Ausgabe 
24.9.1903 Zweites Blatt
 
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ÄW. ÜBiverzagt.

Paris, 21. Sept. Während bie Netze der Beweis- führnng fich immer enger um die Giftmischerin Frau Galtiö zusammenzichen, hat diese bisher im Gefängnisse ihre Ruhe und selbst ihre Lebensfreude zu bewahren gewußt. Das ist aber anders geworden. Der Unterfilchungsrichter legte ihr nämlich die Schmuckstücke vor, die sie vor mehreren Jahren Frau Larrieu enüoendet hatte. Zuerst leugnete sie entschieden ab, daß diese fremdes Eigentum seien, geriet aber plötzlich in große Aufregung, als der Richter ihr ankündigte, er werde sie mit Frau Larrieu konfrontieren, und hinzufügte, daß, wenn Frau Galtie nicht die Diebin wäre, ihr toter Gatte dieses Vergehens bezichtigt werden müsse. Sie brach fast zusammen und wurde von einem wahren Weinkrantpse erfaßt. Sie gestand den Diebstahl ein, bat aber dann, sie für diesen Lag zu lassen, da ihre Kräfte erschöpft seien. Sie leide unsäglich und fürchte, wahnsinnig zu werden. Man führte sie in ihre Zelle zurück, wo sie einen heftigen Nerven- ansall hatte, um nach diesem vollkommen gebrochen und teil- nahmlos vor sich hinzustarren. Man davon überzeugt, daß man es mit ei" zurechnungsfähigen Person zu tun hat allen Nachforschungen Motive für Gatten, des Bruders und der Großr

Paris, 22. Sept. Der Gruben-Jngenieur Gambe hat dem Chemiker Moisiau eine Aufforderung zugehen lasten, vor einem Ausschuß zu beweisen, daß er auf künstlichem Wege Diamanten Herstellen könne. Als Belohnung hat er 5000 Francs ausgesetzt, wenn ihm seine Versuche gelingen.

* Aix les Bains, 22. Sept. Die Untersuchung wegen der Ermordung der Madame de Foug^re ist noch nicht abgeschlossen. Es ist nunmehr festgestellt, daß das Kammermädchen gegen 11 Uhr abends vor der Rückkehr ihrer Herrin ermordet worden ist. Man glaubt, daß der Täter ein ehemaliger Liebhaber der Ermordeten war.

Selbstm o rd eines Arztes. Wie aus Kiel ge­meldet wird, tötete sich der Marine-Stabsarzt Dr. M a t t h i s s o n von der Ostsee-Station durch einen Revolverschuß in den Kopf. __ _____________

Gerichwsaal.

n <22 Senk rh tri n r rr e * t cf)i f bc-

für beit Reservefonds bestimmten Gelder sicher auzulegxu. Er war heute geftäitibig, das Geld für sich verbraucht zu haben. Bezüglich der 800 Mk., die er aus der Gerichts­kasse nahm, aber später wieder ersetzte, indem er bei Pri­vaten Anleihen machte, fLlschjte er Bücher und täuschte so seine Vorgesetzten. Die Witwe Gies gab ihm vor 3 Jahren etwa 4000 Mk., imt ausstehende Verpflichtungen ihres Mannes zu begleichen und den Rest verzinslich auzulegen. Auch hier kam Florian nicht seinen Verpflichtungen nach, sondern verbrauchte das Geld. Er gab zu seiner Entschul­digung an, daß er durchs Krankheiten in der Familie und durch fortwährende Zuwendungen, die er an bedürftige Angehörige gemacht habe, in so schlechte pekuniäre Verhält­nisse geraten sei. Die Geschworenen bejahten sämtliche Schuldfragen, worauf das Gericht auf 4 Jahre Gefängnis erkannte. ,

Leipzig, 22. Sept. Das Reichsgericht verwarf heute die Revision des früheren Redakteurs derDres­dener Rundschau", Götz, der am 17. Februar 1903 wegen Beleidigung der Dresdener Poli^eidirektion, begangen durch einen Artikel zu Gunsten der ehemaligen Kronpriu-

Bienenzüchter ist eine Verfügung des preußischen Eisen­bahnministers lt.Mene" Nr. 6, wonach alle Betriebs- inspektionen und Bahnmeister angewiesen sind, auf Bahn- böschungen Bienennährpflanzen zu kultivieren und ev. die Vorschläge der Jmkervereine zu beobachten. Vielfach em­pfiehlt sich die Saalweide.

Ich möchte für unsere Bienenzucht die Wälder nicht als Kunstprodnkt, sondern als Naturprodukt wieder vor mer sehen. Damit will ich aber beileibe nicht den Urwäldern das Wort reden, aber einige Jahre könnte man der Natur des Waldes freien Lauf lassen. Warum ist die Bienen­zucht in Amerika so einträglich? Dort gehören Bienen- hüchter, die viele Hunderte, ja Tausende von Bienenvölkern rhr eigen nennen, nicht zu den Seltenheiten. Es sind die vielen Weid- und Grasflächen und die Natur-Wälder.

Damit bin ich anr Ende. Ich Hütte zuletzt noch den Wunsch, daß auch die Verschönerungsvereine, die sich in Städten, namentlich in größeren Städten, gebildet haben, mit in das Interesse gezogen werden, und daß städtische Bienenzüchter ihnen beitreten möchten und sie nut ihrem guten Rare, wie die Bienenweide zu heben sei, bedienen.

Berichte aus nah und fern.

§ Butzbach, 17. Sept. Gegenwärtig herrscht hier ein sehr bedeutendes Zwetschenaeschäft. Mehrere aus- wärtiae Obsthändler kaufen seit gestern in jeder Mlenge Zwetschen zum Durchschnittspreis von 4 ML pro Ztr. an und versenden solche ab hier sofort nach größeren Städten, sogar in das Auslands Das meiste Angebot stellt Butzbach, weil in hiesiger Gemarkung die diesjährige Zwet- schenernte!ganz enorm ist.

h. Aus dem SchlitzerlaNd. Die Ernte ist in hiesiger Gegend seit 10 Tagen vollständig zu Hause. Der Ertrag an Körnern ist s e i t 2 5 I a h r e n der beste. DaH ist sicherlich auf die viele Feuchtigkeit des Jahres zurück­zuführen, die der SaichLoden besser vertragen kann als alle übrigen Bodenarten. Im Vogelsberg dagegen ist die Ernte noch nicht beendet. Der schwere Basaltboden hält Wasser sehr lange fest, und es dauert daher lang, bis das Getreide schnittreif ist. Der Ernteertrag ist dort auch nicht so gut wie hier, ist aber noch imtnerhin gut zu nennen. lieber die Kartoffeln hört man aber hier wie dort klagen. Es aibt nicht so viel wie im Vorjahre, und außer­dem tritt die Fäulnis sehr stark auf. Kernobst gibt es nicht besonders viel. Man rechnet auf ein Achtel Ernte. Zwetschen gibt es dagegen in Menge.

h. Vom nördlichen Vogelsberg, 18. Sept. Wer in der Bahn die Strecke LauterbachAlsfeld fährt, erhält ein richtiges Mld von dem Schaden des letzten un­günstigen Wetters. Während in anderen Gegenden die Ernte vorbei ist, sieht man hier, daß noch ein großer Teil derselben draußen ist. Das Korn ist ganz zu Hause, aber die meiste Gerste und viel Weizen liegen noch. Der Hafer steht auch meistens noch,. Durch das nasse Frühjahr konnten die Leute in dem schweren Basaktboden erst spät aussäen bis Ende Mai und infolgedessen war oer Hafer bis jetzt grün. Die Aehren sind längst reif, aber die Halme nicht, und diese müssen doch auch ausreifien, wenn man g.utes Stroh erhalten will. Der Sturm hat die Aehren so gepeitscht, daß viele Körner ausgeflogen sind. Es ist noch ein Glück, daß die nassen Tage auch kalt waren. Von -gewachsener Frucht hört man daher wenig. Aber das Stroh hat durch die Nässe gelitten; es ist ganz mürbe geworden. Das Grummet ist erst teilweise zu Hause, vieles liegt vollständig im Wasser. Manche Wiesen finb1 nun schon eine Woche in Seen umgewandelt. Besonders« angst ist es den Leuten mit den Kartoffeln. Diese müssen buchstäblich aus dem Wasser gezogen werden, viele sind faul, und es wird vermutet, daß sie sich auch im Keller nicht halten werden. Die Obsternte war schon im Sommer nicht aussichtsvoll; seit dem Sturmwetter ist sie aber gleich Null.

Eine Beseitigung des freien landwirt- chaftlichen Vereins wesens strebt der Minister v. Podbielski an. Er will, daß die landwirtschaftkichen Haupt- Vereine den Landwirtschaftskammern untergeordnet wer­den. Aehnliche Versuche sind bereits früher in der Provinz Ostpreußen gemacht worden, dort aber bei den Landwirten auf erheblichen Widerstand gestoßen.

nicht ermittelt werden konnten, währe ist, daß in ihrer Familie von Mutter! und epileptische Anfälle sehr häufig v ein Arzt zur Untersuchung ihres ß worden, der bereits nach den erste geistige Defekte schloß.

Bekanntmal

Am 1., 2. und evtl, nach Bedarf jm» nachmittags 2 Uhr an, wird die Der des städtischen Hospitals, des noch vorhw Se^üge, Handtücher u. s. w. und der Küch

Gießen, den 2L September 1903.

Städtisches Armen o- Cursch mann.

Obstv ersteig«

Freitag, 25. September 1903, p ginnend, soll die Zwetschen-, Aepsel- städtischen Bäumen bei der neuen Univ Südanlage, an der Johannesstraße, aus Garten, an den Bahnhöfen, am Krosdorfe Weg öffentlich meistbietend versteigert wer

Die Zusammenkunft ist an der ne' in der Stephanstraße.

Gießen, 22. September 1903.

Der Oberbürgermeis Mecum.

Wemiiz Ser Nnschrt

Die Erneuerung der schadhaften ( wird voraussichtlich Anfangs nächste, werden. Da hierdurch eine Absperru wird und während einiger Tage dase verkehr stattfinden kann, so empfehl« uehmern von Koks, welche demnä, zu entnehmen beabsichtigen, erfordert Lnufe Vieser Woche ihre Fuhrwerke

Gießen, den 21. September 1903.

Städtisches GaS- und Waffe ______________Otto Bergen Landw. Aus

Die noch vorhandenen Gerippe vor und Festhalle, für Backsteinbrennereie. eignend, werden billig abgegeben. N dem Ausstellungsplatz und Regierum 7147 Der Ban- :

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Wüstungen liegen noch brach, nackt und leer da, die als Weideplätze für das Schasvieh wenig Mitzen abwerfen, weil sie nnbcschattet sind.

Damit komme ich auf die Weideplätze, d. h. auf solche Bodenslächen, die teils ihrer Bodenbeschaffenheit, teils ihrer Lage wegen zum Anbau sich nicht eignen und daher nur als Schafweide benutzt werden. Solche Weideplätze gibt es namentlich im Vogelsberg sehr viele. Unten auf dem Boden gibt es freilich für die Bienen da nichts zu suchen, weil die Schafe jedes Blütenknöspchen, welches sich hervorwagt, sofort abftessen. Aber durch Baumpflanzungen mit Kirschen, und wenn es auch nur Vogelskirschen sind, oder wo das Klima auch für diese zu rauh sein sollte, mit der kleinblätterigen Linde, könnten auch solche Bodenflnchen, die mitunter eine bedeutende Größe einneumen. ftir die Bienenzucht nutzbar gemacht werden und nebenbei würde sie den Schafzüchtern alsdann noch den Vorteil bieten, daß durch die Beschattung des Bodens auch in heißen und trockenen Sommern noch etwas Graswuchs zum Vorschein kommen kann. Außerdem wäre es, wo Krrschen und Linden nicht mehr fortkommen wollen, mit der Akazie zu versuchen, welche unseren Bienen jedenfalls noch nützlicher sein würde.

Ich komme nun zu den Wiesen, Gärten und An­lagen. Tie zahlreichen^Wiesenblumen geben eine herr­liche Bienenweide. Die Gärten können unseren Bienen gar vieles bieten vom Frühjahr bis zum 5-erbst hinein. Blumen­beete, teils für sich, teils an Einfassungen, Gartenlauben, allerhand blühendes Gesträuch und lebende Zäune, sogen. Heckeil, können für die Bienen nutzbar gemacht lveroen. Ich nenne Ihnen zuerst Arabis alpina; zu den Einfassungen der Beete muß der Reseda der Vorzug gegeben Werdern, und unter den Ziersträuchern verdient die Schneebeere ganz besonders genannt zu werden, denn sie blüht von Johanni bis in den Herbst hinein. Gartenlauben von Weiß­buchen sollte kein Menenwirt mehr dulden, sondern dafür Lauben von Bocksdorn (blüht bläulich), wildem Wein u. dgl. ziehen, die sehr schnell in die Höhe gehen und von den Bienen, besonders der erstere, den ganzen Sommer hin­durch beflogen werden.

Daß in einem größeren Garten die Stachelbeere, Jo­hannisbeere und Himbeere fleißig kultiviert werden müssen, habe ich früher schon erwähnt, zumal sie auch einen prak­tischen stützen gewähren. Nicht vergessen darf ich fenier den Boresch. Auch mit schwedischem Klee habe ich in meinem Garten einen ergiebigen Versuch gemacht.

In neuerer Zeit lvird die Phazelia, aus Mexiko ein- geführt, sehr gerühmt als Bienennährpslanze. Tie Bienen­züchter einer Gemeinde sollten sich zusammentun, einen Acker pachten, Samen der Phazelia zu verschiedenen Zeiten säen, damit sich auch die Blüten zu verschiedenen Zeiten entlvickeln und Ackerpacht und sonstige Auslagen auf die Anzahl oer Völker auswerfen. Für lebende Umzäunungen empfehle ich immer wieder die Schiieebeere oder die wilde Stachelbeere.

Nehmen wir jetzt die Gärten in größerem Stile, so kommen wir an die Anlagen. Ich meine damit die An­lagen^ um die größeren Städte und die großen Parks in den Schloßgärten der hochadligen Herren. Me viel sich auf diesem Gebiete tun läßt, beweisen schon manche Gärtner, die zugleich Bienenzüchter sind. Ich beneide die Jänker Gießens, wenn ich einen Gang durch ihre Anlagen mache und sehe die vielen Linden, Kastanien usw. und höre das Gesumme der Bienen in ihren Zweigen. Gerade, wenn rn dürren Sommern die anderen Bienenpflanzen ver- troanen und verkümmern, spenden die Linden beit meisten Honig.

Wenden wir jetzt unser Augenmerk auf die Staats- str a ß e n, V izi n a l w e g e und Eisenbahnen. Auf den Staatsstraßen sollte man statt der langweiligen Pappeln Linden, Obstbäume, Akazien, Ahorn, Kastanien und andere für Hebung der Bienenweide geeignete Bäume pflanzen. Auch die Böschungen an den Staatsstraßen können ftir die Bienenzucht etwas abwerseu, welin man ihnen dieselbe Aufmerksanlkeit widmet, wie den Erdraiiien im Feld. An Vizinalwegen wird sich durch Pflanzen besonders von Kirschen- und Ztvetschenbäumen schon rnanches noch tun lassen. Auch auf Dämmen und Einschnitten der Eisen­bahnen jollteii Vereine den Behörden Samen von Honigen­den Pflanzen zum Aiibau empfehlen. Erfreulich für die

Nedaltion: August Götz. Notatieusdruck und Verlag der Brühl'schcn Universitäts-Buch- und Steindruäerci.

R. Lange, Gießen«

6839

Butzbach, 10. September 1903.

Weiselerstrasse 36.

Ich habe mich hier als ®

Bechtsanwalt W

niedergelassen. W

Kissner, Rechtsanwalt. U

----!>-----7' r in meinem Haufe Neuenweg 18 nachverzeichnete, sehr gut erhaltene Schmiedewerkzeuge versteigern:

2 Blasbälge mit Feuerung, 1 Ambos, 2 Sperrhörner, eine Stauchmaschine, eine Bieg­maschine, eine Bohrmaschine, 2 Winden, 10 Schneidkluppen und vieles andere Werkzeug sowie eine Partie brauchbares Eisen und 1 Stoßkarren.

Heinrich Thomas.

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