Ausgabe 
25.6.1903 Drittes Blatt
 
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erklärt Chamberlain : Der Oberkommissar für Kanada erhob namens der kanadischen Negierung in den Jahren 1898und 1899 Vorstellungen wegen oer Tarifsrage, die durch den englischen Botschafter in Berlin zur Kenntnis der deut­schen Regierung gebracht wurde. Im Jahre 1901, als sich die Vorstellungen als fruchtlos erwiesen hatten, besprach die kanadische Regierung die Angelegenheit mit dem deuL- schen Generalkonsul in nicht formeller Weise. Seit 1901 tft kein formeller Gedankenaustausch mit Kanada über den Gegenstand gepflogen.

Paris, 24. Juni. Aus der deutschen Botschaft sand heute ein Diner statt, welchem unter anderem bei­wohnten : Minister des Aeußern D e l c a s s 6, Kriegsminister Andrs mit Gemahlin, der Großt'anzler der Ehrenlegion General Florentin mit Gemahlin, Polizeipräfekt Lepine mit Gemahlin, der Generalsekretär des Elysee, General Dubois mit Gemahlin, der Schwiegersohn des Präsidenten der Re­publik de Saint Prix mit Gemahlin.

Madrid, 24. Juni. Die Anwesenheit von 23 fran­zösischen Kriegsschissen in Cartagena wird allgemein als eine Kundgebung der Seeherr schastFrankreichs im Mittelmeer aufgesastt.

Rom, 24. Juni. Heute nachmittag setzte der Papst im Thronsaal, umgeben vom Hofstaat unS den neuen Kardinalen, darunter Erzbischof Fischer-Köln, den Kardinalshut auf. Die in Begleitung des Erzbischofs Fischer weilenden Personen und andere deutsche Geistliche waren zugegen. Der Papst richtete an die Kardinäle freund­liche Worte. Die Kardrnäle statteten hierauf Kardinalstaats- sekretär Ranrpolla einen Besuch ab.

Zürich, 24. Juni. Heule begann in Anwesenheit von 600 Teilnehmern die Jahresversammlung der deutschen Gas- und Wasser-Fachmänner.

Wien, 24. Juni. Eine gemeinsame Volksver­sammlung der deutschen Parteien hat einen Be­schlußantrag folgenden Inhalts angenommen: Die Ver­sammlung hält es für geboten, in allen Fragen, welche die nationalen Interessen des deutscheu Volkes und seine Stellung im Reichte berühren, ein einheitliches Vor­gehen prnzustreben. Sie beschließt zu diesem Zwecke, einen aus 14 Mitgliedern bestehenden Vollzugsausschuß einzu- setzen, sowie and den Mitgliedern des Vollzugsausschusses einen engeren Ausschuß von 4 Mitgliedern zu entsenden. Letzterer wird ermächtigt, im Einvernehmen mit einem weiteren Ausschuß eine übereinstimmende Beschlußfassung der Vertreter des Verbandes in den erwähnten Fragen anzubahnen iuü> die so gefaßten Beschlüsse auszuführen. Sodann erfolgte die Wahl des Vollzugsausschusses und des engeren Ausschusses.

DerAllgem. Korresp." zufolge ließen gestern österreichische Offiziere, welche serbischen Offi­zieren begegneten, deren Gruß ostentativ unerwidert.

Budapest, 24. Juni, lieber die Zusammensetzung des künftigen Ministeriums unter dem Grafen Rhün- Hedervary verlautet in unterrichteten Kreisen, daß Hieronymi zum Handelsminister und Herzeviczy zum Unter­richtsminister ausersehen sei. Alle ädrigen verbleiben im Amte, der Honoedmrnister Fejervary werde jedoch demnächst aus dem Amte scheiden.

Konstantinopel, 24. Juni. Infolge von Ge­rüchten über angebliche neue Komplo tte richtete die Pforte eine Anfrage an den Löali von Saloniki, welcher antiöortete, daß auch dort Gerüchte von einem geplanten Anschlag auf Saloniki in Umlauf seien. Es fei mög­lich, daß etwas versucht würde. Er habe alle Vorsichtsmaß­regeln getroffen. Hilmi Pascba telegraphiert, daß bis zum 21. Juni die Zahl der verhafteten Bulgaren im Wilajest Saloniki 380, in Uesküb 280, in Monastir 460 betrage. Er habe die Befehle erneuert, die Voruntersuchungen möglichst rasch abzuschließen und habe überall öffentlich verkünden lassen, daß die Einwohner, welche von den Koniitees ea> haltene Waffen abliefern, straflos bleiberr.

Die Kurden griffen ein armenisches Kloster an in der Umgebung von Erzerum, plünderten es aus und töteten 6 Mönch e. Am nächsten Tage plünderten sie einige armenische Dörfer und töteten die angesehensten Be­wohner.

26. deutscher Fleischerverbaudstag.

Potsdam, 24. Juni.

Heute begannen die Verhandlungen des 26. deutschen FleischerverbandStages. Als Vertreter des Handelsministers ist Geheimrat v. Seefeld erschienen. Aus Gießen ist der Meister Fritz Schlörb anwesend. Zunächst wurde der Geschäftsbericht erstattet, an den sich eine Erörterung über die Schädigung der deutschen Wurstfabrikation durch die rigorosen Bestimmungen anschloß, die sich gegen die Kon­servierungsmittel, auch gegen die absolut unschädlichen, richten. Dadurch werde die Konkurrenzfähigkeit der deutschen gegen­über der ausländischen Wurstfabrikation erschwert. Eine Reihe von Anträgen, die sich mit dem Fleischschaugesetz und der bevorstehenden Revision des Schlachthausgesetzes befassen, werden nach lebhafter Debatte dem Vorstände zur Bearbeitung überwiesen. Es wird in diesen Anträgen Herab­setzung der von den 'Fleischermeistern zu tragenden Fleischschau­gebühren verlangt, ferner die Ausdehnung der Fleischschau auf alle Hausschlachtungen, sowie Beseitigung der die Fleischer und die Städte mit eigener Schlachthausanlage schwer schädigenden §§ 5 und 14 des preußischen Aus­führungsgesetzes zum Fleischschaugesetz. Angenommen werden mit großer Mehrheit einige Anträge, die das sogenannte minderwertige Fleisch betreffen und sich namentlich gegen den Verkauf dieses Fleisches durch die Freibänke richten. Dadurch werde die Konkurrenz, die die Fleischer schon jetzt durch die Freibänke zu erleiden hätten, noch verschlimmert. Desgleichen gelangt ein Antrag der Berliner Innung zur Annahme, der die Einführung des Deklarationszwanges für alle Fabrikate aus Pferdefleisch verlangt. In der Diskussion wird u. a. der Vorschlag gemacht, man möge zur Deklaration die Signierung der Listen mit einem weit sicht­baren Pferdekopf verlangen. (Stürmische Hetterkeit.) Ein Antrag, der eine Reichsverordnung gegen das Schächten ivünscht, stößt auf erregten Widerspruch und wird abgelehnt. Schließlich wird beschlossen, wiederholt um Erleichterung der Bestimmungen über die Einfuhr a ns l ä n>»' s ch e n Viehes zu petitionieren.

Ans Stadt and Kaud.

Gießen, 25. Juni 1903.

'* Personalien. S. K. H. der Groß Herzog haben die Landrichter bei dem Landgericht der Provinz Starkenburg

Jakob Hofmann, Dr. Gottfried Haustädt und Dr. Otto Schwarz und die Landrichter bei dem Landgericht der Pro­vinz Rheinhessen Josef Stigell und Dr. Heinrich Marx zu Landgerichtsraten bei diesen Gerichten ernannt. Dem Amtsrichter bei dem Amtsgericht Darmstadt II Adolf Wart­horst und dem Amtsrichter bei dem Amtsgericht Gießen Karl Wiener wurde der Charakter als Amtsgerichtsrat erteilt.

Ein Abonnements-Konzert unserer Militär­kapelle ira Garten des neuen Saalbaues wird heute abend stattftnden. Da das Wetter etwas freundlicher geworden ist, wird es voraussichtlich trotz des Wahltages gut besucht werden.

"Hessisch-Thüringische Staatslotterie. Die Erneuerung der Lose zu der am 4. und am 6. Juli statt­findenden Ziehung dritter Klasse der 2. Hess.-Thür. Staats­lotterie muß spätestens am 27. Juni geschehen.

Eine Erfindung unseres Schlachthof­direktors Dr. Liebe ist ein Schußbolzenapparat, welcher bei dem Preisbewerb in Leipzig mit einem der ersten Preise bedacht wurde. Er ist inzwischen noch derart ver­bessert und ausgeprobt worden, daß er wohl als bester der existierenden Apparate betrachtet werden kann. Er vermeidet die Gefahren und Nachteile, die der Gebrauch der Kugel­schußapparate mit sich bringt. Er betäubt sicher und schnell und ist einfach in der Handhabung. Der Apparat vereinigt Kugel- und Bolzenwirkung. Um der Einführung der Schuß- bolzenapparate auch bei Kleinvieh, wie Kälber, Schafe, Häinmel, Ziege rc. die Wege zu ebnen, hat Dr. Liebe einen Schlachtschragen erfunden, durch den die Fesselung dieser Tiere sicher und schnell und ohne jede Tierquälerei vor­genommen werden kann.

Der Turnverein Gießen, gegr. 1846, veran­staltet, wie auch aus dem Inseratenteil ersichtlich ist, nächsten Sonntag auf dem Windhofe eine größere Festlichkeit mit turnerischen Aufführungen. Darauf seien Freunde der edlen Turnsache auch an dieser Stelle aufmerksam gemacht.

- h. Alsfeld, 25. Juni. (Originaltelegr. d.G. Anz.") Gestern sprach vor großer Wählerversammlung der freisinnige Rechtsanwalt Grünewald aus Gießen und empfahl die Kandidatur Wallau sehr warm.

a d. Darmstadt, 25. Juni. (Originaltelegramm des Gieß. Anz.') S. K. H. der Großherzog wird Sonntag den 5. Juli der feierlichen Einweihung der evang. ChristuS- kirche mit Gefolge beiwohnen.

K.B. Darmstadt, 24. Juni. Die He ssische Ver­einigung für Völkerkunde, die bekanntlich in Gießen ihren Sitz hat, hielt heute nachmittag unter dem Vorsitz des Prooinzialdirektors Dr. Breidert-Gießen in den Räumen der vereinigten Gesellschaft ihre Jahresversammlung ab. Der allgemeinen Versammlung um 5 Uhr ging eine geschäftliche Beratung voraus. Es wurde zunächst der Geschäftsbericht und darauf der Kassenbericht vorgetragen, die beide eine er­freuliche Entwickelung des Vereins konstatieren lassen. Nach einer längeren Beratung über die Abänderung der Statuten wurde zur Neuwahl des Vorstandes geschritten. Gewählt wurde zum ersten Vorsitzenden Prof. Dr. Strack, zum Stellvertreter Prof. Dr. Wünsch, zum Schriftführer Dr. Hepking, zum Stellvertreter Dr. Helm und zum Beisitzer Kaufmann Mettenheimer, sämtlich in Gießen. Ferner wurde noch ein Ausschuß von 14 Mitgliedern mit dem Rechte der Kooptation gewählt. Zu dem zweiten Teil der Versammlung hatte sich ein sehr zahlreiches Publikum von Damen und Herren eingefunden, darunter viele höhere Be­amte, Geistliche und Lehrer aus allen drei Provinzen. Nach­dem Prooinzialdirektor Dr. Breidert die Erschienenen herz­lichst begrüßt hatte, hielt der neugewählte Vorsitzende, Prof. Dr. Strack, einen sehr instruktiven Vortrag über das Wesen der Volkskunde im Allgemeinen und die Aufgaben des Ver­eins im Besonderen. Der sehr beifällig aufgenommenen Rede folgte ein umfaßender, hochinteressanter Vortrag von Prof. Dr. Wünsch über den antiken und den modernen Geistesglauben. Wir kommen auf die Vorträge, an die sich eine längere Diskussion anschloß, in der nächsten Nummer noch ausführlicher zurück.

Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. Tie Sachlage im Kreise Marburg ist demVorwärts" zufolge so, daß, obwohl der Kandi­dat der Bündler dem nationalsozialen noch um etwa 1300 Stimmen voraus ist, die Genossen den Ausschlag für Gerlach geben könnten, und das Centralorgan der sozialistischen Partei meint, die Genossen werden nicht zögern, für Ger­lach zu stimmen. In vielen Orten des Kreises Die­burg haust zur Zeit die Diphteritis in der Kinderwelt.

Vermischtes.

'Köln, 24. Juni. Auf dem Friedhöfe des be­nachbarten Jrnmendorf wurden frevelhafte Verwüstungen an- gerichtet. Eine große Zahl Kreuze und Denkmäler wurden zertrümmert und die Anlagen zerstört. In Romerskirchen erstach ein Müller im Streit seinen Schwiegervater. Der Täter wurde verhaftet.

' Trier, 24. Juni. In den beiden letzten Nächten sank die Temperatur in der Eifel auf den Gefrierpunkt; auf den Höhen hat es gereift.

Halle a. d. S., 24. Juni. In Eckartsleben gerieten zwei in dasselbe Mädchen verliebte Brüder in Streit, wo­bei der jüngere den älteren mit einem Stuhl erschlug.

Harn bürg, 23. Juni. Dem neuen Kaiser Wil- helm-Denkmal fehlt die Inschrift. Auf der Stirn­seite sind lediglich die Kaiserkrone, der Reichsschild und das Reichsschwert dargestellt, geschmückt mit dem Lorbeer des Sieges und der Palme des Friedens. Auf der Rückseite ist die Jahreszahl der Errichtung des Denkmals, umgeben von einem Kranze, angebracht. Hamburg sträubt sich gegen die offiziell gewünschte BezeichnungDer Große". Man hat in Hamburg anfangs daran gedacht, mit der Aufschrift Dem großen Kaiser" einen Mittelweg zu wählen. Dieser Gedanke ist aber aufgegeben worden.

' Prinzessin Luise von Toskana hält sich auf Schloß Ronno in Südfrankreich alsGräfin Monti Gnoso" auf. Dieser Titel ist im Einverständnis mit den Eltern der Prinzessin nach dem Namen einer Besitzung der Großherzogin von Toskana gewählt worden. Prinzessin Luise erzählte, daß

ihr von dem Vater in Lindau vergeben worden sei. Ihn. Umgebung ist davon überzeugt, daß sie mit der Vergangen­heit gebrochen habe und ein neues Leben beginne. Die Prinzessin hängt mit Liebe an ihrem Kinde. Ter Kronprinz von Sachsen ist über alles, was Mutter und Kind betrifft, unterrichtet. Seinem Wunsche, daß die Prinzessin längere Zeit in Ronno bleiben möge, entspricht diese gern, weil da­von ihr ferneres Zusammensein mit ihrer Tochter abhängt. Der in der Umgegend von Ronno ansässige legitimistische Adel pflegt mit den Schloßbewohnern regen Verkehr, so daß es dem Gaste der Gräfin Sanet Victor auch an gesellschaft­licher Abwechslung nicht mangelt. Die vermögensrechtliche Regelung der Angelegenheiten der Prinzessin ist dank dem edelmütigen Entgegenkommen des Kronprinzen Friedrich August in befriedigender Weise durchgeführt worden.

'Etymologisches. In der Besprechung eines aus dem Dänischen übersetzten Buches: Kristoffer Nyrop:Das Leben der Wörter" wird in derAllg. Ztg." u. a. folgendes mitgeteilt:Das WortK l gset" stammt von Hause aus dem Englischen und bedeutete dort ganz unverfänglich ein kleines Gemach. Wie wenig ihni ursprünglich der engere Nebensinn anhaftete, der dem geplantenKlosetgesetz" seinen anrüchigen" Beigeschmack gibt, zeigen die Verse des Lyrikers Christian Winther, in denen derJunker Lenz" gepriesen wird: Seht, da tritt er leisen Schrittes Hervor aus dem Klosett, Hinter zarten Wolkenschleiern, Schüchtern, zart und nett.

" Schmachvolle Lyncherei in Amerika. Die Vollstreckung des Lynchurteils gegen den Reger Georg White, der wie bereits gemeldet am Montag in Wil­mington, nicht weit von Philadelphia, lebendig ver­brannt wurde, gestaltete sich zu einem wahren Volks­feste, bei welchem namentlich die Teilnahme zahl­reicher Frauen zu bemerken war. Die elektrischen Bahnen trugen dem Andrange des Publikums durch Einlegung von Sonderziigen Rechnung. Bei der Verbrennung Whites wurde eine Grausamkeit an den Tag gelegt, die selbst bei Lynch­gerichten ungewöhnlich ist. Nachdem White von der Volks­menge aus dem Gefängnis geholt worden, welches die Polizei unter Benutzung ihrer Schießwaffen vergeblich zu verteidigen suchte, wurde er an den Ort geführt, wo er ein weißes Mädchen vergewaltigt und ermordet hatte. Auf dem er­richteten Scheiterhaufen wurde er in aufrechter Stellung er­halten, bis das inzwischen entzündete Feuer seine Kleidung in Brand setzte. Dann wurde er mit dem Gesicht nach unten in die lodernden Flammen geworfen. Als die Stricke durch- gebrannt waren, gelang es White, für einen Augenblick mit mächtigem Sprunge dem Scheiterhaufen zu entkommen; er wurde jedoch wieder ergriffen und von neuem in die Flammen zurückgeworfen. Dann, als White kein Lebenszeichen mehr von sich gab, verließen die Zuschauer unter großem Johlen den Ort.

'Von denen, die nicht alle werden', wird au3 Schwaben eine originelle Geschichte erzählt. In einem Provinz- blatt hatten sich einige Witzbolde eine Annonce geleistet, welche gegen Einsendung von 20 Mark ein Pulver verhieß, das, den Schafen eingegeben, deren Wolle verfeinern sollte. Ein pfiffiger Landwirt leistete den Betrag und erhielt ihn aber wieder zurück mit dem Bemerken:Geehrter Herr! In einer Gesellschaft ist gewettet worden, man könne den größten Un­sinn in die Zeitung setzen, es fänden sich immer Esel, welche darauf reinfallen. Sie sind bereits der zwanzigste, der sich gemeldet hat. Anbei Ihre Leistung retour. Mit ausgezeich­neter Hochachtung (!)' u. s. w.

* Die Siebenmillionenerbschaft. Der Bote Schwab vom städtischen Elektrizitätswerk in Dortmund sollte eine Erbschaft von sieben Millionen gemacht haben. Schwab besaß einen Freund, Heidemann, der auf einem Gute die Stelle eines Gärtners bekleidete. Heidemann kam in Geld­verlegenheit und wußte, daß Schwab einige hundert Mark Ersparnisse besaß. Er log ihm vor, daß seine Braut in Nizza gestorben sei und ihm sieben Millionen Mark, die bei einer Bank in Berlin niedergelegt seien, vermacht habe. Schwab glaubte und borgte dem Freunde auf diefette Erbschaft" hin nach und nach 800 Mark. Der Gärtner fertigte auS Dankbarkeit eine Art Dokument aus, in dem er Schwab und dessen Familie ferner sicherte und ihm für den Fall, daß er selbst sterben würde, großherzig die ganzen sieben Millionen vermachte. Mit der Zeit mochten aber doch in Schwab Bedenken auf steigen; er fuhr deshalb nach Berlin, um sich bei der betreffenden Bank nach den Millionen zu erkundigen. Hier erfuhr er bann, daß er das Opfer eines Schwindlers geworden war. Heidemann wurde in Hast genommen.

* Ein hübsches Durcheinander hat der Metteur derLipp. Landesztg." in Detmold in der Nummer 142 angerichtet. Da heißt es:

Kassel, 18. Juni. Gattenmordversuch. Unter der An­klage des versuchten Gattenmordes stand der Roßschlächter Karl Odenbach von hier vor den Schranken des Schwurgerichts. Oden­bach, ein Zichälter, war beschuldigt, seine Ehefrau Elise Ldenbach, die von dem Gewerbe der Unzucht lebte, zu ermorden versucht zu haben. Ferner war er wegen Zuhälterei, weil er sich von seiner Frau ernähren ließ, wegen schwerer Körperverletzung und wegen Bedrohung seiner Ehefrau angeklagt. Der a r b e i l s s ch e u e Minifter hob die Ziele der deutschen Landwirtschaftsgesellschaft hervor: Das Ziel, betonte er, ist Selbsthilfe. Wir Landwirte wollen es nicht fehlen lassen an emsiger Arbeit. . . .

An anderer Stelle führt dann das Blatt diese Rede, die der Landwirtschaftsminister v. Podbielskr bei der land­wirtschaftlichen Ausstellung in Hannover gehalten hat, wie folgt zu Ende:

Gerade die Provinz Hannover in ihrer Vielseitigkeit in der landwirtschaftlichen und industriellen Produktion ist besonders ge­eignet, den deutschen Landwirten zu zeigen, was auf den ver­schiedenen Gebieten geleistet wird. Ter brutale Bursche mißhan- delte und bedrohte seine Frau wiederholt mir blanker Waffe, wenn sie von ihrem schändlichen Gewerbe nicht Geld genug mir nach Hause brachte.

Daß Herr o. Podbielski in die schlechte Gesellschaft des Roßschlächters Karl Odenbach aus Kassel geraten ist, wird er selbst am meisten bedauern; wenn er erfährt, mit wem er eS zu tun hatte, dürste zwischen ihm und dem Kasseler Schlächterdas Tischtuch bald zerschnitten" sein, und er verduftet noch vor der Heuernte.

Knall und Wissrnschasu

Barmen, 24. Juni. Die Stadtverordneten haben beschlossen, die für den Sradrtheaterneubau erforderlichen Kosten im