Erstes Matt.
Donnerstag 24. September 1903
183 Jahrgang
d«ack«rei(PteÜch (trben)
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Gchnlstratze V.
Adresse für Depeschenr «nzeiger Gieße«, ^ernjprechanlchluß Rr.bl.
yrage nach besonderen Wünschen. Die <t Anliegen vor und erhielten wohl- ägung zugesagt.
Nr. 224
Erscheint täglich außer Sonntags»
Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem Hessischen Landwirt die Siebener Familien» dlötter viermal In der Woche beigelegL
SiotattonSdruck m Ber-
aus die Aufsassung des Charakters und diese „Unklarheit" sollte zu _______ iZ>______-.».ßverständnisse führen. Die unglna- liehe Frau, deren „Würmer" belanntuch nach Brot schreien, fleht den Tyrannen Geßler um Freigabe ihres gefangen gehaltenen Mannes an. Harras fragt: „Wer ift Euer Mann?" Da tritt die Schouspieterin Frau sJt vorn an die Rampe:
„Ein armer Wildheuer vom Rigiberge, Der überm Abgrund weg das freie Gras Abmäht an den schroffen Felsenwänden, (und mit donnernder Stimme uno ans den Darsteller des Ge^er zeigend)
Wohin u a y Xaeh sich nicht getraut zu steigen."
Unter dem una^hörlichen Gelächter des Publikums ist Geßler cm jenem Abend erschossen tvorden.
trieben, setzte" er sich in euren Münchener Zug; er fuhr in einem an UnZ-urechnungsfähigkeit grenzenden apathischen Zustande nach München, und nur so ist es zu erklären, daß der Künstler reicht nur die Strecke von Garnrisch nach Innsbruck, sondern auch die von München nach Garmisch, für dre der Schnellzug drei Stunden braucht, im Wagen zurücklegte. Bor Garmisch wurde er von solchen Herzbetlemnr- ungerr befallen, daß der Kutscher ihn auch an Ort und stelle nicht verlassen durfte; aus Garmisch trieb ihn sein trallthafter Zustand weiter nach Innsbruck, woselbst er physisch und seelisch ganz zusammenbrach. — Der Hausarzt oes Künstlers hatte schon vorher derr Direktoren des Ber- (itier Theaters ein Attest geschickt, in dem es heißt: Harry
kichen Verpflichtungen nachkommen könne.
R. B. Darmstadt, 22. Sept. Int. Hoftheater kam heute abend Felix P h i l i p P r s neues Schauspiel „D e r D o r n e n w e g" zur ersten Aufführung. Die Ausnahme des Stückes war beifällig, aber keineswegs begeistert. Man sieht schon in der ersten Viertelstunde beu Ausgang voraus und wird auch durch den Gang der Handlung, die ziemlich matt uno wenig originell ist, keineswegs zu besonderer Auf- merksamt'eit veranlaßt. Die Aufiuyrmlg war glatt und abgerundet; mit Freude ist zu konstatieren, dag sich dre neu engagierten Schauspielkräfte auch heute vortrefflich bewährten Herr Lehrmann war als Ernst Bülau in jeder
Haupttracht zum großen Teil wieder absorbieren, anzubahtien?
Der einzelne kann ja manches dazu beitragen, indern er an ihm geeignet erscheinende Plätze eine Akazie, eine Linde, eine Kastanie usw. pflanzt. Hast Tu, lieber Jmkerfreund, an Deinem Bienenstand einen Garten, dann bist Du sicher bestrebt, durch Stachelbeer-, Johannisbeer- oder Himbeersträucher Deinen eigenen Bienen etspas Nahrung zuznsühren. Auch Honigende Ziersträucher, tvük Schneebeere, bereu roten Blüten fast das ganze Jahr von den Bienen beflogen werden, werden Vielleicht auf eigenen Grund und Boden, wenn er in der Nähe Deines Bienenstandes sich befindet, gepflanzt. Aber, meine Herren, das ist Egoismus. „Einer für alle, und alle für einen" muß auch für uns Bienenzüchter gelten. Gib Deinen Freunden, Bekannten Ableger von Honigenden Ziersträuchern, Stachelbeeren usw., teile Samen von honigspendenden Blumen aus! Für solche Tinge finden sich immer Abnehmer, besonders wenn sie nichts kosten.
So könnte der einzelne schon vieles zur Verbesserung der Bienenweide beitragen, aber unendlich mehr kann erzielt werden durch Korporationsgeist. Unitis viribus!
Gehen wir hiernach zu den einzelnen Gebieten über, aus welche die vereinte Tätigkeit zur Verbesserung der Bienenweide sich zu erstrecken hat, so nennen wir zunächst: Das Feld mit seinen Ackerflächen, Gewannwegen, Erdrainen, Mauern, Baumanlagen, Abzugsgräben (Weideplätze und Wüstungen eingerechnet). Wir können unseren Landwirten nicht zumuten, daß sie zu ihrem Schaden und Nachteil bloß unseren Bienen zuliebe Raps bauen sollen in so ausgedehntem Umfange, wie sie eö früher taten, ehe das Petroleum aus Amerika zu uns kam. In unserer Umgebung, wo der Weißklee, welcher um diese Zeit Ersatz bieten könnte, nicht kultiviert wird, sondern nur wildwachsend vorkommt, wüßte ich keinen anderen Ersatz zu finden, als in der fleißigeren Anpstanz- una von Akazien und der großblätterigen Linde, welche um Johanni blühen und reichlich honigen. Was dann die , Rapsfelder nicht mehr in so ausgiebiger Weise: wie früher unseren Bienen liefern, müßte durch die Obstkultur einigermaßen ersetzt werden, da Raps- und Obstbaumblüte in der »■tif L SSfiÄM. i-- Achter bezüglich einer guten Sommertracht hauptsächlich auf den Kleebau gerichtet sein müssen. Die Rheinhessen vilan^en ihre Esparsette und weim das Wetter zur Blütezeit günstig ist, bann hat der Bienenzüchter Rheinhessens sein Geschäft gemacht- In wenigen Tagen Stöcke voll Honig! Hier müßten vor allen Dingen die Großgrundbesitzer ui das Interesse gezogen werden.
Meine Herren! Der Zweigverern Lauterbach hat sich in den letzten Jahren so vergrößert, wie fein anderer. Lauterbach zählt zu seinen Mitgliedern einen Großgrund- besitzer, einen adligen Herrn, der Mühe, Zeit und Gew nicht scheut, um die Bienenzucht zu heben. Es ist etn Zug der Zeit, immer nach oben zu sehen und was oben gemacht wird, das machen die anbern nach. Dieser Herr treibt bie Bienenzucht praktisch, anbere adlige Herren aber kenne ich, die bekimden ihr Interesse an der Bienenzucht dadurch, daß sie ihre Gärtner in der Bienenzucht ausbilden und durch diese ihren Bienenstand bedienen lassen. Wir begrüßen dies mit Freuden, denn den Gärtnern wird es am Herzen Uegen und ein leichtes werden, die Menenweide in ihren Schloß- gärten und Parkanlagen zu Pflegen und zu verbessern. Gelingt es uns, immer mehr Großgrundbesitzer zu den Unserrgen zu zählen, und durch ihren überwiegenden Emflutz aus die Kleinbauern die Interessen der Landwwtschafi mit denen der Bienenzucht in Einklang zu bringen, darin rst ein aroßer Schritt vorwärts zur Verbesserung der Bienen- weide geschehen, wonach die Mittel mtb Wege im einzelnen sich leicht finden lassem
Zunächst wird man den Bauinanlagen in den Feldern, dann den Vizinalwegen, die das Feld durchschneiden, ferner Weideplätzen und Wüstungen eine größere Ausmerksamkert widmen als seither. Man ivird an Kreisstraßen, der Staalt geht in jetzt mit gutem Beispiel voran, nur Obs bäume, Linden oder Akazien (keine Pappeln u. dergl.) pflanz«,, die den Bienen im Frühjahr reichliche Nahrung bteten. Wo edlere Arten nicht mehr sortkomineu, da gedeiht immer noch die unverdrossene Kirsche, welche ich auch ganz be- I sonders noch für WiMunaen empfehlen mochte. W,e viele
bei S p a l t e r o b st verwirklichen. Weinberge schützt man bekanntlich, indem mau künstliche Wolken erzeugt, wie das in Rheinhessen alljährlich zu beobachten ist. Man verwendet starken Rauch, aber wenig Hitze erzeugende Stoffe, Pech, dürres und grünes Kraut usw. In neuerer Zeit wird ein eigens zu diesem Zwecke bergestelltes Fabrikat einer chemischen Fabrik verwandt. In der Versuchsstation zu Geisenheim sind mit dem Präparat Versuche angestellt worden, die sehr gut ausgefallen sind. Zu dem Verhängen der Pflanzen und dem Erzeugen von künstlichen Wolken kommt ein drittes Schutzmittel, das viel zu wenig beachtet wird: das Verzögern der Wiederaufnahme der Wurzeltätigleit bei den Pflanze n. Wenn man verhütet, daß die Sonne im Frühjahr bte Erde zu sehr erwärmt, verzögert man bas Safttreiben der Bäume und Pflanzen. GS ist nachgewiesen, daß man durch Bedecken des Bodens mit schlechten Wärmeleitern wie Stroh und Laub das Safttreiben, folglich auch die übrigen Vorgänge, vor allem das Treiben der Kwospen, um v i e r z e h n Tage hinausschieben kann. Und man wird finden, daß eine so geschützte Pflanze den Temperaturwechsel von Tag und Nacht leichter übersteht. Ueberdies wird durch die Verzögerung des Safttreibens die Zeit der Blüte hin- ausgeschoben, und oft schon haben die vierzehn Tage genügt, um eine ganze Obsternte zu retten.
Wir können also, solange noch Frühlingsnachtsröste zu befürchten sind, die Pflanzen durch Verhängen, das Spalierobst durch Verhüllen, die Weinberge durch Rauch-- tzrzeugung und die Bäume durch Verhinderung zu ftühen Safttreibens schützen. Leider aber beachtet man diese Schutzmittel noch zu wenig.
Eins Jet noch erwähnt, obwohl es manchem als selbstverständlich erscheinen mag: alle Pflanzen, die kräftig, d. h. gut genährt sind, überwintern uno überdauern die Frühlingsfröste leichter als schwache kränkliche Pflanzen.
Menn alle diese Gesichtspunkte, wie es sich gehörte, berücksichtigt würden, könnte mancher Herbst reicheren Segen an Obst bringen, als es geschah und dies Jahr an vielen Orten wieder geschieht. Aber im Frühjahr denkt man meist erst an den Herbst, wenn es zu spät ist, wenn eine einzige Frost nacht Millionen von Blüten zerstört hat.
Darum sei jetzt einmal im Herbste auf den Frühling hin gewiesen. Jetzt, da die Obsternte in vielen Gegenden wieder so mager ausfällt, finden beachtenswerte Worte sicher eine Stätte! G. O.
Wie können die Imker die Tracht verbessern und die Bienenzucht heben?
tAus dem Vortrag vom 10. Sept. 1903 von Lehrer Hotz- Nidda auf der Wanderversammlung der Bienenzüchter Oberhessens in Gießen.)
Motto:
„Immer strebe zum Ganzen!
Und kannst du selber kein Ganzes werden, Schließ als dienendes Glied an ein Ganzes dich an!
Als Einleitung zu meinem heutigen Vortrag frage ich: Tut es not, die Bienenweide zu verbessern? Ta meint ein Bienenzüchter: Seitdem' die Monomen die Felder mit allen erdenklichen Maschinen bewirtschaften, ist es mit der Bienenweide rückwärts gegangen. (£in anderer sagt: Tie Bereinigungen find schuld am Niedergang der Bienenweide. Ein dritter sagt: Die Zuckerrüben, die bei den Großbauern ganze Fluren einuehmen und die, wenn der Ertrag ein lohnender fein soll, vom Unkraut peinlich gewissenhaft befreit werden müssen, verringern unseren Bienen bie Nahrung. Auch durch die Einführung des Petroleums, des Gases, der Elektrizität, des Acetylens zu Beleuchtungszlvecken werden keine Oelpflanzen mehr gezogen und somit den Immen viel Nahrung entzogen.
Gegen all diese Ansichten ist nichts zu sagen, alle sind mehr oder weniger berechtigt und wir können behaupten: Die Bienenweide ist durch intensivere Betreibung der Landwirtschaft zurückgegangen. Ich stelle nach dieser einleitenden Frage die Hauptfrage: Was ist zu tun und was muß zunä chst in Angriff genommen werden, um eine Vermehrung der Nayrungs^ quellen für unsere 93i epi en und zw ar in d er Weise, daß keine Trachtlücken entstehen, welche die Vorräte einer v o r aus g e g a u g e n en
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General-Anzeiger ..■ss.t.s-»
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Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen MWZ ___" -eigenteil: Han« Beck.
ie Judenuuruhen in Homel usjischeu Zeitungsnotizen folgendes: g, jden 11. September, war in Homel ein n und nur durch die jüdische „Selbsr- n. Solche Selbstwehren yaven sich nach .el'taten in verschiedenen Städten Vtuß- die Metzeleien zu hintertreiben. Tat- Frühjahr dieses Jayres an zahlreichen 2neu Plünderungen und Ni^dermetzel- aterblieben. Jetzt hat die Selbstwehr getan. Die Einzelheiteli des Homeler «weit bis jetzt uetunnt ist, fotgen.de: .chmittag um 5 Uhr em Dauer mit inen Heringshandel in Streit geriet, ern diesen Zwischenfall, der sofort zur Parteien Anlaß gab, anszunutzen und lrechte Plünderung des )üdi- ?. Infolgedessen liefen viele Juden, r e r in e i e r, herbei, und es entstand Schlägerei. Erst später tarn bie die Leute auSeinanber und verhaftete chrenb ber Schlagerei waren verschie- isten verwunbet worden. Einer der r i ft e n starb am nächsten Tag. Tie )nm Samstag und den Samstag hin- oen in den Straßen umher uno ver- ruhen. Auch am Sonntag, an dem bie eilen geschlossen waren, wurde bie Unterdes arbeiteten Agitatoren daran, Juden auszuwiegeln, daß sie an ben sollten. Bis Montag verhielt sich die still. Da kam am Montag Miliiär damit war das Schicksal ber Juden be- Tage begannen um 12 Uhr mittags aus den Eisenbaymvertstätten kamen, 'ija-Strahe eine Plünderung im bie jüdi scheu Häuf er, zer- ä,er, zertrümmerten die Mp- betten wehrlose Jude u. Als •ie der Stadt den Geplünderten zu Hilfe )n das Militär den Weg, während bie jchen in zwei andere Straßen einge-
Arbeit ungehindert fortsetzen dursten, nr Verteidigung herdeigeeUten Juden a durchbrechen, um ihren bedrängten ommen. Da das Militär ihnen gegen» oorging, kam es z^i einem heftigen ieien Schüsse und Verschi ebene nbete blieben auf dem Platz. So I u b e ni) a u {e r zerstört wurden, n Toten christlicher- und jlies heißt, achit Ehristen und sieben teler Schlachtfelde blieben.
che uno schule.
. scheint geneigt zu sein. Neuere n einzufüyren, Die vielleicht noch bie tzen. Wie römische Blätter metben, und Frl. Loch als Bülaus Tochter Erwartungen. Auch Frl. Ziegler t y schlossen sich dem bewährten Schau- c Lüeije an.
Lefling-Tyeater soll am 3. Oktober Lle Sokrates", Komödie in vier Sud ermann zur Erstausführung ■e Direktion Steingötter kündigt elzeit diese dlovität an. Es wird über wes geschrieoeii: „Sudermanns dra- iesmal jenen Idealismus zum Bor- :, aus gesundem Boden flammend, :ge seiner selbst im Laufe der Zeiten lvirklichkeit und damit seine Daseins-
Jn einer kleinen Stadt innerhalb Achiundvierziger spielt sich in dem und Söhnen jenes Weltschicksal des ntum schließlich in Donquixoterie ver- omödie des Idealismus und in dem ugleich ein typisches Bild für die' j freisinnigen deurschen Bürgertums. Auffassung. An einem kleinen wurde unlängst Sa-illers „Wilhelm Wnstler hatten sämtlich ihre Rotten auf die Darstellerin der Armgard; richt allein in Bezug auf bie Worte


