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24.11.1903 Erstes Blatt
 
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Nr. 276 Erstes Blatt. 153. Jahrgang Dienstag 24. Novemberl903

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LW " General-Anzeiger " WM

< Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen MGZ

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Aie Areistnuige Bereinigung.

Aus parlamentarischen Kreisen wird uns geschrieben:

Die Freisinnige Vereinigung hat sowohl bei den Wahlen zum Reichstag, wie auch bet denen zum preußisch en Abgeordnetenhause verhältnismäßig am wenigsten gut abgeschnitten. Der Rückgang dieser politischen Gruppe datiert seit dem Tode ihres früheren Führers Hein­rich Rickert. Man kann für die vielseitige Begabung Dr. Theodor Barth's, seines Nachfolgers, volles Verständ- nis haben, und wird doch zugeben müssen, daß ihm die Befähigung zum politischen Taktiker fehle. Diesem^ Mangel hat Dr. Barth es zuzuschreiben, daß er selbst weder in den Reichstag, noch in den preußischen Landtag zurück- kehrt. Fünf Jahre parlamentarisch rfaltgefteUt* zu sein, muß von einem politischen Führer schmerzlich empfunden werden, besonders wenn der Leserkreis der von ihm herausgegebenen Zeitschrift immerhin beschränkt ist, wie das auf die Dr. Barth'sche ,Nation" zutrifft. Die wenigen Abgeordneten der Freisinnigen Vereinigung nun sind in der neuen Legislatur­periode fast zur Bedeutungslosigkeit verurteilt. Auch der eine Repräsentant der national-sozialen Richtung, Abgeordneter v. Gerl ach, kann nicht das Kraut fett machen! Es fragt sich deshalb, ob die Freisinnige Vereinigung dem Interesse des Liberalismus nicht mehr dient, wenn sie ihre Eigenschaft als selbständige parlamentarische Gruppe auf = giebt und sich einer größeren Parteigruppe beigeseüt. Es braucht ja kein förmlicher Anschluß zu erfolgen. Dian kann sich fürsHospitiren" entscheiden. Durch die Sonder- bündelei ist dem Liberalismus schon beträchtlicher Schaden zugefügt worden. Es würde einen Schritt auf dem Wege zum Zusammenschluß der Liberalen bedeuten, wenn die Männer der Freisinnigen Vereinigung mit gutem Beispiel vorangingen.

Politische Tagesschau.

Zur Krankheit des Kaisers

ist der volle Wortlaut der Ansprache von Interesse, mit der Professor Dr. Moritz Schmidt aus Frankfurt a.M. kürzliche tu der Berliner Laryngalogischen Gesellschaft die Begrüßung des Vorsitzenden, Geh^ Rats Prof. B. Fränkel erwiderte. Er sagte: . Das Eigentümliche an der Sache

war nur der Trager des Polypen. Aber ich kann Sie ver­sichern, es ist mir so gegangen, wie es bei solchen Opera­tionen öfter geht: in dem Augenblick, wo ich mit dem Instrument im Kehlkopf drin war, habe ich ganz vergessen, wer vor mir saß, ich habe nur den Polypen gesehen. Der Patient war auch so liebenswürdig und hat so gut gehalten, daß die Operation als solche nicht s ch w e r w a r. Das, was mich aufrichtig freute, ist, daß die deutsche Laryngologie zu Ehren gekommen ist nicht durch mich; das hätte jeder andere gerade so gut leisten können, aber durch die Umstände, die vorhergegangen sind. Es waren am Sonntag gerade 15 Jahre, daß ich mit dem Prinzen Wilhelm nach San Remo gefahren bin. (Hier liegt ein kleiner Irrtum vor, es sind 16 Jahre.) Seitdem bin ich öfter noch bet ihm gewesen, und so war es wohl ganz natür­lich daß der Kaiser, nachdem die Sache nunmehr durch Dr. Jtberg entdeckt war, sich an mich gewandt hat. Aber daß die deutsche Laryngologie zu Ehren gekommen ist, das freut mich und zweitens freut es mich daß diesmal keine Mackenziade austzefuhrt worden ist. Ich glaube, Sie werden darin alle mit mir einverstanden {ein. Ich habe mir aber auch die größte Mühe gegeben, daß auch nicht ein Wort von der Sache transpiriert ist. Es datiert schon vor zwei Mon aten, wo ich den Kaiser zum erstenm ale unter­sucht habe. Damals habe ich gleich gesagt: nicht ein Wort, ehe die mikroskopische Unteriuchung des anscheinend gutartigenTumors wirklich vorliegt. So haben wir's gehalten, und ich glaube, das war diesmal das Richtige. . (Br avo!) ________

Deutsches Keich.

Berlin, 23. Nov. Der Kaiser hörte heute den Bor- trag des Chefs dcs Ziöilkabmetts v. Lucanus und empfing später den Botschafter Frhrn. o Sternbura, den Admrrat v. Senden-Bibran und den Earl os Lonsdale.

Die für Ende dieses Monats m Aussicht genommene große Hofjagd in der Höhrde, welche wegen der Er- t r an kung des Kaisers aber ausgeschoben wurde, wird nun, soweit bis jetzt Manul H mn 17. und 18. nächsten Monats stattfinden. Dte für Anfang Dezember geplant gewesene Hofjago in den Forsten von Köntgs- Wusterhausen ist für dieses Jahr aufgegeben worden.

Nachdem der Kaiser Frredrtch-S.ttstuna für das ärztliche Fortbildungswesen dre landesherr­liche Genehmigung erteilt worden tft fand am 21-November die konsumierende Sitzung der Stiftung statt Me Leitung des ärztlichen Beirats übernahm 'M>fesfor v. Bergmann. An den Kaiser wurde telegraphische Meldung über dre Kon­stituierung erstattet. Hierauf richtete der Kars er ein Telegramm an den Ehrenvorsitzenden Reichskanzler Grafen Bülow, in dem er seine Freride über die erfolgte Kon tituierurtg aussprichl: Es habe ihn mtt Besiiedtgung erfüllt daß es gelungen sei, das dem Andenken der hohen Entschlafenen gewidmete Werk in so kurzer Zeit auf eine gesicherte Grundlage zu stellen, zu organisieren und dadurch erkennen zu lassen, auf welch fruchtbaren Boden die An- fceaunaen seiner teuren Mutter zu einer besseren, wissen­schaftlichen Fortbildung der Aerzteschaft gefallen seien. Der Kaiser wünschst, indem er allen an dem pietätvollen Werke

Beteiligten dankt, daß die Sttftung, welcher er ein leb­haftes Interesse stets bewahren werde, sich alS Pflanzstätte ärztlicher Wissenschaft kräftig weiter entwickle und für das Volkswohl reichen Segen schaffe.

DerSchiles. Ztg." zufolge ist der Vizeadmiral a la suite der Marine Graf Waldersee, ein Bruder des Feldmarschalls, gestern in Meesendorf, Kreis Neumark, ge­storben.

Der Bundesrat überwies in seiner heutigen Sitz­ung den (vom Gießener Oberbürgermeister Mecum ange­regte D. Red.) Antrag Hessens auf Zulassung einer Ausnahme vom Verbote der Sonntagsarbeit im Gewerbebetriebe dem zuständigen Ausschuß.

Gegenüber einer Meldung, nach der oie jetzt in Berlin geführten deutsch-russischen Handelsvertrags­oerhandlungen voraussichtlich bereits Ende dieser Woche zu einem vorläufigen Abschluß gelangen, erfährt die Ncttionalztg.", daß zwar die Meldung allzu optimistisch ge­halten fern könne, aber doch der Stand der bezüglichen Ver- tjani)Lungen als gut bezeichnet werden darf.

Die Beratung des zu Anfang dieses Jahres dem Bundesrat zugegangenen Gesetzentwurfs betr. die Kauf- mannsgerichte, der in den Ausschüssen liegen ge­blieben war, ist jetzt wieder ausgenommen worden. Die Beratung sott so gefördert werden, daß der Entwurf in seinen Grundzügen, namentlich bezüglich des Anschlusses der Kauf­mannsgerichte an die Gewerbegerichte, aus dem Bund^K.at unverändert zurückkommt.

Vor den besoldeten Wortführern des Bauernbundes hat vor einiger Zeit der württembergi- sche Minister des Innern v. Pis ch e k die Lanowirte ge­warnt. hierauf hat jüngst nach derNatioualztg." fceim Viehmarkt in Oehringen der Hauptreisende des Bundes in Württemberg, Redakteur Körner, geantwortet, es sei leichter, bezahlter Wortführer Seiner Maje­stät zu sein als der der Bauern.

Pfarrer a. D Dr. Naumann hat dieser Tage in München einen Vortrag gehalten. Es heißt darin, der Kaiser setze sein Jcy, in oie Mitte des Deutschtums, und das rein Persönliche komme in einer Schärfe und Bestimmt­heit zum Vorschein, wie wir es seit den Tagen des ersten Napoleon in Europa nicht gesehen haben.Es ist, als ob der Kaiser an Bismarcks Stelle getreten sei und ;ob das alte Ich mit dem wen en noch nächtliche Zwiesprache führe, und das neue Ich flutete trotz den folgenden Kanzlern über die deutschen Politiker hinaus, es flutete in andere Gebiete über, von denen in der Reichsverfas sang kein Wort steht. Allein das ist menschlich unö pshchologsscy erklärlich, es hat zu allen Zeiten nicht nur Könige, sondern auch große Künstler und Gelehrte gegeben, die auch andere Gebiete mit ihrem Ich zu füllen trachteten. Rubens und Richard Wagner sind solche Beispiele von überschießender P er s o n a 1 kr a.s t"

Die Beschlagnahme der Nummer 963 derR h- Westfal. Ztg.", die wegen angeblicher Majestätsbeleidig­ung erfolgt war, ist nach einer Meldung aus Essen auf- gehoben worden.

DenVerl. Pol. Nachx." zufolge sollen im Reichs­haushaltsetat für 1904 vier Millionen Mark für die Ver­mehrung der Betriebsmittel der Reichseisen­bahnen gefordert werden.

Bei den Charlottenburger Stadtverord­net e n w a h l e n der dritten Abteilung fielen j e chs Mandate an die Sozialdemokraten, während in zwei Bezirken noch Stichtvahlen notwendig sind.

Wildpark, 23. Nov. Prinz H e i n r i ch ist heute nach­mittag aus Darmstadt hier eingetroffen. Er begab sich nad)i dem Neuen Palais.

Oldenburg, 23. Nov. Wie verlautet, begibt sich der Groß Herzog wegen einer geringen Herzaffe ktion, die üssolge von Influenza sich bemerkbar machte, dem­nächst auf 14 Tage nach Dresden in Behandlung von Dr. Reyher.

Bonn, 23. Nov. Heute mittag wurde hier das neue Oberbergamtsgebäude ein geweiht. Minister Moller führte in [einer Ansprache u. a. aus, das Einvernehmen zwischen der Behörde und der Industrie sei nirgends so notwendig, wie im Bergbau. Der Bergbau habe von jeher in den Knappschaftskassen mufter- gUtige EinriaMngen zum Wohle der Arbeiter besessen. Diese Kassen seien der Ausgangspunkt für einen Teil der sozial­politischen Gesetzgebung Deutschlands in der Krankenver- zicherung geworden. Weiter wies der Minister darauf hin, es scheine, als ob sich am Niederrhein ein neues großes Revier erschließe, wo die ZecheRheinpreußen" schon ge­waltige Ausschlüsse gemacht habe und wo noch größere Auf­schlüsse zu erwarten seien.

Breslau, 23. Nov. Der Vorstand des Schlesischen Journalisten- und Schriftsteller-Vereins hat dieser Tage folgende Resolution gefaßt:

Der Oberbürgermeister hat in letzter Zeit zu wiederholten Malen, und zwar anläßlich der Theater­debatte, Gele-genheit genommen, seiner Nichtacht­ung der Breslauer Preise in öffentlicher Stadtverord- neteusitzung scharfen Ausoruck zu geben. Da er es über­dies unterlassen hat, für diese persönliche Ansicht, die aber durch die Stelle, von der sie vorgettagen wurde, ein besonderes Gewicht erlangte, irgend welche Gründe anzuführen, so empfindet der Vorstand desSchlesischen Journalisten- und Schriftsteller-Vereins" die Angriffe des Oberbürgermeisters als grundlose Verunglimpf­ung der Breslauer Presse. Der Vorstand legt daher gegen dieses Vorgehen des Oberbürgermeisters öffent­lichen Protest ein."

Di ü n ch e n, 23. 9iov. Die Kammer beriet heute eine größere Zahl von Petttionen, welche sich gegen die et­waige Gründung eines Beamtenwarenhauses rich­

ten. Ter Petttionsausschuß beantragte, diese Petttionen der Staatsregierung zur Würdigung zu überweisen. Der Minister Freiherr von Feilitzsch erklärte, bei der etwaigen Gründung eines Beamtenwarenhauses werde die Staats­regierung prüfen, wie weit die Vorschriften, wonach den Staatsangestellten der Betrieb eines Gewerbes gestattet werden könne, Anwendung finden. Vorerst sei aber über die Organisation eines solchen Warenhauses nichts bekannt. Die Regierung sei daher nicht in der Lage, jetzt schon eine Entscheidung zu treffen. Die Staatsregierung würde die Gründung eines Beamtenwarenhauses als unerfreu­liche wirtschaftliche Erscheinung betrachten müffen und dem Unternehmen keinerlei Unterstütz­ung zu teil werden lassen. ___________________________

Ausland.

Haag, 23. Nov. In der zweiten Kammer gab der Kolonialminister auf Anfrage der sozialistischen Abgeord­neten die Erklärung ab, er könne die von den Deputierten angeregte Idee, einen bestimmten Teil der niederlän­disch e n &oIonien an eine andere Macht zu v er kaufen, um mit dem Gelde die Not, die unter einem Teil der ein­geborenen Bevölkerung Javas herrsche, zu lindern, nicht in Erwägung ziehen.

Paris, 24. Nov. ''(Kammer b er Abgeordne­ten.) Nachdem sich Minister Delcasse, zur Frage der Ein­schränkung der Rüstungen geäußert hatte, bemerkt ^ey- gues (Radikaler): Man hat diese Frage der Abrüstung auf dem Kongreß in Rouen auf Wunsch öer deutschen De­legierten ausgeschieden. (Länn auf der äußersten hinten.) Der Kongreß in Rouen beschloß, einen Protest der Entrüstung gegen die Verletzung der Völkerrechte. (Bei­fall auf der äußersten Linken.) Wir leiden ebenso sehr wie sie unter den Lasten, die der bewaffnete Frieden mit sich bringt, aber wir werden ihrem Anträge nicht zustimmen, weil oied unseren Verfall proklamieren hieße (Beifall) und weil wir unsere militärische Pflicht nicht vergessen wollen. Sie sprachen von wirtschaftlichen Interessen. Neun wohl, fcergeben Sie nicht, daß am Tage nach unserem Unglüa Deutschland seinen wirt- '.chajrlichen Aufschwung nahm. Wir wollen fried­liebend sein, aber die y a n d a m D e g e n halten. Ver- gesfen wir daß die Di acht die Sckjutzwehr der Ehre und der Freiheit ist. (Lebhafter Beifall.) Paul Konstanz erklärte namens der Sozialisten, sie föniiten die Worte eines Ministers nicht billigen, der sage, Frankreich werde niemals einwilligen können, die Frage der Einschränkung der Rüstungen zu prüfen. Er, Konstanz, sei natürlich gegen die im Jayre 18/0 erfolgte Verstümmelung Frankreichs, aber er yave das Recht, von einer internationalen Verständigung der Ruagabe Elsaß-Loth- ringens an Frankreich zu erwartem

Rom, 23. 9cov. Der soziattstischeAvanti" behaupten von dem neuen Artilleriematerial seien 450 Feld- und 130 Berggeschütze durch einen Fehler an der Lassette un­brauchbar. Der Schaden hieraus belaufe sich auf 20 Millionen Lire.

Sofia, 23. blov. Zwei macedonisch e Despera­dos vollführten gegen den Millionär (Neschow, ge­wesenen Finanzminister und Chef der Nationalpartei, einen Ueberfall. Die Macedoiner drangen in Ge,chows Ar­beitszimmer ein und verlangten von ihm die Unterschrift für zwei Schuldbriese zu 40 UüO und lu 000 Fr cs., indem sie zwei Revolver auf ihn anschlugen und drohten, durch em mitgebrachtes Kistchen, das angeblich D y n am i t enthalte, das Haus in die Luft zu sprengen. Geschow sah sich gezwungen, die Schuldbriese zu unterschreiben. Als aber em Abgesandter der beiden (Äpresser das Geld auf der Bant avyolen wollte, wurde er verhaftet.

Petersburg, 23. Mv. Ein über den Gesund­heitszustand der Kaiserin ausgegebenes Bulletin lautet: Die Kaiserin hat nachts mit Unterbrechungen ge­schlafen. Gestern abend Temperatur 37,4, Puls 70, heute morgen Temperatur 37,1, Puls 68. Der lokale Entzünd­ungsprozeß enttoiaelt sich äußerst langsam. Das sub­jektive Empfinden ist genügend, der Appetit wird besser.

Aas )Ulchtöare Anwetter

am Samstag richtete auch in Sachsen schwere Verheer» u n g e n an. In Hall e a. S. wurden schwere Kupserplatteu von dem alten historischen Roten Turm abgehoben und weil weggeschleudert, die neue Pauluskirche, welche kürzlich im Beisein der Kaiserin eingeweiht worden ist, wurde schwer be­schädigt. Auf der Grube von der Heydt wurde ein Schorn­stein umgeworfen, wobei ein Heizer erschlagen wurde. In Freiburg cu d. Unstrut wurde em Schornstein der Brauerei zertrümmett und der Dachstuhl vollständig zerstört, wobei viele Diajchinen beschädigt wurden. In Schkeuditz wurde die Turmspitze des Rathauses vom Sturme umgeknickt: viele Dächer wurden abgedeckt. In N a r s d o r f und Markranstädt wurden große Schornsteine niedergelegt und Dächer abgedeckt. In M i 11 i § wurde in der Fabrik von Schimmel u. Co. das Dach über einen Wasserbehälter gehoben und auf das Kesselhaus geschleudert. Die bedeutenden Hoizmassen flogen zum Teil auf ein Eisenbahngleis und hemmten zeitweilig den Verkehr. Mehrere Zentner schwere Stücke flogen hundert Schritte über den Bahnkörper hinweg. In Döbeln wurde im Teiche ein Mann ertrunken auf­gefunden, von dem man glaubt, daß er vonl Sturm in den Abgrund geweht wurde. In Di a g d e b u r g wurde eine Anzahl Spiegelscheiben eingedrückt, Schaukasten herabgerissen, Garteneinfriedigungen und Bauplanken umgeworfen, Tele-