. Am Walltor geht das Verlegen der Röyren für die dort ge­trennte Kanalisation verhältnismäßig schnell vor sich. Die Baustelle an der Kreuzung der Bahnhofstraße und den Anlagen wird voraus sichtlich in den nächsten 1014 Tagen sortfallen, well bis dahin der gerade an dieser Stelle sehr komplizierte Sielbau fertig gestellt sein wird. Es verschwindet damll ein Verkehrshindernis, welches sell über einem halben Jahre sct-wer genug empfunden rouroe. Wir erfahren übrigens, daß das Tiefbauamt bemüht ist, die werteren Dläne zur Kanalisation so schnell zu fördern, so daß das Ausschreiben zur Submission für ein welleres Los (Innenstadt) sehr bald zu erwarten sein wird. Im Interesse der Inhaber der Läden in den Haupt­geschäftsstraßen wäre wohl zu wünschen, wenn die Lanalisationsarbeiten in der geschäfts stillen Zeit, nämlich in den Ferien, ausgeiübrt werden könn­ten, damit das geschäftliche Leben dadurch nicht allzu große Einbuße erleidet. Daß die Arbeiten, wenn sie erst einmal in Angriff genommen worden sind, nach Möglich­keit beschleunigt werden, ist selbstverständlich.

-s- Rod heim a. Bieber, 27. April. Für den Kreis» Kriegerapell des Verbands Biedenkopf, welcher am 12. und 18. Juli hier stattfinden wird, ist nunmehr die Musik» frage endgiltig erledigt worden. Bekanntlich sollte entweder die Musikkapelle vom Kaiser Wilhelm-Regt. Gießen oder die Kapelle des neuen Art.-Regts. Nr. 47 in Fulda gewählt werden. Da die Wahl Stimmengleichheit ergab, so mußte schließlich das Los entscheiden, das die Artillerie-Kapelle traf. AlS Festplatz werden wohl die Wiesen des Frhr. v. d. Hoop, hinter der Gail'schen Besitzung gelegen, gewählt werden.

|| Schotten, 27. April. Zu der Mitteilung über Petroleumverschleiß tragen wir nach, daß den Wieder­verkäufern kein Verkaufspreis für Petroleum vorgeschrieben wird. Uebrigens ist bekanntlich auch von der Gießener Firma Nowack u. Sohn der Petroleumvertrieb mittelst Stra­ßenwagens eingeführt.

Offenbach, 27 April. Bei einer Feuerwehrübung am Gebäude der Kreiserziehungsanstalt wurde die frei­stehende große Leiter, auf der sich eben drei Mann befanden, durch einen plötzlich auftretenden Wirbelwind umgeworfen. Em Mann wurde leicht verletzt, ein anderer wurde mit voller Wucht zu Boden geschleudert und erlitt schwere Verletzungen, besonders am Kopfe. Der Bedauernswerte liegt noch immer besinnungslos darnieder. Heute fand die Eröffnung der neugegründeten Maschinenbauschule im Beisein deS Oberbürgermeisters Brink statt.

Frankfurt, 27. April. Die Grabstätte Miquels soll nach den Plänen von Prof. Darnesi geschmückt werden, nachdem daS an Ort und Stelle aufgestellte Modell in Na­turgröße, von unwesentlichen Aenderungen abgesehen, den Beifall der zuständigen Konuniffion gefunden hat. Die Kosten stellen sich auf 19000 Mk.

Rüdesheim, 26. April. Hier tagte die Gaukonferenz deS Mitteldeutschen GauverbandeS der katholischen Kauf» männischen Vereinigungen, auf der von 17 Vereinen 12 vertreten waren, und zwar Bingen, Bockenheim, Darm­stadt, Frankfurt, Gießen, Mainz (Kongregation und Ver­ein), Offenbach, Rüdesheim, Wetzlar rc. Der Verein Gießen wurde in den Gauverband ausgenommen. Die Kostenrechnung des GauverbandeS wurde genehmigt und als Vorort wieder Frankfurt gewählt. Die Lehrlingsfrage nahm einen wetten Raum in den Verhandlungen ein. All­gemein wurden kaufmännische Fortbildungsschulen ge­wünscht, wie solche in Frankfurt, Wiesbaden und Gießen bereits mit gutem Erfolge bestehen. Auf Antrag Kölsch (Frankfurt) wurde eine Resolution angenommen, welche zur Bekämpfung der drei Hauptübelstände im LehrlingS- wesen, der Annahme unreifer Elemente, der übergroßen Anzahl von Lehrlingen in einzelnen Geschäften und der un­genügenden Ausbildung der Lehrlinge, fordert: 1. Beschränk­ung der Zahl der Lehrlinge, 2. Forderung einer Prüfung nach der Lehrzeit und 3. Beschränkung der Berechttgung zur Ausbildung von Lehrlingen. In Bezug auf die Frage der Pensionsversicherung der Privatbeamten auf staatlicher Grundlage gingen die Meinungen etwas aus­einander, zum Teil wegen der Befürchtung, die Versicherung könne den VerbandSoersicherungen Konkurrenz machen. Nach längerer Debatte gelangte eine Resolution zur Annahme, die auSdrückt: Der Gauoerband stehe der geplanten Versicherung sehr sympathisch gegenüber und wünscht, daß alle Vereinig­ungen der Bildung allgemeiner Kommissionen nähertreten. Es folgte eine Besprechung über die Stellenvermittelung. Ferner wurden noch verschiedene Anregungen aus der Ver­sammlung besprochen. Von Jntereste ist, daß alle Ver­einigungen gegenüber dem Bunde der Kaufleute eine ab­lehnende Stellung einnehmen. Ebenso war man gegen Bildung einer Stellenlosigkeitsversicherung, falls dadurch die Vereins- und Verbandsbeiträge erhöht werden müsten. Die nachste Gaukonferenz findet in Gießen statt.

Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. Den Gemeinden des Dekanats Al8^ feld steht nunmehr wegen Arbeitsüberlastung der zu Groß- Felda stationierten Dekanats-Krankenschwester in der Person der Schwester Anna Löchel zu Kirtorf eine wettere Kranken- pslegerln zur Verfügung. Dieselbe ist im Elisabethenstift zu Darmstadt in einem längeren Kursus in allen Zweigen der Kranken» und Siechenpflege ausgebildet. Ein in Offen» bach arbeitender Maurerlchrling aus Dudenhofen wurde an einem Neubau dadurch erheblich verletzt, daß ihm der Triebel einer Aufzugmaschme beim Ablassen eines Speißkübels an den Kopf flog. Nach der /Franks.Zig." wird in Mainz die Aussperrung der Maurer durch die Bauunternehmer auch noch iie Aussperrung der Zimmerleute nach sich ziehen. Auch eine

Arbeitseinstellung bei den Weißbindern wird erwartet. AuS Wald-Michelbach schreiben einige Blätter, daß der schon bejahrte Händler Baumann aus Unter-Schönmattenwag, der letzten Donnerstag für seinen Enkel, den Schornsteinfeger­lehrling Baumann, als Zeuge am Schöffengericht in Wald­michelbach vernommen worden ist, sich erhängt hat. Bau­mann war wegen Verleitung zum Meineid in Untersuchungs­haft genommen worden. Ms der Gefängniswärter die Zelle betrat, hatte sich Baumann erhängt. In Frankfurt wurde am Sonntag nachmittag der Kellner Georg Pfeuffer auS Altbessingen verhaftet, der versucht hat, in einem Laden verschiedene falsche Zweimarkstücke anzubringen. Pfeuffer, der lange steckbrieflich verfolgt wird, hatte noch verschiedene Falschstücke bei sich. In Kastel erschoß sich ein Sanitäts-Unteroffizier vom Jnf.-Regt. Nr. 167 auf einer Mannschaftsstube mit einem Dienstgewehr. Die Ursache ist unbekannt. In Hanau wurde auf der Leipziger Straße der Fuhrknecht Schäfer von seinem mit Backsteinen beladenen Wagen über­fahren. Die Räder gingen ihm über die Brust. Dem Ver­unglückten wurden vier Rippen eingedrückt. Der Tod trat sofort em. Unzutreffende Gerüchte über eine Sperrung der Burg Rhein stein für das Publikum fanden in den meisten Zeitungen unserer Gegend Ausdruck. Wir nahmen von diesen Stellungen feine Notiz, weil wir sie für unzutreffend hielten. Jetzt macht das Hofmarschallamt des Prinzen Heinrich, dem die schöne Burg am Rhein gehört, folgendes bekannt:Der Besuch der Burg Rheinstein ist dem Publikum nach wie vor gestattet. Gegenteilige Mitteilungen sind durchaus un- fcegrünbet" Dem Fuhrmann Heinrich Josef Di- derich zu Mainz wurde in Anerkennung der von dem­selben am 5. Febr. d. I. mit Mut und Entschlossenheit, sowie unter eigener Lebensgefahr bewirkten Rettung des Knaben Josef Tillmann zu Mainz vom Tode des Ertrinkens die Rettungsmedaille verliehen. Eine aufregende Szene spielte sich dieser Tage in der Pfarrkirche zu Sch ölln- stein ab. Der in der Kirche anwesende Bauer Gotthard Nebl wurde plötzlich irrsinnig, stürzte während der Messe auf den Altar zu und trank den Kelch ans, während der Geistliche, den er zur Abspeisung aufsorderte, in die Sakristei flüchtete. Nebl stürmte dann nach dem Chor, wo er die Orgel wahnsinnig bearbeitete. Hier wurde er endlich gepackt und in eine Irrenanstalt abgeführt.

Vermischtes.

* Newyork, 27. April. Ein Viehzug der Mistouri Pacific Railway fuhr in der Nähe von Buffalo in Kansas von hinten in einen Güterzug hinein. Dabei wurden 11 Personen getötet und 25 verletzt. Die meisten Ver­unglückten sind Griechen und Italiener.

'Die Zahl der Ehescheidungen ist nach der Statist. Korr." sett dem Jahre 1900 absolut und relativ zurückgegangen. Während in den Jahren vorher auf je 100000 Ehen 100 oder 101 Scheidungen kamen, ist diese Verhältniszahl im Jahre 1900 auf 80 und im Jahre 1901 sogar auf 77 gesunken. Der Grund dieser an sich so erfreu­lichen Erscheinung ist darin zu suchen, daß nach dem 1900 in Kraft getretenen neuen Bürgerlichen Gesetzbuche eine Ehe­scheidung mit gegenseitiger Einwilligung oder aus unüber­windlicher Abneigung nicht mehr möglich ist.

Kunst und Wissenschaft.

Ein Prinz als Komponist.Frühlingswunderi, Tanzpoem von B. v. Uechtritz, Musik von dem Prinzen Joachim Albrecht von Preußen, dem zweiten Sohn des Prinzregenten Albrecht, batte bei der Aufführung in Lübeck am 24. Aprtt einen sehr bedeutenden Erfolg. Auch in Berlin wird eine neue Komposition deS kunslbegabten Prinzen demnächst zur Aufführung kommen. Es handelt sich um eine Pantomime mit Musik,Vision nach dem Balle', die dem Liederspielhaus im Neuen königlichen Operntheater zur Verfügung gestellt wurde.

VlnioersitÄs-Alachrichteu.

Mainz, 26. April. Der bisherige ordenlliche Dozent der Theologie am Priesterseminar, Dr. Philipp Kneib, wurde zum ordentlichen Professor für allgemeine und spezielle Moralcheologie ernannt. Geboren 1870 zur Zorn­heim bei Mainz, studierte Kneib nach Absolvierung des Gymnasiums zu Mainz Theologie und Philosophie an der philos.-theol. Fakultät des Prresterseminars hier und in Würzburg, wo er 1896 promovierte. Er war dann zunächst in Stainz als Kaplan und als erster Lehrer an der .Vor­bereitungsschule in Seligenstadt tätig und habilitierte sich 1900 als Dozent der Theologie am hiesigen Prediger­seminar.

Tübingen, 27. April. Don der Finanzüimmission der Abgeordnetenkammer sind die im Etat geforderten neuen Professuren der Landesuniversität ohne Widerspruch bewilligt worden. ES handelt sich um die fol­genden Lehrstühle: die bisherige außerordentliche Professor für romanische Philologie von Prof. Dr. Karl Voretzsch soll in eine ordenlliche umgewandelt werden. Neuerrichtet soll ferner werden eine außerordentliche Professur für eng­lische Philologie. Bis jetzt ist dieses Gebiet durch den Lettor Dr. Wilh. Franz vertreten. Wetter sind bewilligt eine außer­ordentliche Professur für alte Geschichte und eine solche für scholastische Philosophie in der katholisch-theologischen Fakultät. Für alte Geschichte gab es bisher feine etats­mäßige Professur an der Unioerfität TÜbungen. Seit 1. April 1902 hatte der bekanntlich vorher in Gießen wirkende a. o. Professor Tr. Ernst Kornemann einen Lehrauftrag für alte Geschichte. Derselbe übernimmt nun­mehr das neue etatsmäßige Extra orbinariat

Gerichtssaal.

Darmstadt, 27. April. Die Strafkammer be- schäfttgte sich am Freitag mit einer Tiebsbande, die Ende des vorigen und Ende dieses Jahres in Offenbach ihr Unwesen trieb. In der Burenschenke ttafen sich die Be» teiHgten und verabredeten Tag und Stunde der nächt­lichen Streifzüge, bei welchen eingebrochen, eingestiegen und eingeschlichen wurde. Eine Menge Stallhasen, Hühner und Gänse, auch Wäschestücke und Schuhwaren nahmen sie an sich, nicht minder ließen sie gelegenllich sich auf dem Sicherer Serge im dortigen Felseukeller den Apfelwein munden, daß einer davon, als er eine Stütze voll davon mit heim nehmen wollte, unterwegs mit derselben hin fiel, wobei sie auslief. Er füllte dieselbe daraufhin nockMctts, wobei nicht viel fehlte und ein ganzes Faß voll wäre in den Keller gelaufen. Lar einer oder der andere verhindert, mitzumachen, so erhielt er doch seinen Anteil. Die Sande

bestand auS dem Hausburschen Karl Heß, dem Schlosser Adolf Sieg, dem Tag löhn er Jakob Solz, dem Schlosser Karl Tonndorf uni) dem Fabrikarbeiter August Ferdinand Karl Tietrich Das Geflügel ließen sich Heß und Sieg zu Hause von der Ehehälfte zuberetten, geäußerte Bedenken zer­streuten sie mit gröblichen Worten. Tonndorf brachte seinen Anteil einer Frau Schnee, die nicht von ihrem Manne ge­schieden werden kann, aber mit Donndors ein Verhältnis» und fünf Kinder besitzt. Da Dietrich der sehr brave Eltern hat, nichts mit heim bringen durfte, speiste er gelegentlich bei Heß, der wohl das Haupt der Gesellschaft war, mit Tas Gericht verurteilte den Heß und Sieg zu 2 Jahren 9 Monaten Gefängnis, den Bolz zu 1 Jahr 8 Monaten, den Tonndorf zu 1 Jahr 11 Monaten, den Dietrich zu 1 Jahr 1 Monat, die Hehler Frau Heß und Sieg zu 3 und die Frau Schnee zu 5 Tagen Gefängnis. Ten fünf Erst­genannten wurden je 3 Monate Untersuchungshaft von der Strafe abgerechnet und den vier ersten die bürgerlichen Ehrenrechte auf je 3 Jahre aberkannt (D. Tgbl.)

Mainz, 25. April. Tor Wein Händler Ludwig Sa-mahl aus Nieder-Saulherm, in Oppenheim wohnhaft, und dessen Sohn Ludwig Ferdinand Haden sich wegen Wein fälsch- ung vor der hiesigen Strafkammer zu verantworten. Tie Angellagten sollen zum Zwecke der Täuschung durch Aufguß von Wasser, Zucker und Rosinenbrühe Wein ver­fälscht und unter Verschweigung dieses Umstandes den­selben verkauft haben. Ferner sollen die Angellagten nach Dem 24. Mai 1901, nach Verkündung des neuen Gesetzes, übermäßig gestreckten Wein in den Handel gebracht Haden. Schmalst jr. soll bei der Kellerkontrolle dem Oekonomicrat Tettweiler unwahre Angaben gemacht und den Einblick in die Bücher verweigert haben. Nach Aussage von Zeugen, Küfern und Winzern, die von 1895 bis 1901 bei der Firma Schmahl gearbeitet hatten, wurden die Rosinen wagenweise, was ein Pferd ziehen konnte"", wie sich em Zeuge äußerte, bezogen und abends per Achse ins Geschäft gebracht, auch Zucker wurde viel bezogen. Die Rosinen wurden eingeweicht, acht Tage so stehen gelassen und dann ausgepreßt Die Brühe tarn in die Fässer, dann Zucker, Wasser und Wein hinzu. Auch sei etwas Weißes noch hinzugekommen, daS vom Angeklagten als Salz bezeichnet wurde. Ganz Oppen­heim habe gewußt, daß bei den AngellagtenKunscht- lvein" hergestelll werde; der Absatz )ei ein bedeutender gewesen, waggonweise sei derWein"" versandt worden. Bei der Kellerrevision des Herrn Tettweiler im Dezember 1901 haben in den acht Kellern des 'Angellagten etwa 300 Stück Wein gelagert Nach den Gutachten der Prof. Dr. Mayrhofer (Mainz) und Dr. Mößlinger (Neustadt) liegt kein Grund vor, die Weine aus dem Jahrgang 1901 zu beanstanden; sie seien verzuckert, aber nicht erheblich ver­mehrt. Auch gegen die Verwendung von Weinhefe und Gärsatz lasse sich nichts einwenden. Am 22. Juni 1899 war Schmähl sen. vom Schöffengericht in Oppenheim von der Anklage der Weinsälschung fteigesprochen worden. Der Staatsanwalt beantragte gegen beide Angellagten auf Grund des alten Weingesetzes je 1500 Mark Geldstrafe, ferner auf Grund des neuen Weingesetzes je 3000 Mark Geldstrafe, außerdem gegen Schmahl jr. wegen Verweigerung der Bücher 50 Mark Geldstrafe. Das Gericht hielt auf Grund der Gutachten der beiden Sachverständigen nicht für be­wiesen, daß der Wein aus dem Jahrgang 1901 übermäßig gestreckt sei, und erkannte dieserhald auf Freisprechung; ebenso wurde Schmahl jr. wegen unrichtiger Angabe und Nichtvorlage von Büchern fteigesprochen, dagegen wurde« beide Angellagten auf Grund des alten Weingesetzes für schuldig befunden, in der Zeit von 1900 bis Frühjahr 1901 Rosinen- und Tresterwein ftrtgesetzt in Handel und Ver­kehr gebracht zu haben, ohne die Ware als Kunstwein bezeichnet zu haben. Der Sohn sei wegen Gehilfenschaft zu bestrafen. Gegen Schmahl sen. wurde auf 1200 Mark und gegen den Sohn auf 300 Mark Geldstrafe erkannt.

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LanSwirlschafl.

DerReichsanzeiger"" veröffentlicht den Saaten­stand Deutschlands für Mitte April. Darnach steht Winterweizen 3,2, Winterspelz 2,5, Winterroggen 2,9, Klee 2,5, Luzerne 2,6, Wiesen 2,5, wobei 1 sehr gut, 2 gut, 3 mittel, 4 gering und 5 sehr gering bezeichnet. Wegen Auswinterung usw. umgepflügte Flächen sind in Prozent der Anbaufläche ausgedrückt: Winterweizen 13,9, Winter- spelz 2,6, Winterroggen 2,2, Klee 2,2, Luzerne 2,7. In den Bemerkungen heißt es: Sei dem ungewöhnlich to armen Riärzweiter machte das Wachstum schnelle Fortschritte. Viele dünne Saaten konnten sich noch etwas erholen. Die naßkalte Aprilwitterung mit den starken Nachtftöften, Stür- me-n und Schneefällen brachte leider wieder eine voll­ständige Stockung der Vegetation. Einen erheblichen Anlett an der Schädiguna der Saaten haben faft überall die massenhaft vorhandenen Mäuse, einen geringeren die Schnecken. Klee und Luzerne erfahren eine etwas bessere Beurteilung, als die Wintersaaten. Tie Wiesen sind faft überall ziemlich weit zurück, zeigen aber meist guten Grasansatz.

Landwirtschaftliche Studienreisen. Große» Interesse und rege Beteiligung haben die beiden in den Vorjahren vom Hess. Landwirtschaftsrate veranstalteten Studienreisen nach Baden und der Provinz Sachsen ge- funden. Dies hat den Hess. Landwirtschaftsrat veranlaßt, auch in diesem Jahre eine Studienreise vorzubereiten. Es ist in Aussicht genommen, das Weinbaugebiet der Mosel zu oesuchen, dann in Bonn die landw. Akademie nebst Versuchsfeld zu besichtigen. Hieran schließt sich in der Kölner Gegend eine Besichtigung hervorragender Guts­betriebe, auf denen besonders die Zucht des rheinisch-bel­gischen Pferdes betrieben wird, sowie des Landesgestütes in Wickrath. Ein Tag ist schließlich noch für Belgien bestimmt, um auch die belgische Pferdezucht an Ort und Stelle kennen zu lernen. Dieselbe findet voraussichtlich vom 6.1L Juli d. I. statt.

Tie Viehzählung vom 1. Dezember 1900 hat int Deutschen Reiche ergeben: Pferde 4 195361, Maulttere und Maulesel 649, Esel 7199, Rindvieh 18939 692, Schafe 9692 501, Schweine 16 807 014, Ziegen 3 266 997, Gänse 6 239 126, Enten 2 467 043, Hühner ob 395 837, Trut- Hühner 351065, Perlhühner 120 071. Bienenstöcke waren 2605350 vorhanden, davon 44,2 Prozent mit beweglichen Waben. Abgesehen von den Schafen, die einen Rittkgang um fast 4 Millionen Stück aufweisen, hat sich der Vieh­stand gegen die Zählung vom 1. Dezember 1892 vermehrt beim Rindvieh um faft IV2, an Schweinen um mehr als 41,2 Millionen Stück. Es tarnen auf je 100 Einwohner und auf 1 Quadratkilometer: Pferde 7,4 und 7,8, Maultiere, Maulesel und Esel 0,01 und 0,01, Rindvieh 33,6 und 35,0, Schafe 17,2 und 17,9, Schweine 29,8 und 31,1, Ziegen 5,8 und 6,0.

Eine landwirtschaftliche Studienreise. Die Deutsche Landwirtschaf tsgesellschaf t hat eine Anzahl tüchtiger