Ausgabe 
25.2.1903 Drittes Blatt
 
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Parlamentarisches.

Berlin, 24. Febr. Reichstags-Präsident Graf Balle­strem ist von seiner Erkältung wiedcrhergestellt und hat die Präsidialgeschäfte in vollem Umfange wieder ausgenommen.

Berlin, 24. Febr. Die Budget-Kommission des Reichstags lehnte mit 14 gegen 14 Stimmen die militär- technische Hochschule ab und nahm einen Antrag Paasche an, mit dem preußischen Kultusminister in Verbindung zu treten, ob eS nicht möglich ist, an der technischen Hoch­schule in Charlottenburg einen Erweiterungsbau zur Einrichtung militärtechnischer Kurse vorzunehmen. Die Kommission bewilligte auf Antrag Paasche 50 000 Mk. für ein ballistisches Laboratorium.

Im preußischen Abgeorduetenhause

wurde am Drens.ag die zweite Beratung des Eisenbahn- Et a t s fortgesetzt. Minister Budde griff wiederholt in die Debatte 'ein und bezeichnete es als seine vornehmste Auf­gabe, Disziplin und Ordnung in der Eisenbahn-Verwalt­ung aufrecht zu erhalten. Im Laufe der Debatte bat Abg. Lotichius (nL) den Minister, Wiesbaden nicht die Bau- und Betriebsinspektion zu nehmen. Minister Budde er­widerte, die neu zu erbauenden Rheinbrücken in der Ge­gend der Mainmündung müßten schon aus strategischen Gründen der Direktion in Mainz und nicht derjenigen in Frankfurt a. M. unterstellt werden. Irgend eine son­stige Veränderung der beiden Tirektionsbezirre sei in keiner Wiche beabsichtigt.

Kom Kalkan.

Tie Annahme der Reformvorschläge seitens der Pforte erfolgte, wie nunmehr bekannt wird, nach dringender Empfehlung sämtlicher in Konstantinopel be­glaubigter Botschafter.

Nach Meldungen aus Ipek haben 3000 Albanesen in einem benachbarten Torfe eine Protest-Versammlung ab- gehalten und sind bann nach Ipek marschiert, wo der ser­bische Kaufmann Popowitsch ermordet und vom Te­legraphenamt unter der Drohung, alle Beamte ermorden zu wollen, die Absendung einer Depesche an den Sultan erzwungen wurde, in welcher für den Fall der Einführung von Reformen mit einer allgemeinen Erhebung der Albanesen gedroht wird.

Zn Konstantinopel verlautet, der Sultan werde auf An­raten mehrerer Mächte den ehemaligen Generalgouverneur des Libanon, Raum-Pascha, zum obersten Verwalter Mace- doniens ernennen.

Wie dasB. T." aus Konstantinopel meldet, kam es daselbst mitten in der Stadt zu einem bewaffneten Kon­flikt zwischen neun in einem Hause befindlichen Bulgaren, die Mitglieder des macedonischen Komitees sind, uno der Polizei. Als letztere das Haus öffnen wollte, um die Leute zu verha,ien und Totumente zu beschlagnahmen, wurde sie mit Revolverschüssen empfangen. Es kam zu einem regelrechten Gefecht, bei dem sieben Bulgaren tödlich verwundet, drei Soldaten getötet und eine Frau sowie drei Kinder schwer verletzt ivurden. Die Auf­regung in der Stadt war während des ganzen Nach­mittags groß. Erst am Abend trat Ruhe ein.

Zufolge Weigerung der Pforte, für die Rückstände der nach dem letzten Kriege an die russischen Untertanen zu entrichtenden Entschädigung Zinsen un Gesamtbeträgen von 950000 Psmid zu zahlen, überreichte die russische Bot­schaft inngst eine Note, in der sie dringend auf An­erkennung der Zinsenschuld besteht und vorfchlägt, die Ansprüche durch eine neue Kommission prüfen zu lassen.

gknquda.

Berlin, 24. Febr. Nach einer Meldung des deut­schen Kommodore in den venezolanischen Gewässern sind die von den deutschen Streltkrästen weggenommenen vene­zolanischen Kriegs- und Handelssahrzeuge zu­rückgegeben worden.

Washington, 24. Febr. (Reuter.) Bowen über­gab den Vertretern Deutschlands, Englands und Italiens die Entwürfe von Protokollen, betreffend Ueberweisung der Frage der Vorzugsbehandlung an den HaagerSchiedshof.

Aus £xini>t uno tzaiiö.

Gießen, 25. Februar 1903.

* * Ernannt wurde am 21. Februar der ordentliche Professor Dr. Wolfgang Mitterrnaier zu Bern zum ordentlichen Professor in der juristischen Fakultät der Landes-Universität mit Wirkung vom 1. April d. Z. an.

* * Auszeichnung. Verliehen wurde am 29. Ja­nuar dem Gememdeeinnehmer und Kirchenrechner Jakob Peter Lehr zu Bullau das Allgemeine Ehrenzeichen mit der InschriftFür 50 jährige treue Dienste".

* * Hessischer Zentralverein für Erricht­ung billiger Wohnungen. Nachdem das hessische Wohnungssür.orgegesetz vom 7. August v. I. am 15. Januar in Kraft getreten ist, hat der Vorstand des genannten Vereins in einer am 16. d. M. in Darmstadt abgehalteneu Sitzung beschlossen, nunmehr in eine kräftige Bewegung zur Hebung ber Wohnungsverhältnisse . bet minderbemittelten Klassen in Hessen einzutreteu. Die Führung der Vereinsgeschäfte iji im Einverständnisse mit dem Großh. Ministerium des Innern dem Landeswohnungs- inspektor Gretzfchel in Darmstadt nebenamtlich über­tragen worden^ Ter von dem Genannten in der Sitzung vorgetragene Lätigteitsplan fand die Billigung des Voi.- standes. Dieser Plan sicht namentlich eine enge Fühlung­nahme mit ahen Interessenten am K l e i n w o h n u n g s- b a u vor. Eine solche Fühlungnahme mit den Verwalt­ungsbehörden ergabt sico schon aus der amtlichen Stell­ung des Landeswo^nungsinspeü.ors; der Verein will ferner insbesondere mit den im Lande vorhandenen gemein­nützigen Bauvereinen, mit sozialpolitischen Vereinen, mit Vereinen der Arbeitgeber uno urbeiter und mit alten Ein zelDersonen, welche Interesse für die Zwecke des Vereins haben, in Verbindung freien und zur Verwirklichung der vorhandenen Bestrebungen auf Beßerung der Wohnungs­verhältnisse der kleinen Leute durch Erteilung von Rat und Austunft iaci/gemäuer Art, Beswasfung des ersorder- lichen Materials an Statuten, Geschäft,anweisungen, Bau­plänen, buru) Hanen von Vonragen usw. raik.äfi.g bei-' tragen. Ter V^remsoo^and hoff., bab baburci) insbeson­dere der gemeinnützige Wohnungsbau in Stadt uno Land einen kräftigen Aufschwung nehmen wird, umsonwhr als für denselben nunmehr auch Staatsmittel zu günstigen

Bedingungen zur Verfügung stehen. Andererseits will der Verein auf dem Gebiete des Wohnungswesens auch auf- klärend wirken. Es soll dies u. a. in einer demnächst statt­findenden Hauptversammlung des Vereins geschehen, für welche als Referenten bereits hervorragende Männer ge­wonnen worden sind. Alle Zuschriften für den Verein sind an die Geschäftsstelle desselben in Darmstadt, Wilhelminen- straße 3, zu richten.

** Die ersteJahresversammlung des Bienen­züchtervereins fand am Sonntag in der Restauration Bauer statt. Der Vorsitzende hieß mit Worten des Dankes die zahlreich erschienenen Imker willkommen. Zunächst wurde zur Rechnungsablage geschritten. Der Vermögensstand ist befriedigend. Die Mitgliederzahl betrug im letzten Jahre 120. Ter Verein unterhält für seine Mitglieder ein Depot in den nötigsten Bienengeräten und Kunstwaben. Es wurde be­schlossen, dasselbe auch in Zukunft beizubehalten und durch Neuanschaffungen zu ergänzen. Nach einigen geschäftlichen Mitteilungen wurde der angekündigte Vortrag verbunden mit praktischen Vorführungen über eine neue Tränkweise der Bienen gehalten. Daran schloß sich ein lebhafter Meinungsaustausch an. Der Vortrag dürste sicher viele Imker veranlaffen, den Tränkapparat, der für wenig Geld nebst Gebrauchsanweisung erhältlich ist, praktisch zu erproben. Die nächste Versammlung findet im April statt.

XV. Dorf-Gill, 23. Febr. Der hiesige vor ca. drei Jahren gegründete Kriegerverein beschloß bei der dies­jährigen Kaisergeburtstagsfeier die Anschaffung einer Vereins- fahne. Zu diesem Zweck wurde heute vom Vorstand des Vereins eine Sammlung bei den Frauen und Jungfrauen veranstaltet, welche die stattliche Summe von 429 Mark ergab.

k. Freien-Steinau, 22. Febr. Bei der gestrigen Holzversteigerung in den freiherrlich Riedeselschen Wald­ungen, Distrikt Naxburg, waren die Preise erstaunlich hoch. Der Raummeter Buchenscheitholz kostete 99,50 Mk., Buchenprügel 88,50 Mk., Wellen 22,50 Mk. Die sehr hohen Preise sind den Umständen zuzuschreiben, daß die Naxburg vorzügliches Brennholz liefert und an der Staats­straße liegt. Auch ist der Anschluß des Vogelsberges durch die Bahn LauterbachGrebenhain nicht ohne Einfluß ge­blieben.

() Rudingshain, 22. Febr. Der 25jährige Sohn des in unserem Grunde wohnenden Müllers ging vor­gestern gegen Abend in die Mühle, um dieselbe zu be­dienen. Da er den Angehörigen zu lange ausblieb, glaubten diese, er wäre in das Dorf gegangen. Sie schickten nach ihm, er war aber nirgends zu finden; sie gingen wieder in die Mühle und suchten. Hier bot sich ihnen ein entsetzlicher Anblick, sie fanden den Körper zerrissen; der junge Mann war in das Kammwerk der Mühle geraten. Am Sonntag fand unter Beteiligung der ganzen Gemeinde die Beerdigung statt.

Q Angersbach bei Lauterbach, 22. Febr. Mit dem Bau eines neuen Sch ul haus es wird in aller Kürze be­gonnen. Baumaterial ist bereits auf dem Bauplatz an­gefahren. Voraussichtlich wird der Neubau erst mit Beginn des Winterhalbjahrs 1904 in Benutzung genommen werden können. Derselbe soll zwei Schulsäle, zwei Lehrerwohnungen und eine Vikarwohnung umfassen. Mit Fertigstellung des Neubaues, vielleicht auch schon vorher, wird die sellher drei- klassige Schule m eine vierklassige verwandelt werden, denn die Zahl der Schüler der Unterklasie ist schon jetzt auf nahezu 100 gestiegen.

|| Nidda, 23. Febr. Gestern fand hier der Bezirks­tag des Kriegerbezirksoerbandes Nidda statt. Der ungefähr 30 Jahre als Bezirksoorsitzender an der Spitze stehende Herr Philipp Bechtold, der sich großes Verdienst erworben hat, legte wegen vorgeschrittenen Alters sein Amt freiwillig nieder. An dessen Stelle wurde Oberamtsrichter Röm Held von hier gewählt, der früher Bezirksoorsitzender des Bezirks Ortenberg war, und allen Bestrebungen auf dem Gebiete des Kriegervereinswesens großes Interesse zeigte.

T Darmstadt, 24. Febr. Vom 30. März bis 18. April d. I. wird an der hiesigen Turnlehrerbildungs- anftnlt unter Leitung des Großh. Turninspektors em Turn­kursus stattfinden, der nicht nur für Lehrerinnen, son­dern auch für solche Damen bestimmt ist, die nicht dem Lehrerberuf angehören.

Klozetz tzrner.

Leipzig, 24. Februar.

Ter Vorsitzende verliest einen Brief Dr. Gentzsch's an Schmidt vom September 1899, nach dem die Leipziger Bank den Prospekt zwecks Einführung junger Treberaktien bei dcr Berliner Börse nicht unterschreiben werde, um bei der Zulassungsstelle fein Befremden zu erregen und in dem Gentzsch Schmidt ersucht, nicht jeden in die Bücher sehen zu lassen, damit das Leipziger Obligo nicht bekannt werde. Schmidt antwortete zujiimmend und teilte mit, er habe bereits ein Geheirnbuch angelegt, da die Konttir- renz versuchte, Angestellte zu bestechen. Auf Befragen bemerkt Exner, er habe, wie bekannt, bereits im Dezember 1898 Bedenken gefügt, ob es möglich sein werde, die Be­ziehungen zur Trebergesellschaft gedeihlich zu beenden. Er habe diese Bedenken Gentzfch und Sachsenroder mitgetcilt Letzterer habe ihn zu pes.imistisch gefunden und gewünscht, er, Exner, möge auf e.ner Urlaubsreife ausspannen. Nach seiner Rückkehr erfuhr Exner von Gentzsch's Einrichtung des Privatjckretariats, damit nicht jeoec die Beziehungen zur Trebergesellschaft inspiziere. Sachverständiger Plaut erklärt auf Befragen, ob Exner bei Anknüpfung der Kasse­ler Beziehungen )vrgfältig genug gehandelt haoe, die Ver­bindung habe anfangs vielleicht gut ausgesehen, dann habe sich aoer herausge,iellt, daß bereits die Treberbilanz vom 31. Januar 1895 gefälscht sei. Im November 189, hätte die Leipziger Bant die wahre Sachlage durchschauen müssen. Kommerzienrat Sieslind stimmt dem Vorredner zu. Sachverständiger Plaut bemerkt: Tie Errichtung eines Privatsekretariats sei an sich zulässig, im vorliegenden Falle aber offenbar geschehen, um Engagements ber Tre- oergeselischaft zu verheimlichen. Exner bestreitet dieses und erklärt sodann, er habe die Absicht gehabt, den Pro­kuristen Wutl)e zur Revision nach Kassel zu schicken, habe diesen Plan au, Widerspruck Schmidts hm jedoch auf ge­geben. chäaul bunierit, Schmidt habe guLn Gründ hierzu gehabt, oa die 'tun,er ber Trebergesellfamst uno der Tocy- terroerfc sämtlich gefälscht waren. In der Generalversamm­lung vom März 1899 habe die Opposition den Plan gehabt, die Einsetzung einer Revisionskommission zu beantragen,

diesen aber wieder aufgegeben, weil sie dessen Erfolglosig­keit vorausgesehen hätte. Darauf wird der Prokurist Wuthe vernommen, welcher beftreitet, daß durch das Privat­sekretariat die Verheimlichung bewirkt sei, er habe stets dahin zu wirken gesucht, daß Schmidt erhöhte Sicherheit schäfte und nicht ohne vorherige Anzeige Wechsel auf die Leipziger Bank ziehe. Plaut erklärt, letzteres sei stets geschehen. Es hätte nur verhindert werden können, wenn Die Bank die Wechsel hätte protestieren lassen; darauf wäre aber der Zusammenbruch ber Leipziger Bank und bei Trebergesellschaft erfolgt. Zeuge Tirettor Schobruns be­kundet, daß ihm Exner gestattete, alle Schriftstücke im Privatsekretariat zu lesen, nur dürfe er nichts in eine andere Abteilung bringen; daher habe er von der Erlaubnis keinen Gebrauch gemacht. Plaut bemerkt, die gefährdete Lage der Bank hätte jedermann daraus ersehen können, daß sie Wechsel zum Privatsatz der Reichsbank, also mtt Verlust, begab. Zeuge Schobruns weiß hiervon nichts. Im weiteren Verlaufe der Verhandlung kommt noch zur Sprache, daß Exner bei Schmidt an fragte, weshalb er ihm nur Wechsel auf das Ausland, nicht auch gute schicke. Die Sachverständigen bemerken, Schmidt handelte in feinem Interesse, wenn er gute Wechsel anderweitig diskontieren ließ. Er habe die Wechselsumme alsdann sofort aus- bezohtt bekommen. Er hätte aber ein solches Verlangen nicht an die Leipziger Bank stellen können. Die Der Hand lung wird bann auf morgen vormittag 9 Uhr vertagt.

Vermischtes.

* Dresden, 24. Febr. DenDr. N. 91* wird aus Salzburg gemeldet: In hiesigen Hofkreisen glaubt man mit Bestimmtheit, daß der Papst die zwischen dem Kron­prinzen von Sachsen und der Prmzesiin Louise ge­schlossene Ehe annullieren werde, nachdem diesbezügliche Gründe vorliegen, welche dem kirchlichen Gerichtshof in dieser Hinsicht vollkommen genügen dürften.

D ie Zivilkleidung des Kaisers. Bei allen Empfängen, Festlichkeiten, Audienzen, Besuchen u. s. w. trägt der Kaiser bekanntlich Uniform. Bei den häufigen Reisen innerhalb des Deutschen Reiches ist er stets in militärischer Kleidung, und ebenso zu Hause in seinem Arbeitskabinett. So sehr aber der Kaiser die Uniform bevorzugt, immer kann er sie nicht tragen. So läßt sich bei dem Lawn-Tennis kein enger Militärrock tragen. Der Kaiser benutzt deshalb bei diesem Spott weiße Flanellanzüge. In der im Schloß Monbijou befindlichen Lawn-Tenms-Spielhalle ist der Kaiser stets in dieser Kleidung, über die er beim Verlassen des Gebäudes den langen Militärmantel wirst. Ferner werden während der Nordlandreisen, die der Kaiser zu unternehmen pflegt, von ihm und seiner Umgebung meist Zivilkleider be­nutzt. Ern Fachblatt, derHerren-Kons.*, weiß nun über die Zivilkleidung des Kaisers folgendes mitzutellen: Es sind bräunliche und hellgraue Farben überwiegend vettreten. Bei den Regatten des kaiserlichen Jacht-Klubs in Kiel pflegt der Monarch die Vereinskleidung zu tragen, die aus doppel­reihigem Sacco von blauen Tuch, weitem Beinkleid und blauer Mütze mit dem Abzeichen des Klubs besteht. Während der Kaiser bei den Besuchen frember Höfe fast immer in der Uniform des fremdländischen Regiments, besten Jnhnber er ist, reift, trifft dies bei den Reisen nach 6nglanb nur in Ausnahmefällen zu. Die Mitglieber bes englischen Königs­hauses legen nur bei offiziellen militärischen Festen bie Uniform an, währenb bie Benutzung ber Zivilkleibung bie Regel ist. Aus biesem Grunbe trägt ber Kaiser währenb seines Aufent­haltes in Englanb Zivilkleiber. Hier ist auch bie einzige Gelegenheit, ihn im Frack unb Smoking zu sehen. In früherer Zeit bezog ber Kaiser ben größten Test seiner Zwllkleibung aus Englanb. Seit einer Reihe von Jahren warb ber Bebarf jeboch in Deutschlanb gebeeft. Dabei ist PotSbam weit reichlicher mit Lieferungen bedacht als Berlin. Bei ber geringen Benutzung ber Zivilkleiber ist für biese un kafferlichen Haushalt nur eine verhältnismäßig kleine Summe vorgesehen.

* Mün chen, 22. Feor. Postaniveijungen auf©inen Pfennig" lautend, wurden heute der Post übergeben. Dieseriesigen" Beträge kamen aus dem Konkurs­verfahren gegen einen Architekten an die Gläubiger zur Verteilung. Es bezifferte sich die Verteilungsquote der nicht vorberechtigten Forderungen auf 0,78 Prozent. Ein hiesiger Rechtsanwalt, der 600 Mark zu fordern hatte, bekam derAllg. Ztg." zufolge etwas über 5Vs Mark. An zwei Gläubiger wurden Po>ianweisungen mit je einem Pfennig, an einen mit zwei Pfennig, an einen mit vier Pfennig verschickt, und so ging's hinauf bis zum Bettag von fast einer Mark!

Kunst und Wissenschaft.

Ter Großherzog von Baden hat dem Maler Pros. Wil­helm Trübner in Frankfurt a. 2JL bas Ritterkreuz erster Klasse nut Eichenlaub verliehen.

Gerichts sunt.

DuiSbnrg, 24. Febr. Ein Aussehen erregender Wahrspruch wurde in der letzten Sitzung des hiesigen Schwurgerichts abgegeben. Die Witwe Schulz hatte sich wegen M o r b e s, begangen an ihrem Ehemann, zu verantworte«. Tas Ehepaar lebte infolge der Trunksucht de§ Alanues schon seit Jahren in beständigem Umrieben, sodaß Zank und Streit sowie Mißhandlungen der Frau an der Tagesordnung waren. Als nun der 9)laim im November v. I. seine Frau wiederum schlagen wollte, ergriff die letztere den Leib­gurt des Mannes, legte ihm denselben um den Hals und zog dann so lange an JDem Gurt, bis der unglückliche Ehemann erdrosselt war. Ter^Staatsanwalt beantragt die Bejahung der aus Mord lautenden Schuldiragen, die Geschworenen verneinten dagegen die Schuldsragen, da die Tat ün Affekt begangen worden sei. Jniolge- dessen mußte der Gerichtshof auf Freisprechung ber Ange­klagten erkennen.

Polnischer Unfug. Wie au5 Katkow itz telegraphiert wird, wurde daselbtt bet Redakteur der großpolnischen Zeitung, Gornoslazak, wegen groben Un'ugs zu vier Wochen Gesängms Dcnirtcih, weil das Blatt die Polen ausgeiordert hatte, dte Irr- screpten dcr Kattowitzer Ztg. zu boykottieren.

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