Ausgabe 
27.3.1903 Zweites Blatt
 
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Im Kreis Fried berg-Büdingen stehen dem Grafen Oriola (natl.), der die Unterstützung des Bundes der Landwirte gefunden hat, gegenüber Bus alt (Soz.) und Molt Han (Zentr). Ob Oekonom Wilhelm Bär-Herrenhag für die Refor,npartei kandidiert, steht noch nicht fest. Im Kreise Offenbach.Dieburg ist dem Sozialdemokraten Ulrich noch kein Gegner gegenüber­gestellt. Der Bauernbund stellt voraussichtlich den Landtags- Abg. Hauck als Zählkandidaten auf. Jin OdenivaldkcetS BenSheim-Erbach ist noch alles ruhig blS auf die Sozial- demokraten, deren Kandidat Rau fleißig agitiert. Das Zentrum wird diesmal einen eigenen Kandidaten aufstellen; ob der seitherige Abg. HaaS wieder kandidiert, darüber werden widersprechende Nachrichten verbreitet. Falls Haaö nicht annimmt, bewirbt sich der Landtags-Abg. Hirschel- Offenbach (Reformp.). Im Kreis War in S-Heppenheim ist Frhr. v. Heyl (natl.) mit Unterstützung des Bundes der Landwirte wieder aufgestellt. Außer den Sozialdemokraten wird das Zentrum auf dem Plan erscheinen und auch die Freisinnig-Demokraten. Der Kreis Alzey-Bingen dürfte den Freisinnigen entrissen werden (?); sie verdankten ihren Sieg dem Eintreten des Zentrums für ihren Kandidaten. Diesesmal hat das Zentrum in dem LandtagS-Abg. o. B cen- tano einen eigenen Kandidaten erkoren. Tie Nominierung eines agrarischen Kandidaten soll demnächst erfolgen.

Von der Wahlbewcgung im Kreise Gießen schreibt das genannte antisemitische Blatt:

,3n Gießen stehl dem bisherigen antisemitischenAbg.Kähler der sozialdemokranjche Kandidat Krumm gegenüber. Cb die Freisinnigen und Naiionalliberalen wieder zusaum.eugehen, ist noch ungewiß; em Kandidat ist bis jetzt noch nicht geiunden, der r.and- lagsabg. Dr. G u t t l e , s ch hat bestiinmt abgelehnt. Ter Bund der Landwirte unlerslützl Köhler/

DaßDr. Gutfleischbestimmt ab gelehnt habe", entspricht nach unseren Informationen keines- wegS den Tatsachen. Eine definitive Entscheidung ist bisher noch nicht gefallen.

Wiesbaden, 26. März. Das Zentrum wird den LandtagSabg. Landgerichtsrat Jin walle als RcichStags- kandidaten für den 11. nassauischen Wahlkreis aufstcllen.

Ria nn heim, 26. März. Das hiesige Zentrumsblatt behauptet an leitender Stelle:Zwischen der national, liberalen Partei, den Konservativen und dem Bund der Landwirte ist ein Wahlkartell für die bevor, stehenden Reichstagswahlen abgeschlossen worden, welches den Zweck hat, das Zentrum in Bayern, Baden, Hessen, den Regierungsbezirken Kassel und Wiesbaden, der Rhein- provinz und Westfalen zu bekämpfen/ Ob diese An- gaben richtig sind, bleibt abzuwarten. Die Tatsache, daß der Bund der Landwirte erst vor wenigen Tagen im Heidelberger Wahlkreise eine eigene Kandidatur aufftellte, läßt sich nut der Behauptung deS Zentrumsblattes schwerlich in Einklang bringen.

Ausland.

Luxemburg, 26. März. Nach breitägiger Debatte nahm die Devuticrtenkammer einstimmig bei 2 Stimm­enthaltungen oen Eisenbahn- und Zollvereins- verlängerungsvertragmitDeutschlandan.

Wien, 26. März. Der hier befindliche Burenober st Schiel ist derart erkrankt, daß er in das Sophienhospital überführt werden mußte. DieBolkstribllne" veröfient- licht folgenden Geheimerlaß an alle Kommandeure: Nach zuverlässiger Information ist dem Reichskriegsamt zur Kenntnis gelangt, daß die sozialistische und die radikal-nationalePropaganda häufig bestrebt ist, Anhänger für ihre Tendenz auch unter der Wehrmacht zu gewinnen, die anti-militärische Bewegung unter die ein- zuberufcnden Reservisten au tragen, Flugblätter aufrühre- rischen Inhalts in die Kasernen einzuschmuggeln, olles dies um den guten Geist und die militärische Disziplin des Heeres zu untergraben und alles zu versuchen, um an der unbedingten Zuverlässigkeit der Wehrmacht zu rütteln. Besonders betont sei, daß die Agitation unter dem Militär durch eigene Vertrauensmänner ausgesührt werden soll. ES liegt die Gefahr nahe, daß diese zersetzenden Bestrebungen in nächster Zeit planmäßig organisiert und in bedeutendem Umfange in Szene gesetzt werden. Alle Kommandanten werden aufgesordert, dieser Gefahr durch die strengsten Maßnahmen entgegenzutreten.

Budapest, 26. März. Im Abgeordnetenhause beant- wartete Honvedminister Baron Fejervary eine Interpella­tion Benedek über das Verbot, daß Offiziere der Anti­duellliga beitreten, dahin, daß zwar der Zweikampf aesetzlich verboten sei, das Ofsizierkvrps sich jedoch über die gesellschaftliche Auffassung, welche Abweisung eines Duelts als Feigheit erkläre, nicht Hinwegseßen könne. Das Offizierkorps sei nicht berufen, der Gesellschaft neue Auf- fassungen zu oktroyieren. Da zudem vorauszusetzen sei, daß die spezifischen Vorschriften der Armee über Ehren- affären mit den Vorschriften der Antiduellliga nicht über- einstimmten, könne der Offizier nicht über die Richtschnur seines Verhaltens im Unklaren gelassen werden. Wenn es der Antiducllliga gelinge, ihrer Auffassung in der Gesell- schäft zum Siege zu verhelfen, werde das Offizierkorps nicht verfehlen, sich den neuen Ideen anzupassen.

Washington, 26. März. (Reuter.) Der deutsche Kaiser ließ dem Präsidenten Roosevelt mit- teilen, daß das a t l a n t i s ch e G e s ch w a d e r der Verein. Staaten auf dessen beabsichtigter Fahrt nach Europa auch in Kiel willkommen fei Infolge der Abänderung des Reiseplanes für das Gcschtvader sah Präsident Roosevelt sich gezwungen, die Einladung abzulehnen, unter dem Hinzufügen, daß das Geschwader keinen Hasen des europäischen Festlandes anlaufen werde.

Ans tzluöt lind £iuid.

Gießen, 27. März 1903.

fc. Se. Kgl. Hoheit der Groß Herzog, der auf seiner Rückreise von Indien anch un Luxorhotel in Luxor (Ober- egypten) Wohnung genommen hatte, schenkte dem Direktor deS Hotels, Jakob Geißler aus Oberlahnstein, eine goldene Busennadel mit Krone und Initialen in Brillanten.

*'Hessisch-Thür. Staatslotterie. Bei der heutigen Schlußziehung der 6. Klasse fiel die Prämie von 100 000 W. auf LaS Rr. 12423, das zuletzt mit 2000 Mk gezogen wurde (nach Friedberg). Je eine Prämie von 60 uou Mk. auf Nr. 26894 (nach Darmstadt), 36001 (nach Eisenach), 37442 (nach Mainz), 80499 (nach Darmstadt). Acht Prämien von

je 25 000 Mk. (zuletzt mit 400 Mk. gezogen) auf Nr. 2902 11425 29627 44682 58388 60193 79186 80522, 3000 Mk. auf Nr. 4463 38640, 2000 Mk. auf Nr. 58400, 1000 Mk. auf Nr. 1226 2234 6139 32710 43145 45447 53457 58905 74726 74964 98182. Ohne Gewähr.

** Personalnachrichten. Am 25. M ärz b. I. würbe der K'.e.sschul nfp.kcvr bei der Kreiöschulromnus.'ion Bingen Philipp Seid auf fein Nachsuchen, unter Aner­kennung seiner langjährigen treuen Dienste, mit Wirkung vom 1. April 1903 an in den Ruhestand versetzt und ihm aus diesem Anlaß der El)arakter alsSchulrat" verliehen. In den Ruhestand versetzt wurde am 25. März d. I. der Oberlehrer an der Vckroriaschule und dem Lehrerinnen- Seminar zu Darmstadt, Professor Karl Seil auf fein Nach- fuchen, unter Anerkennung feiner langjährigen treuen Dienste und Verleihung der Krone yim Ritterkreuz 1. Kl. des Verdienstordens Philipps des Großmütigen, mit Wirk­ung vom 20. April 1903 an. Ernannt wurde am 23. Marz d. I. der Pedellgehllse an der Rea»- uni) Landwirt- schaslsschule yi Groß-llmstadt ftutl Kirchmeyer zum Pe­dellen an dieser Schule mit Wirkung vom 1. April 1903 an.

** D i e angekündigte Ausschuß sitzung des Landwirtschaftlichen Vereins für Die Provinz Oberhessen sand gestern nadpniltag im Prinzen Karl statt und war aus allen Kreisen der Provinz, wie in der Regel, gut besucht. Tie Vertreter der Regierung waren am Er­scheinen verhindert infolge der Kammerverhandlungen, so fehlten auch die Abgeordneten in unserer Sitzung, soweit sie Mitglieder unseres Provinzialausschusses sind. Don Darm- stadt war allein anwesend der Generalsekretär des Hessischen Landwirtschaftsrates, Oekonomierat Tr. Müller. Es wurden eine größere Anzahl von Mitgliedern ausgenommen und dann der Voranschlag für 1904/1905 beraten. Derselbe schließt in Einnahme und Ausgabe mit dem Gesamtbetrag von rund 98 000 Mk. ab und gab in einigen Ansätzen Ver­anlassung au Auseinandersetzungen, die aber zur Genehmig- ung des Voranschlages in allen Ansätzen führte. Eine ganze Anzahl von Gemeinden wurde im vergangenen Jahre mit täglichen Nachrichten über das kommende Wetter ver­sehen. Wenn auch anerkannt wurde, daß für große Teile der Provinz die Wettervorhersage bis zu 86 Proz. Treffern führte, so war man doch der Ansicht, daß das Vorsayren heute der Landwirtscl)ast noch keine wesentlichen Dienste leiste. Meist kommen die Wetternachrichten noch zu spat an; will man die Versendung auch in entlegene Orte sehr beschleunigen, so verteuert sich die Versendung außerordent- lich. Immerhin wurde die Verpflichtung des Vereins an­erkannt, die Wettervorhersage daourch zu fordern, daß der Verein für mindestens 15 Orte der Provinz die Abonne­ments aufrecht erhält. Tie Neuwahlen der Körkom- Missionen wurden danach erledigt, ebenso die Wahl der Preisrichter für die Tierschauen in dem Zeitraum lb03/06. Es werden wiederholte Klagen geführt über die Ver­nachlässigung der Obstdäume, a*.te, überständige, selbst ab­gestorbene Lbslbäume werden nicht beseitigt, gesunde Lbst- bäume nicht von der borkigen Rinde und von Schmarotzern befreit, und die Mühen dessen, der seine Obstbaume sorg- fällig pflegt, hinfällig gemacht. Denn aus den zu spät beseitigten abgeswibritrn Obstbäumen, auf den lebenden und nicht gereinigten Lbstbäumen finden die Obsischadlinge un­gestörte Brutstätten, von denen aus nun auch die Bäume der tüchtigen Lbstwirte immer wieder mit Schädlingen be­völkert werben. Nun ist ja durch eine frühere Verordnung in allen Landgemeinden eine Komm.sfion bestimmt, die die in der Baumpfiege säumigen Besitzer heraus,ucl;en und durch den Ortsvorstand anhalten la Jen soll, Mißstände zu beteiligen. Diese örtlichen Kommissionen scheinen aber viel­fach entiveder ihre Pflicht zu vernachlässigen oder nicht mit der nötigen Energie, gegebenen FaUs, einzuschreiten. Kurz­um, die Klagen über Insektenplage infolge lässiger Obst­baumpflege verstummen in manchen Gemeinden nicht. Nach Würdigung dieser Verhältnis^ beschließt die Versammlung, den Vorstand des Oberhe,fischen Obsibauvereins darum an- zugehen, durch feine Techniker systematisch die Baumbestände in den Landgemeinden der Provinz auf jene Mißstände zu prüfen, den Verwaltungsbeamten der Kreise über 23er- nachläsfigungen der Obstbäume Meldungen zu mailen, sodaß jene, nötigenfalls auf Kosten der Säumigen, Abhilfe schaffen. Gleichzeitig wurde auf das Hegen der insektenfrefienden Vögel aufmerksam gemacht und für die Höhlenbrüter, die in gut gepflegten Obstanlagen keine Nistplätze finden können, die Berlepschen Nistkästen für Höhlenbrüter empfohlen. Die Kgl. Eisenbahndirektion Magdeburg hatte ]id) an das Präsidium des Vereins gervandt, um die Ansichten über die Detarifierung der verschiedenen Zuctersorten bei Trans­porten im Jnlande bei uns zu hören. Der Direktor der Zuckerfabrik Wetterau, Dr. Schudt, referierte über die Frage und reichte ein Gutachten ein. Der Direktor der Zucker­fabrik Stockheim hatte der Einladung des Vereins nicht folgen können, sandte aber ebenfalls ein Gutachten ein, sodaß der Provinzialverein dank der Unterstützung jener Herren in her Lage ist, der Eisenbahndirektion Magdeburg eine unseren Vertehrsverhältnissen angemessene Auskunsi zu geben. Der Vorsitzende schloß danach die Versammlung mit dem Hinweise darauf, daß die Tätigkeit des Vereins demnächst besonders darauf gerichtet sein müsse, alle Vor­kehrungen zu treffen, um die für September vorgesehene Ausstellung angemessen ausgestalten zu können.

* Versendung von Packeten während der Ost er zeit. Die Vereinigung mehrerer Packete zu einer Postpacketadreffe ist, nach einer uns zugehenden Be- kanntmachung deS Reichspostamtes, für die Zeit vom 5. bis einschl. 12. April im inneren deutschen Verkehr nicht ge­stattet. Auch für den AuSlandsoerkehr empfiehlt eS sich im Interesse des Publikums, während dieser Zeit zu jedem Packete besondere Begleitpapiere auSzufertigen.

Wir erhalten folgende Zuschrift:

Lauierbach, 26. März.

Der Unterzeichnete erklärt hierdurch, daß er dem Arnkel nn Sautcrb. Anz.', bett. Höhere Bürgerschule Lauterbach, der auch Zbreni geschätzlen Blatte übersandt worden ist, ooUsländig fern- liebt. Tie in dem Artikel angezogene Aeutzerung eines Darmstädter Schuldirektors ist dem Unterzeichneten gegenüber nicht getan ivorden.

H. F o e r m e s, Großh. Oberlehrer und Rektor der Höheren Bürgerschute.

Bad Nauheim, 25. Maiz. Gcnern wurde un be­nachbarten cm ehemaliger Offizier angeblich wegen Wechselfälschung verhaftet und in daS Untersuchungs­gefängnis nach Gießen cmgelicfcrt.

i. Alsfeld, 25. März. Die hiesige Volks bank zeigt in ihrem Geschäftsbericht von 1902 em Gesamtvermögen von 602 542 Mk., die Passiva betragen 597,525 Mk., sodaß sich her Reingewinn für 1902 auf 5017 Mk. beläuft. 7 pEt. Dividenden gelangen zur Verteilung. Trotzdem im abge- Ifluftnen Jahre 9 Mitglieder starben, hat sich die Mitglieder­

zahl von 450 auf 457 erhöht. Unser Kriegerverein feierte am 22. d. M. fein 30jähr. Bestehen.

Darmstadt, 26. März. Infolge einer Beschwerde des Deinbauoereins Oppenh-im über die mangelhafte Kellerkontrolle in den benachbarten wciubautreiben- den Bundesstaaten, insbesondere Preußen und RHZnbayern. hat sich, nach derFrkf. Ztg.", das hessische M i n i st e - r i u m an das Reichsk^n^leraint gewendet und um Abhilfe der angeführten Mißstände gebeten. In der heutigen etabtDerorbnetenDerfammlung wurde bean­tragt. die Bürgermeisterei möge bald eine Vorlage über die Weiterführung der elektrischen Bahn­linie von der Saalbaustraße bis zur Heidelbergerstraße machen. Dann verkündete der Obeibürgermeister Mormn'.g, daß der Ober-Ingenieur und Prokurist der F.rma Siemens uno Halske in Berlin Ferdinand Cckert zum besoldeten Bei­geordneten gewählt worden sei. Beigeordneter Eckert, ein geborener Darmstädter, soll der Leckang der technischen städtischen Betriebe vorstehen. Ter seitherige unbesoldete Beigeordnete Ri dlinger verabschiedet sich darauf nach 30- jähriger Tätigkeit aus dem städtischen Tienst.

Mainz, 26. März. In der Märzvcrjammlung deS Mittelrheinischen Fabrikantenvereins hielt nach einem kurzen Bericht über die seit der letzten Versammlung angegangenen Einläufe der Reichskommissar für die Welt- ausslellung in St. LomS, Geh. Cberregicningdrat Lewald, einen Vortrag über die Weltausstellung in St. Louis 1904. Redner schloß mit dem Wunsche, die deutsche Industrie in stattlicher und eindrucksvoller Weise bei der Ausstellung ver­treten zu sehen. Die im Anschluß an den Vortrag ein­stimmig angenommene Resolution hot nachfolgenden Wort­laut:Tie am 12. März 1903 in Mainz unter Teilnahme zahlreicher Gäste stattgehabte Versau.mlung deg NUttelrhemi- ichen Fabrikantenvereins spricht sich dahin aus, daß eine möglichst umfassende Beschickung der Weltausstellung in St. LouiS 1904 seitens Deutschlands wünschenswert und geboten ist. Tie Mitglieder werden gebeten, für eine solche Be­schickung tunlichst ein^utreten*. An diesen Voruag reihte sich em Vortrag deS Dr. Alexander Tille-Berlin über: ,Die amerikanischen RiesentruslSV

- k- Mainz, 27. März. Die von verschiedenen nord­deutschen Blättern über Personalveränderungen bei der hiesigen Eisenbahndirektlon mitgeteilten Nachrichten dürften sich, wie wir soeben erfahren, bestätigen. Wte man uns mit­teilt, soll nicht allein TirektionSprästdent Breitenbach von hier in die Berliner Eisenbahndirektion übertreten, sondern auch noch ein zweites Vlitglied der hiesigen Eisenbahn- bireftton nach Berlin übertreten. Ter letztere soll durch cm Mitglied der Eisenbahndirektion in Frankfurt ersetzt werden. Diese Personalveränderungen sollen mit der bevorstehenden Umänderung der Begrenzung der EisenbahndirektiOlisbezirke Nlainz und Frankfurt zusammenhängen. Nach emer neueren halbamtlichen Bestimmung dürfen die Packwagen der Schnellzüge von jetzt ab nur am Schlüsse des Zuges mitgeführt werden. An ihrer Stelle werden hinter der Maschine sogenannte Derstellwagen eingeschoben, welche von dem reisenden Publikum nicht besetzt werden dürfen. ES sollen somit die Züge von beiden Seiten, un Kopf und Schluß, gesichert oder gedeckt fein. Außer einer größeren Sicherheit für das reisende Publikum liegt in der Steuerung noch der Vorteil, daß nun leichter ist, die zu spät cin- treffenben Gepäckstücke von UebergangSzügen mit den Schnell­zügen weiter befördern zu können.

Wiesbaden, 26. Vkärz. WieSbadenerKaiserkage nnd Maifestspiele. Nach neueren Ermittelungen darf nun- uiehr als sicher angenommen werden, daß der Kaiser auch in diesem Jahre unsere Stadt besucht und zwar Voraussicht- lich mit der Kaiserin, die den lebhaften Wunsch geäußert hat,Oberon" undArmide" an der Stätte ihrer Retreaiion dargestellt zu sehen. Es steht indes der Zeitpunkt noch nicht genau fest, wann das kaiserliche Paar hier seinen Einzug halten wird; vermutlich sind hierfür die letzten Tage des Vlai ober bie ersten des Juni in Aussicht genommen. Das Programm für die Maifestsptele ist festgestellt, doch hat es noch nicht die definitive Genehmigung des Kaisers ge- fimoen. Es kommen zur AufführungOberon',Ar- inibe*.Die Afrikanerin' unbDie weiße Dame', bie beiben letzten Werke im Style bet WieSbabener Ein­richtung. Ter Kaiser wünscht burchauS, daß dem hiesigen Jnstitilt feine Kapazitäten erhalten bleiben.

Frankfurt, 26. Mär. Im Anschluß an unsere gestrige Notiz teilen wir noch mit, wie sich die Steuerzuschläge bei bet städtischen Einkommensteuer auf die Steuerpflich­tigen verteilen. ES waren im Rechnungsjahr 1901 zur städtischen Einkommensteuer veranlagt 48 942 physische Per- sonen. Davon hatten 37 626, die 9018000 Alk. Ein­kommen versteuerten, einen städtischen Steuerzuschlag von 70 Prozent, 5550 Steuerpflichtige mit 30016000 Mk. Ein­kommen einen Zuschlag von 80 pEt. und 2495 mit einem Einkommen von 600110 500 Mk. einen Zuschlag von 90 Prozent zu zahlen. Nur 3271 Steuerpflichtige das sind etwa 6,5 pEt. der Gesamtheit hatten den vollen Zuschlag mit 100 pEt. zu entrichten. Ganz anders stellt sich bie Sache, wenn man die Summe der erhobenen Steuern ver­gleicht. Von den im ganzen von physischen Personen ge­zahlten 6 214 761 Mk. kommen nur 1 848 012 Nck. auf die Steuerzahler bie einen Zuschlag von 7090 Prozent unb 4 866749 Mk. auf die Steuerzahler, die 100 Prozent Zu­schlag zahlen.

Vermischtes.

* Derlin, 26. März. RechtSanwaltHugo MeseuS erschoß sich. Tie Ursache ist jedenfalls in unglücklichen Familienverhaltnissen zu suchen.

Eharlottenburg, 26. März. Augenentzünd- ungen führten eine Massenerkrankung in den Ge- meindeschulen herbei. Eine Mädchenschule ist bereits geschlossen.

Altona, 26. März. Der S7jährige Kaufmann MeiS auS Prag erschoß seine Frau und sich selbst, nachdem er an der Börse sein ganzes bedeutendes Ver­mögen verspekuliert hatte.

Pari«, 26. März. Zn de« Telbsimorde deS Generals Maedonald wird noch berichtet: DaS Personal deS Hotels bemerkte, daß der General nach Einpfang eines Londoner Telegramm« sehr niedergeschlagen war und sich auf