Ausgabe 
23.12.1903 Viertes Blatt
 
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Mittwoch 23. Dezemver 1903

Nr. 301

153. Jahrgang

Zweites Blatt

S

Die Heutige Kummer umfaßt 12 Seiten.

Wajestätsveleidigung.

tzluöl und Land.

^artamentarijches.

falls auch anzuwenden, frpii.nnine Bal

Eine jüdische Volkspartei

soll, wie das in B-resiau erjcheinen-dcJüd. Volksbl." mit­teilt, gegründet werden, damit den Ausschreitungen des Antisemitismus mit der erforderlichen Ent-i schieden heit entge g en g etreten werde. Zur Be­gründung des Gedankens wird in dem genannten Blatte ausgeführt, daß die Juden aus politischem Gebiete chren

a Lollar, 22. Dez. 2lm 2. Weihnachtsfeiertag abends 8 M>r werden Schüler unserer Volksschule das neue Weih- nachts fest spiel:Liebe auf Erden" von Bounetz aus der neuen bühne des Ernstschen Saales zum Besten der hiesigen Kleinkinoerschule auffuhren. Deklamationen, Ehorae.ange wechseln mir lebenden Bridern niancher.^et Art. Um möglichst vielen Gemeinde gliedern die Möglichkeit zu bieten der' schönen Ausführung beizuwohnen, wird nur ein geringer Eintrittspreis, der niemand schwer fallen wird, erhoocn werden. Dagegen wird gebeten, oaß diejenigen Besucher, welche hiec^n in der Lage sind, in ^lnbetrachi. des edlen Zweckes, den liebevollen Eifer und gleiß der ausführenden Schüler mit größeren Groben beim Eintritt erfreuen.^ 21. Dez. Gestern hielt der Vorsitzende

des christlich-sozialen Vereins in Gießen P.arreri.P. Hofmann hier eine Versammlung ab zur Gründung eines Hweigvereins. Die Ber,ammlung war start be,ua)t. Pfarrer dxrfmann war in den 70er Jahren hier als Geistlicher tätig. Eine schwere Schlügerei, bei der aua) das Me.fer eine Rolle spielte, trug M die,er Tage zu. Einer der Beteiligten erhalt S-tiäMunden.

f Butzbach, 21. Dez. Die Domanialjaaden der Oberfdrsrereien Du tz b a ch und Ho ch w e i s e l gelangen im

Keer unö KwUe.

den Briefen des Generals v. Kretsch- ma n n mit deren pietätloser Veröffentlichung ferne Tochter ftrait Lilly Braun, dem Andenken ihres ^^rs schlecht aedient liat sind, wie wir bermts wiederholt^erwahnten, Nächst abMioe Urteile über h ? i s is chs "vrupp e n-

i l e en t hatten, die im November 1870 bte Ortfchasr Sens LAi nila^iünbert haben solden. Ein Stavsoffizler l-abe LL S wollen und b-L-i seinen Wirt tot-

Gegen blls- Ansckmldisungen veross-ntllcht l-tzi ^&Ä>r sei»im

Aufsatz, worin mit Zeugmffcn 5.

ÄESL S Bffl

A tPinrnci Miin&cnmq ober Ausschreitung. Alle All. Äldmung-n werden in ber bünbirften und überzeugten fieije wii^rlegt. Offenbar ist dem damaligen )5to\or

Ktrch« und Schul«.

Iüdi sch e Schulvorsrandsmitglieder. Tre s^raae, ob ein jüdisches Gernei.no emitgtted in den Schulvor­stand einer christlicl-en Sck-ule gewählt werden könne, rft in der Provinz Sästesien durch die Verwaltungsbehörden rot beiabenden Sinne entschieden worden. .

Vtünchen, 22. Dez. Ter Bischof von Mainz Tr. Kirstein, leistete heute vor dem päpstlichen Nuntius Maechi den Erd als neugewähtter $Urd)ell^^ir(t. ^^Z^ugen fungierten Domkapitular Zunmern-Speyer und Doml^err BendixGermania" aus Rom authentisch mitteilt,

Hut der Papst die Blättecmeldung von der Uebergabe von 4 0 M i l l io n e n L r r e und sonstigen in der Privatbtbttothek Leos XIII. ausgefundenen Geld',äaen an Pius X. selbst als Erfindung bezeichnet. . ------

Gießen, 23. Dezember 1903.

** Das Regierungsblatt, Deilage Nr. 29, enthält: 1. Öffentliche Anerkennungeri und Verleihung von. Geldprämien beztv. der Rettungsmedaille. 2. Bekanntmacb- ung, die Schiedsgerichte für Arbeiterversicherung betreffend. 3. Bekanntmachung, die Freiherrlich von Weyherr^che E.eo- noren-Stistung betreffend. 4. Summarische Ueb er sicht der Rechnung Großheizogl. Landeslvaij en lasse zu ^urmsladt für 1902/03. 5. liebersicht der vom Großh. Ministerium des Innern für das Etatsjahr 1903/04 genehmigten Umlagen zur Bestreitung der Kommunalbedürfnisse in der Ge­meinde Unter-Scharbach 6. Ordensverleihungen. 7. Er­mächtigung zur Annahme und zum Tragen fremder ORren. 3. Tienstnachrichten. 9. Ruhestandsver; ttzungen. 10. Kon- kurrenzerüffnungen. _ , , , _

** Hebet die erdbehenartig^Erscheinung nt Mitteldeutschland am 14. Tezeniber sind, wie man uns schreibt, dem Geophysikalischen Institut in Göttingen eine große Zahl von Nachrichten zugegangen, und noch immer weitere treffen ein. Tie Beobacktungsorte erstrecken sich nun schon nach diorden bis Acunder a. D., also über .Hameln hinaus, nach Westen bis Weimar bei Kassel, nach Osten bis Eschwege, im Süden bildet die Rhön immer noch die Grenze. In den nördlichen Ge­bieten hat das Sclialtphanomen entschieden vorgeherrscht. Mau hörte Gevauiche lute von herabfallenden Schneemassen und dumpfe Schläge; Jenster klirrten, Türen bewegten sich, hie wild da wuroen auch andere Erschütterungen im Hause iuahrgelwmmen. Beobactster im Freien geben in der Regel an, daß der Schall von Westen gerommen Ware. Beachtet man noch, daß im Göttinger Geophysikalischen ^ustttut leine Spur einer Erschütterung des Erdbodens registriert morden ist, so wird man immer wieder zu der Vermutung geführt, daß es sich in erster Linie um eine Erschütterung der Luft gehandelt habe. In der Tat hat um jene Zeit eine Explosion von gewaltigem Umfang m der Sie­gener DY na mit fabrit bei Förde stall gesunden. Hier gingen nicht weniger als öOO Zenuier Dynamit m die Lust, gewaltige Verheeruligen anrichreno. Noch in dem eine halbe Stunde entfernten Förde wuroen viele J-ensterscheiben zer­trümmert. DieSiegener Ztg." gibt an, daß die Explosion etwa um 5 Uhr 10 Minuten stattgesunden habe; in der Göttinger Sternwarte wurde die ErchMterung wenige Se­kunden nach ö Uhr 19 Minuten beobachtet; das stinunt ganz ausgezeichnet zusammen, wenn man bedenkt, daß der Schall in ie drei Seiunden einen Kilometer<zuructüegt, also etwa 7V2 Minuten gebraucht hat, um die rund laU Kilometer ipcite Strecke von Förde bts nach Göttingen zu durechaufen. Als möglich muß trotz alledem hinge stellt werden, daß zufällig zur gleichen Zeit em Erdbeben ftattge- funden hat, beim die Nachrichten von der Ryon uersten mit großer Entschiedenheit auf ein solches hin. Unter diesen Um­ständen wäre es sehr wichtig, wenn sichere Beobachtungen noch weiter gemeldet wuroen; insbesondere kommen tn Be­tracht der Bereich der Rhön und das westlich nach Siegen zu gelegene Gebiet. Interessant wäre es auch, sestzustellen, wie wert nach Osten hin die Explosion gehört woroen ist. Es "wird aebeten, die Nachrichten an das Geopyy,italische Institut der Univerjitüt Göttingen, tzarnberg zu senoen.

** In dem gestrigen Artikel über den Etat der höheren Schulen war ein Druckfehler unterlaufen. Ter Gesamtzuschutz für die höheren Schulen beS, Landes beläuft sich nicht auf 1910 000 Mt., sondern nur aus 910 000

stand der Stadt hat einen empfindlichen Schlag erlitten, da die Kaufkraft her Arbeiterschaft bedeutend yeschtvächt ist, die Hotels bekommen nur noch wenige Reisende zu beherbergen und die Gastwirtschaften und Vergnügungs- Etablissements werden durch die bekannten Verbote der Kreishauptmannschiaft schwer geschädigt. Kein Wunder, daß die Stimmung innerhalb der Bürgerschaft äußerst gedrückt ist. Schwere Befürchtungen, namentlich in den Kreisen der Streikenden, hat ein Artikel des Konfektionär" hervorgerufen, der den NackMeis versucht, daß die Krimmitschauer Fabrikanten bei längerer Tauer des Streiks ihr Absatzgebiet verlieren müssen, nachdem ihnen bereits die ganze Sommersaison und ein großer Teil der vorigen Wintersaison leere Kassen gebracht hat. Selbst wenn es den Fabrikanten trotz des Streiks gelingen sollte, neue Winterkollektionen heraus­zubringen, würden die Abnehmer nicht geneigt sein, Muster aufzunehmen, deren Lieferung fraglich set. Die ILeiptz. Volksztg." glaubt diese Befürchtungen mit folgen­den großsprecherischen Worten bLschwichtigen zu können: Den Krimmitschauer Textilarbeitern stände dann aller­dings das SckMsal der Freiberger Bergarbeiter bevor (be­kanntlich läßt die sächsische Regierung den fiskalischen Sil­berbergbau gänzlich eingehen. D. Red.); aber die deutsche Arbeiterschaft wird unter allen Umständen hinter ihnen stehen. Sie brauchen nicht zu fürchten, daß organisierte Arbeiter aus der einen Seite die Hand zur Unterstützung bieten und aus der anderen Seite ihre Notlage ausnutzen, wie es die Unternehmer tun." Wie sich dießeifö. Volksztg." diese Hilfe für Arbeiter denkt, die dauernd den Verdienst verloren haben, verschweigt sie.

ö. Kretschmann von irgend einem SelMätzer Plunder- ungsmärchen anfgebunden worden, und er berichtete es in bem vertraulichen Briefe an seine Frau. Er hat nrcht ahnen können, datz diese Briese, deren Inhalt er sicherlich nicht halte vertreten wollen, einst der Oeffentlichkcit prers gegeben würden. M

Tie Häufung der Niajestätsbeleidigungsprozefse ist eine bedauerliche Begleiterscheinung unseres öffentlichen Lebens, denn saft täglich hat die Presse von Verurteilungen wegen Aiajestätsbeleidigung zu berichten. Wir teilten dieser Tage unterGerichtssaal" mit, unter welchen Umständen von der Gießener Strafkammer ein Gastwirt aus Bur ggrüfen rode wegen Dkajestätsbeleidigung zu zwei MonatenGefängnis verurteilt wurde. In der Urteils­begründung erklärte der Vorsitzende, Landgerichtsdirektor Bücking, daß der Gerichtshoj das Motiv, aus dem heraus die Anzeige erstattet wurde, in l)ohem Maße mißbillige; das Gericht sei überzeugt, daß diese Anzeige nicht aus. Patriotismus erstattet sei, sondern lediglich aus Rache, um dem politischen Gegner eins zu versetzen. Ter Ge-1 richtshof habe aver annehmen müssen, daß das, was die Belastungszeugen unter Eid bekundet hätten, wahr sei; im anderen Falle hätte man zu der Ueberzeugung kommen müssen, daß in der Verhandlung lauter Meineide geschworen waren. Aus diesem Grunde ist die Verurteilung zu der, tnedrigsten zulässigen Strafe von zwei Monaten erfolgt. Wie in diesem Fall, so spielen in zahlreichen anderen Fällen unedle und eigensüchtige Motive der Angeber die Hauptrolle und die Gerichte geoen häufig genug ihrer Miß­billigung über die Muotive, aus denen heraus die Anzeige erstattet ist, unverhohlen Ausdruck. Aber sie sind in einer Aoangslage': nach dem Buchstaben des Gesetzes muß die Verurteilung erfolgen. In anderen Fällen kommt es zu Verurteilungen wegen Atajestätsbeleidigung, weil Leute, denen es schlecht geht, besonders im Winter, ein Unter­kommen im Gefängnis suchen. Auch politische Beweg­gründe spielen nicht selten bei solchen Prozessen nut. Vor einigen Wochen sind in Leipzig drei Redakteure sozialdemo­kratischer Blätter zu sechs, vier und drei Monaten Ge­fängnis verurteilt worden; nur der Metteur, der unter a e ----

derselben Anschuldigung sechs Wochen m GEsangniSyaft ^^n li b er a l e n Parteien überlassen hatten,

sitzen mußte, wurde fteigefprochen. ^n Berlin find zwei L 2 °Ar entsesselte Strom des Judenhasses die Säulen Redakteure desVorwärts" wegen der törichten Kaiser- L £ sRartei gebrochen habe; die Juden seien dann immer insel-Geschichte Gesäiignisstrasen von neun und vier \ . ^en Schutz der radikalen Parteien beschrankt

Monaten verfallen. Ob es noUvendig war, wegen des^Mar-! ^rben, bis auch diese, als Juden schütz trupp en gebrand- chens von der Kaiferinsel einen Majestatsbeleidiguugsprozetz Interesse ihrer SelbsterHaltung für ange-

in Szene zu setzen, darüber gehen die Meinungen cmseim ^^nlteTi hätten, den Eifer für die Juden erkalten ander, und noch mehr darüber, ob es wirklich unumgänglich ^ssen. So sei es dahin gekommen, daß man gegenüber war, dem einen der angeklagten Redakteure wegen seiner ^ein parlamentarischen Antisemitismus, der saft alle Par- Torheit auch das Stadtverordnetenmandat abzusprechen, verseucht habe, weder in den Wahlaufiusen noch in als hätte er nicht nur eine lächerliche, sondern eine ehrlose Wahlversaminlungen ein Wort gewagt habe; es bleibe Handlung begangen. danach den Juden nichts übrig, als den Schutz ihrer

Tie Hau.ung der Prozesse wegen Ma)estatsbeleidigungUntereHen selbst in die Hand zu nehmen. Es wird wird von vielen als ein Uebelstand empfunden. Manner weiter die Aufgabe der neuen jüdischen Partei dar- von unzweifelhafter monarchischer Gesinnung haben die , unb ,um Beitritt aufgefordert. Daß es sich dabei

Frage kritisch erörtert und eine Aenderung des herrschenden ». » m e|nen Gedanken l-andett^ dessen Ausführung noch Rechts verlangt. Hervorragende Juristen haben die Stimme ^iten Felde liegt, geht daraus hervor, daß Beitrttts- erhoben, um Abänderungen der smisge.etzlichen ^stimm- brk'lärungen bereits angenommen werden, unaen zu empfehlen. Auch der Berliner Oberstaatsanwalt I---- ....... -1~

Iienbiel hat in dem erwähnten Liaisertnsel-Prozeß zu Berlin erklärt, auch er sei ein Äegner des § 95 des Stras- aejetzbuchs, und die Stellung der Strafantrage werde ihm nicht leicht. Aber da dieser Paragraph einmal bestehe, so __sjz» snfi.rhi ihn ninrktnninienden-

erfd>«to, taelld) mtt Su8na6me bee Sonntag«. «USS?» S

General-Anzeiger, Amt;- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

Der Crimmitschauer Streik.

2lus Krimmitschau schreibt man:

Tie unverkennbare Verbitterung ber Preikenbm über basWeihnachtsverbot tottb noch Bet|tattt burch die Abiehnung des Gesuchs b.s Gaittrnmsverem» um Ver- länacrung ber PoltHeisdunbe bis 2 li^t uachts vom 24. 2 . 2>;ember, sowie durch ben aischUigtgen Se,chetb, b > Pnolintwbet auf ihr Gesuch um Aushebung bcs ^W ^rbots währenb der Wechnack)t»f-icrmge erhatten Haden So wirb »Xmitfamu °m W e i hr. ° ch t s f - st ° eme t o t e (z ± n + trtu Anmut bie gesamte Texnkarbel.ter,cha.st , j kur FestbKrung jenseits^ber sächsischen Grenze begeben s ü l «6Vr ven Geicvenken an bie Sttnoer sollen »000 Stollen unb 65COO liart bares Gew verteilt werben r /r c- i f f a i f c iit vorläufig bis Mitte Februar g

f kti einem Jahresumsatz von 80 Textilfabriken laßt sich heute, beim Emtrll nfs Breite in bie 18. Woche, ber P r o b u k t i^o n s , a l l auf über 13 Millionen Mark berechnen. Mr Wohl-

Tas Verzeichnis ber Bevollmächtigten zum Bundesrat sowie bas alphabetiscl-e Verzeichnt ber M r t-

'°"^Tie tte^mllge^Volkspartei hat im Reichstag unter den Reichstag ausgegeben worben. Unter dm Bundesll- <wn ihr eingebrachten Initiativanträgen auch bmen Gesetz. Echtsten si n^Ut c®T1gee ^^rüfibent bes Reichsmilitär- MGMiWOMKMMW

eine bloße Temonstratiou beab,ichtigt ist, die teroe unter kh>sloj.o Erledigt sind drei Mandate: 22. Sachten stütznug verdient. __________ ____Rosmann^mmtz, 7 am 4. Nov.),^7. Posen (v Gtembocki

f . y 27. Nov.), und 4. Hannover (Fchr. v. Schele-^chuien-

Lolütsche Lügesjchau. bürg, t am 4. Dez.). Keiner Sr^tron gehören an 10

I Eliaß-Lotürinaer, sowie sonst Gr ar Dallesttem, tyur ] t Bl^-

... Eäiwgs