Ausgabe 
24.2.1903 Zweites Blatt
 
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fifal/flmt im Trierer Dom und fährt nachmittags nach Eolbenz zur Papstfeier.

Nürnberg, 23. Febr. Der geschäftssührende Aus­schuß der nationalliberalen Landespartei r. d. Rh. hat beschlossen, auf den 14. und 15. März in Nürnberg einen Parteitag einzuberufen. Am 15. Mär^ findet die all­gemeine Landesausschußsitzung statt, wozu die Delegierten, Vereine und Abgeordneten brieflich eingeladen werden. Am 14. März wird der geschäftssührende Ausschuß zu ein­gehenden Beratungen zusammentreten und abends findet eine große Versammlung im Industrie- und Kulturverein statt, in der hervorragende Parteiführer Referate erstatten.

Heer und Flotte.

DerGraphic" zu demDiagramm des Kaisers. Der »Daily Graphic", der das Diagramm des Kaisers über die Fiottenslärke Englands und Deutschlands bringt, bemerkt dazu in einem einleitenden Artikel: »Es ist unmöglich, der Hartnäcklgkeit die Bewunderung zu versagen, mit der der deutsche Kaiser bemüht ist, sein Volk in der Doktrin der Seemacht zu erziehen, wenn wir auch noch so sehr bedauern müssen, daß der Wettbewerb in der Rüstung dadurch ange­spornt wird. . . . Im Vergleich zu der klaren Darlegung des Kaisers ist der Bericht unserer eigenen Admiralität über die Flotten der Mächte im Jahre 1902 ein verächtliches Machwerk. . . . Wenn das Haus der Commons so mangel­haft informiert wird, kann es unmöglich bie wichtige Frage der Seeherrschaft in geeigneter Weise besprechen. Wir fönnen dem Kaiser nur gratulieren zu seiner doppelten Leistung als Marinestatistiker und als Zeichner. Sein Werk verdient den Platz im Reichstag einzunehmen, wo Mitglieder der Volks­vertretung die Tabellen sehen und besprechen können."

Kirche und Schule.

Rom, 23. Febr. Der Papst erhielt anläßlich seines Jubiläums bisher über eine Million Bargeld an Pilgerfpenden.

Neichstagswahlen.

DieKonseroativen des Wahlkreises Hanau-Geln- yausen-Orb beschlossen, diesmal von einer eigenen Reichs­tagskandidatur abzusehen und die von den Rationalliberalen vorgeschlagene Kandidatur des Amtsrichters Lucas zu un­terstützen.

Limburg, 23. Febr. Die Vertrauensmänner-Ver- sammlung des Bundes der Landwirte stellte gestern den Landwirt Hatzmann aus Niederneisen als Kandidaten für die bevorstehende Reichstagswahl im 4. nassauischen Wahlkreise (Lnnburg-Dietz-Weilburg) auf.

Ausland.

London, 23. Febr. Tas Blaubuch über die süd- o st europäischen Angelegenheiten (vgl. Parlaments­blatt) enthält 359 Schriftstücke aus der Zeit vom 31. De­zember 1900 bis 9. Januar 1903. Darunter befindet sich ein Schreiben Landsdownes an den britischen Botschafter in Konstantinopel, Obnor, vom 9. Januar 1903, in dem der Minister die Notwendigkeit von Reforlnen betont, und sagt, die Regierung sei bereit, alle praktischen Vorschläge zu unter­stützen, welche die Kabinette in Wien und Petersburg der Pforte zu dem Zivecke, Abhilfe für die gegenwärtigen Uebel- stände zu schaffen, in dringender Weise nahezulegen wünschen könnten.

Haag, 23. Febr. Die Regierung ließ den Kammern kn Ausführung der Brüsseler Konvention den Gesetzentwurf über die Zuckersteuer zugehen. In deiiiselbcn wird für jetzt von einer bedeutenden Herabsetztmg der Steuer abgesehen und die Herabsetziing der Steuer um 3 Gulden für 100 Kgr. festgesetzt. Der Gesetzentwurf enthält ferner Bestimmungen, nach denen die Erhebung der Zuschlagstaxe so lange in das Belieben der Regierung gestellt wird, als ausländischer Zucker nicht in beträchtlichen Mengen eingcführt wird, da die Zu­schlagstaxe für das Interesse der niederländischen Industrie nicht erforderlich ist.

Washington, 23. Febr. Die Vertreter Frankreichs, Spaniens und Belgiens besuchten am 22. Februar Bowen, u>n über die Protokolle zur Regelung der Ansprüche dieser Mächte Rücksprache zu nehmen. Die Entwürfe sind ^bereits mit der Post an die beteiligten Regierungen abgesandt worden, aber es sind noch einzelne Bestmimungen vorhanden, über welche die Vertreter sich mit Bowen zu besprechen wünschten. Es wird erwartet, daß die Protokolle im zweiten Teil der Woche ihre Bestimmung erreichen. Unterdessen können end- giltige Schritte für die gcmeinsaine Unterzeichnung der Pro­tokolle nicht getan werden.

Der Vorstand der b utschen freien Studentenschaft sandte uns ein Flugblatt, dem wir folgendes entnehmen: Ausgehend von der Beobachtung, daß die Studenten die gegebene Möglichkeit umfassender Bildung wegen der gesteigerten Anforderungen ihres Berufsstudiums nicht mehr genügend ausnützen baß das Niveau der allgemeinen und ästhetischen Bildung der akademischen Berufsstande eben dadurch gelitten hat daß der Richter, der Geistliche, der Ingenieur, der Arzt, der Lehrer, der Fachgelehrte den Einblick in das Gesamtleben der Nation, das Verständnis .für deutsche Kunst, für deutsct)es Geistesleben und für die wirtschaftlichen Lebensinteressen des Volkes nicht mehr in dem Umfange besitzt, wie es z. D. um die Mitte des 19. Jahrhunderts der Fall gewesen uni) wie eS zur Er­haltung der seit jener Zeit errungenen Weltmachtsteklung des deutschen Volkes nötig ist davon ausgehend hat die Deutsche Freie Studentenschaft in ihrem Wittenberger Pro­gramm Forderungen und Ziele ausgestellt, die ein Weckruf an die Studentenschaft geworden sind und sich kurz an die drei Worte anknüpsen lassen: Der deutsche Student ist nicht gesund genug, nicht gebildet genug, und nicht genug in sich ruhende Persönlichkeit.

Ter deutsche Student ist nicht gesund genug, sonst würde nicht blos ein Viertel der Studentenschaft 27 Prozent aller Abiturienten militärdiensttauglich befun­den werden; sonst würden nicht soviel schiefe und gebückte Jünglinge, Brillen- und Glatzenträger, soviel blasierte junge Greise auf unseren Hochschulen herumlaufeu, sonst würden diestudierten Leute" nicht soviel Hypochonder und Para- tytiker für die Heilanstalten liefe; - Der deutsche Stu­dent muß - iem mein nocu, lübcr! ein Gegen - gewicht zu seiner einseitig geistigen Arbeit haben. Er

soll darum turnen, rudern und fechten, Fußball und Tennis spielen oder auf Fußwanderungen Brust und Auge baden. Dabei soll er keinem unnützen Zwange sich unterwerfen, und es soll chm nicht durch zeitraubende Vereinsmeierei auf der einen Seite genom­men werden, was er auf der anderen Seite gewonnen hat. Trinkzwang, Kneipenluft und der Alkohol sollen nicht verderben, was Muskelübung, Sonnenschein und frische Lust gut gemacht haben.

Aber der deutsche Student ist auch nicht gebildet genug. Das Leben der Gegenwart fordert vom Akademi­ker neben rascher Entschließungsfähigkeit ein viel größeres Maß von Allgemeinbildung, als der Student von der Schule mitbringt. Volkswirtschaftliche, geographische, statistische Elementar kenntnisse, Vertrautheit mit der neueren Geschichte und mit den wichtigsten Fort­schritten der Verkehrstechnik, Bürgerkunde, Fühlung mit oen geistigen Strömungen unserer Zeit sowie mit den grundlegenden Errungenschaften auf anderen Wissens­gebieten, kurz eine Fülle von Kenntnissen, zu deren An­eignung gerade die Studentenzeit Anregung und Gelegen­heit in Menge bietet. Darum soll er Redegewandt- yeit zu erlangen sich bemühen. Die Fühlung mit dem Pulsschlag des Wirtschaftslebens wird durch Be­suche in Fabriken und Anstalten, Krankenhäusern und Ver­kehrsanlagen gewonnen. Die schwierige Kunst der Zeit­einteilung und der Zeitverteilung will gelernt sein. Aeltere Kommilitonen sollten den jüngeren durch Rat und Tat behilflich sein, sich Studienpläne zu entwerfen. Hier und da, z. B. in der Charlottenburger Freien Stu­dentenschaft, existieren auch bereits Anfänge zu wissen­schaftlich und pädagogisch durchdachten Musterstudien- plän en.

Der deutscheStudent ist nichtgenugin sich ruhendePersonlichkeit. Persönlichkeiten, Charaktere bildet das Leben, nicht die Schule; allein die Anfänge zu einer Persönlichkeit müssen in der Studentenzeit bemerkbar werden, umsomehr da hier das Leben doch schon ganz anders einwirkt als früher. Freiheit der Betätigung, Mannbarkeit, selbständige Lebensführung, freie Meinungs­äußerung und vielseitiger Verkehr, Freud und Leid der Studentenzeit das sind doch alles gewaltige Faktoren, um die Persönlichkeit zu formen. Ausardeiten und ausleben soll sich der freie Student nach eigenem Geschmack. Er soll die Kunst, diese vollendetste Aeußerung der Persön­lichkeit sei es Bildwerk, Drama oder Tonschöpfung genießen und verstehen lernen. Sehen, hören, mit- erleben wenn nicht mitspielen soll er sie, so oft sich dazu Gelegenheit bietet Sie schafft ihm eine innere Welt eigener Prägung, sie macht ihn frei und lehrt ihn die gemeinterjiänoliaje Sprache aller Zeiten und Zonen, die Sprache der Menschlichkeit. Und daS tut not Man sehe sich unserestudierten Leute" im praktischen Leben auf ihr Verhältnis zur Kunst hin einmal an! Meist genügt em Blick in ihre Wohnungen und Kanzleien, um sich von ihrer völligen Bedürfnislosigkeit der Kun st gegen­über zu überzeugen. Da liegt also ein reicyes Feld noch brach. Wer soll denn sonst die Kunst genießen und schätzen, wenn nicht die akademisch Gebildeten!

Wenn das vornehmste Ziel aller akademischen Studien die Erziehung zu selbsiänoigem Denken ist, dann muß auch die durch selbständiges Denken gewonnene Ueber- zeugung neben einer anderen im akademischen Leben Platz haben. So lebt ein Teil der Studenten z. B. der Ueber- zeugung, daß in Ehrenhändeln die Genugtuung mit der Waffe keine Genugtuung oder aus religiösen Gründen ver- werslich sei. Dürfen ihnen um dieser Ueberzeugung willen Ehrengericht und Genugtuung verweigert oder sie selbst gar mitVerruf" belegt werden? Gegenüber all diesen Vorurteilen und Ausschließlichkeiten, die sich in der Stu­dentenschaft eingenistet Haden, stellen wir als gegenseitiges Verkehrsprinzip die Forderung auf: Achtung vor der gegenseitigen Ueberzeugung, vor der freien M e i n u n g!

Da ist der Kantönligeist, der nirgends in der Welt solche Blüten treibt, wie auf unfern Hochschulen, diese klassische Uneinigkeit der Studenten,chaft bei gemeinsamen Angelegenheiten! Dann die Ehrengerichts- und S a - tisfattionsfrage und nicht zuletzt die Fragen der Ausgestaltung des Studien- uno Examenwesens sowie die akademische Freizügigkeit. Die freien Studentenschaf­ten der Universitäten uno technischen Hochschulen haben sich alsDeutsche Freie Studentenschaft" vervunden, und all­jährlich zu Pfingsten strömen ihre Vertreter und Anhänger nach Weimar zum Freien Studenten-Tag zusammen, um dort die großen Fragen des akademischen Levens gemein­sam zu beraten und öffentlich zu oeryandeln.

Ans Hindi uni) Land.

Gießen, 24. Februar 1903.

** Der übliche Aufzug des Gießener S. C. fand heule Mittag m faslnachtsmäßigem Aufputz statt. Auf dem Kirchenplatz wurde in Gegenwart einer großen Menschenmenge ein Salamander gerieben und die Gläser auf dem Pflaster zerschellt.

** Die Freiw. Gail'fche Feuerwehr veranstaltet am nächsten Samstag iiu Hotel Einhorn einen Familien­abend, der nach dem uns oorgelegten Programm ein recht genußreicher zu werden verspricht.

§ Butzbach, 23. Febr. Anläßlich des Silbernen P a p st j u b i l ä u m s fand gestern abend im Goldenen Löwen" hier eine Katholiken-Fe st Versammlung statt, welche in bescheidener, aber würdiger Weise das einzig in der Ge­schichte des römischen Pontiflkats dastehende Ereignis feierte. Unter den Festrednern, deren Ausführungen in entsprechenden Toasten auf Papst, Kaiser und Großherzog endigten, waren auch zwei auswärtige Geistliche. Die von unserem Turn­verein gestern abend imHessischen Hof" veranstaltete karne­valistische Feier war stark besucht und nahm einen sehr schönen Verlauf. Außer originellen lebenden Bildern und komischen turnerischen Leistungen erregten die vorgetragenen Parodieen auf örtliche Ereignisse Neubahnbau, Wassergeld­abgaben u. a. große Heiterkeit.

p. Friedberg, 23. Febr. Nachdem seit 5 Jahren kein größerer Umzug zu Ehren des Prinzen Karneval statt­gefunden hatte, bewegte sich gestern zum ersten mal wieder ein solcher durch die Stadt. Gegen 3 Uhr wurde der Zug der Narren am Mainzertor aufgestellt. Er enthielt ungefähr 30 Gruppen; voran bewegte sich ein mit 6 Pferden bespann­ter Wagen, auf dem Prinz Karneval thronte. Außerdem ent­hielt der Zug 'wei Zigeunerwagen, je eine Backer-, Metzger- und in - > '...ppe, ferner bie Sonnlagsschmiede von Kiou-

tschou, .'<c alkoholfreie Wirtschaft, eine GruppeGewerbe­

Akademie* u. 6. m., sämtlich zu Wagen. Viele Clowns und Narren begleiteten den Zug. Am Hotel Trapp begrüßte Prinz Karneval in humoristischer Weise die Teilnehmer. Der Zug löste sich dann am Saalbau auf, wo später Konzert stattsand. Hieran schloß sich abends eine große Hauptsitzuno mit ulkigen Lokaloorträgen, und endlich der unbedingt not­wendige Ball.

** Hungen, 23. Febr. Zu der heutigen sehr zahlreich besuchten Bürgermeisterversammlung nahezu alle Gemeinden des Kreises waren durch ihre Bürgermeister oderZöeigeordnete vertreten waren außer den Beamten desMeisamts, der Kreisbauverwaltung auch die Mttglieder des Kreisausschusses und des Stadtvorsiandes von Hungen erschienen. Die sehr eingehenden Verhandlungen, welche mit Unterbrechung nahezu acht Stunden in Anspruch nahmen, umfaßten außer der bereits mttgeteilten Tagesordnung noch eine Reihe anderer Gegenstände, wie die gemeiuschaflliche Versicherung des gesamten Gemeindeinventars des Kreises gegen Feuerschäden, die Wasserversorgung der Gemeinden, Feldbereinigungen, Straßenbauten, die Ausstellung von Zu­stellungsbescheinigungen durch die Bürgermeistereien, die Verlegung der Termine für die Erhebung der Umlagen ic. Aus Anlaß mehrfacher Anfragen über die Auslegung ver­schiedener Bestimmungen des UrkundenstempclgZetzes wurde ein diese Vorschriften erläuterndes Ausschreiben zug.sagt. Da es noch immer vorkommt, daß einzelne Crtearmen« verbände dem Gesetz über den Unterstützungswohnsitz zu­wider zögern, den in ihrem Bezirk befindlichen Hilssbedürs- tigen die erforderliche Fürsorge angeoeihell zu laisen, wurde dargelegt, wie jeder OiasarmeuvtAlmnd verpflichtet ist, j^dem in seinem Bezirke hilfsbedürftig werdenden Menschen ohne Unterschied vorläufig Unterstützung zu gewähren, und wie die Orlsarmenoe^bände sich den Ersatz solcher Auf­wendungen sichern können, die für Hilfsbedürftige ent- stehen, welche anderswo ihren Unterstützmigswohnsitz haben oder überhaupt keinen Uitterstützungswohnsitz besitzen. Die Verhandlungen über die Unterhaltung und den Neubau oon Kreisstraßen gaben dem neuerna.inten Kreisbau-Jn- spektor des Kreises, Herrn Baurat Die hm Gelegenheit, seine Ansichten über diese für den Kreis, wie für die Go- meint)en so wichtigen Fragen darzulegen. Außer den Maß­regeln zur Verhütung der Verbreitung ansteckender Tierkrankheiten war es insbesondere die Notwendig­keit der Feldbereinigung, welche eingehend be­sprochen wurde. Hierbei wurde dem Wunsche Ausdruck ge­geben, daß auch diejenigen Gemeinden, welche bis jetzt iwch feine Feldbereinigung beschlossen hatten, möglichst rasch dem Beispiel der Gemeinden mit bereinigten Gemarkungen folgen, und daß in Gemeinden, welche Feldbereinigung beabsichtigen, mit Parzellenvermessung und Anlegung des Grundbuchs bis nach beendeter B.remigung gcmartei werden möge. Den Schluß der iVerhanolungen leitete ein ausführ­licher Vortrag des Herrn Kreisamtmann Dr. Kranz­bühler über das Denkmals chutzge fetz ein. Die Aus­führungen des Vortragenden, welche mit Beifall ausge­nommen wurden, veranlaßten eine längere Besprechung, an welcher sich auch der Vositzendre des Tenkmcnrat.es für das Großherzogtum Hessen, Herr Ministerialrat Freiherr von Biegeleben, welcher von Darmstadt zu der Versamm­lung gekommen war, beteiligte. Allseitig wurden die idealen Bestrebungen des Gesetzes in ihrer Bedeutung gewürdigt, und bei der Ausführung feiner Bestimmungen die tat­kräftige Unterstützung der Ortsbehörden zugesagt. Ins- besondere interessierte die Frage der Sicherung der Ge­meinde- und Kirchenarchive, der beweglichen Denkmäler im Besitze der Gemeinden und Kirchen, die Erhaltung alter Lrisnamen, Flur- und Gewannbezeichnungen. Der Antrag, zu beschließen,die versammelten Bürgermeister dcs Kreises Gießen erachten es zur Durchführung des gesetzmäßigen Urkundeuschutzcs und zur Ermöglichung einer wissenschaft­lichen Bearbeitung deS Urkundenmatenals für erforderlich, alles handschriftliche Material bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts an einem geeigneten Platze zu sammeln unter ausdrücklichem Vorbehalt des vollen Eigentumsrechts der Gemeinden" fand einstimmige Annahme. Mit der hierauf erfolgenden Besichtigung des hochinteressanten Schlosses zu Hungen, der altehrwürdigen Kirche und anderer noch vor handenenn Baudenkmäler sanden die Verhandlungen über den Denkmalschutz einen würdigen Abschluß.

i. Gonterskirchen, 23. Febr. Beim Holzfällen im Wald wurde der Waldarbeiter Schmalbach von einem nieder- fallenden Baume schwer getroffen. Im Stifte zu Laubach wurde an ihm eine schwere Schädeloperation oorgenommen. der weitere Verlauf der Krankheit bleibt abzuwarten.

i. Laubach, 23. Febr. Sicherem Vernehmen nach wird die Linie Laubach-Akücke am 1. August eröffnet. Rian hofft hier, daß durch günstige Fahrgelegenheit von Mückr und von Hungen her die Schülerzahl des hiesigen Gymnasium-: gehoben wirb. Der Reifeprüfung am Gymnasium, bie an 5. März ihren Schluß findet, unterziehen sich 13 Schüler.

i. Vi11ingcn, 23. Febr. Als am Sonntag abend der in Laubach stationierte Briefträger D. mit seiner Braut zum Bahnhof ging, fiel in der Nähe desselben ein Schuß, der D. ins Auge traf. Verhaftet wurde der Vater der Braut, der aus Eifersucht gehandelt haben soll.

g. Rod he im a. d. B., 23. Febr. Nachdem am End* des vorigen Jahres für den Kreis Biedenkopf ein Zweigverein des Vaterländischen Frauenvereins gegrünöei worden ist, der bereits 3181 ordentliche Mitglieder mit 2063 Mk. Jahresbeiträgen zählt, hielt die Ortsgruppe Biebertal am vergangenen Sonntag in der hiesigen Kirche ihre 1. Ver­sammlung ab; die Ortsgruppe zählt in den Orten Rodheim, Bieber und Fellingshausen 117 Mitglieder. Um auf die Ausübung einer geordneten und sachverständigen Kranken­pflege, die auf dem Lande ja besonders sehr im argen liegt, hinzuwirken, wurde zunächst ins Auge gefaßt: die Ausbildung von Hilfspflegerinnen, Bereitstellung der notwendigsten Pflege- artttel und Fürsorge für die Pflege armer Kranker.

Vermischtes.

Kaiferpaar und Publikum. Sichtlich vom Ober- hofmarschollamt inspiriert ist die folgende Verlautbarung des ofsiziösen Telegraphenbureaus: Der Wunsch vieler, namentlich in Berlin fremder Personen, das Kaiserpaar bei dessen Aus­ritten ober Spaziergängen aus möglichster 'Nähe zu sehen, führr leider zu Ucbelständen, die den allerhöchsten Herr­schaften recht unangenehm fühlbar werden muffen. Man kann nicht selten bemerken, daß Herren wie Damen bie Rücksichtslosigkeit soweit treiben, daß sie hinter den Herr­schaften herzugehen versuchen, ober wiederholt bei denselben vorbeilaufen, um ihnen dann wieder entgegenzugehen, daß