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24/03/1903 Drittes Blatt
 
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Kirche und Schule.

Bozen, 23. Mürz. Die ganze Bewohnerschaft der Ortschaft Villa im Snganertale beschloß wegen Differenzen mit der Geistlichkeit, zum Protestantismus überzutreten.

Wismar.

TieMecklenb. Nachr." schreiben zu der Frage der Derzichlleistung der schwedischen Regierung auf die Wiedereinlösung Wismars: (Seit einem Jahrhundert haben sich in Deutschland und Schiveden die staatsrechtlichen Verhüttnisse vötltg geändert. Die einstige Zugehörigkeit Wismars zu Schweden ist nur noch eine historische Erinnerung, aus der beiderseits keine Ansprüche irgend welcher Art hervortreten werden. Nichtsdestoweniger werd mit Freude und großer Anerkennung nicht nur in Wismar uno nicht nur Mecklenburg, sondern auch in ganz Deutschland der hochherzige Entschluß der kgl. schwedischen Regierung begrüßt werden, aus eigenem Antriebe die Bande zu lösen, die nach internationalem Recht eine heute deutsche Stadt in Beziehung zur Krone Schwedens setzen. Werden damit rechtliche Bande gelöst, so werden bannt andere neue geknüpft, die dauernder als jene sind, nämlich Bande sreund- fchaftlicher nachbarlicher G.sinnung, aufrichtiger Hoa-schätz- ung und dankbaren Gedentens au jene ernsten Tage, da Schweden und Mecklenburg in schweren Zetten religiösen und politischen Kampfes eng miteinander verbunden waren.

Parlamentarisches.

Berkin, 23. Marz. Die Beerdigung des Frhrn. v. Heereman n wird voraussichtlich in seiner Heimat Münster erfolgen. Tie näheren Festsetzungen über die Zeit der Ueberführung stehen noch aus. Tie Abendblätter widmen dem Verstorbenen ohne Unterschied der Partei ehrende Nach­rufe. DieGermania" erscheint mit Trauerrand. Tie ^Nordd. Allg. Ztg." sagt u. a., mit dem Verstorbenen sei ein Mann dahingeschieden, dessen vornehmer und unantastbarer Charakter sowie seine sympathische Persönlichkeit von allen Parteien anerkannt und hochgeschützt wurde.

Gegenüber einer von neuem auftauchenden Angabe, wonach als Wahltermin der 9. Juni bestimmt sein soll, erführt dieNat.-Ztg.", daß darüber noch kerne Beschlußfas sung erfolgt ist.

Dem Reichstage ging die Vorlage betr. Sicherung des Wahlgeheimnisses zu. Die Bekanntmachung be­saßt, daß die Stimmzettel aus weißem Papier und mit keinerlei Kennzeichen versehen sein dürfen. Sie sollen neun bis zwölf Zentimeter groß und von mittelstarkem Schreibpapier sein. Sie müssen von dem Wühler in einem mit amtlichem Stempel versehenen Umschläge, der sonst keine Kennzeichen haben darf, abgegeben werden. Tie Um­schläge sollen zwölf bis fünfzehn Zentimeter groß und un­durchsichtig fein. Es ist entweder durch Bereitstellung eines oder mehrerer Nebenräume, die nur durch das Wahllokal betretbar und unmittelbar mit ihm verbunden sind, oder durch Vorrichtungen an einem oder mehreren vom Vor- ftandstische getrennten Nebentischen Vorsorge zu treffen, daß der Wähler seinen Stimmzettel unbeobachtet in den Umschlag zu legen vermag. Der Wähler nimmt bei der Wahl seinen Umschlag entgegen, tritt an den Nebentisch, steckt den Wahlzettel unbeobachtet hinein und übergibt dann den Umschlag unter Namensnennung an den Vorstand, der den Umschlag uneröfsnet in die Urne legt. Stimmzettel, die nicht entsprechend obigen Vorschriften abgegeben werden, sind ungiltig.

Im preuß. Ab g e or d ne ten h au se wurde heute die dritte Beratung des Etats vorgenommen und eine ganze Reihe von Etatstiteln erledigt. Eine längere Debatte ver­anlaßte der Etat der Domänen und Forstverwaltung sowie der Etat der direkten Steuern und der Etat des Finanz­ministeriums.

Wie demBerl. Tagebl." gemeldet wird, ist der sreis. Reichstagsabg. Dr. Müller-Meiningen, der bisher Amtsrichter in Fürth war, zum Landgerichts­rat in Aschaffenburg ernannt worden. Infolge dieser Beförderung muß er sein Mandat niederlegen.

Berlin, 23. März. Dem preuß, Abgeordneten- hause ging ein Gesetzentwurf zu betr. den Erwerb der Ostpreußischen Süd bahn, sowie ein Gesetzentwurf betreffend den Erwerb der Marienburg-Mlawkaer, der Altdamm-Kolberger, Stargard-Küstrmer, Kiel-Eckern- sörde-Flensburger und Dortmund-Gvonau-Enscheder Eisen­bahn.

Ans § teilt uiti) £aiü).

Aus dem Mikitärwochenblatt. v. De­witz, Oberst, beauftragt mit der Führung der 52. Jnf.- Brig. (2. Königl. Württemberg.), behufs Ernennung zum Kommandeur dieser Brig. zum Generalmajor befördert. Frhr. v. Ledebur, Oberst von der Armee, mit der Führung der 50. Jnf.-Brig. (2. Großh. Hess.) beauftragt. Pavel, Oberst von der Armee, zum Kommandeur des 7. Bad. Jnf.-Regls. Nr. 142 ernannt. -- Die Majore: Prinz Friedrich Karl von Hessen, Hoheit, ä l. s. des L Kurhess. Jnf.-Regts. Nr. 81, unter Enthebung von dem Kommando zur Dienstleistung beim Gen.-irtommaudo 18. Armeekorps, Clö ßner, aggregiert dem Ins. Regt. Kai­ser Will).km (2. Großh. Hess.) Nr. 116, unter Versetzung in das 5. Rhein. Jns.-Oiegt. Nr. 65, Walter, aggregier^ dem 5. Großh. Hess. Jnf.-Regt. Nr. 168, unter Vorsehung in das Jnf.-Regt. Graf Kirchbach (1. Niederschles.) Nr. 46, zu Bat.-Kommandeuren ernannt. d e Rainville, Lberlt. im Jnf.-Regt. Kaiser Wilhelm (2. Großh. Hess.) Nr. 116, zur Dienstleistung als Miliiärlehrer beim Kaoetten- bause in Wahlstatt koilimaiidiert. v. Bernuth, Major, beauftragt mit der Führung des 1. Großh. Hess. Drag.- Regts. ^Garde-Trag.) Nr. 23, zum Lberstlt. befördert. Heuser, Oberlt. im Ostpreuß. Train-Bat. Nr. 1, in das Großh. Hess. Train-Bat. 9er. 18, v. Mülmann, Hauptm. und Militärlehrer von der Hcmp.kadettenanstalt a.s aggreg. zum 4. Großh. Hess. Jnf.-Regt. (Prinz Carl) Nr. 18 ver­setzt. v. V i e h b a h n, Gen.-«Major, Kommandeur der 50. Jnf.-Brig. (2. Großh. Hess.), in Genehmigung s. Ab­schiedsgesuches zur Tisp. gestellt. Bei der Mobcti n-«Ver teilung 1903 wurden die Portepeeunterossiziere: v. i i s e n- Hart-Rothe dem Jnf.-Regt. Kaiser Wilhelm (2. ^oßh Hess.) Nr. 116, v. Freyhold, dem 2. Großh. Hess. Draß.-Negt. (Leib-Drag.-Regt.) Nr. 24, als Leutnants zu geteilt

Der treue Kamera d. Uns wird geschrieben: Bei Metz erhielt ein junger Offizier Namens Budde im Kugelregen eine schwere Verwundung. Ei» Kamerad vom 81. Jnf.-Regt, dem Budde angehörte, der jetzige ige Stein Hauer Seibert aus Koblenz, t.ng den Bei. . icii ans dem Gefecht und brachte ihn nach mancherlei vifsen in Sicherheit. Seibert ist nun alt geworden; zur

Steinhauerei, seinem Lebenserwerb, reichten die Kräfte nicht mehr aus, und so wandte sicb der Mann an seinen Kriegs­kameraden, den jetzigen Eisenbahnminister Budde, mit der Bitte, ihm zur Erlangung einer anderen, leichteren Beschäftigung behilftich ru sein. Der Eisenbahnminister hat sofort angeordnet, daß der alte Mann im Eisenbahndienst als Bureaudiener angestellt wird. Seibert hat sich gestern in Koblenz zum Dienst gemeldet und dabei mitgeteilt, was es mit der Fürsorge des hohen Chefs für chn für eine Bewandnis habe.

Hl Homburg v. d. H., 22. März. Ter Kaiser, der wahrend des Frankfurter Gesangwettstreites im hiesigen Schlosse Wohnung nehmen wird, trifft am 2. Juni hier em. Bis zur Ankunft des Kaisers werden im hiesigen Schlosse umfangreiche Veränderungen vorgenommen, an denen zur Zeit über 100 Arbeiter beschäftigt sind.

Vermischtes.

* Leipzig, 23. März. Alwm Ackermann-Teubner, Seniorchef der weltbekannten Bvchdruckcrftrma B. G. Teubner, ist heute im Alter von 77 Jahren gestorben.

Lübeck, 23. März. In Schwartau wurden gestern die Leichen eines jungen Mannes und eines jungen Mädchens aus Hamburg gefunden. Die beiden hatten sich in der Nacht zuvor unter dem Namen eines Ehepaars Krause in einem hiesigen Hotel aufgehalten.

* Stuttgart, 23. März. Gestern abend ereignete sich auf der Filderbahn inmitten des Dorfes Degerloch ein schwerer Unfall. Der letzte Wagen des Zuges DegerlochVaihingen entgleiste bei der Ausfahrt auf dem Zahnradbahnhof und stürzte um. Von den 15 Reisenden, die sich im Wagen befanden, wurden sieben mehr oder minder schwer verletzt.

* Nürnb erg, 23. März. DerFränk. Kurier" bringt vonunterrichtetes Seite einen Artikel, worin gegenüber Dresdener Dementis konstatiert wird, der Erlaß des Königs Georg in Sachen der Eheirrung sei dessen eigener Initiative entsprungen. Zweimal sei der Erlaß geändert und dann erst nach Einfügung der schweren Worte gegen die ehemalige Kronprinzessin durch den König selbst der Oeffentlichkeit übergeben worden.

* Brüssel, 23. März. Giron protestierte bei der Polizei gegen den Verkauf von Photographien, welche ihn mit der ehemaligen Kronprinzessin von Sachsen darstellen.

* Brüssel, 23. März. Aus St. Trond wird gemeldet, daß das dortige Schloß des Grafen d'Oultremont total niedergebrannt sei. Der Schaden beläuft sich auf mehr als eine halbe Million Franks.

* Cuneo, 23. März. Heute morgen wurde hier und in der Umgebung ein Erdbeben verspürt.

Bozen, 23. März. Die Familie Busatti in Stenico wurde vergiftet durch den Genuß von Salat, der Wurzeln von Tollkirsche enthielt.

* Newyork, 23. März. Der Zahn arzt O'Dr ian, dem angeblich geraten worden ist, Dresden zu verlassen, ist mit seiner Gaitin hier eingetrofjen. Beide bestreiten, daß O'Brian sich eine Verfehlung mit der Prinzessin Luise habe zu Schulden kommen lassen. Der amerikanische Konsul in Dresden, Cole, hat O'Brian eine Bescheinigung mitge- gegeben, indem er sagt, derselbe fei das Opfer der Ver­leumdung und eines willkürlichen Aktes. O Brian erklärt, unter den Effekten der Prinzessin hätten sich Gedichte an dreiundzwanzig Männer gefunden, darunter auch solche an ihn, indessen seien diese nie abgesandt worden. Er erklärt, daß die Prinzessin Luise augenscheinlich infolge ihres Zustandes zeitweilig geistesgestört ge­wesen sei, da früher keine Escapaden vorgekommen seien.

* Erderschütterungen. Ueber das in Karls­ruhe und Umgegend wahrgenommene Erdbeben liegt eine Reihe Nachrichten aus dem Lande vor. Es wurden zwei Erdbeben bemerkt und zwar in wellenförmiger Form, von denen das am Morgen 6.15 Uhr das stärkere gewesen ist. Ein sturmähnliches Geräusch begleitete den Stoß. Aus Teutschneureuth wird mitgeteilt, daß wenige Minuten vor 2 Uhr mittags der Erdstoß vernommen wurde, der un­gefähr acht Sekunden dauerte. Die Bänke gerieten ins Schwanken, und die Fenster zerbrachen, sodaß die Menge aus die Straße floh. Auch in Knielingen wurden starte Erdstöße verspürt und spielten sich ähnliche Szenen in der Kirche ab. Nach weiteren Nachrichten sollen fajon morgens 3 Uhr zwei kurze leichtere Erdstöße verspürt worden sein. Aus 9c e u st a d t a. H. meldet man vom 23. d. M.: Den Erderschütterungen, durch welche gestern früh 6 Uhr die Be­wohner recht unsanft aus den Betten gerüttelt wurden, folgten um 7 Uhr, Vs 10 Uhr und nachmittags 3 Uhr weitere, zum Teil ebenjo heftige, mehrere Sekunden andauernde Erschütterungen, die vielfach bedeutenden Schaden anrich­teten. So wird aus Kandel gemeldet, daß eine größere Anzahl Schornsteine eingeslürzt sind, Mauern und Zimmer­decken bekamen Risse, der Verputz an den Häusern fiel ab. Fast in jedem Haus findet man Spuren des Naturereignisses. Die Haustiere zeigten den ganzen Tag über große Unruhe. Aus Sicbeldingcii und Maximiriansaii wird berichtet, daß die Bilder in den Häusern von den Wänden fielen und sogar Schränke umgefallen sind. Tie Erderschütlerung ging in der Richtung von Westen nach Osten und erstreckte sich auch auf die Ortschaften Bandau, Lftenbach^Oltersheim, Knit­telsheim und Bellheim. Auch in Südfrankreich, namentlich in den Städten Tarascon, Foix und Aix les Bains wurden gleichzeitig kurze Erdstöße Deqpurt. Zu der­selben Z.ck fanoen oie ermähnten Vulkanismen Ausbrüche oes Sous friere und des Monc Peläe statt.

* Einem Pariser Sachverständigen zufolge sollen sich die Schulden der Familie Humbert im ganzen auf 100 Millionen Frcs. belaufen; andererseits wird be­hauptet, daß die Gesamtfchuld von 100 Millionen Frcs. durch 80 Millionen Frcs. in Wertpapieren gedeckt ist und bau 16 Millionen in Bar ausgczahlt worden seien, sodaß nur 4 Millionen FrcS. übrig blieben, die durch einen bei dem Verkauf der Mobilien und Jmmobilitn erzielten Betrag von 2 300 000 Frcs. verringert würden, sodaß die Hiimbens nur noch wegen Veruntreuung von 1 700 000 Frcs. gerichtlich verfolgt werden können.

Die junge Zarin hak die Teilnehmer eines großen Kostümfestes am Zarenhofe aus bei Epoche des Zaren Alexis Michailowdich, des zw.i.en Romanoff, aufgesordcrt, ihre Pholographien in ihren glanzvollen Trachten elnzusenden. Tie Bilder sollen von bedeuienden Künstlern koloriert und alSdann zu einem großen Album zusammengeslellt werben, das niit 300 R . l für das Exemplar zu wohltätigen Zwecken verlaust ivcibcn soll.

Genchtssaal.

Berlin, 23. März. Dor der ersten Straffammer de? Land­gerichts II begann heute die Verhandlung gegen das sogenannte Blumen-Medium, die Witwe Anna W o t b e, die des voll­endeten Betruges in 61 Fällen und des verinchten Betruges in 91 Fällen beschuldigt ist. Ter Andrang des Publikums ist unge­wöhnlich stark. Auw viele Tarnen befinben sich im Zuhörerraume. Ueber 80 Zeugen sind zur Stelle. An dieselben ist beme eine Broschüre geschickt worden, um sie zu Gunsten der Angeklagten zu beeinflußen. Tie Angeklagte schiebt alle Schuld auf ihren Impre­sario Jentsch, der flüchtig ist. Ueber den Verlauf der bei ihr slaltgehabten Sitzungen will die Angeklagte nichts wissen, auch da­von nichts, daß man ihr bei der Entlarvung eine Menge Blumen, Apfelsinen und andere Gegenstände, die sie in ihren Kleidern ver­borgen hatte, abnahm. Tie Angeklagie erklärt wiederholt, daß sie um die Geldoerhältnisie sich nicht gekümmert habe. Tie Polizei- Kommissäre Leonhardt und Kracht bekunden ausführlich über dre Sitzungen der Angeklagten, denen sie beigeivohm haben, sowie über die Entlarvung der Rothe. Fen,er wurden außer einigen Ent­lastungszeugen zwei gerichtliche Sachverständige oenionunen, die ausfagen, daß die Rothe zwar krankhaft veranlagt, aber nicht un­zurechnungsfähig fei. In der NachmlUagssitzung mürbe die Zeugen­vernehmung fortgesetzt. Zunächst wurden die Teilnehmer an jener Sitzung verhört, m der die Rothe verhaftet wurde, daim wurden medizinische Sachverständige vernommen, die mit Ausnahme des Dresdener Arztes Kaesfinger ihr Gutachten gegen die Angeklagte abgaben. Auch von den jonsligen Zeugen traten mehrere Spiri­tisten für die Angeklagte em.

Landei und Verkehr. Volkswirtschaft.

~ Die Cigarrcufabrik Wcrver n. «lei«, Inhaber Friedrich Scherer, hat am Samstag ihre Gläubiger jufanunenberuien, um sie über den Stand ihres Vermögens zu unterrichten, Es wird eine außergerichtliche Liquidation angeflrcbl. Ein Vertrauensmann der Gläubiger soll als Liquidator ausgestellt werden, und em Gläubigerausschuß wurde am Samstag bereits gewählt. Ter letztere besteht aus Tabakhändler Hausmann, Kaufmann Felix Traub und Rechtsanwalt Tr. Weingart. Die Passiva betragen dem Vernehmen nach 270-280 000 Alk. und an Aktiva dürften 80 000 bis 90 000 Mk. gegenüberslehen. Von Fnianzinslitulen sind die Pfälzische Bank und die Rheinische Kreditbank beledigt, letztere an­geblich mit etwas über 100 000 Alt. Beide Bankgesellschaflen haben zwar Sicherstellung erhallen, doch sollen ihre Engagements etwas über dieselben hlnausrelchen. Ten Gläubigern wurde bts Donners­tag Zeit gegeben, ihre Zustimmung zur Einleitung der für er Liquldationsoerfahren notwendigen Vorarbeiten schriftlich zu er­teilen. Ta der Antrag auf Liquidation der früher beöeuieitben Firma schon längst erwartet wurde, so dürsten die beledigten Banken den größten Teil des zu erwartenden Verlustes wohl be­reits seit langem abgeschrieben haben.

I' '! ' - ______ .

Arbeiterbewegung.

Bremerhaven, 23. März. Nachoem am Freitag 47 Kohlenladungsarbeiter, welche den Vorständen des Hafenarbeiter-Verbandes angehören oder agitatorisch tätig gewesen waren, auf Anordnung des 9iorddeutschen Lloyd von weiterer Beschäftigung auf den Schiffen des 9torddeutschen Lloyd dauernd ausgeschlossen wor­den waren, sind bis heute mittag 1100 Kvhlen-Ladungs- arbeiter aus dem Hafenarbeiter-Verbande ausgetreten, um sich den nach Anordnung des 9torddeutschen Lloyd neu gebildeten, aus Nichtmitgliedern des Hafenarbeiter-Verban- oes bestehenden Gängen anzuschließen und der zu errich­tenden Pensionskasse beizutreten. Sämtliche übergetretene Arbeiter mußten sich durch ihre Unterschrift verpflichten, dem Hafenarbeiterverband nicht mehr anzugehören und die Quittungsbücher des Hafenarbeiterverbandes abzulie- sern. Der Hafenarbeiterverband Bremerhaven ist damit, so weit er die Kohlenladuntzsarbeitergänge des Norddeutschen Lloyd mit umfaßte, vollständig aufgelöst worden.

AvSjllg ans orn ßirchklldiilhrrii her Statt tzikßkn.

Evangelische Gemeinde.

Getraute. LukaSgerneinde. Ten 14. März. Franz Friedrich Theodor Pilz, Ingenieur zu Darmstadt, und Anna Johannette Luise Wilhelmine Bötticher, Tochter des verstorbenen Oberlandesgerichtsrats August Bötticher zu Gießen.

Getaufte. Lukasgemeinbe. Ten 15. März. Dem Rangierer Heinrich Launspach eine Tochter, Ennlie Katharine Elisabeth Minna, geboren den 16. Februar. Denselben. Dem Sattler Georg Giesecke eine Tochter, Else Emma Luise Elisabeth, geboren den ^8. Januar. Denselben. Dem Kaufmann AloyS Spengler em Sohn, Adolt Aloys, geboren den 15. Dezember 1902.

Miete0t0logijcve rkeovuchrungen

der Station Gießen.

Detter

19,80 c.

1,0 C.

Marz 1903

Höchste Temperatur am 22.-23. März

Niedrigste , , 22.-23. ,

«um innerer auf 0° reduziert

Temperatur der Luit

Absolute Feuchttgkeit

Relative Feuchtigkeit

Wiiidnchtung

Windstärke

23.

2"

749,2

+18,0 5,3

34

8.

2

Sonnenschein

23.

9

747,0

4- 7,5 6,0

64

Still

Heller pimm.

24.

7"

744,8

+ 9,6 4,6

52

8W.

8

Bew. Himmel

ilriultr iticluuiiijiiL

Originaldrahimeldilngen des Gießener Anzeiger».

Berlin, 24. März. Tie B e g r ä b n i s f e i e r für den Frhrn. v. H e e r e m a n findet am Donnerstag in der Hed- wigskirche statt. Bon dort wird die Leiche nach dem ter B-hnhof gcbcaujt. Tie Beisetzung fuibct am Samstag im Erboegcäbiiis zu Suri.iöurg in Westfalen statt.

Berlin, 24. März. Ter Impresario des Blu­men medium s Rothe, Jcntfch, befindet sich auf der Reise von Amerika nach Te^rfchland. ^s ist nicht unmöglich, daß Jentsch twa) vor dem Gericht erscheint.

H a l be r st a o t, -4. Marz. Ter Kurpfuscher N e - ander wurde zu 4 Jahren Zuchthaus verurteilt.

Lissa in Posen, -1. März. Bei der Besichtigung des Neubaues einer ^.ch<une in Ovoreit stürzte d ie toie- belwand ein. Ter Rittergutsbesitzer Petzel wurde getötet, der Werkncistcr Hartmann und mehrere Maurer lind schwer verletzt.

T.unchen, -4. März. Wie bestimmt verlautet, hat der Minister des Innern, Frhr. v. Feilitzsch, am 22. d. M. sein Entlassnn göge s uch eingcreicht. Tie Ent­scheidung darüber ist noch nicht erfolgt.

Petersburg, 24. März. Aus criöan wird ge- mckö.t. d.e Toc. ..r des Kommandeurs der Kosacken und utc ipr bcsreuii».e^e To. ^r des Policeiuird'..i.s besuchten das ...agi.z.n cin.s Persers. Tiefer er,nordete die ü c i b c u '..(.üb ch c n. Ter Kommandeur sand die Leichen eingezwängt in caic Kiste. Er erschoß oen Mörder.