JJtiea gegen Bulgarien. In Bulgarien ist der Brandherd, und der muß au^gelo,chl werden: sonst tarnt die Pforte noch einen jahrelangen und sruchth>sen Feldzug gegen die Banden fuhren. Wir glauben nicht fehlzugehen w bet Artnahme, daß Rußland und Oesterretch'Ungaru nut einem erenwUirischeu Borgeyen gegen »nlgarum sich ab- gefuudeu l^ben, das; sie eine EntsclMdung dem Schrecken ohne Ende verziehen.
Einer Meuer Depesche zufolge meldet tne „N. Fr^Pr. aus Saloniki: In Mitrowitzcr begannen Albanesen Streit mit christlichen türkischen Gendarmen, woraus mohammedanische Gendarmen für die Albanesen Partei ergriffen. Es entstand ein Kamps. Die christlichen Gendarmen muhten auf das russische Konsulat flüchten. Angeblich gab es auf beiden Seiteii diele T o t e. Gin offizieller Bericht des Präfekten von Burgas bestätigt die bereits gemeldeten Greuel im Adrianopeler Wilajet. Es sind geplündert und durch Artillerie oder Feuer zerstört tv-orderi in der Kasa allein Tirltowo 13, in Kirkilisse 17, in der Kasa Wasilito 4 und in der Wisa 3 fDvrser. In den letzten drei Tagen haben .11000 Flüchtlinge die Grenze überschritten. TaS bulgarische Kriegsmini per iuni erhält Dienstaugebote fremder Offiziere fast aus allen Ländern, and) aus Deutschland und Amerika. Eine Mitteilung der Psorte an die östreickfisch-uilgarische und russische Botsd)aft berichtet über die gemeldeten Banden- känipse im Perimgebirge im ^andsd)at SereS und über den in Hadjta im Sandjd).cck Kirkilisse slattgesundenen Minpf mit einer Kvmiteebanbe, welck>e infolge der unzugänglichen Position entsliehen Lonilte. Die Bande ließ im Pfarrhauje Dynamit zurück, das explodierte, wodurch das Darf eingeäschert wurde. Im Kampfe mit einer Bande aus beit Lenilhöhen im Kreise Kastorm wurden sechs Komitadschis getötet.
Aus Slaöt und Land.
Gießen, 23. Sept. 1903.
- Das Großh. Regierungsblatt, Beilage Nr. 24, enthält: 1. Bekanntmachung, den Steuerausschlag zur Bestreitung der Bedürfnisse der Laudjudenschaftskasse für das Rabbinat Darmstadt II pro 1903/04 betreffend. 2. Ordensverleihungen. 3. Ermächtigung zur Annahme und zum Tragen fremder Orden. 4. Zulassung zur Rechtsanwaltschaft. 5. Dienstnachrichten. 6. Nachweis der Befähigung zur Ueber- nahmc eines Kirchenamts. 7. Erteilung des Grades eines Diplom-Ingenieurs an der Großh. Techn. Hochschule zu Darmstadt. 8. Charaktererteüungen. 9. Ruhestandsoersetzuugen. 10. Konkurrenzeröffnungen.
** Hessisch-Thüringische Staatslotterie. Bet per heute fortgesetzten Ziehung der 6. Masse fielen zwei Gewinne von 10 000 Mk. auf Nr. 87857 (zur Hälfte nach S.-Altenburg und nach Ruhla) und 95266 (nach S.-Alten- burg und S.-Jeßnitz), Gewinne von 5000 M. aus Nr. 24316 (nach Mainz) 70212 (nach Oldenburg) 84944 (nach Darmstadt) 87586 (nach Eisenberg), Gewinne von 3000 Mk. aus Nr. 6000 (nach Friedberg) 7018 10694 15225 26416 40711 44718 47720 49174 57763 59288 63673 89625 91021 97523, Gewinne von 2000 Mk. auf Nr. 12203 12997 30255 32334 38059 44920 45556 45715 51012 52793 56871 61524 63456 66040 67409 94342. (Ohne Gewähr.)
** Der Hessische Landwirt. Wir machen darauf aufmerksam, daß in der heutigen Nummer der landwirt- schastlichen Beilage eine Gesamtwürdigung der landw. Ausstellung von sachkundiger Feder und der in unserem Blatt schon erwälMe Vortrag von Lehrer Ho tz- Nidda über Bienenzucht enthalten ist. Der Hessische Landwirt wird fortan erhol)te Beachtung verdienen, da für ihn neuerdings Mitarbeiter gewonnen worden sind, die in aktuellen, belehrenden Aussätzen mancherlei Interessantes bringen werden.
**Der Kaufmännische Verein sendet uns heute das Programm seiner Veranstaltungen in diesem Winterhalbjahr. Am 26. September begeht er im Vereinshaus die Feier des 30. Stiftungsfestes mit einem «Kommers. Am 3. Oktober ist aus demselben Anlaß in Steins Saalbau Konzert, Theater und Ball und am 4. Ott. auf dem Windhof eine Nachfeier. — Es folgen dann: 21. Oktober im Eafs Leib Humoristischer Dialekt-Abend; Vortragender: Herr Max Oppmar, Kgl. Schauspieler, Hanau. — 16. November im Vereinshaus Vortrag des Herrn Dr. V. Pohlmeyer, Berlin: „Stellung und Bedeutung Rußlands in der Gegenwart". — 25. Noveurber int Cafe Leib Vortrag des Herrn Dr. Kurt Boeck, Dresden: „Sibirien einst urtd jetzt". Eindrücke beim Bereisen der 'sibirischen Bahn. — 19. Dezember im Vereinshaus We-ih- nachtsfeier (Herrenabend). — Im Jahre 1901: 26. Januar in Steins Saalbau Vortrag des Herrn Rudolf Gronau, Rewyork: „Die Vereinigten Staaten von dtordamerita und ihre Bewohnet". — 4. Februar in Steins Saalbau Vortrag des Herrn Professor Gust. Amberg, Berlin: Physikalischastronomischer Experimental- imb Demonstrations-Vortrag: Himmelsmechanik, das Sonnensystem, Kometen". — 24. Februar im Gase Leib Vortrag des Herrn Jetts Lützen, Dozent art der Humboldt-Akademie, Berlin: ,Lm Herzert Asiens, Sven von tzedins zweite Reise nach Jurter-Asien". — 5. März im Gase Leib Abendunterhaltung». — Die Vorträge werden in Gemeinschaft mit deut Ortsgewerbeverem veranstaltet. \
* * Vom Manöver des 18. Armeekorps. Wetz^ • lar hat seit Jahren nickst soviel Militär in seinen Mauern gesehen als am Samstag und Sonntag, wo sich eine ganze Division in und um Weilar konzentrierte, nnt von hier aus gegen die seiudliche 21. Division oorzugehen, die int -südöstlicl-en Westerrvald ebenfalls eng vereinigt war und besonders Rennerod, Westerburg und Hadamar mit großerr Einquartiermrgen beglückte. lleberall wurden die Truppen gut aufgenommen, unb allgenteines Lob herrscht unter denselben über die guten -Quartiere. Anr Montag in aller Frühe rückten die Regimenter, die 21. Division ostwärts, die 25. Division in westlicher Richtung, nach der Gegend Weilburg, der linke FUrgel über Leun, Braunsels, Löl>nberg, der rechte benutzte zum Teil das Dilltal und rütcke gegen 'Mengerskirchen, während das Zen- trmn gegen Dillhausen, Michenboru und Mohrenberg rückte. Kavallerie-Patrouillen suchten den Feind auf den Höhen aus, und bald entwickelten sich lebhaste Vorposlengesechte. Das Gefecht wurde abgebrochen und die Truppen bezogen aus dem eingenommenen Gelände Biwak. Tas Biwak der 25. l)esjijchen Divifiott erstreckte sich ttordwürts von Weilburg. Das prächtige Wetter hatte eine Menge Schlachtenbummler herangelockt, die den Truppenbewegungen mit Interesse folgten. Den Hauptanziehungspunkt biloete die alte sck)öne Sitte des „Lüsselbegrabens'' der jetzt abgehenden Reserve. Die Regimenter der 21. Division lagerten weiter westlich in der Gegend Hausen, Gllar und Steinbach. Dienstag ftüh wurde das Gefecht wieder aufgenoutmen;
das Kommando über die 21. Division übernahm Generalleutnant von Hagen, über die 25. Division Generalleutnant Freiherr von Gall unter Oberleitung des kommandierenden Generals Exc. v. Lindequist. Tas Gefecht zog sich in westlicher Linie weiter und lvar gegen mittag beendet, woraus die Truppen des Armeekorps nachmittags Quartier bezogen und zwar: die 115er in Ellar, die 116er in Hadamar und Nieder-Hadamar, die 117er in Hausen, die 118er in Mehrenberg, die 168er in Lahr und Untgegend. Mittwoch ftül), am letzten Manövertage, findet unter per- önlicher Leitung des kommandierenden Generals ein Manöver des gesamten Armeekorps gegen einen von einem Insanterieregimcrll markierten Feind statt. Dieser Feind wird in der Gegend zwischen Runkel, Limburg und Nteder- Tiesenbach nördlich der Lahn ausgestellt. Nach mittag beginnt bereits das Einladen der Regimenter; die 116er betet gen gegen 1 Uhr in Runkel die Bahn, die Darmstädter, Mainzer, Wormser, Wiesbadener, Shamburger, Offenbacher Truppen der Jtisatiterie und Pioniere werden mit den TannuSbalstien in die Garnisonen befördert utid treffen jät abends ein. Die Kavallerie utid Artillerie tritt den Rückweg über den Taunus und die südliche Wetterau au. Am 26. September werden diese Regimenter südlich der Bahn einquartiert, am 24. September ist Ruhetag, daraus Weitermarsch in die Garnisonen. Die Darmstädter Dragoner werden in und um Frattksurt am letzten Marschtage einquartiert. Arn 27. Septeniber werden auch diese Regimenter in deti Garnisonen sein.
** Dem heimkehrenden Regiment lacht der schönste blaue Himmel und das herrlichste Herbsttvetter. Tas wird bei der Rückkehr die Herzen besonders froh stimmen. Für viele hat nun das Soldakettleben überhaupt ein Ende getwnmen: Reserve hat Ruh. Tie Achselklappeti werden ausgerollt und Der Weg nach Hause angetreten. So war es jedes Jahr und so sckstiebens allemal die Zeitungen. Mit diesem Abschied von der Garnisoti ist, wie vielleicht ztt wenig konstatiert wurde, auch manch ein Wechsel in bräutlichen Verhältnissen verbunden.
•* Handelsverkehr mit Argentinien. Der neuernannte Handelssachverständige beim Kaiserlichen Generalkonsulat in Argentinien, Herr Dr. K. Ph. Stöpel, will vor semer Ausreise den Interessenten am Handelsverkehr mit Argentinien Gelegenheit zu einer Rücksprache mit ihm geben. Für die hiesigen Interessenten wird er am Donnerstag, den 1. Oktober in Frankfurt a. 2)1. in den Geschäftsräumen der dortigen Handelskammer (Börsengebäude) während der üblichen Geschästsstunden zu sprechen sein. Es ist Vorsorge getroffen, daß die Jntereffenten einzeln unter völliger Wahrttng der geschäftlichen Diskretion mit dem Handelssachverständigen konferieren können. Die Ausreise des Herrn Dr. Stöpel ist für Dritte Oktober in Aussicht genommen.
§ Bu tzb a ch, 22. Sept. Hier wird fett heute der Zentner Z w e t s ch e n (gebrochen) durchschnittlich mit 5 Mark von den Obsthändlern bezahlt. — llnser Bataillon kehrt morgen wieder vom Manöver zurück. — Der Maurer- treik ist wieder beigelegt.
Hungen, 21. Sept. Seit einiger Zeit macht sich in unserer Stadt der Wv y nun gsma n g e l recht sühlbar. So hatten binnen kurzem verschiedene Privatleute die Ab- sickst, hier ihreii Ausenrhalt zu iiehmen, mußten aber ihren Plan wieder fallen lassen, da es ganz uninögllch lvar, passende Wohnungen zu bekommen. Auch anläßlich der bevorstehenden Eröffnung der Bahn Hungen-Allicke sollten verschiedene Beamte hier ihren Wohnsitz nehmen; wie mau hört, louräeu dieselben aber zum Teil an anderen geeigneten Orten stationiert. Iii Anbetracht der vorhan- deneli, jetzt noch billigen Bauplätze ist es deshalb recht unverstäiidlich, weshalb das hier verfügbare Kapital sich so zurückchallend verhält; ein Risiko ist tatsächlich voll- tändia ausgeschlossen. Für die betretenden Unternehmer und die in Betracht kommenden Privatleute wäre hier nicht nur eine gediegene, sichere Kapitalanlage geboten, sie würden auch zur Hebung ihrer Vaterstadt beitragen, was allgemeine Anerkennung finden würde. — Hier wurde dieser Tage ein geriebener Junge, der Sohn des ehemaligen Päcksters des Hungener Hofes, G. Hill, verhaftet. Unter allerhand Vorspiegelungen wußte er sich hier Eingang zu verschasjen; er gab sich als Pfarramtskandidat, Kaufmann ustv. aus und soll auch die Absicht geäußert hoben, als „Attsfionar" nach Ostafntä zu gehen. Vorläufig wanderte er jedoch in Haft, da er von der Staatsanwaltschaft Mainz steckbrieslich verfolgt wird; unter anderem soll er auch einen Fahrraddiebstayl ausgeführt haben. (H. Ludztg.)
0 Lauterbach, 22. Sept. Heute, Dienstag, kurz nach 12 Uhr, erschreckte das Feuer signal die hiesigen Bewolstter. Es brannte im Viertel „Wiegyaus". Das Feuer war in der Scheune des Fuhrmanns Schäfer ausgebrochen und ergriff im Augenblick dessen Stall und Wohnhaus, die Scheune der Witlve Bäcker Guutrum und diejenige des Schuhmachers Lippert. Die hiesige Feuerwehr war jofart zur Stelle und außerdem lvurde noch eine Spritze und die dazu gehörige Mannschast von Angersbach herbet- geruseu. Beide Wehren kampsten nun jcl)on den ganzen Nachmittag gegen das wütende Element, und es ist zu Hofs en, daß es aus diesem Herde beschränkt bleibt. Die Gesahr für die bedrohten eng angrenzenden Mchbar- häuser ist zur Stunde noch nicht ganz vorüber. Die Be- telligten haben versichert.
R. B. Darmstadt, 22. Sept. Die Stadtverordnet e n - Ve r s a mm lung hat heut nachmittag in geheimer Sitzung den sür die Ausschmückung der Stadt erforderlichen Kredit bewilligt. Die Kosten für die Straßen- Ichmüctulig dürsten sich auf 8000—9000 Riark belaufen. Tie Gesamtdekorationen sollen bereits beim Empsang des russischen Kaiserpaares, am 25. d. Mts., fertiggestellt sein.
Offenbach, 22. Sept. Ein junges Menschenleben ist in der letzten Wacht dem Mes s er zum OPser g esallen. Ter 18jährige Fabrikarbeller Kart Rröhler ging nach Mtter- nacht in Begleitung eines Bekannten durch Me Se ne selber- [trage, als ihm in Der Nähe der Sebanftraße der 26jäl)rige Taglvhuer Lorenz Bauer in Begleitung eines Mannes und einer Frau entgegentam. Bei der Begegnung kam es zunächst zu hamrlojen Stick)eleien, die aber bald zu Tätliche leiten aus arteten. Bauer zog dabei sein Äiesser und versetzte dem Möhler einen Stick in den rechten Oberschenkel, sodaß die Schlagader getroffen wurde und ein furchtbarer Blutstrom fick) aus der Wunde ergoß. Mohler wurde ins Krantenhaus gebrad)t, starb aber nach kurzer Zeit. Es gelang der Polizei, den NiesserHelden nod) ui Der Nacht zu ermitteln und zu verhaften Morgen früh findet im Leichenhause aus dein Friedhof Die gerichtliche Sczierung der Leick)e des Getöteten statt. (Ossenb. Ztg.)
Riainz, 22. Sept. Der Vorstand Der Mainzer Bäckerinnung hat beschlossen, angesichts der günstigen Viehl- preise und der guten diesjährigen Ernte denPreis
des Brotes bis um fünf Pfennige herabzusetzen; biefer Beschluß soll einer in den nächsten Tagen zu berufenden Generalversammlung der Innung zur Genebmigung unterbreitet werden.
Vermischtes.
• Stolberg (Reg.-Bez. Anklam), 22. Sept. In der hiesigen Glashütte war zwecks Ausführung von Reparaturarbeiten ein hohes Stangengerüst errichtet. Dasselbe stürzte infolge mangelhafter Konstruktion ein, zwei auf ihm be- chästigte Arbeiter stürzten aus der Höhe herab und blieben ofort tot.
* Breslau, 22. Sept. Unweit ©tegerborf legten Um bekannte große Feldsteine aus das Bahngeleise, um den Äuswandererzug zur Entgleisung zu bringen. Die Maschine zertrümmerte das Hindernis, ein Unheil geschah nicht.
* München, 22. Sept. Am Sonntag abend ent* gleiste auf der Strecke München-Eichstädt ein Lokalbahnzug. > Reisende wurden leicht verletzt. Die Ursache der Entgleisung ist unbekannt. . .
* Monaco, 22. Sept. Der Kanzler des italienischen Vizekonsuls Stella, der Die Vertretung des Vizekönsuls und die Geschäfte führte, wurde heute mit Dolchstichen tot in seiner Wohnung ausgesunden. Man ücrmutet, daß es sich um ein Verbrechen handelt.
* Wien, 22. Sept. Graf Alfons Paar in Lai» bach ist auf der Jagd verunglückt und gestorben.
* Ein Deutscher in den Berner Alpen ocr> schollen. Seit voriger Woche wird ein etwa 18jähriger junger Mann aus Ludwigshasen vermißt, der ohne Führer eine Besteigung der Jungfrau unternommen hatte.
* Erne ganze Familie getötet. In Der vorletzten Nacht wurde auf dem Bahnübergänge Der Cleve-Calcarer LanDstraße Das Gefährt Des Weinhändlers Obhaus von Dem um 12 Uhr 11 Min. hier eintreffenden Personen- zuge überfahren. Frau Obhaus und zwei Töchter wurden sofort getötet, Obhaus wurde tätlich verletzt und starb bald darauf im städtischen Krankenhause. Die Untersuchung ist eingeleitet. Das Unglück soll dadurch entstanden sein, daß der Bahnwärter vergessen hatte, die Bahnbarriere zu schließen; er wurde verhaftet.
Gerichts laal.
f. Gießen, 22. Sept. S t r a f k a m m e rs i tz u n g v o nv 22. S e p l e m b e v. Der Haltestellenausseher Der «Station Mittel Gründau, Th. S. M., hat der Stationskasse im Laufe des Monats Juli und August D. Js. nach und nach Betrage bis zur Hohe von 650 Mk. entwendet und veruntreut. Das Motiv seiner Handlungsweise wurde auch genau aufgeklärt. Urteil: 1 Jahr Gefängnis; 1 Monat Untersuchungshaft wird aufgerechnet. — Der Bergmann Fr. D. von Willofs hat am 15. August in Meßen den Spengler O. K. nach vorauSgegangenem Disput in einer Wirtschaft mit einem Messerstich erheblich verletzt. Urteil: 8 Monate Gefängnis ; 1 Monat Untersuchungshaft ausgerechnet. — Dre Verhandlung gegen Die Angeklagten I. K. von Alten-Buieck, B. K. von Geistlitz, und H. H. von Steinbach, Die alle der Vornahme unzüchtiger Handlungen mit Versonen unter 14 Jahren beschuldigt inb, sand bei verschlossenen Türen statt. Das Urteil lautete gegen Den ersten Angeklagten auf 6 Monate Gefängnis unter Ausrechnung von 2 Monaten Untersuchungshaft, gegen den zweiten Angeklagten auf 2 Jahre Zuchthaus und Aberkemmng der bürgerlichen Ehrenrechte auf 5 Jahre. Bezüglich des Angeklagten H. wird Einholung eines Gutachtens über dessen Geisteszustand angeordnet. — Der Wirt L. L. in Rieder-Ohmen erhält, da er ohne obrigkeitliche Erlaubnis öffentlidje Ausspielungen beweglicher Sachen mittels Auto- mats in (einer Wirtschaft veranstaltete, eine Geldstrafe von 5 Mk.
1. Friedberg, 22. Sept. In 10 stündiger Gerichtsverhandlung wurde heute vor dem hiesigen Schöffengerid)t der Wahlexzeß zu Burggräfe n rode vom 16. Juni d. IS. verhmidelt. Dieser Vorfall war damals von sozialdeiiiokratischer Seite als „Aufruhr", qualifizierter LandfriedeiiSbruch", „vorher- geplanter und organifierter Ueberfall" der Staatsanwaltschaft zur Anzeige gebracht und in ihrer Presse als solcher geschildert worden. Dieser Vergehen sollten sich Wiitglieder der nationalliberalen Partei schuldia gemacht haben. Der Sachverhalt mar kurz folgender: Um ihrer Freude über den errungenen Wahlsieg in Burggräfeiirode Ausdruck zu verleihen, saßen die Anhänger der nationalliberalen Partei in Der Wirtschaft Dörr. Plötzlich mürbe von außen her gegen die FensterläDen gesck)lagen uuD gleichzeitig rourDen L>chmäh- rufe hörbar. Ein Insasse wollte nach Den Tätern sehen, wurde aber, als er auf Die Straße kam, in der Dunkelheit geschlageti, sodaß er blutete. Auf Die Hülferufe des Ucberfallenen kamen saft sämtliche Insassen aus Der Wirtschaft, um Die Täter zu suchen, bet welcher Gelegenheit Die Umgegend des Lokals abgesucht wurde. Dabei gelangten Die Gereizten vor Die Wirtschaft K o h l, in Der sich Die Anhänger Der sozialDemokratischen Partei befauDeu, von welchen vermutet wurde, Daß Diese die Provokation in Szene gesetzt hatten. Run gab es em AufeinanDerplatzen Der Gemüter, wobei es einen förmlichen Steinhagel regnete. Die Fenster imD LäDen der Kohl 'scheti Wirtsck)aft mürben bei bet allgemeinen Keilerei bemolicrt. Mit Holzknüppeln u. s. m. mürbe aufeinanber geschlagen, tosender Lärm, sowie Sck),näh- imb Droh rufe durch- hallten Die Nacht unb Körperverletzungen gab es in Fülle. Dem Bürgermeister unb Polizeidiener gelang es nicht, Ruhe zu stiften, unb beinahe 1 7» Stunbe bauerte ber erbitterte Kampf. — Heute saßen 16An geklagte beöwegen vor ben Richtern, und 4 Rechtsanwälte führten bie Verteibigung. Von früh morgens bis zum Schluffe ber Verhanblung war ber Zuschaucrraum übcrfi..::, unb bie Vernehinung ber 25 geladenen Zeugen dauerte m.em bis nachniittags 5 7, Uhr. Der Vertreter der Staatsanwalt,cyait begann alsbald seine Platdoher und tarn ^u dem Schluffe, dag fast alle 16 Aiigeklagte teils mit Gefängnis-, Haft- und Geldstrafen zu bestrafen seien, um für bie Zukunft ähnlichen Wahlexzeßen wirksant entgegenzutreten. Die Verteibiger, bie teilweise auch als sJteben* fläger auftraten, verlangten jebod) im Interesse ihrer Klienten, bie meistens nod) mibescholtene Leute ivären, von Freiheitsstrafen abzusehen. Rechtsamvalt Winbecker gelang es in seiner glänzenden Verteibigungsrede, bie gesamten Anschuldigungen von sozialdenro- kratisck)er Seite nieberzuschmettern unb Die Beweise dafür zu erbringen, daß gerade diese Partei Die Gegenpartei reizte und so die Urheberin des Skandals geivesen sei. 9tad) fast einstündiger Beratung verkündete um 8 */4 Uhr abends Der Gerichtshof sein Urteil. Von Den 16 Angeklagten erhielten wegen Körperverletzutig oDer SachbeschäDignng Der Landwirt Jakob FrieDrich Kost 23Ö Mk., Der LanDivirt Richard Moscherosck) 150 Aik., der Landivirt Richard Volz 150 Mk., der Schweizer Wilhelm Bender 100 Mk., der Dielist- kiiecht Konrad Aleinhard 50 Mk., Der LanDwirt FrieDrich Dörr 100 Mk., der Bahnarbeiter Aioritz Traband 100 Alk. und der Knecht Konrad Blum 30 Bit. Geldstrafe. Sämtliche Verurteilte sind in Burggräfenrode wohnhaft,^ Der übrige Teil Der Angeklagten wurDe f r e i g e s p ro ch e n. Seit NiinDestens 10 Jahren aber ist in Den Aniialen unserer StaDt eine so große GerichtsverhanDlung nicht zu verzeichneti gewesen.
In der A s für e des P r i n z e n P r o s p c r A rett* berg verhandelte, wie aus Hannover gemeldet wird, bie dortige Tisziplinarkauuner gegen drei G es an genau fse her. Zwei von ihnen kamen mit einem Verweise Davon, der dritte wurd,? zu 30 Mk. Geldstrafe verurteilt. Wie weiter gemeldet wird, dürfte Prinz Prosper Arenberg in den nächsten Tagen aus dem Tegeler Strasgefängnis wach


