traten allein als die wirklichen und berufenen Vertreter der Arbeiterschaft zu betrachten seien und daß nur die „Furcht" vor der Sozialdemokratie die Sozialreform gezeitigt babe. Abg. Ulrich vergesse daher vor allem, daß es in Deutschland, wie z. B. in Schlesien und Westfalen, Arbeiterverbände mit Hunderttausenden von Mitgliedern gebe, die von der Sozialdemokratie absolut nichts wißen wollten. Es sei zu beklagen, daß viele Handwerker heute nicht mehr als solche, sondern als Fabrikanten gelten wollten. Er wäre der Regierung dankbar, wenn sie eine genaue Definierung des Begriffs „Handwerker" geben wollte, damit die Differenzen über die Zugehörigkeit verschiedener Betriebe zur Handwerks- oder Handelskammer vermieden würden. Er hoffe, daß die Regierung der Handwerkskammer auch in Zukunft ihre wohlwollende Haltung bewahren werde.
Ministerialrat Braun geht in längeren Ausführungen Auf die Anregungen und Wünsche der Vi.^redner näher ein, nachdem er unter Hinweis auf den Ausspruch Questenbergs im Wallenstein: „Ich habe bloß ein Amt und keine Meinung" erklärt hatte, daß er sich in den Streit der Parteien hinsichtlich der Sozialreform nicht einlassen könne. Das aber müsst er für sich persönlich sagen, daß er bisher ein „Zuviel" in der Sozialpolitik nicht gefunden habe. Er stelle sich hier au' den Standpunkt des Abg. Dr. Frenay, daß wir auf diesem Gebiete ruhig weiterarbeiten müßten. Auch er glaube, daß die Anstellung des Wohnungsinspektors sich als ein guter Griff erweisen werde. Das zeige schon die erste Tätigkeit dieses Herrn hier in Darmstadt und besonders jetzt in Erbach. Bezüglich der Beschaffung billiger Wohnungen sei im Augenblick eine gemeinsame Operation in die Wege geleitet, und die Negierung habe dafür Ausführungsbestimmungen geschaffen, die in diesen Tagen gedruckt würden, und von denen er erwarte, daß sie auch die meisten Wünsche des Abgeord. Dr. Frenay befriedigen würden. Hinsichtlich der Erfahrungen mit dem weiblichen Gewerbe-Assistenten gebe schon der vorliegende Etat Auskunft, der nach den bisherigen günstigen Resultaten die definitive Anstellung der beiden Assistentinnen vorsehe. — Der Redner geht nun noch auf die Gewerbeinspektion näher ein, und teilt mit, daß im letzten Jahre in 70 Prozent der Betriebe Inspektionen stattgefunden hätten. Die Gewerbeinspektoren seien angewiesen, von der Bestimmung über den persönlichen Verkehr mit der Arbeiterschaft möglichst Gebrauch zu machen, und dadurch würde auch die Notwendigkeit, mehr Arbeiter als Kontrolleure anzustellen, überflüssig gemacht. Eine Zentralisation der Gewerbcinspektion, wie sie Abg. Frenay wünsche, könne er nicht befürworten, dafür seien die bereits eingeführten Konferenzen vorhanden. Ein 10 stündiger Maximalarbeitstag für Frauen dürste wohl durchführbar sein. Es schwebten zur Zeit zwischen der Regierung und der Handwerkerkammer über die Abgrenzung ihrer Befugniffe Verhandlungen und die Kreisämter seien daher angewiesen, alle diesbezüglichen Maßnahmen zurückzustellen. Tie Handwerkerkämmer könne nicht beanspruchen, daß ihre Definition ohne weiteres von allen anderen Sektionen als richtig und zutreffend auerkannt werde. Die Regierung zeige der Handwerkerkammer ein Entgegenkommen, wie kaum ein anderer Bundesstaat und das sollte auch in Zukunft so bleiben. Auf die Bemerkungen des Abg. Ulrich über die Dampfkeffelinspektion giebt Redner noch eine ausführliche Statistik, wonach im letzten Jahr über 2000 Revisionen gegen nur 1500 im Vorjahr vorgenommen wurden, in jedem Monat etwa 200 und zwar von 5—6 Beamten. Mehr könne wohl nicht gut geleistet werden.
Ministerialrat Weber bemerkt kurz, daß die Regierung der Anregung auf die Mitwirkung der technischen Hochschule hinsichtlich der gewerblichen und Arbeiterschutzgesetzgebung gern Folge leisten werde, auch den, Wunsche auf ärztliche Mitwirkung bei der Sozialpolitik ihre Beachtung schenken werde.
Die Debatte wird darauf um halb 2 Uhr abgebrochen. Nächste Sitzung: Heute nachmittag 4 Uhr.
Parlamentarisches.
Berlin, 26. Febr. Bei der fortgesetzten Beratung des Militäretats in der Budgetkommission entspann sich eine längere Debatte bei der Forderung von 1500 000 Mark für einen Truppenübungsplatz in Neuhammer, sowie von 120 000 Mk. für die artilleristische Einrichtung des- -elben. General v. Gallwitz macht Mitteilungen über die üeberschreitungen im Voranschläge. Mehrere Redner sprechen sich dazu scharf tadelnd aus. Die Kommission nahm eine von Müller-Fulda eingebrachte Resolution an, nach welcher bei künftigen Forderungen für neue Truppenübungsplätze zuvor genaue Entwürfe und Kostenanschläge festzustellen und der etwa in Betracht kommende Grunderwerb durch Vorverträge zu sichern sind. Die Kommission setzte dann 5 0 0 0 0 0 sowie 120000 M k. für die artilleristische Einrichtung ab.
— Die dem preuß. A b g e o r d n c t e n h a u s e zugegangene Sekundärbahnvor läge verlangt u. a. zum Bau einer Nebenbahn von Winterberg i. W. nach Franken- ber^ in Hessen-Nassau 4 800 000 Mk., von Usingen nach Weilmünster 2 682 000 Mk., von Simmern (Castellbahn^ nach Boppard 5 791 ('00 Mk., ferner zur Beschaffung von Betriebsmitteln 5 791000 Mk. Endlich werden verlangt zur Förderung des Baues von Kleinbahnen 5 Millionen.
Berlin, 26. Febr. Die Budg'rt'ommission des Reichstages lehnte die Forderung für den Neubau einer Generalkonrmando-Dien' wohnung in Frankfurt a. M. ferste Rate 15 000 ML) ab.
Sitzung der Stadtverordneten.
Gießen, 26. Februar 1903.
Anwesend Oberbgni. Mecum, Beig. Georgi, Ass. urlchmann und 22 Stadtverordnete.
liegt ein Baugesuch des Karl Dorfeld zu ^reseck fnr das Grundstück Ecke Marburgerstraße und Tiebs- weg vor. In dem Gesuch, das von Oberbgm. Mecum verlesen wrrd,^ sagt Antragsteller, daß sein Gesuch vom vergangenen Jahre um Dispens von einigen baupolizeilichen Vorschriften für ein Gebäude an dieser Stelle, nach-
,rie5’. von der Stv. Vers, genehmigt worden, vom Ministerium abschlägig beschieden worden sei. In der Begründung des Bescheides werde u. a. angeführt, daß der damalige ^tv. Beschluß nur mit geringer Majorität gefaßt sei. Eine solche Begründung sei seiner Meinung nach doch wohl nicht zulässig. Er richte nun ein neues Baugesuch an die Versammlung, in dem die Beanstand iingen des Ministeriums vermieden seien. — Obcrbgm.
Sie waren der Meinung, daß, wenn in Frankfurt ein Bismarck- Denkmal errichtet werden solle, dann die besonderen Beziehungen deS Darzuslellenden zu der Stadt Frankfurt auS- gedrückt werden müßten. Ein Bismarck-Denkmal in Frankfurt sollte nicht nur den Reichskanzler und Gesetzgeber, sondern auch den Bismarck im Bundestag, auf der Jagd im TaunuS, beim Einzug in Frankfurt und bei der Unterzeichnung des Frankfurter FriedenSprotokolles darstellen. Ein Denkmal, das von den Beziehungen des Kanzlers zu Frankfurt ganz absieht und lediglich den der Germania in den Sattel helfenden Bismarck darstellt, ist kein richtiges Frankfurter Bismarck- Denkmal. Tas wurde vor fünf Jahren verschiedentlich ausgesprochen. Tic Opposition mußte aber bald verstummen, nachdem der Ankauf deS Sicmering'schen Modells rasch zur Tatsache geworden war. Ein großer Zeitgewinn ist indeffen durch das eingeschlagene Verfahren zum Mindesten nicht erzielt worden. Denn allem Anschein nach sind wir von der Fertigstellung des Bismarck-Denkmals noch sehr weit entfernt. Das „Franks. Journal" finbet, die nicht hinwegzuleugnende Verzögerung des Denkmalbaues sei tief bedauerlich und verlangt eine rückhaltlose Aufklärung. Bedauert wird besonders, daß seit langer Zeit keine Sitzung des größeren Denkmal- AuSschuffes stattgefunden habe. Mit Siemering sei ein fester Kontrakt überhaupt noch gar nicht abgeschloffen. Derselbe „leide an dem künstlerisch erforderlichen Stimmungsmangel" (??) und dürfe als großer Meister nicht gedrängt werden. Endlich beklagt sich das nationalliberale Organ darüber, daß das Denkmalkapstal von 150000 Mk. während der vier Jahre nicht mehr als P/gO/g Zinsen per Jahre getragen habe. Das ist allerdings sehr wenig. Von anderer Seite wird behauptet, die lange Dauer der Arbeiten erkläre sich aus den Schwierig- leiten des Gußes der Denkmalsfigur^...
Gerichtssaal.
Prag, 26. Febr. Im Prozeß gegen den AdelSfälschcr Majtsky wurde der Angeklagte wegen Betrüger und wegen Verleumdung deS Ministers Rezek und anderer Personen zu drei Fahren schweren Ker fers verurteilt.
Ikucltr Welduiutkil.
Origirräldrahtmeldurigen des Gießener Anzeigers.
Bcrltn, 27. Febr. Zur Feier deS 80. Geburtstages des früheren Botschafters, Generals von Werder, veranstalteten gestern Angehörige des Gardefüselierregiments einen Festkommers.
Danzig, 27. Febr. In Grenzdorf erschlug der Besitzer Kuppel seinen Vater mit der Axt und stellte Ich dann selbst dem Gemeindeoorstand.
Essen, 27. Febr. Aus der Zeche Nordstern bei Horste wurden 3 Bergleute verschüttet. Einer wurde getötet, die beiden andern tätlich verletzt.
Universtläls-Nachrichtea.
B o u n, 26. Febr. In der festlich geschmückten Aula der Universität, in der Vertreter sämtlicher Studenten-Ver- bindungen in Wichs mit Fahne Aufstellung hatten, fand heute mittag die feierliche Exmatrikulation des Kronprinzen statt. Der .Kronprinz, in Uniform des ersten Garderegiments, betrat, seine Tante, die Prinzessin Viktoria Schaumburg-Lippe, führend, gegen 12^/r Uhr die Aula. Es folgten Prinz Eitel Friedrich, Prinz Adolf Schaumburg-Lippe, der Kurator der Universität Dr. von Rotenburg. Auch Generaloberst von Los war erschienen. Nachdem der Kronprinz Platz genommen hatte, hielt der Rektor der Universität Zitelmann eine Ansprache, auf die der Kronprinz etwa folgendermaßen antwortete: Euerer Magnifizenz danke ich zunächist aus tief fühlendem Herren für die freundlichen Worte des Ab- schieds, die nur gewidmet werden. Die Stunde ist gekommen, in der ich meine liebe Universität Bonn zu verlassen habe. Es ist mein aufrichtiger Wunsch, in dieser Stunde meinen Dank der gesamten Lehrerschuft der Universität auszusprechen, vor allem denjenigen Herren, die die Freundlichkeit gehabt, mich in die verschiedensten Fächer der Wissenschaften einzuführen. Wenn durch verschiedene Abhaltungen, teilweise durch Vertretungen, teilweise durch andere Verhinderungen mir nicht vergönnt gewesen ist, derartig indieWissenschafteinzudringen, wie ich wohl gewollt hätte, so drücke ich hier heute an dieser Stelle mein herzlichstes Bedauern darüber aus und hoffe, daß ich durch eifriges eigenes Studium diese Lücke ersetze. Andererseits spreche ich der gesamten Bonner Studentenschaft den herzlichsten Dank für die freundliche Aufnahme und Kameradschüft- lichkeit, mit der ich unter ihr weilen durste, aus. Zum Schluß fasse ich meine ganzen Gefühle, die mich in btefer Stunde beherrschen, in dem Wunsch zusammen, daß meine liebe Universität Bonn wachse, blühe und gedeihe für viele Jahrhunderte. — Der Rektor brachte ein Hoch auf den Kronprinzen au?, in das die Anwesenden ein- stimmten. Ter Kronprinz reichte hierauf dem rector magnificius, sowie seinen Lehrern die Hand und verließ, von den Versammelten ehrerbietig begrüßt," am Arme der Prin zessin Schaumburg-Lippe die Aula. Beim Korps „Borussia" fand am Abend eine Abschiedsfeier zu Ehren des Kron Prinzen statt. Seitens des Donner Magistrats wurde dem Kronprinzen eine Sammlung von Photographien von Bonn und Umgebung in einem prachtvollen Lederkaften zum Andenken überreicht.__________
Vermischtes.
* Cincinnati, 26. Febr. Vergangene Rocht brach in den oberen Stockwerken des Opernhauses Feuer aus. Das Theater und einige anstoßende Gebäude tourten zerstört. Berichten zufolge sind Menschen nicht uprgekommen. Der Schaden wird auf über 3 Mill. Dollars geschätzt. Die Feuersbrunst ist die verheerendste, von welcher die Stadt bisher heimgesucht wurde.
Aus Stad» und Land.
t— Grünberg, 25. Febr. Gestern nachmittag zwei Uhr wurde die Bevölkerung des eine gute Stunde von hier entfernten Dorfes Harbach durch die Schelle alarmiert: es war ein Waldbrand innerhalb der dortigen Gemarkung gemeldet worden. Vermutlich durch ein von Waldarbeitern bereitetes Feuer verursacht, war das ziemlich hohe, gegenwärtig sehr dürre Gras eines unweit der Gießen-Grünberger Straße int Distrikt Bettenwald belegenen Fichtenhege in Brand geraten. Infolge des starken Windes durchlief das Feuer mit außerordentlicher Geschwindigkeit den ergriffenen, zum Glück nicht sehr ausgedehnten Teil der Hege, bis ihm erst vor d^m Hochwald, wo es nicht mehr genügend Nahrung fand, Einhalt geboten werden konnte. Auf einer Fläche von etwa einem Normalmorgen sind die durchschnittlich meterhohen jungen F'chten teils bis in die Spitze, teils nur in der unteren Hälfte versengt.
Frankfurt, 26. Febr. Fünf Jahre sind e§ bald, daß in Frankfurt ein Ausschuß zusammengetreten ist, der sich die Aufgabe gestellt bat, dem „eisernen Kanzler" ein Denkmal zu setzen Durch fieiwillige Beiträge wurden 150000 Mk. zusammengebracht. Auch ein Platz — am neuen Schauspielhaus — ist von den städtischen Behörden inzwischen zur Verfügung gestellt morden. Für das Denkmal selbst wurde ein fertiges Modell von Proieffor Siemering in Berlin angekaust, ein Modell, das s. Z. für die Stadt Berlin entworfen, von die'er aber abgelehnt worden war. Bedächtige Leute haben allerdings damals, als die Zeitungen von diesem ungewöhnlichen Vorhaben berichteten, den Kopf geschüttelt.
Arbeiterbewegung.
Aus Rotterdam wird telegraphiert: In infor*- mierten Kreisen rechnet man mit einem neuen Eisenbahner-Streik noch in dieser Woche. Die Regierung bat den holländischen Automobilklub, über alle vorhan reuen Selbstfahrer verfügen zu dürfen, um nötigenfalls die Abgeordneten nach dem Haag bringen zu können. Ein neuer Streik würde die Regierung jedenfalls gerüstet fin )en, sodaß es nicht zur gänzlichen Einstellung des Verkehrs kommen könne. Die Abhaltung mehrerer militär- eindlicher Versammlungen wurde im Haag durch Truppen Aufgebot verhindert.
Mecum bemerkt dazu, daß die Baudeputation aus denselben Gründen tote im Vorjahr das Gesuch nicht befürworten könne. Seiner Meinung nach sei das Gesuch nur ein geschicktes Spekulationsmanöver hinsichtlich der Wertsteigerung des umliegenden Terrains. — Stv. Haubach erklärt, daß er in der Baudeputation für das Gesuch eingetreten sei, weil er die vorgebrachten Bedenken nicht teilen könne. — Stv. Pirr ist derselben Meinung wie Vorredner. — Stv. Gaffky weist darauf hin, daß es bisher Grundsatz gewesen sei, die Genehmigung zu derartigen Projekten zu versagen. Ta keine besonderen Gründe für die Genehmigung des vorliegenden Gesuches namhaft gemacht seien, sei er in der Baudeputation oa- gegen gewesen. — Stv. Haubach nennt mehrere Grundstücke, bei denen Ausnahmen gemacht seien. — Danach wird das Gesuch des K. Torfelo abgelehnt.
Für Herstellung von einigen Dachkammern im Bürgermeistereigebäude werden, dem Anträge der Baudeputation gemäß, 1200 Mark bewilligt.
Desgleichen wird auf Antrag der Baudeputation eine Summe von 8200 Mark für Herstellung einesTrot- toirs aus braunen Gail'schen Klinkern in der Landgrafenstraße bewilligt. Die Hälfte dieser Summe hat die Firma Stein und Mayer zu tragen.
Stv. Hanau fragt an, warum auf dem Drand- platz kein anständiger Bürgersteig angelegt werde. Der Platz sei wegen des großen Schmutzes stellenweise unpassierbar. — Oberbgm. Mecum möchte diese Frage jetzt nicht gern angeschnitten sehen. Er habe seine besonderen Gründe dafür. Ter Platz gehöre dem Fiskus.
Dem Weißbindermeister Johannes Schäfer, der die Straßenauffüllung der Roon st raße besorgt hat, wird auf Antrag der Baudeputation eine Vergütung von 1,10 Mark pro Kubikmeter bewilligt.
Das Gesuch der Ehefiau deS Adolf Deutscher wegen Errichtung eines Selterwasserhäuschens in der Frankfurterstraße wird genehmigt.
Mit dem Beitritt der Stadt zur Hessischen Vereinigung für Volkskunde mit einem Jahresbeitrag von 20 Mk. erklärt sich die Versammlung einverstanden.
Die Kokslieferung für die Provinzialsiechenanstalt wird der Stadt für den Preis von 2.20 Mk. pro 100 kg- übertragen.
Die Kündigung des Rohrmeisters Rertweiler zum 1. April d. Js., dem in Beuthen die bedeutend höher dotierte Stelle des Installationsmeisters angeboten worden ist, wird genehmigt.
Der Ankauf von zwei Wandwinden für das Reinigerhaus im Gaswerk von der Firma Heyligenstädt hier für 75 Mk. pro Stück, und die Kosten für Herstellung eines Kleiderra umes und eines Arbeiterbades im Gaswerk, für welche Einrichtungen schon fiüher 1980 Dik. bewilligt waren, werden genehmigt.
Ebenfalls bewilligt wird die Beschaffung eines Destillierapparates für das Elektrizitätswerk für den Betrag von 300 Mk.
Die Punkte 17 und 18 werden von der Taaesordnung abgesetzt.
Die Gesuche der Restaurateure Wilhelm Petry, Bahnhofstraße 31, und Ludwig Flamme, Neuenweg 5, zum Wirtschaftsbetrieb werden genehmigt. — Damit ist die Tagesordnung erschöpft.
Stv. Krumm fragt an, ob den Straßenreinigern die Nachtarbeit, die sie jetzt leisten müßten, besonders vergütet würde. — O.-B. Mecum bemerkt, daß ihm ein Gesuch dieser Art nicht vorliege. — Stv. Krumm hofft, daß die Finanzdeputation ex officio eine Vergütung für die Nachtarbeit eintreten lassen werde.
Stv. Löb er möchte auf. einen Mißstand aufmerksam machen, der anläßlich der Versteigerung großer Partieen Holzes zu Tage getreten ist. Die Raufer fänden das Holz nicht, da die Distrikte zu ausgedehnt seien. Es müffe hier unbedingt Abhilfe geschaffen werden. Er halte e§ für notwendig und zweckmäßig, Tafeln mit Angabe der einzelnen Distrikte an den Schneisen aufzustellen. Jetzt seien dieselben nur an der Ehauffee angebracht, das genüge aber nicht. — Stv. Euler hält es für zweckmäßig, daß den Auswärtigen Orientierungskarten verkauft würden. — O.-B. Mecum verspricht, die Angelegenheit in Erwägung zu ziehen.
Stv. Pirr möchte unter Beziehung auf das dem Gieß. Anz. beigelegene Flugblatt, bett, die Expropriation des für die neuen Kliniken erforderlichen Gelände?, nochmals die Frage der Versammlung vorlegen, ob die Erbauung der Klimken an dieser Stelle nicht wichtige Jntereffen der Stadt verletze. — O.-B. Mecum würde sehr bedauern, wenn diese Frage hier nochmal? in der Versammlung erörtert werde. — Beig. Georgi schlägt vor, die Angelegenheit in der geheimen Sitzung zu beraten. — Die Versammlung stimmt dem zu. — O.-B. Mecum schließt die öffentliche Sitzung.
E? folgt geheime Sitzung.


