Ausgabe 
24.7.1903 Erstes Blatt
 
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Stockstadt Anzeige von der Affaire, worauf dre dorti-ge Gen­darmerie die aus drei Farnilien mit zusammen etwa 15 Personen bestehende Bande verhaftete und nach Seligenstadt eskortierte, wo sie gestern früh gegen 4 Uhr eintraf. (Offb. Zeitung.)

Frankfurt, 24. Juli. Justizrat Dr. Joh. Valen­tin M a y und Frau feierten am Donnerstag das Fest der govdenen Hochzeit. May ist ein alterAchtundvier­ziger. Wie sein Schwiegervater Dr. Hepp, der Mitglied der provisorischen Regierung in der Pfalz war, wurde auch er 1849 zum Tode verurteilt. Er flüchtete und weilte bis 1864 in der Schweiz. Dann kam er nach. Deutschland zurück und ließ sich in Frankfurt nieder.

Frankfurt, 23. Juli. Die Frankfurter National­sozialen schließen sich denjenigen ihrer Parteigenossen, an, die die pessimistisch e Auffassun g, welche Nau­mann und Gerlach von der politischen Zukunft des national­sozialen Vereins haben, nicht teilen. In einer Be­sprechung der hiesigen und benachbarten Nationalsozialen herrschte einmütig die Ajnsicht, daß nur durch eine politische Organisation, die unter allen Umständen, lvenn auch in bescheidenerem Umfange, aufrechtzuerhalten sei, der natio­nalsoziale Gedanke erfolgreich wirken könne. Betreffs der Parteiorgane wurde vorgeschlagen, sie in den Besitz eines Konsortiums von Garantiezeichnern übergehen zu lassen. In diesem Sinne wollen die Frankfurter auf ihrem dem- nächstigen Parteitag Stellung nehmen.

Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. In Frankfurt ist der Druckerei­besitzer K. £. Stritt durch einen Fehltritt von der Treppe seines Hauses herabgestürzt. Er ist an den Verletzungen gestorben. Ueberfüllen wurde in Frankfurt der auf dem Heimweg begriffene 26jährige Metzger Lichtenauer von einer Rotte junger Burschen und so schwer durch Messer­stiche verletzt, daß er ins Bürgerhospitat überführt werden mußte. In Obernau bei Aschaffenburg brannten am Mittwoch drei Scheunen mit S^eu nieder, wobei auch leider ein vierjähriges Kind verbräunte. In Mainz wird seit etwa 14 Taigen ein Kaufmann vermißt, der Spuren von Geistesgestörtheit gezeigt haben soll. Seit Anfang Juni wird in L a n g e n l o n s h e i m der Schuhm ach erweist er Paulus vermißt. Der Heizer Friedel von Ludwigs­hafen stürzte von der Maschine eines Personenzuges und: war sofort tot. Friedel war erst ein halbes Jahr verheiratet. Däe seit Jahren in Mainz bestehende Zwangs-In­nung der Spengler hat sich aufgelöst; nur drei Mit­glieder haben sich für Beibehaltung ^ausgesprochen. Die Mit­glieder der Innung waren in ihrer Mehrheit der Ansicht, daß sie gar keine Vorteile von der Zwangsinnung hätten, sie koste nur Geld.

Wieder eirre Unterschlagung in Berlin!

Man schreibt uns aus Berlin, 23. Juli:

Wieder wird heute von einer gewaltigen Unterschlagung gemeldet, die die Berliner Getreide- und Bankfirma Ka m p- ner u. Co. in Höhe von mehr als 200 000 Mark erlitten hat. Der Täter ist der Kassierer Moritz Levy, dem unbe­grenztes Vertrauen gewährt wurde. Er ist natürlich flüchtig. An der Berliner Börse erregte das Ereignis großes Auf­sehen. Auch diesmal haben Spekulationen erheblichen Um­fangs den Anlaß zu den Veruntreuungen und Fälschungen gegeben. Es scheint fast, als ob den Defraudationen nicht eher ein Riegel vorgeschoben sein wird, bis die Geschäfts­welt organisierte Bemühungen zur Verhütung dieser Ver­brechen trifft. DasBerl. TagÄl." regt zu gemeinsamen Beratungen der Geschäftsleute an, wie sie Defraudationen wirksam begegnen können. Solche Besprechungen er­scheinen in der Tat geboten, denn im Publikum verbreitet sich bei diesen rasch aufeinanderfolgenden Nachrichten all­mählich ein Mißtrauen, das dem geschäftlichen Verkehr sehr nachteilig ist. Noch mehr aber wird man außerhalb Berlins zur Vorsicht und Zurückhaltung veranlaßt. In diesem Falle sind zwar keine Verluste von Depotgläubigern ent­standen. Wenn die Geschäfte sich von der Gemeinsamkeit der Interessen leiten ließen, wenn sie sich gegenseitig auf die auffälligen Erscheinungen austnerksam machten, die nachher, üachdem das Verbrechen aufgedeckt worden, mancherlängst bemerkt" haben will, dann könnten nicht so viel unliebsame kleberraschungen sich ereignen. Ein Zopft in unserem kaufmännischen Leben ist auch noch dasunbegrenzte Vertrauen". In dieser Uebertreibung Liegt geradezu ein Moment der Verführung.

An die Firma ist ein Schreiben des Wuchtigen ein­gegangen, in dem er seine Schuld bekennt und mittei.lt, daß er sich das Leben nehmen wolle. Levy hat die Ver­untreuungen im Wesentlichen durch Fälschung von Schluß­scheinen und durch Unterschlagung ihm anvertrauter Gelder zuwege gebracht. Der Rendant derGenossen­schaftsbank' Berliner Restaurateure", Gustav Gehrandt, wurde verhaftet. Er hat eingestandener­maßen ein Depot von über 1500 Mark unterschlagen und Urkundenfälschungen begangen.

Vermischtes.

* Berlin, 23. Juli. Zum Falle Schindler-Ja­kobus wird heute mitgeteilt, daß zu den Betrogenen ein Techniker aus Mittweida i. S. gehört, der 40 000 Mk. ein- büßt; ebensoviel verliert ein Berliner Käufman. D'er Nach­laß des Jakobus enthielt nur wertlose Papiere. Was irgend­wie von Wert war, hat er mitgenommen. Bei der Bank wurden nur einige tausend Mark vorgefunden.

* Berlin, 23. Juli. DerBerl. Korr." zufolge er­mächtigte der Minister der öffentlichen Arbeiten die könig­lichen Eisenbahndirektionen, freiwillige Gaben an Lebens­mitteln, Kleidern, Decken, Betten, Hausgeräten usw., die zur Unterstützung der durch die Ueber flutun g en ge­troffenen Bevölkerung im Stromgebiet der Oder bestimmt und von Privatpersonen, den Unterstützungskomitees oder den staatlichen Kommunalbehörden an die mit der Verteil­ung der Liebesgaben betrauten Komitees oder Behörden gerichtet sind, auf den Staatsbahnen bis 30. September frachtfrei. zu befördern. Ebenso werden die Eisenbahnkom­missare ermächtigt, den ihrer Aufticht unterstellten Privat­bahnverwaltungen die Gewährung der gleichen Frachtftei- heit zu gestatten.

* Trier, 23. Juli. Von der Mosel-Kleinbahn wurde bei Kenn ein Fuhrwerk überfahren. Der Wagen wurde zertrümmert und der Fuhrmann getötet.

* Hamburg, 23. Juli. Das SchiffSvithiod" sank /m Kanal nach einem Zusammenstoß mit dem englischen DampferMiddleham castle". Sechs Personen sind ertrunken.

* Metz, 23. Juli. Nach einer Meldung aus Mör- chingen werden dem Unteroffizier Dunkel von der 4. Kompagnie des Jnfanterie-Regts. Nr. 17 Soldatenmiß­handlungen in 576 Fällen zur Last gelegt. Dunkel

wird sich m nächster Zeit vor dem Kriegsgericht der 33. Di- vifion zu verantworten haben.

* Großwardein, 24. Juli. In der Nähe der Festungswerke, in der Klausenburger Gaffe, ist das ganze Innere dreier Häuser eingestürzt: die Außenmauern erhielten Risse, der Boden unter den Häusern ist ganz unter­miniert. Die Bewohner räumten die Häuser.

* Hochwasser in Posen. Nach einem Telegramm aus Posen sind bei dem Hochwasser im Dorfe Ostritz der Dammeister Greiser, dessen Frau und ein Pferdeknecht er­trunken. In Posen ist ein Schüler bei dem Hochwasser ums Leben gekommen.

* Aus den Alpen. Auf dem Schlnirnerjoch stürzte der 18jährige Fabrikbesitzerssohn Walter Stear aus Nürnberg vor den Augen seines Vaters ab. An den erhaltenen Kopfwunden starb er nachmittags. Die Fa­milie weilt in Steinach !in der Sommerfrische. Am Morgenkofel' stürzte durch Abgleiten von einer glatten Platte der Student Nikolaus Resedow aus Petersburg ab und erlitt schwere Verletzungen. Im Mendelgebirge suchten zwei junge Bozener Edelweiß. Dabei stürzte Anton Baumgartner, Zögling der Lehrer­bildungsanstalt ab und blieb tot.

*Unangenehme Folgen dürfte ein Scherz haben, den sich zum Deutschen Turnfest in Nürnberg fahrende Turner erlaubten. In dem zur Beförderung derselben ab­gelassenen Extrazuge befanden sich ganz neue, spiegelblank lackierte Personenwagen und an diese malten die Turner mit Kreide und Buntstift allerlei, wie z. B. den Vater Jahn, das Turnerwappen, den Ort der Herkunft usw. Nun sind die Wagen wieder in Mainz eingetroften und sollten von den Aufschriften gereinigt werden, wobei sich ergab, daß der Lack unter dem Bemalen so gelitten hat, dalß die die Spuren davon nicht durch die Reinigungsversuche zu beseitigen waren. Die Wagen gehen nun wieder üt die Werkstätte nach Darmstadt, um neu lackiert zu werden. Für die Kosten werden wahrscheinlich die betreffenden Tur­ner haftbar gemacht, da diese trotz vorheriger Warnung die frischlackierten Wagen in oben angedeuteter Weise be- handeAen._____

Kunst und Wissenschaft.

Nach einem Telegramm aus Braunschweig ist in Bad Harzburg die geplante Aufführung von HeysesMaria von Magdala" polizeilich verboten worden.

Gerichtssaal.

Wegen Herausforderung zum Zweikampf mit tätlichen Waffen hatten sich am Donnerstag vor der neunten Ferienstrastammer des Berliner Landgerichts I der Student Johann Petzel und der Referendar Max Kreuzberg zu verantworten, während ein dritter Angeklagter, der Kauf­mann Franz Petzel, Bruder des Erstgenannten, der Kärtell- trägerei beschuloigt war. An einem Februar-Abend gerieten die Angeklagten im Kasino in Charlottenbura mit einem Herrn wegen einer geringfügigen Veranlassung in Meinungsverschiedenheiten. Wie Petzel behauptet, habe Kreutberg sich in unbefugter Weise hineingemischt und sein Verhalten m einer Art kritisiert, die ihn zu einer schroffen Erwiderung hingerissen habe. Nun sei es zwischen ihnen zu gegenseitigen Beleidigungen gekommen. Am folgenden Morgen habe er dann seinen Brudsr, der Reserveleutnant sei, zu Kreuzberg geschickt mit dem Auftrage, denselben auf geschliffene Säbel zu fordern, falls er sich nicht zu einem Widerruf der aus- gestoßenen Beleidigung bereitfinden laffe. Kreuzberg habe seinen Widerruf davon abhängig gemacht, daß er, Petzel, sich vorher bei ihm entschuldige, und daran fei der Vergleich gescheitert. Kreuz­berg habe darauf die Forderung anaenommen. Sie sei aber nicht zum Austrag gekommen, denn durch ein anonymes Schreiben sei die Polizei benachrichtigt worden, die dem Duell hindernd entgegen­getreten sei. Der Vorsitzende, Landgerichtsdirektor Kanzow, ver­suchte noch im Termin vergebens, eine Einigung zwischen den Par­teien herbeizuführen. Das Urteil lautete gegen Johann Petzel und Kreuzberg auf je 14 Tage, gegen Franz Petzel auf drei Tage Festungshaft.

Eisenbahn Zeitung.

Preußisch-HessischeEisenbahn-Gemeinschaft. Im Juni wurden vereinnahmt Mk. 119 949 600 oder Mk. 7 173 000 mehr, und per Kilometer Mk. 3761 oder Mk. 164 mehr. Aus dem Personenverkehr resultiert ein Mehr von Mk. 3 632 000, aus dem Güterverkehr von Mk. 3 325 000 und aus den Extraordinarien von Mk. 216 600. Die Gesamteinnahmen voni 1. April bis Ende Juni beziffern sich auf 358 529 000 oder Mk. 17 983 000 mehr und per Kilometer auf Mk. 11157 oder Mk. 386 mehr als in derselben Zeil des Vorjahres.

Kirchliche Nachrichten.

Evangelische Gemeinde.

7. Sonntag nach Trinitatis, den 26. Juli.

G 0 t t e s d i e n st.

In der Stadtttrche.

Vormittags 8 Uhr: Pfarrer Schlosser.

Zugleich Christenlehre für die Neukonfirmierten aus der Matthäusgemeinde.

Vormittags 9V2 Uhr: Pfarrafsistent Vogt.

Vormittags 11 Uhr: Militärgottesdienst.

Pfarrer Euler..

Abends 8 Uhr: Geistliche Mufikanfführnug des Evangel. Kircheugesangvereins.

Die Mitglieder der Vereinigung der konfirmierten männlichen Jugend der Matchäusgememde werden eingeladen, Montag abend 8yd Uhr, zu einer Besprechung wegen des Ausflugs in dem Kon­firmandensaale zusammenzukommen.

Nächsten Sonntag, den 2. August, findet im Hauptgottes­dienst Beichte und heiliges Abendmahl für die Matthäus- und Markusgemeinde statt. Anmeldungen werden vorher bei dem Pfarrer jeder Gemeinde (für die Markusgemeinde bei Herrn Pfarr­assistent Vogt, Goethestr. 27) erbeten.

In der Joharruesttrche.

Vormittags 8 Uhr: siehe Stadtkirche.

Vormittags 9</a Uhr: Pfarrer Euler.

Nachmittags 2 Uhr: Kindergottesdienst für die Lukas- gemeinde. Pfarrer Euler.

Katholische Gemeinde.

Samstag, den 25. Juli 1903.

Nachmittags um 5 Uhr und abends um 8 Uhr: Gelegenheit zur hl. Beichte.

Sonntag, den 26. Juli.

8. Sonntag nach Pfingsten.

Vormittags von 6 7a Uhr an: Gelegenheit zur heil. Beicht.

um 7 Uhr: Die erste heil. Messe, vor und in derselben Austeilung der heil. Kom­munion.

um 8 Uhr: Die zweite heil. Messe. Vormittags um 9 V, Uhr: Hochamt mit Predigt. Nachmittags um 27, Uhr: Christenlehre; daraus Andacht für die Abgestorbenen.

Israelitische Religionsgemeinde.

Gottesdienst in der Synagoge, Siidaulagc.

Samstag, d e n 2 5. I u l i 1903.

Vorabend 7.45 11 h r. M o r g e n s 8.30 U h r.

Haphtarah-Erklärnng.

Nachmittags 4 Uhr.

Sabbathausgang 9.10 Uhr.

Neueste Meldungen.

Berkin, 24. Juli. Zu den Unterschlagungen bei der Getreidefirma K e m p n e r u. Co. wird noch gemeldet: Die Ermittelungen über die Höhe der Verun­treuungen sind noch nicht abgeschlossen, da dieselben be­sonders dadurch erschwert sind, daß.Levy die gefälschten Schlußscheine, die allein die erforderliche Auskunft geben könnten, vernichtet hat und die Veruntreuungen aus eine noch unbestimmte Reihe von Jahren zurückdatieren. Bis jetzt konnte trotz der Bemühungen der Kriminalpolizei noch keine Spur von Levy entdeckt werden.

Lüneburg, 24. Juli. Der Weinhändler Kom­merzienrat Otto Fredrich hat sich bei Deutsch Evern von einem Zuge ü b e r f a h r e n lassen und war sofort tot. Die Ursache zum Selbstmord ist ein schweres Nervenleiden.

Tilsit, 24. Juli. Bebels Villa in Küßnacht (Schweiz) beabsichtigt ein Tilsiter Bürger zu kaufen um den Preis von 138 000 Fr. bei 40 000 Fr. Anzahlung

Leipzig, 24. Juli. Der vor einigen Tagen wegen Urkundenfälschung und Meineids zu 6 Jahren Zucht­haus verurteilte Millionär Friedrich hat Re­vision beim Reichsgericht eingelegt.

London, 23. Juli. Oberhaus. Herzog v. De­vonshire erklärt auf eine Anfrage betreffend die Unter­suchung auf dem Gebiete der Finanzpolitik, die Regierung hätte keine Politik vorzuschlagen, bis die Untersuchung über den Freihandel abgeschlossen sei. Die Freihandels- Politik machte 50 Jahre lang eine gute Prüfung durch. Ein großer Minister hat, fährt Devvnshire fort, die Politik an­gefochten, aber was wäre eine Politik, die beim Blasen der Trompete eines einzelnen, wenn auch machtvollen Man­nes zusanrmenzufallen droht, weil ihre Erfolge unter­sucht werden sollen. Ich habe eine bessere Meinung vom Freihandel als viele von denen, die nervöse Angst ver­spüren beim Gedanken an die eventuellen Erfolge der Untersuchung. Ich selbst glaube, daß alle Einwendungen gegen den Freihandel grundlos sind. Ich glaube ferner, daß der Freihandel nicht alle Wünsche erfüllte, die seine Begründer von ihm erhofften, doch ist nicht schwer, zu be­weisen, daß die wechselnde Politik nicht vorhandene Uebel beseitigen oder uns in noch größeres Uebel stürzen werde. Redner rechtfertigt die Haltung des Kabinetts hinsichtlich der Stellung Chamberlains zu der beabsichtigten Unter­suchung. Hierauf führt Rosebery aus, er halte die Zu­gehörigkeit Devonshires zum Kabinett für eine Garantie, daß, so lange er in demselben sei, das fiskalische System unverändert bleibe. Redner macht sich sodann über die Haltung der Regierung lustig. Auf dem Bankett der Primroseleague hielt Premierminister Balfour eine Rede, in der er sagte, es habe sich gegen Ch amber lain recht viel ungerechte Kritik erhoben, aber gerade Cham- bevlain habe doch Gelegenheit, die Meinungen der Kolo­nien kennen zu lernen, er habe das Recht, ihren Ansichten Ausdruck zu geben.

Madrid, 24. Juli. Der König sanktionierte das Ge­setz, durch das die Rohmaterialien für das Denkmal der mit dem deutschen Schulschiff Gneisenau Verun­glückten von Zollabgaben befreit werden.

Rom, 24. Juli. Die Kongregation der Kardinale be­schloß, die Leiche am Samstag nach dem Abendläuten zu bestatten, es ist aber nicht unmöglich, daß dies schon heute geschieht, da das Aussehen der Leiche immer ärger wird. Das Gesicht hat eine schwärzliche Farbe angenommen und ist stark aufgeschwollen.

Budapest, 24. Juli. Das Ende der Obstruktion wird allgemein für den August erwartet. Dieses Ziel dürste ohne Anwendung außerordentlicher Gewaltmittel erreicht werden.

Belgrad, 24. Juli. Fürst Ferdinand von Bul­garien passierte heute Morgen mit einem Sonderzug aus der Fahrt nach Wien Belgrad. Das Blatt Stampa behauptet, die Lage in Bulgarien sei äußerst kritisch und Fürst Ferdi­nand verlasse auf Anraten seiner Regierung Sofia, vielleicht für immer. In Belgrad seien Ge­rüchte verbreitet, Fürst Ferdinand sei vertrieben worden. Das Gerücht fand jedoch keine Bestätigung.

K o n st a n t i n o p e L, 23. Juli. In Tripolis in Syrien kam ein Tod esfa 1 l unter Cholerasymptomen vor. Ter Sanitätsrat ordnete gegen die von dorther kommenden Personen und Waren eine fünftägige Quarantäne an.

Petersburg, 24. Juli. In allen Kreisen des Gou­vernements Twer ist die Rinderpest ausgebrochen. Für 12 Kreise sind nur 5 Veterinär-Aerzte vorhanden.

Newyork, 24. Juli. Der hervorragende Jurist unl. Kenner des Volksrechts, Friedrich W. Hols, ist plötzlich ge­storben. (Holls war mit dem damaligen Berliner Botschafter White zusammen Vertreter der Vereinigten Staaten auf der Friedens-Konferenz im Haag.)

Santiago de Chile, 24. Juli. Hier wurde am 23. d. M. die offizielle Trauerseier für den Papst ab­gehalten, der das diplomatische Corps beiwohnte. Während der Rede, die dabei gehalten wurde, verlies der italien­ische Gesandte wegen einger darin geäußerter Bemerkungen die Kirche.

Telephonischer Kursbericht«

37a% Reichsanleihe . . 102.10 3% do. ... 90.90 3V,% Konsole .... 102.15 3% do.....90.90

372% Hessen .... 102.27 372% Oderhessen . . . 99.80 4% Oesterr. Goldrente . . 102.90 4116% Oesterr. Silberrente 101.10 4% Ungar. Goldrente . . 101.60 4% Italien. Rente . . . 103.20 47a % Portugiesen . . . 49.20 8% Portugiesen.....30.80

1% 0. Türken . ... 3420 Türkenlose......130.40

4°/o Grieoh. Monopol.-Anl. 43.90 41/,% äussere Argentiner.

3° Mexikaner .... 27.10 41/2% Chinesen . . . . 92.55 Electric. Sch ackert . . . 90.80 Nordd, Lloyd . . . . 98.20

Kreditaktien .... 208.75 Diskonto-Kommandit. . . 187.00 Darmstädter Bank . . . 136.20 Dresdener Bank .... 147.00 Berliner Handelsges. . . 153.90 Oesterr. Staatsbahn . . , 143.70 Lombarden.....17.90

Gotthardbahn ..... 191.60 Laurahütte......218.00

Bochum.......176.00

Harpener......180.75

Tendenz: schwächer.

GrH. UnimBts-WIichek.

Alle Benutzer, mit Ausnahme der Studenten, haben die vor dem 25. Juli d. I. entliehenen Bücher bis spätestens 10. August zur Musterung einzuliefern.

Vom 15. August bis 17. Oktober ist die llniversitäts- Bibliothek täglich von 9 bis 1 Uhr geöffnet.

Gießen, den 24. Juli 1908. 5754

Der Großh. Ober-Bibliothekar:

Prof. Dr. Haupt.