Ausgabe 
23.7.1903 Zweites Blatt
 
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spricht, an der Spitze der gewerblichen Entwickelung in Deutschland zu marschieren.

Deutsches Reich.

Berlin, 22. Juli. Nach einem Kopenhagener Tele grannn verlautet dort, König U h r 1 Ü t Q n werde den jßyfuch Kaiser SB i 11) e l m $ im dtobci tn N ostock er toibem und zwar anläßlich der Einweihung der Dampfer- -Führe Gjedser-Warnemnnde.

Hebei' die offiziellen ^eierUchkeiten in den tatho lischen Kirchen Berlins ans Anlaß des H i n s d) erdens des Papstes sind bis jetzt noch keine festen Dispositionen getroffen. Das ftierl-iche Requiem in der St. Hedwigs kirche wird voraussichtlich am Samstag stattsrnden. Der Kaiser hat den Pr inzen Friedrich Leopold vorr Preußen mit seiner Vertretung bei der Beisetzung des Papstes beauftragt. _ v... ,

_ Der Präsident des preutz. evangelischen ^bernrchcn- cates Wirkt'. otel). Rat Tr. B arkhau s e n teilt mit, daß die Blättermeldungen, er sei amtsmüde und werde dem- nächst aus Gesundheitsrücksichten von seinem Posten zurück- treten, vollkommen auf Irrtum beruhen. .

Eine deutschnationale Konferenz zur Bekämpfung des Mädchenhandels, die Ivette ihrer Art, findet am 27. und 28. Oktober in Berlin statt.

DerReichsanzeiger' veröffentlicht eine vorläufige Statistik der Reichs ta gsw ah l e n im Jahre 1903, verglichen mit den im Jahre 1898. Er hebt ferner im An­schluß an die Blättermeldungen über die Beschlüsse der Londoner Internationalen Telegraphenkonserenz hervor, daß die Taxen für den Te le gra mmv er ke h r zwischen Deutschland und Amerika nicht geändert wurden. Ein für Deutschland besonders nichtiges Ergebnis der Londoner Be­ratungen sei eine beträchtliche Ermäßigung der Taxen nach China, Japan und Korea, die bereits am 1j. Juli in Kraft getreten ist.

Aus Kiel wird berichtet, die Marineverwaltung verfügte die Bildung sämtlicher Torpedobootsformationen der diesjährigen U eb un g s s 1 o t te aus modernen Hoch- seetorpedobooten, da genügendes Schiffsmaterial' verwend­ungsbereit ist.

DerFränk. Kurier" meldete dieser Tage, der s o - zialdemokratische Landtagsabg. für "Nürnberg, Dr. Frhr. Ha1Iei' v. Hall erstein, jabe sein Mandat niedergelegt. Als Gründe für diesen Schritt führte das Blatt an:

Herr v. Haller, welcher bekanntlich mit Vorliebe der Amateurproletarier" genannt wurde, soll nach einer Lesart mit dem Pfälzer Ehrhart einen großen Krach" gehabt haben, bei dem es zu sehr unangeneh­men, wie betont wird, für den sozialdemokratischen Frei­herrn unangenehmen Erörterungen gekommen sein soll. Frhr. v. Haller sei darauf aufgefordert worden, sich vor seinen 'Nürnberger Wählern betreffs der ihm gemachten Vorwürfe zu verantworten, habe aber diese Auf­forderung mit der Niederlegung des Mandates beantwortet. Tie Mißheiligkeiten desGenossen" Frhrn. v. Haller mit den Obergenossen sollen auch der Grund gewesen sein, weshalb er bei den Reichstags­wahlen nicht als Kandidat aufgestellt worden ist, wäh­rend doch sonst jeder, auch der subalternste Ruser im Streite seiner Kandidatur sicher sein konnte.

Aus Nürnberg wird uns nun heute mitgeteilt, daß die dorttge sozialdemokrattscheFränk. Tagesp." erklärt, Frhr. v. Haller habe sein Mandat noch nicht niedergelegt, trage sich aber mit dem Gedanken, aus dem parlamentari­schen Leben zurückzutreten. Große Sympathieen hat er seit längerer Zeit unter der Arbeiterschaft nicht mehr genossen: wir erinnern uns, daß er heftigen Angriffen ausgesetzt war, als er auf einer seiner Besitzungen den Münchener Sonntagsausflüglern einen Weg gesperrt hatte.

Coburg, 22. Juli. Fürst Ferdinand von Bul­garien, seine Mutter Clementtne und andere Mitglieder der Familie Coburg-Kohary werden zu der am Diontag statt­findenden alljährlichen Trauerfeier für den Prinzen August von Sachsen-Coburg hierherkommen.

Heidelberg, 22. Juli. Die badische Regierung lehnte das auf 40 Millionen Mark veranschlagte würt- tembergische Projekt der Schiffbarmachung des Neckars ab.

Heer und Flotte.

Deutsche Offiziere im ehemaligen Buren­heere. Ein einheitliches deutsches Korps, das alle deut­schen Kämpfer aufgenommen hätte, hat bekanntlich nicht be­standen; viele Deutsche hatten sich vielmehr den Buren- kommandos angeschlosjen, und sie verließen diese auch wie­der, wie es ihnen gerade paßte. Nur zufällig kamen Deutsche unter der Burenflagge zusammen, daher auch die Schwierigkeit, eine vollständige Liste der früher deutschen Offiziere aufzustellen, die ihren Arm den Duren geliehen hatten. Erkundigungen an Ort und Stelle und neuere Mit­teilungen eines dieser Offiziere ergeben folgende Liste: von Braun, Graf Zepelin (in Natal gefallen;, v. Brüsewitz am Spionskop gefallen), Lorenz (im Oranjestaat schwer verwundet), v. Gäben (schwer verwundet), Frhr. v. Le Fort, v. Unruh, v. Albedyll, Frhr. v. Wrangel, Weiß, Finster, v. Schrabisch, v. Trotha, v. Dewitz, Freiherr von Talwigk ^schwer verwundet), v. Wichmann, Graf Rothkirch, Gentz, v. Ouitzow, Frhr. v. Maltzan (in Natal schwer verwundet), v. Gotsch, Günther (bei Mafeking gefallen), v. d. Lippe, Taebeler, Thumann, Lemp, v. Loßberg, v. Lockstädt (bei Mafeking verwundet), Kunze, v. Drache (bei Mafeking ge­fallen), o. Schierstädt, im ganzen 31. Fähnrich v. Carls- burg fiel- am 27. September 1900 im Gefecht bei Pienaars- river in Transvaal.

Ausland.

< London, 22. Juli. TenWestern Transvaal Times" zufolge hat der Burenführer Christian D e w e t seine Farm wieder bezogen und seine ftühere Beschäftigung lieber ausgenommen; er erklärte, sich von Politik völlig fern halten zu wollen.

Dublin, 22. Juli. In seiner Antwort aus mehrere dem König überreichte Adressen sagte der König, er sei erfreut von dem neuerdings in dem irischen Volke er­wachten Geiste der Hoffnung und der Unternehmungslust zu hören, welcher für die Zukunft verheißungsvoll sei Es würde die Quelle des tiefsten Glückes für ihn sein, wenn seine Regierung mit einer neuen Aera des sozialen Frie­dens und des Auffchwungs auf dem Gebiete der Industrie und des Handels in Irland zusammenfiele.

Budapest, 22. Juli. Abgeordnetenhaus. Unter großer Spannung des Hauses billigt Graf Apponyi den Weg, den der Ministerpräsident zur Entwirrung der Lage oorgeschlagen habe und fügte hinzu, Graf Khuen sei einer

bcr verdienstvollsten ungarischen Staatsmänner. Was das militärische Strafverfahren angehe, so fordere er, daß bei öffentlicher Verhandlung die ungarische Sprache angewendet werde. Er halte die Forderung, daß bei den ungarischen Regimentern als Dienst- und Kommando- p r a ch e die ungarische Sprache zur Geltung komme, itr eine Forderung, die früher oder später verwirklicht wer­den müsse. ~ v

Ko n stan tin o pe l, 22. Juli. Der Sultan erneuerte auf weitere drei Jahre den Kontrakt mit dem Geheimrat Ras sauf als Unterstaatssekretär im Finanzministerium. Die Bezüge wurden auf 250 Pfund monatlich erhöht.

Philippopel, 22. Juli. Die Pforte hat angesichts der fortdauernden Unruhen in Maeedoiiien und des Uebertritts neuer Banden dorthin beschlossen, ihren Beamten kein Monatsgehalt auszuzahleu, um alles Geld zur B e s ch 1 e u ii i g u n g der Mobil­machung in Asien (?) zu verwenden.

Peking, 22. Juli. Tsching richtete an den amerikani- chen Gesandten Coiiger ein Schreiben, in dem er die O e f j - nitng der Städte der Mandschurei für die Fremden ab lehnt. Tsching verweist auf die Unmöglichkeit, daß China Städte öffne, die nicht in seinem Besitze sind, son­dern von russischen Truppen besetzt gehalten werden, und auf die Verwickelungen, die daraus leicht entstehen könnten. Es ist möglich, daß man zu einem Kompromiß gelangt, in­dem die Oesjiiung Takungkas in den Handelsvertrag mit Amerika aufgciiommcn wird.

Ans plüll uiil Land.

Gießen, 23. Juli 1903.

** Landesuniversität. Geh. Kirchenrat Professor ). Kattenbusch wird, wie nunmehr entschieden ist, den Winter über noch m Gießen bleiben und erst zum 1. April 1904 nach Göttingen übersiedeln.

** Das städtische Freibad an der Lahn, welches eit 8 Jahren besteht, wurde benutzt 1900 mit 30 255 Bä­dern, 1901 mit 40872 Bädern, 1902 mit 23 177 Bädern. In diesem Jahre wurde die Anstalt am 23. Mai eröffnet und gab für den Rest des Monats 2560, im Juni 7160 Bäder ab. An den 3 heißesten Tagen, am 2., 3. u. 4. Juli, badeten im Freibad zusammen 2900 Menschen.

** Predigt von Pfarrer Dr. Grein. Auf viel­seitig geäußerten Wunsch ist die letzte Predigt, die Pfarrer Dr. Grein am Sonntag vor seiner Erkrankung in der Stadtkirche zu Darmstadt gehalten hat, un Druck er­schienen und wird zum besten des von ihni mitbegründeten KindergottesdiensleS in der Darmstädter Stadtkapelle verkauft. Sie behandelt die bedeutsame Frage: »Hat dir dein Glaube im Leben schon geholfen", und es ist ganz ergreifend, wie er darin, als ob er es geahnt hätte, welche schwere Glaubens­probe ihm und den Seinen bevorstehen, den Trost des Glaubens gerade auch beim Tode der liebsten Angehörigen o kräftig und frenbig bezeugt. Es wird den vielen Freunden des Frühvollendeten m unserer Stadt erwünscht sein, zu er­fahren, daß die Predigt auch hier dmch Frau Bickel zum Verkauf angeboten wird und auch bei Herrn Kirchendiener Wagenbach zu haben ist. Bei dem billigen Preis von 20 Psg. wird sie gewiß vielen ein willkommenes Andenken an den Heimgegangenen treuen Pfarrer jein.

** Meisterprüfungen im Handwerk. Wie im vorigen Jahre, so finden auch in diesem im Lause des Monats August wieder die gesetzlichen Meisterprüfungen tatt. Es haben sich bereits eine größere Anzahl Prüflinge gemeldet. Die Erkenntnis der Wichtigkeit der Ablegung dieser Prüfung bricht sich in erfreulicher Weise Bahn, zumal icher anzunehmen ist, daß die größeren Verwaltungen immer mehr dazu kommen werden, bei Arbeitsvergebungen die geprüften Handwerksmeister in erster Linie zu be­rücksichtigen. Die Anmeldungen sind in Starkenburg an Ingenieur Gg. Markwort zu Darmstadt; in Rhein Hessen an Stadtverordneten PH. Stratemeyer in Mainz und in Lberhessen an Baumeister C. Traber in Gießen zu richten. Als Anleitung für den theoretischen Teil der Prüfung (Gewerbeordnung, sozialpolitische Gesetzgebung, Gewerbe­gericht, Buchführung und Wechsellehre) dient in äußerst praktischer Weise der von dem Sekretariat der Handwerks­kammer zu Darmstadt zu beziehende ,Lleitfaden zur Vor­bereitung auf die Meisterprüfung".

** Ein Höhlenbewohner wurde gestern nachmittag unter absonderlichen Umstünden verhaftet. Ein stellen­loser Küjergeselle hatte sich schon ea. 14 Tage in einem unter der Wirtschaft zur Liebigshöhe befindlichen, nur 1 Meter hohen und ea. 20 Meter langen Kellerchen versteckt auf­gehalten. Dem Wirt dott wurden in letzter Zeit öfters Nahrungsmittel gestohlen, und man kam auf diese Weise zu der Ueberzeugung, daß sich ein Dieb im Hause aufhalten müsse. Als die Polizei zur Stelle war, wurde der Dieb aufgefordert, aus seinem Versteck herauszugehen, was er jedoch ablehnte. Es wurden mehrere Soldaten herangezogen, welche sich, auf dem Leibe kriechend, durch das Versteck fortarbciteten und mittelst einer Leine, welche sie dem Dieb an die Beine gebunden hatten, ihn heraus zogen. Er war noch im Besitze von einem Faß Bier von 20 Liter, einer großen Korbflasche Apfelwein, einer Seite Speck, 32 Eiern, 2 Laiben Brot und einem Korb mit Waffeln. Die Sachen hatte der Dieb teils dem Witt selbst, das Bier, den Llpfelwein und die Waffeln zur Nachtzeit auf dem Schützenfestplatz gestohlen.

-ft Friedberg, 21. Juli. An der hiesigen Obst­bau- und Ackerbauschule finden im August zwei Obstverwertungskurse für Frauen statt. Der erste dauert vom 1. bis 3. August, während der andere Ende August beginnt. Im Oktober wird ferner ein Obstver - wertungskursus für Männer abgehalten. Im be­nachbarten Assenheim wurde in der größen Müllerei Koch ein Arbeiter aus Bönstadt, der dem Räderwerk zu nahe kam, er­saßt und totgedrückt.

§ Bad Salzhausen, 22. Juli. Die Klrrgäste ver­anstalteten unter Mitwirkung der Badedirektion heute nachmittag ein Kinderfest für die im Kur Hause weilende Jugend. Unter Musik fand erst ein Umzug statt, wobei die kleinen Kinder in hübsch geschmückten Wägelchen ge­fahren wurden, Denen die älteren Knaben und Mädchen mit Fähnchen folgten. Alsdann wurden hübsche Spiele und eine Verlosung von Spielsachen und bergt arrangiert.

sd. Hartmannshain, 21. Juli. Die Arbeiten an der hiesigen Wasserleitung sind nun ganz beendigt, und sie ist jetzt dem Betriebe vollständig übergeben. Der Hochbehälter, welcher an der Kreisstraße nach Herchenhain liegt, faßt 100 Kubikmeter Wasser. Anfänglich ivar er nur für die Hälfte

dieser Waffermaffe vorgesehen, bald mußte er aber vergrösiert werden, da dte Eisenbahn ca. 50 Kubikmeter Wasser täglich für sich in Anspruch nehmen wird. Die Anlage der Leitung kommt auf ca. 20000 Mk. zu stehen.

sd. Grebenhain, 22. Juli. Gestern Morgen ereignete ich beim Bahnbau im Maschinenschacht an der Oberwald- traße ein sehr bedauerlicher UnglücfSfall. Eine Erdmasse 'am ins Rutschen und fiel auf einen auswärtigen Arbeiter, wobei diesem die Wirbelsäule zweimal brach und er Brust- quetschungen davontrug. Der Schwerverletzte starb auf dem Transport nach Lauterbach in der Eisenbahn.

Darmstadt, 23. Juli. Im freisinnigen Lager oll man geneigt sein, auf die Landtags-Kandidatur Langenbach zu verzichten, um die Antisemiten für die Wahl der freisinnigen Wahlmänner zu ge­winnen. Dahingehende Vorschläge sind bereits vor Wochen den Antisemiten gemacht worden. Die Zentrumspartei, die im Wahlkreise Darmstadt-Großgerau bis zur letzten Reichs­tagswahl überhaupt nicht organisiert war, hatte bei der letzten Landtagswahl, wo es sich um die Wahl zwischen Freisinn und Nationalliberale handelte, überhaupt keine Parole aus- gegeben, so daß der größere Teil der Zentrumswühler sich der Abstimmuug enthielt und die Abstimmenden je nach ihrer persönlichen Auffassung für den Freisinn oder die 9iational- liberalen votierten. Bei der Ersatzwahl im Herbst wird wohl ein geschlossenes Vorgehen der Zentrumspattei zustande kommen. Ob die Entscheidung zii gunsten der National- liberalen aiissallen wird, erscheint fraglich.

Offenbach, 22. Juli. Unser Groß Herzog wird im Laufe dieses Sommers unsere Stadt besuchen. Als Zeit­punkt des Besuchs ist das Ende des nächsten Monats in Aussicht genommen, doch ist etwas Bestimmtes noch nicht estgesetzt. Der Besuch gilt lediglich der Besichtigung einiger hiesiger Fabriketablissements und wird einen durchaus >ribaten Charakter tragen; Empfänge usw. finden nicht tatt. (O. Ztg.)

Mainz, 23. Juli. (Originaltelegramm des Gieß. Anz.") Vizefeldwebel Zahlmeisteraspirant Martin Müller wurde wegen bedeutender Unterschlagungen verhaftet.

Maiiiz, 22. Juli. Wegen der k ali enl e i tun g in deii Rhein hat nunmehr das Reichsgesund­heitsamt sein Gutachten dahin gefällt, daß der Fäkalien- Lcihmg in den Rhein keinerlei Bedenken entgegen => tehen, wenn die Fäkalien einer mechanischen Reinigung unterzogen werden. (Zweifellos gehört bis zur völligen Durchführung dieser Maßregel eine längere Uebergangs- zeit, die auf etwa 10 Jahre zu bemessen sein dürfte.)

W. F. A. Wimpfen, 22. Juli. Die Vorbereitungen zur Ausführung des Wimpsener FestspielsIm Wechsel oer Zetten" zur Feier der hundertjährigen Zugehörigkeit Wimpfens zu Hessen sind in vollem Gange. Die gesamte künstlerische £tirung liegt in der Hand des Hofschaujpielers an der Darmstädter Hofbühne, Herrn W. Viebeg, dessen reiche Erfahrung im Arrangement Derartiger Vorstellungen eine wirklich tünstlerische Ausgestaltung Der Aufführung verbürgt. An 100 Personen aus allen Kreisen der os-tabt beteiligen sich an der Aufführung, zu der die Proben bereits begonnen haben. Es zeigt sich, daß das Festspiel aus der 'Feder von Karl Kemmer, Realschuldirektor in, Wimpfen unD Richard Weitbrecht, Pfarrer daselbst, dasj drei wichtige Zeiten aus der ruhmvollen Vergangenhett der ehemaligen Reichsstadt vorführt (1224, 1525, 1622) prächtige Bühnenbilder Darbietet, volkstümlich wirkt und auch drainatisch eindrucksvoll ist. Es ist durch jede Buch^- IjanDlung zum Preise von 80 Pfg. zu beziehen. Die Spiel­tage sind festgesetzt auf die Sonntage 23. und 30. August, 6. und 13. September und auf die Werktage 29. August und 2. September. ^Nach Bedarf werden wettere Spieltage eingeschoben. Alle nähere Auskunft erteilt der Vorsitzende des Festspielausschusses, Bürgermeister Ernst.

[J Marburg, 21. Juli. Während Der demnächstigen großen Universitätsferien wird Die Aula unserer Universität durch Die Anbringung der Gemälde des Direktors Der TüsselDorfer Kunstschule, Peter Nansen, einen neuen Schmuck erhalten. Bei Den Gemälden handelt es sich um Szenen aus der hessischen La,ndesgeschichle.

Kleine Mitteilungen aus Hessen und den N a ch b a r st a a t e n. In F r a n k f u r t ist durch eine Benzin­explosion beim Handschuhwaschen in der Nähe einer bren­nenden Lampe (Die 23 Jahre alte Luzi Sobinska so schwer verletzt worden, daß sie starb. Am Dienstag wurde in Frankfurt in der unteren Haidestraße ein Mansarden- diebstahl verübt. Der Dieb erbeutete Kleider und Wäsche und entkam. Der Mann, Der in einem Wagen 1. Klasse zwischen Frankfurt und Darmstadt einen Selbst­mordversuch mittelst Erschießens machte, ist der Architekt Josef Hamann aus Montigny bei Metz. Er war zuletzt in Frankfurt in^Stellung. Die Motive der Tat sind noch, nicht bekannt. Sein Zustand ist hoffnungslos.

Tas Hochwasser in Schlesien.

lieber die Provinz Schlesien, die den Verheerungen durch Hochwasser stets besonders ausgesetzt gewesen ist, hat die neueste Katastrophe dieser Att ein ungeheures Un heil gebracht. Der Schaden ist naturgemäß verschieden in der Litt, je nachdem es sich um Verwüstungen durch angeschwollene Gebirgsbäche ober um solche durch Ausuferungen der Oder, der großen Verkehrsader Schlesiens, handelt. Während durch die in Wild- und Sturzbäche umgeroanbclten Gebirgsflüsse Zerstörungen an Gebäuden, Brücken, Wegen und Obdach­losigkeit zahlreicher Bewohner in besonders großem Umfange herbeigeführt wurden, ist in dem Ueberschwemmungsgebiete der Oder der Bruch der Deiche an zahllosen Stellen, die Ueberflutung weiter, bebauter Flächen und ein enormer Ernte­verlust zu verzeichnen. Aber nicht nur der Verlust der diesjährigen Ernte kommt in Frage, sondern in zahl­reichen Fällen auch die Hinwegschwemmung oder die Zer­störung der Ackerkrume durch Verschlammung und Ver- schotterung des Bodens, die zugleich mit der durch lieber* flutung hervorgerufenen Feuchtigkeit Der menschlichen Wohn­stätten eine drohende Gefahr für die Gesundheits­verhältnisse der Bewohner bildet.

Wie uns aus Neisse durch das D.-Bureau Hd. ge* meldet wird, ist die Lusche wieder aus Den Ufern getreten und dte Umgegend weit überschwemmt. Der bereits reparierte Damm ist aufs neue gerissen und auch bei Ritterswalde sind sämmtliche Einfahrtsbrücken demoliert und 21 meist massive Privatbrücken weggerissen. Aus Langendorf wird gemeldet: Die durch das Nttlitär vorgenommenen Wiederherftelluugsarbeüen