Ausgabe 
24.7.1903 Erstes Blatt
 
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nehmers gehAvige Personen beschäftigt werden. Koller- und Tachrämne sind lediglich zum Trocknen des Tabaks zu ver- wenden; Arbeits-, Lager- und Trockenraume dürfen nicht crls Wolin- Schlaf, Koch- oder Vorratsräume benutzt werden; alle Arbeitsräume müssen mit genügenden, rmnuttelbar uio Freie führenden Fenstern versehen fern; dn Mrndest-Lust- raum in ihnen muß für jede Person 10 Kubikmeter be­tragen ; Spuckiiäpfe, Waschv o rrichtun g mit Handtüchern müssen vorhanden sein. In Anlugen mit mehr als z^hn Arbeiter:! müssen Arbeiter und Arbeiterinnen mindestens nach Arbeitstischen getrennt sein. Die Hebergangszeit wahrt bis zum 1. Ianua? 1907. Ausnahmen bei Arbeitsraumen unter drei Meter Höhe uni) mit kleinerem Ärindest-Luft- raum sind zulässig, wenn Linnchtungen für ausreichenden Luftwechsel vorhanden sind. ... .

Damit diese Regelung der Verhaltnrue in rZ-abrrken und Werkstätten die Zigarrenindustrie nicht ui oie Heim­arbeit drängt, ist gleichzeitig der Entwurf eines Gesetzes ausgearbeitet worden, der die T a b a ß v e r a r b e i t u n g in der Hausindustrie regelt, deren Verbot aus wirt- schaftlichen Gründen nicht angängig ist. Der neue Gesetz­entwurf erstreckt sich auf alle Familieuwertstätten, in denen Zigarren hergestellt oder sortiert werden, und ist der oben behandelten Vundesratsverordnung tunlichst an- aepaßt. Für Keller- und Tachrüuine gelten dieselben Vor­schriften wie bei den Werkstätten. Auf Schlafräume darf nch keinerlei Verarbeitung von Tabak erstrecken; in Wohn- und Arbeitsräunien, in denen ^Zigarren gewickelt, gerollt und sortiert werden, muß der Tabak feucht sein, und darf nur in einem Quantum gelagert werden, das an einem Tage verarbeitet werden kann: die Höhe dieser Räume muß 21/g Meter betragen, und ihre Fenster müssen unmittelbar ins Freie führen, der Mindest-Luftraum jeder beschäftigten Person muß 10 Kubikmeter groß sein. Die Beschäftigung von Kindern unter 13 Jahren sowie der zum Besuch der Vol-ks- schule noch verpflichteten, ist in Arbeitsstätten mit Motor- betrieb, sowie an Sonn- und Festtagen untersagt. Ver­boten ist ferner die Beschäftigung von Kindern unter 12 Jahren überhaupt, von Kinderm über 12 Jahren und von jungen Leuten bis 16 Jahren in der Zeit von 8 Uhr abends bis 8 Uhr morgens und vor dem Vormittagsunterrichte. Den Kindern inuß eine zweistündige Mittags- und eine ein­stündige Pause nach dem Nachmittagsunterrichte gewährt werden. Die Beschäftigung von Kindern unter 12 Jahren ist auch dann verboten, wenn sie für Dritte erfolgt. Mit einer Ekel erregenden Krankheit behaftete Personen sind von der Arbeit auszuschließen. Ausnahme von Luftrauni und Höhe können, wie bei den Werkstätten, gestattet werden; die Aufsicht über die Durchführung des Gesetzes steht den Gewerbeaufsichtsbeamten zu.

Beide hier skizzierten Entwürfe unterliegen zurzeit, wie schon nritgeteilt, der Beratung bei den Einzelregier­ungen. _______

Ergänzung des Viehsenchengesehes.

DerKreuzztg." zufolge liegt ein Gesetzentwurf betreffs Ergänzung des Viehseuchengesetzes den landwirtschaftlichen Vertretungen zur Begutachtung vor. Aus dem Inhalt teilt das Blatt mit:

Ter Entwurf erweitert die Zahl der anzeigepflichtigen Tier­krankheiten durch Hineinbeziehung der Schweineseuche und Schweinepe ft, des Schweinerotlaufs, der G e - flügelcholera, Geflügelpest und der hochgradigen Tuber­kulose des Rindviehs. Er sieht ferner eine intensivere Ueber- wachung des Viehverkehrs vor. Neben den Schlachtbäusern, Vieh- böfen u. s. w. sollen auch die Abdeckereien, die Geflügelmästereien, der Geschäftsbetrieb der Viehkastrlerer und der Fellhandel einer Aufsicht unterstellt werden; es soll angeordnet werden Können: amtstierärzrllche Untersuchung im Eisenbahn- und Schiffverkehr, Treibeverbor aus öffentlichen Wegen, Beibringung von Ursprungs- at teilen für Marklvieh, Regelung des Marktver­kehrs, Meldepflicht für Fremdenställe, und speziell für die Maul- und Klauenseuche, Verbot der Abgabe von Magermilch aus Sammelmolkereien ohne vorgängige Sterili­sation. Nach dem Ausbruch einer Seuche soll eine Beschränkung nicht nur des Liehverkehrs, sondern auch des Personenverkehrs innerhalb der verseuchten Räumlichkeiten zulässig sein, in gewissen Fällen als äußerstes Mittel sogar die Tötung der verseuchten Bestände auch bei Maul- und Klauenseuche, bet Schweine- und Geflügelkraiikheiten. Als Aequivalent für die weitergehenden Ein­griffe in das Privateigentum ist eine Ent sch ädigung f ü r getötete Tiere, wie sie bisher schon bei Roy usw. gewährt wurde, auch bei den Schweinekrankheiten und der Rindertuber­kulose vorgesehen. Dem Aus lande gegenüber sind die Vor­schriften infosern verschärft, als nicht nur die Einfuhr von seucke- kranken Tieren, sondern auch von deren Tellen und von seucyc- verdächtigen Tieren verboten ist. Es ist die Errichtung von Grenz-- quaranlänehöfen geplant.

Deutsches Keich.

Berlin, 23. Juli. Man schreibt aus Digermulen ^Lofoten): Der deutsche Kaiser ist in der vergangenen Nacht vor Digermulen eingetrosfen.

Prinz Eitel Friedrich wird dem Vernehmen nach in diesen Tagen Bonn verlassen.und sich zum Besuch! der Kaiserin nach Cadinen begeben.

DerAusschußdes Bundes der Landwirte hat einstimmig erklärt, daß er mit der Führung der politischen Geschäfte durch den engeren Vor­stand vor und während der Reichstagswahlen durchaus einverstanden sei und nacy wie vor treu zu ihm stehe. Der Ausschuß bedauert lebhaft, daßeinige der hervor­ragendsten Vertreter des Bundes bei den Reichstagswahlen unterlegen sind", erblickt aber trotzdem in dem allge­meinen Ausfall der Wahlen einen erfreulichen Erfolg des Lundes, der sich sowohl in einem er­heblichen Zuwachs der Stimmen für die auf das Pro­gramm des Bundes gewählten Abgeordneten aussprechen soll, als auch darin, daß die Zahl derentschieden agra­risch gerichteten" Abgeordneten im neuen Reichstag größer sei als bisher.

Aus Oysterbay wird telegraphiert: Der amerikanische Botschafter in Berlin, Tower, besuchte gestern den Präsi­denten Roosevelt und übermittelte ihm persönlich die Versicherung hoher Werschätzung seitens des deutschen Kaisers.

Der Verband polnisch-katholischer Ar­beitervereine hielt in Berlin seine Hauptversammlung ab. Es wurde beschlossen, einen Agitationsfonds ins Reben zu rufen. Ein Antrag, in der Bezeichnung des Verbandes das Wortkatholisch" zu streichen, wurde abgelehnt.

Es darf als sicher angenommen werden, daß auch Dem Ausschuß zur Begutachtung wirtschafts­politischer Maßnahmen Gelegenheit gegeben wird, an den Vorarbeiten für die n e u e n Handelsverträge mitzuarbeiten.

Nach einer Meldung oberschlesischer Blätter wird das butte schlesische Dragoner-Regiment Nr. 15, welches rn Hagenau i. E. steht, nach Beut Yen i. Schl, verlegt.

Der 30. Gastwirtetag, welcher kürzlich in Brom­

berg tagte, hatte u. a. gefordert, daß den Warenhäusern und G r o ß b a z a r e n die Schankerlaubnis untersagt, der Kleinhandel mit Bier und Wein in Flaschen beschränkt und der gesetzliche Ladenschlußzwang auch für die konzessionierten Schankraume der Kaufleute eingeführt werden solle. Dazu bemerkt dieKreuzztg.", die konservative Partei wende es nicht ablehnen, diese Forderungen zu unterstützen.

Ausland.

Paris, 23. Juli. Wie an der Börse verlautet, wurde die russische Eisenbahn-Anleihe 20fach gezeichnet. 17 fach in Frankreich.

Agram, 23. Juli. Die Polizei verhaftete wegen Ver­dachts, an den Dynamitattentaten beteiligt zu sein, echs Individuen, darunter einen Advokaturkandidaten und zwei Söhne des bekannten Bildhauers Redic.

Petersburg, 23. Juli. In Soeul sollen einige Würdenträger und Minister eines Komplotts gegen die Kaiserin verdächtig sein; man erwartet Verhaftt- ungen uno Entlassungen.

Aus Stad! und Sand.

Gießen, den 24. Juli 1903.

L. U. Professor Dr. Erich Jung wurde zum a.-o. Prof, bei der juristischen Fakultät der Landesunioersität mit Wirkung vom 1. Oktober d. I. an ernannt.

** Das Vorlesungsverzeichnis der hiesigen Universität für das Wintersemester ist erschienen. Danach beginnen die Immatrikulationen am 19. Oktober, die Vor­lesungen am 26. Oktober. Von allgemein interessanten Vorlesungen sind erwähnenswert: Die Kirchengeschichte des 19. Jahrhunderts von Professor Dr. Krüger; Ent­wicklungsgeschichte von Prof. Dr. Strahl; das Seelen­leben des Kindes von Prof. Dr. Groos; die Vegetation der Erde von Prof. Dr. Hansen; Deszendenztheorie von Prof. Dr. Wagner: Gewerbe- und Sozialpolitik von Dr. Liefmann; Italienische Malerei von Pros. Dr. Sauer; Ge- chichtc der Romantik von Pros. Dr. Eollin; Geschichte der französischen Literatur I von Prof. Dr. Behrens; Erklär- ing von Shakespeares Macbeth mit Einleitung in das Studium des Dichters von Prof. Dr. Horn; W. A. Mozart und seine Werke mit Beispielen am Klavier von Univcr- sitätsmusikdirektor Trautmann.

** Landwirtschaftliche Ausstellung Gießen. Wie wir hören, ist beschlossen worden, die elektrische Be­leuchtung des Ausstellungsplatzes nicht durch eine eigene Anlage herzustellen, sondern im Anschluß an das städtische Elektrizitätswerk durchzuführen. Die Herstellung der Arbeit wurde dem Jngenieurbureau Rich. Fertsch hier übertragen. Von gestifteten Ehrenpreisen sind hauptsächlich zu nennen: Von der Großh. hessischen Staatsregierung 1200 Mk., vom Landespserdezuchtverein des Großh. Hessen 500 Mk., von der Landwirtschaftskammer für den Regierungsbezirk Kassel 325 Mk. Die Stadt Gießen stellte bekanntlich 300 Ml. zur Verfügung, ebenso die vereinigten Brauereien Oberhefsens. Auch viele Körperschaften, Vereine und Private haben Preise gestiftet.

** Eine Gasentweichung, welche leicht ernstere Folgen hätte haben können, machte sich heute nacht, wie uns amtlich geschrieben wird, in dem Oktroihäuschcn am Walltor bemerkbar. Zum Glück erwachte der Oktroierheber infolge Unwohlseins kurz nach Mitternacht und tonnte rechtzeittg die Fenster öffnen und mit seiner Familie das Haus verlassen. Einige dem Herrn Rolofs gehörige Vögel sind infolge des an die höchsten Stellen in den Räumen gestiegenen Gases verendet. Seitens des Gaswerks wurden des nachts unverzüglich Maßnahmen getroffen, um hei­tereren Schäden abzuwenden. Als Ursache der Gasenü- weichung haben die sofort vorgenommenen Ausgrabungen den Bruch des Zuleitungsrohres für das chemische Unter­suchungsamt ergeben. Das Gas ist durch das infolge Aus­führung der Kanalisationsarbeiten gelockerte Erdreich und über den die Walttorstraße und das Oktroihäuschen unter­kreuzenden Schoorgraben in das Haus gelangt. Bei dieser Veranlassung sei erneut darauf hingewiesen, auch bei un­bedeutend erscheinenden Gasgerüchen, wenn auch, wie im

vorliegenden Falle, in das Haus selbst kein Gas eingeführt ist, dem Gaswerk stets unverzüglich Mitteilung zu machen und unter allen Umständen Flammen von allen .Gasan- sammlungen femzuhalten.

** Krieg im Frieden. Gestern nachmittag rückte unsere Garnison aus zu einer Felddienstübung. Das Regi­ment hat die Nacht über draußen biwakiert und zwar in der Gegend bei Großen-Linden und wird heute mittag wie- >er in die Stadt cinrüden. Auf- dem Gelände der Wilson'schen Ziegelei an der Straße nach Leihgestern lag eine Kompanie im Biwak; man hatte die Rinds müh le mit einer Feldwache belegt. Zahlreiche Landbewohner waren jerbeigefommeu, um dem militärischen Schauspiel zuzu- chauen.

** Die hiesige Kaufmännische Fachschule untersteht bekanntl-ich, seitdem sie den Charakter einer taattid) anerkannten Unterrichts an st alt im Sinne des § 120 der Gewerbeordnung und des § 76 Albs. 4 des Handelsgesetz­buches besitzt, der oberen Auflicht und Leitung der Großh. Handelskammer. Gestern wohnten daher die beiden Vor­sitzenden, sowie der Syndikus der Handelskanimer dem Unterrichte in der Schule bei. Die Teilnehmer waren.' von dem Unterrichte uno seinen Ergebnissen durchaus be- friedigt und sprachen den Lehrern ftir chre ersprießliche Tättgkeit chre warme Anerkennung aus.

** Das Dünsberg-Wetturnen findet am 30. August statt. Dieses von der Gießener Tumerschaft vor einigen Jahren ins Leiben gerufene Wetturnen erfreut fich bereits einer regen Beteiligung des gesamten Gaues Hessen; im vorigen Jahre beteiligten sich 200 Turner an den volks­tümlichen Hebungen. Tas Wetturnen wird auf der Höhe des Dünsberges am Aussichtsturm abgehalten. Es be­ginnt vormittags 11 Uhr und wird von dem 1. Gauturn- toart Will geleitet. Geturnt wird: Freiweit, Freiweithoch, Steinstoßen und Stemmen einarmig. Diejenigen Turner, welche 20 Punkte und darüber erreichen, erhalten Preise. Außer Diplomen erhalten die 10 ersten noch Eichenkränze.

**Von der Turner schäft. Der zu Ehren des vom Deutschen Turnfest in Nürnberg zurückgekehrten Sie­gers, des Turners Earl Müller, veranstaltete Konuners war sehr zahlreich besucht und verlief für Turner und Freunde der D e u t s ch e n T u r n s a ch e recht erhebend unh in jeder Hinsicht befriedigend. Der Vorsitzende der Gießener Tumerschaft eröffnete den Kommers mit einer Begrüßung der Erschienenen und brachte dem Sieger ein dreifack) don­nerndes Gut Heil aus, womit die Anwesenden mit begeister­ten Zurufen einstimmten. Aus dieser Ansprache des Vor­sitzenden war zu entnehmen, daß dieser Sieg der Gießener Turnerschaft |cit 1863 nicht mehr beschieden war, und daß deswegen der errungene Sieg nicht hoch genug dem Sieger

Müller und der Gießener Turnersd)aft angerechnet werden könne. Die bis jetzt größte Teilnahme am Wettbewerb bei dem Deutschen Turnfeste stellte aucb ganz be­sondere Ansprück)e an den Wetturner. Es erhielten im Sechser-Kampf, worin unser Turner Müller turnte, nur 197 Turner Preise, und davon entfielen auf den IX. Mittel­rheinkreis, dem die Turnerschaft Gießen angehört, nur 14 Preise, und unter diesen nimmt Müller dre 6. Stelle ern; gewiß eine Leistung, welche dem Sieger hock), anzurechnen ist. Auch wurde den mit hoher Auszeichnung bestandenen Gcm- und Vereinssiegern mit einem dreifachen Gut Heil gedacht. Turner Müller dankte herzlich für ine chm dargebrachten Glückwünsche und bemerkte, daß er bei dem abgelaufenen Deutschen Turnfest so recht eingesehen und gelernt habe, loie hock) die Ideale der deutsck)en Turnerei im Volke wurzelten, und vom Auslande als eine große deutsck)e Sache bewundert und gewürdigt würde. Hoch­angesehene Männer und Greise führten das Ruder der deutschen Turnerei und die Vertreter aus allen zivilisierten Ländern Europas, welche zu dem deutsck^en Turnfest ge­kommen waren, legten Zeugnis ab, wie groß unsere Turn- sache geachtet und zur Nacheiferung benutzt würde.Möch­ten die guten Eindrücke des gestrigen Kommerses unfern jungen Turnern ganz besonderen moralischen, immer mehr durch Wort und Tat für die gute Turn fache einzutreten und neue Freunde zu gewinnen fudjen! Musik- und Ge- sangsvorträge und Ansprachen wetteiferten um die Ver­herrlichung des schönen und genußreichen Kommerses. Unserer Turnerfchaft wünschen wir fernerhin immer mehr wackere Turner, die es ern st mit ihren turnerischen Leist­ungen meinen, und daß das gemeinschaftliche freundschaft­liche Zusammengehen der beiden hiesigen Turnvereine (T.-V. und M. T.-V.) aud) ferner so wie jetzt erhalten bleiben möge.

** Eine geographische Glanzleistung. Die Biebricher Tagespost" reproduziert aus einem Aussatz, den eine dreizehnjährige Schülerin als Hausarbeit lieferte, folgende Sätze:

Die Grenzen Europas I Das deutsche Reich begrenzt Aßinien. Tas Acrmel Ateer liegt mitten in Aßsnien. Wir haben fünf Meere das inittelländische Nieer, stiller und ruhiger Odzjan. Der Odzjan welcher in London liegt. Der salziger Odzjan mündet in das Mittelländische Meer. Das Kuralen Tier (soll heißen: Korallen- tier- baut gern sein Nest in das Meer. Es sind immer mehrer und wachsen immer höher. Wenn ein Schiff davor bei fährt so kann es pazieren daß das Schiff ein Loch bekommt und es dann unter geht. Das kleine Kuralen Tierchen kann tausend Vrelen (soll heißen Zerlen) machen daß so ein schlimmes Unglück pazieren kann, indem es doch so ein kleines winziges Tierchen ist".

R.B. Darmstadt, 23. Juli. In der heutigen Sitzung der Stadtverordneten kamen u. a. verschiedene Wünsche der städtischen Arbettersd)ast zur Erörterung. Stadtv. Cramer bemängelte, daß die Arbeiter, bevor ihnen der vor mehrereyi Jahren bewilligte S o m ni e r u r t a u b von 56 Tagen ge­währt würde, erst eine Art Jnguisitorinm erdulden müßten darüber, wozu sie denn diesen Urlaub verwenden würden. Oberbürgermei-ster Morne n>,e g legte dar, daß dies so­wohl im Interesse der Arbeiter, wie der städtischen Be­triebe geschehe, um eine zweckmäßige Verteilung der Be­urlaubungen zu ermöglichen. Dem weiteren Verlangen, den Angestellten der elektrischen Straßenbahn auch freie Sonntage zu gewähren, wurde von den verschiedensten Seiten widersprochen. Der Oberbürgermeister legte dar, daß aud) an Sonntagen, namentlich vormittags, Urlaub gewährt werde; vielen fei aber aud) ein freier Wochentag noch er­wünschter. Uebrigens bemühten sich fortgesetzt Hunderte um Einstellung, die angebliche Ueberlaftung könne also doch wohl nicht so groß sein.

Darmstadt, 23. Juli. Eine Abteilung des 115. Regi­ments hatte die Aufgabe, einen Dauermarsch nach Gerns­heim zu machen und dabei den Kilometer in zehn Minuten zurückzulegen. Die Abteilung brauchte jedoch pro Kilometer nur acht Minuten.

Mainz, 23. Juli. Das Vermögen des verstor- st o r b e n e n 83 j ä h r i g e n R e n t n e r s und ftüherewBud)- tzändlers Simon Kapp hat die Höhe von 710 000 Mark. Die Stadt ist befanntlid) als Universalerbin eingesetzt wor­den, mit der Bestimmung, daß die Zinsen zu gemeinnützi­gen Zwecken Verwendung finden. Weiter hat die Stadt 100 000 Mark an die israelitische Religionsgemeinschaft auSzuzahlen, dieses Kapital soll den Titel:David und Simon Kapp'scher Sttstnugssonds" erhalten und die Zinsen ür das zu gründende israelitische Pfründnerhaus verwen­det werden; so lange es noch nicht gebaut, sollen die Zinsen zum Kapital geschlagen werden. Je 1000 Mark erhält ferner der israelitische Kränkenderem, der israelitische Waisenverein und die christlichen Armen der Stadt ohne Unterschied der Konfession. 500 Mark sind für die jüdischen Armen der Stadt und 500 Mark für den Verschönerungs­verein bestimmt. 200 Mark erhält^ auch das Dienstmädchen des Verstorbenen. Ferner hat die Stadt 10 000 Mark auf der Sparkasse verzinslich anzulegen, die Zinsen sollen alljähr- lid) demZigarrenspitzenverein zur Bekleidung armer Kin­der" üb erwiesen werden. Außerdem wird die Stadt ver­pflichtet, die Grabstätte sorgfältig zu unterhalten und einen Grabstein für mindestens 3000 Mark anzuschaffen. Das Ver­mögen des Verstorbenen besteht vorwiegend aus Wert­papieren und Hypotheken. In seiner Wohnung wimmelte es' von Ungeziefer und die amtlich dort verkehrenden Personen hatten daher viel auszuhalten. Die nächsten Ver­wandten sind in dem Testament überhaupt nicht, der Fri­seur Meurer mit nur 200 Mark bedacht. Dafür tzat er Herrn Kapp sieben Jahre lang umsonst frisiert, gepflegt und spa­zieren geführt. Zum Erben der Möbel ist ein pensionierter städtischer Beamter eingesetzt worden. Die Verwandten be­absichtigen, das Testament, das erst vor einem Jahre aus­gesetzt worden ist, anzufechten, weil Herr Kapp schon seit Jahren nicht mehr im Vollbesitze seiner Geiftesttäste ge­wesen. (,,M. TM")

Bretzenheim, 23. Juli. Gestern abend e n t a lei st e kurz vor unserem Ort die Maschine des um halb 8 Uhr hier einlaufenden Zuges und lief gegen den an die Schienen angrenzenden tiefen Graben, blieb aber glücklicherweise kurz davor stecken. Die Arbeiten zur Flottmad)ung der Masdsine nahmen vier Sttmden in Anspruch. (M. Tgbb")

Mainflingen, 22. Inti. Der Fuhrmann Alois Eh» mann von der Aschaffenburger Bavaria-Bierbrauerei stieß am Dienstag abend auf seiner Rückfahrt mit einem Bi er­wägen zwischen Seligenstadt und Stockstadt bei der hessisch- bayerischen Landesgrenze auf eine am Waldesrand lagernde Zigeunerhorde. Einer der schmutzigen Gesellen trat an das Gefährt heran und begehrte von dem Fuhrmann ein Zündholz, worauf dieser dem Zigeuner seine ganze Schachtel Zündhölzer hingab. Als nun der Zudringliche aud) die Uhr des Fuhrmanns verlangte, hieb dieser auf die Pferde ein und suchte das Weite. Vom Waldessaum her drang nod) der Rus an sein Ohr:Schießt ihn tot!" Unmittelbar darauf krachte aud) ein Revolverschuß, der indessen sein Ziel' verfehlte. Chmann erhob alsbald m