Rußlands und Oesterreich-Ungarns in Konstantinopel mit- geteilt Nach Beratung über die lokalen Verhältnisse sollten sie ein ausführlicheres Reformprojekt für die drei Vilajets ausarbeiten. Nach Genehmigung desselben durch beide Regierungen wurde dasselbe am 17. Fcb.uar den Signatar- Mächten vertraulich mitgeteilt, um die Angelegenheit im Falle der Billigung Rußrands und Oesterreich-Ungarns bei der Pforte zu unterstützen. Frankreich, Italien, Deutschland und England drückten ihre volle Bereitwilligkeit dazu aus. Tie Botschafter Rußlands und Oesterreich-Ungarns wurden sodann beauftragt, das Reformprosekt dem Sultan vorzulegen.
Nach Darlegung der Reformvorschläge wird dann in dem Kommunique weiter ausgcführt: Diese Maßnahmen, welche in der Zukunft eine weitere Anwendung finden können, erscheinen genügend, eine weseniliche Verbesserung des Lebens der Christen zu sichern. Außerdem soll in einigen Gegenoen unter der Leitung der Botschafter in Kon^antmopel eine ausreichende Kontrolle durch die Konsuln über die Anwendung der Reformen eingerichtet werden. Bei der Benachrichtigung der Vertreter aus der Bal- kanhalbinscl über die erzielten Resultate habe die kaiserliche R.gftrung es für n<mg Kfuntnn, m.g.ichst wetten Reform.crung Der fiatoi|uAn Srämme den Befreiern "Rußlands abermals die in diesem Falle leitenden Grundsähe einzuschürfen. Tie durch Opfer Rußlands zueinem selbständigen Leben berufenen Batt'anstaa- ten dürfen zuversichtlich auf die beständige Fürsorge d c r k a i s e r i i ch e n R e g i e r u n g für tatsächliche Bedürfnisse und auf den mächtigen Schutz der geistigen und materiellen .Interessen der Christen rechnen, dabei aber nicht aus dem Auge verlieren, daß Rußland nicht einen Tropfen Blut seiner Sohne und auch nicht den kleinsten Teil des Erbes des slawtschen Voltes opfern wird, wenn die slawischen Staaten, entgegen rechtzeitig erteilten und besonnenen Ratschlägen, durch revolutionäre und gewalt,ame Mittel eine Veränderung der Staatsordnung aus der Balkanhalbinsel anzustrebeit sich entschließen sollten.
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Tie rasche Annahme der Reformnote durch die Pforte ist, abgesehen von den der Pforte zugegangenen Jnsorma- tronen über das die Note unterpützende Verhalten der übrigen Mächte, den Ratschlägen des Großveziers zu danken, sowie der Haltung des dstrcich-ungarischen und russischen Botschafters gegenüber den Abgesandten, die der Sultan nach Uebergabc des Memorandums wiederholt zu ihnen geschickt halte. Ein Irade ordnet die Einrichtung von Filialen der Ottomanbant in Monastir und Uestued an. In Saloniki besteht bereits eine Filiale.
Parlamentär rftyeS.
Berlin, 25. Febr. Die Budgetkommission des Reichstages setzte die Beratung des Militäretats beim Extraordinarium Kapitel 5 fort Bel Titel 20, Neubau des Bekleidungsamtes des 9. Armeekorps in Bahrenfeld, werden von 300 000 Nit. 150000 Äll. abgesetzt Der Titel 55, Herstellung vorläusiger Unterkunft für eine Eskadron Jäger zu Pferde in Graudenz, wird gestrichen. Dann verhandelte man über die Forderung eines Neubaus für das Generalkommando in Frankfurt. Sämtliche Redner sprachen sich gegen diese Forderung aus. Zu einer Abstimmung kam es nicht, doch wird die Position voraussichtlich morgen a b - gelehnt werden.
Dresden, 25. Febr. Der Ausschuß der national- liberalen Partei des Königreichs Sachsen beschloß mit allen gegen eine Stimme, das Kartell mit den Konservativen, Antisemiten und dem Bunde der La ndwirre abzuschließeu. doch soll sich dasselbe nur auf die Reichstagswahlen beschränken, und für die im Herbst stuttfindr-nden Landtagswahlen nicht binoend sein.
Stuttgart, 25. Febr. Die Finanzkommission setzte die Beratung über den Etat des Ministeriums des Innern fort Benn „Landjägerkorps" wurden wieder die Wünsche nach einer Verminderung der Offizier- fteilen vorgeschlagen. Der Minister verhielt sich ablehnend. Der Antrag, die Stabsaffizierstellen bei Freiwerden durch eine einfache Bezirksoffizierslelle zu ersetzen, wurde angenommen. Bei dem Kapitel „Irren-Anstalten" machte Abg. Kloß darauf aufmerksam, daß auch nach Eröffnung der neuen Anstalt in Weinsberg dem Bedürfnis nicht genügt werde. Der Regierungsoertreter erwiderte, daß bei der rapiden Zunahme der Kranken die Regierung an eine Erweiterung der Anstalten oder an die Errichtung neuer denken müsse.
Prozeß ßruer.
Leipzig, 25. Febr.
Auf Befragen des Präsidenten, warum in dem Protokoll der Aussichtsratssitzung vom 20. Februar 1900, welche die Bilanz und den Geschäftsbericht fertigstellte, die Tr^berengagemenls nicht erwähnt seien, bemerke Exner, dies sei mit Rücksicht auf die Konkurrenz geschehen, die sonst der Leipziger Bank einen so guten Kunden zu nehmen versucht hätte. Bankier Plaur erklärt, eine Bank von 48 Millionen Kapital, die, wie die Leipziger Bank, 51 Millionen verliehen habe, hätte dies ihren Aktionären mitteilen müssen. Wäre dies geschehen, ]>?■ wäre der Zusammenbruch schon damals fertig gewesen. Im weiteren Verlaufe der Verhandlungen kommt die Bckdung des Treocrhausse- Eonfortiumo, zur Sprache. Ter Vorsitzende hält Exner vor, alle Geschäfte _ seien augenscheinlich unternommen, um einen möglichst geringen Besitz an Treberaktien in die Bilanz stellen zu können. Exner bestreitet das. Ta die Leipziger Bank dem Konsortium angehörte, hätten die Geschäfte auf das Konsortialkonlo gebracht werden müssen. Es kommt der Vorschuß zur Sprache, den die Leipziger Bant der Trebergesellschaft zum Zwecke der Gründung einer russischen Tochtergesellschaft gegeben Hal- Tie Leipziger Baur hat dafür von der russischen Gesellschaft einen Garantieschein über zu liefernde 3 #.50 000 Mk. Obligationen erhalten. Exner bemerkt, es fei kein neues Geschäft gewesen, sondern habe im Rahmen des Aufsichtsratsbeschlusses gelegen, nach welchem der Treberaesellschaft ein Kredit bis 10 Millionen Mark gewährt werden sollte. Sachverständiger Plaut bemerkt, das Geschäft habe ebenfalls den Zweck gehabt, die Trebergesellschaft zu enilasten. Es sei völlig unzulässig, Werte zu beleihen, die noch gar nicht existierten. Sodann werden mehrere Geschäfte, die als Reportgeschäfte bezeichnet wurden, untersucht. Tie Sachverständigen bestreiten, daß es Reportgeschäfte seien. Die Geschäfte seien augenscheinlich nur zur Täuschung der Zulassungsstelle der Berliner Börse geschlossen morden. Darauf wird die Verhandlung auf morgen vormittag 9 Uhr vertagt.
Vtrnlischles.
* Berlin, 25. Febr. Ans dem Lehrter Bahnhof machten heute Abend zwei aus Halle zugereiste Knaben von 14 bezw. 15 Jahren einen Selbstmordversuch. Sie schossen sich in die Brust und wurden schwer verletzt in die Charits gebracht.
* Posen, 25. Febr. Der seit einigen Tagen ver- chwundene Regierungssekretär Karnetzky aus Posen wurde in der Nähe von .Krummhübel (Schlesien) erfroren aufgefunden.
* Mannheim, 25. Febr. Die Verhaftung zweier angesehener Persönlichkeiten wegen Sittlichfettsvergehen erregte in weiteren Kreisen peinliches Aufsehen. T^er eine )cr Verhafteten ist der attkatyolische Stadtpfarrer Bauer, ein hoher Sechziger, der anoere der Bankbeamte Arthur Benckiser.
* Paris, 25. Febr. Gestern abend kam es im Theater Grand Guignel zwischen zwei Journalisten zu einem charfen Wortwechsel, dem ein Zeugen-Austausch folgte. Das Due ll wird in den nächsten Tagen stattfinden.
* Vigo, 25. Febr. Während des gestrigen Faschings- treibcns kam es anläßlich der Verhaftung eines Maskierten zu einem Zusammenstoß zwischen der Polizei und einem Volkshaufen, der für den Verhafteten Partei nahm. Da die Polizei in Bedrängnis geriet, erschien eine kleine Abteilung Infanterie. Sie gab, angeblich auf Befehl des Leutnants, Feuer auf die Menge. Ein 13jähr. Junge wurde getötet, fünf andere Personen verwundet, darunter eine tätlich, die auch alsbald verstarb. Die Volksmenge hatte ich maskiert, um so besser gegen den ihr verhaßten Polizei- Inspektor zu demonstrieren. Letzterer hatte die Polizisten bei öfteren unbedeutenden Anlässen mit dem Säbel auf die Menge einhauen lassen. Der Bürgermeister reichte feine Demission ein. Heute sind alle Läden zum Zeichen der Trauer geschlossen.
* Prag, 25. Febr. Wie im sächsischen Hochlande, wurden vorgestern und gestern auch in Graßlitz und Umgebung heftige Erderschütterungen mit unterirdischem Rollen wahrgenommen. ES wurde fein Schaden angerichtet
Zan-cl uni» Uerkchr. Uollnwirlschast.
— BuderuSsche Eiscuwerke, Wetzlar. Wie der „Fttf. Zlg." mitgeteilt wird, wurden in der Sitzung des Auffichtsrais, in der der Abschluß für 1902 vorgelegt worden ist, die Abschreibungen auf Mk. 750 000 (:. V. Mk. 854 822) und die Zuweisung zur Erneuerungs-Reserve auf Mk. 500 000 (im Vorjahre Mk. 850 000) festgesetzt. Diese höhere Rückstellung erfolgte, weil infolge der geplante« direkten Verwertung der Hocbofengase umfangreiche Er- neuerungs- und Ersagbanten erforderlich sind, die eine erhebliche Inanspruchnahme der Erneuerungsrücklage in 1903 bedingen. Ter Reingewinn belauft sich danach auf 'Ulf. 497 251 (i. V. All. 752 865). Der am 24. März d. I. in Frankfurt a. M. stattfindenden Generalversammlung soll eine Dividende von 5 pEt. (i. V. 7 pEt.) air das Aktienkapital von Mk. 7 Milioncn vorgeschlagen werden; außerdem sind All. 24 862 ('.Dir. 37" 643) für die Reserve, Mt.42711 (All. 64 831) als Tantiümen für Aufsichtsrat und Vorstand, All. 30 000 (All. 100 000) Zuweisung zum Untersiützungsbestand, Mk. 20 000 (Alk. 14 000) für Gratifikationen an Beamte und für gemeinnützige Zwecke vorgesehen, wonach als Vortrag Mk. 21365 (Mk. 16 688) bleiben.
Frankfurt a. VI., 24. Febr. Tie Providentia, Frank furter Versicherungsgesellschaft, schlagt wieder 50 All., die Rück- verücherungsaklietigeiellschaft Providentia wieder 55 All. Tun- dende vor.
Kassel, 24. Febr. In dem Konkursverfahren über daS Vermögen der Trebertrocknungs-Gesellfchaft bringt der Konkursverwalter nwimehr an die nicht bevorzllgien Gläubiger eine Abschtagsdwidendc von 2 */, pEt. zur Auszahlung.
Märkte.
Gießen, 26. Febr. ich Marktbericht.) Ter gestrige Schweinemartt hatte einen Auftrieb von 650 bis 700 Stück Tiere, darunter etwa die Hälfte F-erkel. In der ersten Stunde oot der Markt ein Frühes Bild, es fehlte an Kundschaft, und die wenigen Reflettanten, die gekommen waren, verhielten sich den immer noch hohen Preischrder- ungeit der Verkäufer gegenüber ablehnend. Später fand sich so nach und nach die Kundschaft ein, aber ein flotter Handel kam überhaupt nicht in Gang. Tie Lanoleute scheuen bei der durch die ftühcren Hohen Preise hervor- gerufenen Neberproduktton tn fetten Schweinen, die ein Sinken der Preise verursacht hat, davor zurück, Magervieh, noch dazu bei den setzt cingetretenen hohen Kartoffelpressen, zu mästen, hierzu kommen die immer noch Höpen Preise für Jungvieh, von denen die Käufer behaupten, sie stünden nicht im Verhältnis zu den Preisen des Fettoiehes. Das Geschäft in F-erkeln wurde gegen Schluß des Marktes noch recht lebhaft, in Springern und )u}roereren Ein reg-- schweinen waren lhc Umsätze jedoch sehr unbedeuteno. Die gezahlten Preise aller Gattungen entsprachen den Preisen der letzten beiden Märkte. Von dem Vorrat blieb ein erheblicher Teil unverkauft.
Arlleiterliewegung.
Aus Rotterdam meldet man: ^nt ganzen Lande sind jetzt die Bahnhöfe mit Sicherheitswachcn von Truppen, Polizisten, Landwehr-Soldaten und Freiwilligen besetzt. ES wird fein Urlaub mchr erteilt. Die neue Depeschenzensur gegen die Arbetterführer kam gestern zum ersten Male in Saarbant in Anwendung, als ein sozialistischer Führer aus Amsterdam Genossen kommen lassen wollte, um gelegentlich einer Verhanolung wegen Streik-Delikten im Gerichts saale Demonstrationen zu veranstalten. Dem Absender wurde das Telegramm samt seinem Gelbe zurückgeschickt. In mehreren großen Städten wird auf Befehl der Regierung die Feuerwehr in Bereitschaft gehalten, um die öffentlichen Gebäude zu schützen.
ilflU'ltf Mi'lvlUMli.
Originaldrahtmeldungen des Gießener Anzeigers.
Kapstadt, 25. Febr. Chamberlain ist heute nach England abgereist. Bei seiner Abreise wurden chm enthusiastische Kundgebungen veranstaltet.
Berlin, 25. Febr. Gestern hat sich hier ein Bund der Kaufleute fonftituiert 170 Vereine hatten Vertreter gesandt, die 219 000 Mitglieder repräsentieren. D»e. Konstituierung erfolgte nach dem Muster des Bundes der Landwirte.
Dortmund, 26. Febr. In FriedrichShorst bei Bekum stürzte ein Zementsilo ein. Zwei Personen wurden getötet.
Für unsere Hausfrauen.
Es ist wichtig, zu wiffen, daß die in jeder guten Kucht geschätzte Maggi-Würze, auch wenn die Flasche offen steht, von unbegrenzter Haltbarkeü ist. Der jeder Originalflasche betgegebcnc Würzesparer (gläsernes Röhrchen), der eine bequeme, tropfenweise Verwendung der Maggi-Würze ermöglicht, kann daher dauernd an Stelle des Korkes auf der Flasche belafjen werden.
Feuilleton.
Mainz, 25. Febr. Den Tradittonen des Mainzer Karnevals gemäß ward auch auf der Bühne dem närrischen Humor gehuldigt. An zwei auseinander folgenden Abenden wurde die von einem alten Narrhallesen gedichtete Lokal- Posse „Das Heiratsfieber'" von Ernst aufgeführt, bei der der Sohn des Verfassers anwesend war und dem Namen des einst so beliebten Bürgers der schuldige Ehrentribut gezollt ward. Es wirkten beim Spiel auch altbewährte -arnevalsredner mit und die Pausen des fast nur von Narrhallesen besuchten Stückes wurden durch Absingen närrischer Chorlieber ausgesüllt. Cs war ein eigenartiges Bild, im Publikum nur die karnevalistischen Embleme zu schauen. Am Sonntagäbenb gab man Ofsenbachs lustige Götterparobie „Orpheus in der Unterwelt", bei der namentlich der Prinz^ von Arkadien (H. Herz) durch seine urgelung^nen Lokalcouplets oas beifalls.ustige Publikum ergötzte. Auch das Paar „Orpheus und E u r i di c e" fand in H. Zörnitz und Frl. Ziegler vorttefsliche Vertreter. Auch der bi^ modernen Frauenoestrebungen so köstlich persiflierende Schwank Jakob.,s: „Los vom Manne!" entzündete wieder wahre Lachsaloen. Daun entsprach noch die Strauß- sche Operette: „D ie Fled er m aus" der tollen Faschings- faunc.
©ine Fortsetzung von Suderman ns „Hei- matt" ist am Sladtlheaier in Plauen unter dem Titel „B e r g e 11 im g" mit Erfolg zur Ausführung gelangt. Der Verfasser des Stückes ist Max Schurnrn, der Eheftd,ie- balteur ber „Neuen .Vogtl. Zig." und Verfasser eines in Versen geschriebenen Dramas „Proserpiua". lieber ben Inhalt biefer bramatischen Ilias post Lomerum schreibt der „Vogtl. Anz.": „Sudermanlis „Helmatt", das trotz mancher Schwächen imposanle Wert' eines großen Büh.ien'. dichters, schließt bekanntlich mit einer Art Frag.'. :<i. Es reizt, das fernere Schicksal der Personen auszu'oei.s • Lerr Max Schümm in Plauen hat das baiifbare Th :u > gegriffen. Die große Sängerin stirdt — so führt er aus —
balb nach dem Vater, dem sie das Hertz- gebrochen; ihr Sohn wird Jurist, kennt aber das Schicksal seiner Eltern nicht. Der Streber v. Keller aber ist zu einem hohen Posten im Kultusministerium gelangt und mit Orden und anderen Auszeichnungen überschüttet worden. Auch an Familien- glüick fehlt es chm scheinbar nicht. Er hat eine Vernunstehe geschlossen und ist Vater einer reizenden Tochter. Fünfundzwanzig Jahre find seit dem Tadc des Oberstleutnants Schwartze bahingerauscht. Da lernt burch einen Zufall Magbas Sohn bie Tochter v. Kellers kennen. Tas junge Paar liebt sich und — vergeht sich in sünbiger Glut. Der Streber v. Keller aber ist ein heimlicher Sünber. Er ist zum Urkuttdenfälscher unb Dieb geworben und hat eine Biertelmilliou Mark Kirchcnbaugelder Unterschlagen. Um seine Unterschlagungen decken zu können, will er seine Tochter zur Ehe mit einem Geldprotzen auö Afrika zwingen. Unb als sich biese weigert, weil jie schon einem anbern angehört, ba enthüllt er ihr seine schweren Verfehlungen, um bann erfahren zu müssen, baß seine eheliche Tochter unb fein unehelicher Sohn sich in Blutschanbe vergangen haben. Die Vergeltung bricht herein. Aber sie schmettert nicht nur ben Hauptschulb:gen nicber, ber wegen Urkunben- sälschuug unb Unterschlagung verhaftet wird, sondern zugleich auch die Tochter, die einem burch die Aufregung verursachten Schlaganfall erueat, unb den Sohn, bem mck der Schwester zugleich bie Braut entrissen wirb. „Die Sünben ber Väter sotten heimgesucht werben an den Kinbcrn . . .
Jena, 25. Febr. Geh. Mebizinalrat Riedel, ber Direktor ber chirurgischen Klinik, schreibt zum Geraer Aerzte streik: „Die Geraer Krattlenkasseu schicken seit Jahr unb Tag säst alle ihre Kranken nach Hatte ober Leipzig, weil bie Preise bort nichtiger sind, als in Jena. Alle Bemühungen der Geraer Aerzle, hierin Wandel äu schaffen, waren bisher umsonst; nur ganz vereinzelte Kranke, die 'hr energisch für Jena sich ausgesprochen halten, kamen Hierher. Im Jahre V 02 waren c-5 secps Angehörige ber . ."lrtut! 1 fje und . Arlg< -',ö.!ge orr Texttlbetriebs- j irar- uf sft. Ganz ncueidüigs, am 1^. F-?bn.ar, g.reibe als
die Textilkrankenkasse mit ihren bisherigen Aerzten gebrochen und nur solche Aerzte angestellt hatte, bie außer halb des allgemeitten thüringischen Aerztevereins stehen, schickte derjenige Arzt, um ben ber ganze Streit entbrannt ist, einen Kranken mit gänzlich inoperabler Geschwulst in bie Poliklinik. Ter Kranke wirb sorgfältig untersucht unb wieber heim geschickt, weil von einer Operation gar keine Rebe fein konnte. Wäre der Kranke in plötzlicher Lebens gesahr gewesen, hätte er sofortiger Operation bedurft, um aus dieser Gefahr gezogen zu werden; hätte er bei spielstveise an einem eingeklemmten Tarmbruche, an Darmverschlingung usw. gelitten, so wäre er sofort operiert, und bei der Kasse wäre nachträglich ungefragt worden, ob sie zahlen wo.le oder nid)t. Möglich, daß fic Zahlung abgelehnt hätte, was andere Kassen unter fast gleichen Umständen schon getan haben, sodaß der Freibettenfonds der Klinik eintreten mufrte. Wo es sich um raschen Ein griff zur Rettung eineS Menschenlebens handelt, ba spielt bie Kostenfrage keine Rolle für mich. Bei dem überwiesenen Kranken lväre eine Operation geradezu ein Mißgriff gewesen, sie hätte sein Leben abgekürzt, nicht verlängert. Daß ich ben Verkehr mit der T ex t i l k r o n ke n- fasse ab gelehnt habe, bas gcs^,ah im Interesse aller derjenigen Lassen von Thüringen, bie nicht Miiglieber dieser Kasse in Gera sind, also im Interesse weitaus der großen Mehrhett der Kranken. Die gesamte im Vereine befindliche ^erzteschaft Tljüringens stehl auf der Seite der früheren Kassenärzte, stellt sich schroff gegenüber den jetzigen; bie Klinik hat zu wählen zwischen jener erdrückenden Mehrheit von Aerzten und diesen wenigen; da kann cs gar feine Frage fern, aus welche Seite sie sich stellt; wo die Mehrheit ber Aerzte ist, da ist auch bie Mehrheit ber Kranten, für diese ist in Jena zu sorgen, nicht für jene wenigen. Die Tcxtilfiantenkafsc ist in eine vollständige Ausnahmestellung geraten, sie wild die Folgen dieser Ausnahmestellung zu er.ragen haben, bis sich die Mitglieder ber Kranfenkafte zu energischen Schritten ent- schließen unb einen neuen Vorstand wählen, der wiede'- normal Verhältnisse schafft."


