fter deutsch en Regierung wird sich erst ergeben, sobald die Thronbesteigung des neuen Königs offiziell angezeigt worden H.
Die Regierung reichte nach der Eidesleistung des Königs ihr Entlassungsgesuch ein. Es verlautet, daß eine Umbildung des jetzigen Ministeriums erfolgt. Vor allem soll der Schwager Dragos, der Minister Ma- schrn, zurücktreten, um die in seiner Person liegenden Schwierigkeiten zu beseitigen. Auf Anordnung des Königs wird ein Hausstatut ausgearbeitet behufs Begrenzung der Zugehörigkeit zur Königsfamilie und Bestimmung der Pflichten, Rechte und Titel der Verwandten. Eine mäßige Erhöhung d er Zivilliste ist wahrscheinlich.
Ein Artikel des Pariser „Petit Journal" beschäftigt sich mit Michel Ri stit sch, der in der Mordnacht den General- adjutanten Petrowitsch niederschoß und jetzt anscheinend von König Peter zu großen Aufgaben ausersehen ist. Es wird in dem Pariser Blatt nun ein Erlebnis Ristitschs aus früherer Zeit aufgefrischt, das diesem „kommenden Mann" in Serbien in wenig angenehmer Erinnerung geblieben sein mag. Michel Ristitsch, der Sohn des ehemaligen Regenten von Serbien, wurde seinerzeit in demselben Petersburger Pagenuiftitut erzogen, in dem sich heute Serbiens Thronfolger befindet. Später kam er als Leutnant zu den Leuchtenberg-Husaren. s)taä) einer etwas lebhaften Szene in einem ^iaffeehause zu Petersburg wurde der Offizier eines Tages von dem polnischen Gutsbesitzer Kobierzycki aus Säbel gefordert. Das Duell begann. Beim zwecken Gange aber lies Ristitsch davon. Kobierzycki eilte dem Flüchtling mit dem Sabel in der Hand nach, holte chn ein und ries ihm zu: „Erdboden küssen oder der Kops fliegt vom Halse!" Ristitsch küßte gehorsam den Erdboden und wurde daun veranlaßt, seinen Abschied zu nehmen. Daraus tra, er in die serbische Armee ein.
Aus Stadl und Kaud»
Gießen, den 25. Juni 1903.
Nachrichten aus Stadt und Land find uns stets willkommen und werden angemessen honoriert!
** Ein ganz raffinierter Schwindler hat kürzlich oon hier aus folgenden Coup ausgeführt. Er gab per Frachtgut auf je einem Frachtbrief zwei Packete Drahtstifte nach einer in der Nachbarschaft liegenden Station bahnlagernd auf und ließ sich über diese Sendungen Duplikatfrachtbriefe, auf denen er die Sendung, 1 Packet Drahtstifte, auf die zweite Reihe geschrieben hatte, abstempeln. Auf der ersten freigebliebenen Reihe der Duplikate wurde dann ein Waggon und aus der 1 517 Packete der Ware gemacht, ebenso wurde nachträglich die Waggonfracht auf den Papieren vermerkt. Dann begab sich der Schwindler nach der betreffenden Station, wo er auf Grund der Duplikate in beiden Fällen je einen Spediteur beauftragte, die 517 Packete Drahtstifte abzufahren und die entsprechenden Einzelfrachten dafür zu erheben. In beiden Fällen erhob er die angeblich vorgelegten Waggonfrachten. In der gleichen Weise sandte der Absender die beiden Packete Drahtstifte nach Gießen wieder zurück und versuchte hier vergeblich den gleichen Schwindel. Da zu befürchten steht, daß das Schwindelmanöver anderweit ebenfalls ausgeführt wird, ist Vorsicht geboten.
- Zum Hoherodskopf. Am Sonntag den 5. Juli findet ein Haupt-Ausflug des Vogelsberger Höhcnclubs auf den Hoherodskopf statt. Dort giebt es Konzert und geselliges Zusammensein.
* * »Sommer-Wohnungen im Vogelsberg" ist der Titel eines vom Vogelsberger Höhenclub herausgegebenen netten Büchleins, das in gedrängter Kürze die reiche Zahl der Luftkurorte und deren Wohnungs- re. Verhältnisse, sowie Ausflüge und Spaziergänge im Gebiete des Vogelsberges angiebt. Das Wcrkchen ist vom Zweigverein Schotten des Vogelsberger Höhenclubs kostenlos zu beziehen.
- j- Udenhausen b. Grebenau, 24. Juni. Heute morgen machte ein hiesiger Einwohner, dem vor einigen Monaten schon einmal von einem unbekannten Täter, verinutlich aus Schabernack, zwei Fenster in der Nacht eingeschlagen wurden, die unerfreuliche Entdeckung, daß ihm 6 Stück Leinentuch, die auf der hinter seiner Wohnung liegenden Wiese zum Bleichen ausgebreitet und, wie üblich, angepflöckt waren, gestohlen worden sind, ohne daß eine Spur von dem Täter zu entdecken wäre. Da seit undenklicher Zeit hier Diebstähle nicht vorgekommen sind, vermutet man auch hier wieder einen Racheakt, trotzdem der Bestohlene allgemein behebt ist.
8 Groß-Felda, 23. Juni. Am vorgestrigen Sonntage feierte der hiesige, allgemein beliebte und weithin bekannte Gastwirt Kaspar Völsing mit seiner Ehefrau das seltene Fest der goldenen Hochzeit. Kinder und Enkel waren herzugeeilt, dem Jubelpaar seine Glückwünsche darzu- bringcn, auch Dekan Wörißhöfcr in Vertretung der Kirchengemeinde, sowie andere Gratulanten von nah und fern.
Dillenburg, 24. Juni. Im Jahre 1900 wurde das städtische Kurhaus — das Geschenk des verstorbenen Fabrikanten Fr. Schramm — eröffnet. Schon im folgenden Jahre wurde, da die Räume nicht ausreichten für die große Zahl der Fremden, ein benachbartes Gebäude gemietet und darin 13 Zimmer ausmöbliert. Da in diesem Jahre der Pachtvertrag mit dem Besitzer des erwähnten Gebäudes abläuft, machte der Magistrat die Vorlage des Anbaues eines Logicrhauscs an das Kurhaus. Die Pläne desselben wurden von der Frankfurter Firma Schaffner u. Albert ausgearbcitet. Nach einigen vorberatenden Sitzungen und Kommissionsbcratungcn, genehmigte gestern die Stadtv.-Ver- sainmlung einstimmig die Mittel zum Bau eines Logierhauses in Höhe von 53 000 Mk. Der westliche Anbau nach der Bismarckstraße zu soll einen weiteren Speisesaal und 18 Logierzimmer erhalten. Die Bauausführung wird der hiesigen Firma Rompf übertragen. Der Bau ist bis zum 1. Juni n. I. fertig und bewohnbar herzustellen. Auch in diesem Jahre erfreut sich unsere Sommerfrische eines guten Besuches von Erholungsbedürftigen sowohl als von Vereinen.
Klein. :: • :i !j c j a u s dessen und den
Nachbarstaaten. Bei dem Amtsgericht Wallmerod sind die beiden Richterstellen zu besehen. Es ist der Amts- richter Fohr nach Wetzlar, ver Amtsrichter Taaks nach Braunfels versetzt. — Für die Enthüllung des Darmstädter Goethe-Denkmals, die Dienstag, 30. Juni, nachm. 5 Uhr im Herrngarten stattsinden soll, wurde folgen
des Programm ausgestellt: 1) Begrüßungsfanfare, 2) Festkantate nach Worten Goethes, komponiert von Prof. Arnold Mendelssohn, vorgetragen von dem akademischen Gesangverein an der Technischen Hochschule unter Leitung des Privatdozenten Dr. W. Nagel, 3) Ansprache des Vorsitzenden des Goethedenkmal-Ausschuffes, Oberstleutnants a. D. E. Gad, 4) Enthüllung des Denkmals, 5) Festrede des Professors Dr. Otto Harnack, 6) Besichtigung des Denkmals.
Gerichtssaat.
Gießen, 25. Juni. Bor unserer Strafkammer wurde gegen den 22 Jahre alten ehemaligen Gewerbe- akademirer E K. von Heidelberg, zuletzt in Friedberg, wo er das dortige Gewerbelchrinstitut besuchte, wegen Betrugs verhandelt. Die Verhandlung führte zwar zur Freisprechung des Angeklagten, gab aber ein betrübendes Bild jugendlichen Leichtsinns. Ter Tatbestand, welcher der Anklage zu Grunde lag, ist kurz der folgende. K. besuchte wohl vier Monate lang die staatliche Baugewerks- jchule in Idstein und lernte dort kurz vor der Versetzung einen gewissen L. aus Friedberg kennen, der sich ebenfalls für den Besuch des Instituts angemeldet hatte, und da er sehr unregelmäßig die Lehrstunden besuchte, schon nach 14 Tagen von der Anstaltsleitung unter den Schülern gestrichen wurde, wovon den Besuchern der Schule durch Anschlag am schwarzen Brett Kenntnis gegeben wurde. Da K. nicht versetzt worden war, veranlaßte ihn L., seinen Austritt aus der Anstalt anzumelden, was auch geschah. Um diese Zeit war L. volljährig geworden und erhielt, da die Eltern tot waren, sein Vermögen von rund 18 000 Mk. ausbezahlt. 9tun begann für die beiden jungen Leute, den Angeklagten und seinen Freund ein tolles Leben. Man kaufte em Grammophon für 300 Mk., mehrere Hunde für 500 Mk., ein Fahrrad, man spielte während der Ferien, wo man Idstein nicht verließ, im goldenen Lamm den großen Mann, machte Reiien nach Frankfurt. L. sagte dort für einen Wirt für 2000 Mark gut, die er sehr bald bezahlen mußte; er warf mit einem Wort das Geld "mit vollen Händen weg, sodaß sein Erbteil gewaltig zusammengeschmolzen war, als die beiden jungen Leute nach den Ferien nach Friedberg übersiedelten, um die Studien an der dortigen Gewerbeakademie wieder aufzunehmen, wo sich allerdings nur K. für die Vorlesungen als Hörer gemeldet hat. Rach Verlaus von fünf Aäonaten war das Erbteil des L. verjubelt, und dieser hatte noch Schulden obendrein gemacht. Als denen einziger Ausstand besteht eine Forderung an seinen ehemaligen Freund K., den Angeklagten, in Höhe von 1600 Mk., worüber dieser einen Schuldschein gegeben und sich verpflichtet hat, pro Monat 300 Mk. auf die Schuld abzutragen. Da dies aber nicht geschah, denunzierte der Gläubiger den säumigen Schuldner wegen Betrugs. Er behauptet nämlicy, er habe die Geldbeträge, darunter einmal einen Tausendmarkschein, an den Angeklagten nur gegeben, weil dieser ihm versichert habe, er habe von seinem verstorbenen Großvater, den er bis an sein Ende gepflegt, 60—80 000 Mk. geerbt, die er demnächst ausgezahlt erhalte. Weiter habe K. ihm versichert, er bekomme von seinem Vater in Heidelberg eine Villa überschrieben und wolle ihm mit dieser eine Sicherheit geben. Es wurde in der Beweisaufnahme festgestellt, daß der Angeklagte tatsächlich auch anderen Personen gegenüber mit der 60—80000 Mark-Erbschaft und ebenso mit einer Villa in Heidelberg renommiert hat. Der Gerichtshof war aber bei der Art, wie L. seine 18000 Mk. in ganz kurzer Zeit mit vollen Händen fortgeworfen hat, der lleberzeugung, daß das Renoinmieren des Angeklagten nicht für L. be- stümnend gewesen ist, als er diesem die Geldbeträge lieh. Man sprach den Angeklagten vom Betrüge frei, weil man der Ansicht war, L. habe dem K. die Summe als guten Kameraden gegeben, auch wenn dieser nicht von einer Erbschaft und von einer Villa gesprochen hätte.
ü. v. Darmstadt, 23. Juni. Vor dem Schwurgericht wurde heute in emer Meineidssache, begangen von einem Mädchen bei einem Alimentationsprozeß, verhandelt. Die kaum 19 jährige, aber schon vier mal vorbeslraste Fabrikarbeiterin Marie W o t h aus Mühlheim a. M. hatte sowohl vor dein Amtsgericht in Offenburg, wie in der Berufungsinstanz zu Darmstadt ihr falsches Zeugnis eidlich bekräftigt, daß sie keinen Verkehr mit einer dritten Person gehabt hätte. Als sie nachträglich doch überführt wurde, legte sie em Geständnis ab. Die Anklage führte heute Staatsanwalt Dr. Wolff, die Verteidigung Rechtsanwalt Simon. Nach nahezu sechsstündiger Verhandlung wurde die Angeklagte zu 1 7» Jahren Zuchthaus und 5 Jahren Ehrverlust verurteilt.
Wiesbaden, 24. Juni. Tas Schwurgericht verurteilte denGerichtssekretärTrupp wegen Unterschlagung von Amtsgeldern zu V/2 Jahren Gefängnis.
Kassel, 24. Juni. P r o z e ß S ch m i d t. (Dritter Tag.) In der Fortsetzung der Beweisaufnahme wird heute zunächst der Konkursverwalter der Schmidtschen Masse, Arn- thal, vernommen. Er weist nach, daß von Schmidt 27 000 Mark Effekten vor seinem Weggange veräußert wurden, die er von seiner Frau erhalten haben will. Dafür, daß abgesehen von einer Hypothek ans den Grindelhof in Hamburg, Vermögensstücke beseitigt wurden, sand er keinen Anhaltspunkt. 700 000 Mark seien bisher aus der Schmidtschen Masse gewonnen, doch hofft Arnthal, diese Sninnie noch auf 800000 Mk. bringen zu können. Tie gesamten Forderungen an die Masse betragen 48 Millionen anertannter Forderungen, darunter 27 vom Konkursverwalter der Trebergesellschaft. Zeuge Rocholl, der die Hypothekeneintragung für Schmidts Tochter auf den Grindelhof besorgte, fand darin nichts Auffälliges. Er fand die Summe für Schmidts Verhältnisse, wie sie sich ihni damals darstellen mußten, bescheiden. Rechnungsrat Recket sagt aus über seine Revisionstätigkeit bei der Trebergesellschaft für den erkrankten Buchhalter Nordmann. Es ergab sich Ucberein- stimmung der Bilanzen und Saldi. Belege erhielt er nicht. Die Differenzen, die ihm aufstießen, seien nur solche gewesen, die überall vorkämen. Schmidt erteilte die Auskünfte bereitwilligst. Dr. Arnthal bekundet noch, daß Schmidt auf seine, des Zeugen, Veranlassung den Offenbarungseid geleistet habe, und er keine Veranlassung Hube, an der Wahrheit des Eides zu zweifeln. Die Zeugen Heuser-Kassel, ehemaliger kaufmännischer Leiter der ungarischen Tochtergesellschaft, und Dingelstedt, Direktor der Memeler Gesellschaft, sagen über die Verbindungen der genannten Gesellschaften mit der Trebergesellschaft ebenso aus, wie seinerzeit im Prozesse gegen die Auffichtsratsmitglieder. Dingelstedt war sz. scyristlich vom Angeklagten zu Bila nzsälsch- ungen aufgesor de rt worden. Der darauf bezügliche Brief wird verlesen, desgleichen die ablehnende Antwort der Direktion Memel. Alsdann wird der friihere Prokurist der Leipziger Bank, Wuthe, vernommen, der sich über die Vorgänge unmittelbar vor und am Abend des Zusammenbruchs der Trebergesellschaft, sowie über seinen vergeblichen Versuch, damals einen Einblick in den Stand der Bücher der Trebergesellschaft zu ewinnen, ausläßt. Zeuge schildert
dann die Vorgänge in der Sitzung der Leipziger Baut mit den Herren der Trebergesellschaft, in der das Schicksal der Trebergesellschaft besiegelt wurde, während Schmidt in der folgenden Nacht aus Kassel entfloh. Ueber den Stand der verschiedenen Tochtergesellschaften der Trebertrocknung in Rußland, Norwegen, England und Galizien, die er besichtigte, läßt sich Zeuge als Sachverständiger aus. Zeuge Wuthe bekundet, daß die Anlagen in Frederlkstad und Lemberg sehr ungünstige Resultate ergeben haben. Zum heutigen Sitzungsschluß erfolgte die Verlesung des Urteils der Strafkammer des Landgerichts Kassel gegen die Mitglieder des AuffichtsratS der Trebergesellschaft, Sumpf und Genossen. Morgen fällt die Sitzung der Stichwahl wegen aus.
Berlin, 24. Juni. Die dritte Strafkammer des Land- gerichts I verurteilte den Reichstagsabg. Stadthagen wegen Aufforderung zum Ungehorsam gegen die Gesetze zu 14 Tage Gefängnis. Stadthagen hatte in einer am 10. Juni 1902 abgehaitenen Volksversammlung die anwesenden Frauen aufge,ordert, unbekümmert um das in der Verordnung vom 11. März 1850 enthaltene Verbot, ihr Vereins- und Versammlungsrecht auszuüben, da die Verordnung ungiltig sei, weil sie gegen die Verfassung verstoße. Der wegen Abdrucks dieser Aufforderung im „Vorwärts" mitangeklagte Redakteur Leid wurde fteige- sprochen.
Kiel, 24. Juni. In der heutigen Revisionsver» Handlung gegen den Matrosen Messerschmidt vom Schulschiff „Stein", der am 3. Juni wegen Körperverletzung mittels hinterlistigen Angriffs gegen den Fähnrich Abel zu 18 Monaten Gefängnis verurteilt war, erkannte das Oberkriegsgericht auf die Berufung des Gerichtsherrn aus 4 I a h r e G e f ä n g n i s unter Anrechnung von einem Monat Untersuchungshaft. Die Berufung des Angeklagten wurde verworfen.
Vermischtes.
* Berlin, 24. Juni. Ter Pfarrer Granzin von der Berliner Nazarethgcmeinde we unter Mitnahme eines geladenen Revolvers verschwunden. Er hak bereits einmal einen Selbstmordversuch gemacht. Seine Wirtschafterin hat ihn vor dem Konsistorium Verun treu* uh gen und sittlicher Verfehlungen bezichtigt. Heute nacht wurde im Treptower Park die Leiche des Pfarrers ausgesunden. Granzin hatte sich dort gestern nachmittag erschossen. Er war den Blättern zufolge überarbeitet und über die Denunziationen seiner nervenkranken Wirtschaf- terin verzweifelt. Der Selbstmord erregt großes Aufsehen. G. hat fünf noch unmündige Kinder hinterlassen. ES wird dem Geistlichen auch vorgewcrfen, daß er ganze Ballen Stoffe, die zu Geschenken an arme Kinder bestimmt waren, für sich und seine Kinder verwandt habe. Heute früh gab es vor seiner Wohnung heftige Austritte. Tutzeudc von Müttern erschienen, um die von ihren Kindern in die Schulspartasse gezahlten Beträge zu erheben. Sie mußten jedoch unverrichteter Sache wieder abziehen. — Eine Besprechung der Mitglieder des Gemeindetirchenrats der Nazaret-Gemeinde ergab, daß die gegen Granzin erhobenen Beschuldigungen aus Wahrheit beruhen.
* Altona, 23. Juni. Die 62jährige Witwe Krüger und ihr 28jähriger o h n vergifteten sich mit Morphium. Die "Familie hatte früher in guten Verhältnissen gelebt. Der Zustand beider ist hoffnungslos.
* Hamburg, 24. Juni. Das Segelschiff Hans ist mit seiner fünf Mann starken Besatzung unter gegangen. — Ter Fisch d amp fer Alice ist an der isländischen Küste mit 25 Mani Besatzung untergegangen.
* D o r t m un d, 23. Juni. Von einem Neubau stürz- ten infolge Gerüstbruches drei Leute ab; zwei wurden tätlich .verletzt, der dritte leichter.
* A a ch e n, 23. Juni. In Lerviers zerstörte ein Brand die Baumwollspinnerei von Beltzer u. Co. Der Schaden beträgt etwa 50000 Frcs. Ein Arbeiter wurde durch niederstürzende brennende Wollballen tätlich verletzt.
* München, 23. Juni. Auf offener Straße erstach ein Buchbindergehilse ein junges Mädchen, das er vergeblich mit Liebesanträgen verfolgte. Ter Vkörder wurde verhaftet.
* London, 23. Ium. Das Kriegsgericht sprach die sieben wegen Mißhandlung des Civilisten Stanford in Kapstadt angeklagten Offiziere frei.
* Brüssel, 23. Juni. Vergangene Nacht wurde loiederum ein Attentat auf den Expreßzug Paris- Brüssel versucht und zwar abermals in der Nähe der Station Feignies. Eine Schiene war losgeschraubt. Der Zug wurde noch rechtzeitig zum Stehen gebracht. Es ist dies seit kurzer Zeit der sechste Attentatsversuch auf den Expreßzug.
* P aris, 23. Juni. Ein bei der Bergung der Toten des gesunkenen S ch i f f e s „L i b a n" beschäftigter Taucher verlor bei bem sechsten Tauchvcrfuch das Bewußtsein und starb. Ein anderer Taucher ist schwer erkrankt. Beiden war es vorher gelungen, bis in die Jnnenräume des Schiffes vorzudringen. Sie sahen durch die Kabincnlukeu eine Anzahl Leichen; sie brachten eine Kindesleiche und 10 Säcke mit Briefen und Paketen herauf.
* Bologna, 24. Juni. Tr. Naldi versuchte sich im Kerker durch Aufschneiden der Pulsadern zu töten. Er schwebt in Lebensgefahr, dürfte jedoch am Leben erhalten werden.
' Graz, 23. Juni. In Windischgrätz wurde der Schuster Josef Robnik als Urheber des großen Brandes in Windischgrätz verhaftet.
* Eine Duellgegnerin. Ein Fabrikb esitzer in Berlin war mit einem Oberleutnant zusammenge- raten und hatte ihm eine Forderung au f Pi st ölen zugehen lassen. Der Kampf sollte, nachdem auch der Ehrenrat einer studentischen Verbindung, bei der der Fabrikbesitzer „belegt" hatte, seine Zustimmung erteilt hatte, in aller Frühe in der Jungferuhaide stattsinden. Die Wagen mit Sekundanten, Zeugen und Aerzten waren zur Stelle, auch der Oberleuttiant war bereits auf dem Kampsplatz erschienen, nur der Förderer selbst kam nicht. Statt seiner traf endlich ein Bote ein mit der Nachricht, daß die Frau des Fabrikbesitzers den Zweikampf nich t erlaube. Unverrichteter Sache kehrten die Beteiligten um.
* Ueber den Grundbesitz der deutschen Großstädte iixub eine Statistik veröffentlicht, der wir folgende interessanle Einzelheiten entnehmen. Berlin besaß darnach 1901 den größten Grundbesitz mit 13387 Hektar oder 71 Quadratmeter auf den Kopf der Bevölkerung. Es folgten Breslau mit 5125 Hektar (121 Quadratmeter), Stettin mit 4d69 Hektar (231 Quadratmeter), S t r aßbu r g i. E. mit 4600 Hektar (305 Quadratmeter >, München mit 4352 Hektar (8. Quadratmeter, Frankfurt a. M. mit 4434 Hektar (153 Quadratmeter), Köln mit 3654 Hektar (98 Quadratmeter), Leipzig mit 3402


