Londons Bürger schicken her^lichie gelegentlich des Empfanges ihres
Aer KSnig von Krrgtand in Aom.
König Eduard ist am Montag vormittag von Neapel Ttcuf) Rom abgereift und dort am Nachmittag um 3 Uhr eingetroffen, am Bahnhofe vom König von Italien empfangen. Ferner waren zur Begrüßung erschienen der Herzog von Aosta, der Graf von Turin, der Herzog der Abruzzen und der Herzog von Genua.
Als er eintraf, svielte die Musik die englische Nationalhymne. Die beiden Könige umarmten und küßten
sich dreimal auf bas herzlichste. Nach dem Vorbeimarsch oer Ehrenkompagnie fuhren die Majestäten unter den Hochrufen der Volksmenge durch die herrlich geschmückten Straßen nach dem Terminiplatz, wo der Bürgermeister Fürst Colonna und die städtischen Behörden den König begrüßten. Die Majestäten trafen im Quirinal um 31/2 Uhr ein. Die Begrüßung zwischen König Eduard und Königin Helene war außerordentlich herzlich Nach Aufhebung der Truppenabsperrung strömte die Volksmenge auf den Platz und bereitete beiden Königen, die sich mit der Königin mehrmals auf dem Balkon zeigten, begeisterte Kundgebungen. Eine Stunde später fuhr der englische König, eskortiert von Kürassieren, nach dem Palast der Königin-Witwe Margherita und stattete einen Besuch ab.
Der Lordmayor von London telegraphierte dem Fürsten Colonna: Londons Bürger schicken herzlich Grüße Roms Bürgern gelegentlich des Empfanges ihres Beliebten Königs Eduard in der Hauptstadt des großen alienischn Königreichs. Fürst Colonna antwortete: Rom ist stolz, den Souverän einer großen Nation gastlich aufzunehmen, die immer eine anfriclftige treue Freundin Italiens war, und erwidert mit brüderlichm Gruß die Grüße der Stadt London.
Der dem König von England beigegebene Vertreter des Londoner Foreign Office, Harding, fuhr in den Vatikan, um mit Rampolla die Einzelheiten des Besuches des Königs beim Papste zu formulieren. Der Besuch erfolgt Mittwoch 3 Uhr von der englischen Botschaft aus. Der Gegenbesuch fällt aus. Dafür wird eine Spezialmission, mit Monsignore Stonor an der Spitze, nach London geschickt.
Z)er König von Sachsen in Wien.
Wien, 27. April. Heute vormittag 9% Uhr traf der König von Sachsen auf dem festlich geschmückten Südbahnhofe ein. Tort hatten sich eingefunden der Kaiser in der Uniform seines sächsischen Ulanenregiments, die hier anwesenden Erzherzoge, Prinz Philipp von Sachsen- Coburg-Gotha, der deutsche Botschafter mit dem Botschaftspersonal, die diplomatischen Vertreter der deutschen Bundesstaaten, der östreichisch-ungarifche Gesandte in Dresden und die Spitzen der Zivil- und Militärbehörden. Die Monarchen umarmten und küßten sich herzlich. Nach Begrüßung der Erzherzöge und nach Vorstellung der Gefolge fuhren die Monarchen zur Hofburg, auf dem Wege von begeisterten Zurufen begrüßt. Zn der Hofburg wurde der König von den Hofchargen und dem Minister des Aeußern empfangen. Heute mittag nahm der König das Frühstück beim Grafen und der Gräfin Rex auf der sächsischen Gesandtschaft ein. Prinzessin Mathilde von Sachsen verließ mittels Hofsonderzuges bereits die Station Meidling und begab sich in das Augartenpalais.
Bei dem Galadiner zu Ehren des Königs Georg brachte der Kaiser folgenden Toast aus:
Etv. Majestät Besuch ist mir ein neuer Beweis unserer wahren herzlichen Beziehungen und es erfüllt müh mit lebhafter Freude, da ich in Ew. Majestät den bewährten vieljährigen Freund und Herrscher eines benachbarten Landes begrüße, welches politische und wirtschaftliche Bande mit uns enge verbinden. Indem ich Etv. Majestät herzlichst und wärmstens für den freundschaftlichen Besuch danke, erhebe ich mein Glas auf das Wohlergehen Ew. Majestät und auf eine lange glückliche Regreruttg.
König Georg erwiderte:
Es lvar mir ein wahres Herzensbedürfnis bei der Anhänglichkeit, die mein Haus und ich von jeher für das Haus E10. Majestät empfunden haben, und der Verehrung, die ich für Etv. Majestät von jeher gehegt, sobald es mir möglich war, hicrherzueilen. Ich habe mich heute von neuem überzeugt, daß Ew. Majestät frisch an Geist und Körper sind, wie Sie es ftüher waren. Mein inniger Wunsch geht dahin, daß Ew. Majestät es vergönnt sein möge, lange Jahre zum Wohle Ihrer Völker und Hecke
Ihres Reiches und zur Freude aller Ihrer Verehrer und Freunde ftisch und gesuno an Geist und Körper zu regieren.
Wahlbewegung.
R. D. D a r m st a d t, 27. April. Die Vertrauensmänner der nationalliberalen Partei für den Wahlkreis Tarmstadt-Großgerau waren gestern nachmittag zu einer Versammlung in der „Stadt Pfungstadt" einberufen, um die Kandidaten frage für den Reichstag endgiltig zu entscheiden. Nachdem Justizrat Schmeel die namentlich vom Lande stark besuchte Versammlung eröffnet, über die bisherigen Verhandlungen in Betreff der Kandidatenfrage Mitteilung gemacht und Rechtsanwalt Dr. Stein als Kandidaten empfohlen hatte, nahm dieser selbst das 2&ort, und legte ausführlich feine Stellung zu den allgemeinen Fragen der Reichspolittk und besonders zu den demnächst von dem neuen Reichstag zu lösenden verschiedenen Fragen unserer Handelsvertragspolitik dar. Die Rede wurde mit stürmischem Beifall ausgenommen und Dr. Stein darauf einstimmig zum Reichstagskandidaten proklamiert. In der Deoatte sprachen sich Brauereibesitzer Hildebrand-Pfung- stedt, Bürgermeistereisekretär Hirsch-Arheilgen und Oberlehrer Backes-Darmstadt in wärmster Weise für die Kandidatur Stein aus, der nach, seinem in der Versammlung entwickelten klaren Programm der beftgeeignete Vertreter für die nationale und liberale Wählerschaft sei. Ein mck- anwesender Führer der antisemitischen Partei, Frhr. Schenk zu Schweinsberg, erklärte sich gleichfalls mit der Kandidatur des Dr. Stein einverstanden. Man darf daher annehmen, daß sich auch die Antisemiten im Wahlkreise für die Wahl dieses Herrn entscheiden werden. Die Versammlung nahm einen recht animierten Verlauf und man trennte sich nach einem Schlußwort des Justizrat Schmeel mit einem dreimaligen Hoch auf das deutsche Vaterland.
Parlamentarisches.
Berlin, 27. April. Das preuß. Abgeordnetenhaus erledigte heute zunächst Petitionen, darunter die des Fransurter Journalisten- und Schriftsteller-Vereins um reichsgerichtliche Regelung des Strafvollzuges und die Einführung einer besonderen Strafverbüßungsart für die wegen nicht gemeiner Vergehen Verurteilten. Sie wurde der Regierung als Material überwiesen. Hierauf wurde ein freikonservativer Antrag auf Einsetzung einer ständigen Kommission für Handel und Gewerbe angenommen. Tie Berstaatlichungsvorlage und der dazu gehörige Nachtrags-Etat werden in zweiter und dritter Lesung genehmigt. Ter Feuerlösch-Gesetzentwurs wird in zwecker Lesung mit einem konservativen Anträge angenommen, wonach in rheinisch-westf. Landgemeinden die erlassenen Polizei-Verordnungen der Zustimmung der zum Erlaß von Ortsstatuten zuständigen Organe bedürfen.
— Die Kommission des preuß. Herrenhauses hat in dem Gesetzentwurf betreffend Vorbildung für den höheren Verwaltungsdienst den § 4 der Regierungs-Vorlage wiederhergestellt.
— Ter freisinnige Kandidat für den zweiten Berliner Reichstags-Wahlkreis, Prediger Gräbner, ist gestern auf der Kanzel von einem leichten Schlag an fall getroffen worden und hat deshalb, trotzdem er sich inzwischen wieder erholt hat, seine Kandidatur zurückgezogen. An [eine Stelle wird der Landtagsabg. Kreitling als freisinniger Kandidat ausgestellt.
— Wie ein parlamentarischer Korrespondent berichtet, wird die konservative Interpellation über die Handelsverträge am Mittwoch auf die Tagesordnung des Reichstages gesetzt werden. In konservativen Kreisen befürchtet man, daß die von der Regierung verlangte Erklärung ausweichend lauten wird.
Aus Stadt und Saud.
^Personalien. S. K. H. der G r 0 ß b e r z 0 g haben dem früheren Pfarrer in Fürth Jakob Schmitt, z. Zt. in Neustadt i. O., das Ritterkreuz 1. Klasse des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen, und den Hauptlehrer an der Gewerbeschule zu Micyelstadt Ludwig Schalk zum Hauptlehrer an der Gewerbeschule zu Worms ernannt.
„g" Hausen b. Gießen, 25. April. Die Schülerzahl
IranLfurt und seine Dichter.
Unter der Spitzmarke „Goethe und die Frankfurter" schreibt die „Köln, ßtg.*:
,Wie es für einen normalen Mann ein zweifelhaftes Vergnügen ist, eine berühmte Frau zu haben, so ist eS auch für eine Stadt eine nicht immer ungetrübte Ehre, einem großen Menschen als Geburtsort gedient zu haben. Denn die böse Außenwelt ist nur zu leicht geneigt, mit dem Riesen- maßstab des Emen die ganze Umgebung zu messen, in der er ausgewachsen ist, und kommt bann gewöhnlich zu dem geringschätzigen Ergebnis, daß solch ein Krähwinkel gar nicht wert sei, einen so gewaltigen GeisteShelden zu seinen Rick- bürgern zu zählen. Heinrich Heine hat in diesem Sinne Goethe uud die Frankfurter in einem satirischen Sonett behandelt, das unter dem Titel „DaS projektierte Denkmal Goethes zu Frankfurt am 9Hain" in dem Anhang zum „Buch der Lieder" steht. Der Dichter giebt dort den Frankfurter Handelsherren den höhnischen Rat, ihr Geld lieber zu behalten und auf ein Denkmal ihres großen ^litbürgcrS zu verzichten, denn
Ein Denkmal hat sich Goethe selbst gesetzt.
In Windeln war er einst euch nah, doch letzt 5rennt euch von Goethe eine ganze Welt, Euch, die em Flüßlem trennt vom Sachsenhauser.
Die Anregung zu diesem grimmigen Ausfall auf die Frankfurter, die gewiß Heinrich Heine nie etwas zu Leide getan hatten, scheint durch eine, im Jahr vor dem Entstehen des Denkmalprojekts erschienene Schrift des Bonner Geologen Joh. Jakob Röggerath gegeben worden zu sein. Der Plan, in Frankfurt ein Goethe-Denkmal zu errichten, findet sich im März 1838 in der „Kölnischen Zeitung" erwähnt; im Jahre 1837 hatte Weber in Bonn die Reisebriefe Nögge- raths über feinen „Ausflug nach Böhmen und die Versammlung deutscher Naturforscher und Aerzte in Prag" gedruckt. Darin berichtet der Bonner Oberbergrat bei seinem Aufenthalt in Frankfurt und dem Suchen nach Goethe's Geburtshaus folgende Anekdote, die er von einem glaubwürdigen Bekannten habe: Auf dem Hirschgraben be-
-Km cm addiättia raick wandelnder, wohlgekleideter
Herr, an den er die Frage richtete: „Können Sie, mein Herr, mir etwa das HauS Goethe's zeigen?" Sinnend und forschend um sich her blickend, antwortete dieser: „Das HausGoethe? Das ist nicht hier; es muß entweder falliert haben ober weggezogen fein." Nachdem mein Erzähler einige Schritte weiter gegangen war, begegnete ihm ein zweiter wohlgenährter Herr, welcher dem Ansehen nach zu den Notabeln Frankfurts gehören mußte, und an ihn richtete er nochmals die Frage. Der behagliche Mann erwiderte etwas langsam, dabei an der Uhrkette spielend: „Sie setzen mich in einige Verlegenheit, mein Herr! Ich bin zwar ein Buchhändler, hier feit mehreren Jahren etabliert, aber ich wüßte es Ihnen nicht zu sagen; darum bekümmern sich die Fremden, wir Einheimischen achten auf dergleichen nicht." Dem Leser dieses sehr glaubhaft klingenden Geschichtchens drängt sich die Annahme unwillkürlich auf, daß Heine, der damals in Paris lebte, sie in der Sonntagsbeilage der Kölnischen Zeckung gefunden und sich flugS nicdergesetzt habe, um feinen Groll über solches Banausentum mit dem bekannten Sonett Luft zu machen."
Soweit die Köln. Ztg. Die Jrkf. Ztg. ist sehr ärgerlich über diese Anekdote und meint boshaft:
„Muß der Mann, der das HauS Goethe für eine Firma halt, just em Frankfurter gewesen sein f Vielleicht war er ein Ge schafts- m a n n aus Köln, der zur Messe hierher gekommen war und, den Kopf mit feinen Ziffern voll, in diesem für den Ruf unserer Stadt so verhängnisvollen Moment den Hirfchgraben oafsierte."
Ich hatte das Gcschichtchen keineswegs nur für erfunden, möchte vielmehr im Anschluß daran ein wunderhübsches, von ernsthaftester Seite mir als durchaus wahrhaft verbürgtes unfreiwilliges Bonmot einer jungen Frankfurter Patriziertachter erzählen. Als vor vier Jahren in außerordentlich prunk- voller Weise von dem offiziellen Frankfurt der 150. Geburtstag Goethes begangen worden war, da sprach sie gelassen das große Wort aus: „Mit dem hätt mer auch nit so arg viel Umstand' gemacht, wenn er nit en Jud ge- w e f c wär!"
Seit dem „tollen" Jahre 1848 lebt in Frankfurt Wil Helm Jordan, der geniale poetische Wtcdererwecker der
unserer Gemeinde ist in den letzten Jahren fo rapid gewachsen, daß der seitherige Schulsaal nicht mehr genügt Der Gemeinderat hat deshalb beschlossen, im nächsten Jahre einen Schulhausneubau aufführen zu lassen. Zu- gleich wird alsdann eine zwecke Klasse errichtet werden, da Sie Schülerzahl gegenwärtig schon annähernd 90 beträgt und eine weitere Steigerung derselben in den nächsten Jahren bevorsteht.
-i- Lich, 26. April. Zur Verschönerung unseres Städtchens und seiner Umgebung hat die imjjcrgangenen Winter erfolgte Beseitigung des sogenannten Schlammgrabens viel beigetragen, der sich den Geruchsnerven der Spaziergänger, die den an ihm entlang führenden Weg zum fürstlichen Park benutzten, in unangenehmer Weise bemerklich machte. Im krassen Gegensatz zu dieser Verschönerung steht aber der schauderhafte Zustand jenes Weges, der bei schlechter Witterung mit Pfützen und Schlamm bedeckt, fast unpassierbar ist.
Frankfurt a. M., 27. April. Heute sand die 50- jährige Jubelfeier der Realschule der israelitischen Religions-Gesellschaft statt. Als Vertreter des Oberpräsidenten sprach Prvvinzialschulrat Dr. Kaiser. — Tie 78jährige Frau Anna Fueg stürzte sich aus dem 3. Stock ihrer im Wendelsweg gelegenen Wohnung und erlitt schwere innerliche Verletzungen, an deren Folgen sie bald darauf starb.
Gerichtssaal.
Gießen, 24. April. (Gewerbegericht) Den Vorsitz führt Oberbürgermeister Mecum. Als Beisitzer fungieren Bäckermeister Fr. Hennings und Schriftsetzer Adolf Hensel. — In der mehrfach verhandelten Klage- fache des Kellners Albert, zurzeit in Frankfurt a. M. gegen den Gasthofbesitzer Heinrich M. dahier kam Vergleich dahin zu stände, daß Beklagter dem Kläger auf die ein- getiagte Summe von 84 Mk. im ganzen 35 Mk. zahlt.
Gingesanöt.
(Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.)
Hundertste Geburtstage.
Nächstens wird der 100. Geburtstag unseres großen Chemikers und Landsmannes Justus v. Liebig auch hier in Gießen gefeiert werden, und das — mck vollstem Rechte, denn es gebührt sich, daß ein Volk seiner gnoßen Männer in herzlicher Dankbarkeck gedenke. Aber hat man denn auch schon daran gedacht, daß in dieser Woche auch noch ein anderer großer hundertster bevorsteht, daß es bis nächsten Donnerstag, den 30. April, 100 der Jahre sind, daß dem deutschen Volke einen seiner größten, besten und deutschesten Atänner geboren wurde, einer der drei Paladine unseres unvergeßlichen, lieben ersten Kaiser-: Generalfeldmarschall Gras 0. Roon. Versetzen wir uns im Geiste 'darum dankbaren Herzens, an diesem 30. April an die stckle Gruft im großen Parke von Schloß Krobnitz in Schlesien, und legen einen Ehrenkranz nieder! — Unsere sehr geehrten Veteranen werden bei diesem Tankesund Liebeswerke, vor allen, gewiß bei der Hand sein. H.
Arbeiterbewegung.
Hamburg, 27. April. In einer heute mittag stattgehabten Versammlung proklamierten die Schuhmacher- Gesellen von Hamburg, Altona, Ottensen und Bergedorf einstimmig den Generalstreik, da die Arbeitgeber die geforderte Lohnerhöhung abgelehnt haben.
Neueste Itltluuiujrii.
vrigiualdrahtmeldungen des Gießener Anzeiger».
Berlin, 28. April. Bei den letzten Unwettern sind m der Umgegend 194 Personen umgefominen.
Hamburg, 28. April. Nach den bisherigen Ermittelungen sind wahrend des letzten Unwetter« 83 Schiffe untergegangen, 246 beschädigt worden und 223 Personen ertrunken.
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Gegen Schnupfen hilft Forman. 1268
Nibelunge. Als er ebenfalls anno 1899, in dem Goethe- jahre, feinen 80. Gebuttstag feierte und ihm von den Gestaden des Erie- und Michigansees wie von den Hängen von Samos am ägäischen Meere, kurz aus allen Wetttellen, so weit die deutsche Zunge klingt, Glückwünsche ^dargebracht wurden nnd kostbarste Spenden, da sah man in Frankfurt m feiner einzigen Buchladenauslage das Porträt Jordans. Als ich in einer Buchhandlung Nachfrage hielt nach feiner damals soeben erschienenen letzten poetischen Gabe, der Gedichtsammlung „In Talar und Harnisch", da hatte das Ladenfräulein keine Ahnung von diesem Buche und meinte, der Mann fei wohl dieser Tage begraben worden! DaS war die Wirkung der umfangreichen Festartikel der gesamten Frankfurter Presie! — In einer der vornehmsten Frankfurter Weinstuben hörte ich an demselben Tage einen Herrn mit weißen BartkotelettS, dessen Antlitz von üppigem Wohlleben strotzte und an dessen sorg- sättigst gepflegten dicken Fingern ein paar Riesenbrillanten funkelten, auf die Frage seines Nachbars, ob er dem von der Stadt im „Frankfurter Hoft veranstalteten großen Festabend zu Ehren Jordans beiwohnen werde, wörtlich antworten: ^WaS geht mich der a? ES wär auch ohne dem sei Trilogie gange!"
Vor der glänzend verlaufenen Feier im „Frankfurter Hof" fand im Schaufpielhause eine Aufführung von Jordans entzückendem Lustspiel „Durchs Ohr" statt. Nach dem zweiten Akte spielte sich folgendes charakteristssche Gespräch zwischen zwei neben mir im Parkett sitzenden, durch gewaltige Mensur- schmisse gezierten Herren ab: „DaS Stück ist famoS, haben Sie es schon gekannt?" „Nein," war die Antwort; „kennen Sie übrigen« feine Nibelunge?" „Nee, ich habe noch nichts von Jordan gelesen." „Ich auch nicht!" Und beide freuien sich baß darüber. — Und das alles an einem Tage, in der Stadt, in der Jordan, der Altmeister deutscher Dichtung, seit damals sage und schreibe 51 Jahren lebte!
Sollte nach alledem das niedliche Gcschichtchen der „Köln. Ztg." wirklich nur aks „ben trovato emzuschätzen


