Grund eines gerichtlichen Urteilsspruckjes erfolgen. Wenn die Tendenz des Antrages aber nur die sei, daß Soldaten- mißhandlungen mit der Entfernung aus dem aktiven Heere geahndet werden sollen, könne er sich gegen den Antrag nicht ablehnend verhalten. Ter Antrag ward einstimmig äugen o m m en.________________
Ausland.
Brü ssel, 25. Nov. Ter Minister des Innern de Tvooz erklärte sich heute in der Kammer gegen jede Konzession aus dem Gebiete des W a h l r e ch t s sowie gegen die Ernennung sozialistischer Bür gern: ei st er.
Paris, 25. 9Lov. Tie Armeekommission der Kammer welche den Gesetzentwurf über die z w e i j ä h r i g e D i e n st - zeit nahezu durchberaten hat, fügte eine Mititärtaxe für alle Untauglichen ein, welche nicht Krüppel siird, sowie eine Junggesellen steuer für Landwehrleute, die ledig geblieben sind.
— Als die englischen Parlaments Mitglieder, die zur Erwiderung des Besuches, den französische Parlamentarier im Sommer in London ab statteten, heute in Calais landeten, richteten sie an den Präsidenten Loubet eine Depesche, in der sie ihrer Freude Ausdruck geben über das zwischen beiden Ländern bestehende herzliche Ein- vernehmen, das ein mrwidcrlegüarer Beweis aufrichtiger und dauernder gegenseitiger Freundschaft sei. Um 9 Uhr abends trasen die englischen Parlam.entarier in Paris ein. Bei ihrer Ankunft am Bahnhose wurden mehrere Ansprachen gehalten, welche die Befestigung der herzlichen Beziehungen der beiden Lander zu einander zum. Gegenstand hatten. In der Umgebung des Bahlchoses hatte sich eine zahlreiche Menschenmenge angesamnrelt, welche die Parlamentarier durch Zurufe begrüßte.
— In der heutigen Sitzung des Generalrats des Seinedepartements wurde eine Petition angenommen, der Gene- ralrat solle sich für die schi e d S ger i ch tli che R e ge lun g von Streitsachen zwischen den Machten aussprechen. Die Petition Turot zu gmrsten der fortschreitenden Abrüstung wird abgeleynt. Der Antrag Galli in dem gefordert wird, daß der Wortlaut des im Jahre 1871 von Elsaß- Lothringen erhobenen Protestes in den Schulen angeschlagen werde, wird angenommen. Berthaut urrd Rogier (Svz.) beantragen, daß das Votum der Nationalversammlung von Bordeaux, wonach die Verantwortung sür den Krieg i m I a h r e 1870/71 dem Kaiserreich zur Last gelegt wird, in den Schulen angeschlagen werden soll. Dieser Antrag wird angenommen.
Wien, 25. Nov. In der gesrrigen R e i ch s r a t s s i tz - ung ereignete sich, ein Zwischenfall, indem der Altdeutsche Stein bei wiederholten Zwischenrufen der Tschechischradikalen während der Rede des Ministerpräsidenten v. Körber rief, Abg. Fresl hat im Belgrader Konak Uhren gestohlen. Zur Rede gestellt, erklärte Stein, für seine Behauptung den Wahrheitsbeweis antreten zu wollen. Er nannte als Quelle zwei tschechische Journalisten. Fresl will die letzteren gerichtlich belangen.
Newyork, 25. Nov. Nach einer Blättermeldung aus Panama ist die dortige Regierung bereit, einen großen Teil der kolumbischen Schuld zu übernehmen.
— Nach Depeschen aus Puerto Plata flüchteten der Präsident Wos y Gil und die Minister bei der Ueber- gabe der Stadt Santo Domingo an Bord eines im Hafen liegenden deutschen Schisses. — Einem Telegramm aus Santo Domingo zufolge feuerten die Aufständischen gestern auf die im Hafen liegenden Leichterschiffe. Ein Dampfer der Hamburg-Amerika - Li nie, welcher Munition für das Re gier ungs fort auslud, erwiderte das Feuer, um die Löschung der Ladungen zu erleichtern.
Aus Studt unii Kuuü.
Gießen, 26. November 1903.
— Zu Großherzogs Geburtstag waren gestern, wie man uns mitteilt, u. a. die Bureaus der Gerichtsschreibereien hier vormittags geöffnet.
** Polizeibericht. Am 24. d. M. abends wurde auf der Baustelle der Kanalisation in der Löwengasse ein der Firma Jäger u. Rumpf gehöriger gußeiserner Siedkeffel durch Steinwürfe demoliert. Der Täter ist in der Person eines Schlofferlehrlings ermittelt und angezeigt worden. — Vorgestern abend erschien ein fremder Mensch in einer Wirtschaft der Bahnhosstraße, zechte und bestellte verschiedene Runden Bier für andere Gäste, um sich dann, ohne die Zechschuld zu bezahlen, aus dem Staube zu machen. Anzeige wurde erhoben. — Vor einigen Tagen wurde ein Lindenb äumchen in der Westanlage stark beschädigt. Der Täter, welcher die Beschädigung mittelst eines Spatens ausführte, wurde ermittelt und angezeigt.
** Den Tod derPrinzessrn Elisabeth hat schnell eine Fülle von Legenden umsponnen, deren abscheulichste ein polnisches Blatt verbreitet, das natürlich nichts Eiligeres zu tun hat, als seinen Schwindel in alle Welt auszuposaunen und in eine Reihe deutscher Blätter zu lancieren. Der „Dziennik Poznanski" (Posener Tageblatt) bringt in seiner Ausgabe vom 25. November folgende Nachricht:
Aus Wien wird uns gemeldet, daß der Tod der Prinzessin Elisabeth von Hessen in Skiernewiee nicht auf Cholera oder Typhus zurüctzusühreu ist, sondern aus eine Vergiftung mit Strychnin. Das Gift sei einer Speise beigemengt gewesen, und sei für den Kaiser und die Kaiserin bestimmt gewesen. Der Zar habe von der Speise nicht gegessen und fei gesund geblieben. Dagegen haben die Prinzessin und die Kaiserin von der Speise genossen. Tie Prinzessin sei plötzlich gestorben und die Kaiserin liege jetzt an den Folgen der Vergiftung trank darnieder.
Eine haarsträubendere Schauermär ist wohl selten ersonnen worden. Aus Wien soll die Nachricht kommen, sie ist aber zweifellos von polnischen Zarenhassern erfunden, und es ist dringend von Nöten, daß von jeder Seite, die dazu in der Lage ist, diesem greulich bösen, falschen Gerüchte aller Boden entzogen wird. Gerade rechtzeitig kommt nun folgende Auslastung der „bleuen Hess. Volksbl.":
Ter mancherlei törichten Märchen wegen, die um den Tod und die letzten Stunden der verewigten Prinzeß Elisabeth sich zu bilden begannen, haben wir an durchaus wohlunterrichteter Stelle Erkundigungen ein gezogen. Was die Ursache an dem schnellen Hinscheiden des armen Fürstenkindes war, wurde ja au Grund der ärztlichen Tepescyen auch in diesen Blättern schon verösfenilicht. Wie plötzlich die Krankheit, deren Keim ja, wie das bei Typhus durchaus keine seltene Erscheinung ist, schon längere Zeit im Körper des Kindes vorhanden gewesen sein mag, schließlich zum Aus
bruch kam, geht schon daraus hervor, daß die kleine Hoheit sich noch am Samstag mit Radfahren vergnügte. Am Sonntag früh sprach man in der näheren Umgebung wohl von „einem verdorbenen Magen" der Prinzessin, doch kann von keinerlei ernsten Bedenken die Rede gewesen fein, denn nachmittags noch Vergnügten sich die kleinen Großfürstinnen und ihr Cvusmchen mit Öen Vor- jül/cungen eines Kinematographen. Aerztliche Aussicht fehlte ja keinen Augenblick, denn selbstredend war der Leibarzt im Schlosse. Tie Tage unseres Prinzeßchens waren gezählt und menschliche Kunst, Sorgfalt und Pflege konnten sie nicht verlängern. Von auswärts aber sucht man jetzt zu verbreiten, Se. Kgl. Hoh. der Gwßherzog sei in den Schreckensstunden, die ihm sein Kind raubten, garnicht in Skiernevice gewesen, sondern habe sich auf einem Jagdausfluge in entfernten Revieren befunden, wohin ihm eine Nachricht zu senden ganz unmöglich gewesen sei. Demgegenüber können wir hier auf das bestimmteste versichern, daß der besorgte Vater und hartgeprüste Fürst vom Moment der Erkrankung seines Lieblings an bis zu dessen letzten Atemzügen, also die ganze lange Nacht hindurch (Prinzeß- lein hauchte bekanntlich morgens um V2IO Uhr jein Seelchen aus) bei seinem Kinde war. Auch das russische Kaiserpaar weilte vom Aäorgengrauen an treulich stützend und tröstend an seiner Seite, jo unsagbar schwer beide, vor allem die Zarin, selbst mit litten unter dem herben Weh dieses harten Schicksalsschlages.
** Der erste Schnee ist heute hier niedergegangen. Ein trüber Himmel kündigte ihn früh morgens an. Gegen 12 Uhr flogen große Flocken in großen Mengen nieder, und die Geschäftsinhaber, die in erster Linie den rechten Winter herbeiwünschen, hegen beim Blick in das Flocken- gewirbel die Hoffnung, daß es auch bald etwas kälter werde.
sd. Darmstadt, 26. Nov. (Drahtbericht.) Prinzessin Heinrich von Preußen verläßt heute abend, Prinzessin Ludwig von Battenberg morgen mittag, das Großfürstenpaar Sergius Samstag abend Darmstadt.
Mainz, 25. Nov. Nachdem Einbrecher in mehrmaligen Besuchen das Gartenhaus eines hiesigen Privatmannes in der Nähe von Kostheini vollständig ausgeplündert hatten, fanden sie, als sie gestern Nacht wieder kamen, nichts zum Mitnehmen. Dafür ließen sie folgendes Schreiben zurück: „Ein jchönen Gruß an den Gartenbesitzer: Da wir unseren Besuch wiederholen und bald wiederkommen, so bitten wir, uns doch einige Flaschen Wein liegen zu lassen, damit wir bei unserem Besuche und unserer Arbeit auch unseren Durst löschen können." (M. Tgbl.)
Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. In Hanau errangen in den Stadt- Verordnetenwahlen dritter Klasse die gemeinsamen Bürgerlichen über die sozialdemokratische Linke den Sieg. — In Mainz haben die Beisitzer des Gewerbegerichts beschlossen, für die Folge die Wahlen der Gewerbegerichtsbeisitzer an Sonntagen vorzunehmen. — Die Handelskammern in Fr a n k- urt und Darmstadt haben sich dem Protest der rheini- chen Handelskammer gegen die Einführung von Rheinschiff- ahrsabgaben angeschlossen. — Im Postgebäude zu Eber- tadt wurden von einem Unbekannten 4 Hundertmarkscheine zestohlen. Der Täter wird von der Großh. Staatsanwalt- chaft Darmstadt gesucht. — Trotz der täglichen Warnungen, kein Petroleum ins Feuer zu gießen, tat dies das 23jährige Dienstmädchen Marie Magdalene Rauch in Zornheim. Das Mädchen wurde dabei an Gesicht und Händen schwer- verbrannt und mußte nach Mainz in das Rochus Hospital gebracht werden.
Vermischtes.
* Berlin, 25. Nov. Infolge Unterganges seines Schiffes ist ein Fischer mit seiner Frau und Tochter bei Pilsum ertrunken. Der Sohn wurde durch ein Rettungsboot geborgen.
• Berlin, 25. Nov. Auf der Vorortstation Stralau- Rummelsburg warf sich ein Mann mit seinen beiden Kindern auf d i e Schienen, als ein Zug einlief. Der Vater, und ein Kind sind tot, dem zweiten Kinde wurde das rechte Bein abgefahren. Der Beweggrund zu der Tat ist wahrscheinlich der vor wenigen Tagen erfolgte Tod der Ehefrau.
* Berlin, 25. Nov. Als gestern eine Abteilung Mannschaften des 4. Garderegiments über eine Brücke in Moabit marschierte, trat plötzlich ein Mann aus dem Gliede und schwang sich über das Brückengeländer in den Kanal. Der die Abteilung begleitende Unteroffizier sprang sofort nach und rettete den Lebensmüden.
j * Bonn, 25. Nov. Ein h ö ch st bedauerliches folgenschweres Versehen ist, wie die „Deutsche Reichszeitung" vernimmt, in der hiesigen U n i v e r s i t ä t s - frauenklinik vorgekommen. Eine noch nicht lange dort tätige frühere Schwester vom Roten Kreuz hatte die Nachtwache übernommen. Sie sollte einer Patientin, der Frau Major F. ein Schlafmittel reichen, vergriff sich aber in der Flasche und gab eine starke Dosis eines giftigen Präparates. Ob es der Kunst der Aerzte gelingen wird, die in hoher Lebensgefahr schwebende Dame zu retten, ist sehr fraglich.
• Wien, 25. Nov. In derH 0 sburg entstand heute vormittag ein Schorn st einbrand,deri ndessen bald gelöscht wurde.
* Küdara, 25. Nov. In dem benachbarten Pardubitz ist die gesamte Familie des Stationsvorstehers an Ver gistun g durch eine Pilzsuppe schwer erkrankt. Die beiden Kinder sind bereits geworben.
'DieneueDresdenerPrinzessinaffaire. Nach den „Dresd. Nachr. ist von einer Flucht der Prinzessin Schönburg-Waldenburg mit einem Bedienten keine Rede. Die Prinzessin lebt mit ihrem Gatten in Scheidungs- prozeß. Das Ehepaar befand sich seit dem vorigen Jahr in Steiermark und ist bereits seit dem Frühjahr getrennt. Nach einer Meldung ans Dresden ist binnen kurzem der Scheidungsprozeß vor dem Oberlandesgericht zu erwarten. — Wie aus Venedig gemeldet wird, richtete Don Carlos ein Rundschreiben an seine Anhänger, worin er den „T 0 d" der entflohenen Tochter mittcilt. Als vor Jahren eine andere Tochter, Prinzessin Elvira, mit dem Maler Folchi entfloh, tat Don Carlos das Gleiche. — Nach einer Meldung des Londoner „Daily Mall" aus Mentone weilt die Prinzessin gegenwärtig mit ihrem Kinde und der Baronesse
Nostiz in Zurückgezogenheit in Sori an der italienischen Riviera. Die Prinzessin kam im September nach Rom und beriet sich dort mit mehreren Kardinälen.
* Infolge Sturzes aus einem Automobil starb in London Sigmund L 0 ewe, ein Bruder des Ber- liner Großindustriellen Isidor Loewe.
Eine für Immobilienmakler wichtige Entscheidung ällte am 14. d. M. die Strafkammer in Gießen in der Strafsache gegen den Immobilienmakler A I. wegen Betrugs. Im Jahre 1901 ging die Gastwirtschaft „zur Germania" in Lollar durch Vermittelung des I. von deren langjährigem Besitzer Heinrich Geißler VI. auf den Wirt Fritz Krämer für 46 500 Mk. über. Schon ein Jahr später sondierte I. bei Krämer, ob er nicht Willens sei, eine Wirtschaft zu veräußern, was dieser zunächst verneinte. Um ihn nun emem Besitzwechsel geneigter zu machen, machte I. dem Krämer das Anerbieten, für die Veräußerung des Anwesens zu dem Preis von 55 000 Mk. besorgt sein zu wollen, roemi er 3000 Mark Provision hierbei erhalte. Nach einiger Lieberlegung ging Krämer auf den Vorschlag em und unterschrieb später einen Revers, wonach er von dem Kauferlös 52 000 Nit. und I. als Provision für die Vermittelung des Verkaufs den Mehrerlös über 52 000 Alk. bis zum Betrag von 55 000 Mk. erhallen solle; es wurde noch ausgemacht, daß Krämer 60000 Mark anfordern solle. Auf eine Annonce hui meldeten sich nun bei I. als Kaufliebhaber die derzeitigen Inhaber der Germania. Nachdem sie auf eine Anfrage von I. den Bescheid erhalten hatten, daß er ein Kaufobjelt unter ausnahmsweise günstigen Bedingungen an der Hand habe, kamen te nach Gießen zu ihm. Hier ließ sie I. — ohne zunächst das Objekt zu nennen — einen Revers unterschreiben, in dem sie sich ür die Vermittelung des Ank au f s zur Zahlung einer Provisiion von 2 Prozent des Kaufpreises verpflichten, die nach dem Revers auch zu entrichten war, menn I. etwa auch vom Verkäufer eine Provision erhalte. Bei dieser Gelegenheit ließ I. auch verlauten, daß er eine Vergütung von Kramer erhalte, ohne jedoch näheren Aufschluß über ihre Höhe und Art zu geben. Noch am selben Tag tarn der Kauf in Lollar zu Staude, nachdem Krämer zunächst 60 000 Mk. gefordert und I. hierauf den Kaufpreis auf 55 000 2)1?. herabgedrüctt hatte. Später über die Atanipulationen des I. unterrichtet, verurteilte das Landgericht und Oberlandesgericht auf die Klage deS Kübler hin den J. zur Rückzahlung der Provision von 1100 Mark mit der Begründung, daß I. nach dem Gesetz feinen Anspruch auf Provision seitens des Kübler habe, da„ er dem Interesse dieses zuwider für den Verkäufer und sich tätig geroejen sei. — Die Strafkammer steht im wesentlichen auf dem Standpunkt der Zivilgerichte: auch sie erkennt an, daß der.Makler im Interesse beider Teile tätig fein und hierfür von beiden Teilen eine angemessene Provision beanspruchen kann, in einzelnen Fällen selbst darm, roenn die Provision von Seiten des Verkäufers eine besonders hohe ist, — vorausgesetzt, daß der Makler nicht durch ihre Stipulierung derartig für die Interessen des Verkäufers und seiner eigenen engagiert wird, daß für ihn für die Wahrnehmung der Interessen des Käufers kein Olaum mehr bleibt. Auch eine Pflicht des Maklers, dem Käufer Auskunft zu geben über die ihm vom Verkäufer zugesagte Höhe und die An der Provision besteht nach Ansicht des Gerichts nicht — wohl aber für den Makler die rechtliche Verpflichtung, die Wahrnehmung der Interessen des Käufers ab- zulehnen, wenn diese mit denen des Verkäufers oder des Maklers in unvereinbarem Gegensatz stehen, wie in gegebenem Falle. Ter Angeklagte hat dies nicht getan, obivohl er wußte, daß nach dem getroffenen Abkommen die Wahrnehmung feinerund des Verkäufers Interessen, die auf Erzielung des möglichst hohen Preises von 55 000 Mk. gerichtet waren, die die Käufer, die naturgemäß möglichst billig zu kaufen suchten, ausschlosfen. Dadurch, daß er das Abkommen verschwieg, hat er in den Käufern den irrtümlichen Glauben erweckt, daß er unbeeinflußt in gleicher Weise beider Teile Interessen wahrnehmen lueröe, und dadurch, daß er sich für feine Vermittelung eine den üblichen Satz von V2 Proz. übersteigende Provision von 2 Proz. des Kaufpreises = 1100 All. versprechen ließ, stillschweigend eine erhöhte Jnteressenwahrnehmung den Käufern zugesichert, — zwei Manipulationen, durch die die Käufer veranlaßt wurden, dem Angeklagten eine Vermlltelungsaebühr von 2 Proz. zu zahlen, auf die er, wie er wissen mußte, nach dem Gesetz keinen Anspruch hatte, da er in einer dem Interesse des Käufers völlig zillviderlaufenden Werse für feine und des Verkäufers Interessen taug war. Um diesen Betrag, dessen Erlangung er beabsichtigt hatte, Hal er den Käufer auch geschädigt, zumal der Wert des Objektes nicht einmal dem des Kaufpreises entsprach. Hätte der Angeklagte sich darauf beschränkt, ohne als Alakler aufzutreten, dem Käufer blos das Objekt zu nennen, so hätte ihm nach Ansicht des Gerichts em Anspruch von V» Proz. = der üblichen Provision, die ein Makler gewöhnlich vom Käufer hierfür erhält, gebührt, und insoweit hält das Gericht auch nicht für feslgestellt, daß der Angeklagte das Bewußtsein unt) die Absicht der Schädigung des Kübler hatte. Es erfolgt daher wegen dieses Betrugs Freisprechung, — desgleichen wegen des die Kausjumme von 52 000 Mk. übersteigenden Betrags — der Wert des Anwesens wurde nur zu 52 000 Mk. angenommen — da der Causal zusammenhang zwischen Täuschung und Kauf nidii für sestgestellt erachtet wurde. — Der Angeklagte wurde daher nm wegen Betrugs in Höhe von 825 Alk. = V/s Proz. der von Kübler gezahlteii Provision verurteilt. — Strafmildernd kam in Betracht die in Maklerkreis en vielfach herrschende recht laxe Auffassung über das Maß der Veraiitwortlichkeit, das durch Eingehung von Alakler- geschäften übernommen wird. ___
Getichtssaal.
Gießen, 24. Nov. Straftammersi^nng. Nach» dem in der Ärassach^e gegen den Agenten A. I- von Gießen wegen Betrugs ein verurteilendes Erkenntnis des Gerichts von vier Vüonaten Gefängnis verkündet worden war, trat das Gericht in die Verhandlung gegen den,^9löhner Hrch. Sch. und den Rechtskonsulenten vnlgo Käser W. P. von Schlitz wegen Urkund en fälsch ungund Er- vrefsungsversuches. Die 15jährige Tochter des Sch Diente nämlich bei Bäckermeister Ludwig I- tn Schlitz als Dienstmädchen und war sehr widerspenstig.^,Ihre Dienstherrin aber, Lottchen I., übernahni der Wiider,penstigen Zähmung und versetzte ihr ah und $u „eine, zwei, auch drei Ohrfeigen". Ties gefiel jedoch der Letzteren so wenig, daß sie ihren Dienst ausgab und bei der Gendarmerie gegen, ihre Dienstherrin Strafantrag wegen körperlicher Mißhandlung stellte. Die Mutter der Dienstyerrin aber war eine verständige alte Frau und entschieden diplomatifch veranlagt. Sie sagte zu ihrer Tochter: „Lottchen, das darfst Du nicht wieder tun", dann ging sie zu der jungen Sch., gab ihr zunächst ein Geldgeschenk von vier Mark „für einen schönen neuen Rock" und brachte sie durch freundliches Zureden schließlich dahin, daß sie zu ihrer Dienstherrschaft zurückkehrte, aber nur für die Dauer eines Tages. Denn als sie abends nach 10 Uhr die Wohnung ihrer Dienstberr- schast verschlossen sand, verließ sie für immer ihre Stellung. Des anderen Tags aber erschien an ihrer Stelle ihr Vater, der Angeklagte Sch., und verlangte den chr zukommenden Lohn bis zum Schlüsse des lausenden Monats, und quittierte mit dem Vermerk „ahschläglich erhalten". Darauf wandte er sich an den Mitangeklagten, den damaligen stellenlose Küfer P., der sich int „Scylitzer Voten" einem geehrten Pudlikum von Schlitz und Umgegend zur Anfertigung von Steuerreklamationen und Schreibe-Artikel aller Art bestens empfohlen hatte. Dieser verfaßte nun einen Bries, in welchem es u. a. hieß: „Im Austrag des Herrn Sch ersuche ich Sie, sich mit diesem ahzusinven und dern Mädchen zu geben, was ihr gebührt", andernfalls war Anzeige, bei der Staatsanwaltschaft wegen Mißhandlung in Aussicht gestellt und auf eine zu erwartende hohe Strafe hin gewiesen. Dieser Brief trug als Unterschrift einen fingierten, mr-


