Ausgabe 
23.4.1903 Drittes Blatt
 
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Im preutzischeu Abgeordaetenhause

ftonb am Mittwoch die Sekundärba Hn-Vorlage zur zweiten Beratung. Dieselbe wurde ohne wesentliche Debatte überall unverändert nach der Regierungsvorlage angenommen. Tie dazu vorliegenden Denkschriften und Berichte wurden durch Kenntnisnahme erledigt. Es folgte dann die zweite Lesung des Gesetzentwurfes bett, die Bebauung uno Benutzung ehemaliger Wall-Grund­stücke in Frankfur t a. M. Die Vorlage wurde in erster und zwetter Beratung genehmigt. Ohne Debatte erledigte das Haus hierauf den Gesetzentwurf betreffend die Außer­kraftsetzung bau- und feuerpolizeilicher Besttmmungen in Hessen-Nassau in erster und zweiter Lesung. Im weiteren Verlauf wurde der Antrag Langerhans aus Annahme einer Novelle zum Gesetz betteffend die ärztlichen Ehren­gerichte vom Anttagsteller zurückgezogen, nachdem von feiten der Regierung erklärt worden war, daß im Kultus­ministerium eine gesetzliche Neuregelung dieser Angelegen- hett vorbereitet und die bettesfenoe Borlage dem Hause ur nächster Session zugehen dürfte.

Parlamentär ijcheS.

Berlin, 22. April. Der dem Reichstage zuge­gangene Nachtragsetat fordert 1100000 Diack zum Grunderurerb für ein Dienstgebäude des Reichsmarineamts, nachdem die Hoch- und Untergrundbahn das Kaufangebot auf das bish«nge Grundstück des Marineamts erhöht hat und die Besitzer von in der Bellevuesttaße zu erwerbenden Grundstücken ihre Forderungen ermäßigt haben, beides für den Fall, daß die bezüglichen Verträge bis zum 15. Mai bestätigt werden. Im preuß. Abgeordnetenhause brachten Letocha und Genossen eine Interpellation ein, durch die die Regierung im Hinblick aus die durch das am 2. April aus der KohlengrubeKönigin Luise" statt- gefundene Unglück unter der Arbeiterbevolkerung hervor- gerusene Beunruhigung befragt wird, was die bisherige Untersuchung über die Ursache des Grubenunglücks ergeben habe und welche Maßnahmen zur Verhütung der Wiederkehr so beklagenswerter Unfälle getroffen oder ge­plant seien.

Kus Stadt uni Kani.

Gießen, 23. April 1903.

** Personalien. S. K. H. der Großherzog haben -em Major von Trvtta gen. Trey den, Bataillons- Kommandeur im Königs-Jnsanterie-Regiment (6. Lolhring.) Nr. 145, seicher Adjutant der Großh. (25.) Division, das Ritterkreuz 1. Klasse des Verdienstordens Philipps des Grvßmüügen verliehen. Die (ttnennung des Ober­lehrers an der Realschnle zu Alsfeld, Ludwig Schmitt zum Oberlehrer an der Oberrealschule zu Offenbach wurde zurückgenommen und derselbe in seiner seitherigen Stelle belassen.

R.B. Darmstadt, 22. April. Der Grvßherzog und die Frau PrinzessiuHeinrich beabsichttgten einer offiziellen Mittellung zufolge, sich heute nachmittag 4 Uhr 23 Min. zum Besuch des Prinzen und der Prinzessin Fried­rich Karl von Hessen, deren Geburtstag heute ist, nach Frankfurt zu begeben, von wo dann Frau Prinzessin Hein­rich mit den kleinen Prinzen Siegismund und Heinrich sich direkt nach Kiel zurückzubegeben gedachte. Statt dessen fuhren der Großherzvg und Prinzessin Heinrich bereits um 3 Uhr 43 Min. nach Frankfurt und kehrten um 6 Uhr 40 Min. wieder hierher zurück. Mtt dem Schnellzug 8 Uhr 4 Min., in welchem ein Salonwagen eingestelll war, reisten alsdann Prinzessin Heinrich und die beiden Prinzen über Frankfurt nach Kiel ab. Der Gvoßherzog hatte hochstseine Schwester zum Bahnhof geleitet und sich herzlich verab­schiedet. Die kleinen Prinzen waren in Begleitung der Hofdame Frl. v. Plänkner bereits früher dorthin gebracht worden uni) schliefen im Salonwagen bei der Abfahrt bereit» den Schlaf der Gerechtem

R. B. Darmstadt, 22. April. Der Finanzaus­schuß der 2. Kammer hielt heute nur eine kurze Sitzung ab. stellte sich nämlich bei Beratung der Regierungs­vorlage Über den Umbau des Hofteaters heraus, daß noch über verschiedene dabei in Betracht kommende Punkte nähere Informationen erforderlich seien, um sich ein klares Bild über die Notwendiakett der Aorderunq zu

verschaffen. Auch soll die Frage, inwiewett die Stadt Darmstadt, die ja in erster Linie an der Sache interessiert ist, zur Bestteitung der Unkosten noch Wetter herangezogen werden konnte, eine eingehende Erörterung erfahren. Der Ausschuß beschloß deshalb, die Beratung bis zum 29.

und seine Sitzungen bis dahin überhaupt zu vertagen. An diesem Tage soll alsdann auch für die mtt den hiesigen Theaterverhältnissen noch nicht verttaulen Mttgli^er unter Führung von Regierungsv^rlre^ern eine Okularinspektion vorgenommen werden. Äkbcr die weiter zur Beratung Bangten Gesuche verschiedener Deamtenkategorien um Ge- tsausbesserung wurde ebenfalls noch kein definitiver chluß gefaßt, vielmehr die Großb. Regierung noch um die Beibringung verschiedener Aufschlüsse ersucht.

Vermischtes.

Paris, 22. April. Zu dem gemeldeten Sttettfall zwischen zwei Offizieren in Clermont Ferrand wird jetzt berichtet, daß das gestern zwischen denselben statt­gehabte Duell nach dreimaligem Kugelwechsel ergeb­nislos verlaufen ist. .

* Prinzessin Luise. DerChemn. Allg. Ztg." wird aus Wien von angeblich zuverlässiger Seite gemeldet: In der hiesigen Hofgesellschaft kursieren seit einigen Tagen Gerüchte über die zukünftige Stellung der ehemaligen Kronprinzessin von Sachsen, nach welchen der Kronprinz der Ansicht zuneige, daß, wenn eine Aussöhnung der Prinzessin mtt dem Vaterbause erfolgt sei, auch eine solche mit ihm nicht unmöglich sein könne. Sein Verharren bei dieser Ansicht im Hinblick auf die Konsequenzen hin­sichtlich der Thronfolge soll einen Konflikt zwischen dem König und dem Kronprinzen mit der Einfügung des Passus von der Längst im Stillen tief gefallenen Frau" in das bekannte Manifest des Königs hervorgerufen haben. Während der Anwesenhett des Königs Georg sollen neue wichtige Besprechungen in dieser Angelegenheit geplant und dabei auch verschiedene vom Wiener Hofe unterbreitete Vorschläge in Bezug auf den zukünftigen Wohnort der Prinzessin erwogen werden.

* Vom Nachwinter. In Berlin sperrte die Polizei die Tauentzienstraße an der östlichen Seite der Kaiser-Wilh elm-Gedäch tniskirche, weil die Gefahr eines Herab stürzens des beim letzten Sturm schwer beschädigten Turmkreuzes porlag. Wie aus Bres­lau berichtet wird, sind in Schlesien bisher 15 während der letzten Schneestürme erfrorene Personen aufge­funden worden. Mehrere andere werden noch vermißt. Im übrigen hat dort wie auch in Dänemark der Eisenbahn- sowie Telegraphenverkehr größtenteils wiederhergestellt werden können. Vom SchnelldampferKaiser Wilhelm IL" des Norddeutschen Lloyd ging nachstehender telegrapischer Reisebericht ein: Durchschnittlich 22 Knoten. Wetter nicht günstig, teils hohe See, teils Nebel und Eis, sodaß zeit­weilig reduziert werden mußten. Maschinen und Kessel arbeiteten tadellos. Der SchnelldampferDeutschland" meldet, daß er größere und kleinere Eisberge zwischen 43,30 Grad nördl. Breite und 47,47 Grad westl. Länge ge­sehen hat. Zn Wieg hält das schöne Wetter an. Die Temperatur beträgt dort 16 Grad Celsius über Null.

Landwütschaft

Saatenstand in Preußen um Mitte April 1903: Winterweizen 3,3, Wintersvelz 2,5 Winterroggen 3,0, Klee 2,5, Luzerne 2,7, Wiesen 2,7. Die entsprechenden Ziffern von Mitte April des Vorjahres waren 2,3, 2,2, 2^J, 2,7, 2,5, 2,8, wenn 1 sehr gut, 2 gut, 3 mittel unb 4 gering bedeutet. Die wegen Auswinterung, Mäuseschaden, Schneckenftaß rc. umgepflügte Fläche beträgt bei Mnter- weizen 17,09 Proz. des Anbaues, Winterroggen 2,16, Klee 1,02, Luzerne 1,02, gegen 0,15, 0,09, 0,78, 0,35 von Mitte April des Vorjahres. In den Bemerkungen derStatist. Lorr." heißt es: Nachdem sich infolge ungünstiger Witter­ung im vorigen Sommer die Räumung der Lecker allgemein verspätet hatte, habe auch mtt der Bestellung des Winter­felds nicht rechtzeitig, teilweise vier Wochen später als in den regelmäßig verlaufenden Zähren, begonnen werden können. Eine demzufolge veranscattete außerordentliche Er­hebung, tocld)e soeben abgeschlossen wurde, habe gegen die vorjährigen Anbauflächen nach den ermittellen Ernte- flächen unter Hinzurechnung der Umpflügungen einen

Minderanbau im Staate von 3,1 von Hundertteilen beim Winterweizen und 4,7 beim Winterroggen ergeben. Die diesjährigen Umpflügungen werden einen bedeutenden Um­fang annehmen, welcher sich erst mit einiger Sicherheit durch die Maiberichte werde ermitteln lassen. Die in der Tabelle angegebenen Umpflügungszifferri seien nicht end- giltig, da manches dem äußeren Eindrücke nach tote Stück einstweilen noch liegen gelassen werde in der Hoffnung, daß bei baldigem Eintritt wärmeren Wetters manche schein­bar abgesrorbene Pflanzen sich wieder erholen dürsten. Teilweise stark mitgewirtt an der Beschädigung der Saaten haben die Mäuse; sie sollen sich seit dem letzten Herbst sehr vermehrt haben. Was den Stand der einzelnen Frucht­arten an lange, so müsse gesagt werden, daß in den Be­richten der Vertrauensmänner nur das beurteilt wird, was zu sehen ist, und das sei beim Winterweizen nicht viel. Dabei sei er von dürftiger Beschaffenheit, er fei meist grau, und nur vereinzett fänden sich Meldungen über be- p:iebigenbe Durchwinterung. Ter Winterroggen soll vielfach gelbe Farbe zeigen. Mtt der Bestellung der Lecker zur Sommersaat sei man dank der schönen Wttterung im März in den Regierungsbezirken Danzig, Breslau, Frankfurt, Liegnitz, Oppeln, Lsnabriuc und Aurich bis auf die Hack­früchte meist fertig, in den übrigen, besonders in den west­lichen Landestellen soll die Bestellung erst wenig vorgv- schritten sein.

Sport.

18. Kongreß der Allgemeinen Radfahrer- Union Ter Fesiausschuß des 18. Siongtefirt der Allg. Radiahrer- Uniou D. T.-K. m Mannheim-Heidelberg vom 10.14. Juli d. I. hat beschlossen, zur Erlangung eines literarisch wertvollen RadlerliedeS ein Preisausschreiben zu veranstalten und for­dert alle Freunde des Rades von dichterischer Begabung auf, am Preisbewerb teilzunehmen. Tas Lied soll nach einer bekannten Melodie leicht singbar jein, möglichst die Herrlichkeiten des Wander- fahrens Aum Ausdruck bringen und höchstens acht Strophen um­fassen. An Preisen sind ausgesetzt ein erster Preis von 100 Mk. und zwei Trostpreise von 80 und 20 Alk. Die preisgekrönten Lieder werden Eigentum des HaupckonsulatS Maiinheim d. A. 9L-U. Tas Preisrichteramt baden übernommen, die Dichter Otto Jul. Bierbai^m, Tr. Karl Busse und Johs. Trojan. Tie Emsendungen müssen bis spätestens 1. Ium an den Vorsitzenden des PreßauS- schusses des 18. Kongresses der Allgem. Radsabrer-Unwn, P. Teickner-Mamiheim, erfolgen und »war ist jedes Lied mit einem Kennwort, Motto oder bergt am Kopie zu versehen und der Send­ung, die anonym zu geschehen Hal, ein geschlossenes Kouvert beizu- iügen, das außen das gleiche Alotto oder Kennwort trägt und innen den Namen und Adresse des Einsenders enthält. Tie nicht preisgekrönten Lieder werden auf Wunsch zurückgesandt. TaS Re­sultat des Preisausschreibens wird spätestens am L Juli bekannt gegeben. __________________________

Arbeiterbewegung.

Straßburg i. E., 22. April. Der Baua rbeiterstreik nähert sich seinem Ende. Die Bauunternehmer haben mehrere 100 auswärtige Arbeiter herangezogen. In den letzten Tagen kam es AU größeren Ausschreitungen der Streikenden, welche du fremden Arbeiter zum Abziehen veranlassen wollten, sodaß die Polizei cm- schreiten mußte und mehrere Berhafmngen vornahm.

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Neueste Meldungen.

vriginaldrahtmeldungeu be» Gießener Anzeiger».

Berit n, 23. April. Das Kreuz der Katser-Wil- he lm-Gedäch tniskirche ist gestern abend durch An­sellen an den Turmglockenbalken wieder befestigt und noch Beseittgung der Gefahr die Straßensperre ausgehoben wor­den. Die Arbeiten dauern fort.

Berlin, 23. April. Der Handelsminister beabsichtigt eine Konferenz der Letter und Leiterinnen der weto- lichen FortbiLungsschulen zur Ausbildung des Fortbllb- ungswesens aus wetteren Kreisen der erwerbstätigen Jugend.

Breslau, 23. April. Im Dorfe Gonfawa erschlug der Arbeiter Sinda seine Ehefrau mit einem Stock. Er wurde verhaftet. Die Ehefrau des Gutsschweizers Bartsch aus dem Gut KunSvorf bei Nimtsch wurde im Schlafzimmer überfallen und durch Messerstiche schwer verletzt Der Einbrecher goß Petroleum ins Bett und zündete es an Die Frau erlag den furchtbaren Brandwunden. Ter Täter ist noch nicht ermtttelt. __

Forma« vorzügliche» Lchnupfenmtttel! 1258

-Mjefors.

Gießen, 23. April.

In der Gemäldeausstellung des KunftvereinS hat sich hmte ein Wechsel der Bilder vollzogen. Die Werke des Schweden werden von der seitherigen Kollektion einzig noch noch ein paar Tage bleiben und, uebenettrcmder auf der Waudfläche des 2Mrmhauses vereint, dem Beschauer die vornehmen Elemente der modernen Kunst in ihrer ganzen Solidität vor Augen führen.

Die Bilder befremden zmiächst das unvorbereitete Auge. Allein das ist ein Beweis dafür, daß wir noch wie im Fluge die Erscheinungen sehen und von der Malerei eine Welt fordern, die uns kaum etwas anderes zeigt, als die GebiLe des flüchtigen Tages, mtt denen wir auch in Stunden der Mühsal zu tun haben. Einmal müssen wir jedoch zum Stillstand kommen. Tie Verdienste vcraangener Kunstepochen zu verkennen, davon ist nicht die Rebe. Aber sie wollten den Menschen )u c i t c r sichren, heraus aus der Wett, in der er sich jeweils bewegte, und das war chr Vorzug, ihre bedeutsame Berufung. In unseren Tagen be­gegnen sich in der Verfolgung dieser Forderungen zwei große Auffassungen. Boecklin hat lange als ein Ein­samer seine Stimme erhoben, um die Well um das Banner seiner neoidealistisch dekorattven ihm ft zu scharen Allein seine Phantasie war zu groß, als daß er ttn landläusigen Sinne hatte Schule machen können. Kein Jüngerer hat es chm annähernd gleich getan. Da kamen die Propheten der neuen Technik, des Impressionismus, und Ungezählte folgten aus diesem Wege. Und das hatte seine Verewigung. Tenn diese Kunstrichtting geht auch nicht auf der breiten Heerstraße der gemeinen und allgemeinen Welk. Niemand kann sagen, daß das Werk eines geistvollen Impressionisten den unkünstlerisck)en Eindruck der nackcen Wirklichkett mache. Unangenehm kann es unter Umständen einmal in der $e- suchthett seines Rbotivs werden, aber niemals unkünstlerisch. Man hat von der Wissenschaftlick'keit dieser Kunst gesprochen, und das ist zum Teil richttg. Wir lernen sehen in dieser Epoche. Eine Fi'llle neuer Erscheinungen, in die cs ein künstlerisches Verseillen gibt, verdanken wir diesen Förder­ungen der impressionistischen Methode. Und einen solchen Künstler, der sich an die Natur anlehnt und dock) in den ästhetischen Bahnen Boi'cklins sich bewegt, treffen wir, wenn wir unser '.'lugc auf die Werke des SclZiveden LlljeforS werken.

Llljefors liebt es, wie Bvecklin, das Wasser zu malen. Und er malt es, wie dieser, aU Masse. Er hat da ein Bild in der Kollektion, das erMöven" nennt. Wer die nordischen Meereswellen gesehen hat, der kennt sie hier wieder. Die Frische des salzigen Windes, der bas blaue Meerwasser kräuselt, weht uns an, daß wir frösteln möchten. Unten vor uns, auf einer Sandbank, sitzt eine Möve; eine andere, nur halb sichtbar, kommt ans dem Wasser hervor. In der Ferne ersä-eineu die blauen Züge der schwedischen Küste ui der kalten, nassen Seeluft. Well der Künstler so kühn mit flotten Pinsel strichen auf das Gwize hiw- gearbeitet hat, haben wir dem Bild gegenüber den Eindruck der unverwüstlichen NatürlichLett. Wasser, Vögel, ferne Höhen fügen sich durch die einheitliche Technik eng an­einander. Außerordentlich begabt ist Llljefors in der Wiedergabe intimer, einzelner Ausschnitte aus der Natur. Doch wir empftnden die Bilder nid)t als Ausschnitte. In jedem ruht eine Welt, die uns fesselt. Der Maler zeigt uns eine mäaMg sich empor wölbende Welle, dunkel graublau wie sie sttl) uns naht, indessen eine Mcerente aus dem Wasser aufgeraucht ist u.ib sich Nasse von sich schüttelnd, in die Höhe schwüigl. Llljefors kennt auch die Warben- freude Boecklins. Tas lcuchicnde Hellrot der Glieder des Wafservogcls, da? glänzende Braun des mtgeheuren Haffen- den Felsen, der einfache tvei&e Strich der Brandung, geben eine meisterhafte Komposition Auf einem anderen großen Gemälde zeigt uns der nun frier ün Flutental das Waffer grün, wie es sich wiegt und nah vor unserem Auge in die Höhe steig!, sodaß wir mit den beiden jungen Meerenten, die da ruhig sclZvttnmen, in Neptuns Reich von der übrigen Welt ganz abgeschieden sind. Wie diese Dassermassen so schwer und überzeugend sich hinwälzen, ist staunenswert:.' Und die weißgefleckten, mäusegrauen Schwimntcr sind so lebendig und natürlich in ihrem Ele­mente. Vielleicht könnte man Llljefors mtt Hans von Volkmann zufammenstcllen. Tor malt auch folche idyllische ^laturausfchnitte, ein paar Aeckcr, einen Hang u. a. m., nur haben die Bilder Llljefors mehr iniprefsionistisches Gepräge und find auf wettere Tistanzen berechnet.

Auf den übrigen E.ulälden im Turmhaus scheinc ixi Künstler auf den ersten Blick gaiij seltsame Probleme uci folgt zu haben. Aber es siiid für chn nicht eigentlich Pro­bleme geweseii. Sein foeichendes äuge fiel m das tiefste Schilfrohr und sah die duckcnoen, halbverfteckcen Enten auf dem Sande. Do raffte er wundersame Bilder auf.

Er sah nicht mehr Himmel und wettere Umgebung, tr verschwand im Schilf und befand sich bei den Enkeu^Die kriechen im Schatten der grünen Halme auf dem ®ooen dahin oder sie baden sich in einer nassen Mulde im ©anbe. Die zahllosen Gruben unb Windungen, die das plätschernde Wasser im Sande hingeschwemmt hat, werden plötzlich zu groteskem Farbenspiel.

Ein andermal breitet Morgelidämmerung sich über das Schilf. Eine düstere Wolke hat sich vorgeschoben und lagert neben dem hellen Himmel des nahenden Tages. Eine Ente fliegt aus dem Schilf in die Höhe. Tiefen Voaelflug hat Llljefors beobachtet; er ist der Mittelpunkt deü Bildes. Wie der Vogel erwacheiid dem Tag entgegen schwebt, kommt Leben und eine eigentunlliche Jarbenstimmung in diese- Stück Natur. Rote Glut walzt sich zum Schilf heran. Schwarz stehen noch die Schilsblätter, unbewegt hält fich die sinstere Wolke.

In ähnlicher charakteristischer Weife prafenticren sich die übrigen Bilder der Ausstellung. Diese Gruppe der über dem Wasser schwebenden Eidervögel ist cs im Grunde, die die fettsame Färbung der Wellen und des Himmels auf diesem Bilde erklärt. Und der Uhu, der im Dunkel des Waldes seine Beute erfaßt, erfordert dieses Hereinlugen des tiefen, gestirnten Himmels.Schneehase" ist etti höchst zierliches Meisterstück des Pttrsels, das dem Beschauer sotorr verständlich wird. Nie bietet uns der Künstler Willkürlich- (eiten in seinen Kompositionen: immer entspringen aus der Verborgenheit die er sucht, und der jewelligen Stttiimung, die er dort vorftndet, die c^rrakteristischeu Gebilde, die uns anfänglich überraschen. A. G.

Zum Sänger-Wettstreit. Die uns mttgetellt Nnrd, geht der Verkauf der Dauerkarten recht flott; einzelne Sorten sind fast vollständig vergriffen. Der Berkaus der Tauerkarten wird bestimmt am 30. April geschloffen. Für den Abend des 3. Juni, nach dem Begrüßmigs-Konzert ist eine Illumination in Aussicht geiwmmen. Ter Kaller fährt nach dem Koiizerr den Schamnainkoi hinauf über die Uniermaindrücke, die Neue Mainzer Straße am Schauspiel- tjaufe vorbei und über die äußere Karserstraße nach dem B ihnhof. Aus dem Maine nehmen die Rudergesellfchaften Aufstellung und die Ufer, Brücken, die Kuppel des Schau- spiclhauses, die Türme des Rathauses und der Dom werden bengalisch crieuchai. Zum Besuch des Konzerts selbst fährt der Saifcr vom Bahnhof über die Wllhelmsbrürke.