Ausgabe 
27.4.1903 Drittes Blatt
 
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(Abt. IV) . .

aus Buchforderungen halbjährlich bar cursbe-

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zahlt und zwar kann dies nach Wühl des Gläubigers an ihn selbst oder eine beliebige andere Person: o. durch die Großh. Staatsschuldenkasse in Darmstadt mittelst Bar­zahlung, b. durch eine öffentliche, an die Hauptstaatökasse ablieserungspslichtige Kasse, c. durch die Reichsbank-Haupt-

Die Benutzung des Staatsschuldbuchs in der Zeit seines Bestehens ist hiernach als eine recht erfreuliche zu be­zeichnen. Um die Kenntnis fron dieser vom Hessischen Staate im

Neueste Mewuugeil.

Würzburg, 27. April. Heute morgen 2.20 Uhr stieß der Frankfurt-Münchener Schnellzug Nr. 9u bei der Durchfahrtsstation Heidingsseld auf den dort zu überholenden Güterzug Nr. 1920 nach Mutlmgen. Der Schlußbremser des Güterzugs wurde schwer, die Zugfichr^ der beiden Züge leicht verletzt. Die 'Maschine des Schnell­zuges sowie der Dienstwagen und die drei des Güterzuges lvurden schwer beschädigt.

bemerkt:

Durch die Eintragung Hessischer Staatsschuldverschreib­ungen in das Staatsschuld buch wird dem Gläubiger ein von dem Besitze der Schuldverschreibungen unabhängiges persönliches Forderungsrecht an den Staat eingeriüunt. Hierdurch ist jede Gefahr, sein Forderungsrecht durch Brandschäden oder Diebstahl zu verlieren, ausgeschlossen und es fallt außerdem die für die Besitzer von Inhaber- papieren und namentlich für kleine Kapitalisten oder solche, die in einsamen Gegenden wohnen, so lästige Sorge für die sichere Aufbewahrung ihrer Papiere gänzlich weg. Die Kosten für Benutzung des Staatsschuldbuchs sind sehr geringfügig; außer einer einmaligen Gebühr von 25 Pfg. für je 1000 Ml. des eingeschriebenen Betrags (mindestens 1 ML) werden Kosten für die laufende Verwaltung nicht berechnet. An Stelle der Einlösung der Zinsscheine werden

Interesse seiner Gläubiger getroffenen Ein­weiteren Kreisen zu fördern, sei über die and den Zweck desselben kurz folgendes

Aus Stadl uiü> Saad.

* * S. St. H. der Groß Herzog traf Samstagmittag kn Frankfurt ein und reiste nachm. 5 Uhr nach Darmstadt zurück Am Mittwochabend bcgiebt er sich nach Mainz, um dem in der Liedertafel vom Karn-Orchester unter Leitung Weingartners veranstalteten Beethoven-Abend bei­zuwohnen. S. K. H. der Grvßherzog hat das Protektorat über die Wiesbadener Tennis-Wettspiele übernommen. Ter Großherzog, bekanntlich ein großer Förderer jeglichen Sports, hat den Chreitvorstand wissen lassen, daß er einen Ehrenpreis zu stiften gedenkt.

* * Audienzen. S. K. H. der Gro ß h e r z o g empfing u. a. am 25. April den Major Zahn ä la sutte des Großh Gendarmeriekorps, den Oberamtsrichter Dr. Fuhr von Lrtenberg und den Oberlehrer Reinig von Butzbach.

* * Personalnachrichten. S. St H. der Gvoß- herzog haben mittelst Allerhöchster Entschließung vom 25. April geruht, zu verleihen: das Komturkreuz L Klasse des Verdienstordens Philipps des Großmütigen dem General­major a D. Keim, das Ritterkreuz 2. Klasse desselben Ordens dem Oberleutnant Ewald im Jnsanterie-Leib- Regiment Großherzogin (3. Großh. Hessisches) Nr. 117 und dem Leutnant Winther im 4. Großh. Znfanterte-Regi- ment (Prinz Carl- Nr. 118. Der Forstmeister Ludwig Strack zu Ober-Rosbach wurde auf sein Nachsuchen und unter Anerkennung seiner langjährigen treu geleisteten Dienste mit Wirkung vom 1. Juni d. I. in den Ruhestand versetzt und mit der Krone zum Ritterkreuz 1. Klasse des Verdienstordens Philipps des Großmütigen dekoriert.

-Hilfsrichter bei den Landgerichten. Auf unsere Erkundigung bei zuständiger Stelle über die von der Franks. Ztg." am Frettag aus Gießen gebrachte Mitteilung, daß durch Entschließung des Justizministeriums die Zulassung von Gerichtsassessoren zu Hilssrichterstellen bei den Landge- richten in Aussicht stehe, erfuhren wir, daß das nicht den Tatsachen entspricht. ES handelt sich z. Z. nur um An­regungen, welche an das Justizministerium teilweise in den Kammeroerhandlungen herangetreten sind und über welche das Justizministerium lediglich die in Betracht kommenden Instanzen zur Begutachtung aufgefordert hat. Bis jetz^ hat weder das Ministertum zu den angeregten Fragen Stellung genommen, noch liegen die eingeforderten Gutachten vor. Es ist also zur Zett noch völlig ungewiß, ob und in welcher Richtung eine Aenderung des fraglichen Artikels 19 des Ausfühcungsgesetzes zum Gertchtsoerfassungs- gesetz vorgeschlagen werden soll. Jene Anregungen betreffen den von der »Franks. Zig." berührten Punkt auch nur im Zusammenhang mit einer anderen Frage.

[] Marburg, 26. April. Vorgestern nacht warf von der Bahnhofsbrücke aus em total betrunkene r Stu­dent seine sämtlichen Kleider und seine Brieftasche mit 2600 Ml. Inhalt in die hochangeschwollene Lahn. Polizei» bearnte, die hinzukamen, zogen dem völlig Nackten einen Mantel an und brachten ihn in die Klinik. Die Kleider unb das Geld hat man bis heute noch nicht wieder.

Heppenheim, 26. April. In der Generalversamm- lung des Verschönerungsverems wurde Beschluß gefaßt über die Feier des 100jährigen Geburtstages von Justus Liebig, der 1817 und 1818 in der hiesigen Apotheke tätig gswesen ist. An diesem Tage, 12. Mai, wird an der Apotheke eme Gedenktafel mit entsprechender Inschrift an­gebracht. Am Abend findet eine Feier statt, zu welcher die Mitglieder des Verschönerungsvereins und des Odenwaldklubs mit ihren Famllien, sowie die benachbarten VerschönerungS-

kasse, die sämtlichen Reicks ank-Hauptst eilen, Reichsbank- stellen und mit Kasseneinrichtung versehenen Nebenstellen mittels Barzahlung, d. mittels Uebersendung durch bte Post, jedoch nur innerhalb des Deutschen Reichs, e. wenn dem zum Empfang der Zinsen Berechtigten em Girokonto bei der Reichsbank eröffnet ist, durch Gutschrift aus desien Konto durch Vermittelung der Staatsschuldenkasse in Darmstadt, erfolgen. _ _

Tie Benutzung des Staatsschuldbuchs ift hiernach allen denen zu empfehlen, welche die Kapitalanlage m Hessischen Staatspapieren als eine möglichst dauernde an» felicn, sowohl Privaten, als aucb den gemeinnützigen Stift­ungen, den Kirchen- und sonstigen öffentlichen Fonds. Für die sichere Anlegung von Mündelgeldern, sowte der Reserve» fonds aller Arten von Sparkassen, Geniossenschaften, Gesell­schaften und Hilfskassen wird die Einschreibung in das Staatsschuldbuch ebenfalls von Nutzen sein.

ETterquarttermeifter bet der Oklupationsarmee in Frank­reich und 1873 bis 1879 Oberst und Kommandeur des 1L Ulanen-Rcgiments, kam er alsbald als Abteilungschef der kriegsgeschichtliehen Abteilung zum Großen Generalstab, Lis er 1880 zum Kommandeur der 12. Kavallerie-Brigade ernannt wurde. 1881 zum Generalmajor befördert, erhielt er 1883 die 31. Kavallerie-Brigade. 1886 Generalleutnant unb Kommandeur der 20. und darauf der 6. Tioision, sehen wir ihm 1889 als Oberquartiermeister wieder im Großen Generalstab. Gestern wurde ihm vom Kaiser der Rang eines Feldmarschalls verliehen. Der Groß­herzog von Baden verlteh dem Jubilar den Hausorden der Treue. Im Laufe des Dormtttags erschienen gestern sämt­liche Generäle und Regiments-Kommandeure des 16. Armee­korps, um dem Jubilar ihre Glückwünsche zu überbringen und überreichten als Ehrengeschenk eine verkleinerte Nach­bildung des auf der Esplanaoe von Metz stehenden Prinz Friedrich Karl-Denkmals. Die Ansprache hielt der Gou­verneur von Metz, General v. Stötzel. Hierauf überreichte eine Deputation von Offizieren des bayerischen Kontingents eine verkleinerte Nachbildung des sogenannten Prinz Fried­rich Karl-Steines in Bionville. Um 11 Uhr erschienen die Spitzen der Zivilbehörden zur Gratulation. Am Nachmittag fand zu Ehren des Jubilars ein Festmahl statt. Graf Haeseler brachte das Kaiserhoch aus. General v. Stützet trank auf das Wohl des Grafen Haeseler, welcher dankend erwiderte. Am Abend wurde dem Jubilar von sämtlichen Vereinen der Stadt Metz ein Fackelzug dargebracht.

Bekanntlich wird der Kaiser auf seiner Rom- re ise von einer glänzenden militärischen Suite begleitet sein, zu der außer dem Flügeladjutanten und dem Oberst­leutnant v. P s ko w, dem größten deutschen Offizier, dem gleichfalls recht stattlichen Generalmajor v. Scholl, auch noch einige durch besonders schönen und hohen Wuchs aus­gezeichnete Mannschaften der Leibregimenter kommandiere sind. Einer von diesen ist der Sergeant Moldenhauer von der Leibeskadron des Regiments Gardes du Corps, dergrößteUnteroffizierderdeutschenArmeee, welcher 207 Ctm. Höhe besitzt. Eine Reibe ähnlicher Riesen giebt es noch in den Potsdamer Garde-Regimentern, keiner überragt aber den Sergeant Moldenhauer.

Staatsschuloverschreivungen.

Dis Ende März l. I. sind bei dem Staatsschuldbuch- fureau norn. 24 967 300 Mk. Hessische Staatsschuldverschreib- nngen zur Eintragung in das Staatsschuldbuch eingereicht 'orben.

Hiervon sind eingetragen auf den Namen von

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Wesel, 26. "april. TerWes. Zig" zufolge brach gestern abend in der alten Citabelle (Hauptwache) Fe tter aus, burch bas bas Obergeschoß, in dem die Wohn­ung des Artillerte-Offiziers vom Platze unb des Haupt­manns Scheele sich befand, ausbrannte. Das Feuer war um i/g12 Uhr gelöscht.

Arbeiterbewegung.

Lille, 26. ^prck Er n ste U n r u h e n sind m Hallum ausgebrochen. Die Arbeiter ber französischen Fabriken in Gratry befanden sich seit einigen Tagen im Aus stand e und wurden durch zahlreiche belgische Arbeiter aus Mening ersetzt. Da die Belgier trotz der Aufforderung der Fran- zojen die Arbeit picyt einstellten, begaben sich 6000 fran­zösische Arbeiter an die Grenze und nahmen eine so drohende Haltung an, daß die Belgier nicht wagten, die Grenze zu überschreiten. Belgische Gendarmen standen jenseits ber Grenze unb verhinderten blutige Borkomm- ni|fe. Die französischen Arbeiter sangen bie Marseillaise und stießen Pfuirufe gegen bie Belgier aus. Sie schlugen Fenster und Türen ein und bewarfen bie belgischen Gen­darmen mit Steinen. Die französischen Gendarmen griffen ein und zerstreuten bie Kundgeber. Die französischen Ar­beiter sino entfchlossen, ihre Ersetzung durch belgische Ar- beiter weiter zu verhindern.

Privaten (Abr. I) ... 19 Handelsfirmen (Abt. IT) Korporation n »Abt. III) 10 Vermögens« assen

vereine unb Odenwaldklvbsckttonen etngtiaben werden, wn ber Feier wirkt die hiesige Kapelle Müller mit, Professor Dr. Horn roirb in einem Vortrage ein Lebensbild de§ großen Gelehrten entwerfen und entsprechende Lieder werden gesungen werden.

gandeUd Mtbrhr^UMüwirlschast.

Zwischen dem amerikanischen Tabaktrust und drei Hamburger Firmen, nämlich den Firmen Barsdorf, Fischer & Hachfeld, S. Wassermann und Heinrich Abraham & Co, ist ein Abkommen getroffen, wonach diese Firmen die Vertretung für bie Havannafabri­kate des Trusts in Deutschland übernehmen werden. Infolge dieser Abmachungen können bie deutschen Zi­garrenhändler eine grone Anzahl von Havaneser Import» ।orten nur noch durch die Vermittelung ber obengenannten drei Hamburger Firmen beziehen. Bekanntlich befindet sich ein großer Teil ber Havaneser Fabriken im Besitze des Trusts. Wir nennen nur Henry Elay Bock Eo. lib., Bock & Co. (Aguila be Oro- und Henry Elay. Allerdings beftndet sich noch eine große Anzahl angesehener Havaneser Firmen, wie bas Haus H. llpmann, in einer vom Trust unabhängigen Stellung. lieber ben Tabaktrust würbe bieser Tage im Verein aller Tabakinteressenten für Berlin und 11m- gegend referiert. Ter Referent richtete eine energische Mahnung an Die belttschen Interessenten, in dem voraus­sichtlich bald hart enibiennenden Kampfe gegen den Trust fest zusammenzuhalten. Eine Minderhell in der Versamm­lung vertrat in der Diskussion bie Auffassung, daß La- pllalkraft unb Organisaitonsfahiglell des Trusts vielfach stark überschätzt würden. Die Mehrhell der Anwesenden aber nxu durchaus von ber Gefährlichkeit des Trusts über­zeugt und wünschte lebhaft, daß alle Tetaillisten sich ucrpf'iicbten mögen, keine Trustware zu führen.

Gerichlssaal.

Hunau, 25. Aprn. Wegen Depot-Unterschlag­ung im Zusammenhang mit einfachem Bankerott m drei Zöllen, Vergehen gegen das Börsengesetz in drei Fällen und Betrug wurde ber Bankier Leopold Lilien­feld unter Zubilligung mildernder Umstände vom Schwur­gericht heute zu vier Jahren Gefängnis und in die kosten des Verfahrens verurteilt. Beantragt waren fünf Jahre Gefängnis, 1000 Mark Geldstrafe und fünf Jahre Ehrverlust. Wegen Wechselsälschung in neun Fallen stand Lilienfeld bereits am 20. ds. M. vor der Strafkammer und erhielt iy3 Jahre Gefängnis, sodaß er jetzt eine Strafe von 513 Jahren zu verbüßen hat.

Gießener StnStthenler.

Die Landstreicher.

Operette von C. M. Ziehrer.

Dem ehrlichen Streben des Elbinger Operetten-Ensembles ist es bereits wiederholt gelungen, eine echte und rechte Operettenstimmung im Publikum zu erzeugen. In der Flucht der Vorstellungen traf man viel Gutes, und der Aufwand an Mühe und Talent scheint allmählich zu seinen Kosten zu kommen. Auch »Die Landstreicher", die am Sonntag bet unS zum ersten male aufgeführt wurden, brachten einen vollen Erfolg. Als vor Jahren in dem trotz Lueger und Kon­sorten »alleweil fidelen" Wien das zauberhafteVenedig in Wien" im Prater erstand, das man im Jahre danach im Berliner AuSstellungspark am Lehrter Bahnhofe alsVenedig in Berlin" bewunderte, galt eS für die Praterbühne, ein pikantes und zugkräftiges Schaustück zu schrffen, da6 geeignet war, den ganzen Sommer hindurch Abend für Abend dem Theater Besucher zuzuführen. Dieses wurde in denLand­streichern" gefunden. Ziehrer, der langjährige Kapellmeister des Wiener RegimentsDeutschmeister", zählt zu ben popu­lärsten Komponisten Oesterreichs; seine Tanzwelsen man erinnere sich an den WalzerWeaner Madeln" und feine prächtigen Lieder sind allenthalben bekannt und beliebt Auch in seiner Operette herrschen, wie bei feinem großen Vorbilde Strauß, die Tanzweisen vor. Doch nicht diese allein machen den Reiz des gelungenen Werkes aus: durch die ganze Musik geht ein frischer, fröhlicher Zug, den auch das der guten alten PosseRobert und Bertram" nachempfundene Textbuch von L. Krenn und C. Lindau atmet. Einzelne Einfälle des Komponisten sind ganz außerordentlich ansprechend, wie der allerliebste Walzer am Schluffe deS ersten Aktes. Leider versagt das Libretto im Schlußakte: bie beiden Text- büchler brechen chr Werk überS Knie, und das ist auch dem Komponisten zum Unheil ausgeschlagen, der seine Musik nur .mit ein paar Außeneffekten hat zu Ende führen können. Diesen

9)langel hat auch unser Operettenensemble empfunden und dem Schlußakte ein ansprechendes Zithermtermezzo beigefügt, baS uns das fesche Frl. Bartl von einer neuen Seite, als ge­wandte Zithervirtuosin kennen lernen ließ. Als Madame Fliederbufch hatte sie zudem ihre schütten schauspielerischen und stimmlichen Mtttel zu entfalten wiederum Gelegenheit und verschaffte Aller Augen unb Ohren eine Reihe reizvoller Mo­mente. Selbst im ersten Akte, im erbärmlichsten Lanbstreicher- kostüm, hatte ihre realistische Darstellung einen Chic, ber über textliche Geschmackwidrigkeiten in der geschicktesten Weise hin­weghalf. Ihre Individualität besitzt eben einen selbst mit kecksten Uebermühgfeiten stets versöhnenden Charme. Herr Gehring spielte die köstliche Rolle des Herrn Fliederbusch wie sie geschrieben steht; er blieb uns nichts schuldig. Sein Humor ist natürlich, ungezwungen und findet für jede Situa­tion den richtigen Ausdruck; man wird außerdem noch bie diskrete, von plumpen Uebertreibungen sich taktvoll fern­haltende Art schätzen, in die er seine Dachellung kleidet. Im ersten Aufzuge zeigten Herr und Frau Fliederbufch aus­gezeichnete Bummlertypen. Eine Fülle von drolliger Laune ließ das Landstraßenelend unb Vagabundentum im rosigsten unb erheitcrnbsten Lichte erscheinen. Ob sich wohl eine ber kleinen, auf einen eigenen rocltweifen Ton gestimmten Vaga- bundennovellen bcS großen russischen Poeten Gorki, denen eS ja zuweilen auch nicht an sonnigem Humor fehlt, von einem echten Librettokünstler zu einer Buffooper gestalten ließe? TaS wäre eine äußerst dankbare Aufgabe und würdig ber musikalischen Gestattung cmes Tschaikowski.

Den Fürsten Adolar stellte Herr Bruck bar. Wenn diese SereniffimuSfigur vielleicht auch noch mehr ä la Th. Th. Heine sich hätte gestalten lassen, so blieb doch auch in maßvoller Darstellung die komische Wirkung nicht aus. Herr Bruck ist vor Allem ein Meister der Pointe im Couplet. Den Affeffor fang Herr Sommer. Die Partie liegt ihm etwas zu hoch, er überwand aber im Allgemeinen glatt diese Inatürliche Schwierigkett. Frl. Stöger war als bie Mtmi

in Spiel unb Gesang fidel und flott wie immer. Zwar würde bei reicheren Weihrauchspenden die Moral ein wenig mit dem Finger drohen, aber die Herren Librettisten wollens halt so. Sie selbst wird sich übrigens dazu Glück wünschen, daß sie Sängerin und nicht Tänzerin ift

Von den kleineren Rollen verdient das bisher nur im Hintergründe beobachtete Frl. Dreßler a(5munteres WirtS- töchterlein mit hellem klaren Sümmchen genannt zu werden, neben Herrn Ganzert, der als feuchtfröhlicher GenchtS- biener eine getreue Kopie feines (Setängnißbienerß *in der »Fledermaus" bot, den Damen Kaldern und ^chwedt als feschen und herzbezwingenden Husaren und Herrn Nolte als wütigem, an der Nase herumgeführtem Bräutigam.

Die Operette hätte im übrigen einen schneidigeren, mit­reißenderen Zug. temperamentvolleren Pulsschlag und ge­schmackvollere Abtönung vertragen. Der Chor tat nn Allge­meinen feine Pflicht unb Schuldigkeit. Ab und zu i«igte er allerdings die Fehler, die die Menschen gewöhnlich aufweisen, wenn sie en mässe auftreten: es fehlte an Ordnung in ber Unorbnung.

Der Ausstattung sind ja auf unserer Buhne sehr enge Grenzen gesteckt. Wie hübsch hätte es sich zum Beispiel ge* macht, wären bie beiben weiblichen Husarenoffiziere auf wirk­lichen, lebenden Pferden auf der Bühne erschienen. P. W.

Agne» Sorma beabsichtigt im Laufe der nächstem Drnterspielzeit ein ooraussichllich drei Monate währende- Gastspiel an einer Berliner Bühne -u absolvieren. Neben Kainz '»eht übrigens unter den deutschen >->chaulpielgroßen Agnes Sorma am höchsten im Preise. Sie ist momentan die .ichteste Gastkünstlerin, erhält selbst an Provinz? lhear.ru pro Vorstellung 1200 Mk. und hat während ihre- letzten Gastspieles am berliner Theater für 25 Abende für ihren Teil über 25000 Mk. bezogen.

Irene Tncsch wurde vom Direktor Brahm auf mehrere Jahre für seine neue Direktion im Lesse »g- Theater zu Berlin oerpflichtet.